Tehillim 149 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 149, V. 1. הללוי'. Der vorige Psalm, der die endliche ausnahmlose Gotteshuldigung aus dem Munde aller seiner Geschöpfe besingt, schloß mit dem Gedanken, daß in der mit dieser Zukunft Hand in Hand gehenden Wiedererhebung seines Volkes, das eben mit ihr endlich das Ziel seiner Sendung erreicht, gleichzeitig alle Gott in hingebender Liebe sich Weihenden Anerkennung finden, und sich Israel als dem von je Gott nahe gestandenen Volke anschließen werden Diesen Gedanken feiert in näherer Ausführung dieser Psalm. Er fordert auf, שיר חדש, das Lied der neuen Zukunft (Vgl. Ps. 33, 3) zu singen, wo nicht nur im jüdischen Kreise, wo תהלתו בקהל חסידים, wo alle sich nunmehr Gott in Liebeshingebung nahenden Menschen Eine Gemeine bilden, und Gottes Thatenlob in ihrer Mitte ausgesprochen wird. Wohl V. 2—4 wird ganz besonders Israel sich zu freuen haben und dieser Freude rückhaltlos lauten Ausdruck geben, und wohl V. 7—9 wird diese Zukunft nicht erreicht, ohne daß zuvor das längst verkündete Gottesgericht an Völkern und Herrschern vollzogen wird; allein V. 5. 6. alle Die, die bisher Gott erkannt und still sich ihm in Liebe geweiht oder jetzt endlich zu dieser Erkenntniß und Hingebung gelangt, die חסידים aller Völker, haben sich gleichzeitig mit Israel zu freuen, sie gelangen gleichzeitig mit Israel zu Ehren, ihre aufrichtige Gotteshuldigung schützt sie vor der Gegnerschaft der Menschen wie vor jeder Mitleidenschaft an dem einbrechenden Gottesgericht, ja dieses Gottesgericht selbst bringt ihnen die ihr reines Streben würdigende Anerkennung, die ihnen bis jetzt auf Erden versagt war.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2—4. ישמח וגו', בעשיו der Plural wie der Plural אדניו. Hier jedoch wohl zum Ausdruck für die wiederholten Male, in denen sich Gott als Israels geschichtlicher Schöpfer gezeigt hat, Schöpfungen, die eben in dieser zukünftigen letzten גאולה ihre Vollendung erreicht haben werden. (So auch Jes. 54, 5). בני ציון וגו'. Zions Söhne haben auch bis jetzt Gott als ihrem Könige gehuldigt, indem sie seinem Gesetze treu geblieben waren und ihr Geschick ergeben seiner Waltung überließen. Er war bis dahin ihr unsichtbarer König, den die Völker nicht ahnten, und um dessen hingebungsvolle und ausharrende Huldigung Israel ihren Spott zu tragen hatte. Jetzt tritt die Wahrheit und die Berechtigung des jüdischen Vertrauens und der jüdischen Hoffnungen auch dem blödesten Auge erkennbar hervor, und Israel hat ein Recht zu jubeln. ענוים, bescheiden stand es bis jetzt vor allen andern Völkern zurück.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. יעלזו וגו'. Allein, wenn Israel in erster Linie zu jubeln hat, so haben auch die חסידים aller Völker sich in Ehren, oder der ihnen jetzt werdenden Ehre zu freuen. Kommt doch eben, wie dies Ps. 147, 10. 11. gelehrt, durch Israels Wiedererhebung zum Bewußtsein, wie nicht in der bis dahin in erster Linie verehrten politischen Macht und Stärke, wie vielmehr in der auf Gott bauenden sittlichen Pflichttreue allein die wahre Größe und das wahre von Gott zu erhoffende Heil der Menschen und Völker liegen, eine Wahrheit, deren Verkennung auch die חסידים anderer Völker bis dahin die gebührende Würdigung im Kreise der Menschen nicht finden ließ. על משכבותם, sie können ruhig schlafen, רוממות u. s. w., die Huldigungen, mit denen sie Gott ihr Geschickes- und Thatenleben unterordnen, sind ihnen ein doppelschneidiges Schwert in ihrer Hand, sie schützen sie gegen die Anfechtung ihrer im Gegensatz zu ihrer Lebensrichtung verharrenden Mitmenschen, und schützen sie vor jeder Mitleidenschaft an dem, wie in Folgen-dem angedeutet, einbrechenden Gottesgericht. (בגרונם, eigentlich: in ihrer Kehle. Die Gotteshuldigung stammt aus ihrem Innern, ist nicht blos ein äußerlich gesprochenes Wort. Aber sie verschließen sie auch nicht in ihrem Innern. Sie sind bereit sie Jedem gegenüber auszusprechen (Vgl. in anderm Sinne Ps. 5, 10 und Jes. 58, 1).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7—9. לעשות וגו'. Wohl ist, bevor die rückhaltlose Gotteshuldigung eine allgemeine auf Erden wird, noch erst Genugthuung an Völkern zu üben für Das, was Völker an Völkern verbrochen, und Zurechtweisung an Staaten für das, was Staaten an Menschen gesündigt, wohl sind erst noch Völkerkönige und Staatenleiter in dem Mißbrauch ihrer Macht und ihrer Stellung zu hemmen, wohl ist noch erst an ihnen das Gericht zu vollziehen, das schon längst und so oft in den Büchern der Gottesschrift angekündigt ist, aber הדר הוא, dieses Gottesgericht selbst ist eine ehrende Anerkennung für alle Die, die im Kreise der Menschen Gott und Gott allein all ihr Sein und Wollen in liebender Hingebung zuwenden. הדר wie לא תהדר פני גדול, והדרת פני זקן (3. B. M. 19, 15. 32. Siehe Pent. 3. B. M. 23, 40). Die elliptische Construktion לעשות נקמה u. s. w. Vgl. Jes. 28, 21: לעשות מעשהו זר מעשהו ולעבד עבדתו נכריה עבדתו, d. h. es gilt sein Werk zu vollbringen, aber fremd ist euch sein Werk, es gilt seinen Dienst zu verrichten, aber unbekannt ist euch sein Dienst.