Tehillim 142 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 142, V. 1. משכיל וגו' בהיותו במערה. Siehe Ps. 57, 1. Wie dort er die Gedanken, die ihn in derselben Lage erfüllten, als מכתם, sich zum bleibenden Gedächtniß aufzeichnete, so fügt er hier der תפלה, mit welcher er in dieser Lage sich zur besonnenen Klarheit emporrang, später die Bestimmung als משכיל, als Belehrung für sein Volk hinzu. Es ist aber dieser Psalm belehrend ebensowohl durch Das, was er nicht enthält, als durch Das, was in ihm zum Ausdruck kommt. Von seinem Schwiegervater, dem Könige, und von seinen Volksgenossen, die beide ihm des Höchsten zu Dank verpflichtet waren, in beispielloser Verirrung leidenschaftlich bis auf den Tod verfolgt, kommt ihm kein Wort der Verwünschung, kein Wort von Rachegefühl über die Lippen, sucht er in völliger Verlassenheit von der ganzen Welt nur sich zu Gott emporzuringen, und, bei der Möglichkeit, durch Einen tödtenden Streich auf den seine Anwesenheit nicht ahnenden königlichen Feind sich zum Selbstherrn seines Geschickes zu machen, erwartet er doch nur von Gott seine Rettung, und erhebt sich an dem Gedanken, wie dieses rettende Einschreiten Gottes für ihn, den unschuldig Verfolgten, ihm als Gottes Walten veranschaulichende Thatsache für seine Gottes „Namen" zur Erkenntniß bringenden Verkündigungen dienen, und wie, wenn ohne sein Selbstvorgehen Gott sein Geschick zur Reife bringt, dies aller Welt die Ueberzeugung bringen werde, welche siegende Macht der verfolgten Unschuld innewohnt, und es keine weniger zu verdunkelnde Krone giebt, als die Herrlichkeit unter den schwersten Proben rein bewährter Pflichttreue.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2–3. קולי וגו', קולי: wenn meine Stimme laut wird. Vgl. Ps. 3, 5. Zu keinem Andern wende ich mich und kann ich mich wenden als zu Gott mit meinem Hilferuf und mit meinem Streben, des göttlichen Wohlgefallens würdig zu werden und zu bleiben. Treffend wird im Midrasch der Gegenstand dieses doppelten Aufrufs zu Gott also bezeichnet: קולי אל ד' אזעק שלא אפול בידו קולי אל ד' אתחנן שלא יפול בידי, es ist der Hilferuf um Rettung und die Bitte um Beistand, durch selbstbeherrschende Enthaltung jeden feindlichen Vorgehens gegen Saul der Gewährung würdig zu bleiben. לפניו, לפניו: nur vor Ihn kann ich mit שיחי und צרתי hintreten, unter Menschen habe ich Keinen, der sich um den Zustand meines Innern, und um meine äußere Nothlage kümmere.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. 5. בהתעטף וגו' (siehe Ps. 61, 3). הלך, Piel überwiegend ein gerades offenes Wandeln. ימין, der Beistand wird immer zur Rechten des Hilfsbedürftigen gedacht, כי יעמוד לימין אביון (Ps. 109, 31), אדני על ימינך (Ps. 110, 5). בהתעטף וגו', es drängt ihn eigentlich, seinen innern Schwächezustand zu schildern, er unterbricht sich aber, indem sich noch mehr der Gedanke in den Vordergrund drängt, wie wenig er diese Nothlage, in der er sich befindet verschuldet hat. Gott kennt seinen ganzen bisherigen Lebenspfad, auch den, den er in freier Selbstbestimmung sich gewählt (נתיב, siehe Pent. 1. B. M. S. 533). בארח וגו'. Wohl selten hat ein Mensch ein so gerades, offenes, öffentliches, seinen Volksbrüdern zugewandtes (ארח) Leben von seiner Jugend an gelebt wie David. Und eben in diesem ארח, und aus ihm heraus haben sie mit geheimen Veranstaltungen ihm Fallen gelegt. Das ו' von ואין leitet den Gegensatz ein, הביט ימין וראה ist mehr Parenthese. Und doch — schaue nach meiner Rechten hin, wo mir Hilfe zur Seite treten sollte — אין מכיר לי u. s. w.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6—8. ועקתי' וגו' blickt wieder auf das קולי אועק zurück, darum kann ich zu keinem Andern als zu dir aufblicken. חלקי', nicht erst jenseits, schon hier, im Lande der Lebendigen, unter den Menschen auf Erden, bist du, und ist deine Beziehung zu mir, meine Beziehung zu dir, der Einzige und das Einzige das ich habe. כי חגמל עלי, wenn du die Bestimmung, für welche du mich schon als Knabe geweiht, ohne mein Zuthun zur Reife bringst, lediglich weil ich dieser Bestimmung entsprechend in Pflichttreue vor dir verharre, so wird man mit mir die Gerechten krönen und erkennen wie Nichts die endlich, Allem obsiegende Macht eines pflichtgetreuen, Pflichttreue anstrebenden (siehe Ps. 143, 2) Lebens und Strebens übertrifft.