Zacharjah 4 זכריה

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Haftarot in diesem Kapitel: Schabbat Chanukkah
1
וַיָּ֕שׇׁב הַמַּלְאָ֖ךְ הַדֹּבֵ֣ר בִּ֑י וַיְעִירֵ֕נִי כְּאִ֖ישׁ אֲשֶׁר־יֵע֥וֹר מִשְּׁנָתֽוֹ׃
ZunzDa kam der Engel zurück, der mit mir redete, und erweckte mich, wie einen Mann, der aus seinem Schlafe erweckt wird.
J. J. HirschDa kehrte der Engel zurück, der mit mir redete, und weckte mich auf, wie einen Mann, der aus seinem Schlafe geweckt wird.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 4. V. 1. Das Auge des Propheten wird wieder auf seine Gegenwart zurückgelenkt. Ihm wird die siebenarmige Leuchte des Heiligtums gezeigt, gezeigt wie sie selbst Träger der reichen Ölquelle sei und wie jedem ihrer Lichter das lichtnährende Öl in reichem Maße, in je sieben Röhren, zugeführt werde. Und auch die Bäume, an denen die Ölfrucht reifte, trug sie selbst. Also eine Leuchte, die, unabhängig von allem anderen, alles was sie zum Leuchten braucht, selbst trägt und erhält. Auf die wiederholte Frage, was diese Leuchte bedeute, nachdem ihm zuvor (V. 5) wie mit leisem Vorwurf der Engel erwidert, ob er denn die Bedeutung noch nicht auf den ersten Blick begriffen habe, wird ihm (V. 6) die Antwort: זֶה, dieses, — diese Leuchte, die alles, dessen sie zum Leuchten bedarf, selbst trägt und erzeugt —: ein an Serubabel, den Führer des Volkes, gerichtetes Gotteswort ist es, ihm zu sagen: das Werk, zu dessen Vollbringung du berufen, der Bau, zu dem hier der Grundstein gelegt wird und an dessen idealer Vollendung alle kommenden Geschlechter zu arbeiten berufen sind, — nicht durch Heeresmacht und nicht durch Körperkraft wird er gefördert, sondern: durch „meinen Geist“. Jeder Menschenkreis und jeder einzelne Mensch, und wäre er äußerlich der winzig schwächste, sobald er sich mit meinem Geiste durchdringt und damit sich in den Dienst der Gerechtigkeit, der Liebe und der Lebensheiligung stellt, ist riesenstark in Vollbringung seines Werkes. Da es mein Geist ist, der ihn beseelt, und mein Werk, an dessen Verwirklichung er arbeitet, so lenke ich auch als ד' צְבָאוֹת die in meinem Dienste stehenden Schöpfungsscharen und Kräfte, daß sie seinem Wirken Förderung gewähren, gebe ihm „Gehende und Führende unter den Stehenden“. Darum:

Haftarah Schabbat Chanukkah Romanioten beginnen hier.Romanioten: abweichend: Zacharjah 2,1 – 5,9
2
וַיֹּ֣אמֶר אֵלַ֔י מָ֥ה אַתָּ֖ה רֹאֶ֑ה (ויאמר) [וָאֹמַ֡ר] רָאִ֣יתִי ׀ וְהִנֵּ֣ה מְנוֹרַת֩ זָהָ֨ב כֻּלָּ֜הּ וְגֻלָּ֣הּ עַל־רֹאשָׁ֗הּ וְשִׁבְעָ֤ה נֵרֹתֶ֙יהָ֙ עָלֶ֔יהָ שִׁבְעָ֤ה וְשִׁבְעָה֙ מֽוּצָק֔וֹת לַנֵּר֖וֹת אֲשֶׁ֥ר עַל־רֹאשָֽׁהּ׃
ZunzUnd er sprach zu mir: Was siehest du? Und ich sprach: Ich sehe, und siehe, einen Leuchter, ganz aus Gold, und eine Schale oben darauf und die sieben Lampen darauf, je sieben Röhren zu den Lampen oben darauf.
J. J. HirschEr sprach zu mir: Was siehst du? Ich antwortete: Ich sehe, und siehe da ein Leuchter, ganz aus Gold, und seinen Ölbehälter trägt er auf seinem Haupte, und seine sieben Lampen sind auf ihm, und je sieben Röhren zu den Lampen, die auf seinem Haupte sind.
3
וּשְׁנַ֥יִם זֵיתִ֖ים עָלֶ֑יהָ אֶחָד֙ מִימִ֣ין הַגֻּלָּ֔ה וְאֶחָ֖ד עַל־שְׂמֹאלָֽהּ׃
ZunzUnd zwei Oelbäume daran, einen rechts von der Schale, und einen zur Linken.
J. J. HirschUnd zwei Ölbäume auf ihm, einer zur Rechten des Ölbehälters und der andere zu seiner Linken“.
4
וָאַ֙עַן֙ וָֽאֹמַ֔ר אֶל־הַמַּלְאָ֛ךְ הַדֹּבֵ֥ר בִּ֖י לֵאמֹ֑ר מָה־אֵ֖לֶּה אֲדֹנִֽי׃
ZunzUnd ich hub an und sprach zu dem Engel, der mich anredete, also: Was sind diese, mein Herr?
J. J. HirschDa hub ich an und sprach zu dem Engel, der mit mir redete: Was bedeuten diese, mein Herr?
5
וַ֠יַּ֠עַן הַמַּלְאָ֞ךְ הַדֹּבֵ֥ר בִּי֙ וַיֹּ֣אמֶר אֵלַ֔י הֲל֥וֹא יָדַ֖עְתָּ מָה־הֵ֣מָּה אֵ֑לֶּה וָאֹמַ֖ר לֹ֥א אֲדֹנִֽי׃
ZunzUnd es antwortete der Engel, der mit mir redete, und sprach zu mir: Weißt du nicht, was diese sind? Und ich sprach: Nein, mein Herr.
J. J. HirschDa antwortetete der Engel, der mit mir redete und sprach zu mir: Hast du denn nicht begriffen, was diese bedeuten? — Ich sagte: Nein, mein Herr.
6
וַיַּ֜עַן וַיֹּ֤אמֶר אֵלַי֙ לֵאמֹ֔ר זֶ֚ה דְּבַר־יְהֹוָ֔ה אֶל־זְרֻבָּבֶ֖ל לֵאמֹ֑ר לֹ֤א בְחַ֙יִל֙ וְלֹ֣א בְכֹ֔חַ כִּ֣י אִם־בְּרוּחִ֔י אָמַ֖ר יְהֹוָ֥ה צְבָאֽוֹת׃
ZunzUnd er antwortete und sprach zu mir, also: Das ist das Wort des Ewigen an Serubabel, also: Nicht durch Macht und nicht durch Stärke, sondern durch meinen Geist; spricht der Ewige der Heerschaaren.
J. J. HirschDa antwortete er und sprach zu mir: Dies — ist ein an Serubabel gerichtetes Gotteswort, ihm zu sagen: Nicht mit Heeresmacht und nicht mit Leibeskraft, sondern mit meinem Geiste, spricht Gott der Schöpfungsscharen.
7
מִֽי־אַתָּ֧ה הַֽר־הַגָּד֛וֹל לִפְנֵ֥י זְרֻבָּבֶ֖ל לְמִישֹׁ֑ר וְהוֹצִיא֙ אֶת־הָאֶ֣בֶן הָרֹאשָׁ֔הֿ תְּשֻׁא֕וֹת חֵ֥ן חֵ֖ן לָֽהּ׃ {פ}
ZunzWer du auch seiest, großer Berg, vor Serubabel (wirst du) zur Ebene. Und er wird hervorziehen den Hauptstein unter dem Jauchzen der ihm Heil Wünschenden.
J. J. HirschWer bist du, großer Berg? Vor Serubabel — zur Ebene! Er führt den Stein empor zur Giebelvollendung, denn reiche Fülle jeglicher Begnadung ist ihm verliehen. —
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 7. weil nicht materielle, sondern geistige und sittliche Kräfte die zur Vollendung dieses Baues berufenen sind, giebt es auch keine materiellen Hindernisse, die sich dieser Vollendung entgegenstellen könnten. Auch die gewaltigsten feindlichen Mächte, auch die „berg-hoch“ sich entgegentürmenden Schwierigkeiten — der geistig-sittlichen, der göttlichen Macht gegenüber schwinden sie in nichts zusammen. Dieser Geist ist es, der den Bau, zu dem jetzt der Grundstein gelegt wird, zur Giebelhöhe der Vollendung führt, denn reichste Fülle der göttlichen Begnadung ist ihm gesichert. — Die Verdoppelung des חֵן drückt die Allseitigkeit aus.

Haftarah Beha'alotcha Aschkenasim, Sefardim, Italiener, Romanioten und Karäer enden hier.
Haftarah Schabbat Chanukkah Aschkenasim, Sefardim und Italiener enden hier.
8
וַיְהִ֥י דְבַר־יְהֹוָ֖ה אֵלַ֥י לֵאמֹֽר׃
ZunzUnd es erging das Wort des Ewigen an mich also:
J. J. HirschDa erging das Wort Gottes an mich.
9
יְדֵ֣י זְרֻבָּבֶ֗ל יִסְּד֛וּ הַבַּ֥יִת הַזֶּ֖ה וְיָדָ֣יו תְּבַצַּ֑עְנָה וְיָ֣דַעְתָּ֔ כִּֽי־יְהֹוָ֥ה צְבָא֖וֹת שְׁלָחַ֥נִי אֲלֵיכֶֽם׃
ZunzDie Hände Serubabels haben dieses Haus gegründet, und seine Hände sollen es vollenden, und du sollst erfahren, daß der Ewige der Heerschaaren mich zu euch gesandt hat.
J. J. HirschSerubabels Hände haben dieses Haus gegründet, seine Hände werden es auch vollenden, und du wirst erkennen, daß Gott der Schöpfungsscharen mich an euch gesandt hat.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 9. Was eben von dem Engel als ein durch das Bild des Leuchters zum Ausdruck gekommenes Gotteswort der Ermahnung und Ermutigung erklärt worden war, das wird nun hier durch ein unmittelbar an Secharja gerichtetes Gotteswort als bestimmte Verheißung ausgesprochen: Serubabels Hände, die den Grundstein gelegt, sie werden den Bau auch vollenden, und daraus wirst du, Serubabel, erkennen, daß in Wahrheit Gott mich, den Propheten, an euch gesandt hat.

Haftarah Beha'alotcha Jemeniten enden hier.
Haftarah Schabbat Chanukkah Jemeniten enden hier.
10
כִּ֣י מִ֣י בַז֮ לְי֣וֹם קְטַנּוֹת֒ וְשָׂמְח֗וּ וְרָא֞וּ אֶת־הָאֶ֧בֶן הַבְּדִ֛יל בְּיַ֥ד זְרֻבָּבֶ֖ל שִׁבְעָה־אֵ֑לֶּה עֵינֵ֣י יְהֹוָ֔ה הֵ֥מָּה מְשׁוֹטְטִ֖ים בְּכׇל־הָאָֽרֶץ׃
ZunzDenn wer auch gering achtete den Tag unbedeutender (That) — sie freuen sich, wenn sie stehen am Loth in Serubabels Hand (mit) diesen sieben: die Augen des Ewigen sind es, streifend durch die ganze Erde.
J. J. HirschDenn wer den Tag der kleinen Dinge verachtet hat, die mögen voll Freude sehen das Bleiloth in Serubabels Hand, jene Sieben — die Augen Gottes, sie sind es die über die ganze Erde schweifen!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 10. יוֹם קְטַנּוֹת: eine Zeit, in der vermeintlich nur Unbedeutendes geschehen und geschehen könne. Die ganze Zeit seit der Heimkehr ist damit gemeint. Wessen Auge bisher verschlossen war für die Erkenntnis der hohen Bedeutung des Großen, was sich in dieser scheinbar nur Kleines zeitigenden Zeit vollzog, die mögen und werden sicher nach den nunmehr von den Propheten verkündeten Aufschlüssen freudeerfüllt schauen das Bleilot in der Hand Serubabels, sie sollen damit auch schauen jene „Sieben“, die 3, 9 genannten „sieben Augen“, sollen erkennen, wie auf diesen einen Stein die ganze göttliche Vorsehung gerichtet war und ist (s. oben zur Stelle). Das sind die Augen Gottes, die stets die ganze Erde überblicken, deren Blick das Ganze umfaßt. In dem מְשׁוֹטְטִים liegt der Ausdruck der Bewegung, des steten alles überschauenden Sehens, dem sich nichts entzieht. Es ist der treffendste Ausdruck für die allgegenwärtige, alles für ihre Waltungsziele erkennende, gestaltende, fördernd oder hemmend eingreifende Vorsehung. Wenn mit den Worten שִׁבְעָה אֵלֶּה auf Kap. 3, V. 9 hingewiesen und damit die in der Ermöglichung und Herbeiführung dieses Baues sich in der unmittelbaren Vergangenheit und damaligen Gegenwart offenbarende Gotteswaltung ins Bewußtsein gerufen wird, so weist die zweite Satzhälfte עֵינֵי ה' וגו' darauf hin, daß dieselbe Waltung sich über die ganze Erde erstrecke, d. i. nicht bloß räumlich, sondern auch zeitlich in aller Zukunft dieselbe bleibe. Denn in diesem räumlich wie zeitlich unbegrenzten Sinn ist das כָּל הָאָרֶץ zu fassen. Dieser Hinweis auf das durch בֵּית שֵׁנִי anzubahnende בֵּית שְׁלִישִׁי entspricht ganz dem oben wiederholt nachgewiesenen Geiste des Prophetenwortes Secharjas. — Wir haben in der Übersetzung בַז mit den alten und neuen Erklärern als gleichbedeutend mit בָּז angenommen, mit geschärftem Laute a für o. Nötig ist dies nicht. Normal von בָּזַז rauben, wegreißen, widerrechtlich wegnehmen, giebt es den Sinn: denn wer diesem Tage der kleinen Dinge die ihm zukommende Achtung, den Zoll der Huldigung bisher widerrechtlich entzogen, versagt hat, die werden ꝛc. Möglich ist es auch, das מִי statt als unbestimmtes vielmehr als fragendes Pronomen zu fassen. Wer hat bisher verachtet oder die Anerkennung versagt? Die werden oder mögen sich nunmehr freuen und sehen, oder adverbial: freudig sehen ꝛc.

Haftarah Beha'alotcha Fes enden hier.
11
וָאַ֖עַן וָאֹמַ֣ר אֵלָ֑יו מַה־שְּׁנֵ֤י הַזֵּיתִים֙ הָאֵ֔לֶּה עַל־יְמִ֥ין הַמְּנוֹרָ֖ה וְעַל־שְׂמֹאולָֽהּ׃
ZunzUnd ich hub an und sprach zu ihm: Was sind diese beiden Oelbäume zur Rechten des Leuchters und zur Linken?
J. J. HirschDa antwortete ich und sprach zu ihm: Was bedeuten diese beiden Ölbäume zur Rechten des Leuchters und zu seiner Linken?
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 11—14. Der Prophet erbittet sich noch Belehrung über die Bedeutung der zwei „Ölbäume zur Rechten des Leuchters und zu seiner Linken“. Auf diese Frage wird ihm keine Antwort. Er hatte bei seiner Frage sich in der Wiedergabe des thatsächlich Geschauten geirrt. Bei näherem Hinblicken berichtigt er sich deshalb V. 12 und wiederholt die Frage. Was er V. 11 für Ölbäume gehalten, waren Ölbaum*zweige*, wörtlich: Ähren des Ölbaums, also reich mit Früchten beladene Zweigwipfel. Wären es Bäume gewesen, die zu beiden Seiten des Leuchters standen, so hätten sie ihre Wurzeln nicht in demselben gehabt. Diese Ungenauigkeit der Auffassung hatte ihm das Verständnis ohnehin unmöglich gemacht. Nunmehr beschreibt er diese Zweige näher dahin, daß sie von zwei goldenen Röhren gehalten werden, die das Gold von sich „ableerten“. Darauf wird ihm die Antwort: dies sind die beiden Söhne, die Kinder, Produkte des Öles, die bei dem Herrn der ganzen Erde ihren Stand haben.

Es ist nun zunächst zu untersuchen, ob diese Ölzweige identisch sind mit den V. 3 genannten Ölbäumen, sodaß sich die Frage V. 11 nach den שְׁנֵי הַזֵּיתִים הָאֵלֶּה auf die oben genannten und ebenso die hier gegebene Selbstberichtigung sich gleichfalls auf jene bezöge. Dafür spräche, daß es sonst auffällig wäre, weshalb er bei der Beschreibung seines Gesichtes oben diese beiden Ölbäume bezw. Zweige nicht mit angeführt habe. Dagegen spricht jedoch einmal, daß die Stellung jener beiden Ölbäume ganz genau angegeben ist als „der eine zur Rechten des Ölbehälters und der andere zu seiner Linken“, während diese ihm zuerst „auf der rechten und linken Seite des Leuchters“, also außerhalb desselben und neben ihm zu stehen schienen. Man mag sich den Ölbehälter, der auf dem Leuchter selbst war, wie und wo immer angebracht vorstellen, niemals werden die unmittelbar neben demselben befindlichen Bäume als rechts und links „vom Leuchter“ stehend erscheinen können, daß also der ganze Leuchter zwischen ihnen sich befände. Sodann aber erscheint es als geradezu ausgeschlossen, daß ihm auf seine Frage nach der Bedeutung des Gesichtes V. 5 statt der etwas staunenden Gegenfrage, ob er es denn nicht verstanden habe, nicht wie hier durch Schweigen die Veranlassung geboten worden wäre, durch nähere Betrachtung des Geschauten zunächst seine Auffassung zu berichtigen. Daß er aber diese beiden vermeintlichen Bäume zuerst nicht mit anführte, erklärt sich dadurch, daß der Leuchter sich ihm ganz richtig als ein Ganzes darstellte, weshalb auch der Engel ihm denselben als „ein an Serubabel gerichtetes Gotteswort“ erklärte, während ihm die beiden vermeintlichen Bäume eben nicht als zum Leuchter gehörig erschienen. Da er jetzt nun, seine Frage nach der Bedeutung des Gesichtes ergänzend, im besondern nach deren Bedeutung fragt, wird er zunächst zur genauerer Auffassung veranlaßt.

Was nun die näheren Modalitäten betrifft, so werden die beiden ährenartig von Ölfrucht umstandenen Zweige von zwei goldenen צַנְתְּרוֹת gehalten. Dieses nur hier vorkommende Wort ist offenbar mit צִנּוֹר verwandt, das Ps. 42, 8 und ebenso im neuhebräischen Sprachgebrauche Wasserleitung, Kanal, Wasserrohr bedeutet, und kann auch nach dem ganzen Zusammenhange hier nur Röhren, Kanäle bedeuten, durch welche die Ölzweige gehalten oder getragen werden. Durch das eingeschobene ת dürfte es vielleicht die Bedeutung einer stilisierten Röhre haben. Da diese Träger als Röhren bezeichnet werden, so haben sie offenbar die Bestimmung, diesen Zweigen das Öl als ihren Lebenssaft von der Ölquelle des Leuchters zuzuführen; sie wurzeln damit in Wahrheit in dem Leuchter, aus dem sie ihre Lebenskraft trinken, die sie befähigt, ihrerseits reiche Ölfrucht zur zeitigen. Sie sind somit in Wahrheit „Kinder, Erzeugnisse des Öles“. Da aber die Ölfrucht, die diese „Kinder des Öles“ in solcher Fülle zeitigen, den Leuchtstoff für den Leuchter bildet, so dürften die sie tragenden Röhren auch zugleich die Ableitung, bezw. die Hinleitung des von den Zweigen gezeitigten Leuchtstoffes zu dem Leuchter zur Darstellung bringen. Die beiden Zweige sind Erzeugnisse des von den beiden Ölbäumen, die der Leuchter selbst trägt, erzeugten Öles und sind zugleich ihrerseits Träger und Mehrer der Ölfrucht.

Nun wird von diesen צַנְתְּרוֹת weiter bemerkt, daß sie מֵעֲלֵיהֶם das Gold ableeren. Denn nach der Construction kann sich הַמְרִיקִים nur auf die Röhren bezw. Träger beziehen. Die gewöhnliche Auffassung, die in dem „ausgeleerten Golde“ das „goldgelbe Öl“ erblickt und sich genötigt sieht, das מֵעֲלֵיהֶם auf die über ihnen an den Ölzweigen befindlichen Früchte zu beziehen, bietet sachlich und sprachlich die größten Schwierigkeiten. Abgesehen davon, daß es dann heißen müßte עֲלֵיהֶם und daß es eigentlich ganz überflüssig wäre, vergl. Gen. 42, 35 הֵמָּה מְרִיקִים שַׂקֵּיהֶם, heißt הֵרִיק nie ausleeren in dem Sinne des Hinführens oder Aufgießens, sondern hat stets die Bedeutung des Entleerens, Entfernens des betreffenden Objektes, das sowohl die bisherige Hülle, wie in dem angeführten Beispiele, als auch das bisher Umschlossene, der Inhalt sein kann. Nach dieser Auffassung müßte es מְצִיקִים heißen, wie oben die Zuleitungsröhren מוּצָקוֹת genannt sind. Sodann widerspricht es dem ganzen Gesichte, das Gold, das bisher lediglich als der Stoff genannt wurde, aus dem der Leuchter und alle seine Teile sowie die beiden Ölzweige bestanden, nun hier als Bezeichnung des Öles zu begreifen. Wir glauben deshalb הַמְרִיקִים für leermachen, entfernen nehmen zu müssen und das מ in מֵעֲלֵיהֶם in dem gewöhnlichen Sinne der Entfernung, das Suffix in מֵעֲלֵיהֶם aber auf die beiden Ölzweige beziehen zu sollen, מֵעֲלֵיהֶם: von bei ihnen. Das עַל kann hier aber auch die Bedeutung von „auf“ und „über“ haben, dann heißt מֵעֲלֵיהֶם: von über sie, d. h. daß es sie nicht bedecke, beeinträchtige, in jedem Falle ist der Sinn: die Sorge dafür, daß den beiden Ölzweigen ein gesonderter Raum bleibe. Das Objekt הַזָּהָב aber ist das Gold, aus dem der ganze Leuchter bestand. Mit großer Genauigkeit wird daher die Stellung der beiden Träger der Ölzweige dahin präcisiert, daß sie das „Gold von ihnen“ d. h. von sich „ableerten“, d. i. entfernten. Das Gold, aus dem der Leuchter bestand, trat an der Stelle, an welcher die Träger der Ölzweige sich befanden, zurück; die Ölzweige wurden also wohl von dem Leuchter getragen, es wurde ihnen jedoch Raum gelassen, sie gingen wohl aus ihm hervor und wurzelten in ihm, nahmen jedoch eine gesonderte, äußerlich kenntliche Stellung ein.

Nachdem er nunmehr das Geschaute so genau dargelegt hat, wird er zunächst darauf hingewiesen, daß er eigentlich jetzt die Bedeutung selbst erkennen dürfte, und erhält sodann die Antwort: es seien die beiden „Söhne des Öles“, die bei dem Herren der ganzen Erde ihren Standpunkt hätten. Ein Wort der Weisen erkennt in diesen שְׁנֵי בְנֵי הַיִּצְהָר den jüdischen Hohenpriester und den jüdischen König, Josua und Serubabel, oder vielmehr die Repräsentanten des jüdischen Priestertums und des jüdischen Königtums. Im Lichte der eben festgestellten Einzelbestimmungen gewinnt diese Erklärung reichen, lebenvollen Inhalt von tiefer, unvergänglicher Bedeutung. Der Hohepriester aus dem Aronsstamme und der König aus dem Davidsstamme, der jüdische Priester und der jüdische König, sie sind ihrer Bestimmung nach aus der Weihe des heiligen Öles hervorgehende Persönlichkeiten, deren Bestimmung es ist, ihre ganze Kraft für die Pflege des Lichtes, das ist für die Pflege der Thora einzusetzen und in dieser unausgesetzten Arbeit die Summe ihres Lebens zu erblicken. Nicht steht die jüdische Geistlichkeit und nicht steht der jüdische König auf „eigenen Füßen“, auf einem von dem des Volkes gesonderten Boden. Sie, die beiden בְּנֵי הַיִּצְהָר sind nur zwei Zweige, die in einem und demselben Stamme wurzeln mit dem Volke, ja die aus dem Volke hervorgehen, der Leuchter ist ja ein Lichtbaum, das Idealbild des vom Geiste Gottes getränkten und sich als dessen Lichtträger darstellenden Gottesvolkes. Die צַנְתְּרוֹת הַמְרִיקִים, die sie tragen und emporhalten, sind ja selbst nur eine Fortsetzung des Leuchters. Das Volk selbst giebt ihnen Raum zur Entwicklung und gesonderte und hervorragende Stellung zur Bethätigung ihrer Kraft.

So stellt sich das Gesicht mit den feinen Nüancen seiner Zeichnung als die schärfste Umgrenzung dieser beiden Gewalten dar. Es warnt die Nation vor Unterschätzung und die Träger dieser Gewalten vor Verkennung und Überschätzung ihrer Stellung. Nur wenn sie — das ist seine mahnende und warnende Lehre — in klarer Erkenntnis und Würdigung ihrer Aufgabe und ihrer Stellung sich als בְּנֵי הַיִּצְהָר begreifen und bewähren, werden sie selbst Erzeuger und Mehrer des „Öles“ sein, aus dem sie hervorgegangen sind, Mehrer des Lichtes und der Weihe. Die Worte: הָעֹמְדִים עַל אֲדוֹן כָּל הָאָרֶץ aber vindicieren den Vertretern des Arons- und des Davidsstammes, dem jüdischen Priester und dem jüdischen Könige ihre welthistorische, im Dienste der höchsten Waltungsziele der göttlichen Menschheitserziehung wirkende Stellung. Es ist „der Herr der ganzen Erde“, in dessen Dienste und für dessen Dienst sie ihres Amtes zu walten haben. Indem sie zunächst Israel mit dem Gottesgeist zu durchdringen streben, der Pflege des Lichtes der Gotteslehre und des Gottesgesetzes in Israel sich hingeben, auf daß es in immer höherem Maße seiner Bestimmung als Menschheitpriestervolk entgegenreife, arbeiten sie an der Herbeiführung des Gottesreiches auf Erden, dessen Anbruch Jes. 2, 2 ff geschildert und oben 2, 15 verkündet ist. So sehen wir auch in diesem Gesichte, wie überall im Prophetenworte, den Blick nie auf Israel selbst beschränkt, sondern stets seine Bedeutung in seiner innigen Beziehung zur ganzen Menschheit und für dieselbe gekennzeichnet.

Wir möchten noch mit einem Worte auf die Selbstberichtigung des Propheten V. 12 zurückkommen. Sie scheint uns eine ernste Mahnung an alle Erforscher des Gotteswortes und seiner Gesetze zu enthalten. Nichts hat von jeher der Erkenntnis desselben also im Wege gestanden, wie eine oberflächliche, ungenaue oder nur eine Seite, einen Teil ins Auge fassende und sie zur Grundlage der Erklärung machende Betrachtung. Nur die genaueste, aufs schärfste jede Einzelheit beachtende und erfassende Aufnahme der Totalität eines Gesetzes ist die unerläßliche Vorbedingung, auf deren Grundlage allein das Eindringen in den Sinn und Geist desselben erst möglich wird. Ohne dieselbe sind alle Erklärungen und Erklärungsversuche im eigentlichsten Sinne des Wortes — gegenstandslos, es fehlt ihnen eben das Objekt, denn das Vermeintliche ist eben nicht das Wirkliche, dieses aber hüllt sich allen Fragen gegenüber, die nicht von seiner genauen Auffassung ausgehen, unerbittlich in Schweigen, wie dies unser Prophet erfuhr. Es ist das unsterbliche Verdienst meines Vaters, zu allererst dieses Princip seiner Erforschung des Gottesgesetzes zu Grunde gelegt und es mit eiserner Consequenz durchgeführt zu haben. Dadurch bildet seine Forschung einen Markstein in der Geschichte der Thoraforschung, und die von ihm gewonnenen Ergebnisse bilden die Grundlage, auf der noch die Forscher später Jahrhunderte weiter bauen werden.

12
וָאַ֣עַן שֵׁנִ֔ית וָאֹמַ֖ר אֵלָ֑יו מַה־שְׁתֵּ֞י שִׁבְּלֵ֣י הַזֵּיתִ֗ים אֲשֶׁר֙ בְּיַ֗ד שְׁנֵי֙ צַנְתְּר֣וֹת הַזָּהָ֔ב הַֽמְרִיקִ֥ים מֵעֲלֵיהֶ֖ם הַזָּהָֽב׃
ZunzUnd abermals hub ich an und sprach zu ihm: Was sind die beiden Olivenbüschel, die in die beiden goldnen Flaschen greifen, aus denen sie es goldhell herausleiten?
J. J. HirschUnd zum zweiten Male antwortete ich und sprach zu ihm: Was bedeuten die beiden Ölbaumzweige, die von zwei goldenen Röhren gehalten sind, die das Gold von sich ableeren?
13
וַיֹּ֤אמֶר אֵלַי֙ לֵאמֹ֔ר הֲל֥וֹא יָדַ֖עְתָּ מָה־אֵ֑לֶּה וָאֹמַ֖ר לֹ֥א אֲדֹנִֽי׃
ZunzUnd er sprach zu mir also: Weißt du nicht, was diese sind? Und ich sprach: Nein, mein Herr.
J. J. HirschDa sprach er zu mir: Hast du nicht begriffen, was diese bedeuten? Da sprach ich: Nein, mein Herr.
14
וַיֹּ֕אמֶר אֵ֖לֶּה שְׁנֵ֣י בְנֵֽי־הַיִּצְהָ֑ר הָעֹמְדִ֖ים עַל־אֲד֥וֹן כׇּל־הָאָֽרֶץ׃
ZunzUnd er sprach: Das sind die beiden Söhne des hellen Oeles, die bei dem Herrn der ganzen Erde stehn.
J. J. HirschDa sprach er: Dies sind die beiden Söhne der Ölfrucht, die da stehen bei dem Herrn der ganzen Erde.