Tehillim 80 תהילים

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1
לַמְנַצֵּ֥חַ אֶל־שֹׁשַׁנִּ֑ים עֵד֖וּת לְאָסָ֣ף מִזְמֽוֹר׃
BernfeldDem Sangmeister, nach Sosanim Edut; von Assaf. ein Psalm.
ZunzDem Sangmeister, nach Schoschanim Edut; von Aßaf. Ein Psalm.
HirschDem Siegverleiher für die Rosen; zum Zeugniß ein Psalm von Aßaf.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 80, V.1. אל שושנים, für Israels Galuthgeschlechter, Israels, das, wie die Rosen von früh an mit Dornen zur Abwehr jeden Angriff's versehen sind, so von der Zeit seiner Entstehung an auf Angriffe, die ihm drohen werden, vorbereitet und zu deren Abwehr gerüstet ward (Siehe Ps. 60, 69). Das ganze Kap. ist den jüdischen Geschlechtern geweiht, die, von den Erilesleiden umfangen, Gott um Rückkehr anrufen. In dreifacher Steigerung werden diese Leiden geschildert, und ein dreifacher, V. 5, V. 8, V. 20 immer gesteigerter Aufruf um Rückkehr ergeht an Gott, welche Steigerung in dem immer vollern Gottesnamen: אלקים, אלקים צבאו', ד' אלק' צבאו' ihren Ausdruck findet, unter welchem die Rückkehr erfleht wird. Offenbar sind drei Erile dem Geiste des Sängers gegenwärtig: das Eril der zehn Stämme, das babylonische Eril, und das dritte, durch Rom's Gewalt bewirkte Eril, in welchem wir uns noch befinden.

Die zehn Stämme waren, selbst als sie noch ein selbständiges Reich bildeten, größtentheils dem jüdischen Geist und dem jüdischen Leben entfremdet. Im Eril, in welchem sie für unser Bewußtsein verloren sind, mag diese Entfremdung noch bis zum Aeußersten gediehen sein. Aber Menschen sind sie immer geblieben, darum ergeht ihr Aufruf an Gott, V. 5, auch in der allgemeinsten Weise seiner Waltung als אלק', an sein Richter-Amt, ein Verhältniß, in welchem Gott zu jedem Wesen steht, und an welches jeder mißhandelte Mensch appelliren darf.

Die nach Babel Exilirten waren als Juden in die Verbannung gewandert, und der Zusammenbruch ihrer staatlichen Selbständigkeit hatte sie sehr bald in der Fremde, mitten unter dem ausschweifendsten Götter-Unwesen von dem theilweisen Hinfall zum Heidenthum geheilt, in welchen sie gerathen waren. Sie durften sich wieder als צבא ד' unter allen צבאות, als besondere, unter allen von Gott befehligten Wesen-Schaaren begreifen. אלק' צבאו' lautet daher der Aufruf, der aus Babylon (V. 8) um Rückkehr an Gott ergeht.

Während dem babylonischen Exile von vorn herein nur eine beschränkte Dauer verheißen war, erschien das, unter Rom's triumphirender Zerstörungswuth angetretene dritte Exil, mit seiner völligen Zertrümmerung auch des letzten Restes eines staatlichen Daseins, mit seiner völligen Zerstreuung in aller Welten Ende, so wie mit seiner in's völlige Unbestimmte verwiesenen Dauer, als ein völliges Untergehen der jüdischen weltgeschichtlichen Erscheinung, wenn nicht damit ein völliges Aufgeben aller der großen, der ganzen Menschheitzukunft angehörenden Ziele verbunden wäre, die sich an Israels Erwählung und Israels weltgeschichtliche Sendung knüpfen. Diese, mit Israels Zukunft Hand in Hand gehende Erlösungszukunft der Gesammtmenschheit ist die Garantie des endlichen Erlösungsziels auch des dritten Exils. Diese Bestimmungsgröße Israels für die Heileserziehung der Gesammtmenschheit wird daher für die Exilirten des dritten, römischen Galuth geltend gemacht, und, indem diese Menschheit erziehende Gotteswaltung in den vierbuchstabigen Gottesnamen zusammengefaßt wird, ergeht von ihr aus der Aufruf um Erlösung an ד' אלק' צבאות V. 20.

Schwierig ist der Ausdruck עדות in der Ueberschrift. K. 60, 1 ist das עדות mit שושן verbunden, indem שושן zu ihm im stat. constr. steht, Israel ist die im „עדות" wurzelnde Rose. Hier aber ist es von שושנים getrennt, und erscheint als Charakterbezeichnung, als Bestimmung des מזמור. Es dürfte daher ebenso wie משכיל die Bestimmung eines Psalm's zur Belehrung ausspricht, also עדות sagen: der Psalm solle als Zeugniß, zur Bezeugung dienen, und die Construktion ganz dieselbe sein wie Ps. 75. 76. מזמור לאסף שיר, so hier: מזמור לאסף עדות. Das Zeugniß, das dieser Ps. enthalten, die Bezeugung, zu welcher er im Volke dienen soll, dürfte aber in dem eben von uns angedeuteten Inhalt des dritten Theils des Ps. V. 9—20 liegen, auf den überhaupt die eigentliche Tendenz des Ps. ausgeht. Für die Zeiten des vollendetsten Churban und der tiefsten Galuthleiden wird hier die Erinnerung an den glorreichen, gottnahen Ursprung und an die große welterlösende Bestimmung Israels niedergelegt, und damit den trübsten Zeiten, zum Trost, zur Ermuthigung, und vor Allem zum geistig starken Ausharren bei Gott die Gewißheit der zu erwartenden Erlösung bezeugt.

2
רֹ֘עֵ֤ה יִשְׂרָאֵ֨ל ׀ הַאֲזִ֗ינָה נֹהֵ֣ג כַּצֹּ֣אן יוֹסֵ֑ף יֹשֵׁ֖ב הַכְּרוּבִ֣ים הוֹפִֽיעָה׃
BernfeldHirt Israels, horch auf! Der du Josef wie Schafe leitest, thronend über Cherubim — erscheine!
ZunzHirt Jisraél's, horch auf! der du wie Schafe Josef leitest, thronend über Cherubim — erscheine!
HirschHirte Israels, neige dein Ohr! Der du wie eine Heerde Joßef führst, der du auf den Cherubim thronst, erscheine!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2. רעה ישראל וגו', נהג כצאן יוסף. Von vorn herein erscheint in der jüdischen Geschichte in geheimnißvoller Weise ein gewisser Gegensatz der Söhne Lea's und Rahel's. Selbst für unsere Erlösungszukunft kennt die nationale Ueberlieferung einen משיח בן יוסף und einen משיח בן דוד. Das „Haus Josef," das „israelitische" Reich der zehn Stämme, hat sich allmälig entfremdet. Es waren die damaligen „modernen Israeliten." Allein, wo wie hier Josef als Gesammtbezeichnung des jüdischen Volkes vorkommt, da bezeichnet es in der Regel unsere geschichtliche Erscheinung in Berührung mit den Fremden, in welcher das Ideal des jüdischen Menschen zur Verwirklichung kommen soll, der im Verkehr mit der nichtjüdischen Menschheit Josef gleich jüdischen Geist und jüdisches Leben treu bewahrt und zur Anerkennung bringt, und bei jeder Versuchung spricht: איך אעשה הרעה הגדולה הזאת וחטאתי לאלקים. Auch hier, glauben wir, blickt diese Bezeichnung auf die im babylonischen Exil Lebenden hin, denen die Aufgabe war, mitten unter ihren heidnischen Besiegern die jüdische Treue zu bewahren, ja aus theilweisem Abfall sich wieder zu voller Bewährung derselben emporzuarbeiten. Wie uns nämlich scheint, entsprechen die drei Prädikate, unter welchen in diesem ersten Vers Gott angerufen wird, gleich von vorhinein den drei bereits angedeuteten Inhaltsstufen, in welchen der Psalm sich gliedert. רעה ישראל, Gottes allgemeinste Beziehung zu Israel, entspricht dem אלקים השיבנו-Ruf aus dem Exil der zehn Stämme, die ja eben V. 4 durch diesen Ruf ihren noch fortdauernden Zusammenhang mit Israels Zukunft bekunden. נוהג כצאן יוסף dem אלק' צבאות des V. 8, mit welchem die aus dem babylonischen Exil um Rückkehr Flehenden, als mitten in der Fremde und unter Fremden im Dienste Gottes verharrend, sich noch als Ein צבא unter צבאותיו begreifen. ישב הכרובים endlich bezeichnet die höchste und innigste Beziehung, in welche Gott mit Uebergabe seines Gesetzes an Israel getreten sein will, die Verwirklichung des ועשו לי מקדש ושכנתי בתוכם, der Verheißung der Gottesgegenwart auf Erden, wo sein Gesetz mit „Lebens-Frische und treuer Festigkeit" Aufnahme und Verwirklichung findet, ein Ideal, dessen endliche Verwirklichung, trotz zeitlicher Verirrung und zeitlichen Untergangs Israel unverlierbar verbrieft bleibt und ihm eben in dem dritten Theil dieses Psalms für die trübsten Zeiten dieses Untergangs bezeugt wird. יושב הכרובים ist ד' אלק' צבאו'. הופיעה: aus dem Dunkel hervortreten, sichtbar werden. Vgl. Pent. 5. B. M. 33, 2. Zeige es, daß du נוהג כצאן יוסף, daß du יושב הכרובים seiest, daß du auch Israels Geschick in der Fremde (יוסף) leitest, daß du dein Reich auf Erden auf dein für immer unter Cherubimsittig niedergelegtes Gesetz erbauest.

3
לִפְנֵ֤י אֶפְרַ֨יִם ׀ וּבִנְיָ֘מִ֤ן וּמְנַשֶּׁ֗ה עוֹרְרָ֥ה אֶת־גְּבוּרָתֶ֑ךָ וּלְכָ֖ה לִישֻׁעָ֣תָה לָּֽנוּ׃
BernfeldVor Efraim und Benjamin und Manasse erwecke deine Stärke und komm uns zu Hilfe.
ZunzVor Efrajim und Binjamin und Menascheh erwecke deine Stärke, und komm uns zu Hülfe.
HirschVor Efraim und Binjamin und Menascheh erwecke deine Allmacht, und um Deinetwillen sei uns zur Hilfe.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 3. לפני אפרים וגו', daß durch אפרים und מנשה das zertrümmerte Reich der zehn Stämme repräsentirt sein kann, ist klar. War ja namentlich Efraim der leitende Stamm, und ist die Bezeichnung dieses Reiches durch אפרים bei den Propheten gewöhnlich. Dunkel aber ist die Zusammenstellung mit Benjamin. Benjamin war der einzige Stamm, der zu Jehuda hielt und auch dessen Geschick theilte. Nur in der Gruppirung der Stämme in Lager um das Gesetzeszelt auf der Wanderung in der Wüste findet sich Benjamin der Fahne Efraims mit Menascheh zugetheilt. Hier ist der Grund für die Nennung Benjamins dunkel. Vielleicht sehnen sich Efraim und Menascheh, wieder mit Benjamin unter eine Fahne vereint zur Seite des Gottesheiligthums der Führung göttlicher Allmacht zu folgen. ולכה, nach der מסורה ist dieses nicht der Imperativ von הלך, sondern das Pronomen לך mit ה parag.: um deinetwillen. Ebenso wie ולכה אפוא (1. B. M. 27, 36). Es entspricht dies ganz dem Zustande der zehn Stämme, aus deren Seele heraus dieser Aufruf um Rückkehr ergeht. Sie sind sich völliger Unwürdigkeit bewußt, und wagen nur um seiner selbst willen — aus Rücksicht auf seine Gnade, seine Verheißungen, seine Waltungsziele 2c. — sich mit diesem Rufe an Gott zu wenden. לישועתה Vgl. Ps. 3. 3.

4
אֱלֹהִ֥ים הֲשִׁיבֵ֑נוּ וְהָאֵ֥ר פָּ֝נֶ֗יךָ וְנִוָּשֵֽׁעָה׃
BernfeldGott, führ uns zurück und lasse dein Antlitz leuchten, dass uns geholfen werde.
ZunzGott, führ' uns zurück, und lasse dein Antlitz leuchten, daß uns geholfen werde.
HirschGott führe uns zurück; und lasse dein Angesicht leuchten, daß uns geholfen werde.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 4. אלקים וגו' siehe zu V. 1. והאר פניך, jetzt ist פניך, das Walten deiner „Vorsehung" in Beziehung auf uns verborgen; lasse es hervortreten, sich im Lichte zeigen, so daß uns, den scheinbar Vergessenen, dem Untergangene Ueberlassenen, wieder ישע, erneutes „kraftinniges Sein" verliehen werde.

5
יְהֹוָ֣ה אֱלֹהִ֣ים צְבָא֑וֹת עַד־מָתַ֥י עָ֝שַׁ֗נְתָּ בִּתְפִלַּ֥ת עַמֶּֽךָ׃
BernfeldHerr, Gott Zebaot, wie lange noch wird dein Zorn rauchen trotz der Gebete deines Volkes?
ZunzEwiger, Gott der Heerschaaren, bis wann raucht (dein Zorn) beim Gebete deines Volkes?
HirschGott Gott Zebaoth, bis wann hast du dein Nachzürnen bestimmt bei dem Gebete deines Volkes?
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5—8 ist der Hilfe-Ruf der nach Babel Exilirten, siehe zu V. 1. ד' א' צ', sie rufen Gott, nicht nur als אלקים, als Gott der Gerechtigkeit, dessen Einschreiten jeder Mißhandelte erwarten darf, sondern auch als ד', als Gott der Menschen- und VölkerZukunft, צבאות, dessen Befehl und Leitung die mannigfachen Wesengruppen des Weltganzen unterstehen, innerhalb deren auch die dem eigentlichen Boden ihrer Bestimmung entführten judäischen Exilirten nicht aufgehört haben, ein besonderes צבא ד', ein besonderes, einer eigenen Bestimmung angehöriges Gottes-Heer zu bilden. צבאו' steht in den allermeisten Fällen, und so auch hier, nicht als Genitiv, sondern als Apposition zu dem vorangehenden Gottesnamen. Es ist selbst ein Gottesname und gehört zu den sieben שמות שאינם נמחקים, zu den sieben Namen, die nicht ausgelöscht werden dürfen (Siehe Pent. 5. B. M. 12, 4). Es bezeichnet Gott in seiner weltordnenden und regierenden Wirksamkeit, dessen Wille und Leitung sich eben in der Entwickelung und dem Weltendienst der einzelnen Wesengruppen offenbart. Durch Ihn wird erst eine Wesengruppe ein צבא, ein „Heer," eine dem Willen eines Einzigen unterstehende Schaar. Und es ist צבאות, unter dessen Leitung die ganze Summe aller Welten-Heere, auf Ein Ziel gelenkt, für Ein Ziel zusammenwirkend, die Welt-Einheit bilden. — עשנת: das Feuer ist ausgebrannt, aber in noch rauchendem Dampf ist der vorhanden gewesene Brand noch sichtbar. So: Gottes eigentlicher Zorn ist vorüber, die Exilirten sind ja עמך, עם ד' wieder, haben sich rasch von der Verirrung zum Heidenthum wieder erholt und sind in siegreicher, heidnischer Umgebung wieder dahin gelangt, sich als Gottesvolk fühlen zu dürfen, und als solches Gott in תפלה zu nahen — welche Frist hast du daher deinem „Nachzürnen" gesetzt, nachdem dein eigentlicher Zorn bereits gesühnt sein dürfte?

6
הֶ֭אֱכַלְתָּם לֶ֣חֶם דִּמְעָ֑ה וַ֝תַּשְׁקֵ֗מוֹ בִּדְמָע֥וֹת שָׁלִֽישׁ׃
BernfeldDu speisest sie mit Tränenbrot, mit Tränen in Überfluss tränkst du sie.
ZunzDu speisest sie mit Thränenbrod, und tränkst sie mit Thränen maßweis.
HirschDu hast sie gespeist mit ThränenBrod, hast sie ihren abgemessenen Trank mit Thränen trinken lassen,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 6. האכלתם וגו'. Unsere Verirrungen haben wir schon mit thränenreichen Leiden gebüßt: entweder wie לחם דמעה לחם העצבים (Ps.127,2), mit Thränen getränktes Brod, oder wie היתה לי דמעתי לחם יומם (Ps.42,4), Thränen wurden ihre Nahrung, statt Nahrung zu genießen, weinten sie, und vermochten in der Betrübniß keine Nahrung zu sich zu nehmen. שליש kommt als Maaß nur noch Jes. 40, 12 vor, וכל בשליש עפר ארץ. Da es dort, זרת „der Spanne" für Himmel zur Seite als Maaß für den Erdenstaub gebraucht wird, so bezeichnet es wohl nur ein sehr kleines Maaß. השקה, Jemandem etwas zu trinken geben, steht immer mit doppeltem Accusativ; das zu Trinkende steht immer im Accusativ, nie mit ב־. השקיתנו יין תרעלה (Ps. 60, 8) u. s. Es kann also hier nicht heißen: Du tränktest sie mit Thränen, sondern: du gabst ihnen das bescheidene Maaß (ihres Trankes) mit Thränen zu trinken. Entweder: mit Thränen gemischt, wie ושקוי בכי מסכתי (Ps. 102, 10), oder: du ließest sie das kärgliche Maaß ihres Trankes mit Thränen genießen. Vgl מים במשורה תשתה (Aboth). דמעות ist nicht stat. const.

7
תְּשִׂימֵ֣נוּ מָ֭דוֹן לִשְׁכֵנֵ֑ינוּ וְ֝אֹיְבֵ֗ינוּ יִלְעֲגוּ־לָֽמוֹ׃
BernfeldDu machst uns zum Gerede für unsere Nachbarn, und unsere Feinde spotten unter sich.
ZunzDu stellst uns zum Zwiste hin für unsere Nachbarn, und unsere Feinde spotten unter sich.
Hirschmachst uns zum Streitziel unsern Anwohnern, und unsere Feinde spotten ihr Theil.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 7. תשימנו וגו'. מדון: Gegenstand des Streites, des tadelnden Vorwurfs. So klagt Jeremias, er sei איש מדון לכל הארץ geworden (Jerem 15, 10), wegen seines Auftretens für Gott und der Verkündung der Gottesbeschlüsse habe er das ganze Land gegen sich, die ihm aus seinem Gegensatz zu den Ansichten und der Politik der Nation und ihrer Leiter einen Vorwurf machen. לשכנינו, die Bevölkerung, die uns neben sich duldet, macht uns den Gegensatz, in welchem wir zu ihren Anschauungen und Sitten verharren, zum Vorwurf, „rechtet" mit uns darob als gegen die Pflicht verstoßend, die eine verschwindende Minderzahl der Gesammtheit schuldet, die ihr eine Stätte in ihrer Mitte vergönnt. ואיבינו ילענו למו. Und die sich als unsere triumphirenden Besieger wissen, spotten über unsere Verehrung eines „unsichtbaren" Gottes, der uns ja nicht gegen ihre siegreichen Waffen zu vertheidigen gewußt. So heißt es (Klagel. 1, 7): als ihr (Jerusalems) Volk in Feindeshand fiel und ihr kein Helfer war, sahen es die Feinde שחקו על משבתיה und spotteten über ihre „Sabbath-Institutionen," die ja sie und ihr Land als Eigenthum eines unsichtbaren Gottes proklamirten.

8
אֱלֹהִ֣ים צְבָא֣וֹת הֲשִׁיבֵ֑נוּ וְהָאֵ֥ר פָּ֝נֶ֗יךָ וְנִוָּשֵֽׁעָה׃
BernfeldFühre uns, o Gott Zebaot, zurück und lasse dein Antlitz leuchten, dass uns geholfen werde.
ZunzGott der Heerschaaren, führ' uns zurück, und lasse dein Antlitz leuchten, daß uns geholfen werde.
HirschGott Zebaoth führe uns zurück, und lasse dein Angesicht leuchten, daß uns geholfen werde.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 8. אלק' וגו'. Darum als „Gott des Rechts" und als Gott eines „deiner Leitung unterstehenden besonderen Menschenkreises," der eben wegen seiner Beziehung zu dir leidet, führe uns zu der Heimath, wohin wir gehören, zurück, und lasse in der Hilfe, die du uns angedeihen lässest, deine Waltung aus ihrer Unsichtbarkeit hervortreten, damit man nicht ferner ihrer spotte.

9
גֶּ֭פֶן מִמִּצְרַ֣יִם תַּסִּ֑יעַ תְּגָרֵ֥שׁ גּ֝וֹיִ֗ם וַתִּטָּעֶֽהָ׃
BernfeldEinen Weinstock holtest du aus Ägypten, du vertriebst Völker und pflanztest ihn ein.
ZunzEinen Weinstock aus Mizrajim zogst du, vertriebst Völker und pflanztest ihn.
HirschEinen Weinstock entführst du aus Mizrajim, vertreibst Völker und pflanztest ihn ein,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 9 bis zu Ende folgt nun der Hilferuf aus dem dritten, mit unausgesprochenem Endziele angetretenen Galuth. Zuerst von 9—12 die Schilderung Dessen, was Gott für uns gethan, und womit er uns als seine ganz besondere Pflanzung in Mitte der Menschen dahingestellt hat. גפן, der Vergleich Israels mit dem Weinstock ist reich an belehrenden Gedanken. Auch Ezechiel (15) schildert Israel als Weinstock, und giebt zu bedenken, wie dieser Baum, der, wenn er die von ihm zu erwartende Frucht zeitigt, als der edelste unter allen Bäumen dasteht, ohne diese Frucht aber das nutzloseste Gewächs bleibt und mit seinem Holz zu nichts verwendbar ist. So ist Israel, wenn es seine Bestimmung löst, das edelste, segensreichste Volk; sobald es aber seiner Bestimmung untreu wird, sinkt es tief im Werthe unter alle Völker und entbehrt jeder anderen Tauglichkeit. Der Wein ferner, bemerken die Weisen, ist die am meisten gepreßte und mißhandelte Frucht. Allein die Mißhandlung selbst dient zu seiner Veredlung, und zuletzt steigt er Dem überwältigend zu Kopfe, der ihn gepreßt und mißhandelt.

כסו ist Pual. Berge wurden von seinem Schatten bedeckt. קצירה: sind die Aeste, an welchen die „Erndte" reift. יונקותיה: die Wurzeln, die das erforderliche Wasser aufsaugen.

Also: (V. 9) גפן, einen für den edelsten Zweck bestimmten Menschenstamm ließest du erst in Egypten zu einem Volke heranwachsen, hobst ihn dann von da aus, um ihn in den geeigneten Boden zu versetzen; dessen Pflanzung war dir so angelegen, daß du Völker aus ihrem Wohnsitz vertriebst, um ihn einzupflanzen; alles Fremdartige (V. 10), das seinen Wuchs hindern konnte, räumtest du vor ihm weg, so daß er seine Wurzeln treiben, und den ihm bestimmten Boden ausfüllen konnte; und er gedieh (V. 11), hoch über andere Völkergrößen reichte er hinaus und stellte sie in Schatten, und man sah es seinen Stämmen und Söhnen an, daß sie eine Gottespflanzung waren, und (V. 12) durch seine Gränzen im Westen und Norden, stand er mitten im Weltverkehr, seine Erndten sandte er zu dem Länder und Welttheile verbindenden Mittelmeere, und was die Reiche am Euphrat boten, kam ihm zu Gute.

10
פִּנִּ֥יתָ לְפָנֶ֑יהָ וַתַּשְׁרֵ֥שׁ שׇׁ֝רָשֶׁ֗יהָ וַתְּמַלֵּא־אָֽרֶץ׃
BernfeldDu räumtest vor ihm auf, und er schlug seine Wurzeln und erfüllte die Erde.
ZunzDu räumtest vor ihm auf, und er schlug seine Wurzeln und erfüllte die Erde.
Hirschhattest vor ihm Raum geschaffen, und er schlug seine Wurzeln und füllte das Land aus,
11
כׇּסּ֣וּ הָרִ֣ים צִלָּ֑הּ וַ֝עֲנָפֶ֗יהָ אַֽרְזֵי־אֵֽל׃
BernfeldBerge deckte sein Schatten und seine Äste Zedern Gottes.
ZunzBerge deckte sein Schatten, und seine Aeste Zedern Gottes.
HirschBerge wurden von seinem Schatten bedeckt, und seine Zweige wurden Gotteszedern,
12
תְּשַׁלַּ֣ח קְצִירֶ֣הָ עַד־יָ֑ם וְאֶל־נָ֝הָ֗ר יוֹנְקוֹתֶֽיהָ׃
BernfeldEr trieb seine Ranken bis aus Meer, und bis zum Strome seine Setzlinge.
ZunzEr trieb seine Ranken bis ans Meer, und bis zum Strome seine Setzlinge.
Hirschseine Fruchtäste streckt er bis ans Meer und seine Saugreiser zum Strome hin.
13
לָ֭מָּה פָּרַ֣צְתָּ גְדֵרֶ֑יהָ וְ֝אָר֗וּהָ כׇּל־עֹ֥בְרֵי דָֽרֶךְ׃
BernfeldWarum hast du aber seine Zäune eingerissen, dass ihn alle, die des Weges ziehen, pflücken?
ZunzWarum hast du seine Zäune eingerisen, daß ihn berupfen all die des Weges ziehen?
HirschWarum hast du nun seine Zäune eingerissen, und wer des Weges geht, rupft an ihm,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 13. למה וגו', das war, — selbst nach ihrer äußern Erscheinung — deine Pflanzung; warum hast du nun selbst Alles niedergerissen, was zu seinem Schutze dienen sollte, hast ihn völlig schutzlos preisgegeben, so daß, wer nur des Weges zieht, d. i. was immer für eine kleine oder große Macht, vorübergehend oder dauernd die Bühne der Geschichte erobernd betrat, ihn in Mitleidenschaft zog. Von allen hatte Judäa zu leiden. ארה abpflücken, wahrscheinlich verw. mit ערה, nackt sein, also: kahl machen.

14
יְכַרְסְמֶ֣נָּֽה חֲזִ֣יר מִיָּ֑עַר וְזִ֖יז שָׂדַ֣י יִרְעֶֽנָּה׃
BernfeldEs benagt ihn das Schwein aus dem Walde, und das Tier des Waldes weidet ihn ab.
ZunzEs benagt ihn das Schwein aus dem Walde, und was auf der Flur sich tummelt, weidet ihn ab.
Hirschdie Sau aus dem Walde beknuppert ihn, und was auf den Feldern sich regt weidet ihn ab.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 14. יכרסמנה וגו', כרסם kommt nicht weiter vor. קרסם heißt Pea II. 7, 7. der Halmbruch des Getreides durch Ameisen, und כי יחסלנו הארבה (5. B. M. 28, 38) übersetzt ת"י: ארום יקרסום יתיה גובא. Es scheint, wie פרסם, veröffentlichen, פרם ausbreiten mit angehängtem ם sein kann, so כרסם von כרם, verw. mit גרז (wovon גרזן), und גרם (wovon גרש, und גריסין, gebrochenes Korn, Graupen), welche ebenfalls ein Durchschneiden und Brechen bedeuten. Heißt doch auch כרש, כרס ein Verdauungsorgan, Magen, Panzen. Vielleicht heißt auch כרסם: den Magen mit Etwas füllen. ארוה כל עוברי דרך hieß es: wer nur des Weges zog, rupfte gelegentlich an ihm, חזיר מיער, die Waldsau, der Eber, aber, macht sich zur vollen Nahrung über ihn her, und was nur auf dem Felde sich regt, weidet ihn ab. Er ist gefräßigen Mächten, Rom und seinen Nachfolgern völlig zur Beute geworden. Das ע von יער ist nach der מסורה aus dem Worte hinausgehoben, so daß es auch wie ר', gleichbedeutend mit יאר', Fluß, zu lesen wäre, und wird dies im מדרש dahin erläutert; die wilde Kriegesmacht, die Israels Staat zertrümmerte, hat eigentlich wie ein Flußthier auf dem Lande keine Existenzberechtigung unter den Völkern der Erde. Sie verdankt ihre Größe und die Dauer ihrer Größe nur Israels zuchtbedürftigen Versündigungen. Mit Israels Rückkehr zu seiner reinen Bestimmung ist auch ihre Größe zu Ende.

15
אֱלֹהִ֣ים צְבָאוֹת֮ שֽׁ֫וּב־נָ֥א הַבֵּ֣ט מִשָּׁמַ֣יִם וּרְאֵ֑ה וּ֝פְקֹ֗ד גֶּ֣פֶן זֹֽאת׃
BernfeldGott Zebaot, o kehre zurück, blicke vom Himmel und schaue und siehe nach diesem Weinstocke.
ZunzGott der Heerschaaren, o kehre zurück, blicke vom Himmel und schaue, und siehe nach diesem Weinstocke,
HirschGott Zebaoth kehre doch wieder! Schau vom Himmel und sieh', und bedenke diesen Weinstock,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 15. אלק' וגו'. Selbst nach der V. 9—12 geschilderten Bedeutsamkeit und besondern Gottes-Pflege, die sich schon in der äußern, materiellen Erscheinung Israels in seinem Lande bekundet hatten, dürfte die Frage nach dem „Warum?" dieser völligen Zerstörung (V. 13. 14.) und der Aufruf ein berechtigter sein, Gott möge doch als א' צ' umkehren und sehen, was aus seiner Pflanzung geworden, und möge dies Geschick erwägen, das diesen גפן, diese Schöpfung seiner so ganz besondern Waltung betroffen.

16
וְ֭כַנָּה אֲשֶׁר־נָטְעָ֣ה יְמִינֶ֑ךָ וְעַל־בֵּ֝֗ן אִמַּ֥צְתָּה לָּֽךְ׃
BernfeldNach dem Sprössling, den deine Rechte gepflanzt, nach dem Reis, das du dir befestigt hast.
ZunzUnd dem Sprößling, den deine Rechte gepflanzt, und dem Reis, das du dir bestätigt hast.
Hirschden Grundbau den deine Rechte gelegt, auf den Sohn herab, den du dir gekräftigt hast;
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 16. 17. וכנה וגו'. Allein mehr noch als Alles, was Gott für Israels materielle Gründung gethan, berechtigt der Hinblick auf die geistige Größe der Bestimmung zu solchem Aufruf, für welche Gott Israel in den Kreis der Völker eingeführt, und die Zweck und Ziel jener ganzen materiellen Gründung bildet. Diese Bestimmung wird hier in vierfacher Steigerung angedeutet. Israel ist: כנה, בן, איש ימינך, בן אדם. כן, כנה: Basis, Unterbau, und zwar כנה, weiblich, der schwache Anfang eines Unterbau's für einen zukünftigen, großen Bau. נטע kommt nicht nur von Pflanzen vor, so: ויטע אהלי אפדנו (Daniel 11, 45), כמסמרות נטועים (Pred. 12, 12). Die ganze große Gründung Israels sollte nur der Anfang eines Unterbau's für den großen Menschheitbau sein, welchen Gott damit beginnen wollte, und den seine „Menschen-Heil" schaffende „Rechte" gegründet. Israel war בן, war der erste Menschenkreis, der wieder in Gott den „Vater" erkannte, den Gott daher „בני," seinen Sohn nannte, als er sich seiner annahm, und den אמצתה לך, und den Gott sich, für seine Zwecke erzogen und gekräftigt hatte. Und herangewachsen soll Israel איש ימינך, der bewußtvolle Mitarbeiter an Gottes Heileswerk für die Menschheit werden, den Gott für eine solche Sendung mit der „Macht seines Geistes" rüstet. Ja, Israel soll geradezu בן אדם, der „Menschheit Sohn," der erste Sohn der ihrer Wiedergeburt harrenden Menschheit der Zukunft sein. Nur als solchen, nicht die übrige Menschheit verwerfend, vielmehr für die höchsten Heiles-Interessen derselben hat Gott Israel erwählt. So wird der Prophet des בית שלישי, des einstigen dritten, dann für die Ewigkeit zu erbauenden Heiligthums, Ezechiel, vorzugsweise בן אדם genannt.

ועל בן bezieht sich wohl auf הבית zurück. פקד על- bezeichnet in der Regel ein Leiden bringendes Verhängniß. — כסוחה, ebenso קוצים כסוחים (Jes. 33, 12), abgeschnittene Dörner. זמר, das Beschneiden des Weinstockes, übersetzt ת"א: כסח. Schon ist dein Weinstock verbrannt, und was vom Feuer verschont geblieben, erliegt dem Messer der Vernichtung. מגערת פניך, wenn zu dieser äußern Mißhandlung noch die Fortdauer deines drohenden Zürnens kommt, wenn sie sich nicht einmal mehr an „deinem Angesichte" aufrichten können, so gehen sie ganz verloren.

17
שְׂרֻפָ֣ה בָאֵ֣שׁ כְּסוּחָ֑ה מִגַּעֲרַ֖ת פָּנֶ֣יךָ יֹאבֵֽדוּ׃
BernfeldEr ist verbrannt durch Feuer, abgehauen; vor deinem zornigen Blick kommen sie um.
ZunzEr ist verbrannt durch Feuer, abgehauen, vor dem Dräuen deines Antlitzes kommen sie um.
Hirschverbrannt von Feuer, abgehauen, gingen vor dem Dräuen deines Angesichts sie ja ganz verloren.
18
תְּֽהִי־יָ֭דְךָ עַל־אִ֣ישׁ יְמִינֶ֑ךָ עַל־בֶּן־אָ֝דָ֗ם אִמַּ֥צְתָּ לָּֽךְ׃
BernfeldMöge deine Hand schützend walten über dem Manne deiner Rechten, über dem Menschensohn, den du dir erzogen hast.
ZunzMöge deine Hand seyn über dem Manne deiner Rechten, über dem Menschensohn, den du dir bestätigt hast.
HirschKomme doch deine Geistesmacht über den Mann deiner Rechten, über den Menschheitsohn, den du dir gekräftigt,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 18. 19. תהי ידך וגו', היה יד ד' על- ist, namentlich auch wieder bei Ezechiel, der stehende Ausdruck für den Geist Gottes, der den Propheten ergreift (Siehe Ezech. 1, 3. 3, 21. 37, 1. 40, 1). Auch Ezechiel wird der Gottesgeist in der Verbannung. Und hier ergeht aus der Leidenswucht des letzten Exils die flehende Bitte, Gott möge Israel, das doch noch nicht aufgehört hat איש ימינו und בן אדם zu sein, mit Seinem Geiste rüsten; dann לא נסוג, werden wir aushalten, werden ausharren bei Gott und seinem Gesetze in allen den Leiden, Gott wird uns lebendig erhalten und wir werden in den Leiden und durch die Leiden und durch unsere geisteskräftige Ausdauer unsere große Sendung erfüllen לקרא בשם ד', Verkünder des Gottes-Namens zu sein in Mitte der Menschheit.

19
וְלֹא־נָס֥וֹג מִמֶּ֑ךָּ תְּ֝חַיֵּ֗נוּ וּבְשִׁמְךָ֥ נִקְרָֽא׃
BernfeldWir werden nicht von dir weichen. Belebe uns wieder und deinen Namen wollen wir anrufen.
ZunzWir werden nicht von dir weichen. Belebe uns wieder und deinen Namen wollen wir anrufen.
Hirschso weichen wir nicht von dir zurück, du belebst uns, und deinen Namen verkünden wir.
20
יְ֘הֹוָ֤ה אֱלֹהִ֣ים צְבָא֣וֹת הֲשִׁיבֵ֑נוּ הָאֵ֥ר פָּ֝נֶ֗יךָ וְנִוָּשֵֽׁעָה׃ {פ}
BernfeldHerr, Gott Zebaot, führe uns zurück, lasse dein Antlitz leuchten, dass uns geholfen werde.
ZunzEwiger, Gott der Heerschaaren, führ' uns zurück, lasse dein Antlitz leuchten, daß uns geholfen werde.
HirschGott Gott Zebaoth führe uns zurück! Lasse dein Angesicht leuchten, so ist uns geholfen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 20. ד' א' צבאו' וגו'. Siehe zu V. 1. V. 4 und V. 8 heißt es והאר וגו'. Dort ist das והאר eine Fortsetzung der Bitte השיבנו: Zeige deine Waltung, so daß uns die uns zurückführende Hilfe werde. Hier aber fehlt das ו, es heißt: האר וגו' und bildet es eine eigene Bitte. Führe uns zurück, dies ist allerdings die wesentliche Hauptbitte, deren Erfüllung wir entgegen harren. Allein, auch in dieser Verbannung gewähre uns „die Erleuchtung deines Angesichtes," daß wir zu dir aufblicken können und des Anschauens deines Antlitzes (Vgl. Pent. 4. B. M. 6, 25) gewürdigt werden; dann werden wir selbst vor dieser Rückkehr, mitten in allem äußern Elend uns über alles Leid hinausgehoben fühlen. Diese Bitte האר פניך steht in enger Beziehung zu dem מגערת פניך יאבדו des V. 17 und der damit eingeleiteten Bitte um geistige Begabung V. 18. 19.