Tehillim 18 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 18. V. 1. Es ist dieser Psalm eine שירה, ein Gott in den Ereignissen schauender Gesang (Siehe Pent. 2. B. M. 15, 1), und zwar ist es David, der die Gottesoffenbarungen besingt, wie sie in der Geschichte seines Lebens hervortreten in dem ganzen prüfungsvollen Wege, der ihn vom schwerverfolgten Einzelnen bis zum sieggekrönten Führer seines Volkes und Träger der Zukunft desselben geführt, und durch diese Erfahrungen zum Gottes-Sänger für die Menschheit aller Zeiten befähigt. Dieser Psalm ist bereits in dem historischen Buche Sam. II. K. 22 als zur Geschichte Davids gehörig niedergelegt und hat bei seiner Uebergabe an die Nation als Nationalgesang einige dem entsprechende Aenderungen von David's Hand erhalten.
לעבד ד' ist ein solcher Zusatz. Erst später, als David auf ein ganzes wirkungsreiches Leben zurückblicken konnte, in welchem eben seine Gesänge, die er als für Gott in alle Zukunft wirkenden Geistesschatz seiner Nation übergab, als die bedeutendste Frucht seiner Lebensarbeit hervorleuchten, wagte er sich עבד ד' zu nennen.
מכף כל אויביו ומיד שאול, כף: die gebogene, fassende Hand, יד: die gestreckte bewegende Hand, seine Feinde boten sich Saul zum Werkzeug aller Unternehmungen gegen ihn. Seine Feinde faßten ihn auf Sauls Machtgebot.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. ויאמר וגו'. ארחמך, es ist dies der einzige Fall, daß רחם im Kal vorkommt. Wie רחם (von רחם: der Mutterschooß) die Bethätigung der Liebe bedeutet, die der Erzeuger dem Erzeugten zuwendet, weil es sein Kind ist, so dürfte רחם im Kal die Liebe des Erzeugten zum Erzeuger ausdrücken, die Liebe des Kindes zum Vater, in welchem es die Quelle seines Daseins erkennt. In diesem ersten an die Spitze dieser שירה gestellten Satze, drängt David alle Gedanken und Gefühle, die der Rückblick auf sein vergangenes Leben in ihm hervorruft, in das Eine zusammen: ארחמך ד' חזקי, Gott ist die Quelle alles Dessen, was ich bin, und ihm verdanke ich, daß ich noch bin, daß ich alles Das glücklich bestanden, was ich durchzumachen hatte; er ist mein Vater und meine Kraft, die sich in der ungebeugten Ausdauer, חזקי, meiner Festigkeit bewährt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. ד' סלעי וגו' spricht nun die verschiedenen Weisen aus, in welchen sich Gottes Liebe ihm in dem Leben bewährt hat, auf das er zurück schaut. Es ist Dies dreitheilig: a. סלעי ומצודתי ומפלטי, dann b. אלי צורי אחסה בו, endlich c. מגני וקרן ישעי משגבי. a. schützend und rettend, b. begabend und bildend, c. zur siegreichen Höhe seines öffentlichen Lebensberufes geleitend. Gott hat Alles von ihm abgewendet, was ihn zu verderben gedroht, bald, indem er ihn über alles Niedrige eine solche Höhe ersteigen ließ, daß ihn das Gemeine, das Feindliche aus der Tiefe nicht erreichen konnte, er war ihm סלעו, eine Felsenhöhe; oder, indem er ihn wohlthuend beschränkte und umschränkte, ihn zum Nichtvorgehen gegen das ihn drohende Feindliche nöthigte und dessen Vorhaben vereitelte, er war ihm מצודה, eine ihn einschließende Burg; oder, er ließ ihn von der Gefahr ergriffen werden, aber aus derselben glücklich entkommen, er war ihm מפלט. פליט 1. B. M. 14, 13 ist der aus der Gefahr Entkommene, der Flüchtling. Daher פלט Jemanden aus der Gefahr entkommen lassen, retten. Daher auch von der Geburt: תפלט פרתו ולא תשכל (Hiob 21, 10). Gott hat ihn immer mehr leiblich, geistig und sittlich für die Lösung der Lebensaufgaben befähigt und gebildet, er hat sich ihm als אל bewährt, als Den, von dem alle Kraft und Fähigkeit und Bewegung ausgeht und zugleich als צור, als das absolut Bestimmende für alles Sein und Wollen (siehe Pent. zu 5. B. M. 32, 4) bewährt. Er war ihm אלי צורי, er verlieh ihm Kraft und Fähigkeit und war ihm zugleich das unveränderliche Maßgebende für alles Sein und Vollbringen mit dem Verliehenen אחסה בו, auf den ich mit Zuversicht bei allem Sein und Vollbringen, für alles Sein und Vollbringen hinaufschauen konnte und hinschaute. Gott hat ihm Schutz und Beistand und Förderung angedeihen lassen bei Allem, was er auf der Höhe seines Lebensberufes für das Gesammtheil seines Volkes zu vollbringen hatte. Er war ihm מגן, Schild in seinen Vertheidigungskämpfen für sein Volk, und קרן ישעי, das Siegeshorn, das ihm zum Sieg in diesen Kämpfen verhalf, war ihm: משגב, ließ ihn eine die Andern überragende Höhe erreichen (Siehe Pent. 1. B. M. S. 690).
Diese drei Weisen, in welchen sich Gottes Waltungen an ihm in seinem Leben offenbart, werden nun im Einzelnen geschildert. V. 4—20 zeigen Gott rettend, entsprechend dem סלעי ומצודתי ומפלטי; V. 21—36 bildend, entsprechend dem אלי צורי אחסה בו; V. 36—49 siegverleihend in den Kämpfen für sein Volk, entsprechend dem מגני וקרן ישעי משגבי.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. מהלל וגו'. Bei dem Antritte der ernsten Gänge seines Lebens hatte er nicht erst Thatoffenbarungen Gottes zu erwarten; in der ganzen nationalen Vergangenheit seines Volkes leuchteten bereits die Thatoffenbarungen Gottes in allen Ereignissen; alle die geschichtlichen Ereignisse seines Volkes waren ja nichts als Gottesstrahlen, תהלות, die Gottes Walten und Gott in seinem Walten und durch sein Walten verkündeten (Siehe Pent. 2. B. M. 15, 11). An diesen תהלות der jüdischen Ueberlieferungen hatte sich Davids Geist genährt, sie hatten bereits, als er seine Geschichte antrat, sein Gemüth mit den Gottesanschauungen erfüllt. Wie er dort Gott erkannt, so vergegenwärtigte er sich Ihn in der Stunde der eigenen Gefahr, rief Ihn für seine Gegenwart wie Er ihm in den Thatoffenbarungen seiner Volksgeschichte dastand, מהלל אקרא ד', und damit war ihm Hilfe von allem Feindlichen gesichert. Wie sich Gott den Vätern rettend bewährt, so erwartete auch er Ihn als Retter und fand sich nicht getäuscht.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. אפפוני, אפף auf Etwas mit starkem Verlangen zudringen (Siehe Pent. 2. B. M. S. 168). חבלי (unterschieden von חבלי Stricke, Bande): Schmerzen, Wehen. נחלי בליעל, בליעל, Nichtswürdigkeit (Siehe Pent 5. B. M. 13, 14.) נחלי, vgl. נחלה עבר על נפשנו (Ps. 124, 4,) wie denn überhaupt tobendes, verheerendes Gewässer ein gewöhnliches Bild für leidenschaftlich bewegte, Verderben drohende Bestrebungen feindlicher Gewalten ist. חבלי מות sind gefahrdrohende physische Leiden, נחלי בליעל von nichtswürdigen Menschen drohende Gefahren. Vergleiche den folgenden Vers.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. חבלי וגו'. חבלי שאול: physische tödtliche Leiden, מוקשי מות: von Menschen gelegte todbringende Schlingen. קדמוני: sie waren für mich bereit, vgl. מדוע קדמוני ברכים (Hiob 3, 11). V. 6 ist eine Steigerung von V. 5. V. 5 אפפוני, יבעתוני, war physisches und sociales Verderben noch erst in drohendem Anzuge, V. 6: סבבוני, קדמוני, war er schon fast in der Gewalt des Verderbens.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7. בצר, בצר לי: in solcher Noth, אקרא ד': rufe ich Gott an, den zur neuen Lebens- und Heilesspende ewig Bereiten, ואל אלדי אשוע, da flehe ich nicht zu einem Gott, dessen Blick nur auf das große Ganze, das Allgemeine gerichtet ist, sondern von dem ich es weiß, daß ich ihn „meinen Gott“ nennen darf, daß er ebenso Lenker meiner Geschicke ist, wie ich ihn Leiter meiner Thaten sein lasse, und daß ich ihn daher anrufen könne, sich mir zuzuwenden (שוע, siehe Pent. 2. B. M. 2, 23). ישמע מהיכלו קולי, von der Machtstätte seines Gesetzesheiligthums aus hört er meine Stimme, es ist meine Beziehung zu seinem Gesetze, dessen Macht ich huldige, wie diese Anforderung in seinem היכל ausgesprochen ist, die meiner Stimme Gehör bei ihm bringt. Es ist ja der היכל, das קדש vor dem קדש הקדשים, wo dem dort ruhenden Gottesgesetze alle unsere geistigen und leiblichen Vermögen bereit gestellt sind und die Anforderung sich ausspricht, unser geistigleibliches Sein und Wollen vereint ganz in das göttliche Wohlgefallen aufgehen zu lassen, מזבח הקטרת, שולחן, מנורה (Siehe Pent. 2. B. M. 25, 23 f. 30, 1 f.). ושועתי, לפניו תבא, באזניו: bei meinem Flehen ist Gott mir gegenwärtig, wo ich mich auch befinde, da fühle ich mich in Gottes Gegenwart, und ich suche und finde Erhörung vor ihm aus seinem היכל.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 8. ותגעש וגו'. V. 8—16 folgt die Schilderung einer Erderschütterung und eines sich über die Erde entladenden Unwetters als Folge göttlichen Unwillens. Ueber den Ereignissen schwebt unsichtbar, jedoch für den Denkenden erkennbar, Gott als Lenker und Leiter, und was im scheinbaren Gewirre der Erscheinungen Verderben bringt, ist von seiner Lenkung auf bestimmte Ziele geleitet. Die Schilderung trüber erschütternder Ereignisse in der socialen Menschengeschichte unter dem Bilde von Vorgängen in der physischen Welt ist dem heiligen Schriftthum, insbesondere auch den Psalmen nicht fremd. So oben Ps. 11, 6. ימטר על רשעים פחים. 40, 3. ויעלני מבור שאון וגו'. 42, 8. תהום אל תהום קורא וגו' כל משבריך וגליך עלי עברו. 46, 3. על כן לא נירא בהמיר ארץ וגו' ירעשו הרים בגאותו סלה. 50, 3. יבא אלדינו ואל יחרש אש לפניו תאכל וסביביו נשערה מאוד. 60, 4. הרעשת ארץ פצמתה וגו'. 65, 8. משביח שאון ימים וגו' והמון לאומים. 69, 2 f. באו מים עד נפש, טבעתי ביון מצולה וגו' הצילני מטיט ואל אטבעה אנצלה משנאי וממעמקי מים, אל תשטפני וגו'. 88, 7. שתני בבור תחתיות וגו' וכל משבריך וגו'. 93, 3. נשאו נהרות וגו'. 97, 2—5. ענן וערפל סביביו וגו'. 99, 1. ישב כרובים תנוט הארץ. 124, 4. אזי המים שטפונו וגו'. 144, 4. ד' הט שמיך וגו' ברוק וגו' שלח ידיך וגו'. Auch hier ist es die Gottoffenbarung in menschengeschichtlichen Vorgängen, die unter dem Bilde seiner Offenbarung in verheerenden Vorgängen in der Natur geschildert wird. Ja es scheint als ob ihr Gegenstand nicht speciell die Vorgänge aus Davids Leidensgeschichte bilden, sondern allgemein darauf hingewiesen wird, wie, wo immer große erschütternde Weltereignisse die Menschenwelt in Bewegung setzen, da Gott die bewegende Ursache ist und die Ereignisse von ihm geleitet sich vollziehen, wie dies ja die ganze jüdische Vergangenheit, in welcher Gott מהולל ist (V. 4.), David bereits bekundet hatte.
V. 8. 9. ותגעש וגו'. געש kommt hier und wiederholt in Jeremias als heftige Bewegung vor. Es scheint in Lautverwandtschaft mit כעס zu stehen und wie Dies eine heftige innere so געש eine heftige äußere Bewegung zu bezeichnen. ויתגעשו: Erde und Berge, weil aber die erschütternde Kraft nicht sichtbar war, so erschien es als ob sie sich selbst bewegten, daher der Hithpael. Also: Wann immer die Welt in stürmischer Erschütterung erschien und selbst als hoch und fest dastehende irdische Größen in ihren Gründen erbebten, so war es immer Gottes Wille, seine Unzufriedenheit mit dem Verhalten der Menschen, worin die Ursache der Erschütterung lag. עשן und אש, der Verderben kündende Dampf und das Verderben wirkende Feuer, wovon die Welt erfüllt war, war die Ankündigung seines Zornes und die Wirkung einer von seinem Munde ergangenen Entscheidung. גחלים alles in Kohlen Verwandelte, worin das Feuer noch mit seiner verzehrenden Kraft fortglüht, also alles vom Verderben Ergriffene ist Ihm, dem Feuer seines Verhängnisses erlegen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 10. 11. ויט וגו'. Gott war in die irdischen Verhältnisse eingeschritten, וערפל וגו' aber die Menschen sahen ihn nicht. וירכב וגו'. Die Ereignisse waren der Cherub, auf welchem er in die irdischen Verhältnisse einzog, und seine Gegenwart schwebte auf den Fittigen des durch die Welt ziehenden bewegenden Hauchs. כרוב (siehe Pent. 1. B. M. 3, 24. 2. B. M. 25, 17). דאה von dem Herbeifliegen des Adlers כאשר ידאה הנשר 5. B. M. 28, 49.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 12. 13. ישת חשך וגו'. Die Ereignisse treten in solcher Wucht auf, daß die Menschen betäubt nur diese Wucht fühlen ohne Dessen zu denken, der das Verhängniß sendet, und gerade Das, worin die Gegenwart Gottes sich am greifbarsten bemerkbar machen sollte, das Ereigniß, hinter dem Er gleichsam am unmittelbarsten steht, סביבותיו, wird סכתו, verschleiert ihn dem Blick der Menschen. Wie sie über das Geschöpf des Schöpfers vergessen, bleibt ihr Blick und ihr Gedanke an dem Uebermächtigen der Ereignisse hangen und erhebt sich nicht zu Dem, dessen Wirkungen sie sind. חשכת מים וגו'. Die dunkeln Gewitterwolken tragen das segenreichste, befruchtende Element in sich: so sind die trübsten, schwersten, angstvollsten Ereignisse heilbringend in ihren Folgen, und der sonnige Frühlingstag wird in dunkelster Gewitterstunde geboren. מנגה נגדו. Wie dunkles Gewölk die Sonne verhüllt, der kundige Blick aber sie doch hinter einem lichteren Punkt auffindet: so bleibt mitten im Dunkel der Zeiten für den Gott denkenden Menschen ein Lichtpunkt, der ihm die Gottes-Nähe und Gegenwart verkündet. עביו עברו ברד וגחלי אש, zuerst entladet sich das Gewölk zerstörender Schickungen. Hagel und Feuerkohlen fahren durch das Gewölk, oder: Wolken lösen sich auf in Hagel und Feuerkohlen. Das erste ist wahrscheinlicher, da erst noch Donner und Blitz folgen, welches die Anwesenheit der Wolken noch voraussetzt. Erwägt man jedoch, daß im folgenden Vers nochmals ברד וגחלי אש vorkommen, und erst dort von diesem Niederschlag die Rede zu sein scheint, so dürfte man vielleicht einer andern Auffassung des עביו עברו Raum geben. Hiob 21, 10 kommt die Wurzel עבר in der Bedeutung: Schwangersein vor, einer Bedeutung, die im Rabbinischen sehr gewöhnlich ist. שורו עבר ולא יגעיל d. i. sein Stier macht trächtig und erzeugt keine Fehlgeburt. Diese Bedeutung liegt wohl in dem Begriff עבר, über etwas hinausgehen, wovon עבר das über den Körper Hinausgehende, die Außenseite, die äußere Fläche כתובים משני עבריהם (2. B. M. 32, 15). Daher ja auch עברה, eigentlich: das Außer-sich-werden, eine heftige Erregung, die hinaus drängt, die sich nicht im Innern zurückhalten läßt. עיבור daher: die Schwangerschaft, einen nach Außen drängenden für das Hinaustreten bestimmten Körper in sich tragen. So ja auch עיבורה של עיר: das noch zur Stadt zu rechnende Gebiet, mit welchem eigentlich die Stadt über sich selbst hinausschreitet. Nicht unmöglich wäre es daher, daß עביו עברו heiße: seine Wolken sind mit Hagel und Feuerkohlen schwanger. Vielleicht: sie sind in Hagel und Feuerkohlen übergegangen, sie haben sie in sich erzeugt und tragen sie in sich bis zur Entladung. Zusammen: in der tiefsten, dem gewöhnlichen Blick Gott verhüllenden Dunkelheit der Zeiten bleibt für den Denkenden Gott erkennbar gegenwärtig, und das Dunkle sind „seine“ Zerstörung drohenden Wolken. Es ist zweifelhaft, was unter גחלי אש zu verstehen sei. Es scheint, daß damit „glühende Schlacken“ nach Art der Meteorsteine bezeichnet seien.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 14. וירעם וגו'. Es war die, eine neue verjüngte Zukunft verkündende „Liebe“ und Herrschafts-„Hoheit“ Gottes, die in den erschütternden Vorgängen sich kund gab.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 15. וישלח וגו'. Die Pfeile und Blitze scheinen „umhergestreut“ und „regellos“ zu fliegen, und sie sind doch mit bestimmtem Ziele gesandt und geschossen von ihm. רב von רבב, das in רבים (Jerem. 50, 29) und רביו (Hiob 16, 13) von Pfeilschützen vorkommt. Vielleicht ja auch davon וימררהו ורבו (1. B. M. 42, 23) nach der פעול-Form, wie רמו מעט (Hiob 24, 24).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 16. ויראו וגו'. Bei solchen die irdischen Verhältnisse erschütternden Ereignissen zeigt es sich, bei Wem die segnenden und verderbenden Strömungen beruhen, und was die eigentlichen Stützen der Menschenwelt sind, es zeigt sich Dies, wenn Gottes, die bessere Zukunft wollende Liebe dem Bestehenden droht, und der Gotteshauch zürnend durch die Erdwelt schreitet —
אפיק, von אפק zurückhalten, Behälter, Born, in welchem das Wasser seine Urstätte hat. V. 17. ישלח וגו', solche, wie V. 8—16 geschildert, erschütternde Ereignisse waren es, aus welchen heraus V. 7. David zu Gott rief, und er rief nicht vergebens. Er sendet (seine Waltungen) aus der Höhe zc.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 18. יצילני וגו', מאיבי עז, soviel als אשר עז.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 19. יקדמוני וגו'. Siehe zu V. 6. אד: der zur Wolkenbildung von der Erde aufsteigende Wasserdunst (1. B. M. 2, 6 verwandt mit der Bedeutung der Wurzel אוד als Vermittelung, siehe Pent. 1 B. M. S. 6) wird als איד eine häufige Bezeichnung eines getrübten Geschickes, aus welchem alle lichtige Helle des Glückes geschwunden ist. So כי קרוב יום אידם (5. B. M. 32, 35 und sonst). Sehr gedankenvoll dürfte diese Bezeichnung des Unglücks durch איד sein. Wie sich über die Erde nur das entladet, was von ihr aufgestiegen ist, so ist das durch איד bezeichnete Unglück nur die aus unserer eigenen Schuld über uns aufsteigende Gewitterwolke. Hier heißt es nun: sie waren immer am Tage, da Gott über mich Unglück verhängen wollte, zum Werkzeuge bereit. Vgl. K. 17, 13. 14.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 20. ויוצאני למרחב: er führte mich hinaus aus der Enge in die Weite, d. i. räumte die äußern beschränkenden Hindernisse aus meinem Lebensweg. יחלצני, חלץ nach seiner Grundbedeutung: aus Banden befreien, daher ja auch rüstig machen, und חלוץ gerüstet, rüstig, bezeichnet wohl ויוצאני למרחב zur Seite die persönliche Befreiung von Allem, was Kraft, Rüstigkeit und Leben beeinträchtigt, ähnlich wie חלצת נפשי ממות (Ps. 116, 8). Mit den beiden Sätzen ויוצאני וגו', יחלצני ist der erste Grundgedanke dieser שירה, wie sich Gott ihm als Schützer und Retter erwiesen (siehe zu V. 3) geschlossen, und zwar ist damit dieser Gedanke, wie V. 5 eingeleitet, nach seinen beiden Seiten ausgesprochen: Rettung aus den das sociale, und Rettung aus den, das physische Leben bedrohenden Gefahren, ויוצאני und יחלצני.
כי חפץ בי, חפץ ist das verstärkte חפש, suchen. Es bezeichnet ein nachdrückliches Streben nach Etwas. חפץ בו: sein Streben in Etwas finden, hier: er fand in mir einen für seine Zwecke Geeigneten. Hiermit leitet der Gedanke zu dem zweiten Theil über, in welchem David Gott als Denjenigen ausspricht, der ihn für die Erfüllung der ihm zugedachten Aufgabe tüchtig gemacht.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 21. יגמלני וגו'. גמל. Siehe zu Ps. 13, 6. Gott ließ mir aus meinen Handlungen immer die Frucht reifen, die dem Maße meiner Pflichttreue entsprach, je nachdem ich dem צדק-Ideale gemäß mich verhielt. בר von ברר reinigen, läutern, die Lauterkeit.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 22. כי שמרתי וגו': mein Augenmerk war auf die von Gott uns gezeichneten Wege gerichtet, und nicht in absichtlicher Gesetzlosigkeit entfernte ich mich von Gott, mein Streben war, meiner Pflicht gerecht zu werden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 23. כי כל וגו', seine unser sociales Verhalten regelnden משפטים hielt ich mir gegenwärtig, und seine unser individuelles sittliches Leben umschränkenden חיקות wies ich nicht als Verkümmerung unserer irdischen Freuden von mir, ließ sie vielmehr als meine steten Mentoren nie von mir weichen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 24. ואהי תמים וגו' ואשתמר וגו'. Es gelang mir jedoch nur, mich vor Sünden zu hüten, indem ich mich mit meinem ganzen Wesen an Gott hielt, keine Seite meines geistigen und sittlichen Wesens außer Verbindung mit Gott setzte, in Allem und mit Allem Gottes Nähe suchte; so blieb mir Gott immer nahe und half mir, Herr meiner Sünde zu werden. מעוני: die Sünde die mir nach meinen Anlagen am schwersten zu besiegen gewesen wäre. Jeder Mensch hat nach seiner Eigenartigkeit besondere Versuchungen zu bestehen. Das sittliche Verhalten, das dem Einen schwer fällt, wird dem Andern leicht und umgekehrt, daher מעוני, nicht מעון.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 25, וישב וגו'. Obgleich das Maaß meiner Pflichttreue nicht mein Verdienst war, ich dasselbe nur durch Gottes Beistand erreichte, so lohnte mir Gott doch als ob es mein Verdienst gewesen wäre.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 26. 27. עם חסיד וגו'. חסיד, תמים, נבר: drei Charakterstufen, חסיד: die vollendete positive, die völlig selbstlose Hingebung in den Dienst Gottes für das Heil seiner Welt; תמים: die vollendete negative, die Unterstellung seines ganzen Wesens unter die Herrschaft des göttlichen Gesetzes. נבר ist der noch in Vollendung Begriffene. Er ist noch nicht בר lauter, aber er arbeitet noch fortwährend an seiner Läuterung. Es ist Nifal von ברר, wie הברו נושאי כלי ד' (Jes. 52, 11). Es heißt nun עם חסיד תתחסד u. s. w. Gott zeigt sich in seiner Waltung immer dem Charakter des von ihr betroffenen Menschen entsprechend. Dem in selbstloser Liebe seinem Dienst Geweihten, dem חסיד, zeigt sich Gott in seiner spendendsten, hingebendsten Liebe; wird ja vom חסיד jedes חסר von Gott wieder in חסד, in Liebesförderung des Weltenheils verwendet (Vgl. Ps. 4, 4). Nur der תמים begreift Gottes Waltung, wie תמים פעלו. Nur wer all sein Sein und Wollen dem Gebote des göttlichen Gesetzes unterstellt, wer sich selbst Wünsche und Begehren um des höhern Zweckes seiner von Gott gewiesenen sittlichen Bestimmung willen mit heiterm Muthe zu versagen weiß, weiß die göttliche Liebe auch da zu würdigen, wo sie sich im Versagen und Nehmen bekundet. Es steht aber hier die seltene Form גבר תמים, nicht גבור und nicht גבר (Heidenheim hat גבר. Für die Lesart der meisten übrigen Ausgaben: גבר scheint die מסורה zu sprechen, die bemerkt, daß das Wort dreimal vorkommt, hier und Daniel 2, 25. 5, 11; es dürften daher wohl alle drei gleiche Punktation haben). גבר ist eigentlich die chaldäische Form. Hebräisch erscheint sie gekürzt. Erwägen wir daß der תמים-Charakter eben derjenige ist, den David V. 24 von sich prädicirt, so dürfte ihn wohl Bescheidenheit zur Kürzung dieses Ausdrucks veranlaßt haben; nicht גבור תמים, wie es ursprünglich Sam. II. 22, 26 lautete, nicht einmal גבר תמים, sondern גבר תמים, gleichsam nur dem תמיםKreise angehörig. עם נבר תתברר. Dem an seiner Läuterung Arbeitenden, sich seiner noch anhaftenden Mängel Bewußten, wird deine erziehende und bessernde Leitung immer klarer, und je lauterer er wird, je heller leuchtet ihm, je klarer wird ihm deine väterliche Waltung. Vgl. ברה כחמה (Hohel 6, 10) ועם עקש תתפתל (Siehe Pent. 5. B. M. 32, 5). Dem in seiner Krümme Verharrenden, nimmer sich Bessernden, zeigt sich deine Waltung in stetem Ringkampf, deine Waltung läßt ihn nicht fahren, bis er endlich überwunden wird
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 28. כי אתה. Die in V. 26, 27 ausgesprochene Charakteristik der verschiedenen Weisen, in welchen die göttliche Waltung dem Menschen erscheint, hatte David aus eigener Erfahrung geschöpft. Gott hatte ihm in solchen Weisen seine Waltung zugewandt. Hier folgt nun der Grund, weßhalb ihm Gott in solcher Weise seine besondere Erziehung angedeihen ließ. כי אתה עם וגו'. Israel lag machtlos zu Boden, da wollte Gott in mir einen Retter und siegreichen Vertreter seines Volkes heranbilden, und ועינים רמות וגו' und zugleich durch die Prüfungsschulen, die er mich durchmachen ließ, mich vor Hochmuth schützen, daß ich nicht durch das von mir für Israel Vollbrachte übermüthig würde. Dieser doppelte Zweck ist der Schlüssel zu David's Geschichte.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 29. כי אתה תאיר וגו'. Man kann zweifelhaft sein ob Licht hier in der Bedeutung geistiger Erleuchtung, oder heitern Glücks zu verstehen sei. Stellen wie ערכתי נר למשיחי (Ps. 132, 17), נר רשעים ידעך (Prov. 13, 9, 24, 20), ונרו עליו ידעך (Hiob 18, 6) und sonst, wo das נר eines Menschen sein Glück bedeutet, sprechen auch hier für eine solche Auffassung: Wenn mir mein Glück leuchtete, so war Gott es, der ihm das Licht verlieh, und das Bewußtsein, daß ד' אלדי, daß derselbe alliebende Gott auch der mich durch Leiden erziehende ist, machte mir auch meine dunkeln Leidensstunden helle.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 30. כי בך וגו'. Der Muth, mit dem ich Feinden entgegeneilte, so wie die Kraft, mit welcher ich Schwierigkeiten überwand, stammten mir nur von Dir.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 31. האל וגו', האל: Gott, wie ihn mir seine Waltung bekundet hat, תמים דרכו, ein einheitliches Ganze bildet sein Verhalten gegen den Menschen. Es ist immer unveränderlich dasselbe, immer liegt ihm derselbe Grund unter und hat es denselben Zweck. Nur die Verschiedenheit des Menschenverhaltens und die daraus hervorgehende Verschiedenheit der Erziehungsbedürftigkeit und Fähigkeit giebt der einheitlichen Gotteswaltung die Mannigfaltigkeit in der Erscheinung. אמרת ד' צרופה, wie bereits bemerkt, ist אמרת ד' vorzugsweise der Verhängniß bestimmende Gottesspruch. צרופה nach der Auffassung der Weisen (Joma 72 b. Thanchuma שמיני פ' זאת החיה): Subst. wie ישועה, גבורה, מלוכה, nicht geläutert, sondern: Läuterung. So von Josef (Ps. 105, 19) אמרת ד' צרפתהו: nachdem ihn das Verhängniß Gottes geläutert hatte.
מגן הוא וגו', weil aber Gottes Schickungen nur Läuterung bezwecken, schützt er Die, die sich ihm anvertrauen, selbst, daß sie durch die von ihm geschickten Leiden nicht zu Grunde gehen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 32. כי מי וגו'. Denn nur derselbe Gott, der die Leiden sendet, kann auch vor verderblicher Ueberwucht der Leiden schützen, weil ja eben außer Ihm kein Gott und kein Hort ist.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 33. האל וגו'. Derselbe Gott, der mich mit Tapferkeit nach Außen gegürtet, das ist derselbe Gott, der meinen Lebenswandel zur sittlichen Ganzheit führt, ja, er rüstete mich zum Kampfe nach Außen indem er mir zum innern Siege verhalf. Nur auf innerm sittlichen Boden ruhte meine Tapferkeit.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 34. 35. משוה וגו'. Er lenkt und befähigt meine ganze Thätigkeit im äußern Kampfe; er beflügelt meine Schritte zum Erreichen, er giebt mir die Festigkeit des Ausharrens auf den bereits erlangten Höhen; er übt meine Hände zum Kriege, er lehrt auch meine Arme zum Frieden gesenkt halten den ehernen Bogen. נחת: sich hinab begeben, sich senken. ותנחת עלי ידך (Ps. 38, 3), deine Hand senkte sich auf mich. נחת גדודיה (65, 11) ihre Unebenheiten senken, ebnen. ונחתה so viel als: וננחתה, Nifal, wie וחציך נחתו בי (Ps. 38, 3), deine Pfeile wurden in mich gesenkt. Du lehrst meine Arme auch wie der Bogen gesenkt wird, wie man ihn im Frieden unerhoben hält. Du übst mich im Kampfe, du übst mich auch im Nichtkämpfen, übst mich Provokationen zum Kampf und der Kampfeslust zu widerstehen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 36. ותתן לי וגו'. Und nun — nachdem du mich so zu innern und äußern Siegen geübt und gebildet hattest, übergabst du mir den Schild deines Heiles d. h. machtest du mich zum Träger und Vollbringer des Schutzes und des Heils, die du Israel augedeihen lassen wolltest, וימינך וגו' und bei Uebernahme und Erfüllung eines so großen Berufes halfst du mir mit deiner Unterstützung, und ענותך תרבני deine Herablassung machte mich groß. Mein Verdienst war ein so unendlich geringes, und in meiner Unwürdigkeit erhobst du mich zu einer solchen Größe, oder: ließest du das Geringe, das in mir lag, als ein ausreichendes Vieles gelten. רב (von רבב) kommt als Größe der Stellung und der Zahl vor. קרית מלך רב (Ps. 48, 3) eines großen Königs, und רבו משערות ראשי (Ps. 69, 5) mehr als die Haare meines Hauptes. Auch der Wurzel רבה dürften beide Bedeutungen innewohnen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 37. תרחיב צעדי תחתי. Du lässest mich große Schritte thun, größere Schritte als solche, die dem Berufe des Privatlebens angehören, du berufest mich zu Schritten des öffentlichen, den Interessen der Gesammtheit angehörenden Lebens, und durch deinen Beistand לא מעדו קרסלי, erhielten meine Fußgelenke die Kraft und Stärke diese großen Schritte ohne Schwanken und Wanken zu vollbringen. קרסל, wie ברזל von ברז, ערפל von ערף, so קרסל von קרם zummenkrümmen, קרם נבו (Jes. 46, 1) und קרסים (2. B. M. 26, 11) die die Teppiche zusammenhaltenden Spangen. Davon קרסל die Gelenkverbindung des Fußes, die Knöchel, worauf die Festigkeit des Schrittes und Standes beruht. —
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 38—40. ארדף וגו' אמצחם וגו' ותאזרני וגו'. Bin ich, der früher Verfolgte, zum Angriffskämpfer gegen die Feinde meines Volkes erstanden und habe siegreich diese Kämpfe durchgeführt, so war es Gott, der mich zum Krieg mit Tapferkeit rüstete, und vor dessen allmächtigem Willen die Feinde sich beugten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 41—43. ואיבי וגו' ומשנאי וגו' ישועו וגו'. על ד': hinauf zu Gott, wie ותתפלל על ד' (Sam. I. 1, 10) ישועו על ד' kann wohl nur von jüdischen Feinden zu verstehen sein und dürften daher hier sowohl innere als äußere Feinde besprochen werden. Es scheint daher daß קמי V. 40, und ebenso משנאי V. 41 sich auf Davids jüdische Gegner und Hasser bezieht, während איבי die äußern Feinde begreift, und ebenso ישועו וגו' von den אויבים ausgesagt ist, על ד' וגו' aber von den משנאים. Von diesen heißt es daher auch אצמיתם, das, seiner Grundbedeutung nach, nicht so wohl ein Vernichten, als ein Starrmachen, Lähmen bedeutet (Siehe Pent. 3. B. M. 25, 23). Und so dürfte sich auch V. 43 die erste Vershälfte auf die אויבים, die zweite auf die משנאים beziehen. Jene, die äußern Feinde, werden aufgerieben, diese, die innern, in ihrer Unwürdigkeit blosgelegt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 44—45. תפלטני וגו' תשימני וגו': mit den Siegen, der Herrschaft und dem gefürchteten Ansehen, die du mir über die äußern Feinde, über die „Söhne der Fremde" verleihst befestigst du auch meine Herrschaft und mein Ansehen im Innern, und תפלטני מריבי עם die wiederholten Empörungen und Gegnerschaften abseiten meines Volkes bringst du damit zu Ende. ישמעו לי, Nifal. שמע in Piel und Hifil heißt: entbieten, zur Nachfolge auffordern. Davon scheint hier Nifal entweder passiv: zur Nachfolge gebracht werden, oder reflexiv: sich zur Nachfolge, zum Gehorsam anbieten. לשמע אזן, blos in Folge Dessen, was sie von mir gehört, entbieten sie sich mir, suchen sie sich in Abhängigkeit und Unterthänigkeit zu mir zu stellen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 46. בני נכר וגו', Fortan brauche ich keine Kriege mehr zu führen, mein Volk ist sicher gestellt, und keines der fremden Völker wagt es, dasselbe anzugreifen. יבלו, wie נבל תבול (2. B. M. 18, 17) kraftlos werden, erlahmen. חרג das gemilderte חרק: knirschen; sie sind unwillig darüber, daß sie die bisherigen Kriege gegen Israel aufgeben müssen, aber sie schließen sich mit ihrem Unwillen „still knirschend" in ihre Schlösser ein. Sie knirschen still aus ihren Schlössern hervor, aus welchen sie sich nicht herauswagen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 47. חי ד' וגו'. Gott, der sich in dieser meiner ganzen Vergangenheit gezeigt, der waltet in lebendiger Persönlichkeit weiter, ja, der ist der einzige absolut Lebendige, von dem Alles, was leben soll, Leben empfängt, und nur so lange lebt, als ihm von dem, „Lebendigen" Leben zuströmt, וברוך צורי und der sich mir als erhaltender und bildender „Hort" erwiesen, dessen Wille reift im Schooße der Menschheit einer immer vollern Erfüllung entgegen, und אלורי ישעי, der Schöpfer, Lenker und Leiter meines Heils, der wird immer mehr und mehr als Schöpfer, Lenker und Leiter alles Heils in Waltungshoheit erkannt werden.
48—49. האל וגו' מפלטי וגו'. Der Gott, der mir, dem früher von meinen eigenen Volksgenossen Angegriffenen und Verfolgten, die Genugthuung gewährte, daß selbst fremde Völker mir unterthänig wurden, der wird, wie er mich von fremden Feinden rettet, so auch über meine innern Gegner fortan mich hoch emporhalten und vor Gewaltstreichen einzelner schlechter Menschen mich retten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 50. על כן. Die mir also bevorstehende ruhige Zukunft soll aber ganz dem großen Dienste Gottes in der Menschheit geweiht sein. Nicht mir soll aus meinen Erlebnissen der Lorbeer erblühen, sondern weit hinaus über den engen Kreis meines Volkes will ich die Gottes-Erkenntniß und die Gotteshuldigung tragen. Keiner hat so wie ich Gottes Walten in den Gängen des eigenen Lebens erfahren. Darum ist Keiner so wie ich fähig dem Reiche der Gotteserkenntniß und der Gotteshuldigung auf Erden zu dienen, und darum will ich hinaus unter die Völker seine Huldigung tragen und die Erkenntniß seines Namens in Liedern verbreiten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 51. מגדל וגו'. Diese geistigen Siege seines Königs endigen nicht mit meinem Dasein, immer weiter steigen dessen Siege, was er einmal seinem Dienste geweiht hat, dem wendet er ununterbrochen sein Liebeswirken zu, und bis in die Ewigkeit hin bleibt dieses sein Liebeswirken mir und meinen Nachkommen, den für seinen Dienst an der Menschheit geweihten, auf immer.