Tehillim 142 תהילים

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1
מַשְׂכִּ֥יל לְדָוִ֑ד בִּֽהְיוֹת֖וֹ בַמְּעָרָ֣ה תְפִלָּֽה׃
BernfeldEine Betrachtung von David, als er in der Höhle war. Ein Gebet.
ZunzEin Gedicht von Dawid, da er in der Höhle war. Ein Gebet.
HirschBelehrung von David. Gebet als er in der Höhle war.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 142, V. 1. משכיל וגו' בהיותו במערה. Siehe Ps. 57, 1. Wie dort er die Gedanken, die ihn in derselben Lage erfüllten, als מכתם, sich zum bleibenden Gedächtniß aufzeichnete, so fügt er hier der תפלה, mit welcher er in dieser Lage sich zur besonnenen Klarheit emporrang, später die Bestimmung als משכיל, als Belehrung für sein Volk hinzu. Es ist aber dieser Psalm belehrend ebensowohl durch Das, was er nicht enthält, als durch Das, was in ihm zum Ausdruck kommt. Von seinem Schwiegervater, dem Könige, und von seinen Volksgenossen, die beide ihm des Höchsten zu Dank verpflichtet waren, in beispielloser Verirrung leidenschaftlich bis auf den Tod verfolgt, kommt ihm kein Wort der Verwünschung, kein Wort von Rachegefühl über die Lippen, sucht er in völliger Verlassenheit von der ganzen Welt nur sich zu Gott emporzuringen, und, bei der Möglichkeit, durch Einen tödtenden Streich auf den seine Anwesenheit nicht ahnenden königlichen Feind sich zum Selbstherrn seines Geschickes zu machen, erwartet er doch nur von Gott seine Rettung, und erhebt sich an dem Gedanken, wie dieses rettende Einschreiten Gottes für ihn, den unschuldig Verfolgten, ihm als Gottes Walten veranschaulichende Thatsache für seine Gottes „Namen" zur Erkenntniß bringenden Verkündigungen dienen, und wie, wenn ohne sein Selbstvorgehen Gott sein Geschick zur Reife bringt, dies aller Welt die Ueberzeugung bringen werde, welche siegende Macht der verfolgten Unschuld innewohnt, und es keine weniger zu verdunkelnde Krone giebt, als die Herrlichkeit unter den schwersten Proben rein bewährter Pflichttreue.

2
ק֭וֹלִי אֶל־יְהֹוָ֣ה אֶזְעָ֑ק ק֝וֹלִ֗י אֶל־יְהֹוָ֥ה אֶתְחַנָּֽן׃
BernfeldMit meiner Stimme schreie ich zum Herrn, mit meiner Stimme flehe ich zum Herrn.
ZunzMit meiner Stimme zum Ewigen schreie ich, mit meiner Stimme zum Ewigen flehe ich.
HirschWeine ich, so ist es zu Gott, daß ich schreie; weine ich, so ist es zu Gott, daß ich nach Gewährungswürdigkeit ringe.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2–3. קולי וגו', קולי: wenn meine Stimme laut wird. Vgl. Ps. 3, 5. Zu keinem Andern wende ich mich und kann ich mich wenden als zu Gott mit meinem Hilferuf und mit meinem Streben, des göttlichen Wohlgefallens würdig zu werden und zu bleiben. Treffend wird im Midrasch der Gegenstand dieses doppelten Aufrufs zu Gott also bezeichnet: קולי אל ד' אזעק שלא אפול בידו קולי אל ד' אתחנן שלא יפול בידי, es ist der Hilferuf um Rettung und die Bitte um Beistand, durch selbstbeherrschende Enthaltung jeden feindlichen Vorgehens gegen Saul der Gewährung würdig zu bleiben. לפניו, לפניו: nur vor Ihn kann ich mit שיחי und צרתי hintreten, unter Menschen habe ich Keinen, der sich um den Zustand meines Innern, und um meine äußere Nothlage kümmere.

3
אֶשְׁפֹּ֣ךְ לְפָנָ֣יו שִׂיחִ֑י צָ֝רָתִ֗י לְפָנָ֥יו אַגִּֽיד׃
BernfeldMein Leid klage ich vor ihm, meine Not erzähle ich ihm.
ZunzAusschütt' ich vor ihm meinen Jammer, meine Noth vor ihm verkünd' ich,
HirschVor Ihm gieße ich mein Sinnen aus, meine Noth verkünde ich vor Ihm!
4
בְּהִתְעַטֵּ֬ף עָלַ֨י ׀ רוּחִ֗י וְאַתָּה֮ יָדַ֢עְתָּ נְֽתִיבָ֫תִ֥י בְּאֹֽרַח־ז֥וּ אֲהַלֵּ֑ךְ טָמְנ֖וּ פַ֣ח לִֽי׃
BernfeldWenn mein Geist in mir verschmachtet, so kennst du meinen Pfad, auf dem Wege, den ich wandle, haben sie mir eine Schlinge gelegt.
ZunzWenn mein Geist sich in mir verdunkelt; du ja kennst meinen Pfad, auf dem Wege, den ich wandle, haben sie mir eine Schlinge gelegt.
HirschIndem mein Geist sich um mich verhüllt — und du kennst doch meinen Pfad! In den Weg, den ich offen ging, haben sie mir Falle geborgen!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 4. 5. בהתעטף וגו' (siehe Ps. 61, 3). הלך, Piel überwiegend ein gerades offenes Wandeln. ימין, der Beistand wird immer zur Rechten des Hilfsbedürftigen gedacht, כי יעמוד לימין אביון (Ps. 109, 31), אדני על ימינך (Ps. 110, 5). בהתעטף וגו', es drängt ihn eigentlich, seinen innern Schwächezustand zu schildern, er unterbricht sich aber, indem sich noch mehr der Gedanke in den Vordergrund drängt, wie wenig er diese Nothlage, in der er sich befindet verschuldet hat. Gott kennt seinen ganzen bisherigen Lebenspfad, auch den, den er in freier Selbstbestimmung sich gewählt (נתיב, siehe Pent. 1. B. M. S. 533). בארח וגו'. Wohl selten hat ein Mensch ein so gerades, offenes, öffentliches, seinen Volksbrüdern zugewandtes (ארח) Leben von seiner Jugend an gelebt wie David. Und eben in diesem ארח, und aus ihm heraus haben sie mit geheimen Veranstaltungen ihm Fallen gelegt. Das ו' von ואין leitet den Gegensatz ein, הביט ימין וראה ist mehr Parenthese. Und doch — schaue nach meiner Rechten hin, wo mir Hilfe zur Seite treten sollte — אין מכיר לי u. s. w.

5
הַבֵּ֤יט יָמִ֨ין ׀ וּרְאֵה֮ וְאֵֽין־לִ֢י מַ֫כִּ֥יר אָבַ֣ד מָנ֣וֹס מִמֶּ֑נִּי אֵ֖ין דּוֹרֵ֣שׁ לְנַפְשִֽׁי׃
BernfeldBlicke rechts und sieh, da ist mir kein Bekannter, entschwunden ist mir die Zuflucht, niemand fragt nach mir.
ZunzBlicke rechts und sieh, da ist mir kein Bekannter, entschwunden ist mir die Zuflucht; Niemand, der sich meiner annimmt.
HirschUnd doch, schaue zu meiner Rechten und siehe, ist da Keiner, der mich kennen will; geschwunden ist jede Zuflucht mir, Niemand kümmert sich um meine Seele.
6
זָעַ֥קְתִּי אֵלֶ֗יךָ יְ֫הֹוָ֥ה אָ֭מַרְתִּי אַתָּ֣ה מַחְסִ֑י חֶ֝לְקִ֗י בְּאֶ֣רֶץ הַחַיִּֽים׃
BernfeldIch schreie zu dir, Herr, spreche: Du bist mein Schutz, mein Teil im Lande des Lebens.
ZunzIch schreie zu dir, Ewiger, spreche: Du bist mein Schutz, mein Theil im Lande des Lebens.
HirschDarum habe ich zu dir aufgeschrien, habe gesprochen: du bist meine Zuversicht, bist mein Antheil im Lande der Lebendigen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 6—8. ועקתי' וגו' blickt wieder auf das קולי אועק zurück, darum kann ich zu keinem Andern als zu dir aufblicken. חלקי', nicht erst jenseits, schon hier, im Lande der Lebendigen, unter den Menschen auf Erden, bist du, und ist deine Beziehung zu mir, meine Beziehung zu dir, der Einzige und das Einzige das ich habe. כי חגמל עלי, wenn du die Bestimmung, für welche du mich schon als Knabe geweiht, ohne mein Zuthun zur Reife bringst, lediglich weil ich dieser Bestimmung entsprechend in Pflichttreue vor dir verharre, so wird man mit mir die Gerechten krönen und erkennen wie Nichts die endlich, Allem obsiegende Macht eines pflichtgetreuen, Pflichttreue anstrebenden (siehe Ps. 143, 2) Lebens und Strebens übertrifft.

7
הַקְשִׁ֤יבָה ׀ אֶֽל־רִנָּתִי֮ כִּֽי־דַלּ֢וֹתִ֫י מְאֹ֥ד הַצִּילֵ֥נִי מֵרֹדְפַ֑י כִּ֖י אָמְצ֣וּ מִמֶּֽנִּי׃
BernfeldVernimm mein Flehen, denn ich bin sehr elend, rette mich vor meinen Verfolgern, denn sie sind stärker als ich.
ZunzHorch auf mein Flehen, denn ich bin sehr elend, rette mich vor meinen Verfolgern; denn sie überwältigen mich.
HirschHorche hin zu dem Ergusse meines Innern, denn ich bin ungemein herab. Rette mich von meinen Verfolgern, denn zu mächtig sind sie mir.
8
ה֘וֹצִ֤יאָה מִמַּסְגֵּ֨ר ׀ נַפְשִׁי֮ לְהוֹד֢וֹת אֶת־שְׁ֫מֶ֥ךָ בִּ֭י יַכְתִּ֣רוּ צַדִּיקִ֑ים כִּ֖י תִגְמֹ֣ל עָלָֽי׃ {פ}
BernfeldBefreie mich aus der Gefangenschaft, deinen Namen zu preisen. Mit mir schmücken sich die Gerechten, wenn du mir wohltust.
ZunzFühre aus der Haft meine Seele, zu preisen deinen Namen. Mit mir kränzen sich die Gerechten, so du mir wohlthuest.
HirschFühre hinaus aus dem Kerker meine Seele deinen Namen zu bekennen. Mit mir wird man den Gerechten die Krone reichen wenn du mein Geschick zur Reife bringst.