Tehillim 34 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 34. V. 1. Dieses Kap. spricht ganz aus David's individuellem Leben heraus, und will die von ihm gemachte Erfahrung, den Weg zum Heile weisend, zum Gemeingut aller Menschen machen. Es versetzt uns das Kap. in einen Moment seines prüfungsreichen Lebens, der gewiß der tiefsten Stufe des von ihm erfahrenen Elends angehört. Er, der sein Blut für die Heiles- und Ehrenrettung seines Volkes verspritzt hatte, er, der vielgepriesene Eidam des Königs, muß vor dem eigenen Schwiegervater zu den Feinden seines Volkes fliehen, weil ihm in der Mitte seines Volkes keine Stätte Sicherheit gewährte, muß, um auch dort der Lebensgefahr zu entgehen, sich blödsinnig stellen und sich glücklich preisen, daß der König ihn als blödsinnigen Bettler fortjagte. Zu dieser Tiefe aus glanzvollster Höhe gestürzt, spricht David die bedeutsamsten, Lebensweisheit lehrenden Wahrheiten aus. בשנותו וגו' וילך Siehe (Sam. I. 21, 14 f.). טעם, zunächst Geschmack, somit der Sinn, der die stoffliche Beschaffenheit der Dinge als dem Menschen zusagend oder nichtzusagend prüft und beurtheilt. Uebertragen bezeichnet es sodann das geistige Vermögen, die Dinge und Verhältnisse nach ihrer Wahrheit und ihren Beziehungen zu dem Geziemenden oder Nichtgeziemenden zu erkennen und zu beurtheilen, daher: Einsicht, Verständniß und Urtheil. שנה: Etwas ändern, auch: Etwas anders darstellen als es ist, so קומי נא והשתנית (Kön. I. 14, 2) verstelle dich, mache dich unkenntlich. David verstellte seinen Sinn, seinen Verstand, gab sich den Schein, als habe er den Verstand eingebüßt, stellte sich irrsinnig.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. אברכה וגו'. Nachdem ich Dies erfahren, und selbst in solchem tiefst gesunkenen Elende aufrecht geblieben, und in dieser standhaften Aufrichtung des Gemüths ebenso sehr des beglückenden Bewußtseins erfüllten göttlichen Willens, als des göttlichen Beistands zu solcher Pflichterfüllung inne geworden bin, kann mich nichts mehr treffen, das mich solchem Pflichtstreben entreißen (אברכה וגו'), oder mich die nie aufhörende Gottes-Nähe verkennen lassen könnte (תמיד תהלתו וגו'). עת, der einzelne Zeitmoment (siehe Ps. 30, 16).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. בד' וגו', auch jetzt fühlt meine Seele sich in Gott, fühlt — von allen Menschen ausgestoßen — in Gott ihre Würde, ihren Halt, ihr Sein und ihre Kraft. Das mögen ענוים, Alle, die eine bescheidene, gedrückte Stellung inne nehmen, hören, daß man selbst heimathlos, stättelos und als Blödsinniger ausgewiesen noch glücklich und heiter sich fühlen könne, Das mögen sie hören und sich in jeder ihrer Lage nicht nur trösten, sondern שמחה, die innere Heiterkeit, die freudige Stimmung bewahren. — ענו, — von ענה (wovon עני die Abhängigkeit in der Existenz, während אביון die Abhängigkeit im Wollen, und דל den Heruntergekommenen bezeichnet, siehe Pent. 2. B. M. S. 341) — ist zunächst der in Geist, Charakter und Gesinnung nicht selbstständig ist, sondern mit Allem sich völlig Gott unterordnet. Daher der größte ענו auf Erden, משה, das vollendetste Werkzeug Gottes geworden ist. In חנך bezeichnet es daher größtentheils den Charakter der Bescheidenheit.
Nicht selten ist aber auch Charakterbescheidenheit mit der Schicksalsstellung im Zusammenhang. In David's Zeit kam man, wie ja wohl auch noch, im Leben mit Bescheidenheit nicht weit. Der ענו wird auch in der Regel ein עני sein, חוצפה, das Gegentheil von ענוה, nennt ein Wort der Weisen ein Königreich ohne Krone, מלכותא בלי תגא. Deshalb dient, namentlich in תהלים, ענו auch zur Bezeichnung der gedrückten Stellung im Leben.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. גדלו וגו'. Alle Unglücklichen ruft er auf, sich um ihn zu schaaren und in Gemeinschaft mit ihm Gottes Größe auszusprechen. Gottes Größe zeigt sich nirgends größer als indem durch ihn der Verlassenste sich aufgerichtet und über alle seine Leiden emporgehoben fühlt. Das Lächeln des Unglücklichen zeugt von Gott allein. In dem Frohsinn des Glücklichen können so viele andere Potenzen mitwirkend erscheinen. ונרוממה וגו', wir, die Armen, die außer Gott Nichts haben, wir erfahren es, wie unendlich hoch „שמו,“ das Wissen des göttlichen Namens, d. i. das Gottbewußtsein und die uns erfüllende, aufrichtende und beglückende überzeugungsvolle Erkenntniß der göttlichen Waltung alles Andere überragt, aus welchem sonst Menschen die Kraft ihres Lebensmuthes und ihrer Heiterkeit schöpfen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. דרשתי וגו', דרש את ד' heißt Belehrung und Hilfe bei Gott suchen. Wie ich nur meinen Geist und mein Gemüth zu Gott wandte um Einsicht und Hilfe zu finden, da hatte er mich schon erhört und mich aus allen meinen Befürchtungen, oder, von allen meinen Befürchtungen gerettet. Es kann dies Beides heißen: Entweder er ließ mir thatsächlich Rettung aus aller Gefahr, die ich fürchtete, angedeihen, oder er gewährte mir eine solche Geistesklarheit und Gemüthsruhe, daß alle Furcht von mir gewichen war. Nach dem Zusammenhange, und da erst in V. 7 von der thatsächlichen Hilfe gesprochen wird, ist es wahrscheinlich das Letzte. מגור: allen innern Halt verlieren, gleichsam den Boden unter sich verlieren, wie גור in menschengesellschaftlicher Beziehung nicht bodenberechtigt, heimathlos sein bedeutet.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. הביט, וגו'. Es ist dies eine Erfahrung, die ich nicht allein gemacht habe. Alle die, die zu Gott aufgeschaut haben, haben immer, indem sie aufschauten, einen Lichtstrahl von Oben empfangen. נהר wie ואל תופע עליו נהרה (Hiob 3, 3), es scheine kein Lichtstrahl über ihm. נהר heißt das Strömen des Lichtes wie des Wassers. Es ist gleichbedeutend mit נור, wovon נר, wie בהן und בון, כהן und כון, רהב und רוב u. s. w. חפר, das aktiv sowohl vom Ausgraben eines Brunnens, als vom Ausspähen eines Landes vorkommt, hat wohl als Grundbedeutung den Begriff: Verborgenes an's Licht bringen, und drückt daher intransitiv, wie hier und Kap. 35, 4. und sonst, das Gefühl der Beschämung aus, das Einer empfindet, wenn er Das von sich an's Licht gekommen sieht, was er gerne verdeckt gehalten hätte. Es kommt meistens zusammen mit בוש, dem Ausdruck des Schamgefühls über eine getäuschte Erwartung vor, יבושו ויחפרו (K. 35, 26) u. s., und spricht dann den Gedanken aus, daß man sich über eine getäuschte Erwartung schäme und zugleich sich schäme, daß man überhaupt eine solche Erwartung gehegt. Hier heißt es nun: die auf Anderes hinschauen, die werden in die Lage kommen, sich Dessen zu schämen, daß sie von dort her Belehrung und Hilfe gesucht. Die aber zu Gott aufschauen, die erhalten sogleich in dem Lichtstrahl, der ihnen Geist und Gemüth erhellt, Erhörung, und werden sich nie dessen zu schämen haben, daß sie in Zuversicht zu Gott aufgeblickt haben. Wir haben hier חפר mit erbleichen übersetzt, weil, auf פנים bezogen, es den auf dem Gesichte sich kundgebenden Schrecken über die Entlarvung bezeichnet.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7. 8. זה עני וגו', einen ärmeren, verlasseneren Zustand giebt's wohl kaum, als den, in welchem David diese Erfahrung gemacht. Seht daher: Dieser Aermste suchte Hilfe bei Gott und fand sie vollständig bei Ihm, so lagert Gottes Engel überall um Die, die ihn fürchten, die nur die Eine Furcht kennen, an Gott irre und der Pflicht gegen Ihn untreu zu werden, und er hat sie noch immer aus allen Banden erlöst. Ja, die Gottesfurcht selbst wird zum Gottesengel, der den Gottesfürchtigen frei macht. ירא את ד' (Verw. mit קרא) heißt ja buchstäblich: sich Gott immer gegenwärtig halten, sich Gott immer in's Bewußtsein rufen, und Gott ist gegenwärtig nahe, so wie wir Ihn in unsere Nähe rufen — קרוב ד' לכל קוראיו — und in diese Nähe tritt nichts Feindliches ein.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 9. טעמו וגו'. Siehe zu V. 1. Versucht es doch, und erprobt es aus Erfahrung, wie gut Gott ist, und wie Der immer zum Heile fortschreitet, der in ihn seine Zuversicht hat.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 10. יראו את ד' וגו'. Der Imperativ pluralis von ירא sollte eigentlich יראו heißen, wie קראו von קרא. Er heißt aber immer wie hier: יראו, wohl um ihn vom Futur pluralis von ראה zu unterscheiden. קדשיו: die sich Gott angehörig fühlen und ihr ganzes Wesen ihm geweiht, ihm heilig halten wollen, sie können dieses Gefühl und dieses Wollen nur in Einem bethätigen, indem sie sich Gott immer gegenwärtig halten, nie seinem Willen entgegen handeln und nie seinem Willen eine Leistung versagen. Auf der MoriahHöhe hatte sich Abraham erst vollendet als ירא ד' bewährt, עתה ידעתי כי ירא אלק' אתה, ולא חשכת את בנך את יחידך ממני' (1. B. M. 22, 12). Und mit dieser יראת ד' werden sie nicht nur ihrer persönlichen Lebensbestimmung und Aufgabe genügen, sie begründen damit auch ihre äußere Wohlfahrt כי אין מחסור ליראיו, denn den durch יראת ד' geläuterten, bescheidenen Wünschen versagt Gott Befriedigung nie.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 11. כפירים וגו'. Die nicht in Unterordnung unter Gottes Willen zugleich die Richtung ihres Thatenlebens und die Gewährung ihres Geschickeslebens suchen, sondern jungen Löwen gleich in dem Verlangen ihrer Sinnlichkeit ihr Gebot und in dem muthigen Gefühl ihrer Kraft die Zuversicht der Ausführung erblicken, die haben schon oft statt zu gewinnen was sie suchen, verloren was sie zu besitzen glaubten, und ihre nur auf sich sich stemmende Gewalt hat oft nicht ausgereicht auch nur ihr nacktes Dasein zu fristen. ודרשי ד': die aber Beides, Lebensweisung und Lebensfristnng nur bei Gott und von Gott suchen, לא יחסרו כל טוב, denen wird nie wirkliches, wahrhaftes Gute fehlen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 12. לכו וגו'. למד ist nicht nur ein theoretisches Lehren, was Gottesfurcht ist, sondern auch praktische Anweisung wie man gottesfürchtig wird und Gottesfurcht übt (Siehe Pent. 5 B. M. 4, 1).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 13. מי האיש וגו'. Nicht החפץ בח"ים, der Freude am Leben hat, sondern החפץ ח"ים, der Leben will, dessen Ziel „Leben“ ist, d. h. der ein solches Dasein erreichen will, dem das Prädikat: Leben gebührt, von dem man sagen kann, daß es die Aufgabe gelöst, für welche das Dasein gewährt ward. Wie אשר יעשה אתם האדם וחי בהם (3. B. M. 18, 5). So החפץ שלום עבדו (Ps. 35,27). הן אמת חפצת בטוחות (das. 51, 8) u. s. אוהב ימים לראות טוב, der Tage liebt um in jedem Augenblick „Gutes“ zu schauen. Im Gegensatz zu außerjüdischen Anschauungen steht Frohsinn und Lebensheiterkeit nicht im Gegensatz zum „Religiösen,“ zur Gottesfurcht, ist vielmehr ein Ziel, das nur auf dem Wege einer wahren Gottesfurcht zu finden ist.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 14. נצר וגו'. Bedeutsam beginnt die Anweisung zur Uebung in Gottesfurcht mit der Anforderung, das Wort, ja, wie wir sehen werden, den Gedanken zu beherrschen. Ist doch das Reden und Denken diejenige Thätigkeit, zu deren Uebung uns in jedem Augenblicke Gelegenheit geboten ist, und giebt es z. B. kaum eine sich selbst zu setzende und also zu Gottesfurcht führende und in Gottesfurcht zu übende Aufgabe, als den nur still vor Gott in seinem Innern zu gelobenden Vorsatz: nie Etwas Nachtheiliges von einem Nebenmenschen zu reden. Schon die Lösung dieser einzigen Aufgabe erfordert eine stete Selbstbeobachtung und ist eine unvergleichliche Uebung zur Gewinnung jener Herrschaft über sich selbst, die die wesentliche Kunst eines gottesfürchtigen sittlichen Strebens ist. נצר לשונך וגו' ושפתיך וגו'. Während שפה stets das gesprochene, das die Lippe, שפה — den äußersten Rand des Menschen-Innern — überschreitende Wort ist, bezeichnet לשון, als mehr zurückliegend, auch das noch nicht gesprochene, aber zur Aeußerung sich drängende Wort. So ולשוני תהגה צדקך (Ps. 35, 28), הוות תחשב לשונך (Ps. 52, 4), דברה לשוני בחכי וגו' ורעת שפתי ברור מללו (Hiob 33, 2. 3.) meine Lippe spricht deshalb mein Wort geläutert aus, weil meine Zunge es zuvor in meinem Gaumen gesprochen, d.h. weil ich es zuvor unausgesprochen überlegt und geprüft. Denken wir doch in Wahrheit nur vermittelst des Zungen-Wortes, d. h. wir vermögen nur in Worten zu denken, können einen Gedanken nur in einem Worte, das ist ja, in einem aus zu sprechenden Lauten gebildeten Merkzeichen festhalten. Unsere Gottesfurchtschule soll also mit Beherrschung des noch unausgesprochenen, von der Zunge getragenen Wortgedankens beginnen, רע: sittlich und social Schlechtes soll von unserer Zunge fern bleiben, ושפתיך מדבר מרמה, und Aufrichtigkeit soll das Gepräge unseres gesprochenen Wortes, unserer Rede sein, und wo wir nichts Gutes zu sprechen wissen, sollen wir die wahrlich nicht leichte Kunst des Schweigens üben.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 15. סור מרע וגו', die zweite Uebungsaufgabe der Gottesfurchtschule heißt: סור מרע, halte dich fern vom Schlechten. Thue nicht nur nichts Schlechtes, sondern bleibe fern davon, meide Alles, was dich zu Schlechtem führen kann, mache dir selbst גדרים und סיגים, ziehe dir Zäune und Entfernungsgränzen, übe die Selbstbeherrschung selbst im Unterlassen des an sich Erlaubten, sobald es an Verbotenem gränzt, oder leicht dazu führt, und עשה טוב, und versäume keine Gelegenheit, wo du etwas Gutes thun kannst, vielmehr עשה, wolle nicht nur das Gute, sondern ruhe nicht eher, bis du es verwirklichst, gestaltest, vollendest. Und zwar עשה־טוב, durch מקיף verbunden, bedenke dich nicht, zögere nicht, wo es gilt etwas Gutes zu thun. Aber immer erst סור מרע und dann עשה טוב, hüthe dich vor einer מצוה הבאה בעברה, erstrebe nichts Gutes mit schlechten Mitteln. Wolle auch nicht עברות durch מצות gut machen. עברות können nur durch Unterlassung und wo möglich Wiedergutmachen gesühnt werden. Glaube aber nicht daß du dir עברות erlauben dürfest, weil oder wenn du auf anderer Seite מצות übst. Erst סור מרע und dann עשה טוב, und immer סור מרע wenn du auch עושה טוב wärest. Dann, wenn du erst durch Meiden des Schlechten in Gedanken, Wort und That und durch Uebung des Guten, Gott gegenüber deiner Pflicht gerecht bist, dann, wenn du im Einklang mit Gott und seinem Gesetze bist, dann בקש שלום, dann suche auch den Frieden mit Menschen, ja רדפהו, buchstäblich: jage ihm nach, lasse ihn dir nicht entgehen wenn er zu entfliehen droht, erhalte selbst mit Aufopferung dir den Frieden, wenn er zu fliehen im Begriff ist. Nicht ist שלום das Erste, oder gar das Höchste, dem alles Andere, selbst das סור מרע ועשה טוב zum Opfer zu bringen wäre. Nur was unser ist, worüber wir zu verfügen haben, unser Interesse, unsern Vortheil, unsere Ansprüche, unsere Ehre dürfen, ja sollen wir in gar vielen Fällen um des Friedens willen opfern. Aber kein Friede mit Menschen kann unsern Zwiespalt mit Gott und unserer Pflicht aufwiegen, und wo es sich um סור מרע ועשה טוב handelt, da müssen wir bereit sein, wo es sein muß, selbst die Gegnerschaft und Feindschaft einer ganzen Welt auf uns zu laden, und mit Gott und unserm Pflichtbewußtsein allein zu bleiben.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 16. 17. עיני וגו'. In den vorgehenden V. 14. 15. ist das Wesen eines צדיק, d. i. eines pflichtgetreuen Menschen gezeichnet, dem, V. 13, Leben, und schon hienieden dauernde Glückseligkeit verheißen ist. Diese Verheißung wird dadurch begründet, daß solchen pflichtgetreuen Menschen עיני ד', die Vorsehung Gottes zugewandt ist, ihnen von selbst das ihr Heil Fördernde angedeihen zu lassen, auch was sie nicht von Gott erbitten, ואזניו und ihnen nahe zu sein, wenn sie in besonderen Lebenslagen sich flehend zu ihm wenden. Während entgegengesetzt פני ד', die ganze Gotteswaltung gegen die Vollbringer des Schlechten gerichtet ist, nicht nur ihnen, sondern selbst ihrem Andenken auf Erden jede Zukunft zu versagen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 18. 19. צעקו וגו'. Auch עושי רע haben schon, wenn das Vernichtung drohende Leid sie überkam, mit umwandeltem Gemüthe und Geist sich wieder zu Gott gewandt, und Gott hat sie erhört; denn Gott ist Jedem nahe, der des Herzens Starrheit bricht und den stolzen Geist in Demuth beugt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 20. 21. רבות וגו'. Wenn aber dem Gerechten „Leben" und „Gutes" verheißen ist, so will damit keineswegs gesagt sein, daß die Lebensbahn eines Solchen frei von Leiden und nur von Dem begleitet ist, was die Menschen Glück nennen. Vielmehr hat der צדיק auf viel Leid und Widerwärtigkeit zu rechnen. Es liegt dies ebenso sehr in den menschengesellschaftlichen Verhältnissen, in welchen er sich bewegt, und in denen keineswegs צדק, das Sittliche und Rechte das maßgebend Herrschende ist, als es zur Aufgabe der Pflichttreue des צדיק überhaupt gehört, sich gerade in Widerwärtigkeiten zu bewähren, „das Gute zu üben und das Böse zu lassen," selbst wenn das Gute die größten Opfer fordert und das Böse die höchsten Glücksgüter und Genüsse zu erreichen bietet. Leiden treffen daher vielfältig den Gerechten, aber es sind Besserungs- und Prüfungs-, nie aber Vernichtungsleiden, vielmehr מכלם יצילנו ד'. Ja, nicht nur keinen Untergang, keine Vernichtung bringen die dem צדיק werdenden Leiden, sondern auch während ihrer Dauer läßt sie Gott nie eine solche überwältigende Macht über den Gott und seiner Pflicht treu bleibenden Menschen gewinnen, daß dadurch auch nur אחת מעצמתיו, auch nur Etwas von allem Dem, was ihm in seinem Innern Halt und Stütze gewährt, gebrochen würde (Vgl. Ps. 22, 18). Die von allem äußern Leid unerreichbaren Güter, die er im Innern trägt, halten ihn mitten in allen Leiden aufrecht, und bewähren erst da ihre wahrhaft beglückende Kraft.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 21. 22. תמותת וגו'. Nur den beharrlich Gesetzlosen trifft endlich ein ihm völlige Vernichtung bringendes Unglück, und die das Gerechte und den Gerechten „hassen," die der Pflichttreue grundsätzlich feind sind, die enden in Verödung; die Seelen Derer aber, die sich mit ihrem Leben ganz dem Dienste Gottes, der Erfüllung und Vollbringung seines Willens weihen, erlöst Gott aus allen Banden, sie sind sein, nicht Leid, nicht Tod hat eine zwingende Macht über sie, ihnen, die in Ihn ihre Zuversicht setzen, blüht überall und immer ein Eden, in welchem die Stimme Gottes mit ihnen wandelt, sie haben nie Verödung zu fürchten — יאשמו siehe (Pent. 1. B. M. 553).