Zacharjah 2 זכריה
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kap. 2. V. 1—4. Dem Propheten werden vier Hörner gezeigt. Das Horn ist stets das Bild der Stärke. Sie werden hier als das Bild der feindlichen Völkermächte bezeichnet, die Israel zerstreut haben. זֵרוּ Piel von זָרָה zerstreuen, Ex. 32, 20. Sodann werden ihm vier חָרָשִׁים gezeigt. חָרָשׁ Bearbeiter von Stein, Holz, Metall, Schmied. Wir haben es mit Meister übersetzt, um den Gedanken anklingen zu lassen, daß wie die Metall- und Steinarbeiter Herren des harten Stoffes werden, so die hier geschauten Factoren die machtstolzen Mächte meistern werden. Diese werden nicht vernichtet, sondern ihre Hörner werden stumpf gemacht mit wuchtigem Schlage, durch den sie hinweggeschleudert werden. Die Israel unterdrückenden Mächte werden unschädlich gemacht, eine jede von ihnen hat durch göttliche Fügung noch stets ihren „Meister“ gefunden, sobald sie siegestrunken ihre Macht mißbraucht und im Vollgefühl ihrer Stärke „ihr Haupt nicht nach Gebühr, wörtlich: nach Maßgabe des ihr Zustehenden, getragen“ oder: erhoben hat. Durch das Perf. זֵרוּ, „die zerstreut haben“, könnte man sich bestimmen lassen, das Gesicht nur auf die damalige Zeit, auf das bereits über Israel hereingebrochene Geschick, und die Vierzahl der Hörner auf die Israel von allen Seiten umgebenden feindlichen Völker zu beziehen. Derer wird jedoch sonst nie als einer Vierzahl gedacht. Die Vierzahl ist vielmehr, entsprechend Daniel 2 u. s. auf die vier Weltreiche zu beziehen und das Perf. in זֵרוּ auf die babylonische Macht, die ja bereits in der persischen ihren Meister gefunden hatte und für das von ihr bisher unterdrückte Israel unschädlich gemacht worden war. Ohnehin weist das Präs. הַנֹּשְׂאִים gegenüber dem Perf. זֵרוּ auf die andauernde Bedrohung und Verfolgung Israels hin. — In der Construction כְּפִי אִישׁ וגו' ist ein אִישׁ zu ergänzen, als hieße es: כּפִי אִישׁ לֹא נָשָׂא אִישׁ רֹאשׁו
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 5—9. Auf dieses, einerseits sich auf die unmittelbare Vergangenheit beziehende, anderseits die ganze Zukunft umfassende Gesicht folgt nunmehr eines, das in seinem ersten Teile die damalige Gegenwart bezw. die unmittelbar bevorstehende Zeit im Auge hat, in seinem zweiten aber auf die ferne Zukunft hinblickt. Er sieht zuerst einen Mann mit einer Meßschnur. Auf seine Frage, wohin er gehe, wird ihm von dem Manne, der sich damit als Gottesbote offenbart, die Antwort: um Jerusalem auszumessen, seine Länge und seine Breite zu erkunden. Wenn auch dem Wortlaute nach Frage und Antwort unvermittelt zu erfolgen scheinen, so ergiebt sich doch aus der Anwesenheit des vermittelnden Engels, מַלְאָךְ הַדּוֹבֵר בִּי (V. 7), daß auch sie durch seine Vermittelung sich vollzogen, obgleich die Frage direkt an den „Mann mit der Meßschnur“ gerichtet war. Ihm wird also die Antwort: der Wiederaufbau Jerusalems in bestimmt abgegrenzter Ausdehnung sei fest beschlossener Gottesplan. Damit schien das Gesicht seinen Abschluß gefunden zu haben, „der zu mir redende Engel“ entfernte sich, „ging hinaus“, als ein anderer „ausging“, von Gott gesandt, „ihm entgegen“. Damit ist eben erwiesen, daß es ein anderer war. Ferner: da er ihm entgegen kam, der die Prophetie vermittelnde Engel aber den Propheten gerade verließ, so hatte der ihm entgegen kommende Engel die Richtung auf den Propheten, seine Sendung war für diesen bestimmt, wie dies auch sofort in den an den vermittelnden Engel gerichteten Worten zum Ausdruck kommt. Subject von וַיֹּאמֶר V. 8 ist also der andere Engel. Es ist aus dem Grunde nicht unwichtig, diese einzelnen Punkte festzuhalten, weil sich aus ihnen klar ergiebt, daß hiermit ein neues Gotteswort eingeführt wird. Da dessen Inhalt, die unbegrenzte Ausdehnung des wiedererstandenen Jerusalems im geraden Gegensatze steht zu der eben verkündeten genau umgrenzten, so ist es klar, daß die beiden Aussprüche sich auf verschiedene Zeiten beziehen, und daß die Sendung eines besonderen Gottesboten diese Scheidung zum deutlichsten Verständnis bringen sollte. Dies war um so notwendiger, als in den folgenden Versen 10—17 ohne äußere Scheidung Aussprüche folgen, die zum Teil sich auf die unmittelbar bevorstehende Zeit, zum Teil aber auf die ferne Zukunft, das letzte Ziel aller Entwicklung beziehen.
Einer näheren Betrachtung dürfte sich wohl der Grund dieser auf den ersten Blick auffälligen Erscheinung aus der Natur des zu Verkündenden von selbst ergeben. Auf der einen Seite war es eine Notwendigkeit, dem unsterblichen menschheitpriesterlichen Geschichtsvolke den Blick zu lenken auf seine einstige Vollendung und auf den einstigen Sieg des von ihm durch die Welt zu tragenden Gotteswortes, ein Ziel, das erreicht werde, selbst wenn das nunmehr wieder erstehende Haus und das in so bescheidenen Anfängen erstehende jüdische Gemeinwesen, — es war ja zunächst nur eine persische Provinz, — wieder in Trümmer gehen sollte. Auf der anderen Seite aber sollte dieses Trümmergeschick auch nicht geradezu verkündet werden; eine solche Verkündigung hätte ja das damalige Israel, d. h. die wieder auf dem heimatlichen Boden Versammelten vollständig entmutigt, und sodann und vor allem hing es ja nur von Israel ab, der heimgekehrten Minderzahl und der ferngebliebenen Mehrzahl, ob nicht dieses zweite Haus das dauernde, ob nicht das jetzt in Umschränkung wiedererstehende Jerusalem sich, ohne nochmalige Katastrophe, zur Stätte zeitlich und räumlich unbeschränkten Heiles erheben werde. Vor unserem, der Spätgeborenen Blicke scheidet sich's ja klar, welche Aussprüche und Verheißungen sich auf die damalige Zeit und welche sich auf die ferne Zukunft beziehen, die ja auch die unsrige ist, und an deren Herbeiführung wir mit Einsetzung unseres ganzen Seins und Könnens zu arbeiten haben, für welche Arbeit ja gerade diese Aussprüche uns stärken und mit nimmer versagender Zuversicht erfüllen sollen. — Damals aber, als Secharja zum Volke gesandt wurde, konnte und sollte der Nicht=Eintritt einer dauernden sittlichen und geistigen Erhebung Israels und damit der auch dem jetzt unternommenen Werke bevorstehende Untergang, aus den angegebenen Gründen, nicht mit solcher Bestimmtheit verkündet werden. Vergl. Jes. 60, 22, wo gleichfalls auf die doppelte Möglichkeit einer früheren oder späteren Erreichung der Erlösung hingewiesen wird, בְּעִתָּהּ אֲחִישֶׁנָּה. S. Haftoroth S. 358.
הַנַּעַר הַלָּז V. 8 bezieht sich auf den Propheten und hat wohl nur sein jugendliches Alter im Auge, während dasselbe Wort im Munde des Propheten selbst, wie Jer. 1, 6, zugleich die Unzulänglichkeit der Kraft gegenüber der hohen Aufgabe bezeichnet. הַלָּז wohl ursprünglich Verkürzung von הַלָּזֶה, also Demonstrativpronomen, so in unserer Stelle und ebenso Richter 6, 20.; 2 Kön. 4, 25: הִנֵּה הַשּׁוּנַמִּית הַלָּז spricht jedoch mehr dafür, es adverbial, in der Bedeutung: dort, da, zu fassen. — פְּרָזוֹת verw. mit פֶּרֶץ, Gegensatz zu den mit Mauern umschlossenen Städten, also offen, mauerlos. Hier adverbial: nach Art der offenen Städte.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 9. וַאֲנִי אֶהְיֶה לָהּ חוֹמַת נְאֻם־ה' אֵשׁ סָבִיב, du wirst keiner Mauer zum Schutze bedürfen. וּלְכָבוֹד אֶהְיֶה בְּתוֹכָהּ: das dort sich entfaltende edle Menschentum und das dort erblühende Heil wird die lauteste Verkündigung meiner Herrlichkeit sein. Vergl. Jes. 60, 18. Haftoroth S. 357.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 10. Dieser Vers blickt offenbar auf die ferne Zukunft hin, in der Israel „gleich den vier Himmelsgegenden“ ausgebreitet ist. In dieser „Verbreitung“, nicht Zerstreuung, liegt zugleich der Hinweis auf die positive, menschheitpriesterliche Bedeutung der Zerstreuung Israels. Es ist das Jisra=El Hoseas (s. das. 2, 2). Vom jüdischen Lande aus wird die Gesamtheit der Länder, in die Israel sein Geschick geführt hat, als nordwärts liegend angeschaut. Man könnte geneigt sein, unter diesem אֶרֶץ צָפוֹן, wie so oft, Babel zu begreifen, dann würde die erste Vershälfte sich auf die damalige Zeit und nur die zweite sich auf die Zukunft beziehen; das begründende כִּי, das dieselbe einleitet, läßt dies jedoch nicht zu. Wir haben hier vielmehr den Aufruf zum Herbeieilen, zur „Flucht“ aus dem Exil, um des in dem vorhergehenden Verse verkündeten Heiles teilhaftig zu werden, was in diesem Zusammenhang, im Hinblick auf die Ursache des Galuth nur heißen kann: arbeitet mit aller Macht an eurer Läuterung, um euch der Erlösung würdig zu machen, denn nicht nur zerstreut, „ausgebreitet“ habe ich euch über die ganze Erde. Wir vernehmen hier anklingend das jesajanische: „Läutert euch, ihr seid Träger göttlichen Werkzeugs!“ (Jes. 52, 11. S. Haftoroth S. 348). Es giebt nur den einen Weg der Rückkehr auf Zions Boden: daß wir in Wahrheit Söhne und Töchter Zions werden, wie dies an unzähligen Stellen in der Thora und in den Worten der Propheten ausgesprochen ist. Gleichwohl dürfte der Ausdruck אֶרֶץ צָפוֹן aus dem oben zu V. 8 entwickelten Grunde gewählt sein, da ja jedenfalls nach dieser Erklärung auch Babel mit darin begriffen ist. Daß die Interjection הוֹי nicht bloß Ausdruck der Drohung und der Trauer, sondern auch der eindringlichen Mahnung ist, ergiebt sich aus Jes. V. 18 und Jes. 55, 1.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 11. Dieser Vers bezieht sich auf die Gegenwart des Propheten: Jetzt aber rette dich Zion, die du noch als Tochter Babels weilest. Unter Zion sind hier offenbar die Kinder Zions ihrer Bestimmung nach, also die noch in Babel Weilenden gemeint. Es braucht hierin nicht gerade die Aufforderung zur räumlichen Rückkehr zu liegen, die Rettung wird vielmehr durch die entschiedene geistige Rückkehr bewirkt. Ihre Bezeichnung als בַּת בָּבֶל, während sie doch sich als בַּת צִיּוֹן darstellen sollten und ihnen auch die räumliche Rückkehr, allerdings unter großen materiellen Opfern, frei stand, enthält jedenfalls einen schweren Vorwurf.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 12, 13. Der Vers bietet dem Verständnisse große Schwierigkeit. Wir glauben das אַחַר hier nicht als Präposition, sondern als Adverb verstehen zu sollen, wie Gen. 18, 5. Ex. 5, 1. Num. 19, 7: hernach. כָּבוֹד blickt auf die Verheißung V. 9 hin: וּלְכָבוֹד אֶהְיֶה בְּתוֹכָהּ s. o. Die Verwirklichung dieser Verheißung, die Gottesoffenbarung dieser Herrlichkeit, heißt es nun hier, ist אַחַר, sie kommt hernach, sie ist das letzte Ziel, auf es blicket stets hin und lasset euch durch die düstere Gestaltung der Zeiten nie entmutigen. Die beiden Worte אַחַר כָּבוֹד bilden einen selbständigen Satz, mit שְׁלָחַנִי beginnt ein neuer Satz, die in ihm enthaltene Verkündigung steht nunmehr mit der ersten, wie wir angedeutet, in einem ganz natürlichen, begründenden Zusammenhange. Jenes Ziel steht fest, für dieses Ziel werdet ihr bewahrt; möget ihr auch auf dem Wege der Erziehung zu ihm der Gewalt eurer Feinde scheinbar preisgegeben sein: Gottes Schutz waltet über euch. Gesandt hat mich — der Redende ist noch immer bis V. 17 der V. 8 genannte Engel, der mit den Worten פְּרָזוֹת תֵּשֵׁב וגו' den Anbruch des Gottesreiches auf Erden, und zunächst in Jerusalem verkündet hatte — gesandt hat mich Gott an die Völker, die euch plündern, daß wer euch antastet, damit seinen eigenen Augapfel antaste! Denn ich schwinge meine Hand über sie, und sie werden zur Beute denen, die bisher ihnen dienten. Die Reiche, die Israel schwer drückten, sind noch immer zu Grunde gegangen, sie sind von denen besiegt worden, die bis dahin zu ihrer Machthoheit emporblickten. Das ist kein Zufall, so wird hier von dem Lenker der Geschicke verkündet, das ist das Walten der Vorsehung. Denn den Gradmesser der Rechtsachtung, die in einem Staate herrscht, bildet die dort bewiesene Achtung vor dem Rechte des Schwachen. So ist die Behandlung, die Israel in den einzelnen völkergeschichtlichen Reichen findet und fand, der Maßstab für die Höhe ihrer Cultur. Da es zugleich selbst der Träger der höchsten Wahrheiten für die Menschheit, somit seine Erhaltung selbst ein bedeutsamer Faktor ist in der Förderung der höchsten Waltungsziele, so begreift sich unter beiden Gesichtspunkten die hier den Völkern zugerufene Warnung: wer sich an Israel vergreift, taste seinen eigenen Augapfel an, er untergräbt den Rechtsboden seiner eigenen Existenz. Wenn ihr die Zeugen dieser sich in der Geschichte wiederholenden Katastrophen sein werdet, so werdet ihr in ihnen nur die Ausführung des hier bereits vor Jahrtausenden Verkündeten erblicken und dadurch erkennen, daß — nicht Eingebungen frommen Priestertrugs oder visionäre Selbsttäuschung angeblicher Propheten euch als Gotteswort verkündet werden, — sondern daß in Wahrheit Gott es ist, dessen Verheißungen und Waltungsziele euch hier offenbart werden, oder wie es hier heißt: „daß Gott mich gesandt hat.“ — בָּבַת עַיִן eigentlich: die Pforte des Auges. Mit großer Feinheit heißt es לַעֲבְדֵיהֶם, Particip: und nicht לְעַבְדֵיהֶם, Substantiv: die sie für ihre Sklaven halten sind nur zeitweilig ihrer Herrschaft unterworfen. Man könnte geneigt sein, dies auf Israel zu beziehen und als Erfüllung dieser Verheißung den V. 15 verkündeten Anschluß an Gott zu betrachten. Dagegen spricht jedoch, daß sich dieser Anschluß erst als letztes Ziel darstellt, sodann daß als Folge dieser Erhebung der Völker es näher kennzeichnend V. 15 heißt: dann wirst du erkennen, daß Gott mich an dich gesandt hat, während es hier im Hinblick auf die nicht an Israel, sondern sich an den es bedrückenden Völkern vollziehenden Geschicken allgemein heißt: ihr werdet erkennen, daß Gott mich gesandt hat. Daher bezieht sich עַבְדֵיהֶם auf die zuerst beherrschten, dann über ihre Unterdrücker siegreichen Völker, und so bildet der in den Jahrtausenden der Geschichte sich stets wiederholende Untergang der ihre Gewalt mißbrauchenden Reiche die Beglaubigung dieser hier an Israel gerichteten Prophetenworte.
V. 14 ff. Diese Verse, 14—16, beziehen sich auf das Ziel der Geschichte, an dem sich zahlreiche und mächtige Völker Gott anschließen und ihm „zum Volke“ werden, d. i. zu einem in allen seinen Beziehungen und Verhältnissen von Ihm beherrschten, nach seinem Gebote, den allgemein menschlichen Pflichten, sich gestaltenden Menschenvereine, ganz so wie das Ex. 6, 7 als Israels Bestimmung durch die Erfüllung des gesamten Gottesgesetzes ausgesprochen ist. Vergl. Jes. 2, 3 ff. „Wohnen aber werde ich in deiner Mitte.“ Das Ziel ist erreicht, die Verheißung wird verwirklicht, die vor der Errichtung des ersten Gottesheiligtums ausgesprochen wurde: וְשָׁכַנְתִּי בְּתוֹכָם Ex. 25, 8. An dieser gänzlichen Umgestaltung aber, die sich an dir und um dich vollzieht, wirst du erkennen: daß Gott mich zu dir gesandt hat. Über בָּא in diesem Sinne von dem Einzuge Gottes in den Kreis der Menschen vergl. Deut. 33, 2: ה' מִסִּינַי בָּא, Habak. 3, 3: א' מִתֵּימָן יָבוֹא, Ps. 24, 7: שְׂאוּ וגו' וְיָבוֹא מֶלֶךְ הַכָּבוֹד. Jeruschalajim=Zion ist der Herzpunkt des Menschheitpriestervolkes, von dem die Erleuchtung und Heiligung der um ihn sich sammelnden Menschheit ausgehen wird.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 16. וְנָחַל ה' אֶת יְהוּדָה חֶלְקוֹ: Juda der führende Stamm, hier für ganz Israel. Was einst Moses (Ex. 34, 9) erfleht: וּנְחַלְתָּנוּ, das wird dann erfüllt sein, Israel wird Gottes נַחֲלָה geworden sein, und Jeruschalajims Leidensgeschichte ist vollendet: וּבָחַר עוֹד בִּירוּשָׁלִַם.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 17. Dies ist das Ziel. Es wird mit Bestimmtheit erreicht. Alle ihm entgegenwirkenden Bestrebungen der Menschen sind absolut machtlos. Darum: Schweige alles Fleisch vor Gott, denn er erhebt sich von seiner heiligen Stätte! Das was sich mit der Erbauung des Tempels vollzieht, steht selbst im Dienste der Erreichung dieses Zieles. Es ist ein Anfang. Der Ausdruck נֵעוֹר bezeichnet das Heraustreten aus bisheriger Unthätigkeit. Nach der Zerstörung des Reiches und des Tempels und während der Dauer des babylonischen Exiles hatte es in den Augen der Völker den Anschein, als habe Gott seinen Bund mit seinem Volke gelöst. Daß es auch nach der Rückkehr so lange Israels Feinden gelungen war, den Wiederaufbau des Tempels zu hintertreiben, konnte die Völker in diesem Glauben nur bestärken. So war denn in der That die nunmehrige Wiederaufnahme des Werkes die erste sichtbare Bekundung der nach wie vor über seinem Volke waltenden Gotteshand. In diesen Anfang führt nun das folgende Kapitel und zeigt, wie auf diesen Stein, den Grundstein, die ganze göttliche Vorsehung, „sieben Augen“, gerichtet seien.“ 3, 9. — Über הַס siehe zu Hab. 2, 20. Über מִמְּעוֹן קָדְשׁוֹ vergl. Deut. 26, 15: הַשְׁקִיפָה מ' ק' מִן הַשָּׁמַיִם; so ist es auch hier ein Synonym für Himmel.