Tehillim 27 תהילים
Kommentare (S. R. Hirsch, Guski)
Kap. 27. V. 1. לדוד, Siehe K. 25, 1 und K. 26, 1. Auch dieses Kap. spricht einfach die Gedanken und Gesinnungen aus, die David bei seinem Wandel auf Erden erfüllten und leiteten. Während das vorangehende Kap. uns vorzugsweise die Gedanken und Gesinnungen offenbarte, welche die Grundsätze und Vorsätze seines sittlichen Strebens bildeten, bringt dieses Kap. die Gedanken zum Ausspruch, die ihn in den Geschicken seines Lebens aufrecht hielten.
ד' אורי וגו', Gott ist mein Licht und mein Heil, eigentlich: mein wirkliches wahrhaftiges Sein (Siehe Ps. 9, 15). Von Gott stammt meine Erleuchtung und mein Lebensglück, ich lasse mich von ihm belehren, schöpfe aus ihm meine Erkenntniß und das Streben nach meiner „Seins-Vollendung;" vor Wem sollte ich mich fürchten!? Wessen Größe und Macht sollte mir so überwältigend gegenwärtig sein, daß ich mich ihm gegenüber in verschwindender Winzigkeit fühlen müßte. (Das ist ja ירא, verwandt mit קרא und zugleich mit כרע, גרע). Schöpfte ich meine Anschauungen und Grundsätze nur aus mir, ich würde mich vor jedem Geistes- und Willens-Ueberlegenen fürchten. Allein ממי אירא־ד' אורי וישעי!
ד' מעוז חיי וגו'. Gott ist der Widerstands-Quell (מעוז siehe 1. B. M. S. 21) meines Lebens. Indem ich mir bewußt bin, daß Gott Keinen zu Grunde gehen läßt, der mit seinem Wollen und Streben im Einklang mit Seinem Willen steht, kenne ich keine Angst, habe ich von Niemandem eine Gefährdung und Kürzung zu fürchten. (פחד die Angst vor drohender Gefahr, verwandt mit פחת, Grube, womit es auch häufig zusammen vorkommt, פחד ופחת Jes. 24, 17., Jerem. 48, 43., Klagel. 3, 47, und dem rabbinischen פחת, פחות: das Verkürzte, Wenigere, Geringere. Ebenso mit בעת, Schrecken).
HaSchem ist mein Licht und mein Heil Likkutej Moharan: Und weil Gott sein Licht ist, kann er viele Wege finden, aus der Dunkelheit und dem Exil zu entkommen, in denen er gefangen ist. Denn die Wahrheit ist, dass es viele Auswege gibt, wie unsere Weisen lehren (Menachot 29b): »Wer sich verunreinigen will, dem öffnen sie« – es gibt viele Öffnungen für ihn.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. בקרב וגו'. Durch Silbentheilung zwischen ב und קרב scheint das קרב, das Nahesein der Feinde, besonders hervorgehoben zu sein. Nicht nur wenn ich die Gefahr fürchtete, sondern wenn sie schon da war. Das צרי ואיבי לי scheint Paranthese zu sein. Mir erschienen sie als meine Feinde. Gott sah in ihnen nur die מרעים und ließ sie straucheln.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. אם תחנה וגו'. מחנה sonst gewöhnlich männlich, kommt auch 1. B. M. 38, 9 weiblich vor. Wenn dort das מחנה in seiner wirklichen Schwäche gedacht wird, so dürfte hier in der weiblichen Auffassung schon die Ohnmacht liegen, die ihm David's Schätzung zumißt. Selbst wenn nicht einzelne, wenn zu einem ganzen Kriegszug verbündete Feinde über mich kommen, kenne ich keine Furcht.
Kommentare (S. R. Hirsch, Guski)
V. 4. אחת וגו'. Ich suche nur Eins in meinem Leben mit allem meinem Streben, und Das können Feinde mir nicht rauben, können Gefahren und Leiden mir nicht schmälern und trüben. Dieses Eine ist: שבתי בבית ד'. שבתי וגו', לחזות וגו, ולבקר וגו' kann nicht ein concretes Weilen in dem concreten Gotteshause bedeuten. Selbst die Priester waren nicht immer im Tempel. Vielmehr bezeichnet es diejenige Lebensanschauung und heiligende Lebenserfüllung, durch welche eine jede Stätte zu einer Gottesstätte wird, in dem Sinne wie כי ד' אלדיך מתהלך בקרב מחנך והיה מחניך קדוש. Erreicht doch der concrete Tempelbau ausgesprochenermaßen nur darin seine Bestimmung, ועשו לי מקדש ושכנתי בתוכם, wenn durch die dort gelehrte Erkenntniß, Läuterung und Hingebung unser ganzes außerhalb des Tempels zu verwirklichendes Leben also geheiligt wird, daß Gottes Gegenwart nicht nur im Tempel zu suchen sei, sondern Gott überall unter uns gegenwärtig ist und uns überall begleitet. Siehe Pent. zu 2. B. M. 25, 8. Und Das ist's, was David hier als das von ihm gesuchte Ziel ausspricht. כל ימי חיי, nicht nur die wenigen Stunden, die ich im concreten Tempel verlebe, überall und zu jeder Zeit. Mein Ziel ist: mein ganzes Leben in Gottes Haus zu verleben, und dadurch שבתי, in den bewegtesten Momenten ruhig zu bleiben. לחזות וגו' נועם, ist das Ansprechende, Zusagende, Befriedigende, Anmuthige, Beglückende. Es ist schwer in einem Wort den entsprechenden Ausdruck zu geben. So heißen die von Gottes Weisheit gelehrten Lebenswege: דרכי נועם (Sprüche 3, 16). נועם ד' ist das beglückend Herrliche der von Gott bezweckten Gestaltung der menschlichen Verhältnisse auf Erden. Dieses נועם ד' hat seine Darstellung im דביר, in dem Allerheiligsten des Tempels, wo die von den, ihre Schwingen gleichzeitig zum Gesetzesschutz und zur Aufnahme der Gottesherrlichkeit über- und aufwärts breitenden Cherubim gedeckte Gesetzeslade zur Anschauung bringt, wie überall, wo Gottes Gesetz mit gediegen reiner Festigkeit und ewig fortschreitender Entwickelung verwirklicht wird, dort sich das ganze irdische Sein zur Trägerschaft des Göttlichen auf Erden gestaltet und die Gegenwart der Gottes-Herrlichkeit auf Erden gewinnt. (Siehe Pent. zu 2. B. M. K. 25, 10—22). — היכל ist der, Tisch, Leuchter und Räucheraltar umfassende Vorraum des דביר, die „MachtStätte," die veranschaulicht: ארך ימים בימינה בשמאלה עשר וכבוד, wie die im Allerheiligsten ruhende תורה unser Licht uns anzündet und unsern Tisch uns deckt, die geistigen und leiblichen Mittel zum ewigen Leben und zur irdischen Wohlfahrt uns gewährt und uns zugleich anweist, all unser Geistiges und Leibliches vereint zum göttlichen Wohlgefallen (מזבח הקטרת) auf Erden hinzugeben. (Siehe Pent. 2. B. M. zu K. 25, 23—40. 30, 1—10). (בקר bezeichnet das Streben, das Einzelne in seiner besondern Eigenthümlichkeit kennen zu lernen, die unterscheidende Erkenntniß (Siehe Pent. zu 3. B. M. 19, 20). Die im היכל gelehrte Aufgabe, unser ganzes leiblich-geistiges Sein und Wollen durch die תורה und für die תורה zu gewinnen und zu verwenden, führt sofort zum Schöpfen der Erkenntniß aller Einzelheiten dieser Lebensaufgabe aus dem Gesetze, dessen ganzen Inhalt sie bilden, sowie zur Würdigung aller Momente und Verhältnisse an dem Maßstabe dieser Erkenntniß, und diese Urtheilsgewinnung heißt hier: בקר. Vgl. Ps. 73, 7. David sagt also: Er habe nur ein einziges Ziel, die Gewinnung der Gottesgegenwart bei allen und in allen seinen Lebensmomenten, stets das Gesammtherrliche der Gestaltung aller irdischen Verhältnisse unter Gottes Leitung vor Augen zu haben, und den steten Fortschritt in Erkenntniß der Lebenswahrheiten aus dem in Gottes Gesetzesheiligthum gestifteten Weisheitsborn zu suchen. Es ist dies ein geistig sittliches Ziel, das unter allem Wechsel unverlierbar dasselbe bleibt, und ein inneres Lebensglück, das Menschenfeindschaft weder zu rauben noch zu trüben im Stande ist. In diesem innern sittlich geistigen Streben liegt der Quell der furchtlosen Zuversicht, welche die vorangehenden Verse zum Ausspruch gebracht.
Eines wünsche ich mir Midrasch Tehillim: Rabbi Abba bar Kahana sagte: Du siehst, dass David nur um eine Sache bat, während Schlomoh um zwei Dinge bat, wie es heißt (Sprüche 30,7-8): »Zwei Dinge bitte ich von Dir; verweigere sie mir nicht, bevor ich sterbe. Halte Falschheit und Lügen fern von mir; gib mir weder Armut noch Reichtum, sondern ernähre mich mit meinem zugeteilten Anteil.«
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. כי יצפנני וגו' ist eine Erläuterung des vorangehenden שבתי בבית ד' u. s. w. צפן ist überwiegend ein bewahrendes, erhaltendes Bergen, während ebenso überwiegend סתר und הסתיר ein dem Anblick entziehendes Verbergen bedeutet. סכה ist כתיב und קרי: סכו. Die gewöhnlichste סכה, die gewöhnlichste Hütte, die mich bergend aufnimmt, ist mir סכו, ist mir ein von Ihm mir bereiteter Schutz, ja ist mir Seine Hütte, Stätte Seiner Gegenwart, sie umfängt Seine Gegenwart wie mich, Er ist bei mir, ich bin bei Ihm geborgen. Vgl. Ps. 76, 3. יסתירני בסתר אהלו, Er macht mich unfindbar in der Verborgenheit Seines Zeltes. So wie er die seinem Tempelzelte anvertrauten Heiligthümer dem Blicke Ungeweihter zu entziehen weiß, und der Cherubimteppichschutz seines Zeltes jedem treuen Sohn dieses Heiligthums die begleitende Engelschutz-Umgebung verheißt — כי מלאכיו יצוה לך וגו' — so nimmt er auch mich mit auf in diesen jedem feindlichen Blick entzogenen Kreis und macht mich unfindbar für meine Verfolger, בצור ירוממני, ja, mein nur auf Gott gerichtetes Sein und Wollen erhebt mich so sehr, daß mich nichts feindlich Trübendes erreichen kann.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. ועתה וגו'. Selbst jetzt, wo ich von Feinden ringsumgeben bin, hebt sich mein Haupt hoch über sie empor und bin ich durch dieses mir nicht zu raubende Gottbewußtsein so siegesfroh, daß ich schon jetzt, mitten in den mich umgebenden Gefahren, als wären sie schon überstanden freudige Mahlopfer (זבחים) (Siehe Pent. 1. B. M. 46, 1.) tiefbewegter Gotteshuldigung (תרועה siehe Pent. 4. B. M. 23, 21) bringen, und begeisterte, Gott schauende Lieder singen könnte. תרועה und התרועע selbst kommt auch als Ausdruck laut jubelnder Freude, insbesondere auch Siegesfreude vor. So Ps. 60, 10. 65, 14. 108, 10. Hiob 8, 21 und sonst. Meine äußere Lage, wie gefährdet sie auch ist, bringt mir also keine Bekümmerniß, macht mir keine Sorge. Wenn ich dennoch ein ernstes Anliegen habe und mich flehend zu Gott wende, so betrifft dies eben nur dies mein inneres, durch meine sittliche Vollendung bedingtes Ziel zu gewinnender und stets zu bewahrender Gottesnähe. Diesem Ziel und dem einzigen Weg zu ihm gelten die folgenden Bitten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7. שמע ד' וגו'. Die Accentuation, die קולי אקרא eng verbindet, ist eigenthümlich. Es scheint eben den Gegensatz zu der Stimme ausdrücken zu sollen, die man nach gewöhnlicher Voraussetzung erwartet hätte. Man hätte eine um Rettung von äußerer Gefahr flehende Stimme erwartet. Die Stimme, in welcher David seinen Ruf zu Gott sendet, bittet um etwas Anderes.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 8. לך אמר וגו'. Wie: אמרי לי אחי הוא (1. B. M. 20, 13). Von dir, in deinem Namen, sagt mir mein Herz das Wort, das du gesprochen: suchet mein Angesicht! Es ist nicht Vermessenheit von mir, wenn ich deine Nähe, deine Gegenwart suche. Es ist dein Wille, dein Verlangen, daß Menschen „dein Angesicht suchen," daß sie auf den Wegen, die du sie gelehrt, dahin gelangen, sich deines überall und immer auf sie schauenden Blickes, deiner sie überall umgebenden Gegenwart froh und selig bewußt werden. Mit diesem Streben folgt mein Herz nur deinem Ruf.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 9. אל תסתר וגו'. Wie unzulänglich auch meine sittliche Errungenschaft noch ist, welche Mängel mir auch noch anhaften, entziehe mir darum doch deinen Blick nicht, weise mich, der ich mich deinem Dienste zu weihen bestrebt bin, nicht zürnend bei Seite. Das Wenige, das ich bereits bin, habe ich doch auch nur durch deinen Beistand errungen, lasse mich nicht aus der Hand, überlasse mich nicht mir selber, du Gott, dem allein ich alles wirkliche wahrhaftige Sein verdanke. נטש: Etwas fahren lassen, was man bis jetzt gehalten. So 2. B. M. 23, 11. Sam I. 17, 28. 10, 2 und sonst.
Kommentare (S. R. Hirsch, Guski)
V. 10. כי אבי וגו'. Denn wäre ich selbst so ungerathen, daß Vater und Mutter mich aufgegeben und mir selber überlassen hätten, Gott würde mich ja aufnehmen und würde noch an meine Besserung glauben.
Denn mein Vater und meine Mutter Ibn Ezra: …die der Grund für mein Dasein in dieser Welt waren – haben mich im Tod verlassen, aber Du hast mich stets aufgenommen.
haben mich verlassen Raschis Kommentar ist nicht sehr optimistisch: Während des Beischlafs beabsichtigen sie ihr eigenes Vergnügen. Sobald ihr Vergnügen vorbei ist, dreht dieser sein Gesicht in die eine und jene ihr Gesicht in die andere Richtung. Sforno: Nach meiner Jugend.
nimmt mich Haschem auf Raschi: Der Heilige, gepriesen sei Er, bewacht den Tropfen und formt den Fötus.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 11. הורני וגו'. דרך: der Weg der individuellen Sittlichkeit, ארח: der sociale Weg im Verkehr mit Menschen. Beides, die Sittenreinheit vor Gott und die Rechtschaffenheit mit Menschen, מצות שבין אדם למקום und die שבין אדם לחברו, sie gehören zusammen und lassen sich nicht klüften. Nur Der, den der gleiche Ernst und die gleiche Gewissenstreue in beiden Beziehungen zu einem ganzen Juden machen, darf zu Gott aufblicken, darf „Gottes Angesicht suchen." Darum lehre mich Beides und führe mich in dem Einen und dem Andern, lasse mich in Keinem irren und in Keinem straucheln. Es ist aber hinsichtlich דרכך, der מצות שבין אדם למקום, zunächst הורני, die Unterweisung, die Lehre hervorgehoben, und hinsichtlich ארח מישור, der מצות שבין אדם לחברו, נחני, die Führung, weil hinsichtlich jener schon die bloße Erkenntniß der besondern Belehrung bedarf, die Erkenntniß und das Verständniß Dessen, was zwischen Menschen und Menschen das Rechte und Gute ist, aber nahe liegt und es hier vorzugsweise des göttlichen Beistandes zum gewissenhaften Innehalten der von den Anforderungen des Rechts und der Billigkeit gezogenen Linien bedarf. Siehe Pent. zu 3. B. M. 18, 4. 5. למען שוררי, Siehe zu Ps. 5, 9. Laß es mir gelingen mich selbst vor dem leisesten Schein des Unrechts zu hüthen, schon um meiner Feinde willen, die so gern Makel an mir finden möchten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 12. אל תתנני וגו'. Gieb mich nicht hin in den Willen meiner Feinde, lasse mich nicht werden wie sie es wünschen, daß ich sei, ja wie sie verdächtigend und verleumdend behaupten, daß ich wäre: ויפח חמס, siehe zu Ps. 10, 5. Geradezu Lügen-Zeugen sind wider mich aufgetreten und Einer, der nicht geradezu und offen mich der Schlechtigkeit bezichtigt, sondern heuchlerisch und scheinheilig, nur leise und gleichsam hauchend andeutet, und damit nur um so mehr חמס übt und mich des guten Namens beraubt. חמס siehe Pent. zu 1. B. M. 6, 11.
Kommentare (S. R. Hirsch, Guski)
V. 13. לולא האמנתי וגו'. לולא: wenn nicht, wie לולא התמהמהנו 1. B. M. 43, 10. und sonst. Dem Accente nach und auch nach der gewöhnlichen Construction des לולא mit dem folgenden Zeitwort, würde auch hier es heißen: wenn ich nicht geglaubt hätte. Allein es fehlte dann hier ganz der Nachsatz. Man glaubt daher aus dem Vorangehenden den Gedanken ergänzen zu dürfen: „und meine Feinde würden mich niedergeworfen haben" wenn ich nicht daran fest gehalten hätte, die Güte Gottes einst im Lande des ewigen Lebens zu schauen, d. i. in der zukünftigen Welt, בארעא דחיי עלמא, wie es der תרגום übersetzt. Für eine solche Ergänzung findet sich jedoch im Text nicht die leiseste Andeutung, und ארץ חיים heißt schwerlich das Land des ewigen Lebens. Sämmtliche Stellen nämlich, in welcher ארץ חיים, und selbst, die in welchen ארץ החיים vorkommt, sprechen entschieden nicht von der Stätte des künftigen, jenseitigen ewigen Lebens, sondern von einer Stätte des diesseitigen irdischen Lebens oder der Lebenden, im Gegensatz zu der Stätte des Todes oder der Gestorbenen. Man vergleiche sämmtliche Stellen: ארץ חיים, Ps. 52, 7. Jes. 53, 8. Jerem. 11, 19. Ez. 26, 20. 32, 23—27 und 32. — ארץ החיים, Ps. 142, 6. Hiob 28, 13. Jes. 38, 11. — Einmal auch ארצות החיים, Ps. 116, 9. Wir glauben daher das לולא hinauf beziehen zu dürfen: wenn nicht, d. h. wenn dies nicht, wenn nicht עדי שקר ויפח חמס gegen mich aufgetreten wären, so hätte ich geglaubt, schon auf Erden, im diesseitigen irdischen Leben, und nicht erst nach meinem Tode die ungetrübte Güte Gottes zu schauen. Alle sonstigen Widerwärtigkeiten, die mich betreffen, wären nicht im Stande mir den Genuß der Seligkeit schon hier auf Erden zu trüben. Nur die Verläumdungen und Verdächtigungen, die man gegen mich wagt, die schmerzen mich tief, — (doch gemildert, daher die beschränkenden Punkte, siehe 5. B. M. 29, 28), — und gegen sie rufe ich den Beistand Gottes an.
Dass ich fast nicht mehr geglaubt Raschi: dann hätten sich diese falschen Zeugen schon längst gegen mich erhoben und mich vernichtet. Das Wort לולא ist mit Bedacht in diesem Sinne verwendet, wie unsere Weisen es lehrten (Berachot 4a): »Ich weiß, dass Du den Gerechten im kommenden Weltreich Lohn gibst, aber ich weiß nicht, ob ich selbst daran teilhaben werde oder nicht
Maimonides: Wie sehr sehnte sich David nach dem Leben in der kommenden Welt, wie es im Psalm 27,13 zum Ausdruck kommt: »Dass ich fast nicht mehr geglaubt, die Güte HaSchems zu schauen im Lande des Lebens!« Die Weisen vergangener Generationen haben uns bereits gelehrt, dass der Mensch nicht die Fähigkeit hat, das Gute der kommenden Welt in seiner vollen Bedeutung zu begreifen. Niemand kann dessen Größe, Schönheit und Kraft vollkommen erfassen, außer Gott allein. All das Gute, das die Propheten Israel in ihren Visionen verheißen haben, bezieht sich lediglich auf irdische Belange, die Israel im Zeitalter des Messias genießen wird, wenn die Herrschaft über die Welt an Israel zurückkehrt. Doch das Gute des Lebens in der kommenden Welt lässt sich weder vergleichen noch abbilden, und es wurde von den Propheten nicht beschrieben, damit es durch eine Beschreibung nicht an Größe verliert. Dies wird auch in der Aussage von Jeschajahu (64,3) angedeutet: »Kein Auge hat es je gesehen, außer Du, Gott, was Du für die bereithältst, die auf Dich warten« – das Gute, das kein Prophetensicht je erblickt hat und nur Gott allein bekannt ist, wurde von Ihm für jene erschaffen, die auf Ihn hoffen. Die Weisen erklärten: »Alle Propheten haben nur über das messianische Zeitalter geweissagt. Doch was das Leben in der kommenden Welt betrifft – Kein Auge hat es je gesehen, außer Du, Gott, allein.« (Mischne Torah, Hilchot Teschuwah 8,7)
Kommentare (S. R. Hirsch, Guski)
V. 14. קוה וגו'. Hoffe zu Gott hin, und wenn deine Hoffnung nicht in Erfüllung gegangen, so bleibe nichts destoweniger fest und schöpfe immer neuen Muth aus deinem Herzen und höre nicht auf zu hoffen. אם ראה אדם שהתפלל ולא נענה יחזור ויתפלל שנאמר קוה אל ד' חזק ויאמץ לבך וקוה אל ד'. —
Hoffe Malbim: Hoffnung auf andere kann das Herz krank machen, wenn sie lange unerfüllt bleibt, aber die Hoffnung auf den Heiligen verleiht Stärke und Mut im Herzen. Hoffnung auf andere hat kein Ziel in sich selbst, sondern zielt darauf ab, das Erwünschte zu erlangen, sodass das Ziel der Hoffnung darin besteht, dass man nicht mehr hoffen muss, da das Erwünschte erreicht ist. Aber die Hoffnung auf den Heiligen ist ein Ziel an sich. Das Ziel der Hoffnung ist, dass das Herz gestärkt wird, um erneut hoffen zu können. Deshalb heißt es: »Hoffe, sei stark, und hoffe auf Haschem.«