Tehillim 4 תהילים

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1
לַמְנַצֵּ֥חַ בִּנְגִינ֗וֹת מִזְמ֥וֹר לְדָוִֽד׃
BernfeldDem Sangmeister auf dem Saitenpiele; ein Psalm Davids.
ZunzDem Sangmeister auf dem Saitenspiele. Psalm von Dawid.
HirschDem, der geistigen Sieg verleiht durch der Töne Kunst, Psalm Davids.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 4. V. 1. למנצח בנגינות. נצח: Sieg, נִצֵּחַ zum Sieg befähigen, siegen lassen, נגן ist Instrumentalmusik, für welche wir leider deutsch keinen Ausdruck haben. נגינות, die Gewalt der Töne hebt Geist und Gemüth zur Gottesbegeisterung empor und verleiht durch diese Gottesbegeisterung dem Menschen die Kraft, Alles zu besiegen, was seinem Innern Klarheit und Heiterkeit trüben könnte. So Kön. II. 3, 15, והיה כנגן המנגן ותהי עליו יד ד'. Der מנצח ist Gott, der dem Menschen Kraft verleiht Herr aller Trübniß zu werden. So Pesachim 119 a. למנצח מזמור לדוד זמרו למי שנוצחין אותו ושמח, singet dem, der sich freut, wenn seine Menschen aus seinen Verhängnissen als Sieger hervorgehen.

מזמור לדוד, auch dieser Psalm ringt sich aus Noth umfangener Stimmung bis zu vollendeter, heiterer Zuversicht steigend empor.

2
בְּקׇרְאִ֡י עֲנֵ֤נִי ׀ אֱלֹ֘הֵ֤י צִדְקִ֗י בַּ֭צָּר הִרְחַ֣בְתָּ לִּ֑י חׇ֝נֵּ֗נִי וּשְׁמַ֥ע תְּפִלָּתִֽי׃
BernfeldWenn ich rufe, erhöre mich, Gott meines Heils; in der Bedrängnis schaffe mir Raum; sei mir gnädig und erhöre mein Gebet!
ZunzWenn ich rufe, erhöre mich, Gott meines Rechts; in der Bedrängniß schaffest du mir Raum; sei mir gnädig und erhöre mein Gebet!
HirschWenn ich rufe, antworte mir, Gott meiner Gerechtigkeit. Damit hast du mir in solcher Noth Weite schon gegeben; gewähre mir nun und höre mein Gebet!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2. בקראי ענני, fordert nicht sofortige Erhörung, nicht sofortige helfende Aenderung der äußern Lage, fordert nur die innere Wahrnehmung, daß Gott dem Rufenden gegenwärtig ist, daß Gott seinen Ruf hört, dann, בצר וגו', dann hat ihm Gott selbst בצר, in solcher Noth, in welcher er sich jetzt befindet, bereits Weite gegeben. Die Noth ängstigt, beengt ihn nicht mehr, — das ist ja ganz eigentlich צר — sein Inneres ist „weit", mit dem Bewußtsein, daß Gott ihm nahe ist, daß Gott ihn hört, hat er bereits in seinem Innern die Noth überwunden.

חנני ושמע תפלתי. Aus dieser gewonnenen innern Ruhe erhebt er sich zu תפלה. תפלה ist nicht wie תחנה und בקשה eine an Gott gerichtete Bitte. פלל von התפלל, urtheilen, heißt: sich mit dem Urtheil des Wahren und Guten durchdringen, von Gott die rechte Erkenntniß und die rechte Gesinnung gewinnen. (Siehe Pent. zu 1. B. M. 20, 7), und wenn eine תפלה in der Form einer Bitte erscheint, wie die ברכות unserer שמונה עשרה, so ist nicht das Vorbringen unserer Anliegen vor Gott der Zweck, sondern uns mit dem Bewußtsein zu durchdringen, daß wir die Erfüllung aller unserer Wünsche nur von Gott zu erhoffen haben, und uns in vorhinein den Vorsatz zu geloben, mit jedem von Gott zu gewährenden Gute nur der Erfüllung seines Willens zu leben, ein Vorsatz, den jedes ברוך אתה Gott gegenüber ausspricht.

Diese תפלה, welche David nach der durch das Innewerden der Gottesnähe mitten in der Noth gewonnenen Ruhe vor Gott aussprechen möchte, folgt offenbar erst V. 7—9. Mit der

3
בְּנֵ֥י אִ֡ישׁ עַד־מֶ֬ה כְבוֹדִ֣י לִ֭כְלִמָּה תֶּאֱהָב֣וּן רִ֑יק תְּבַקְשׁ֖וּ כָזָ֣ב סֶֽלָה׃
BernfeldO ihr Menschenkinder, wie lange noch wird meine Ehre der Schmach preisgegeben, werdet ihr Nichtiges lieben, Lüge suchen? Sela.
ZunzMenschenkinder, bis wann wird meine Ehre der Schmach preisgegeben, werdet ihr Eitles lieben, Lüge suchen? Selah.
Hirsch„Mannes-Söhne, wie lange soll, was mir Ehre ist, Schmach euch dünken! Ihr liebet Leeres, suchet Täuschung.—
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 3 בני איש an Menschen gerichteten Anrede unterbricht er sein zu Gott gerichtetes Vorhaben. Er sieht seine Umgebung — oder die gewöhnlichen Menschen — über ihn lächeln. Sie lächeln, ja spötteln über ihn, daß er in solchen Nöthen, statt sich menschliche Hilfe zu suchen, zu Gott hinauf sich wendet, lächeln darüber, daß er in innerer Erhebung zu Gott Beruhigung und Seelenheiterkeit findet, belächeln Beten überhaupt als Selbsttäuschung, als Schwäche und den Menschen entwürdigendes, leeres, vergebliches Thun. An sie wendet er sich daher zuerst und verweist sie ihrer irrigen Ansichten über den Werth des Betens.

בני איש, nicht בני אדם, Menschen überhaupt, sondern בני איש, jeder von euch Sohn eines „Mannes", ihr seid Menschen von Erziehung, von Bildung, von Ansehen, Menschen, von denen man bessere Einsicht erwarten sollte, oder Menschen, die gerade weil sie den sogenannten bessern, höhern Ständen angehören, beten, zu Gott beten, als etwas ihrer Unwürdiges, für den „gemeinen Mann" Gutes betrachten. — עד מה וגו', wie lange soll Das, was mir in Wahrheit zur Ehre gereicht, meine im Gebet sich aussprechende Unterordnung und Hingebung, das im Gebet sich aussprechende Gefühl meiner Winzigkeit vor Gott, in euern Augen eine zu bespöttelnde Unwürdigkeit sein. תאהבון ריק, das ן legt den Nachdruck auf das Pronomen: Ihr, nicht ich, liebt etwas Leeres, etwas Inhalt- und Werthloses, תבקשו כזב, ihr sucht Etwas, was sich als Täuschung erweisen wird. Ohne Erhebung zu Gott, ohne mit unserem ganzen irdischen Thun und Lassen die Nähe Gottes, die Erfüllung seines Willens, die Gewinnung seines Wohlgefallens und seines Beistandes anzustreben, ist unser ganzes Thun und Lassen ja werthlos und alle unsere Hoffnung eitel. Nicht mein, euer Thun ist ריק וכזב.

4
וּדְע֗וּ כִּֽי־הִפְלָ֣ה יְ֭הֹוָה חָסִ֣יד ל֑וֹ יְהֹוָ֥ה יִ֝שְׁמַ֗ע בְּקׇרְאִ֥י אֵלָֽיו׃
BernfeldErkennet doch, dass der Herr seinem Frommen sich wundervoll gezeigt; der Herr hört, wenn ich zu ihm rufe.
ZunzErkennet doch, daß der Ewige einen Frommen sich ausgesondert, der Ewige höret, wenn ich zu ihm rufe.
HirschWisset's, Gott hat stets Den gekennzeichnet, der sich in Liebe Ihm hingegeben, Gott hört es wenn ich zu ihm rufe.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 4. ודעו, es ist eine erkennbare Thatsache, vor der ihr euere Augen nicht verschließen dürftet, die Erfahrung liegt vor כי הפלה וגו'. הפלה: Etwas von Andern unterscheidend kennzeichnen. So והפלה ד' בין מקנה ישראל (2. B. M. 9, 4), ונפלינו אני ועמך (2. B. M. 33, 16). חסיד ist die vollendete, selbstlose Hingebung. חסיד לו, den, der sich ganz Gott hingiebt, sein ganzes Thun Gott weihet und sein Geschick ganz Gott überläßt. Gott hat noch immer Den in besonderer Führung und Fürsorge gekennzeichnet, der sich ihm ganz hingegeben. An dem Lebensgang und Geschick eines Solchen ist es immer erkennbar gewesen, daß die gänzliche Hingebung an Gott und das Vertrauen auf ihn kein leerer Wahn sei, und auch wenn ich zu Gott rufe, hört es Gott.

5
רִגְז֗וּ וְֽאַל־תֶּ֫חֱטָ֥אוּ אִמְר֣וּ בִ֭לְבַבְכֶם עַֽל־מִשְׁכַּבְכֶ֗ם וְדֹ֣מּוּ סֶֽלָה׃
BernfeldZittert und sündiget nicht, sprechet in eurem Herzen auf eurem Lager und schweiget. Sela.
ZunzZittert und sündiget nicht, sprechet in eurem Herzen auf eurem Lager, und schweiget. Selah.
HirschZittert nur einmal und handelt nicht mehr leichtsinnig; sagt's im Herzen zu, auf eurem Lager, ganz still und schweigend. —
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5. Allein freilich kann ein Betender nur dann zuversichtlich hoffen, daß Gott seinem Gebete nahe ist, wenn er nicht nur in der Stunde des Gebetes, wenn sein ganzes Leben die Gottes-Nähe sucht, sein ganzes inneres und äußeres Denken, Wollen und Vollbringen vor Gott sich vollzieht und zu Gott hinanstrebt. Soll Gott euch erhören, so רגזו וגו'. רגז überwiegend nicht zürnen, sondern: zittern. (Siehe Pent. 1. B. M. S. 216, 580). Es ist eben Dasselbe, was oben Kap. 2, 11 Gott gegenüber רעדה genannt wird, nur ist רגז noch stärker. Laßt nur einmal den Gedanken der göttlichen allgegenwärtigen Allmacht und Größe in seiner ganzen überwältigenden — für den Gottfernen erschütternden Wahrheit euch in die Seele treten, und fühlt euch mit aller euerer Menschenmacht und Klugheit in ohnmächtiger Winzigkeit Gott gegenüber, — wagt doch nur einmal die Möglichkeit der vollendeten Unzulänglichkeit alles eures Thuns, wenn es sich im Gegensatz zu Gott befindet, zu denken: zittert, fürchtet nur einmal, und zwar so, daß ihr aufhört leichtsinnig zu handeln. אמרו וגו' gesteht euch Das und gelobt euch Das auch nur einmal ganz still in eurem Herzen, ohne Wortgepränge und ohne Mittheilung an Menschen, wenn ihr ganz allein auf eurem Lager seid, ganz allein mit eurem Herzen und — mit Gott—, dann:

6
זִבְח֥וּ זִבְחֵי־צֶ֑דֶק וּ֝בִטְח֗וּ אֶל־יְהֹוָֽה׃
BernfeldBringet fromme Opfer dar und vertrauet auf den Herrn.
ZunzOpfert Opfer der Gerechtigkeit, und vertrauet auf den Ewigen.
HirschOpfert dann Opfer der Gerechtigkeit und dann hofft vertrauend hin zu Gott!"
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 6. זבחו זבחי צדק. (Vgl. Pent. 5. B. M. 33, 19), dann bringet Gott die Opfer eines pflichtgerechten Lebens, und zwar in dem das jüdische Denken und Wollen ausprägenden Sinne der זבחי שלמים-Opfer — die sind in der Regel unter זבחים verstanden — der den Frieden und die Freude des Lebens in jedem Gott wohlgefälligen Vollbringen findet, nicht nur zu „zittern" vor Gott, sondern sich vor Gott zu „freuen" versteht, aus dem Boden der רעדה die גילה zu gewinnen weiß (Kap. 2, 11): ובטחו אל ד'! Dann blicket mit Zuversicht auf Gottes Beistand und Hilfe hin. בטח בד' ist das Vertrauen auf Gott, wörtlich: das sich in Gott und durch Gott sicher fühlen, eine Gesinnung, die auch der Glückliche stets zu bewähren hat, daß er nicht auf seine Glücksgüter, sondern auf Gott sein Vertrauen setzt, und auch seines Glückes nur froh ist, weil und so lange er es als Gottes Gewährung betrachtet und betrachten kann. בטח אל ד' ist aber überall ein auf Gott hin-vertrauen, das heißt in den größten Widerwärtigkeiten Gottes Hilfe mit Zuversicht erwarten und in dieser Zuversicht im Vorhinein Ruhe und Frieden finden.

7
רַבִּ֥ים אֹמְרִים֮ מִֽי־יַרְאֵ֢נ֫וּ ט֥וֹב נְֽסָה־עָ֭לֵינוּ א֨וֹר פָּנֶ֬יךָ יְהֹוָֽה׃
BernfeldViele fragen: Wer wird uns Gutes zeigen? O, lass uns strahlen das Licht deines Antlitzes, Herr!
ZunzViele sprechen: Wer uns Gutes zeigte! o laß uns glänzen das Licht deines Antlitzes, Ewiger.
HirschViele sagen: wer ließe uns doch Gutes sehen! Gieb doch ein Zeichen des Lichtes deines Angesichts über uns, Gott!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 7. רבים אומרים u. s. w. V. 3–6 haben den Genossen, welche seine בצר, seine in solcher Noth sich zum Gebete heiter sammelnde Stimmung belächelten, zuerst die Quelle, Berechtigung und Wahrheit einer solchen Stimmung lehrend aufgedeckt; mit diesem 7. Vers beginnt nun die תפלה, zu welcher er sich angeschickt hatte und die durch das Lächeln seiner Genossen unterbrochen worden war.

רבים אומרים, die große Menge spricht: wer läßt uns doch Gutes sehen! Sie möchten Gutes erleben, sie wissen nur von einem Lebensglück, das in den äußern glücklichen Gestaltungen der Verhältnisse sichtbar wird. Sie vermissen Das, und ihr Gebet ist daher eine Bitte, und zwar die Bitte: נסה עלינו אור פניך ד'. נסה der Form nach wäre es Imperativ von נס', wie לכה von ילך und הלך. Eine solche Wurzel findet sich aber sonst nicht. Vielleicht läßt es sich nur als gleichbedeutend mit נשא, erhebe, auffassen, ähnlich wie Ezech. 39, 26. ונשו את כלמתם mit ש in der Form ל"ה und in der Bedeutung ל"א, sie werden ihre Schmach tragen vorkommt. Es dürfte aber eben hier das ס' eingetreten sein, um dem Gedanken „erheben" zugleich den Begriff: נס, Panier, einzufügen, es ist so viel als נשא נס. נס ist doch ein hochaufgestecktes Wahrzeichen, auf das man hinblickt, um sich in den rechten Weg zu halten. Ueber den gewöhnlichen Gang der Dinge hervorragende außerordentliche Ereignisse, die die unmittelbare Waltung Gottes offenbaren, sind daher נסים, hervorragende Gottesthaten, die uns in unseren Lebensgängen der Gegenwart Gottes inne werden lassen und uns so im rechten Wege erhalten. נסה עלינו אור פניך ד' heißt somit: erhebe das Licht deines Angesichtes als Wahrzeichen über uns, d. h. lasse das Licht deines Angesichtes hoch über uns als Wahrzeichen sichtbar werden. אור, Licht, in seiner hellmachenden, erfreuenden und belebenden Kraft, in Verbindung mit פני ד', mit dem „Hinblicken" Gottes, d. h. mit den Waltungen Gottes und deren Zielen, bezeichnet das Beglückende, Erfreuende und Belebende der göttlichen Waltung, in einem Begriff: das göttliche Wohlwollen. So auch von Menschen: באור פני מלך חיים (Prov. 16, 15). ואור פני לא יפילון, einen freundlichen wohlwollenden Blick von mir achten sie nicht gering (Hiob 29, 24).

8
נָתַ֣תָּה שִׂמְחָ֣ה בְלִבִּ֑י מֵעֵ֬ת דְּגָנָ֖ם וְתִירוֹשָׁ֣ם רָֽבּוּ׃
BernfeldDa gäbest du mir mehr Freude in das Herz, als ihnen ihr Getreide und ihr Most gewahrt.
ZunzDa gabst du Freude mir in das Herz, seitdem ihr Getraide und ihr Most sich mehrte.
HirschMir aber hast Du bereits Freude in's Herz gegeben, mehr als zur Zeit wann ihr Korn und Most sich häuft.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 8. נתתה וגו' mit hervorgehobenem Personalsuffixum, du aber hast mir bereits Freude in's Herz gegeben. Ich habe dich nicht erst noch um Glück zu bitten. Die Freude, die sie im Aeußern suchen und von dir erbitten möchten, hast du mir bereits, und zwar in meinem Innern gewährt. Ich bin glücklich, indem ich dich mir nahe fühle (V. 1), und zwar מעת וגו' glücklicher als sie zur Zeit, wenn sie ihr Korn und Most, d. i. wenn sie ihr äußeres Glück in reicher Fülle erblicken.

9
בְּשָׁל֣וֹם יַחְדָּו֮ אֶשְׁכְּבָ֢ה וְאִ֫ישָׁ֥ן כִּֽי־אַתָּ֣ה יְהֹוָ֣ה לְבָדָ֑ד לָ֝בֶ֗טַח תּוֹשִׁיבֵֽנִי׃ {פ}
BernfeldIn Frieden leg ich mich nieder und entschlafe, denn du, Herr, lässt mich ruhig und sicher sein.
ZunzIn Frieden zumal leg' ich mich nieder und entschlafe; denn du, Ewiger, allein lässest mich sicher wohnen.
HirschIn Frieden allvereint will ich mich niederlegen und schlafen; denn du Gott wirst zu Sicherheit, zu Ruhe mir Stätte gewähren.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 9. בשלום יחדו וגו'. Wenn יחדו hier in der gewöhnlichen Bedeutung einer Vereinigung Mehrerer steht, so dürfte es heißen: Obgleich von Feinden umgeben, und vom Aufstand eines ganzen Volkes bedroht, lege ich, wie mitten in Frieden und völliger Vereinigung, oder: lege ich in Frieden vereinigt, d. h. ausgesöhnt mit Allen, ohne die geringste Feindschaft im Herzen, mich nieder und schlafe ein. Bezeichnet hier aber, wie allerdings in nur seltenen Fällen יחדו die Gleichzeitigkeit mehrerer Thätigkeiten, wie אשם ואשאף יחד (Jes. 42, 14), so hieße es: In Frieden lege ich mich nieder und schlafe gleich ein, also ohne Sorgen und Bekümmerniß. Da diese Bedeutung jedoch nur sehr selten ist, so dürfte die erste Auffassung die richtigere sein.

לבדד: gesondert, wie mit einer Mauer umgeben, daß nichts Feindliches nahe kommen kann. לבטח: vertrauensvoll, ohne Furcht. לבדד ist die äußere, לבטח die innere Sicherheit. Vergl. וישכן ישראל בטח בדד (5. B. M. 33, 28), תושיבני ist umfassender als die blos nächtliche Ruhe während des Schlafes. ישב bezeichnet die ganze ruhige Lage im irdischen Geschicke. Wie es mir auch ergehen möge, du wirst mir eine Lage, ein Geschick bereiten, das mir zur Sicherheit und Ruhe gereichen wird. Nach vorhergegangenem עולה ויורד auf ואישן, hat אתנח unter לבדד nicht die trennende Kraft einer Satztheilung. Vergl. diesen Schluß mit V. 6, 7 des vorigen Kapitels.