Tehillim 143 תהילים

Buch: Kapitel: Vers:
Übersetzung:
1
מִזְמ֗וֹר לְדָ֫וִ֥ד יְהֹוָ֤ה ׀ שְׁמַ֬ע תְּפִלָּתִ֗י הַאֲזִ֥ינָה אֶל־תַּחֲנוּנַ֑י בֶּאֱמֻנָתְךָ֥ עֲ֝נֵ֗נִי בְּצִדְקָתֶֽךָ׃
Bernfeldein Psalm Davids. Herr, höre mein Gebet, horch auf mein Flehen; erhöre mich in deiner Treue, in deiner Gerechtigkeit.
ZunzPsalm von Dawid. Ewiger, höre mein Gebet, horch' auf mein Flehen; mit deiner Treue erhöre mich, mit deiner Gerechtigkeit.
HirschPsalm von David. Gott, höre mein Gebet, neige dein Ohr zu meinen flehenden Bitten, mit deiner erziehenden Treue erhöre mich, mit deiner Liebesgerechtigkeit.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 143, V. 1. Auch dieser Psalm ist ein Erzeugniß einer ähnlichen, vielleicht derselben Nothlage wie der vorige. Verfolgt und ausgeschieden von der ganzen Welt, findet er (V. 5), in dem Gedächtniß der geschichtlichen, Gott offenbarenden Vergangenheit und in dem Bewußtsein seines eigenen einzelnen gegenwärtigen Selbst's als nicht minder Gott offenbarendes Geschöpf, den Halt, sich mit seinem Innern zu Gott zu erheben, und den Anbruch einer lichtvolleren Zukunft von Gott geleiteten, Gott dienenden Lebens zu erhoffen.

באמנתך, בצדקתך: er bittet nicht um gänzliche Beseitigung von Leiden, er bittet um treue Erziehung für seine sittliche Bestimmung, zu gleicher Zeit aber auch um jene durch Liebe gemilderte Rechtswalttung, צדקה, die neben der Abwägung unserer Vergangenheit zugleich lie Rücksicht auf eine uns noch immer wieder zu gewährende Zukunft vorwalten läßt (Siehe Pent. 1. B. M. 15, 6).

2
וְאַל־תָּב֣וֹא בְ֭מִשְׁפָּט אֶת־עַבְדֶּ֑ךָ כִּ֤י לֹֽא־יִצְדַּ֖ק לְפָנֶ֣יךָ כׇל־חָֽי׃
BernfeldAch, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht denn vor dir ist kein Lebender gerecht.
ZunzUnd gehe nicht in's Gericht mit deinem Knechte; denn vor dir ist kein Lebender gerecht.
HirschGehe nicht in's Gericht mit deinem Diener, denn schuldlos ist kein Lebender vor dir.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2. אל תבוא וגו' משפט: hier der ungemilderte Gegensatz zu der im vorigen V. gedachten צדקה. יצדק', צדוק ist hier das Erlangen des Freispruchs im Urtheil (Vgl. Jes. 43, 26. Hiob 25, 4 u. s.). כל חי', vielleicht über den Menschen hinaus alle Wesen einschließend, denen mit dem Leben immerhin eine mit mehr und minderer Selbstbestimmung verbundene Kraftäußerung eingeräumt ist (Vgl. 1. B. M. 9, 5).

3
כִּ֥י רָ֘דַ֤ף אוֹיֵ֨ב ׀ נַפְשִׁ֗י דִּכָּ֣א לָ֭אָרֶץ חַיָּתִ֑י הוֹשִׁבַ֥נִי בְ֝מַחֲשַׁכִּ֗ים כְּמֵתֵ֥י עוֹלָֽם׃
BernfeldEs verfolgt mich der Feind, er tritt mein Leben zu Boden, er hat mich in Finsternis gesetzt wie die ewig Toten.
ZunzDenn es verfolgt der Feind meine Seele, tritt zu Boden mein Leben, setzet mich in Finsterniß gleich den ewig Todten.
HirschDenn meine Seele hat der Feind verfolgt, hat zu Boden mein Leben gedrückt, hat mich in Finsternisse gebracht wie für immer Gestorbene.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 3. כי וגו' חיתי', das Lebendige in mir, die Lebensseele (Siehe Hiob. 33, 20. 36, 14).

4
וַתִּתְעַטֵּ֣ף עָלַ֣י רוּחִ֑י בְּ֝תוֹכִ֗י יִשְׁתּוֹמֵ֥ם לִבִּֽי׃
BernfeldEs verschmachtet in mir mein Geist, in mir entsetzt sich mein Herz.
ZunzUnd es verdunkelt in mir sich mein Geist, in mir entsetzet sich mein Herz.
HirschDa verhüllte sich mein Geist um mich, in mir starrt in's Öde mein Herz.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 4. ותתעטף וגו' בתוכי, steht wohl im Zusammenhang mit dem vorhergehenden התעטף רוח ותתעטף. bezeichnet ja den Zustand, in welchem der Geist sich von Beherrschung des Leibes in sich zurückzieht, das Vermögen einbüßt, durch den Leib auf die Außenwelt zu wirken, sowie durch denselben Eindrücke von Außen in sich aufzunehmen (Siehe Ps. 61, 3. 102, 1). Daher בתוכי': ganz in mich zurückgeworfen. ישתומם', שמם, öde sein bezeichnet, auf den Geist übertragen, den Zustand, dem klare Vorstellungen und deutliche Gedanken fehlen. So שממו עליך (Jes. 52, 14). Auch im Hithpael ואשתומם על המראה (Daniel 8, 27). Ganz ähnlich von שאה: והאיש משתאה לה (1. B. M. 24, 21).

5
זָ֘כַ֤רְתִּי יָמִ֨ים ׀ מִקֶּ֗דֶם הָגִ֥יתִי בְכׇל־פׇּעֳלֶ֑ךָ בְּֽמַעֲשֵׂ֖ה יָדֶ֣יךָ אֲשׂוֹחֵֽחַ׃
BernfeldIch bedenke Tage der Vorzeit, sinne überall deine Werke, über deiner Hände Werk denke ich nach.
ZunzIch bedenke Tage der Urzeit, sinne über all deine Werke, über deiner Hände Werk denk' ich nach.
HirschDer Tage aus der Vorzeit gedachte ich da, dachte nach über Alles was du gewirkt, wage nun auch über ein Geschöpf deiner Hände zu reden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5. זכרתי וגו'. So, jeden klaren Gedankens über die vorhandene Gegenwart wie zu erwartende Zukunft beraubt, erwacht das Gedächtniß der Gottes Waltungen zeigenden Vergangenheit, dies Gedächtniß weckt Nachdenken über Alles, was Gott gewirkt, und es tritt das Bewußtsein in die Seele, das doch auch in Sich ein Werk, ein von Gott geschaffenes, gebildetes, heranerzogenes Wesen erkennt, und wagt als solches über sich zu sinnen, und die Gedanken auszusprechen. במעשה ידיך, Vgl. מעשי ידיך אל תרף (Ps. 138, 8). ואת דורו מי ישוחח wie אשוחח (Jes. 53, 8).

6
פֵּרַ֣שְׂתִּי יָדַ֣י אֵלֶ֑יךָ נַפְשִׁ֓י ׀ כְּאֶרֶץ־עֲיֵפָ֖ה לְךָ֣ סֶֽלָה׃
BernfeldIch breite meine Hände zu dir empor, mein Gemüt ist wie ein [nach Regen] lechzendes Land zu dir. Sela.
ZunzIch breite meine Hände zu dir empor, meine Seele wie ein lechzendes Land zu dir. Selah.
HirschZu dir breitete ich meine Hände, meine Seele, wie ein schmachtend Land schmachtet sie nach dir —
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 6. פרשתי וגו'. כארץ עיפה, wie ein aus Regenmangel kraftlos gewordenes Land nach Regen schmachtet. Vgl. Ps. 63, 2. עיף בלי מים.

7
מַ֘הֵ֤ר עֲנֵ֨נִי ׀ יְהֹוָה֮ כָּלְתָ֢ה ר֫וּחִ֥י אַל־תַּסְתֵּ֣ר פָּנֶ֣יךָ מִמֶּ֑נִּי וְ֝נִמְשַׁ֗לְתִּי עִם־יֹ֥רְדֵי בֽוֹר׃
BernfeldEilends erhöre mich, Herr, denn schwindet mein Geist, birg nicht dein Angesicht vor mir; ich würde gleich denen, die in die Grube fahren.
ZunzEilends erhöre mich, Ewiger, es verschmachtet mein Geist, birg nicht dein Antlitz vor mir; ich würde gleich denen, die in die Grube fahren.
HirschErhöre bald mich Gott, mein Geist geht zu Ende, birg nicht dein Angesicht mir, in die Gruft hinab Sinkenden gliche ich sonst.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 7. מהר וגו'. כלתה רוחי, geht zu Ende, wie כד הקמח לא חכלה (Kön. I. 17, 14), oder schmachtet danach, wie וכלות אליהם (5. B. M. 28, 32).

8
הַשְׁמִ֘יעֵ֤נִי בַבֹּ֨קֶר ׀ חַסְדֶּךָ֮ כִּֽי־בְךָ֢ בָ֫טָ֥חְתִּי הוֹדִיעֵ֗נִי דֶּרֶךְ־ז֥וּ אֵלֵ֑ךְ כִּי־אֵ֝לֶ֗יךָ נָשָׂ֥אתִי נַפְשִֽׁי׃
BernfeldVerkünde mir am Morgen deine Gnade, denn auf dich vertraue ich; mache den Weg mir kund, den ich gehen soll, denn auf dich setze ich meine Hoffnung.
ZunzLaß mich hören am Morgen deine Huld, denn auf dich vertraue ich, mache den Weg mir kund, den ich gehen soll; denn zu dir erhob ich meine Seele.
HirschLass' mich wieder vernehmen am Morgen deine Liebe, denn auf dich habe ich vertraut; lass' mich den Weg erkennen, den ich wandeln soll, denn zu dir habe ich meine Seele erhoben.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 8. השמיעני וגו'. בבקר, בקר wie häufig die wiederkommende glückliche Zeit nach zu Ende gehender Nacht des Leidens. Und השמיעני', nicht הראני', nicht so sehr der Anblick eines bereits im Aeußern sich zeigenden bessern Zustandes, als vielmehr das geistige innere Wahrnehmen wiederkehrender Liebe Gottes.

9
הַצִּילֵ֖נִי מֵאֹיְבַ֥י ׀ יְהֹוָ֗ה אֵלֶ֥יךָ כִסִּֽתִי׃
BernfeldRette mich vor meinen Feinden, Herr; dir habe ich vertraut.
ZunzRette mich vor meinen Feinden, Ewiger, dir hab' ich vertraut.
HirschRette von meinen Feinden mich Gott, in Hinblick auf dich habe ich über Alles den Schleier geworfen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 9. הצילני וגו', כסיתי': אליך כסיתי', wie (על כל פשעים תכסה אהבה), Prov. 10, 12), ich habe über Alles, was ich von Menschen zu leiden hatte, einen Schleier gedeckt, habe es für mein Bewußtsein zu verhüllen, es zu vergessen gesucht, אליך: indem ich Alles Dir anheim stellte. Oder: indem ich alle meine Beziehungen zu Menschen in den Schatten treten ließ, und mich nur mit dem Gedanken meiner Beziehung zu dir, und mit dem Streben zu dir erfüllte.

10
לַמְּדֵ֤נִי ׀ לַ֥עֲשׂ֣וֹת רְצוֹנֶךָ֮ כִּֽי־אַתָּ֢ה אֱל֫וֹהָ֥י רוּחֲךָ֥ טוֹבָ֑ה תַּ֝נְחֵ֗נִי בְּאֶ֣רֶץ מִישֽׁוֹר׃
BernfeldLehre mich deinen Willen tun, denn du bist mein Gott; dein gütiger Geist leite mich auf ebenem Wege.
ZunzLehre mich deinen Willen thun, denn du bist mein Gott; dein gütiger Geist leite mich auf ebenem Lande.
HirschLehre mich deinen Willen zu erfüllen, denn du bist ganz mein Gott. Dein guter Geist leite mich in ebene Bahn.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 10. למדני וגו'. Erkenntniß des göttlichen Willens und die von Gott zu verleihende Begeistigung und Begeisterung für alles auf Erden zu verwirklichende Gute, das ist die חסד, die er von Gott erbittet; denn Gott ist „voll" sein Gott (es ist nicht bedeutungslos מלא geschrieben), ihm ist Gott nicht nur der Lenker der Geschicke, er erkennt ihn auch vor Allem als den Leiter seiner Thaten an. רוחך טובה, Siehe Ps. 111, 10. בארץ מישור: für den von Gottes Geist Erfüllten werden die Schwierigkeiten des irdischen Lebens zur Ebene, und keine Versuchung bringt ihn zum Falle.

11
לְמַעַן־שִׁמְךָ֣ יְהֹוָ֣ה תְּחַיֵּ֑נִי בְּצִדְקָתְךָ֓ ׀ תּוֹצִ֖יא מִצָּרָ֣ה נַפְשִֽׁי׃
BernfeldUm deines Namens willen, Herr, erhalte mich; um deiner Gerechtigkeit willen führe mich aus Drangsal.
ZunzUm deines Namens willen, Ewiger, erhalte mich, mit deiner Gerechtigkeit führe aus Drangsal meine Seele.
HirschUm deines Namens Gott willen gieb mir neues Leben, mit deiner Liebesgerechtigkeit führe hinaus aus der Noth meine Seele,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 11. למען שמך וגו', „Leben," und „Rettung" aus der drängenden Noth, das sind nächst der innern Begabung die Gewährungen, die er von Gott erbittet und erhofft; „Leben" nach der mit seinem Namen ד' verheißenen, zu neuer Lebensspende ewig bereiten Liebe; „Rettung" nach der Milde, die nur so weit משפט walten läßt, als das Besserungsziel der zu erziehenden Menschen heischt (siehe Ps. 33, 5).

12
וּֽבְחַסְדְּךָ֮ תַּצְמִ֢ית אֹ֫יְבָ֥י וְֽ֭הַאֲבַדְתָּ כׇּל־צֹרְרֵ֣י נַפְשִׁ֑י כִּ֝֗י אֲנִ֣י עַבְדֶּֽךָ׃ {פ}
BernfeldIn deiner Gnade rotte meine Feinde aus und vernichte alle, die mich bedrängen, denn ich bin dein Knecht.
ZunzUnd mit deiner Huld rotte aus meine Feinde, und vernichte alle Bedränger meiner Seele; denn ich bin dein Knecht.
Hirschund durch diese deine Liebe mache starr meine Feinde, so wirst du alle Bedränger meiner Seele schwinden lassen, weil ich dein Diener bin.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 12. ובחסדך וגו'. Diese deine an mir sich wieder bewährende Liebe wird genügen, um meine Feinde in ihrem meine Vernichtung anstrebenden Vorgehen zu hemmen, und damit werden alle die Noth und Bedrängniß gegen mich planenden Menschen aufhören; denn sie werden erkennen, daß „ich dein Diener bin," und der in deinem Dienste Stehende, deinem Dienste Lebende auch unter deiner besondern Obhut steht.