Tehillim 33 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 33, V. 1. Ein Gedanke ist es, den dieser Psalm zum Inhalt hat, es ist der: daß wir in der Welt nicht nur das Werk des Schöpfers, sondern zugleich das Werk des Gesetzgebers an den Menschen erblicken sollen, der die Erdwelt und den Menschen für die Erfüllung seines Sittengesetzes durch den Menschen auf Erden geschaffen, und sie daher nicht bedingungslos dem Menschen zu Gebote gestellt hat und stellt; daher nur Diejenigen eine Zukunft haben, die, wie Israel, gottesfürchtig dem Gesetze Gottes gehorchen und auf Grund dieser Gottesfurcht Seiner Liebe harren.
רננו Es ist schwer den Begriff, dem רנן zum Ausdruck dient, genau zu ermitteln und mit Einem entsprechenden Worte wiederzugeben. Stellen wie וירא כל העם וירנו (3. B. M. 9, 24), ירנו בגאון ד' (Jes. 24, 14), ויעבר הרנה במחנה (Kön. I. 22, 36), u. s. w. lassen in רנן das Lautwerden starker, durch äußere Veranlassung hervorgerufener Empfindungen, Gefühle, Gedanken erkennen. Damit stimmt auch die Thatsache, daß פצח, das Hervorbrechen lautwerdender Empfindungen, häufig, und zwar ausschließlich mit רנן verbunden vorkommt. Siehe Ps. 98, 4. Jes. 14, 7. 54, 1. 44, 23. 52, 9. 49, 13. 55, 12. פצחו רנה u. s. w. Es kann ferner nicht blos unartikulirte Empfindungsausdrücke bezeichnen, denn ותרן לשון אלם (Jes. 35, 6) bezeichnet offenbar Das, was die Zunge des Stummen nicht vermag, somit die Wort-Sprache. Schwierig bleibt jedoch die genaue Umschreibung des Begriffes רנן, da dieser Ausdruck an sich hinsichtlich der Art der Empfindungen und Gedanken, die damit laut werden, namentlich ob sie heiterer, freudiger, oder trüber, schmerzlicher Beziehung sind, völlig unbestimmt sein muß, da er sowohl in dieser als in jener Anwendung vorkommt. קומי רני בלילה (Klagel. 2, 19), ועל תשא בעדם רנה (Jerem. 7, 16. 11, 14), ויעבר הרנה במחנה (Kön. I. 22, 36) sind entschieden Verlautbarungen trüber, ernster Empfindungen und Gedanken. Selbst הקשיבה רנתי (Ps. 17, 1) und so auch 61, 2. 88, 3. 106, 44. 119, 169. 162, 7 sind durchaus Ergüsse aus ernster, oft von Noth und Gefahr umdüsterter Stimmung, während רני בת ציון (Zefanja 3, 14) und alle andern sehr zahlreichen Stellen ebenso entschieden eine heitere freudige Bedeutung erkennen lassen.
Der Piel רנן, wie in unserm V., kommt nur in heiterer Bedeutung vor, und zwar bemerkt ein Wort der Weisen im מדרש: es heiße nicht: רננו צדיקים אל ד', sondern בה', בזמן שהן רואין מיד מרננין, es sei dies ein durch Gottes-Anblick hervorgerufener Erguß, wie וירא כל העם וירנו (3. B. M. 9, 24).
צדיקים, der Pflichttreue lebende Menschen, werden daher aufgefordert, Gott in den Gängen der Natur und Geschichte zu schauen und den durch solche Gottanschauung hervorgerufenen Hochgefühlen und Gedanken Ausdruck zu geben; denn, begründet sich diese Aufforderung, לישרים, nur durch Unterordnung unter Gottes Gesetz ihrer Bestimmung entsprechende Menschen sind befähigt und berechtigt, Gott in seinen Wirkungen zu erkennen und aus diesen Wirkungen zu verkünden. Nicht nur geistige, sittliche Begabung bildet die unerläßliche Vorbedingung zur Erkenntniß Gottes. Wer fern ab davon ist, Gott die Herrschaft über sich einzuräumen, dessen Sinn ist von vornherein getrübt für die Erkenntniß der Waltung Gottes in der Welt, deren unerbittliche Folge ja die eigene Unterwerfung unter Gottes Willen sein müßte, und wie dürfte ein Solcher Gott in seinem Walten besingen, wo sein eigenes Leben das verleugnet, was die Lippe als wahr verkündet! תהלה, von הלל: eigentlich wiederstrahlen, begreift die Thaten und Werke Gottes als Strahlen, die, wie die Strahlen der Sonne ihr Dasein und Wirken verkünden, also das Sein und Walten Gottes vergegenwärtigen. Siehe Pent. 2. B. M. 15, 11. נאוה von נאה mit Umwandlung des ה in ו, wie גאוה von גאה. נאה rabbinisch, der gewöhnliche Ausdruck für das Geziemende, Wohlanstehende. Ebenso לא נאוה לנבל שפת יתר (Prov. 17, 7).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. הודו לד' וגו', und wo das Wort nicht ausreicht, lasset der Harfe Töne ergänzend hinzukommen. בנבל עשור, Siehe zu Ps. 6, 1. das „zehnsaitige,“ der vollendeten Zukunftsharmonie geweihte Instrument lasset Ihm ertönen, הודו לד' בכנור: in Anschauung seiner Waltung in der Gegenwart, בנבל עשור וגו': in Anschauung der harmonischen Weltgestaltung, deren Herbeiführung das Ziel aller Gotteswaltungen bildet. נבל ist nach Arachin 13, b. eigentlich ein Blasinstrument, dessen Töne durch Luft erzeugt werden; die Töne der zehnsaitigen Harfe waren aber in ihrer Tonfülle so sehr den נבל-Tönen ähnlich, daß die Harfe den Namen נבל erhielt. Die Zusammenstellung נבל עשור würde demnach unserer Vermuthung nicht entgegenstehen, daß נבל an sich ein Klage-Instrument gewesen, zum Unterschiede von עשור, in welcher wir das Instrument der vollen harmonischen Lebensgestaltung zu erblicken glauben. Siehe Ps. 92, 4. זמר ist zunächst das Singen der Melodie, während שיר das Singen der Liedesworte ist (Siehe Pent. 1. B. M. 43, 11). Wir unterscheiden im Deutschen diese beiden Begriffe nicht und haben für beide nur den Ausdruck Singen. Wir übersetzen זמר mit: singen, שיר mit: lobsingen, wo jedoch eine Beifügung שיר als Singen des Liedes erläutert, übersetzen wir auch שיר einfach mit: singen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. שירו וגו'. שיר, siehe Pent. 1. B. M. 9, 21, ist in erster Linie das Gott in der Geschichte besingende Wort, und zwar singt שירה das in den Ereignissen der Gegenwart unsichtbare Göttliche, שיר aber das erst in der einstigen Zukunft hervortretende Göttliche. שיר und insbesondere שיר חדש gehört immer der einstigen endlichen Welterlösung an, zu welcher alle geschichtlichen Entwickelungen der Zeiten hinführen. So: מכילתא בשלח: כל השירות שעברו קרויות בלשון נקבה כשם שהנקבה יולדת כך התשועות שעברו היה אחריהם שיעבוד אבל התשועה שהיא עתידה לבא קרוי' בלשון זכר כשם שאין הזכר יולד כך התשועה העתידה לבא אין אחריה שיעבוד. Die männliche Form שיר besingt eben jenes Heil, das als das letzte, dauernd heitere Produkt aller Zeitentwickelungen dastehen, nicht aber selbst erst noch wieder ein ferneres Erlösungsziel zu gebären haben wird.
היטיבו וגו'. נגן ist Instrumentalmusik (siehe Pent. 1. B. M. S. 560) תרועה (siehe Pent. 4. B. M. 23, 21): die von dem Gedanken der Größe Gottes überwältigte, ihm tief erregt huldigende Stimmung des Gemüthes. Zu ihrem Ausdruck reicht das Wort nicht aus. Lasset diese Stimmung entsprechenden Ausdruck auch in Tönen finden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. כי ישר וגו' ist der Inhalt des, Gott für die Erkenntniß der Menschen zu singenden Liedes. Das Wort, das Gott durch Natur und Geschichte, insbesondere das Er in seiner תורה ausgesprochen, das geht seinen geraden Weg, ohne Abweichung zu seinem Ziele, es entspricht den Bestimmungen der Dinge und bleibt sich ewig gleich, וכל מעשהו, und das Werk seiner Schöpfung wie das Werk seiner Waltung bleibt diesem seinem Worte treu. Was er von dem Menschen fordert, dafür hat Er ihn geschaffen, und was er über den Menschen verhängt, steht im Einklang mit dieser Forderung und hat deren Erfüllung zum Ziele. Sein Wort, sein Wirken und Schaffen ist harmonisch Eins.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. אהב וגו'. חסד ד' ist Subjekt des ganzen Satzes. Wohl ist die Erde voll der Leben und Segen spendenden Liebe Gottes; Gott, der Name, unter dem Israel Gott zu zu denken gelehrt ward bedeutet ja selbst מדת הרחמים, die Fülle der hingebendsten Liebe, und jede Kraft, jede Blüthe, jedes Leben auf Erden ist Werk und Zeugniß dieser Liebe. Aber diese Liebe ist nicht, wie die Menschen sie sich gerne denken möchten, ein blinder Schwäche-Affekt, der prüfungslos und bedingungslos sich hingiebt. Die Liebe des barmherzigen Gottes, deren die Erde voll ist, sie liebt צדקה ומשפט, sie liebt das Recht wie die Milde, fordert vom Menschen Pflichttreue und Gerechtigkeit, und seine צדקה, seine Wohlthat und Milde spendet dem Menschen nur Das, was nach seinem jedesmaligen Erziehungsbedürfniß ihn zur endlichen Lösung seiner Aufgabe zu führen geeignet ist. Sie ist die aus Liebe und Recht gewobene Weise göttlicher Waltung (siehe Pent. 1. B. M. 15, 6. 18, 19. Ps. 36, 7. 71, 16). Vgl. Ps. 99, 4. ועוז מלך משפט אהב.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. בדבר ד' וגו'. Siehe Pent. 1. B. M. 2, 4. Nicht nur בדבר ד' שמים, בדבר אלק' נעשו, nicht blos für die physische Entwickelung, für das in der Menschengeschichte zu erreichende sittliche Erziehungsziel der göttlichen Waltung, der der Name ד' angehört, wurden Himmel gebildet, sie sind von vornherein für dieses Ziel berechnet, und nicht nur im großen Ganzen, sondern jedes einzelne, gleichsam eine Silbe, einen Laut, einen Hauch dieses Wortes bildende Wesen, das zu dem Himmelsheer gehört.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7. כנס כנד וגו'. כנס כנד u. s. w. blickt auf die Gotthat bei קריעת ים סוף hin. נתן באוצרות תהומות ist der der Naturordnung folgende regelmäßige Vorgang der Regenbildung, bei welcher das auf Erden fluthende Gewässer verdunstet und in Wolken gesammelt wird, die die kostbarsten Schatzkammern für alles irdische Gedeihen bilden. So 5. B. 28, 12. פתח לך את אוצרו הטוב את השמים לתת מטר ארצך בעתו וגו'.
Die Gott offenbarenden Gotteshaten bei Israels Gründungsgeschichte haben gezeigt, daß über der natürlichen Ordnung der Dinge Gott steht, der diese Ordnung gesetzt, daß diese natürliche Ordnung der Dinge, die wir Naturgesetz nennen, in Wahrheit nichts anders als das von Gott gegebene, nach seinem Willen sich vollziehende Gesetz ist, das nur so lange und nur darum fortbesteht, als und weil dieser Fortbestand Gottes Wille ist. Diese außerordentlichen Gottes-Thaten, die wir Wunder nennen, geschahen, um uns die natürliche und tägliche Ordnung der Dinge als Gottes Werk erkennen zu lassen. Sie zeigten aber auch zugleich, daß die natürliche Ordnung der Dinge Gott für sein Erziehungswerk an Menschen und Völkern bereit und zu Gebote steht, und Er mit seinem Walten richtend und helfend, hemmend und fördernd für diese seine sittlichen Waltungsziele in den Gang der irdischen Dinge eingreift.
Aus diesen, Gottes Herrschaft und Waltung offenbarenden großen Gotteshaten hebt unser Psalm das קריעת ים סוף-Ereigniß als das bedeutendste, Gott zugleich richtend und rettend offenbarende Moment hervor, um daran die für alle Zeit und von allen Zeiten zu beherzigende Wahrheit zu verkünden, daß derselbe Gott, der da in Aufhebung der von ihm gegebenen Naturgesetze seine Herrschaft und seine Waltung für seine sittlichen Menschheitsziele offenbarte, ebenso in der Fortdauer der natürlichen Weltordnung mit seiner Macht, mit seinem Willen und Walten gegenwärtig ist, „daß Der, der des Meeres Wasser sich zu einer Mauer sammeln gebot, derselbe ist, der noch jetzt täglich Fluthen in Wolken-Schätze giebt;“ das Wasser, und somit alle natürlichen Dinge entwickeln sich nur so lange und nur in solcher Weise Seinen bestehenden Naturgesetzen gemäß, so lange und wie Sein Wille diesen Fortbestand und diese Entwickelung heischt. Darum
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 8. "יראו מד' וגו', darum sollten כל הארץ, Alle, die mit der Bedingung ihres Seins und Vollbringens von der Erde und deren Entwickelung sich abhängig wissen, Gott fürchten, von dem die Erde und deren Entwickelung abhängen und der nicht nur das Gesetz für die physische Entwickelung der Natur, sondern ebenso sein Sitten-Gesetz für die freie sittliche Entwickelung der Menschen gegeben, ממנו יגורו, vor Ihm sollten scheu zurücktreten, eigentlich sich „bodenlos“ fühlen, (siehe Pent. 1. B. M. S. 227), כל ישבי תבל, Alle, die in der Menschenwelt, in welcher nicht Gottes Gesetz, sondern der Menschen Selbstsucht und Willkühr das herrschende und gestaltende Element bilden (Vgl. Ps. 24, 1), ihre Stätte haben. Denn
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 9. כי הוא וגו'. Denn — es haben alle Gotteshaten bei der Erlösung aus Egypten, insbesondere aber das V. 7 hervorgehobene קריעת ים סוף-Ereigniß hat es gezeigt, — daß Er, der gesprochen und es ward, „Er auch gebot und es stand stille,“ gezeigt, daß Sein Wille die von Ihm hervorgerufene Welt beherrscht, und es nur eines Winkes von Ihm bedarf und die Ordnung steht stille, die Er in's Dasein gerufen, und auf deren herrnlose Unveränderlichkeit die Menschen rechnen und darauf die Ausführung ihrer Pläne bauen. ויעמד wie: כי עמדה מלדת (1. B. M. 30, 9), וידם השמש וירח עמד (Josua 10, 13), ואל תעמד בכל הככר (1. B. M. 19, 17), ויך שלש פעמים ויעמד (Kön. II. 13, 18), und sonst.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 10. ד' הפיר וגו'. עצת גוים ist der Plan, deren Ausführung die Völker gegenseitig, das Eine gegen das Andere, anstreben. מחשבות עמים sind die Gedanken, die im innern Verkehre die Handlungsweisen der Menschen gegeneinander leiten. Jene wie diese lassen sich nur von Beweggründen der Machtvergrößerung und des selbstsüchtigen Vortheils bestimmen, ohne in allererster Linie den Anforderungen des Sittengesetzes Beachtung zu schenken. Stünde diese Welt nur unter physischem und mechanischem Einfluß, so dürften solche Pläne und Gedanken, je rücksichtsloser sie auf ihr Ziel zugehen, um so gewisser auf Gelingen rechnen. So aber, wie dies bisher in einzelnen Zügen zum Ausdruck gekommen, ist es Gott, der Gesetzgeber des Sittengesetzes, der die von Ihm für die Verwirklichuug des Sittengesetzes geschaffene und geordnete Welt noch jetzt regiert, und die Gänge der Natur und Geschichte mit seiner Allmacht in Händen hat, und an dieser Thatsache scheitern die Pläne der Völker und die den Menschenverkehr leitenden Gedanken. Gott hat die Welt nicht für eine ewige Herrschaft der Gewalt und des Unrechts geschaffen, in Seiner Welt ist den dahin zielenden Plänen und Gedanken von vornherein die Aussicht auf dauerndes Gelingen versagt. Denn
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 11. עצת ד' וגו', der עצת גוים, steht עצת ד' entgegen, den מחשבות עמים die מחשבות לבו. Dem von den Völkern die ganze Geschichte hindurch verfolgten Plan des Aufbaus der Völkergröße auf Machtherrlichkeit und Gewaltherrschaft steht der Gottesplan entgegen, das Reich des Friedens und der hieniedigen Glückseligkeit endlich unter der allgemeinen Herrschaft des Rechts und der Liebe, der Sittlichkeit und der selbstlosen Pflichthuldigung aufblühen zu lassen, und dieser עצת ד' steht unerschütterlich für die von Ihm herbeizuführende Zukunft fest, wie sehr diese Zukunft auch noch ein „עולם,“ eine verhüllte unbekannte Ferne scheint. Und auch bis zu diesem Ziele hin, sind מחשבות לבו jeglichem Zeitgeschlechte zugewandt und lassen doch die ohne Rücksicht auf „Gottes-Gedanken“ im Menschenverkehr nur Besitz und Genuß verfolgenden Menschengedanken der Erreichung ihrer Ziele nicht dauernd froh werden, und wenden überall den der Zukunft Seines Reichs auf Erden angehörigen Keimen des Wahren und Guten ihre schützende Pflege zu. Daher
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 12. אשרי הגוי וגו', gehört das Volk der Zukunft an, ist dessen aller „Fortschritt zu diesem Menschheitsziele,“ das selbst als גוי, als Volk unter den Völkern nur Gott, als dem einzigen Lenker seiner Geschicke sein völkergeschichtliches Dasein verdanken will, und das als עם die ganze Gestaltung seines Einzel-, Familien- und nationalen Thatenlebens also der Herrschaft und Leitung des göttlichen Willens unterstellt, daß Er es gewürdigt hat, es als sein Ihm wieder zugefallenes „Erbe“ unter den Menschen zu erwählen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 13. משמים הביט וגו'. V. 13 bis Ende schildert nun die Thatsache dieser Erwählung. משמים, zur Zeit dieser Erwählung war Gottes Gegenwart gleichsam fern von der Erde; aus der Ferne, vom Himmel herab sandte Gott einen Fernblick — dies ist wesentlich הביט — und übersah alle die Adams-Erzeugten, sah das Menschengeschlecht, wie es sich zur Zeit darstellte.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 14. ממכון שבתו וגו'. Kein Thron, kein Heiligthum, keine Stätte der Anerkennung und Huldigung war Ihm auf Erden, für seine Herrschaft hatten die Menschen keinen Raum im irdischen Kreise, ihre Loosung lautete: „Gott im Himmel und wir auf Erden.“ ממכון שבתו, von dieser, gleichsam außerirdischen Zurückgezogenheit, schaute Gott mit theilnehmendstem, fürsorgendstem Ernst auf alle die hin, die von der Erde Besitz ergriffen hatten, und ohne Gott, von der Erde auf, ihr Sein und Wollen entwickelten. השגיח ist das mit gesammelter Aufmerksamkeit auf Einen Gegenstand gerichtete Schauen (Siehe Pent. 1. B. M. S. 146).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 15. היצר יחד וגו'. Dieser prüfende Gottesblick auf die Menschen mißt den Werth ihres Thuns an dem Maaßstabe ihrer Bestimmung, und wird hier Ein charakteristisches Moment aus dieser Bestimmung als entscheidend hervorgehoben. יחד „für einander,“ für ein sich gegenseitig tragendes, förderndes und helfendes Zusammenleben hat Gott das Menschenherz gebildet. Selbstliebe, Selbstsucht und daraus hervorgehendes Streben der Selbsterhaltung, der Selbstvertheidigung, der Selbstvergrößerung, das ist das allmächtige Gefühl, das alle dem Menschen tief unterstehenden Lebendigen bis zum winzigsten Lebenskeim hinab bewegt. Erst mit dem Mitgefühl, mit der Nächstenliebe, mit der Thatbereitschaft für des Andern Wohl, mit der das eigene Selbst für die Erhaltung, Vertheidigung, Rettung, Förderung des Nächsten-Heils einsetzenden Hingebung, erst damit beginnt das Menschliche im Menschen, erst darin löst der Mensch seine Bestimmung, für dieses „Füreinandersein“ hat Gott der Menschen Herz gebildet, und an diesem Maaßstab prüft Er all ihr Thun.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 16. 17. אין המלך וגו'. Dagegen bot dem prüfenden Gottesblick die Menschheit als höchstes Ziel ihres Strebens Nichts als die größtmögliche Entfaltung selbstsüchtiger Gewalt und Machtherrlichkeit; Könige und Helden bilden die Ideale der MenschheitAnnalen. Vor Gottes, den Werth des Menschen-Strebens und Vollbringens an dem Maaßstab der Menschen-Bestimmung prüfenden Blick sind diese gerichtet. Pharao's königliche Macht mit Roß und Reiter, mit seiner ganzen Helden- und Heeresschaar fand keine Rettung vor diesem prüfenden Gottes-Blick. Dagegen
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 18. הנה עין וגו' wendet Gottes Auge sich Denen zu, die — wie es bei Pharao's Untergang von Israel heißt: וייראו העם את ד' ויאמינו בד' (Pent. 2. B. M. 14, 32. siehe das.) — zugleich Gott fürchten und Gott vertrauen, die, in ihrem Thatenleben gottesfürchtig sich lediglich von seinen Geboten leiten lassen, und ihr Geschicksleben gottvertrauend lediglich seiner Liebe überantworten, nicht auf Gewalt und Macht, sondern auf Gott dienende Pflichttreue ihre Hoffnung bauen. Denen wendet sich Gottes Auge zu.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 19. להציל ממות וגו', wie in Mizrajim, von physischem und socialem Tode Rettung und, wie in der ganzen Wanderung durch die Wüste, in Mitte drohendster Hungersnoth Speisung und Erhaltung ihnen zu gewähren.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 20. נפשנו וגו', unsere Seele, schließt im Hochgefühle des Selbstbewußtseins der Psalm, wir waren es, die, im Gegensatz zur ganzen mit Macht und Gewalt gerüsteten Völkermenge nur Gottes harrten, und, wie Er sich uns damals erwiesen, ist Er noch unser Beistand und unser Schild.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 21. כי בו וגו', denn nur Seiner will unser Herz sich freuen, nur das Bewußtsein, daß Er mit uns ist, spendet und erhält uns die Heiterkeit des Seins und Strebens; denn nur in seinen heiligen Namen, mit welchem er als den zu jeder Zeit, in jedem Augenblick für ein pflichtgetreues Streben zu neuer Kraft- und Lebens-Spende Bereiten sich uns offenbart hat, in die beglückende Wahrheit dieses Namens haben wir unsere ganze und ausschließliche Zuversicht gesetzt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 22. יהי וגו'. „Walte die Liebe Gottes über uns, wie wir Seiner harren!“ das ist der einzige Wunsch und die einzige Bitte unseres Lebens. כאשר: die Liebe Gottes wendet sich uns stets in dem Maaße zu, wie wir uns zu Ihm wenden.