Tehillim 141 תהילים

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1
מִזְמ֗וֹר לְדָ֫וִ֥ד יְהֹוָ֣ה קְ֭רָאתִיךָ ח֣וּשָׁה לִּ֑י הַאֲזִ֥ינָה ק֝וֹלִ֗י בְּקׇרְאִי־לָֽךְ׃
Bernfeldein Psalm Davids. Herr, ich rufe dich, eile zu mir, vernimm meine Stimme, wenn ich zu dir rufe.
ZunzPsalm von Dawid. Ewiger, ich rufe dich, eile zu mir, vernimm meine Stimme, wenn ich zu dir rufe.
HirschPsalm von David. Gott, dich habe ich gerufen eile mir; nimm meine Stimme auf indem ich nach dir rufe.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 141, V. 1. 2. מזמור לדוד וגו' In diesem Psalm spricht sich David's Bewußtsein von der hohen Bedeutung und der einstigen universellen Zukunft seiner Reden aus, die einst, wenn erst die jetzigen, das Urtheil und die Anschauungen der Menschen leitenden Machthaber von ihrer Höhe herabgestiegen sein werden, allgemein in ihrem Geist und Herz befriedigenden Inhalt werden verstanden werden (V. 6). Darum (V. 3) ist es sein allererstes Anliegen, sein „Wort“ — „seinen Mund und seine Lippen“ — durch Schutz vor jeder Entwürdigung dieser hohen Bestimmung heilig zu halten, und so mit selbstbeherrschender Ueberwachung seines Mundes, (V. 4) die Heiligung und Heilighaltung seines Herzens zu üben, (V. 5) und in den herbsten, ihm von dem allgerechten Gott zugeschickten Schicksalsschlägen, erblickt er nur eine ihn zurechtweisende Liebe, eine ihn für seinen hohen Beruf rüstende Weihe, und findet in allem Unglück, das ihm Menschen bereiten, nur Begründung seiner alle Zukunft durchdauernden Bestimmung und seiner immer fortschreitenden innern Läuterung. Die Zeit aber, in welcher die davidischen Reden (V. 6) zur vollen Wirksamkeit gelangen, reicht über seine und seiner Zeitgenossen Gegenwart weit hinüber, zerstreut sieht er (V. 7) erst sein Volk wie die dürren Gebeine über die Ebene der Zeiten (Ezech. Kap. 37) bis scheinbar an den Rand des Grabes. Aber diese Zerstreuung ist keine Vernichtung, ist Zukunftsaat vorbereitendes Ackern — die Gebeine werden hingestreut, die Seele (V. 8) bleibt erhalten. Darum (V. 9. 10) betet er aus seiner wie aus seines Volkes Brust heraus um schützende Aufrechthaltung vor den seinem Geschicke und seiner Pflichttreue gelegten Schlingen, und spricht die Ueberzeugung aus: die Netze, welche die Gewalt ihm legt, werden nur den Schlechten selber Untergang bringen, mag er auch zeitweilig mit in die Netze sich verfangen, er kommt hinüber —

V. 1 und 2 sind Einleitung zu dem Ganzen.

קראתיך, nicht קראתי אליך, welches ein Hilfruf wäre, sondern: קראתיך, ich rufe dich zu mir, mir nahe, mir gegenwärtig zu sein. Ebenso בקראי לך, nicht אליך, sondern: קרא ל־, Jemanden herbeirufen, wie ויקרא למשה ולאהרן (2. B. M. 9, 27).

2
תִּכּ֤וֹן תְּפִלָּתִ֣י קְטֹ֣רֶת לְפָנֶ֑יךָ מַֽשְׂאַ֥ת כַּ֝פַּ֗י מִנְחַת־עָֽרֶב׃
BernfeldEs sei mein Gebet vor dir wie ein Weihrauchopfer, meine gehobenen Hände wie das Abendopfer.
ZunzAufgerichtet sei mein Gebet, ein Weihrauchopfer vor dir, meine gehobenen Hände ein Abendopfer.
HirschMöge mein Gebet als Räucheropferduft vor dir bestehen, meiner Hände Erheben als Abend-Huldigungsgabe!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2. תכון וגו'. קטרת: höchster Opferausdruck völligen, rückhaltlosen Aufgehens in Gottes Willen zu göttlichem Wohlgefallen (Siehe Pent. 2. B. M. 30, 1). מנחת ערב ist das dem תמיד של בין הערבים zugehörige מנחה und נסך (4. B. M. 28, 8). Es muß aber einerseits dem zum תמיד gehörigen מנחה eine besondere Bedeutsamkeit zugemessen sein, so, daß das Thamidopfer mit Umgehung des עולה nach dem מנחה genannt wird. ויהי בבקר כעלות המנחה (Kön II. 3, 20), ויהי בעלות המנחה, ויתנבאו עד לעלות המנחה (Kön. I. 18, 29, 36). Andrerseits muß diese Bedeutung ganz besonders bei dem תמיד של הערבים hervortreten, so daß dieses vorzugsweise מנחת הערב genannt, הקטר עולת הבקר ומנחת הערב (Kön. II. 16, 15), und die Nachmittagszeit speciell nach ihr benannt wird, ובמנחת הערב קמתי מתעניתי ואני יושב משומם עד למנחת הערב (Esra 9, 4. 5.), wie ja auch wir noch unter „Mincha“ nur diese Zeit verstehen. Wie wir zu פרשת נסכים (Pent. 4 B. M. 15. S. 206) entwickelt, fügt zu jedem Emporopferausdruck der Thatenweihe des עולה die Zugabe von מנחה und נסך den Ausdruck der Gotteshuldigung mit allen Gütern der Existenz (סלת), des Wohlstandes (שמן), der Glückesfreude (י"ן), somit überhaupt mit unsern Geschicksbeziehungen. Wir begreifen, wie in der ganzen Zeit unserer nationalen Einbürgerung im Lande, in welcher unser nationales Geschick im Begründen begriffen war, gerade die Mincha des Tagesopfers dem nationalen Bewußtsein in den Vordergrund treten konnte, wie auch in einem Geschick entscheidenden Momente, wie Kön. II. 3, 20 ganz besonders auf die Mincha hingeblickt wurde, begreifen aber insbesondere auch, wie auf die Abend-Mincha das Bewußtsein ganz besonders gerichtet war. Bildet ja das Morgen- und Abendopfer ein einheitliches Ganze, und bringt das תמיד של בין הערבים dieselbe Thatenweihe und dieselbe auf dem Boden der Thatenweihe gegründete Geschickeshuldigung für den sinkenden Strahl, somit für das sich abwärts neigende Geschick zum Ausdruck, wie das תמיד של שחר diese Weihe und Huldigung für den steigenden Strahl, für den aufblühenden Glückszustand ausspricht. Fast die ganze Geschichte unserer nationalen Vergangenheit und ja auch zu großem Theile die Erfahrungen der Einzelnen standen und stehen mehr im niedersteigenden Strahle des Abend-Geschickes als im aufleuchtenden Morgenlichte steigenden Glückes, und vor Gottes Angesichte auch für die Zeiten prüfungsvollen Niedergangs die Sorge für „sein Mehl und sein Oel und seinen Wein,“ für den Antheil an den Gütern der Nahrung, des Wohlstandes und der Freude, der ihm beschieden sein, werden, oder bleiben möge, heitern Gemüthes der liebend ernsten, ernstliebenden Gotteswaltung auf Grund unserer Thathingebung an Gott anheim zu stellen, war und ist wohl eine Gesinnung, die zu gewinnen, und in welcher sich immer auf's Neue zu stärken, jederzeit als ein besonders zu pflegendes Anliegen erscheinen mußte. Daher lud und läd eben die Minchazeit ganz besonders zur eingehenden Sammlung vor Gott, und ein Wort der Weisen lautet: לעולם יהא אדם זהיר בתפלת המנחה שהרי אליהו לא נענה אלא בתפלת המנחה (Berachoth 6, b).

Hier daher die Bitte, nahe möge Gott ihm sein und תכון וגו', seine תפלה, sein Arbeiten an seinem Innern, es zur klaren Erkenntniß und Huldigung des Wahren, Rechten und Guten vor Gott zu bringen, möge die ideale Vollendung erreichen, wie sie im קטרת ihren Ausdruck hat, und משאת כפי, wenn er כף, die Güter fassende Hand, zu seinem Gotte emporhebt, so möge dies in dem Gott huldigenden Sinne geschehen, welchem Gott in dem von Ihm geordneten מנחת ערב entgegensieht.

3
שִׁיתָ֣ה יְ֭הֹוָה שׇׁמְרָ֣ה לְפִ֑י נִ֝צְּרָ֗ה עַל־דַּ֥ל שְׂפָתָֽי׃
BernfeldBestelle, Herr, meinem Munde Hut, bewahre die Öffnung meiner Lippen.
ZunzBestelle, Ewiger, meinem Munde Hut, Wache vor die Oeffnung meiner Lippen;
HirschRichte Gott deine Aufmerksamkeit, beaufsichtige meinen Mund, wache über das ärmste Wort meiner Lippen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 3. שיתה וגו'. Es ist zweifelhaft, ob שמרה ein Substantiv in der Form wie חכמה, und Objekt von שיתה ist: setze Gott eine Huth meinem Munde, oder, da diese Substantivform von שמר nicht weiter vorkommt, es wie gewöhnlich als Imperativ zu nehmen ist, wie שמרה נפשי (Ps. 86, 2), שמרה זאת לעולם (Chron. I. 29, 18). Es wäre dann שיתה absolut ohne Objekt im intransitiven, reflexiven Sinne zu nehmen: sich mit auf einen Gegenstand gerichteteter Aufmerksamkeit irgendwo hinstellen. So אשר סביב שתו עלי (Ps. 3, 7). שות שתו השערה (Jes. 22, 7). Daher auch שית מ־: die Aufmerksamkeit und Thätigkeit von Jemandem abwenden, ושית ממני' (Hiob 10, 20). שמרה לפי, wie בשמר יואב אל העיר (Sam. II. 11, 16). Demnach hieße es: richte deine Aufmerksamkeit, beaufsichtige meinen Mund. Auch der Accent spricht für diese Auffassung. נצרה, Imperatio Kal mit ungewöhnlichem Dagesch im צ'. דל שפתי wird von Vielen so viel als דלת verstanden. Es wäre dies um so mehr möglich, da, wie wir glauben, דלת selbst von דלה, schöpfen, ist, und die Thüre als Vermittelung des Ein- und Herauslassens von Menschen aus dem Hause bezeichnet. Allein die Form דל kommt doch sonst in diesem Sinne nicht vor. Es könnte auch vielleicht דל Substantiv von דלה sein, wie צו von צוה, קי von קוה, und das Herausschöpfen eines Wortes aus dem Born der Gedanken bedeuten. Wir glauben jedoch es in dem gewöhnlichen Sinne, arm. verstehen zu dürfen: wache über das Aermste meiner Lippen. Und da דל zunächst den herabgekommenen Armen bezeichnet, so wäre der Ausdruck sehr treffend zur Bezeichnung eines Wortes gewählt, das gleichsam von der der menschlichen Rede gebührenden Würde herabgekommen ist, das als geringfügig, nicht beachtenswerth betrachtet wird. Es sagte dann: wache darüber, daß mir kein Wort geringfügig erscheine, daß ich kein Wort unbedachtsam ausspreche. Mit der Ueberwachung seines Mundes begann David seine innere Veredlung und zugleich die Ertüchtigung und Weihe seines Wortes für die hohe Sendung, die er eben mit seinem Worte zu vollbringen haben sollte. In der That dürfte auch der Weg zur Selbstveredlung kaum mit einem andern Uebungsvorsatz so erfolgreich betreten werden können, als mit dem Vorsatz, den Mund vor jedem unwahren, lieblosen, unlautern Worte zu hüten. Denn welche Uebung fordert eine so ununterbrochene, fortgesetzte Selbstbeherrschung und Aufmerksamkeit auf sich, als eben die Uebung in der sittlichen Fleckenlosigkeit des Wortes.

4
אַל־תַּט־לִבִּ֨י לְדָבָ֪ר ׀ רָ֡ע לְהִתְע֘וֹלֵ֤ל עֲלִל֨וֹת ׀ בְּרֶ֗שַׁע אֶת־אִישִׁ֥ים פֹּעֲלֵי־אָ֑וֶן וּבַל־אֶ֝לְחַ֗ם בְּמַנְעַמֵּיהֶֽם׃
BernfeldDass mein Sinn nicht zu böser Rede lenke, frevelhafte Handlungen zu verüben mit Übeltätern; dass ich nicht koste von ihren Leckereien.
ZunzNicht lenke mein Herz zu böser Rede, zu verüben Handlungen aus Frevel mit den Männern, mit Uebelthätern, und nicht möcht' ich kosten von ihren Leckereien.
HirschLasse mein Herz nicht irgend Schlechtem sich zuneigen, sich an Thätigkeiten in Gesetzlosigkeit zu üben, mit Machtmisbrauch vollbringenden Leuten, und möge ich keine Nahrung an ihren Annehmlichkeiten finden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 4. אל תט וגו'. Die Ueberwachung des Wortes ist nur eine Vorschule zur Ueberwachung und Reinhaltung des Herzens. להתעולל וגו', sich auch nur in Gedanken in Ausübung gesetzwidersprechender Handlungen zu üben, את אישים וגו', wenn er mit schlechten Menschen zusammenlebt und in ihnen das Beispiel schlechter Lebens- und Handlungsweise vor Augen hat. Ein jedes solches Beispiel ist eine stille Aufforderung zur Nachahmung, der sich kein Mitlebender entziehen kann. Es führt die Möglichkeit eines vom Gesetzeswillen ungebundenen Lebens der Willkühr vor Augen, und wird um so verlockender durch die מנעמים, durch die Sinnen schmeichelnden Genüsse, die sie sich zu verschaffen wissen. ובל אלחם וגו', wie לחמו לחם רשע (Prov. 4, 17), לכו לחמו בלחמי (das. 9, 4).

5
יֶ֥הֶלְמֵֽנִי־צַדִּ֨יק ׀ חֶ֡סֶד וְֽיוֹכִיחֵ֗נִי שֶׁ֣מֶן רֹ֭אשׁ אַל־יָנִ֣י רֹאשִׁ֑י כִּי־ע֥וֹד וּ֝תְפִלָּתִ֗י בְּרָעוֹתֵיהֶֽם׃
BernfeldMöge mich der gerechte [Gott] mit Gnade züchtigen und zurechtweisen, aber das Salböl nicht von meinem Haupt nehmen. Dass ich noch — und darauf ist gerichtet mein Gebet — ihr Unglück sehe.
ZunzSchlägt mich der Gerechte — es ist Liebe, und straft er mich, es ist feinstes Oel; nicht weigert sich mein Haupt, wenn noch so oft — und ich bete bei ihren Leiden.
HirschMag der Gerechte schwer mich treffen, es ist Liebe, und mag Er zurecht mich weisen. Als des Hauptes Salböl soll mein Haupt Des nie sich weigern. Denn Dauer und mein Gebet finde ich in ihren Mißhandlungen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5. יהלמני וגו', הלם ist ein starkes, schweres Schlagen, wie ein Hammerschlag auf den Amboß, הולם פעם (Jes. 41, 7). צדיק: Gott, der auch im משפט seine חסד bethätigt (Vgl. צדיק als Bezeichnung Gottes, Ps. 11, 3). Die Freuden und Genüsse der פועלי און sollen keinen Reiz für mich haben. Vielmehr in den härtesten Schlägen, die der Allgerechte mich treffen läßt und damit mich zurechtweist, erkenne ich wohlthuende Liebe. Sie sind mir שמן ראש: das Haupt weihende Salböl, oder wie בשמים ראש (2. B. M. 30, 23): bestes, vorzügliches Oel, ähnlich wie das Salböl des Hohenpriesters, השמן הטוב heißt (Ps. 133, 2). ני' Hifil von נוא, wie אם הניא אביה אותה (4. B. M. 30, 6), mit fehlendem א', wie: (Kön. II. 13, 6) אשר החטי את ישראל: unterbrechen, stören. Die mich durch Schicksalsschläge zurechtweisende Liebe des Allgerechten ist mir ein weihendes Salböl, das mein Haupt nicht zurückweisen soll, eigentlich: in der beabsichtigten Wirkung nicht stören soll. Die mir von Gott zugeschickten Leiden sollen den mit ihnen beabsichtigten Zweck an mir erreichen. כי עוד וגו', עוד, Substantiv: Dauer, wie לא על איש ישים עוד (Hiob 34, 23). Die Leiden, welche Gott mir durch Menschen bereiten läßt, haben den Zweck mich auf die von keiner irdischen Trübung erreichbaren, unvergänglichen Güter hinzuweisen, ja mich selbst für meine zeitlich unvergängliche Bestimmung und Sendung zu befähigen, und mich die von dieser Bestimmung geforderte geistige und sittliche Veredlung in תפלה, in der still innern Arbeit an mir selbst vor Gott vollbringen zu lassen.

6
נִשְׁמְט֣וּ בִֽידֵי־סֶ֭לַע שֹׁפְטֵיהֶ֑ם וְשָׁמְע֥וּ אֲ֝מָרַ֗י כִּ֣י נָעֵֽמוּ׃
BernfeldHart wie Felsen entzogen sich mir ihre Richter [mir Recht zu gewähren), nachdem sie meine liebevollen Worte gehört.
ZunzEs entschlüpfen durch Felsenwände ihre Herrscher, und hörten meine Worte, daß sie so süß.
HirschSind einst durch des Felsen Hände herabgestürzt ihre Richter, dann werden sie meine Reden verstehen wie ansprechend sie sind.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 6. נשמטו וגו'. שמט: seinem bisherigen Halt entfahren (siehe Pent. 5. B. M. 15, 2), auch: aus einer Höhe hinabstürzen, wie שמטוה וישמטוה (Kön. II. 9, 33). סלע: Fels, insbesondere nach dem Merkmal seiner Unbeweglichkeit (Gegentheil von סלח, siehe Pent. 1. B. M. S. 519. 2, B. M. S. 120), daher auch ein immer zu findender Schutz. Hier Gedanken-Attribut von Gott, wie סלעי ומצודתי (Ps. 18, 3). שופטיהם: Diejenigen, deren Urtheil für ihre Lebensanschauungen und Lebensweise ihnen maßgebend ist. Wenn nun einst durch die Waltungen Gottes, der mir der immer zu findende Schutz und ihnen der nimmer zu beseitigende Widerstand ist, ihre maßgebenden, und darum ihr Urtheil irreleitenden Größen von dem Säulenfuß ihrer Höhe herabgestürzt sind: ושמעו אמרי כי נעמו, dann wird ihnen eine Verständniß für meine Reden aufgehen, und sie werden einsehen, wie sie allein נעמו, dem wahren, geistigen und sittlichen Bedürfniß des Menschen entsprechen. Bis dahin ist ihr Sinn von מנעמיהם so befangen, daß sie kein Verständniß haben für אמרי כי נעמו.

7
כְּמ֤וֹ פֹלֵ֣חַ וּבֹקֵ֣עַ בָּאָ֑רֶץ נִפְזְר֥וּ עֲ֝צָמֵ֗ינוּ לְפִ֣י שְׁאֽוֹל׃
BernfeldWie man die Erde durchfurcht und spaltet, so werden unsere Gebeine zerstreut bis an die Öffnung der Hölle.
ZunzWie einer in die Erde schneidet und sie spaltet, — so wurden unsere Gebeine zerstreut bis an die Oeffnung der Unterwelt.
HirschNur wie Einer, der trennt und klüftet im Boden, sind unsere Gebeine an Grabes Eingang zerstreut.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 7. כמו פלח וגו'. פלח im Piel, gewaltsam spalten, יפלח כליותי (Hiob 16, 13), scheint im Kal mehr ein Theilen in natürlich gesonderte Hälften und Theile zu bezeichnen. Daher פלח הרמון (Hohel. 4, 3) die natürliche Hälfte eines Granatapfels. פלח דבלה (Sam. I. 30, 12), ein Stück von einem zusammengekneteten Feigenklumpen. פלח רכב (Richter 9, 53), der Eine von zwei zusammengehörigen Mühlsteinen. Chald. hat פלח die Bedeutung des hebräischen עבד. Es scheint zunächst die Lockermachung des Ackerbodens zu bedeuten, und davon die allgemeine Bedeutung 'des Arbeitens und der Dienstarbeit wie עבד erhalten zu haben. Hier schiene es dann in der ursprünglichen Bedeutung des Ackerns zu stehen. Der Plural עצמינו läßt erkennen, daß David hier nicht aus seinem Einzelverhältniß, sondern aus der Geschickeslage Israels heraus gesprochen. Vor der Zeit, in welcher die im vorigen Vers angedeutete Zukunft ihre Verwirklichung findet, sieht David im Geiste uns über die weite Erde hin zerstreut. Wie Ezechiel (K. 37), sieht er die zusammengehörigen Glieder unseres einheitlichen Volkskörpers weithin getrennt und zerstreut. Die Zerstreung scheint uns לפי שאול, zum Eingang des Untergangs zu bringen. Allein sie ist nur wie die Wirkung eines פלח ובקע בארץ, eines Ackerers, der die Krume lockert und hartes Gestein spaltet. Die Zerstreuung und die in ihr uns werdenden Geschicke dienen nur dazu, uns für das Zeitigen und Aufgehen der uns anvertrauten Zukunft-Saaten der Menschheit fähig zu machen. Gottes Menschheit-Acker sind wir, und unser Galuthgeschick ist Seine Arbeit an uns.

8
כִּ֤י אֵלֶ֨יךָ ׀ יֱהֹוִ֣ה אֲדֹנָ֣י עֵינָ֑י בְּכָ֥ה חָ֝סִ֗יתִי אַל־תְּעַ֥ר נַפְשִֽׁי׃
BernfeldAber auf dich, Gott, mein Herr, sind meine Augen gerichtet, bei dir berge ich mich, gib nicht mein Leben preis.
ZunzDenn auf dich, Gott mein Herr, sind meine Augen, bei dir berg' ich mich, verschütte nicht mein Leben.
HirschDenn zu dir, der du, mein Herr, auch im Rechte Liebe übest, sind meine Augen gerichtet, in dich habe ich meine Zuversicht, du werdest meine Seele nicht entfliehen lassen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 8. כי אליך וגו'. Denn Gott bleibt unser Herr, wir bleiben in seinem Dienste, und auch ernste Leiden spendend, übt er seine Liebe. Wir haben unsere Zuversicht in ihn, daß, wenn auch לפי שאול hin zerstreut, Er doch unsere Seele nicht entfliehen lassen wird. תער, Piel von ערה, eigentlich: ausschütten, ausleeren, wie ותער כדה (1. B. M. 24, 20). הערה למות נפשו (Jes. 53, 12).

9
שׇׁמְרֵ֗נִי מִ֣ידֵי פַ֭ח יָ֣קְשׁוּ לִ֑י וּ֝מֹקְשׁ֗וֹת פֹּ֣עֲלֵי אָֽוֶן׃
BernfeldBehüte mich vor der Gewalt der Schlinge, die sie mir gelegt, und den Fallen der Übeltäter.
ZunzBewahre mich vor der Gewalt der Schlinge, die sie mir gelegt, und den Fallen der Uebelthäter.
HirschHüte mich vor der Falle Gewalten, die sie mir gelegt, vor den Schlingen der Machtmißbrauch Vollbringenden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 9. 10. שמרני וגו'. Schütze mich nur, daß ich ihren Fallen und Schlingen entgehe, mit denen sie mich meiner Pflichtbahn entlocken und in's Verderben zu stürzen versuchen. (Vgl. Ps. 140, 6). מכמריו, מכמר: Netz (siehe Pent. 1. B. M. 44, 30). Das Suffixum י- kann sich wohl nur auf און des vorhergehenden V. beziehen. Die Netze, welche das און der פועלי און bereitet. In dessen Netze fallen sie, die רשעים, die sie bereiten, oder überhaupt רשעים, zu deren verdientem Untergang Gott die Machinationen der פועלי און zuläßt. יחד אנכי', zusammen auch ich, d. i. spurlos gehen die Veranstaltungen der פועלי און auch an mir nicht vorüber. Ich gerathe auch in ihre Netze. Allein: עד אעבור, nur so lange, bis ich über sie hinüber bin.

10
יִפְּל֣וּ בְמַכְמֹרָ֣יו רְשָׁעִ֑ים יַ֥חַד אָ֝נֹכִ֗י עַֽד־אֶעֱבֽוֹר׃ {פ}
BernfeldMögen die Frevler in die eigenen Netze fallen allesamt, während ich durchkomme.
ZunzMögen fallen in die eigenen Netze die Frevler allesammt, bis ich hindurch gekommen.
HirschGesetzlose fallen in dessen Netze, zugleich auch ich — bis ich hinüber bin.