Tehillim 74 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 74, V. 1. משכיל (Siehe Ps. 32, 1). Dieser Ps. lehrt, aus der Betrachtung des vollendeten Churban- und Galuth-Zustandes selbst die Zuversicht in die einstige Erlösung zu schöpfen. Er findet in der Einbuße, welche die zu erzielende Gotteserkenntniß im Kreise der Völker durch die völlige Zertrümmerung des Gottesheiligthums und der völligen Niederwerfung des Gottesvolkes erleidet, Grund zur Hoffnung auf ein endliches Ende dieser trostlosen Zustände. Diese Hoffnung spricht sich in an Gott gerichteten Vorstellungen aus.
למה, zu welchem Zweck hättest du uns für immer verlassen, welches Ziel deiner Waltung würde dadurch gefördert, wenn wir auf ewig von dir verlassen blieben. יעשן וגו' ist das Bild von einem Brande, der noch fortraucht, nachdem die Flammen schon erloschen, der eigentliche Brand schon vorüber ist. Wir sind die Heerde deiner Weide. Du bist unser Hirte. Der Hirt will nicht die Vernichtung seiner Heerde. Wenn er seine Schaafe schlägt um sie auf den rechten Weg zu bringen, so dauert sein Zürnen nicht länger, als sein Schlag. Zu welchem Zwecke dampft dein Zorn noch fort, nachdem du bereits dein Zürnen uns durch den Untergang unseres staatlichen Glücks so fühlbar gemacht hast?
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. זכר וגו' hebt alle die Momente hervor, deren Würdigung die Wiederkehr der göttlichen Gnade zu befürworten geeignet sein könnte. Es ist עדתך: die Gemeinsamkeit deiner Anerkennung und der von dir ertheilten Bestimmung bildet das Band ihrer Vereinigung (עדה siehe Pent. 2. B. M. 12, 3). קנית קדם: du hast durch so viele Wohlthaten sie dir erworben. Weil du so viel für sie hast thun müssen, ehe sie dein eigen geworden, sind sie dir ja im buchstäblichen Sinne theuer. Die Liebe zu einem Gegenstande wächst, jemehr wir für dessen Erwerb und Erhaltung geleistet und geopfert. גאלת: sie waren annehmerlos, und du hast dich ihrer angenommen, bist gleichsam als ihr גואל, als ihr Verwandter aufgetreten, hast deine Vaterrechte an ihnen geltend gemacht, hast sie vor aller Welt: בני, בכורי, deinen Sohn, deinen Erstgeborenen genannt. Seitdem stehen sie als die Deinen da, und bei Allem, was sie trifft, blicken die Menschen auf dich zurück. שבט נחלתך: sie sind doch unter allen von dir abgefallenen Stämmen des Menschengegeschlechts der einzige Stamm, der dir wieder zugefallen ist und keinen andern Herrn und Eigenthümer anerkennt. So Jerem. 10, 16. לא כאלה חלק יעקב וגו' וישראל שבט נחלתו וגו'. זה הר ציון: das einzige „Denkmal" der einst wiedererstehenden Menschheit der Zukunft. שכנת בו: die einzige Stätte, wo du deine „Gegenwart auf Erden" bekundet.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. הרימה וגו'. משאות siehe Ps. 73, 18. Hier dürfte das מ' in lokaler Bedeutung stehen, und משאות: Stätten getäuschter Erwartungen, begrabener Hoffnungen bedeuten. כל־הרע וגו'. Wäre כל sachliches Objekt von הרע, so daß es hieße: Alles hat der Feind im Heiligthum verwüstet, so würde es כל lauten, und nicht durch מקיף mit הרע verbunden sein. In dieser Verbindung scheint es vielmehr Einen Begriff mit הרע zu bilden und in adverbialer Bedeutung, völlig, gänzlich, zu stehen. Aehnlich wäre das כל־תשא עון (Hosea 14, 3): Mögest du völlig Sünde verzeihen. Völlig hat der Feind das Schlechte ausgeführt, oder: völlig hat der Feind verheert im Heiligthum.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. שאגו וגו'. צרריך, nicht unsere Feinde, deine Feinde, die deine Macht und dein Gesetz von der Erde zu verdrängen suchten, zu verdrängen vermeinten, haben im Allerheiligsten, im Innern der Stätte gebrüllt, die du zu deiner Zusammenkunft mit uns geweiht hattest, (— siehe Pent.2.B.M.27,21 —). Dich glaubten sie da zu besiegen, haben ihre Zeichen als Zeichen, ihre Symbole als Symbole der Wahrheit aufgestellt. Es war nicht der Sieg einer politischen Macht über eine andere. Es wurde begriffen als der Sieg des Heidenthums über Judenthum, als der Sieg der Götter über Gott!
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. ידע וגו'. Er, der איב (V. 3), der Feind wird anerkannt, als hätte er es zur Höhe gebracht, und sie waren doch nur Aerte in untaugliches Waldgestrüpp. Sie waren selbst nur Werkzeuge in deiner Hand, mit welchen du uns, die wir nichtsnutziges, der Luft und dem Lichte im Wege stehendes Holz geworden waren, wegräumen, und dem bessern Zuwachs Raum schaffen wolltest. Das wird aber nicht erkannt. Es war dein Sieg über uns, und es wird betrachtet als ihr Sieg über Dich! (Vgl. Jes. 10, 15. היתפאר הגרזן על החוצב בו וגו').
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. ועתה וגו'. פתוחיה, wie פתוחי חותם, Siegelgravirungen (2. B. M. 28, 11): architektonische Skulptur-Verzierungen. So הנני מפתח פתחה (Secharja 3, 9). כשיל: der Stoßhammer, der abschlägt, abfallen macht, von כשל, zum Fall kommen. כילפות, von כלף gleichbedeutend mit קלף, schälen, גלב, Scheermesser: Schabinstrumente, Meißel, Hobel 2c. Und jetzt — nachdem schon alles in Trümmern liegt — sind sie vereinigt bemüht, mit Stoßhammer und Meißel an den Steintrümmern die daran vorhandenen Skulpturen wegzutilgen. Sie sind von solchem Fanatismus gegen dich und dein Heiligthum erfüllt, daß jetzt, wo schon dein Heiligthum in Trümmern liegt, sie zusammen daran arbeiten, selbst an den Trümmern jede Spur ihrer einstigen Bestimmung zu tilgen. Es sollen von deinem Heilgthum Nichts als unkenntlich rohe Steine übrig bleiben. Es soll vom Judenthum und seiner einstigen Herrlichkeit jede Spur und jedes Andenken verwischt werden. Das Suffix femin. in פתוחיה bezieht sich entweder auf das hinzugedachte אבן, das ja fem. ist oder auf das vorerwähnte מועד, das hier als in vollendeter Schwäche darnieder liegend weiblich gedacht ist.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7. שלחו וגו'. Ohne Dagesch in ל. Es vereinigt daher die Bedeutung des Kal und Piel. Bei שלח im Kal liegt der Zweck in dem Ort, wohin Jemand geschickt wird. Bei שלח im Piel ist der Zweck die Entfernung vom gegenwärtigen Ort. Die Zerstörer hatten die doppelte Absicht. Das Heiligthum des Einzig Einen war ihnen im Wege als ein Protest gegen das ganze System ihrer Anschauungen. Sie wollten es entfernen (Piel). Und war es in ihren Augen an sich ein so verderbliches und hassenswerthes, daß mit dessen Zerstörung ihm nur das geschah, was ihm schon längst gebührte (Kal). לארץ, mit dem Boden gleich, חללו: mit ihrer Zerstörung entweihten sie es. Sie zerstörten es in solchem Maaße, daß sie durch die Zerstörung es aussprachen, es verdiene von ihm kein Stein auf dem andern zu bleiben.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 8. אמרו וגו'. נין Nachkommenschaft (Siehe Pent. 1. B. M. S. 27). Indem sie den Tempel zerstörten, glaubten sie damit Israel in seiner ganzen Nachkommenschaft zugleich zu vernichten, glaubten, sie hätten damit alle מועדי אל auf Erden vernichtet — und vergaßen, daß außer dem von Zerstörers Händen ergreifbaren, räumlichen מועד, Gott in Israel noch eine ganze Reihe zeitlicher מועדים gestiftet hatte, die, von Feindes Hand unerreichbar, das Volk mit hinaus in's Exil begleiteten, und dem vereinzeltsten Juden, in geistiger Gemeinsamkeit mit allen seinen über die Erde hin zerstreuten Brüdern, Wochen, Tage und Stunden der Vereinigung mit Gott und ihrer unsichtbar vereinten Gesammtheit bringen werden, vergaßen, daß überall ihnen auch verjüngte, räumliche מועדים als מקדש מעט im Galuth erstehen werden, vergaßen, daß selbst מקום מקדשנו, der verödete Platz unseres Heiligthums, der Geisteshinblick unserer Weihen, Erinnerungen und Hoffnungen, ein das untergegangene an einigender Kraft noch weit übertreffender Mittelpunkt der Gottes-Verherrlichungen bleiben werde. כסא כבוד מרום מראשון מקום מקדשנו (Jerem.17,12).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 9. אתותינו וגו'. אות, das geistige אור, die Vermittelung einer Erkenntniß (Siehe Pent. 1. B. M. S. 6. 2. B. M. S. 41). Sie hatten Veranlassung, an den Sieg des Heidenthums über Judenthum, an den Sieg der Götter über Gott zu glauben und ihre אותות als אותות aufzustellen (V. 4); denn in der That unsere אותות sahen wir nicht mehr. Entweder: es geschehen uns nicht mehr solche, Gottes Gegenwart und Waltung ankündigende אותות wie in vorigen Zeiten. Oder: Das, was die in früherer Zeit uns gewordenen אותות von Gottes Gegenwart und Waltung verkündet hatten, vermissen wir in unserm Geschicke. Wir haben auch keinen Propheten mehr, der, von Gottes Geist erfüllt und sein Wort auf den Lippen tragend, uns die rechte Würdigung unserer Zeit und die rechten Erwartungen von unserer Zukunft lehre. Mit dem Ausbleiben der אותות und der נבואה ist die sichtbare geistige Verbindung geschwunden, die Gott bisher in allen Zeiten mit uns aufrecht hielt, ולא אתנו, und nicht ist bei uns יודע עד מה, Einer der weiß, wie lange dieser Zustand dauern soll. Ebenso Ps. 4, 3 עד מה כבודי לכלמה. מה ist aber eigentlich nicht die Frage nach einem zeitlichen, sondern nach einem sachlichen Moment: was? עד מה dürfte daher wohl nicht sowohl eine Frage nach der Zeitgränze, sondern nach der sachlichen Gränze sein: bis zu welcher Gränze des Untergangs und des Elends dieses führen soll, Keiner weiß wo dies enden soll.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 10. 11. למה וגו'. Darum wende ich mich an dich mit der Frage, nicht wie lange unser Unglück dauern, sondern, wie lange durch den Triumph und das ungehinderte Ausschreiten unserer Feinde dein Name verkannt und gelästert werden soll? Warum hältst du deine Linke und deine Rechte zurück, d. i. deine strafende Hand vom Feinde und von uns deine helfende? (Siehe Pent. 2. B. M. S. 167). Der uns drohende Untergang und der zu bestrafende Uebermuth der Feinde, Beides, durften wir glauben, sollte zusammen wirken, dich zum Einschreiten zu bestimmen. תשיב nicht eigentlich zurückhalten, sondern: zurücknehmen. Es setzt voraus, Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit haben bereits die Linke und Rechte in Bewegung gesetzt, und Gottes Rathschluß habe sie zurückgenommen. מקרב חיקך כלה. חיק, Schooß, kommt als Dasjenige vor, in welchem das für eine Persönlichkeit Bestimmte in Empfang genommen wird, und auch als der Behälter, in welchem die zu ziehenden Loose liegen. בחיק יוטל את הגורל (Prov. 16, 33). Also: sollte aus deinem Schooße für uns das Loos der völligen Vernichtung hervorgegangen sein? Sollte denn Das der Rathschluß sein, der deine Linke und deine Rechte vom Einschreiten zurückhält? כתיב ist חוקך und beseitigt damit den dem Ausdruck חיק, Loosbehälter, innewohnenden Schein des Zufälligen. Es ist vielmehr חוק, das von Gott Jemandem als das ihm Gebührende Zugetheilte, Bestimmte (Siehe Pent. 1. B. M. S. 593).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 12. ואלקי' וגו'. Und Gott, der mir jetzt in so ernster, strenger Waltung gegenüber steht, er ist doch mein König aus der Vorzeit her, er ist doch mein Regent, von dem alle meine Geschicke ausgehen, der über mich gebietet und meine Vertretung nach Außen zugesagt hat. Und er ist doch פועל וגו', und er ist doch noch פעל ישועות בקרב הארץ, wie er einst von sich gesprochen und gezeigt: אני ד' בקרב הארץ, daß er nicht nur ein Gott des Himmels sei, daß sein Wirken und Walten mitten auf der Erde, in Mitten der Menschheit sei, so ist er ja noch mit seinem Wirken und Walten überall auf Erden gegenwärtig, und ישועות, die mannigfaltigsten Heilesverleihungen sind das letzte Ziel seines Wirkens auf Erden. Nicht Vernichtung, die Verleihung des wahrhaftigen, kraftvollen Seins (ישע), in der größten, die vielfältigsten Besonderheiten berücksichtigenden Mannigfaltigkeit, ist Ziel und Gepräge seines Wirkens auf Erden, er ist פעל ישועות בקרב הארץ.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 13—17. אתה פוררת וגו'. Ein Blick in meine Urgeschichte (V. 13—15) zeigt ihn in seiner absoluten Allmacht, und diese Allmacht gebrauchend, gewalttägige, dem Menschenheil feindliche Mächte niederzuwerfen und das Verlassenste und Hilfloseste aufzurichten und seiner Bestimmung entgegenzuführen, zeigt ihn als מלכי פועל ישועות בקרב הארץ. Ein Blick in das allezeit gegenwärtige Naturleben (V. 16. 17) zeigt ihn als den Schöpfer, Gesetzgeber und Ordner der Erdwelt, der die Welt, die den Menschen trägt und sein ganzes Sein und Streben und Vollbringen bedingt, auf Gesetz und Ordnung gegründet hat und erhält. Beides zusammen sagt jedem denkenden Menschen: der Gott, der Egyptens Macht niederwarf und das geknechtete Israel zu Freiheit und Heil führte, der läßt Tag und Nacht nicht wechseln, läßt Sonne und Mond nicht scheinen, läßt in der viel gegliederten Erdwelt die Jahreszeiten nicht in harmonischer Mannigfaltigkeit ihren Reigen vollenden, auf daß in dieser, von Gesetz und Ordnung getragenen Welt der Mensch nun ein Leben des gesetzlosen Frevels und zerstörender Willkühr vollbringe, der will mit seiner Waltung auf Erden das Ziel herbeiführen, daß auch die Menschenwelt sich endlich Seinem Gesetze, und damit Seiner Heilesordnung einfüge, der ist: פועל ישועות בקרב הארץ —
פרר theilen, rabbinisch: zerbröckeln. פוררת בעוז ים, die Theilung des ים סוף. תנינים (siehe Pent. 1. B. M. 1, 21) sind die Egypter. So heißt Pharao (Ezech. 29, 3) התנים הגדול הרובץ בתוך יאוריו. Sein Element, der Boden seiner Macht war das Wasser, der Nil; und an und auf seinem Elemente brach Gott ihm das Haupt. לויתן, die Wasserthierwelt (siehe Ps. 104, 26) ist (Jesaias 27, 1) Bild einer auf Gewalt und List gegründeten menschengesellschaftlichen Macht (siehe Jeschurun Jhrg. VIII. S. 14—38). ראשי לויתן ist hier auch die egyptische Macht als ältestes Vorbild aller auf Gewalt und List sich stützenden Gewaltherrschaften. Du stürztest seine Macht und gabst ihn dem zur Wanderung durch die Wüste, eigentlich zu Wanderern durch die Wüste bestimmten Volke zur Beute. ציים Wüsten-Nomaden. Wanderer in der Wüste (Siehe Pent. 4. B. M. 24, 24). בקעת מעין ונחל: in der Wüste aus dem Felsen. הובשת נהרות איתן: den Jarden beim Durchgang unter Josua. מאור: der Mond als Träger des von der Sonne empfangenen Lichtes. גבולות ארץ: die natürlichen Scheidungen der Länder durch Meere, Berge und Flüsse, sowie deren klimatische Sonderung. Eine Scheidung und Sonderung, durch welche die ganze Mannigfaltigkeit der Völkerentwickelung gegeben ist (Vgl. Ps. 24, 1. 2).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 18. זכר וגו'. Sei doch Dessen eingedenk: der Feind schmähet nicht Gott im Allgemeinen, er schmähet den Judengott, er schmäht Gott, wie ihn das Judenthum lehrt, als Lenker und Leiter der Menschengeschichte, als Bringer der Menschheitzukunft, als Bringer des endlichen Menschen-Heils, vor dessen Aufblühen Gewalt und Unrecht und Sittenlosigkeit zu schwinden haben. Es ist עם נבל, es ist ein „welk" gewordener Menschenkreis, ein Menschenkreis, in welchem das Sittliche zu Grabe gegangen ist, der deinen Namen höhnt, eben den Namen ד', den der נבל, der Sittenlose nicht verträgt, weil er das Aufblühen des Menschenheils unter der Herrschaft des Sittengesetzes ankündigt. Bedenke, daß, wenn diese Menschen über uns triumphiren, mit unserm Untergang deine Anerkennung im Kreise der Menschen leidet.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 19. אל תתן וגו'. לחית, חיה das Raubthier im Gegensatz zu תור der wehrlosen, schuldlosen Taube; und zwar חית im סמיכות ohne ausgesprochenen נסמך, in größter Allgemeinheit, dem Raubthier jeder Art. חית ענ"ך Vgl. Ps. 143, 3.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 20. הבט וגו'. Schau auf den „Bund" hin, auf Das, was du als absolute, unter allen Umständen zu erfüllende Verheißung festgesetzt hast, den „Bund," der sich ja gerade dann als solcher zu bewähren hat, wenn alle Umstände gegen diese Erfüllung zu sprechen scheinen (Siehe Pent. 1. B M. S. 136). Es ist dies der ברית des אף גם זאת für's Galuth (3. B. M. 26, 44. 45). מחשכים sind düstere Kerker. נאות: heitere, anmuthige Fluren. Voll von düstern Kerkern sind die lachenden Fluren der Gewalt. Die Gewalt wohnt in heitern Fluren und in finstern Erdenkerkern schmachten die von ihr Beraubten. Oder vielmehr: מחשכי ארץ sind die finstern Strecken der Erde, נאות חמם heitere Stätten der Gewalt, und es hieße: voll sind die finstern Länderstrecken der ganzen Erde von heitern Stätten der Gewalt. Finsterniß und Elend herrscht überall, und heiter sind nur die Wohnungen der Gewalt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 21. אל ישוב וגו'. דוך von דך, zerstoßen, z. B. im Mörser. Laß doch den Zermalmten nicht beschämt zurückweichen, lasse ihn bei dir die Erhörung finden, die er sucht. עני ואביון lasse den Armen und Willenlosen deinen Namen in Thatenlob zu verkünden haben. Mache die von der Gewalt Zermalmten, die Macht- und Hilflosen, indem d u für sie einschreitest, zu Herolden deines Heileswaltens auf Erden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 22. 23. קומה וגו'. Der Haß und die Anfeindung, die uns treffen, sind doch auf uns nur gerichtet, weil wir die Deinen sind, d i r gilt ihre Feindschaft, dich, das Bewußtsein von deiner Waltung, deinem Willen, deinen Pflichtforderungen, dessen Träger wir sind, und das ihrem Willkührleben im Wege ist, wollen sie in uns vernichten. Es ist deine Sache, die Erreichung deines Menschheitsziels, die in uns bedroht ist. Für die Rettung deiner Sache wollest du dich erheben —