Tehillim 68 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 68, V. 1. Auch dieser Liedespsalm singt die in Israels und der Menschengeschichte geschauten Gottesgänge, wie sich, namentlich durch die Erlösung aus Egypten' Israels Führung in der Wüste, die Gesetzesoffenbarung am Sinai, die Gottesgegenwart in Israel, und endlich Israels Erhaltung im Galuth, Gottes Walten ausspricht und einst alle Königreiche der Erde zur Huldigung Gottes führt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. יקום וגו'. Wollte Gott mit seiner Macht sich erheben, es würden sofort alle Schlechten auf Erden ihren Untergang finden, alle Coalitionen der Feinde der göttlichen Rechtsordnung würden auseinander stieben, und Alle, die Gottes Sittengesetz hassen und diesen Haß verbreiten, würden vor seiner Gegenwart fliehen (Siehe Pent. 4. B. M. 10, 25). Allein Gott hat eine andere Weise, in welcher Er sein Reich auf Erden herbeiführt:
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. כהנדף וגו' (נדף verw. mit נטף, sich in kleine Theilchen auflösen.) הנדף: zusammengesetzte Form aus קל, נדוף, und נפעל, הנדף. Seiner eigenen Natur nach, löst Rauch sich auf, und diese Auflösung wird durch jeden Windstoß von Außen gefördert. הנדף תנדף: nach und nach löst er sich auf, und תנדף: עשן, sonst mascul. hier femin. Wie Rauch von selbst und durch äußere Bewegung allmälig und immer schwächer werdend verweht, כהמם דונג (דנג verw. mit תנוך: das Weiche am Knorpel: Wachs), wie Wachs die Gegenwart des Feuers nicht verträgt, so gehen die Feinde und Hasser der göttlichen Gesetzlichkeit verloren. Schwarz und drohend steigt eine Rauchsäule himmelan, du schließest die Augen, und in wenigen Minuten siehst du sie in einzelne Theile aufgelöst am Horizont verwehen: so löst sich alles gegen Gottes Weltordnung Verbündete von selbst, und durch die hinzukommende Bewegung der von Gott gelenkten Ereignisse, in ohnmächtiger Schwäche bis zum Verschwinden auf: כל כנסיה שאינה לשם שמים אין סיפה להתקיים. Und wie Wachs die Gegenwart des Feuers nicht erträgt, so erträgt das Gesetzlose nicht die Gegenwart Gottes und des von Ihm in die Erde gesetzte אש דת. Dieses אש דת, dieses Gesetzesfeuer ist der endliche Sieger auf Erden, und vor seinem Dasein geht das Gesetzlose verloren.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. וצדיקים וגו'. שמח, עלץ, שוש, es ist schwer, diese Synonymen von Freude in dem entsprechenden Ausdruck wiederzugeben. שמח (verw. mit צמח): das Gefühl des innern Wachsens, עלץ (verw. mit חלץ): das Gefühl des innern Freiwerdens und Freiseins von hemmender Fessel (siehe Ps. 9, 3), שוש (verw. mit צוץ): das Gefühl des innern Aufblühens. Der Gedanke, daß es einen Gott giebt, der uns richtet, und dem wir Rechenschaft zu geben haben — ein Gedanke, den der רשע mit dem Munde gern wegleugnet, dessen bloße Möglichkeit, die sein Inneres zuzugeben sich nicht entschlagen kann, mitten in allen Erfolgen und Genüssen ihm zum quälenden Mahner wird, — eben dieser Gedanke, dessen sich der צדיק mit Ueberzeugungsgewißheit bewußt ist, ist ihm, dem Pflichttreuen, die Quelle der höchsten Freude. Die Pflichttreuen freuen sich und fühlen sich gerade frei in dem Bewußtsein, לפני אלק", vor dem Angesichte Gottes, des Gesetzgebers und Richters der Menschen, ihr Leben zu leben, und blühen auf in dieser Freude.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. שירו וגו'. Darum Ihr, die ihr in einem Pflicht anstrebenden Leben das Beseligende des Gottesbewußtseins kennt, verschließt diese Gotteserkenntniß nicht in eurer Brust, שירו וגו', singet es hinaus in Gott schauenden Liedern und זמרו שמו: in Gedanken- und Gefühles-Tönen singet שמו, d. i. ד', singet die Ahnung in die Brust der Menschen hinein, daß sein Name ד' sei, daß אלק': ד' ist, daß der Recht setzende und Pflicht fordernde אלק" zugleich ד', der liebend erziehende Menschheitsvater ist. סלו von סלל: emporsteigen, wovon מסלה und סולם. רכב von Rosse- und Wagen-Lenken übertragener Ausdruck für Gottes Welt-Lenkung. ערבות von ערבה: die Oede, Bild für Zustände, die dem Menschen nichts für seine Befriedigung bieten, in welchen der Mensch nichts was er sucht findet (ערב ja auch Abend, siehe Pent. 1. B. M. S. 11. 5. B. M. S. 9). יה', lautverw. mit כח und כה, bezeichnet überall eine Kraftoffenbarung Gottes, ein Sichtbarwerden seines Wirkens und Waltens, ein Theil des vollen Gottesnamens (siehe Pent. 2. B. M. 15, 2. 17, 16). Schwinget euch in eurer Anschauung und in eurem Liedausdruck zu Dem empor, der „schaffend und gestaltend," wie sein Kraft-Name es ausspricht, auch durch scheinbar trostlose Oeden-Zustände seine Welt lenkt, und lasset in euren Liedern das freudige Hochgefühl laut werden, das vor Seinem Angesichte und nur vor Seinem Angesichte gefunden wird.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. אבי וגו'. Singet, wie אלד" במעון קדשו, wie Gott, der in seiner unerreichbaren, unantastbar heiligen Höhe dem Menschen so hoch erscheint, doch zugleich der dem Menschen Nächste auf Erden, Versorger und Vertreter der Verlassensten ist. Der יתום (verw. mit גדם, rabb. Hand-verstümmelt), die Waise hat mit dem Vater die sie führende und versorgende „Hand" verloren: Gott ist ihr Vater. Die אלמנה (von אלם, stumm sein), die Wittwe hat mit dem Manne ihren „Fürsprech" verloren: Gott ist ihr Rechtsvertreter.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7. אלק' וגו'. מושיב: giebt ihnen Niederlassung. Esra 10, 17 f. kommt הושיב speciell für: eine Frau heirathen vor. Möglich, daß dort, wo von der Heirath nichtjüdischer Frauen die Rede ist, mit welchen eine gesetzliche Ehe gar nicht möglich ist, dieser sonst ungewöhnliche Ausdruck gebraucht ist, weil darin mehr der Begriff eines räumlichen Zusammenwohnens, als eine persönliche Zusammenhörigkeit hervortritt. Hier heißt es: Gott verhilft Denen, die ohne seinen Beistand ein vereinzeltes Leben zu führen genöthigt wären, zur Hausesgründung. מוציא וגו', er führt Gefesselte in ihren Ketten hinaus. Sie sind noch im Momente ihres Freiwerdens völlig unfähig, das Geringste selbst zu ihrer Befreiung zu thun, nur durch Gott werden sie frei, wie Israel in Egypten. כושרות wie קשרות (Ueber die begriffliche Einheit der Wurzeln קשר, כשר, ישר, גשר siehe Pent. 1. B. M. S. 54). אך סוררים וגו', צחה verw. mit dem rabb. זחח, welches wie in וזחי לב ein sich Erheben bedeutet, davon צחיה: eine Felsanhöhe, Fels. בצחיחים (Nehem. 4, 7). Gleichzeitig bezeichnet es die Felshöhe nach ihrer dürren trocknen Härte, die keine Feuchtigkeit einsaugt, so Ezech. 24, 8. נתתי את דמה על צחיח הסלע לבלתי הכסות, und צחצחות heißt Jes. 58, 11 die Dürre. So ist Gott Allen, auch den Verlassensten, liebend nahe. Allein סוררים, die ihm nur Ungehorsam zollen, die שכנו, wenn sie auch „ruhen," anscheinend unberührt von Unglücksfällen bleiben, die Andere neben ihnen treffen, so ist doch die Höhe, auf welcher sie stolz sich sicher träumen, eine dürre Felshöhe. Ihnen fällt kein Thau des Trostes und der Belebung, wenn sie dessen bedürfen. Ihnen sprießt keine Freudenblume und Blüthe, kein שמחה und ששון wie den צדיקים (V. 4), und wie auf nacktem dürren Felsengrund haben sie keinen Boden hoffnungsreicher Zukunft.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 8. אלד" וגו'. So hat Gott sein Walten bei יציאת מצרים gezeigt, als Er in die Sichtbarkeit hinaustrat und voranzog seinem Volke, das Er nicht zu einer TempelGemeinde, das Er sich zu einem עם, zu einem Volksverein erwählte, in dessen ganzem Einzeln- und Gesammtleben der Wille Seines Gesetzes zur Herrschaft kommen soll, und als Er mit ihnen durch die Wüste schritt. Da hat Gott uns seine liebend fürsorgende Nähe erfahren lassen, die Er den Verlassensten zuwendet und nur den סוררים versagt, die in Ungehorsam gegen ihn verharren. Ist es doch eben die Thatsache der Gottes-Nähe, welche das jüdische Bewußtsein von Gott andern Vorstellungen von Gott gegenüber kennzeichnet, wie dies ja auch ganz besonders Ps. 113 zum Ausspruch bringt. צער ist ein langsames, bedächtiges Schreiten (verw. mit סער, stützen, festigen). Gott eilte nicht durch die Wüste, langsamen Zuges ließ er sie Israel durchschreiten, und zeigte sich bei jedem Schritte mit seiner Gegenwart nahe.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 9. ארץ וגו'. אף שמים נטפו, obgleich sonst es in der Wüste nicht regnet. זה סיני', die ganze Erde bebte bei dem außerordentlichen Eintritt der Gottes Gegenwart in die irdische Welt, ganz besonders aber der Sinai, auf welchen Gott sich als אלק' ישראל niederließ, als Gott des Volkes, das fortan mit seinem ganzen Thaten- und Geschichtsleben als „ישראל," als Herold der „Alles überragenden Gottesherrschaft" in Mitte der Menschheit dastehen soll. Die ganze Natur zitterte bei dem Eintritt Gottes in die irdische Welt, Israel, dem Menschen, trat aber Gott väterlich fürsorgend nahe.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 10. גשם וגו'. Es ist zweifelhaft, ob hier an wirklichen Regen zu denken ist. נדבה heißt eine freiwillige Spende, und kommt der Plural Ps. 110, 3 als abstrakter Begriff: freiwillige Hingebung vor. גשם נדבות würde daher einen aus freier besonderer Spende, nicht aus natürlichen Ursachen, entsprungenen Regen bedeuten. Da jedoch הניף ganz eigentlich von dem Zuwenden einer נדבה-Spende vorkommt, הניף תנופת זהב לד' (2. B. M. 35, 22), so ist hier wahrscheinlich גשם in figürlichem Sinne zu nehmen: einen Regen von Spenden, d. h. eine ganze Fülle von wohlthätigen Spenden wandte Gott Israel zu als er sie um den Sinai versammelte, um das Gesetz zu empfangen. Sie waren ja von der Wucht der über sie hingegangenen Leiden und des harten Sklavendienstes in Geist und Gemüth gebeugt und gebrochen und bedurften erst geistiger Erquickung und Stärkung um für Verständniß und Empfängniß des göttlichen Gesetzes aufgerichtet und fähig zu werden. Heißt es ja sogleich weiter נחלתך וגו', das Volk, das dein Erbe werden sollte, das, aus der ganzen andern Mächten dienenden Menschheit, wieder ganz dir zufallen sollte, und das durch seine ganze Vergangenheit „müde" geworden war, richtest du erst für eine solche Bestimmung, in die fortan seine ganze Zukunft aufgehen sollte, her, bereitest es dazu vor, machtest es dazu fähig (Aehnlich תנחומא und פסיקתא zu בחדש השלישי 2. B. M. 19, 1).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 11. חיתך וגו'. בה bezieht sich auf ישימון V. 9. חיתך: als von dir belebtes und am Leben erhaltenes Wesen. Es ist aber der Ausdruck חיה hier um so entsprechender, da es sonst ja ein in der freien Natur fern von den Veranstaltungen der Menschen lebendes und sich erhaltendes Thier bezeichnet. ישבו בה, die Wüste, die sonst dem Menschen keinen Aufenthalt gewährt, wurde ihnen zum ausreichenden Wohnplatz. תכין וגו'. Du bereitetest sie, richtetest sie durch deine Güte für einen Menschenkreis her, der ohne diese deine fürsorgende Güte, arm an Allem, der Aermste unter allen Menschen gewesen wäre. Vgl. בסכת הושבתי (3. B. M. 23, 43) und ויענך וגו' (5. B. M 8, 2. 3).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 12. אדני וגו'. Da, durch die ganze Thatoffenbarung Gottes in der Wüste, welche Gott als den bei aller seiner Erhabenheit dem Menschen Nächsten erwies, sobald dieser Mensch, nicht der Klügste, der Mächtigste ꝛc., sondern der in hingebungsvoller Gehorsamstreue Gott Vertrauende ist, gab Gott Eine Verheißung, deren Verkünderinnen das ganze Heer von Ereignissen ist, die seitdem die Weltgeschichte bewegen, namentlich diejenigen, die sich an Israels weltgeschichtlichen Gang durch die Zeiten knüpfen, und diese Verheißung lautet: מלכי וגו' wie im folgenden Vers. אמר ist vorzugsweise ein verheißender, zusagender Ausspruch.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 13. מלכי צבאות וגו'. Dem Wahne gegenüber, als beruhe die Blüthe der Menschheit auf möglichst großer Machtentfaltung, hat Gott in Israel einen Menschenverein in die Geschichte eingeführt, der, mit Verzichtleistung auf kriegerischen Glanz und Machtgröße, seine ganze Größe in Entfaltung eines in Haus und Familie zu verwirklichenden, von Gott geleiteten, beglückten und beglückenden reinen Menschthums finden soll. Durch Israels mit jener Wüstenwanderung eingeleiteten Eintritt in die Geschichte hat Gott die Verheißung an die Menschheit hinausgegeben: Könige von Heeresschaaren werden, trotz ihrer Macht, mit flüchtigem Weichen von der Bühne der Geschichte enden, während die in stiller, häuslicher Größe ihre Bestimmung Suchende und Erfüllende, am Ende der Zeit als Siegerin dastehen und „Beute" vertheilen wird, d. i. selbst die von den übrigen Völkern erworbenen reinen menschlichen Errungenschaften in Wissenschaft und Kunst werden ihren wahren, beglückenden Werth erst erreichen, wenn sie sich mit den von dieser נות בית gelehrten und geübten Tugenden vermählen und in den Dienst ihrer Zwecke treten. נוה, von נוה, verw. mit נוח, bedeutet eine ruhige zusagende Wohnungsstätte. Auch als Verbum heißt נוה, גבר יהיר ולא ינוה (Habakuk 2, 5) ruhig wohnen, und נוה heißt die Häusliche, die sich im Hause ruhig und behaglich Fühlende, הנוה והמענגה דמיתי בת ציון (Jerem. 6, 2). So wird auch ישב und שכן sowohl von dem Bewohner als von dem bewohnten Orte gebraucht, z. B. von Babel: לא תשב לנצח ולא תשכון עד דור ודור (Jerem. 13, 20).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 14. אם וגו'. שפתים, zwei geordnete Geräthreihen, Bezeichnung des häuslichen Raumes wie unser: Herd. Siehe Pent. 1. B. M. 49, 15. Wenn Ihr, Israel, euch doch auf die euch als eure Bestimmung angewiesene Häuslichkeit ruhig beschränken möchtet! Euch begnügen möchtet נות בית zu sein! כנפי יונה u. s. w. Auch die unkriegerische Taube, (nicht nur der Adler), ist etwas in Silberglanz Gehülltes, und ihre Schwingen leuchten in scharfem Gold. חרוץ, scharf, auf geistige Beschaffenheit übertragen: fleißig, kommt auch als Bezeichnung edlen Metalles vor. טוב פרי" מחרוץ ומפז (Prov. 8, 19) u. s. Es ist aber hier wohl die Taube nicht in Ruhe, sondern in Thätigkeit, im Fluge gedacht, wobei ihre Flügel von Sonnenglanz beschienen werden. Die Taube ist auch sonst ein gewöhnliches Bild für die jüdische Nation. Hier ist nun gesagt: auch in dem Tauben gleich milden Beruf einer נות בית wartet Israels Ruhm und Glanz.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 15. בפרש וגו'. פרש wie פרס: brechen. פרס לרעב לחמך (Jes. 58, 7), פורש אין להם (Klagel. 4, 4). Wenn einst der Allmächtige Könige durch diese Taube bricht — wenn der von ihr durch die Geschichte getragene menschlich sittliche Beruf sich als das allein siegreich Starke erwiesen haben wird, ihr gegenüber die Macht der Gewaltigen in Scherben liegt, und es Nacht auf Erden geworden ist, dann wird eben das Beispiel dieser allein siegreich bleibenden „Taube" schneeigt „im düstern Schatten leuchten," und der rathlos gewordenen Menschheit zeigen, wo der Weg zum Heile führt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 16. הר וגו'. Diese Thatsache, daß die Gottesnähe nicht durch wuchtige, irdische Machtgrößen bedingt sei, hat Gott gleich mit Beginn der jüdischen Geschichte vergegenwärtigt. Es giebt viel höhere und mächtigere Berge als Sinai und Zion, und doch hat Gott nicht jene, sondern diese als Stätte seiner Offenbarung und seiner bleibenden Gegenwart gewählt. Baschan's Berg ist gewiß ein הר אלק", ein durch seine Größe von Gottes Allmacht zeugender Berg. הר גבננים, גב: Rücken, ein Berg von vielen Rücken
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 17. למה וגו'. רצד kommt nicht wieder vor, hat sonst in der Sprache keine Analogie, und kann dessen Bedeutung nur aus dem Zusammenhang vermuthet werden. Da ישכן לנצח jedenfalls auf eine bleibende Gegenwart hinweist, so kann dies sich gewiß nur auf den Berg Zion beziehen. שבת bezeichnet jedoch mitunter auch nur ein zeitweiliges Niederlassen, so: זה שבתה הבית מעט (Ruth 2, 7). Demgemäß könnte ההר וגו' לשבתו sich auf den Sinai beziehen, und אף ד' ישכן לנצח sagen: in ähnlicher Weise, auf einem ebenso bescheidenen Berge wird Er auch bleibend seine Stätte nehmen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 18. רכב וגו'. Derselbe Gedanke, nur in noch bedeutsamerer Weise die Dignität des reinen Gott zugewandten, ja, des noch erst für diese Reinheit zu gewinnenden Menschen, trotz der Winzigkeit und des vielfach Getrübten seiner äußern Erscheinung hervorhebend, gegenüber den Myriaden in ungestörtem Glanze ruhender himmlischer Wesen. שנאן wahrscheinlich so viel als שאנן (Vgl. צאן und לצנאכם (4. B. M. 32, 24. Pent. das.): eine ungestörte Ruhe. Hier wohl zugleich mit Hinblick auf das in ewig ungetrübter Gleichheit verharrende Wesen und abweichungslose Streben der Himmlischen, von denen es heißt: לא יסבו בלכתן (Ezech. 1, 12): Zweimalzehntausende Tausender seliger Höhe sind Träger der göttlichen Herrlichkeit, und doch אדנ' בם, ist Gott — Menschen seines Dienstes würdigend und von ihnen „mein Herr" sich nennen lassend — aus jenen himmlischen Myriaden in die irdische Mitte menschlich beschränkter Wesen eingetreten, und der Sinai ist nicht mehr in der Wüste zu suchen, sondern befindet sich im Heiligthum, das Er von Menschenhänden sich errichten ließ. Ezechiel 43, 15 wird die obere Anhöhe des Altars geradezu הראל: Gottesberg genannt (Siehe Pent. 2. B. M. S. 432). In der Wüste war die Stätte der Gesetzesoffenbarung der Gottesberg. Im Heiligthum ist es die Stätte des Emporstrebens zu der Höhe des geoffenbarten Gottesgesetzes.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 19. עלית וגו'. Nach der Offenbarung auf dem Sinai erhobst du dich wieder, nachdem du Menschen-Eroberungen gemacht hattest — (שבה ist der ganz specielle Ausdruck für Kriegsgefangenannahme von Menschen) — hattest מתנות: Weihehingebungen von Menschen empfangen, Menschen hatten ihr נעשה ונשמע gesprochen, und damit sich für ewig deinem Dienste geweiht, und dieser fortzusetzenden Weihe das Heiligthum gestiftet, dort in bedeutungsvollen „Hingebungen," „מתנות," diesen Weihebund ewig zu erneuen, אף סוררים וגו' und hast damit die Möglichkeit gegründet, daß auch Ungehorsame noch eine Stätte finden können unter der allmächtigen Waltung Gottes. Das Kap. beginnt mit dem Gedanken, daß, wollte Gott in seiner Allmacht sich erheben, alle Gottwiderstrebenden sofort ihren Untergang fänden. Es hat es V. 7 ausgesprochen, daß סוררים, so lange sie im Ungehorsam beharren, שכנו צחיחה, auf dem dürren Fels der Hoffnungslosigkeit ruhen. Durch die Einführung Israels in die Geschichte hat Gott auch den סוררים den Weg zur Rückkehr zu Gott und Wiederkehr zum Heile eröffnet. Gott hat sich ja nicht den gefügigsten Menschenstamm zu seinem Völkerherold erwählt, Israel war wie die Weisen sich ausdrücken, עז שבאומות, das Härteste und Starrste unter den Völkern. Die Anfangszeiten seiner Geschichte sind ja nichts als Geschichten seines Abfalls und seiner Verirrungen. עם קשה עורף war sein Grund-Charakter, und ממרים הייתם עם ד' מיום דעתי אתכם (5. B. M. 9, 24) der wiederholte Vorwurf seines ersten Führers. Wenn es gleichwohl gelang, Israel für die תורה durch die תורה zu gewinnen, so ist damit der Beweis gegeben, wie vor der Kraft dieser תורה einst aller Ungehorsam in Treue, aller Starrsinn in Gefügigkeit sich auflösen werde, und so alle individuelle und Völker-סוררים noch eine Hoffnungsstätte vor Gott auf Erden zu gewinnen vermögen. So spricht der Prophet von den das einst wiederhergestellte Zion umwohnenden Völkern: ובל יאמר שכן חליתי העם היושב בה נשיא עון, sage aber kein anwohnendes Volk: „ich bin dem Siechthum verfallen!" Das jetzt dort wohnende Volk steht selbst auf gesühnter Verirrung.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 20. ברוך וגו' zieht nun das Ergebniß aus allem Bisherigen für Israel selbst in den herbsten Prüfungsgängen, die ihm noch bevorstehen mögen. Jeden Tag, wie auch der Tag und wie auch die Zeit sich gestalten möge, werde Gott, werde der Wille Gottes, in dessen Dienst wir alle stehen, von uns gesegnet und gefördert, יעמס לנו — wie ויעמס איש על חמורו 1. B. M. 44, 13. — möge er uns, welche immer, Lasten auflegen, האל וגו', er selbst, der uns die Last auflegt, ist die Allkraft, die uns sie tragen hilft.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 21. האל וגו'. Der Gott, wie wir ihn durch unsere ganze Vergangenheit kennen gelernt, ist uns ein Gott der vielfältigsten Heilesveranstaltungen. So wechselvoll unser Geschick, so reich an Hilfe für die verschiedensten Lagen erweist sich uns Gott. Er, der seine Liebe (ה') selbst in strengem Recht ('אלקי) bekundet, und in dessen Dienst jeder von uns steht ('ארני), er hat selbst für den Tod die mannigfachsten Ausgänge, er führt selbst durch den Tod auf mannigfachste Weise zum Leben. War ja gleich unser erster völkergeschichtlicher Schritt eine Auferstehung aus dem Tode, בדמיך חיי war sein erster Weckerruf an uns (Ezech. 16, 6).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 22. אך וגו'. Nur Gott weiß den Kampf aufzunehmen mit seinen Feinden. קדקד שער, vgl. מראש פרעות אויב (5. B. M. 32, 42). Die Lockenfülle bezeichnet wohl das Kühne, Kraftvolle der Erscheinung. התהלך bezeichnet ein ruhiges, unbekümmertes Einherschreiten. Es schreitet in seiner großen und vielfältigen Schuld-Last unbekümmert einher, ohne sich von Gedanken eines höhern Richters und Rächers der von ihm mißhandelten Schuldlosen irre machen zu lassen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 23. אמר וגו'. Für den Antritt seiner langen Galuth-Leiden in Mitte der Völker, die, so wie seine Erhaltung in denselben und seine endliche Wiedererlösung, ihm ja längst bereits in der תורה (3. B. M. 26, 33—45. 5. B. M. 28, 64—68. 30, 1—10. 32, 36—43.) angekündigt waren, hat Gott ihm die Zusage mit hinausgegeben: magst du in isolirte Gebirgshöhe dich verlieren oder in des Meeres Schattentiefe sinken, aus beiden führe ich wieder zurück. מצלות siehe Pent. 2. B. M. 15, 5.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 24. למען וגו'. מחץ, eigentlich spalten, heißt hier: eine Flüssigkeit in der Mitte durchschreitend theilen. רגל ist weiblich, daher Subjekt von תמחץ. Darum schreite dein Fuß nur mitten durch Blut. Möge man auch deinen Weg mit dem Blute deiner Ermordeten überschwemmen, du vollendest doch deinen Weg in Mitte solchen Jammers. Die Hunde, die auf diesem Wege deine Feinde auf dich hetzen, dich anzubellen und dein Blut zu lecken, die Menschen meinen, sie seien von deinen Feinden, sie sind aber von Ihm, von Gott, der dich auf solchen Jammer-Weg ausgesandt, und ohne dessen Willen kein Hund seine Zunge gegen dich regt; „die von Feinden auf dich losgelassene Zunge der dich verfolgenden Hunde ist von Ihm."
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 25. ראו וגו'. Diese vertrauensvolle Zuversicht in die, mitten durch Tod und Untergang drohenden Gefahren führende göttliche Leitung hat Israel bereits bei seinem Durchschreiten des Schilfmeeres erlernt. Damals haben sie Gottes Gänge geschaut, Gottes, der אלי ist, (— זה אלי ואנוהו —), der dem Menschen Kraft giebt, der מלכי ist (— ד' ימלוך לע"ו —), der den Menschen beherrscht, und dessen Gänge als אלי מלכי: בקדש, von untastbarer Heiligkeit, absolut, sind. Wem Gott helfen will, für den weiß Gott und dem weist er den Weg. Darum ist קר'עת ים סוף der Moment, auf den wir immer wieder und wieder hingewiesen werden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 26. קדמו וגו'. Als Israel das erste Mal Gottes Gänge schaute, — וירא ישראל וגו' — אז ישיר וגו' — da gingen Sänger voran, נגנים (wir haben leider keinen deutschen würdigen Ausdruck für Instrumentalmusiker), schlossen den Zug, und in der Mitte schlugen Mädchen die Pauke — ותקח מרים את התוף — — Oder: die עלמות תופפות bildeten eine Kreis um die שרים und נגנים.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 27. במקהלות וגו'. Am Schilfmeer war Israel Ein vereinigtes קהל. In der Galuthzeit, auf welche diese Verse von V. 21 an hinschauen, lebt Israel in מקהלות, in vielen zerstreuten Gemeinden. Wie einst am Schilfmeer vereinigt, so jetzt in Tausend מנינים zerstreut, segnet Gott, segnet Ihn, in dessen Dienst Israel ewig bleibt, ממקור ישראל: von Israels Ursprung her. Seitdem wir am ים סוף' gelernt haben, Gott zu fürchten und zu vertrauen, hat die שירה nicht aufgehört in Israel. Wie sie בלשון עתיד: אז ישיר überschrieben ist, so tönt sie noch fort und fort. Wo seitdem zehn Menschen zusammen sind' um sich zu Gott zu erheben, stehen sie immer im Geiste da, wo ihre Väter am ים סוף gestanden, sind sie immer סומך גאולה לתפלה, lernen an diesem in der Geschichte einzigen Momente sich Gott rückhaltlos hinzugeben, und entschließen sich immer auf's Neue zur Lebenserfüllung nach Gottes Willen ממקור ישראל. Wir sprechen noch immer שירה חדשה —
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 28. שם וגו'. שם, dort, in den מקהלות, in dem innern Kreise dieser zerstreuten jüdischen Häuflein, dort beherrscht die Feinde der kleinste, schwächste Jude. Das Objekt von רדם und רגמתם sind אויבים, die V. 24 genannten Feinde. Draußen auf den Gassen des Völkerlebens rasten die Feinde gegen die Juden. Aber במקהלות, zurückgezogen in ihre Ghettis, und getragen von den begeisterten Erinnerungen an die in ihrer Vergangenheit geschauten „Gottes-Gänge," ward בנימן צעיר, ward der kleinste und schwächste Jude Meister der Feinde, schwang sich über alle ihre Versuche, ihren Geist zu beugen und zu knicken, rüstig empor, und ließ sich das Geistesleben und die Gott zugewandte Sittlichkeit und Humanität nicht rauben, die ihre schützenden und erhaltenden Genien in allem äußern Elend blieben ,und שרי יהודה רגמתם, und die hervorragenden Geistesheroen und Gemeindeleiter Juda's verstanden es לרדות רגמתם — aus רדם ist das רודים auch zu רגמתם zu suppliren — sie verstanden es, die Steinwürfe zu pariren und unschädlich zu machen, mit welchen die Feinde der Juden ihnen selbst die verkümmerte Ghetti-Existenz zu zertrümmern suchten — Es ist soviel als שם בנימן צעיר רדם שם שרי יהודה רודים רגמתם. רדה heißt ganz eigentlich, etwas aus seiner Höhe herab in unsere Macht bringen (Siehe Pent. 1. B. M. S. 31). Juda's geistigen und gemeinheitlichen Edlen gelang es, die gegen Israels Existenz gerichteten „Steinwürfe" zu bewältigen, und ebenso wie Juda's Edlen, so auch den Edlen aus Sebulun, den Edlen aus Naftali. Wenn hier, wo offenbar die Zeiten des Galuth angeschaut sind, Stammesnamen genannt werden, die mit Israels Exil verwischt worden sind, so wagen wir zu vermuthen, daß damit die Typen angedeutet sein sollen, die sie während Israels Staatenleben repräsentirten, und deren Geist in's Exil mit fortgetragen wurde und sich wirksam an der Nation bewährte. Benjamin tritt überall mit dem Charakter der Kleinheit und äußern Schwäche auf. Juda repräsentirt die leitende und gesetzausführende Macht, Sebulun den Handel und die Pflege der Literatur, Naftali die Begabung der Rede (Vgl. Pent. 4. B. M. S. 21). Es fällt wohl nicht weit von der Wahrheit, daß der Geist der Gemeindeführerschaft und der Gesetzeswahrung, des Handels und der Literaturpflege, sowie die Begabung der Rede, die Israel mit in's Exil flüchtete, zu den vornehmsten Faktoren gehören, die den auflösenden Wirkungen des Galuth erfolgreich entgegen arbeiteten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 29. צוה וגו'. Indem Gott dein Gott ist, du ihm als Lenker deiner Geschicke und Leiter deiner Thaten huldigst, hat er deine Unüberwindlichkeit geboten. Es kann dies צוה die Bedeutung von: verfügen, bestimmen, haben, wie שם צוה ד' את הברכה (Ps. 133, 3). Erwägen wir aber, daß mit עוז ganz besonders die תורה bezeichnet wird, wie ארון עזך (Ps. 132, 8), so kann צוה hier in dem ganz eigentlichen Sinne: gebieten stehen. Geboten hat Gott deine Unüberwindlichkeit, d. h. seine מצות, die er dir mit hinaus in's Galuth gab — das Einzige, das du von deiner Vergangenheit mit hinaus gerettet hast, — seine מצות haben dich unüberwindlich gemacht. Aus ihnen hast du alle Widerstandskraft gegen die Wucht der Leiden geschöpft. Ja, עוזה וגו'. Es ist hier das einzige Mal, daß diese weibliche Form von עז vorkommt. Sie bezeichnet das Abgeleitete von עז. Die eigentliche עז ist Gottes; von dieser עז wird uns eine abgeleitete, irdisch verjüngte עז. Daß wir diesen Galuth-Triumph errungen, das ist Gottes עז, und gewirkt hat uns Gott diese עוזה von seinem עז durch die מצות, die er uns geboten. Dieses Gotteswirken tritt aber in Israels siegreicher Ausdauer im Galuth so sichtbar hervor, daß damit die Erkenntniß der Menschen zu Gott zurückgeführt wird. So wird durch Israels Wanderschaft unter den Völkern
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 30. מהיכלך וגו'. Gottes Huldigung weit über seinen Tempel zu Jerulalem hinaus verbreitet. Als sein Tempel gebaut wurde, erhob er zunächst sich nur über Jerusalem. Aber weit hinaus über diesen Tempel werden dir einst noch Könige Huldigungsgabe bringen. שי kommt nur hier, Ps. 76, 12 und Jes. 18, 7 vor. In allen drei Stellen bezeichnet es eine Gabe, mit welcher einst die Völker Gott ihre Huldigung darbringen. Die Wurzel von שי wäre ש"י wie ח"י von חי. Verwandt mit שכך, beschwichtigen, חמת המלך שככה (Esther 7, 10), dürfte es eine nicht aus freier Regung quillende, sondern von der erkannten Uebermacht abgerungene Huldigung ausdrücken. Man weiß, daß man eigentlich kein Wohlwollen verdient habe, bringt daher die Gabe um den vorausgesetzten Unwillen zu beschwichtigen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 31 גער וגו'. גער ב: eine Drohung oder Vorwurf an Jemanden erlassen. גער את Jemanden durch Drohung zurückschrecken. So bildlich: die Saat in ihrer Entwickelung hemmen, gleichsam vom Aufgehen zurückschrecken, הנני גער לכם את הזרע (Maleachi 2, 3). חית קנה: ein im Schilf und Röhricht lebendes Thier, wie Leviathan (Jesaias 27, 1), Bild einer listigen Völkermacht, wie es sofort näher erklärt wird: עדת אבירים בעגלי עמים. אביר: eine hochstrebende, Andere überflügelnde Macht, (אבר Flügel, Schwinge), unter den Völkern, die sich ihr gegenüber wie „Kälber" verhalten, d. h. schwach, dumm und unerfahren sind. מתרפס, רפס auch רפש, ebenso wie רפש: Koth, Schlamm. מתרפס: sich mit Koth beschmutzen, sich in Schmutz erniedrigen. רצי כסף, רצץ: zerbrechen, רצי כסף: Silberstücke. בזר ebenso פזר: zerstreuen. קרבות, Plural von קרבה, Annäherung, wie קרבת אלק' לי טוב (Ps. 73, 28), קרבת אלקי' יחפצון (Jes. 58, 2). Es war im vorigen Verse die Zuversicht ausgesprochen, daß weit über den engen jüdischen Kreis hinaus noch Könige kommen und Gott ihre Huldigung darbringen werden. Dem baldigen Kommen dieser Zeit steht noch das חית קנה וגו' im Wege, die listige Völkermacht, welcher gegenüber andere Völker schwach, unerfahren und einsichtslos sind, so daß sie von ihr durch Schlauheit und Macht überflügelt werden, die nur das schmutzigste Selbstinteresse im Auge hat, und sich um Geldes willen bis in Koth erniedrigt, die auf die Uneinigkeit und Gottentfernung der Völker speculirt, und noch immer Entzweiung unter die Völker gesäet hat, so oft sie Annäherung an einander (oder an Gott) gesucht. Der Rückkehr zu Gott steht nichts so sehr im Wege, als die listig und selbstsüchtig genährte Entzweiung der Völker, diese — bittet daher unser Psalm — diese גער, schrecke zurück und lasse sie nicht aufkommen, dann
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 32. יאתיו וגו', dann werden selbst aus Mizrajim nach Hasmonäer kommen, und Kusch wird eilen seine beiden Hände Gott hinzureichen. אתה: nicht sowohl ein örtliches Hinkommen als das Hinkommen zu einer Person, hier: zu Gott kommen. Vgl. Pent. 5. B. M. S. 568. חשמנים, Hasmonäer, vermuthlich eine uralte Familie, die schon in ihren frühesten Ahnen den Geist der spätern gepflegt. Möglich חשם, verwandt mit חסם, den Mund schließen, Ausdruck für Fürst, wie רזן, verwandt mit רסן, Zügel, Zügelführer. רזן: Thaten zügelnd. חשמן: der durch seinen geistigen Einfluß die Rede der Menschen zügelt, daß sie nichts Unwürdiges denken und sprechen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 33. ממלכות וגו' ist die Aufforderung an die sich wieder Gott zuwendenden Völker-Mächte. שירו: schauet Gott in seinem Wirken und sprechet das Erschaute in Liebesworten aus. זמרו: empfindet das Beseligende des Gefühls, Gott ארני, Gott seinen Herrn nennen zu können, in seinem Dienste zu leben sich bewußt zu sein, und drückt dies Gefühl in Gesangestönen aus.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 34. לרכב. Singet Dem, der noch die Welten lenkt in den Himmelshimmeln der Urzeit, d. h. wohl: der noch wie in aller Urvergangenheit die Welten lenkt. הן וגו'. Sehet, mit seiner Stimme verleiht er eine unüberwindliche Stimme, d. h. indem man seiner Stimme gehorcht und seine Offenbarung in sich aufnimmt und sich zu ihrem Verkünder weiht, verleiht er dem Ihn verkündenden Worte eine unüberwindliche Macht.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 35. תנו וגו'. Zollet Gott die Anerkennung, daß die Unüberwindlichkeit sein ist, daß seine Alles überragende Hoheit so sich an Israel zeigt, so von Israel getragen wird, wie seine unüberwindliche Macht sich in den Wolken, d. i. in der Allmacht der NaturLeitung offenbart.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 36. נורא וגו'. So wirst du, Gott, einst von deinen in Israel gestifteten Heiligthümern aus gefürchtet. Das מקדש besteht aus מקדשים: דביר, היכל, עזורה. Sie lehren, wie nur durch das im Vorraum zu vollziehende Aufgeben und Hingeben alles Eigenseins und Eigenwollens an das Emporstreben zur Höhe des Gottes Wohlgefallen erzielenden Gesetzes-Lebens (— שחיטה, זריקה, הקטרה -) der „Tisch" der materiellen Wohlfahrt, und der „Leuchter" des geistigen Lichtes (— שולחן und מנורה —) erreicht, und mit Beidem die seinem Gesetze verheißene Cherubim-Nähe der Gottesgegenwart auf Erden (— ארון וכפורת —) gewonnen werde. Diese Heiligthümer werden einst zum Mittelpunkt der Gesammtmenschheit werden, und die in ihnen niedergelegten Wahrheiten werden von ihnen aus sich zu den Gemüthern aller Menschen Bahn brechen und sie alle zur Gottesfurcht bewegen. Es wird erkannt werden, daß אל ישראל, daß der, der Israel zu seinem weltgeschichtlichen Gange die Kraft verliehen hat, derjenige sei, der überhaupt einem Volke Widerstandskraft und Ueberwindungsmacht verleiht, und Ihn zu segnen, d. i. der Erfüllung Seines Willens wird Alles sich weihen, ברוך אלקי —