Tehillim 76 תהילים

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1
לַמְנַצֵּ֥חַ בִּנְגִינֹ֑ת מִזְמ֖וֹר לְאָסָ֣ף שִֽׁיר׃
BernfeldDem Sangmeister auf dem Saitenspiel. Psalm von Assaf. Ein Lied.
ZunzDem Sangmeister auf dem Saitenspiel. Psalm von Aßaf. Ein Lied.
HirschDem Siegverleiher durch der Töne Kunst, ein Psalm, ein Lied von Aßaf.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 76, V. 1. למנצח וגו'. Dem geweiht, der durch der Töne Macht zum geistigen Siege verhilft. מזמור וגו' שיר. Ein schauendes Lied, zu welchen sich Aßaf auf den Flügeln des Gesanges erhoben. Es schaut aber dieses Lied den Einfluß, den die Stiftung des Gesetzesheiligthums, das um dasselbe sich schaarende Gottesvolk und die diesem Volke des Gottesgesetzes werdenden Gottesführungen auf die Erleuchtung der Völker üben werden.

2
נוֹדָ֣ע בִּיהוּדָ֣ה אֱלֹהִ֑ים בְּ֝יִשְׂרָאֵ֗ל גָּד֥וֹל שְׁמֽוֹ׃
BernfeldRuhmvoll geworden ist Gott in Juda, in Israel ist sein Name groß.
ZunzKund geworden ist Gott in Jehudah, in Jisraél groß sein Name.
HirschErkannt wird in Jehuda Gott, durch Jisrael groß sein Name.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2. נודע וגו'. In Juda, dessen Mittelpunkt der Tempel bildet, ist die Quelle der Gotteserkenntniß. Hier, und nirgends sonst auf Erden, hat Gott im Gesetze die Offenbarung seiner Lehre und seines Willens niedergelegt. Hätte dieses aber nur einen Tempel und eine Priesterstadt gefunden, es wäre diese Erkenntniß nur auf diese beschränkt geblieben. Allein sie hat sich ein Volk zu Trägern geschaffen, und nur dadurch, daß sie Seele eines Volkes geworden, wurde diese Gotteserkenntniß zum שם, zum verkündenden Gottes-Namen, der weit über den jüdischen Kreis hinaus in die Welt hineingedrungen, wurde dieses Volk „Jisrael," Verkünder der Alles überragenden GottesHerrschaft.

3
וַיְהִ֣י בְשָׁלֵ֣ם סוּכּ֑וֹ וּמְע֖וֹנָת֣וֹ בְצִיּֽוֹן׃
BernfeldIn Salem ist seine Hütte und seine Wohnstätte in Zijon.
ZunzUnd in Schalem ist seine Hütte, und seine Wohnstätte in Zijon.
HirschDa in Schalem seine Hütte ward und seine Wohnung in Zion,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 3. ויהי בשלם וגו'. Schalem: der uralte Name der Stätte, wo, zur Zeit der polytheistischen Verirrung der Menschen, sich noch das Bewußtsein von einem אל עליון, einem „höchsten" Gotte, einem אלהא דאלהא, erhalten hatte und gepflegt wurde, dem nur durch צדק, durch ein gerechtes Leben gedient werden könne, durch dessen Pflege שלום, Friede auf Erden zu gewinnen sei (Siehe Pent. 1. B. M. 14, 18). Diesen „höchsten" Gott der alten Menschheit als den „Einzigen," und sein „Gesetz" als Offenbarung eben jener „Gerechtigkeit" zu verkünden, durch deren Verwirklichung der „Friede" in den irdischen Kreis einzieht, ward Jisrael's Sendung in die Mitte der Völker. Die Stätte, in deren Mitte daher Jisrael diesem Gesetze das Heiligthum zu erbauen hatte, erhielt daher den uralten Namen שלם. ergänzt durch ירו, die auf Abrahams בהר ד' יראה (Pent. 1. B. M. 22, 14), hinweisende Beifügung, durch welche der dort zu gewinnende „Friede" als das unter Gottes „schauendem" Auge aufblühende, Gottes Walten „sichtbar" machende irdische Menschenheil ausgesprochen wird (Vgl. Pent. 2. B. M. 23, 17). Indem Gott, der Einzig-Eine, das alte „Salem" zur Bekundung seiner Gegenwart erwählte, ward es eben „Jeru-Salem," und indem hier dieser alte, der Gesammtmenschheit angehörende Name hervorgehoben wird, spricht sich eben darin bedeutsam die Wahrheit aus, daß diese jüdische Gottesstätte die Bestimmung trägt, die Gottesstätte der Gesammtmenschheit zu werden. In Jeru-salem ist nur das alte, vom polytheistischen Irrthum angehauchte „Salem," zur vollen, reinen Wahrheit ergänzt, wieder erstanden. Vielleicht ist auf diese ursprüngliche Einheit von Salem und Jerusalem und dessen gleichzeitige Doppelbedeutung für Israel und die Menschheit durch den nur angedeuteten, nicht voll ausgeschriebenen Dualis ירושלם hingewiesen.

ויהי בשלם סוכו, als in Schalem seine Hütte ward, „seine" Hütte im doppelten Sinne: der Schutz, das ist ja ganz eigentlich סכך, der Schutz, den er gewährt, die Hütte, in welcher er uns birgt, und in welcher er zugleich bei uns ist (Siehe Ps. 27, 5), und seine „Wohnung," wörtlich: die Stätte seines Hierseins, seiner Gegenwart, in Zion, dem Heilig thum seines Gesetzes, „Zion," das sich eben mit diesem Namen als Denkmal (— ציון Kön. II. 23, 17 —) der untergegangenen und zur Wiederauferstehung geladenen Menschheit ankündigt, als Gott so durch Zion und Schalem zur Erkenntniß brachte, daß, wo „sein Gesetz" auf Erden eine Stätte findet, da auch „Er" gegenwärtig ist, und wo sich um Ihn und Sein Gesetz ein von Ihm durch Sein Gesetz geleitetes Volksleben gestaltet, da Schalem, das vollendete Friedensheil den Menschen erblüht, so hat Er:

4
שָׁ֭מָּה שִׁבַּ֣ר רִשְׁפֵי־קָ֑שֶׁת מָגֵ֬ן וְחֶ֖רֶב וּמִלְחָמָ֣ה סֶֽלָה׃
BernfeldDort zerbrach er den blitzenden Bogen, Schild und Schwert und Krieg. Sela.
ZunzDort zerbrach er den blitzenden Bogen, Schild und Schwert und Krieg. Selah.
Hirschhat Er dorthin weisend des Bogens Gluthen zerbrochen, Schild und Schwert und Krieg —
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 4. שמה וגו', nicht שם, sondern שמה, dorthin, dorthin weisend, die Menschheit alle zur Huldigung der durch Schalem-Zion vergegenwärtigten Wahrheit hinrufend, allem Krieg auf Erden ein Ende, und dem ewigen Frieden einen Anbeginn der Verwirklichung gesichert. רשף: die Gluth, רשפיה רשפי אש (Hohel. 8, 6). Wie die Klinge des Schwertes Flamme, להט החרב (1. B. M. 3, 24) auch להב (Richter 3, 22), ebenso die Spitze des Speeres להב חנית (Hiob 39, 23) und auch Blitz des Speeres ברק חנית (Habakuk 3, 10) heißt, so heißen hier Pfeile: die Gluthen des Bogens. Es heißt hier nun nicht Gott zerbricht die Pfeile, sondern durch Zerbrechen des Bogens macht er die Pfeile unwirksam und unnütz. Durch die von Zion ausgehende Herrschaft des Gottesgesetzes hört die Schützen-Kunst auf, eine von Menschen zu übende Kunst zu sein. Und wie der tödtende Angriff der Gewalt aufhört, bedarf's auch nicht mehr der Vertheidigungs-Waffe, es hat damit der Schild und das Schwert und der Krieg überhaupt ein Ende. Das ist das durch Schalem-Zion gesicherte Ziel, שמה: dorthin, zu diesem Ziele hin ist damit die Menschheit gerufen. Es ist das später von Jesaias verkündete והיה באחרית הימים נכון: יהיה הר בית ד' וגו' והלכו עמים רבים ואמרו לכו ונעלה אל הר ד' וגו' כי מציון תצא תורה ודבר ד' מירושלים וגו' וכתתו חרבותם וגו' לא ישא גוי אל גוי חרב ולא ילמדו עוד מלחמה (Jes.2,34),

5
נָ֭אוֹר אַתָּ֥ה אַדִּ֗יר מֵֽהַרְרֵי־טָֽרֶף׃
BernfeldGlänzend bist du, herrlich von den Bergen der Beute herab, [wo sich das Wild herumtummelt].
ZunzLeuchtend bist du, prächtig über Bergen von Beute.
HirschIm Licht geschaut, bist du der Macht-Einzige, hoch über Bergeshöhen von Raub.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5. נאור וגו'. נאור, Nifal von אור, von Licht bestrahlt, d. i. hell und klar von den Menschen in deiner Wirklichkeit und Wahrheit erkannt (Siehe Pent. 4. B. M. 6, 25), אתה אדיר bist du dann der Macht-Einzige, der alles Andere an Macht Ueberragende, (Pent. 2. B. M. 15, 6), מהררי טרף mehr als jetzt Bergeshöhen von Raub. Jetzt wird die Macht nach der Höhe von Raub geschätzt, die sie gehäuft. Einst aber wird die von Zion ausgehende Gotteserkenntniß alle solche, durch Zerstörung sich Trophäen bauenden Mächte in ihr Nichts zurückdrängen, indem sie Gott als die einzige Macht zu erkennen und zu fürchten lehrt. כי יום לד' צבאו' על כל גאה ורם וגו' ושח גבהות אדם וגו' ונשגב ד' לבדו ביום ההוא (Jes. 2, 12—17).

6
אֶשְׁתּֽוֹלְל֨וּ ׀ אַבִּ֣ירֵי לֵ֭ב נָמ֣וּ שְׁנָתָ֑ם וְלֹֽא־מָצְא֖וּ כׇל־אַנְשֵׁי־חַ֣יִל יְדֵיהֶֽם׃
BernfeldBetäubt waren all die Hartherzigen, sie schlummerten ihren Schlaf, und all die Tapferen fanden ihre Hände nicht.
ZunzBetäubt waren all die Hartherzigen, schlummerten ihren Schlaf, und nicht fanden all die Tapferen ihre Hände.
HirschIch, nein, die hochfliegenden Muthes waren, haben sich selbst bereits als sinneberaubt gezeigt, sind in ihren Schlaf hinüber geschlummert, und alle Heeresleute haben ihre Hände nicht mehr gefunden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 6. 7. אשתוללו וגו'. שלל kommt auch in der Bedeutung: sinneberaubt vor, מוליך יועצים שולל (Hiob 12, 17), וסר מרע משתולל (Jes. 59, 15). אשתוללו erscheint als von der ersten Person des Futurums und dritten des Plur. Präteritums zusammengesetzte Form, soviel als אשולל und השתוללו. Es scheint, als habe er erst sagen wollen: אשולל, ich spreche als sinneberaubt aus (Vgl. Ps. 75, 12), d. h. durch Das, was Schalem-Zion bezeugt, erscheinen Diejenigen als sinnlos, die sich vermessen, Gott entgegen zu treten. Er verbessert sich aber und sagt: nicht אשולל, השתוללו: nicht ich, sich selbst haben bereits אבירי לב als sinneberaubt gezeigt. אביר, von אבר, אברה: Flügel: der Hochgehobene, sich Hochschwingende, Hochgestellte. אביר לב, hochschwingenden Muthes, kühn, keck. Die im Vorhergehenden ausgesprochene Wahrheit von der in Schalem-Zion sich offenbarenden, Allem obsiegenden Gottesmacht, ist nicht nur eine Verkündung für die Zukunft, von uns erlebte Ereignisse haben bereits ihre Thatsächlichkeit gezeigt. Es haben bereits אבירי לב, hochfliegenden Muthes Mächte es gewagt, mit Gott in den Kampf von Schalem Zion einzugehen, und haben sich in solchem Unternehmen als sinneberaubt erwiesen. נמו שנתם: sie schlummerten in ihren Schlaf hinüber. Schlafend traf sie der Tod, und alle ihre Heeresleute fanden ihre Hände nicht mehr, d. h. wurden gelähmt. מגערתך וגו'. אלקי יעקב: der du für das schwache, unkriegerische „Jaakob" stark bist. ורכב וסוס. Wenn hier רכב Wagen, Kriegswagen bedeutet, so müßte man an den Wagenlenker denken, von dem נרדם ausgesagt werden kann. In רכב an die Wagenlenkung zu denken, liegt aber umsoweniger fern, da der Begriff רכב, wovon der Ausdruck רכב für Wagen gebildet ist, sich ja eigentlich auf den im Wagen Sitzenden, denselben Lenkenden bezieht, es heißt ja ursprünglich: reiten. Wir finden jedoch die Form רֶכֶב auch von den Reitern. שני רכב סוסים (Kön. II. 7, 14), das zwei Pferde mit Reitern heißt. Es kann daher רֶכֶב auch die Reiterei bedeuten. Es wird hier auf ein Ereigniß hingeblickt, ähnlich dem Untergange der Heeresmacht Sanherib's vor Jerusalem (Kön. II. 19, 35).

7
מִ֭גַּעֲרָ֣תְךָ אֱלֹהֵ֣י יַעֲקֹ֑ב נִ֝רְדָּ֗ם וְרֶ֣כֶב וָסֽוּס׃
BernfeldVor deinem Dräuen, Gott Jakobs, waren betäubt Wagen und Ross.
ZunzVor deinem Dräuen, Gott Jaakob's war betäubt, so Wagen wie Roß.
HirschVor deinem Drohen, Gott Jaakobs, ward so Reiterei wie Roß betäubt.
8
אַתָּ֤ה ׀ נ֥וֹרָא אַ֗תָּה וּמִֽי־יַעֲמֹ֥ד לְפָנֶ֗יךָ מֵאָ֥ז אַפֶּֽךָ׃
BernfeldDu, furchtbar bist du, und wer besteht vor dir, vor deinem Zorn?
ZunzDu, furchtbar bist du; und wer besteht vor dir, sobald dein Zorn (erglüht?)
HirschSo bist d u jetzt schon der zu Fürchtende, d u. Wer wird vor dir bestehen bleiben, wenn einmal dein Zürnen hervortritt!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 8. אתה וגו'. So wirst du jetzt schon als der in Wahrheit allein zu Fürchtende erkannt, obgleich die Menschen das Ueberwältigende deiner Macht nur aus Ereignissen zu schließen vermögen. Wer wird vor dir bestehen können, wenn du einst dein Zürnen hervortreten lassen wirst. מאז: von dem Moment an, da du die Zeit deines Zornes eintreten lässest, in jener, nur dir bekannten Zeit, in welcher du als Richter hervortreten wirst.

9
מִ֭שָּׁמַיִם הִשְׁמַ֣עְתָּ דִּ֑ין אֶ֖רֶץ יָֽרְאָ֣ה וְשָׁקָֽטָה׃
BernfeldVom Himmel lässt du Gericht erschallen, — die Erde erschrickt und wird still,
ZunzVom Himmel lässest du Gericht erschallen, — die Erde erschrickt und wird ruhig,
HirschVom Himmel herab hast du bereits das Recht verkündet. Die Erde fürchtete und ward ruhig.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 9. משמים וגו'. דין ist das angewandte צדק, das sich aus dem Rechtsbegriff für den einzelnen Fall ergebende Recht, dessen Verwirklichung, die Ordnung der Verhältnisse nach dem Recht: משפט heißt. Was dir „Recht" ist, wonach du einst richten, wofür du einst zürnend hervortreten wirst, das ist den Menschen nicht unbekannt geblieben, das hast du bereits vom Himmel herab offenbart und als die Forderung deines Willens in dem Gesetze zu Schalem-Zion niedergelegt. Als du auf dem Sinai dein „Recht" offenbartest, lernte die Erde sich fürchten und ruhig werden. Ueberall sonst sind Furcht und Ruhe Gegensätze. Allein die wahre Ruhe beruht auf der wahren Furcht. Es giebt kein שקט, keine Ruhe für den Menschen, wenn er in seinem Gewissen vor Gott sich unruhig fühlt, und es giebt keine Angst, wenn man da ruhig sein kann. Der gottesfürchtige Mensch ist der heiterste, er kennt keine Sorge und keine Angst. Würde das Recht nicht von Gott vertreten, der Gottesfürchtige dürfte vielleicht zittern. Wo nicht דין מן השמים das Gegebene ist, wo Menschen das „Recht" schaffen, da wird leicht „Macht" zum „Recht," und „Schwachsein" heißt: „Unrecht haben." Den Kampf um's Dasein nennt man's heute. Gott hat aber das Recht, und damit Herrschaft und Sieg seines Rechts verkündet; da lernte die Erde fürchten und Ruhe gewinnen. Gottesfurcht ist etwas Ausschließendes, neben ihr giebt es keine andere Furcht. Wer in Zion „zittert," muß ein Sünder oder ein Heuchler sein. Er glaubt selbst nicht an die Göttlichkeit und Ewigkeit des Prinzips, dem er äußerlich huldigt. פחדו בציון חטאים אחזה רעדה חנפים (Jes. 33, 14). ארץ, die Erde, ist hier als der Boden begriffen, auf welchem das Gottes-Recht zur Verwirklichung kommen soll. Als Gott dieses Recht vom Sinai herab verkündete, stand die Menschheit im Gegensatz zu diesem Recht und war durch Untergang bedroht. Der Erde drohte Verödung, und sie fürchtete. Allein eben dieses, von Gott verkündete und vertretene Recht sichert Aufblühen allem Gerechten, und die Erde ward ruhig.

10
בְּקוּם־לַמִּשְׁפָּ֥ט אֱלֹהִ֑ים לְהוֹשִׁ֖יעַ כׇּל־עַנְוֵי־אֶ֣רֶץ סֶֽלָה׃
BernfeldAls Gott zum Gericht aufstand, zu helfen all den Gebeugten der Erde. Sela.
ZunzAls zum Gericht Gott aufstand, zu helfen all den Gebeugten der Erde. Selah.
HirschWenn Gott zum Gerichte aufsteht, so gilt es Hilfe zu bringen allen Bescheidenen der Erde —
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 10. בקום וגו'. Denn, wenn Gott zum Gericht aufsteht, dann gilt es להושיע כל ענוי ארץ, nicht den Kecken und Trotzigen, sondern allen Denen wahrhaftiges Sein zu bringen, die bis dahin als die Bescheidenen verurtheilt sind, die Geltungslosen, Stimmlosen, Unberechtigten zu sein, die es darauf ankommen lassen müssen, wie weit sie mit ihrem Streben eine Stätte in Mitten der dem Gottesrechte abgewandten Verhältnissen zu finden vermögen —

11
כִּֽי־חֲמַ֣ת אָדָ֣ם תּוֹדֶ֑ךָּ שְׁאֵרִ֖ית חֵמֹ֣ת תַּחְגֹּֽר׃
BernfeldDenn dein Grimm über die Heiden ist dein Lob, wegen des Restes [Israels] umgibst du dich mit Zorn.
ZunzDenn der Grimm der Menschen preiset dich, den Rest des Grimmes gürtest du um.
HirschDenn das Wüthen des Menschen muß dir huldigen; den Rest der wüthenden Ausschreitungen legst du als Gurt dir an.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 11. כי וגו'. Denn das Wüthen, das leidenschaftliche Gebahren des Menschen huldigt dir, muß endlich deine Uebermacht anerkennen, die ihm hemmend entgegentritt. Und שארית חמות, den Rest aller leidenschaftlichen Ausschreitungen, Das, was du von den leidenschaftlichen Ausschreitungen geschehen lässest, תחגור, damit „gürtest" du dich, das gebrauchst du als Werkzeug deines Waltens für deine Weltenziele (Vgl. Jerem. 13, 11., wo Israel Gott als „Gürtel" dienen soll). „Der große Meister bringt Alles zum Kreißen, und hat Thoren in seinem Dienst, und hat Uebertreter in seinem Dienst." רב מחולל כל ושוכר כסיל ושוכר עוברים (Prov. 26, 10).

12
נִ֥דְר֣וּ וְשַׁלְּמוּ֮ לַיהֹוָ֢ה אֱֽלֹהֵ֫יכֶ֥ם כׇּל־סְבִיבָ֑יו יֹבִ֥ילוּ שַׁ֝֗י לַמּוֹרָֽא׃
BernfeldGelobet [Opfer] und bringt sie dar dem Herrn eurem Gotte, ihr alle rings um ihn. Man bringe Gaben dem Furchtbaren!
ZunzGelobet und bezahlet dem Ewigen, eurem Gotte, ihr alle, rings um ihn! Sie sollen Gaben bringen dem Furchtbaren,
HirschIhr aber gelobet und erfüllet was ihr gelobet Gott eurem Gotte, während Alle, die ihn umgeben, als Gegenstand der Furcht Ihm Huldigungsgabe bringen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 12. נדרו וגו'. Ihr aber, wendet Aßaf sich zu Israel, in dessen Mitte Gott längst als ד', als Liebesspender jedes kommenden Augenblicks erkannt, und sein Gesetz als Leiter aller Verhältnisse aufgenommen ist, ihr möget aus f r e i e r, freudiger Hingebung G o t t, eurem Gotte, die Vorsätze eures Lebens geloben und erfüllen, während seine ganze übrige Umgebung, die Völker Alle, die ihn einst umgeben (Ps. 7, 8), als Gegenstand der Furcht Ihm Huldigungsgabe bringen. ש' siehe Ps. 68, 30.

13
יִ֭בְצֹר ר֣וּחַ נְגִידִ֑ים נ֝וֹרָ֗א לְמַלְכֵי־אָֽרֶץ׃ {פ}
BernfeldDer da mähet den Trotz des Gewaltigen, furchtbar den Königen der Erde.
ZunzDer da mähet den Trotz der Gewaltigen, furchtbar den Königen der Erde.
HirschEr hält die Lese vom Geist der Fürsten, ist zu fürchten den Königen der Erde.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 13. יבצר וגו', בצר, Weinlese halten, את ענבי נזירך לא תבצור (3. B. M. 25, 5). נגיד: נגד העם, dem Volke vor- und gegenüber steht, der Fürst. Er erndtet den Geist der Fürsten. Von Allem, was Völkerbeherrscher in selbstsüchtigem Macht-Interesse thun, fällt die Erndte zuletzt Ihm zu. Ihre Ziele erreichen sie nicht und stehen unbewußt im Dienste des einstigen Gottesreichs auf Erden. Ihn haben zu fürchten die Könige der Erde.