Tehillim 21 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 21. V. 1. In diesem dem vorigen sich eng anschließenden Psalm spricht David's Hochgefühl sich über Das aus, was Gott ihm für seine Gegenwart und seine Bestimmungszukunft geworden, und wie in der Thatsache, daß seine und seiner Bestimmung Gegner Gottes Feinde sind, seine Zuversicht ruht, und vor dem siegreichen Kommen des Gottesheiles alle diese Gegnerschaft schwindet.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. ד' בעזך וגו'. Nicht seiner Unüberwindlichkeit und Siegesgröße freut sich der jüdische König, sondern Gottes. Eine durch nichts zu trübende, durch nichts zu brechende, Allem widerstehende Kraft — das ist ja עז von עזז, die Kraft des עז, Harten, Allem Widerstehenden — verleiht ihm Gott, und durch sie gewinnt er שמחה: eine ihn nie verlassende untrübbare Heiterkeit, und wenn ihm Gott bei besonderen Ereignissen ישועה, zum Sieg verhelfenden Beistand verliehen, dann ist es das Bewußtsein dieses Gottesbeistandes, das seine Freude zu lautem Jubel steigert. יגיל, obgleich durch das Zurücktreten des Accents die Umwandlung des חירק גדול in סגול erfolgt ist, ist doch in der Schreibweise das quiescirende ' beibehalten um die Grundbedeutung und Verwandtschaft des גיל mit קול (Siehe K. 14, 7) nicht zu verwischen. Nicht das Gefühl des eigenen, sondern des Gottessieges wird in dem jüdischen Königs-Jubel laut.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. תאות לבו וגו' ist das allgemeine Sehnen, sind die allgemeinen Wünsche, die er im Herzen trug, ארשת, von ארש, verwandt mit ארש dem Ausdruck der persönlichen Aneignung (Siehe Pent. 2. B. M. 22, 15), ist ein specieller, persönlicher Wunsch, den er mit seiner Lippe zu äußern gewagt. Jenes gewährte ihm Gott, dieses versagte er nicht, wenn er es ja einmal gewagt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. כי תקדמנו וגו'. Ja, du bringst ihm Segnungen eines Glückes entgegen, an das er nie gedacht, bestimmst ihn zum königlichen Herrscher. תשית לראשו heißt nicht: du setzest ihm die Krone auf's Haupt, sondern: du bestimmst die Krone für sein Haupt, für ihn. So וישת לו עדרים 1. B. M. 30, 40. תשית לי חק (Hiob 14, 13). Vgl. Ps. 132, 11. אשית לכסא לך und das. 12 ישבו לכסא לך. Siehe oben Ps. 9, 5.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. חיים שאל וגו'. David's Bitte beschränkte sich auf חיים, daß es ihm vergönnt sein möge, ein איש ח' zu werden, seine Lebensaufgabe voll zu lösen, den mit seinem Dasein (היה) beabsichtigten Gottes-Gedanken (הגה) durch Steigerung in Leben (חיה) zu verwirklichen. Es ging dieser Wunsch nicht über das Maaß des einem individuellen reinen Menschenleben vorgesteckten Zieles hinaus. Das gab Gott ihm, aber er gab ihm mehr, er gab ihm eine Bestimmung, die weit über sein individuelles Hiersein in alle Zukunft und in das verhüllte (עולם), aber darum nicht weniger gewisse (ועד) Ziel aller Menschheitsentwickelung hinein reicht. (Siehe Einl. und Sam. II. 23, 5.)
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. גדול וגו'. הוד, verwandt mit אוד, Hebel, Kraftmittel, und עוד, Dauer: Die Daseins- und Kraft-Fülle, die persönliche Majestät. הדר, verwandt mit אדר, חדר, עדר, Umgebung: das äußere Machtgebiet, die Machtausdehnung. תשוה עליו. So auch שויתי עזר על גבור (Ps. 89, 20): Etwas nicht zufällig auf eine Unterlage setzen, sondern weil beide sich gegenseitig vollkommen entsprechen. Die Persönlichkeit entspricht der Bestimmung die sie tragen soll, und die Bestimmung entspricht der Persönlichkeit, die zu ihrem Träger erwählt worden. Sie sind einander: שוה. In dieser gegenseitigen Geeignetheit liegt die Gewähr für die Dauer und die Zweckerfüllung der Verbindung.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7. כי תשיתהו וגו'. Für die Abraham gewordene Verheißung: ונברכו בך כל משפחות האדמה ward David durch die der ganzen Menschheit zum geistigen Segen gewordene und noch fortdauernde Wirkung seiner Psalmen ein sehr wesentliches Werkzeug, und an die einstige Wirksamkeit des aus seinen Nachkommen zu erwartenden „Isais Sprosses" (Jesaias 11, 1) knüpft sich alle Heileshoffnung der Zukunft. תחדהו בשמחה את פניך. חדה (siehe Pent. 2. B. M. 18, 9): das äußere Sichtbarwerden der Freude. פני ד' sind die „Hinblicke Gottes," die Ziele seiner Waltungen (Siehe Pent. 4. B. M. 6, 25). Ein ahnender Einblick in diese Gottes-Ziele läßt Davids ganzes Wesen in Freude glänzen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 8. כי וגו'. Denn als König, d. h. in Erfüllung seines königlichen Berufes und für die Erreichung seiner königlichen Bestimmung vertraut er auf Gott, und es ist die ihm zugewandte Liebe des alle Gewalten und Mächte überragenden „Höchsten," die ihn nicht wanken läßt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 9. תמצא וגו'. יד: die züchtigend und zügelnd einschreitende Gotteshand (Siehe Pent. 2. B. M. S. 167) reicht aus für Alles, was sich den göttlichen Zielen offen widersetzt, wie ומצא להם (4. B. M. 11, 22). ימינך. Das positive Heil, das Gottes Rechte herbeiführt (siehe oben Ps. 20, 7), das überwindet Diejenigen, die dem Guten, dem Gottesheil, im Herzen Haß und Groll zuwenden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 10. תשיתמו וגו'. Wie 1. B. M. 15, 16 die egyptische Leidenszeit als תנור עשן erscheint, so heißt es auch (Jes. 31, 9), daß Gott אור und תנור in Jerusalem hat, an welchem sich die assyrische Macht verbrennt, und überhaupt durch welche das von Gott dem Untergange Bestimmte zu Grunde geht, und (Maleachi 3, 19) glüht die kommende Zeit wie ein Ofen zur Zerstörung des Schlechten היום הבא בער כתנור וגו'. Hier heißt es nun auch: Gott gebraucht die Schlechten, die אויבי ושונאי ד', תנור אש, als Werkzeug läuternder und vernichtender Leiden zu Zeiten seines Zürnens (Vgl. Ps. 17, 4. 14). Wenn aber die Leidenszeit vorüber und Gott dann als ד' die neue Zukunft des Heils herbeiführt, in dessen Dienst selbst die Ausschreitungen des Schlechten läuternd und aufräumend gewirkt, dann wendet sich schließlich Gottes Zürnen gegen sie selbst, und das Feuer, der חרון אף ד', dem sie als תנור zum Gefäß gedient, verzehrt zuletzt sie selbst.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 11. פרימו וגו'. Ihre Frucht, d. h. Das, was sie mit ihren pflichtwidrigen Handlungen zu erreichen und zu begründen beabsichtigt haben, läßt Gott auf Erden keinen Bestand finden, und זרעם, die in Gesinnung und Handlungsweise für die Fortsetzung ihres Werkes erzeugten und erzogenen Kinder keine Zukunft im Menschenkreise haben.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 12. כי נטו עליך וגו'. נטה על- drückt die Absicht aus, ein Verhängniß über Jemanden herbeizuführen. So: שלוש אני נוטה עליך (Chron. I. 21, 10), נטו עליך רעה, Vgl. ממך יצא חושב על ד' רעה יעץ בליעל (Nahum 1, 11). Die אויבי ד' dachten es mit Gott aufnehmen, sein Werk zerstören, seine Absicht vereiteln zu können.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 13. כי תשיתמו שכם. Für die Bedeutung שכם in diesem Zusammenhange findet sich keine Analogie. Wir glauben, daß der Bogen beim Schießen nach einem Ziele auf der Schulter ruht, die daher שכם: den Schulterpunkt d. i. das Ziel bedeuten dürfte.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 14. רומה וגו'. Nicht unsere Menschen-Macht und Größe, Gottes Allmacht wollen wir in den Ereignissen denkend schauen und aussprechen, d. i. שיר: das Lied, und der Ausdruck dieser Gedanken soll von dem Ausdruck unserer Empfindungen und Gefühle getragen sein, d. i. זמרה: die Melodie.