Tehillim 52 תהילים

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1
לַמְנַצֵּ֗חַ מַשְׂכִּ֥יל לְדָוִֽד׃
BernfeldDem Sangmeister. Eine Betrachtung von David.
ZunzDem Sangmeister. Ein Gedicht von Dawid.
HirschDem Siegverleiher, eine Belehrung von David.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 52, V. 1. Dieses Kap. ist wieder aus der frühesten Geschichte Davids, als er, der gefeierte Kriegsheld in den Vertheidigungskämpfen seines Volkes, der Eidam des Königs, wie ein Bettler sich flüchten mußte vor der Eifersucht seines Schwiegervaters, und sich von dem Priester Achimelech Brod und Schwert erbitten mußte, um seine Flucht vollbringen zu können, eine arglos geübte Güte, die dem Priester, seinem Stamm und seiner Stadt so verhängnißvoll werden sollte. Siehe Sam. I. K, 21, 22. Es ist darum משכיל, das nach verschiedenen Seiten hin lehrreich ist, und in diesem Sinne von den Söhnen seines Volkes gelesen werden soll.

2
בְּב֤וֹא ׀ דּוֹאֵ֣ג הָאֲדֹמִי֮ וַיַּגֵּ֢ד לְשָׁ֫א֥וּל וַיֹּ֥אמֶר ל֑וֹ בָּ֥א דָ֝וִ֗ד אֶל־בֵּ֥ית אֲחִימֶֽלֶךְ׃
BernfeldAls der Idumäer Doëg kam und dem Saul meldete und zu ihm sprach: David ist ins Haus Abimelechs gekommen.
ZunzAls Doëg der Edomi kam und dem Schaül meldete, und zu ihm sprach: Dawid ist ins Haus Achimelech's gekommen.
HirschAls Doeg der Edomite heimgekommen war und Saul erzählt und gesagt hatte: David ist zu Achimelech in's Haus gekommen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2. בבוא וגו'. Doeg, einer der angesehensten Diener Sauls, nach den Weisen ein Mann von bedeutender תורה-Gelehrsamkeit, war anwesend, als David von Achimelech mit Brod und Schwert versehen wurde, und hinterbrachte dies Saul in einer Weise, daß dieser argwöhnen konnte, der Priester habe dies nicht arglos gethan, habe vielmehr von dem Bruch zwischen David und Saul Kunde gehabt, habe gewußt, daß Saul in David einen Feind erblickte und dieser nun vor seiner Rache fliehen mußte.

3
מַה־תִּתְהַלֵּ֣ל בְּ֭רָעָה הַגִּבּ֑וֹר חֶ֥סֶד אֵ֝֗ל כׇּל־הַיּֽוֹם׃
BernfeldWas rühmst du dich der Bosheit, Gewaltiger? Gottes Gnade währt für alle Tage.
ZunzWas rühmst du dich der Bosheit, Gewaltiger? Gottes Huld währt den ganzen Tag.
HirschWas rühmest du dich des Unheils, Held! Die Liebe Gottes waltet alle Zeit.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 3. מה וגו'. Was rühmst du dich des Unheils, das du über mich und über alle Die nun heraufgeschworen, die es etwa wagen sollten, Achimelech gleich mir einiges Wohlwollen zu erweisen. Die Liebe der Menschen kannst du einschüchtern, Gottes Liebe bleibt mir doch zu jeder Zeit. הגביר ist wohl ironisch. Doeg rühmt sich seines Bubenstückes, als wäre es eine große Heldenthat gewesen.

4
הַ֭וּוֹת תַּחְשֹׁ֣ב לְשׁוֹנֶ֑ךָ כְּתַ֥עַר מְ֝לֻטָּ֗שׁ עֹשֵׂ֥ה רְמִיָּֽה׃
BernfeldDeine Zunge sinnt Unheil, wie ein geschliffenes Schermesser ist [die Zunge] des Falschheit Übenden.
ZunzUnheil sinnet deine Zunge, wie ein geschliffenes Scheermesser, du Betrug Uebender!
HirschWas du ausgebrütet, denkt deine Zunge, wie ein zu scharf geschliffenes Messer, das Tücke übt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 4. הוות וגו' (הוות siehe Ps. 5, 10. 38, 13). Was du ausgesonnen, um mir zu schaden, das denkt nun deine Zunge, d. h. das denkst du nun durch das Wort in's Werk zu setzen. Aber nimm dich in Acht, deine Zunge kann gar leicht ein zu scharf geschliffenes Messer sein, womit der, der damit Anderes schneiden will, sich selbst in die Hand schneidet. עשה רמיה, wie קשת רמיה (Ps. 78, 57) ein Bogen, dessen Pfeil auf den Schützen zurückprallt.

5
אָהַ֣בְתָּ רָּ֣ע מִטּ֑וֹב שֶׁ֓קֶר ׀ מִדַּבֵּ֖ר צֶ֣דֶק סֶֽלָה׃
BernfeldDu liebst Böses mehr als Gutes, Lügen mehr als Wahrheit reden. Sela.
ZunzDu liebst Böses mehr als Gutes, Lügen mehr als Wahrheit reden. Selah.
HirschDu hast Böses aus Gutem geliebt, Lüge aus dem Reden des Rechts —
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5. אהבת וגו'. Als ein Mann von deinem תורה-Wissen und deinem Ansehen hattest du Gelegenheit mir und Achimelech Gutes zu erweisen. Deine Anwesenheit als ich bei Achimelech war, konnte uns beiden zum Glück gereichen. Du hättest mein Fürsprecher bei Saul sein können, hättest aber vor Allem für Achimelech bezeugen können, daß er gar nicht gewußt, ich sei vor Saul auf der Flucht, daß er gar nicht anders gemeint, als, ich sei mit einem Auftrage Sauls auf dem Wege. Statt dessen hast du deine Stellung bei Saul und deine Anwesenheit bei Achimelech zum geraden Gegentheil benutzt. Aus der Gelegenheit zum Guten hast du dir lieber die Gelegenheit zum Bösen herausgesucht, und aus der Gelegenheit, für Recht und Wahrheit mit deinem Worte einzutreten, hast du Gelegenheit genommen Lüge auszusprechen.

6
אָהַ֥בְתָּ כׇֽל־דִּבְרֵי־בָ֗לַע לְשׁ֣וֹן מִרְמָֽה׃
BernfeldDu liebst nur verderbenbringende Reden, die Zunge des Trugs.
ZunzDu liebst alle verderblichen Reden, die Zunge des Trugs.
HirschBist du aber so ein Freund aller Vernichtung bringenden Worte, der Zunge des Truges:
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 6. 7. אהבת וגו'. בלע ist ein den Menschen plötzlich überkommendes, ihm gar keine Zeit und Besinnung zur Rettung lassendes Unglück, das ihn gleichsam „verschlingt." Durch dein Verfahren gegen mich und Achimelech bei Saul hast du gezeigt, welch ein gefährlicher Mensch überhaupt du bist, wie du überhaupt ein Freund davon bist, mit Worten Unglück und Verderben über schuldlose Menschen zu bringen, überhaupt die Gabe der Rede zu Trug und Täuschung zu gebrauchen. Ein solcher Mensch ist aber zu gefährlich für das Glück der Menschen, als daß Gott ihn da mit seinem Einfluß lasse, wo eine Menschenhütte steht, da ihm ein gedeihendes Dasein lasse, wo Menschen athmen. נתץ: gewöhnlich ein zerstörendes Niederreißen hoher oder hochgestellter Gegenstände, wie Anhöhe, Altäre, Häuser, Thürme 2c. Daher hier: wird deine hohe Stellung niederreißen, dich dadurch unschädlich machen. חתה: besonders Feuer herausholen. לחתות אש מיקד (Jes. 30, 14). Selbst nach der נציחה, selbst in niedrigem Stande, bleibst du noch gefährlich „wie Feuer" für jede Hütte, darum wird dich Gott aus jeder Hütte hinausweisen. ויסחך, נסח das verstärkte נסע, so: ונסחתם מעל האדמה, weit entfernen (5. B. M. 28, 63).

7
גַּם־אֵל֮ יִתׇּצְךָ֢ לָ֫נֶ֥צַח יַחְתְּךָ֣ וְיִסָּחֲךָ֣ מֵאֹ֑הֶל וְשֵׁרֶשְׁךָ֨ מֵאֶ֖רֶץ חַיִּ֣ים סֶֽלָה׃
BernfeldSo wird auch Gott dich ausreißen für immer, dich zermalmen und aus dem Zelte fortwerfen und dich entwurzeln aus dem Lande des Lebens. Sela.
ZunzSo wird auch Gott dich ausreißen für immer, dich greifen und reißen aus dem Zelte, und dich entwurzeln aus dem Lande des Lebens. Selah.
Hirschso wird auch Gott dich auf ewig hin zertrümmern, wird dich hinausweisen und weit entfernen aus jedem Zelte und dich entwurzeln aus dem Lande des Lebens —
8
וְיִרְא֖וּ צַדִּיקִ֥ים וְיִירָ֗אוּ וְעָלָ֥יו יִשְׂחָֽקוּ׃
BernfeldEs werden die Gerechten schauen und schauern und über ihn lachen.
ZunzUnd schauen werden es die Gerechten und schauern und über ihn lachen.
HirschGerechte werden es sehen und sich fürchten, über ihn aber spotten:
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 8. 9. וירא וגו'. Der Anblick, wie ein Mann von solcher Gesetzeskunde zu solcher sittlichen, und in deren Folge zu solcher socialen Verkommenheit gelangen konnte, wird jeden Braven mit ängstlicher Scheu für sich selber erfüllen, daß er nicht auch einmal dazu kommen könne, von dem rechten Wege abzuweichen. Dann aber werden sie sich erinnern, daß Doeg durch seine תורה nicht vor Verirrung geschützt werden konnte, weil er von vorhinein charakterlos und von gottvergessenem Hochmuth erfüllt gewesen war. הותו Siehe Ps. 5, 10.

9
הִנֵּ֤ה הַגֶּ֗בֶר לֹ֤א יָשִׂ֥ים אֱלֹהִ֗ים מָ֫עוּזּ֥וֹ וַ֭יִּבְטַח בְּרֹ֣ב עׇשְׁר֑וֹ יָ֝עֹ֗ז בְּהַוָּתֽוֹ׃
BernfeldDas ist der Mann, der nicht Gott zu seiner Schutzwehr gemacht hat, sondern sich auf seinen großen Reichtum verließ und auf seine Bosheit trotzte.
ZunzSiehe, das ist der Mann, der nicht machen wollte Gott zu seiner Schutzwehr, und verließ sich auf die Fülle seines Reichthums, trotzte auf seine Bosheit.
HirschSeht den Mann, der Gott nicht die Quelle seiner Stärke sein lassen wollte! Er hat auf die Fülle seines Reichthums vertraut, sei er nun einmal stark durch Das, was er ausgebrütet!
10
וַאֲנִ֤י ׀ כְּזַ֣יִת רַ֭עֲנָן בְּבֵ֣ית אֱלֹהִ֑ים בָּטַ֥חְתִּי בְחֶסֶד־אֱ֝לֹהִ֗ים עוֹלָ֥ם וָעֶֽד׃
BernfeldIch aber bin wie ein grünender Ölbaum im Hause Gottes; ich vertraue auf Gottes Gnade immer und ewig.
ZunzIch aber bin wie ein belaubter Oelbaum im Hause Gottes, vertraue auf Gottes Gnade immer und ewig.
HirschIch aber wie der immergrüne Ölbaum in Gottes Haus, ich habe mein Vertrauen in die Liebe Gottes für immer,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 10. ואני וגו'. Ich aber bin jetzt freilich heimathlos, aber meine unverlierbare Heimath habe ich in Gottes Haus, und habe ich gleich keinen שולחן, muß um Brod das Wohlwollen Anderer ansprechen, so bleibt mein Loos doch wie der ewig grünende Lichtbaum die מנורה, im Heiligthum (Siehe Pent. 2. B. M. S. 402. Secharja 4, 2. 3.). Den zu Gott aufblühenden Geist können mir die Menschen nicht nehmen, und, im Gegensatz zu dem auf seinen Reichthum bauenden Doeg, vertraue ich nicht nur jetzt, in dieser Verlassenheit, sondern für alle Zeit auf Gottes Liebe allein.

11
אוֹדְךָ֣ לְ֭עוֹלָם כִּ֣י עָשִׂ֑יתָ וַאֲקַוֶּ֥ה שִׁמְךָ֥ כִי־ט֝֗וֹב נֶ֣גֶד חֲסִידֶֽיךָ׃ {פ}
BernfeldDanken will ich dir ewiglich, dass du es vollbracht, und harren deines Namens, weil er gütig ist im Angesichte deiner Frommen.
ZunzDanken will ich dir ewiglich, daß du es vollbracht, und harren deines Namens, weil er gütig ist, im Angesichte deiner Frommen.
Hirschich werde dir es noch ewig danken, daß du es gethan, erhoffe deinen Namen wie er der Gute ist Denen gegenüber, die in Liebe dir sich hingeben.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 11. אודך וגו'. Selbst mein jetziges Unglück gereicht gewiß auch zu meinem Besten, und werde ich dir noch ewig dafür zu danken haben, daß du es so über mich hast ergehen lassen, und wie dein Name ד': מדת הרחמים, „den ewig Gütigen" bedeutet, so hoffe ich ihn mir und allen Denen gegenüber sich bewähren zu sehen, die in selbstloser Liebe dir sich hingeben.