Tehillim 73 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 73, V. 1. אך טוב וגו'. An der Spitze des Psalms steht als Grundsatz אך טוב וגו', nur gut, oder doch gut (Vgl. Pent. 5. B. M. 16, 15 und S. 194), nur gut, oder: doch gut ist Gott Israel, d. h. Gott ist gut, Alles, was von Gott kommt ist Güte, selbst wenn eine oberflächliche Anschauung der Zustände und Ereignisse das Gegentheil zu ergeben scheint. Der Beweis dieses Satzes bildet eben den Inhalt dieses Kap. אלקי': auch in dem richterlichen Ernst seiner Waltung ist Gott nur gut לישראל: Denen, die den hohen Beruf erfüllen sollen, der in diesem Namen liegt, der einen Grad geistiger und sittlicher Tüchtigkeit erfordert, der errungen werden will. Daher: לברי לב. טהור לב kann man auch von Natur und Anlage sein, בר לב aber, von ברר, säubern, Ungeeignetes ausscheiden, ist Der, dessen Gesinnungsreinheit ein Erzeugniß seiner Arbeit an sich selbst ist. Diese, die an sich arbeiten mußten, um sich die sittliche Reinheit zu erwerben und zu bewahren, die wissen, welche erziehende, läuternde, fördernde und sittlich stärkende Kraft eben die trüben Stunden des Lebens haben, und die begreifen, wie Gott nur gut ist, immer gut ist, und auch das Herbste von ihm Güte ist.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. ואני וגו'. Zur Erkenntniß dieser Wahrheit bin ich aber auch erst nach Ueberwindung von Irrthümern gelangt. Ich war nahe daran, selbst an den Wegen der göttlichen Waltung irre und dadurch in meinem Pflichtleben schwankend zu werden. נטוי von נטה wie צור חסיו בו (5. B. M. 32, 37): vom rechten Wege ablenken. אשור ist der gerade, feste, männliche Schritt, der seine Richtung von dem festen Willen des Schreitenden erhält. Den geraden Gegensatz dazu bildet: שפך, hingegossensein wie Wasser. Wasser erhält die Richtung seiner Bewegung lediglich durch die Beschaffenheit der Bodenfläche, auf welcher es sich befindet. כאן שפכה אשרי': meine Schritte hätten fast allen innern Halt verloren, und sich lediglich von äußern Rücksichten leiten lassen. נטית רגל, das wirkliche Abweichen vom rechten Wege ist erst eine Folge von שפיכת אשורים, vom Verlieren des innern Halts. Daher heißt es wohl von ersterm: כמעט und von letzterm: כאן. Er war dem Letztern näher als dem Erstern. Das כתיב ist aber נטוי und שפכה, beides Singular (אשור findet sich femin. לא תמעד אשריו Ps. 37, 31). Es handelt sich nicht sowohl um die einzelnen Gänge und Schritte, als um das einheitliche Prinzip, das ihnen allen leitend zu Grunde liegt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. כי וגו' und woher dieses drohende Schwanken? Weil ich anfing Diejenigen zu beneiden, von denen ich wußte, daß sie bei allem äußern Glanz jedes innern geistigen und sittlichen Kerns entbehrten, ja weil ich Menschen in ungestörtem Glück sah, die ganz offen gesetzlos lebten, sich über alle Schranken und Anforderungen des göttlichen Gesetzes hinüber setzten. קנא ב־: Das bei dem Andern finden, was man eigentlich für sich beanspruchen zu können glaubt. קנא, ja verw. mit קנה: ein Recht auf Etwas erwerben oder haben, wie קונה שמים וארץ (Siehe Pent. 1. B. M. 26, 14). הלל im Kal: strahlen, Schein und Glanz haben ohne innern Kern. Im Piel: zurückstrahlen, Strahlen werfen, die auf einen innern Kern zurückweisen, daher Jemandes Größe aus seinen Thaten erkennen und aussprechen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. כי אין וגו', חרצבות ist ungewisser Bedeutung. פתח חרצבות רשע (Jes. 58, 6) weist auf etwas Bindendes, Fesselndes hin. Nun finden wir חבלי מות (ja auch verw. mit חבל: Strick) und מוקשי מות (Ps. 18, 6), (ja מוקש ebenfalls eine zum Fangen bestimmte Verstrickung). Ersteres von physischen, tödtlichen Leiden, Letzteres von durch Menschen bereiteten Todesgefahren. Vielleicht faßt חרצבות hier Beides zusammen. Für ihren Tod sind keine den Menschen ergreifende Leiden und Gefahren vorhanden. Epidemien und Calamitäten, in welchen andere Menschen ihren Untergang finden, gehen an ihnen spurlos vorüber. ובריא אולם, אול wie איל: Kraft.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. בעמל וגו'. עמל, jene Mühe, oft fruchtlose Mühe, die vom Loose der Menschen gar nicht zu trennen ist. Dieser der armen Menschheit einmal beschiedenen Mühe unterliegen sie nicht. ינגעו, נגע: eine besondere Gottesschickung, eine besondere Berührung von Gottes Hand. Vgl. Pent. 3. B. M. 13, 2 f. So: וינגע ד' את פרעה (1. B. M. 12, 17). ועם אדם לא ינגעו, und wenn andere Menschen heimgesucht werden, bleiben sie davon unberührt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. לכן וגו'. Darum ist ihr Halsschmuck Stolz, und שית: ihre Positur, ihre ganze äußere Erscheinung, so שית זונה (Prov. 7, 10), ihre ganze äußere Erscheinung hüllt sich in Gewalt. Was Andere zu verdecken suchen, — und damit, daß sie wenigstens unschuldig scheinen wollen, der Tugend noch einen Tribut zollen, — das tragen sie offen zur Schau. Ihr חמס bildet ihren Stolz, sie stolziren damit nach Gott und der Welt nichts zu fragen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7. יצא וגו'. Und auch ohne daß sie es wollen, tritt ihr חמס aus dem Speck ihrer Augen hervor. Je unglücklicher ein Mensch ist, um so mehr sinkt sein Auge ein, je frecher, um so mehr tritt es hervor. Aus dem feisten Fettpolster, auf welchem ihr Auge ruht, scheint ihre Frechheit hervor. משכיות לבב, die Gebilde, die Gedankenvorstellungen ihres Herzens (Siehe Pent. 4. B. M. 32, 52) עברו: überschreiten die Gränze ihres Innern, werden äußerlich erkennbar.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 8. ימיקו וגו', מיק wie מקק, faul werden, המיק, faul machen. עשק Vorenthaltung des Gebührenden, Rechtsversagung. ימיקו וידברו adverbialiter, wie והשחתם ועשיתם (5. B. M. 4, 25), so viel als והשחתם לעשות, תרבו תדברו (Sam. I. 2, 3) so viel als תרבו לדבר u. s., so auch ימיקו וידברו so viel als ימיקו לדבר. Sie machen das Unrecht das sie thun, durch Reden noch fauler im Bösen. So schlecht ihre Handlungsweise ist, so machen sie sie durch die Art und Weise, wie sie darüber sprechen, erst noch recht faul. Ihre Reden sind noch verderblicher als ihr Thun. ממרום ידברו, wie von der Höhe herab sprechen sie, als ob Das, was sie thun, das Rechte und ihnen Zukommende wäre.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 9. שתו וגו'. Selbst gegen den Himmel richten sie ihre Rede, und ihre Zunge ergeht sich auf Erden, sie urtheilen über Alle und Alles, und benehmen sich, als ob sie die Gebieter auf Erden wären.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 10. לכן וגו'. Weil eben gerade Diejenigen die bevorzugten Glücklichen sind, die alle göttliche und menschliche Autorität verachten und הוללים ורשעים sind, ohne alles innere Verdienst in völliger Gesetzlosigkeit leben: darum ישוב עמו הלום. עמו, Diejenigen, die die gesetzlosen Wege der übrigen Menschen verlassen haben und durch Unterordnung unter Gott und sein Gesetz sein Volk geworden sind, kehren wieder zurück הלום: dorthin, zu dem von ihnen verlassenen Standpunkt der רשעים hin, ומי מלא וגו' und das Wasser der Fülle soll auch von ihnen gesogen „werden," d. h. etwas gekostet werden. Von dem Glück, das den רשעים in so reicher Fülle zuströmt, soll ihnen auch doch ein Weniges zu Theil werden. Dies Verlangen, glauben sie, könne von ihnen nur erreicht werden, wenn sie ihren bisherigen gesetzestreuen Wandel verlassen, und sich in die Richtung der Wege der רשעים begeben. מלא muß hier als abstraktes Substantiv die Fülle bedeuten. Wahrscheinlich aber steht hier מלא in der Bedeutung: der Volle, der Begüterte, der an Nichts Mangel hat. Wie אני מלאה הלכתי (Ruth 1, 21). Das Wasser des Vollen, d. i. des an Nichts Mangel leidenden רשע soll auch von ihnen gekostet werden, sie wollen auch einigen Antheil an seinem Loose haben. Ja, in ימצו, von מצה, aufsaugen, ausdrücken einer Flüssigkeit, liegt nicht nur der Begriff einer geringen Masse des Flüssigen, sondern auch der Anstrengung, sie zu erlangen. Sie wollen sich Mühe geben, auch Etwas von dem Glück der רשעים zu erlangen. Das כתיב ist aber ישיב, und wird dadurch das ישוב gemildert und zugleich entschuldigt. עמו kehrt noch nicht zurück zu den Wegen der רשעים, allein die ganze im Vorhergehenden geschilderte Erfahrung führt sie zurück, weckt solche Betrachtungen in ihnen, daß sie nothwendig endlich zu diesem Rückschritt kommen werden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 11. ואמרו וגו'. V. 11—15 schildert die Gedanken, die durch die Wahrnehmung des ungetrübten Glücks der רשעים in den bisher noch Gesetzestreuen geweckt werden. איכה וגו', sie werden irre an Gottes Vorsehung. Wie, spricht das עם ד', wie können wir denken, daß Gott weiß, wie diese רשעים leben? Ja ויש וגו', sollte denn in Wirklichkeit nicht Gott עליון, viel zu hoch erhaben sein, als daß sich mit seiner erhabenen Hoheit דעה eine Kenntnißnahme von den irdischen Dingen vertrüge? Sollte nicht das Treiben der Menschen auf Erden ihm viel zu geringfügig und gleichgiltig sein, als daß er sich darum kümmere wie die Menschen auf Erden leben?
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 12. הנה וגו'. אלה ist Subjekt und רשעים Prädikat, wie אלה הדברים (5. B. M. 1, 1). שלו bezeichnet das ungestörte Glück. השגו von שגה groß und viel werden, wachsen. ישגא אחו בלי מים (Hiob 8, 11). השגו חיל, sie bringen es zu hoher Macht und großem, Vermögen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 13. אך ריק וגו', es war ein völlig nutzloses Thun, daß ich meine Gesinnung rein, und meine Hände, namentlich כפי, meine fassende, besitzhaltende Hand unbeschmutzt erhielt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 14. ואהי וגו'. Bei all diesem meinem Streben nach Lauterkeit der Gesinnung und Handlung, wurde ich jeden Tag von einer leidvollen Gottesschickung heimgesucht, ותוכחתי לבקרים, und irgend eine Zurechtweisung, irgend etwas Widerwärtiges, das mir sagte, ich sei nicht auf dem rechten Wege, traf mich jeden Morgen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 15. אם אמרתי וגו', wollte ich sagen, schließt das עם ד' seine Rede, wollte ich sagen, ich will erzählen, wie die mir immer wiederkehrende תוכחה lautet, הנה, nun sie lautet; ich, דור בניך, das Geschlecht deiner Kinder, בגדתי, ich bin der Treulose. Die Widerwärtigkeiten, die mich immerfort treffen, sagen mir, daß ich, der ich mich doch als דור בניך, als die Deinen betrachte, daß ich gerade Derjenige bin, der den dir wohlgefälligen Wandel nicht führt, die Ereignisse sprechen dafür, daß die רשעים die Deinen sind, und wir als בוגדים dein Mißfallen auf uns gezogen haben.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 16. ואחשבה וגו' ist wieder die Fortsetzung von Asaf's Rede. Solchen Eindruck macht das Glück der רשעים auf das bisher noch in Treue bei Gott beharrende Volk, und solche zum Unrecht hinüber schwankende Gedanken weckt es bei ihm. ואחשבה, Viel, und nehme ich nun meine Gedanken zusammen, oder: gebe ich nun meine Gedanken hin, diese ganze Erscheinung, das ungetrübte Glück der רשעים gegenüber der so mannigfachen Heimsuchung der Gesetzestreuen, zu erkennen: עמל הוא בעיני, so ist dies Grübeln, dies Nachdenken über die Beweggründe der göttlichen Waltung selbst ein עמל, ein zweckloses Mühen in meinen Augen; es ist dies ein Nachdenken über Etwas, das sich der menschlichen Einsicht entzieht. כתיב ist aber היא, und dann bezieht sich das עמל nicht auf das Denken sondern auf den Gegenstand des Denkens, auf זאת, auf das so ungünstige Geschick der Braven, gegenüber dem so glänzenden Glücke von Menschen, die offenbar רשעים sind, offenbar nach ihrer Willkühr leben, ohne sich im Geringsten um Gottes in seinem Gesetze ausgesprochenen Willen zu kümmern. Dieses Geschick der Braven erschien mir als עמל, als eine grund- und zwecklos auferlegte Mühseligkeit (עמל siehe Pent. 1. B. M. S. 545 und Ps. 7, 17).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 17. עד אבוא וגו'. Dies blieb mir so lange selbst ein Räthsel, so daß ich dem zweifelnden Volke nichts entgegnen konnte, bis ich einging in die Heiligthümer Gottes. מקדשי אל im Plural ist das Heiligthum Gottes nach seinen dreitheilgen Räumen: דביר (קדשי קדשים), היכל, עזרה. Im דביר, der Wortstätte, ruht das Gottesgesetz im ארון unter כרובים-Fittigen und zeigt, wie das Gesetz aufgenommen und erfüllt werden will, und dann die Erfüller zu Trägern der Gottesherrlichkeit werden, wie Gott gesprochen: ועשו לי מקדש ושכנתי בתוכם, mögen die Menschen mir die Erde zu einem Heiligthum gestalten, so gebe ich meine Gegenwart in ihre Mitte. Vor dem דביר, im היכל, der Machtstätte, stehen שולחן und מנורה, und vergegenwärtigen die materiellen und geistigen Güter der Menschen.
Beide stehen auch im Gottesheiligthum, aber sie bilden nicht das Ziel, sie stehen in der Mitte zwischen ארן und מזבח הקטרת. Ihr Boden und ihr Ziel ist die תורה. Nur aus der Hand der תורה empfangen wir Beide, und Beide sind der תורה zu ihrer Erfüllung und Verwirklichung zugewandt, und sollen vereinigt auf dem מזבח הקטרת zu ריח ניחוח, zur Erzielung des göttlichen Wohlgefallens auf Erden aufgehen, dann steigen, wie die יריעות-כרובים zeigen, die Gottes Herrlichkeit tragenden Cherubim nieder, und schließen das ganze Menschen-Dasein auf Erden als Gottes Heiligthum mit Gottes schützender und segnender Gegenwart ein.
Nicht also, lehren דביר und היכל, wo der Mensch nach seiner Willkühr und für seine Willkühr sich „Tisch und Leuchte" hinstellt, sondern wo er durch die תורה und für die תורה sie sich stellen läßt, da hat er sein höchstes Ziel zu gewinnen. Wenn er es versteht Beides in höchster Vollendung in ריח ניחוח לד' zu Gottes reinstem Wohlgefallen zu umwandeln, dann ist Gott schon hienieden bei ihm, und diese Gottesgegenwart, die Gottesnähe, ist sein höchstes Glück.
Allein der Weg dazu ist nicht leicht.
Vor דביר und היכל, in der עזרה, im Vorraum steht der מזבח העולה und lehrt die Wege zur Gewinnung dieser Gottesnähe. Wer שולחן und מנורה haben und mit beiden die Gegenwart Gottes, die "קרבת אלק, die Gottes-Nähe gewinnen will, der muß die Wege der קרבנות, die Wege unserer Annäherung zu Gott betreten, wie sie am מזבח העולה gelehrt werden. Er muß in שחיטה aufhören, eigenes Sein und eigenen Sinn haben zu wollen, muß in זריקת דם und מתן דם sein Wesen hinangeben zur Höhe und festhalten auf der Höhe der von Gottes Gesetz gestellten Aufgabe, und alle seine Ziele (חלבים) und Strebungen (כליות) hingeben an das אש דת, damit sie Erhaltung und Mehrung des Göttlichen auf Erden zu Erzielung des göttlichen Wohlgefallens werden, לחם אשה לריח ניחוח לד' — (Siehe Pent. 2. B. M. K. 27 und 3. B. M. K. 1—4).
Wenn man also in מקדשי אל eingegangen ist, sieht man, daß Gott will, daß der Mensch שולחן und מנורה habe, aber nicht als Ziel, sondern um in Erfüllung der תורה damit "קרבת אלק die Gottesnähe, eine Glückseligkeit zu gewinnen, die für den reinen pflichtgetreuen Menschen nicht erst im Jenseits zu beginnen habe. Diese Seligkeit, die in der Bundesnähe mit Gott wohnt, erkannte Asaf, als er in מקדשי אל trat, als das אחרית, als das letzte Ziel, als die einzige, wahre, mit dem Wandel auf Erden zu gewinnende bleibende Errungenschaft des Menschen. Er erkannte, daß nicht die Habe und der Genuß, sondern "קרבת אלק, dieses אחרית, der Maßstab sei, an welchem der Werth und das Glück des Menschendaseins zu messen wäre. Ob mit Vielem oder Wenigem, ob in Ueberfluß oder Mangel der Mensch diese "קרבת אלק erreicht, wer in jeder Lage Gott die Treue bewahrt, ist glücklich. Und all die רשעים, die שולחן und מנורה, aber keine תורה und keinen מזבח haben, die haben mit allen ihren Errungenschaften kein אחרית, sie verstehen es nicht, mit „Tisch und Licht" "קרבת אלק zu gewinnen. Als ich daher, spricht Asaf, in die מקדשי אל einging, da אבינה לאחריתם, da lernte ich über die im Vergänglichen glänzende Gegenwart der רשעים mich nach ihrem אחרית umsehen. אחרית: das Bleibende, das alles Andere Ueberdauernde, die Zukunft, das Ende (Vgl. Ps. 37, 37, 38), אבינה לאחריתם vgl. יבינו לאחריתם (5. B. M. 32, 29).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 18. אך וגו'. Nur auf glatten Boden stellst du ihnen ihre Gegenwart, ihr Geschick, (das Objekt ist nicht ausgedrückt, und heißt daher eigentlich: Alles, was du ihnen giebst); sie haben, wie dies oben V. 4. 5. geschildert ward, keine Unebenheiten, keine Widerwärtigkeiten; allein הפלתם למשואות, damit hast du sie nur dem Hinfall an Täuschungen, an unerfüllt bleibende Hoffnungen hingegeben. נשא למשואות von נשא. Siehe Pent. 1. B. M. 3, 13. הנחש השיאני. Ihr völlig ungetrübtes Glück ist Nichts als eine verlockende Täuschung. Als die Unverbesserlichen mahnst du sie nicht mehr durch Widerwärtigkeiten, und sie wiegen sich in dem Traum eines ewigen ungetrübten Glanzes.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 19. איך וגו'. Wie war — als ich diese Erkenntniß in den מקדשי אל gewonnen hatte — ihr Glück auf einem Male vor meinen Augen zu Nichte geworden! שמה, zur Oede war ihr Paradies geworden, ich sah sie ספו, bereits am Rande ihres Glücks, תמו sie selbst am Ende ihres Daseins und ihrer persönlichen Bedeutung, מן בלהות wörtlich: durch Aufreibungen. בלה im Kal. abgenutzt, aufgerieben werden, לא בלו שמלותיכם (5. B. M. 29, 5). בלה Piel: Aufreiben, entweder mechanisch, oder als Wirkung der Zeit. Alle ihre Errungenschaften sind Güter, die der Vergänglichkeit, der Vernichtung durch Zeit und Umstände erliegen. Sie haben mit allen vergänglichen Mitteln nicht verstanden, der Zeit Widerstehendes, Ewiges zu gewinnen. Und wenn nun all ihr Vergängliches vergeht, so ספו תמו, sind sie, am Rande ihres Glückes, auch am Ende ihres Seins. סוף kommt auch vom räumlichen Ende vor, מראש עד סוף (Pred. 3, 11), וסופו אל הים האחרון (Joel 2, 20), ומצאתם אותו בסוף הנחל (Chron. II. 20, 16). Daher, wie wir glauben auch סוף, das am Uferrande wachsende Schilf (Siehe Pent. 2. B. 2, 5). תום kommt aber nur von dem Ende des Seins vor.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 20. כחלום וגו'. Meine frühere Vorstellung und Beurtheilung ihres Glückszustandes war mir — nachdem ich in מקדשי אל gekommen war, — wie ein Traum nach dem Erwachen. In מקדשי אל bin ich erwacht. בעיר וגו'. עיר ist hier Gegensatz zu מקדש: der bürgerlichen Gesellschaft, dort glänzt und prangt צלמם: ihre äußere Erscheinung (siehe Pent. 1. B. M. 1, 26). Allein in מקדשי אל ist mir klar geworden, daß Gott diese äußere bürgerliche Erscheinung der רשעים völlig verachtet, ihr nicht entfernt den Werth beilegt, den die Menschen ihr zollen und durch diese Ueberschätzung völlig nichtiger Größen irre werden. Sie hätten nur Werth, wenn sie im Dienste Gottes erworben und verwendet würden, wenn deren Träger Gott so wie ich „ihren Herrn" nennen würden und zu nennen vermöchten. An dem Verhältniß, welches diese Menschenbeziehung zu Gott bezeichnet, gemessen, schwindet ihre Größe zu völliger Bedeutungslosigkeit: אדני בעיר צלמם תבזה.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 21. 22. כי יתחמץ וגו'. התחמץ: sich in Gährung, in unruhige Bewegung setzen, in Gährung gerathen. אשתונן von שנן im Piel: lehren, eindringlich lehren, השתונן: sich belehren lassen (Siehe Pent. 5. B. M. 6, 7). „Wenn mein Herz in Gährung geräth und ich mich dann durch meine Nieren belehren lasse, so bin ich ein vernunftloses Wesen, und so thiergleich war ich mit dir." כליות: das Organ der niedern, sinnlichen Verlangen und Triebe. לבב, das Organ des höhern, geistigen Empfindens und Wollens. Im Menschen sollen die niedern Triebe der כליות der Kontrole des Herzens, beide dem Kopfe und alle drei Gott sich unterordnen; dann steht der Mensch aufrecht, seiner gottnahen Bestimmung fähig und würdig. Im Thiere aber sind die כליות, die sinnlichen Triebe das Herrschende, und auch seine höhern Sinne und Vermögen stehen nur im Dienste dieser sinnlichen Verlangen. Wenn daher der Mensch sein „Herz" seinen „Nieren" unterordnet, die Empfindungen, Wünsche und Zweifel seines Herzens nicht der Vernunft und Gott zur Prüfung und Entscheidung unterstellt, sondern sie an dem Maaßstab der sinnlichen Nieren-Verlangen mißt und entscheidet, wenn er noch nicht in מקדשי אל gelernt, seine כליות dem אשרת auf Gottes Altar zur Läuterung und Weihe hinzugeben, dann ist er בער, ein vernunftloses Wesen, das wie das Thier, בעיר, ganz der Macht des in ihm waltenden physischen Lebens-Feuers, der Macht des „Instinktes," verfallen ist, und ולא אדע, und hat den Schlüssel zur richtigen Erkenntniß, zur Erkenntniß der Wahrheit verloren (Vgl. Pent. 1. B. M. 48, 17), und so: — ehe ich in Gottes Heiligthümern die Lösung meiner Zweifel suchte — בהמות הייתי עמך, so thiergleich war ich mit dir. Wir finden den Plur. femin. in adverbialer Bedeutung. וילך אליו אגג מעדנות (Sam. I. 15, 32), כי חמודות אתה (Dan. 9, 23). Mein Herz התחמץ war in Gährung gerathen, unbefriedigte Wünsche und Zweifel hatten es in Unruhe versetzt, und statt diese Wünsche und Zweifel der Vernunft und der von Gott gelehrten Wahrheit zu unterstellen, כליותי אשתונן, holte ich mir Weisung und Entscheidung bei meinen Nieren, maß mein und der mir gleich Gesinnten Loos, und demgegenüber das Loos der Gott- und Pflichtvergessenen nur an dem Maaßstab der im Reiche der Nieren-Sinnlichkeit geltenden Güter und Genüsse; da war ich freilich ein unvernünftiges Thier und die richtige Erkenntniß mußte mir unzugänglich bleiben.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 23. ואני תמיד וגו'. Allein selbst in diesem, dem Abwege nahen Zustande, war ich noch bei dir, verließest du mich nicht, vielmehr ergriffst du mich an meiner „Rechten," hieltest und leitetest mich so, daß ich nicht „links" hinüber gerieth; — eben die Widerwärtigkeiten und Entbehrungen, die du über mich verhängtest, wurden mir Mahnungen von dir, den Frieden und die Glückseligkeit des Menschen in andern, höhern Richtungen und Beziehungen zu suchen, bis ich den vollen Aufschluß in deinen Heiligthümern fand.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 24. בעצתך וגו'. In den meisten Ausgaben hat ואחר den trennenden Accent רביע מוגרש: ואחר, und auch nach Raschi ist ואחר durch den Accent von dem Folgenden getrennt. Demgemäß heißt es: durch deinen Rath leitest du mich, und dann — nimmst du mich in Herrlichkeit zu dir (Vgl. Ps. 49, 16. 'כי יקחני). Hier auf Erden führst du mich durch deine Lehren und deine Waltungen, dies ist עצתך, den Weg zu meiner geistigen und sittlichen Vollendung, und אחר, dann, nach Beendigung der Erziehungs- und Bildungsschule der irdischen Wallfahrt, nimmst du mich zu dir dorthin, wo כבוד, wo deine Herrlichkeit dem entschleierten Geistesauge leuchtet (Vgl. Ps. 17, 15 אשבעה בהקיץ תמונתך).
In der Psalmausgabe von Heidenheim 1825 hat ואחר den — nach אתנח immer — verbindenden טפחא-Accent. אחר bezeichnet dann wohl die Nachfolge, wie מוכיח אדם 'אחרי (Prov. 28, 23) wer den Menschen zurechtweist mir nachzufolgen, eine Bedeutung, die in dem Ausdruck 'מלא אחרי, die Aufgabe mir nachzufolgen voll erfüllen, sehr gewöhnlich ist. So 4. B. M. 14, 24 und sonst. Es hieße dann: durch deinen Rath leitest du mich und nimmst mich hin, deiner כבוד, d. i. dem Offenbarwerden deiner Gegenwart, dem Innewerden deiner Nähe nachzustreben.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 25. מי לי וגו'. Wie ich einst im Himmel nur dich haben werde, du meine ganze Seligkeit ausmachen wirst, so habe ich auch auf Erden keinen andern Wunsch als „bei dir" zu sein. Werde ich nur auch schon auf Erden deiner Nähe inne, so sind alle meine Wünsche erfüllt. Wie sich auch sonst meine Verhältnisse auf Erden gestalten, ist dann mir völlig gleichgiltig.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 26. כלה וגו'. Bleiben mir auch die wesentlichsten leiblichen und geistigen Wünsche versagt, „schmachtet mein Leib und mein Herz," Beides ersetzt mir das Gottbewußtsein und die Gottinnigkeit, „meines Herzens Hort," meines Herzens Kräftigung, Stärkung und Aufrichtung, und „mein Theil," mein Reichthum auf Erden, bleibt Gott für immer.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 27. כי וגו'. Denn, was die Menschen auch sonst an Gütern und Genüssen erreichen mögen, so lange sie mit Allem nicht deine „Nähe" zu erreichen streben, 'ja, Güter und Genüsse eben nur in Entfernung und durch Entfernung von dir erreichen, die gehen mit ihrem Glücke, wie ich dies in deinem מקדש erkannt habe, verloren. Jeden, der in Untreue sich von dir wendet, den lässest du „Erstarrung" (siehe Ps. 18, 41) finden. Sein denkendes und empfindendes Sein reicht nicht über die kurze Spanne seines irdischen Seins hinaus. Du hebst es nicht über die Verwesung hinaus.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 28. ואני' וגו'. Ich aber, wie mich Dies Gottes Heiligthümer gelehrt, mir ist die Gottesnähe das einzige Gut; nur in Gott, der mich gewürdigt ihn meinen Herrn nennen zu dürfen, und der in seinen ernsten Führungen mir gerade seine höchste Liebe bewährt, in Ihn habe ich meine Zuversicht gesetzt, alle Prüfungen zu überdauern, und die wechselnden Geschicke meines Lebens als מלאכותיך, als Gottes Sendungen, Gottes Schickungen zu erzählen, wie in ihnen allen Gott als אדנ' ה' sich mir bewährt hat.