Zacharjah זכריה
Kapitel
Einleitung von Julius Jehuda Hirsch
Secharja
1. Die Person und die Zeit des Propheten. Secharja war ein Zeitgenosse Chaggais, ihre prophetische Beauftragung fiel in dasselbe Jahr, diejenige Secharjas erfolgte zwei Monate später als die Chaggais, im zweiten Jahre des Königs Darjawesch. Nach Neh. 12, 4. 7 war sein Großvater Iddo das Haupt eines der mit Serubabel aus Babel zurückgekehrten Priesterhäuser, derselbe war nach Esra 5, 1 gleichfalls Prophet. Es heißt nämlich dort: Es prophezeite der Prophet Chaggai und: וּזְכַרְיָה בַּר־עִדּוֹא נְבִיאַיָּא, Secharja des Sohn Iddos, die Propheten, der Plural kann sich nur auf Secharja und Iddo beziehen, denn Chaggai war schon zuvor als Prophet charakterisiert. Daraus erklärt sich denn auch, daß er, als dem Großvater geistig nahestehend, Esra 5, 1 und 6, 14 als dessen Sohn bezeichnet wird. Damit stimmt auch überein, daß hier 1, 1 nach dem Accente das Wort הַנָּבִיא sich auf Iddo bezieht: Secharja war der Sohn Berechjas und dieser der Sohn des Propheten Iddo. Wenn Secharja Neh. 12, 16 auch als Nachfolger seines Großvaters als Familienhaupt angeführt wird, so wird daraus wohl mit Recht geschlossen, daß sein Vater Berechja damals bereits gestorben war. — Von seiner Person ist außer seinem Buche nichts bekannt, und über seine Zeit verweisen wir auf das bei dem Propheten Chaggai Bemerkte.
2. Das Buch Secharja. Eine Eigentümlichkeit tritt uns sofort in den ersten Kapiteln dieses Buches entgegen: die Fülle der Gesichte, daß dem Propheten nämlich die mitzuteilenden Gedanken zunächst in Bildern gezeigt werden, und zwar bedarf es eines vermittelnden Engels, מַלְאָךְ הַדֹּבֵר בִּי, ihm diese Gesichte zum Verständnis zu bringen. Wenn man darin eine Abnahme der prophetischen Kraft finden möchte, so ist dem gegenüber daran zu erinnern, daß auch anderen Propheten, wie z. B. Amos (7, 1. 8, 1), Jeremias (1, 11 u. f.), hin und wieder das Mitzuteilende zuerst in einem Bilde gezeigt und dann dessen Deutung ausgesprochen wurde, und daß ferner diese Form der Mitteilung bei Secharja nur in den Anfang seiner Sendung fällt. Bei der sich dadurch von selbst ergebenden Gliederung seines Buches bilden die ersten sechs Kapitel den ersten Teil, der durch ein direktes, nicht durch Bild vermitteltes Gotteswort eingeleitet wird. Dieses erging an ihn im achten Monat des zweiten Regierungsjahres des Darjawesch, während die Reihe der Gesichte ungefähr drei Monate später, im elften Monate desselben Jahres, am 24. des Monats, erfolgte oder begann. Sie bilden nämlich unzweifelhaft ein großes Ganzes, es ist aber durchaus nicht notwendig, wenigstens ergiebt es sich durchaus nicht mit Bestimmtheit, daß sie eine zeitlich continuierliche Reihe gebildet hätten. An sie schließt sich 6, 9 die Beauftragung mit einer symbolischen Handlung an, deren Deutung sofort ausgesprochen wird. Den Inhalt dieses ersten Teiles bilden einerseits Ermahnungen, Belehrungen und Aufschlüsse über die Gegenwart des Propheten, also die Wiedererbauung des Tempels und die mit ihr anhebende Zeit, anderseits Ausblicke auf die ferne Heileszukunft und auf die durch alle weltgeschichtlichen Stürme und Umwälzungen Israel und die Menschheit zu ihr führenden Wege.
Den zweiten Teil bilden die Kapitel 7 und 8, die gleichfalls ein einheitliches Ganzes bilden und schon durch die Zeitangabe am Anfang des 7. Kapitels von den vorhergehenden und durch ihren Inhalt von den nachfolgenden Kapiteln getrennt sind. Dieser Teil bezieht sich hauptsächlich auf die damalige Zeit mit Durch- und Ausblicken auf die ferne Zukunft. — Die Erziehung der Völker und Israels zu dieser Zukunft bildet den Inhalt der letzten sechs Kapitel, die den dritten Teil Buches ausmachen. — Aus der Fülle der Einzelheiten heben wir zur allgemeinen Orientierung nur einiges hervor.
Kap. 1. Zuerst, im Augenblicke des Wiederaufbaues des Tempels, Warnung vor einem Rückfall in die Sünden der Väter, die die Bedeutung des Tempels und des Opferdienstes verkannt hatten (V. 1—6). Sodann das erste Gesicht: die Rosse und ihr Lenker, der seinen Stand hat bei den „Myrten in der schattigen Meerestiefe“, Erklärung des Gesichtes, trostreiche Worte der Verheißung für die Gegenwart und für die ferne Zukunft (V.8—17).
Kap. 2. „Die vier Hörner“ und „die vier Meister“ und ihre Deutung (V. 1—4). „Der Mann mit der Meßschnur“. Verheißungen für die unmittelbar bevorstehende und für die ferne Zukunft (V. 5—11). Warnung der Völker vor Vergewaltigung Israels (V. 12—13). Verkündigung des Anbruches des Gottesreiches (V. 14—17).
Kap. 3. Der Hohepriester Josua, seine Aufgabe und die Bedingung ihres Gelingens. Weitreichende Bedeutung des zweiten Tempels, die Bedeutsamkeit seiner Grundsteinlegung und die Verheißung der Vollendung.
Kap. 4. Der Leuchter des Heiligtums, der alle Bedingungen des Leuchtens selbst erzeugt und trägt —: ein an Serubabel gerichtetes Gotteswort (V. 1—7). Weitere Erklärung der Olivenzweige auf dem Leuchter (V. 11—14).
Kap. 5. Das Gesicht von der „fliegenden Buchrolle“ (V. 1—4), von dem das Auge vertretenden Epha, von der Frau im Epha (V. 5—11).
Kap. 6. Das Gesicht von den vier Wagen mit roten, schwarzen, weißen und scheckigen Gespannen (V. 1—8). Die Anfertigung der Krone und ihre Bestimmung (V. 9—15).
Kap. 7 und 8 behandeln die Frage, ob die Gedenktage der nationalen Katastrophen mit der Wiedererbauung des Tempels ihre Bedeutung verloren haben.