Tehillim 132 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 132, V. 1. שיר המעלות וגו'. Das vorige Lied hatte uns die völlige Selbstlosigkeit, die völlige und ausschließliche Hingebung an Israels Gesammtheil, als den Grundzug in Davids Charakter gezeigt. Dieses Lied lehrt uns nun, wie eben dieses völlige Aufgeben seiner selbst für die großen geistigen Ziele seiner Nation, David das ewig mustergiltige Andenken sichert, und ihn von Gott zum ewigen Träger der geistigen Zukunft seines Volkes und seines Heiligthums bestimmt werden ließ. Wie aus V. 7. 8. 13. 14. erhellt, feiert dieses Lied den Moment, in welchem die Gesetzesbundeslade in den von Salomo erbauten Tempel einzog, und damit dieser Tempel der ewigen Gottesgegenwart in Israel und der Menschheit geweiht wurde, und der König und das Volk einem sichtbaren Zeichen des Einzugs der Gottesgegenwart in die ihr von ihren Händen bereitete Stätte entgegenharrten (Kön. I. 8, 10—12). In diesem einzig hohen, die ganze Zukunft in seinem Schooße tragenden Momente, ist es nicht die Pracht und der Reichthum des Tempels, ist es nicht die Weisheit und der Ruhmesglanz seines Erbauers, ist es das Verdienst Davids, des bereits Hingegangenen, auf welches hingeblickt wird, der mit seines Geistes Leistungen erst die Möglichkeit dieses Momentes herbeigeführt, in dessen Geist der Tempel erbaut worden, und dessen dem Dienste Gottes in Israel und der Menschheit geweihter Geist in seinen Nachkommen und seinem Volke sich vererben soll, bis an der Zeiten Gränze die mit der Gottesstiftung in Israel gestreute Geistessaat zum ewigen Heile auf Erden aufgehen werde.
זכור וגו', את כל ענותו, es dürfte zweifelhaft sein, wie dies ענותו zu verstehen wäre. Ps. 119, 71 heißt es טוב לי כי עניתי, und könnte es auch hier heißen: Gedenke David sein ganzes Leidgeschick, all das Leid, von dem er sein Lebenlang betroffen worden, und doch אשר נשבע u. s. w. lag ihm nur das Eine am Herzen, die verheißene bleibende Gottesstätte zu finden. Oder es bezeichnet wie הנפש אשר לא תענה (3. B. M. 23, 29), sich selbst auferlegte Entbehrungen, und bezöge sich dann auf die V. 2—4 ausgesprochenen Gelobungen, sich selbst keiner häuslichen Behaglichkeit hinzugeben, so lange die bleibende Gottesstätte nicht gefunden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2—5. אשר וגו'. אביר יעקב (Siehe Pent. 1. B. M. 16, 5. 49, 24). Gott, der Jaakob aus dem niedrigen Flüchtlings- und Knechtsgeschick zu so bedeutsamer Höhe der Bestimmung emporgehoben. Dieselbe emporrichtende und emporhebende Gotteskraft hatte auch David in seinem prüfungsvollen Lebensgange vom Hirtenknaben zum gottbegnadeten Liederfürsten erfahren. Ganz besonders wird aber Jaakob als Dessen gedacht, der mit gelobendem Lebensvorsatz und mit Erkenntniß der Weihe einer irdischen Stätte zum Gottes-Hause mustergiltig vorangegangen (1. B. M. 28, 20—22).
באהל ביתי, אהל bezeichnet begrifflich einen für das private Einzelleben abgegränzten Raum (Siehe Pent. 1. B. M. 9, 21). Ich will in mein Haus nicht als mein אהל eingehen, d. h. ich will mich selbst in meinem Hause nicht nur meinem Privatanliegen hingeben. ערש יצועים, ein mit vielen Kissen versehenes, reichgepolstertes Bett. Mein Lager soll nicht reich gebettet sein. אם אתן וגו', nicht: ich will nicht schlafen, sondern: ich will meine Augen dem Schlaf nicht hingeben, ihnen den Schlaf nicht bis zur vollen Befriedigung gönnen.
עד אמצא וגו'. 5. B. M. 12, 5 war die Weisung gegeben: לשכנו תדרשו ובאת שמה, nach Gottes Kundgebung seiner Gegenwart zu fragen dahin zu kommen, und damit geboten, nur an einem von Gott erwählten und bestimmten Orte, המקום אשר יבחר ד' א' בו לשכן שמו שם (das. 11), die bleibende, ewige Centralstätte seines Gesetzesheiligthums zu erkennen, nicht aber eine solche aus eigener Wahl hervorgehen zu lassen, vielmehr der Kundgebung Gottes hierüber zu harren. Alle bis zu diesem Zeitpunkt von uns für die Aufrichtung des Heiligthums gewählten Oerter hatten keine volle nationale Bedeutung und Berechtigung und trugen nur einen provisorischen Charakter. Siehe hierüber ausführlich Pent. 5. B. M. 12, 5. 8—12. Die Erwählung einer Stätte für Gottes Gesetzesheiligthum zum bleibenden, ewigen Vereinigungspunkt der Nation, sollte als letzter Akt die völlige Besitznahme des Landes krönen, ihr sollte diese und die Königswahl vorangehen. Der feste bleibende Bau des Heiligthums setzte voraus, daß nicht nur räumlich die Nation in gesicherten Gränzen wohne, sondern auch geistig sich ihrer Zusammenhörigkeit durch das sie Alle einigende Gottesgesetz bewußt sein, und diese Einigung ihren Träger in dem für die Verwirklichung des Gottesgesetzes gewählten König gefunden haben solle. In David war der Mann gefunden, der nicht nur für die Vollendung der Landesbesitznahme und deren Sicherstellung thätig war, sondern vor Allem mit seinen begeisterten und begeisternden Liedern den, Gott und seinem Gesetze zugewandten nationalen Sinn in seinem Volke zu wecken verstand, der es befähigte, der Gottesbekundung einer bleibenden Stätte für Seine Gegenwart in seiner Mitte gewürdigt zu werden. Eine solche Bekundung schloß die Anerkennung in sich, daß Israel für den vollen Antritt seiner ihm bestimmten Beziehung zu Gott, als sein und seines Gesetzes Volk, endlich reif geworden. Es begreift sich daher, wie David in der Gestaltung eines festen Tempelbau's das Höheziel seiner nationalen Bestrebungen und die Krönung seiner Wirksamkeit im Dienste Gottes erblicken, und er das „Erreichen eines Ortes für Gott, das Erreichen von Gegenwartsstätten für die Schwungkraft Jaakobs" als Gelobungsvorsatz seines Strebens machen konnte. Das Gesetzesheiligthum wird hier aber nicht משכן, sondern משכנות im Plural genannt. Umfaßt es doch, wie wir schon wiederholt bemerkt, drei Räume, die „Wortstätte," in welcher das Gottesgesetz unter Cherubimfittigen ruhte, die „Machtstätte," in welcher das Aufblühen und die Hingebung aller leiblichen und geistigen Wohlfahrt auf dem Grunde und für die Ziele des göttlichen Gesetzes vergegenwärtigt waren, und den „Vorraum," in welchem die Wege gelehrt und beschritten wurden, die zur Erreichung der Höhe dieser unserer Bestimmung führen. Alle drei Räume sind משכנות ד', sind von Gottes Gegenwart gewürdigte Stätten, Er ist nicht nur bei dem vollendeten Ideale der von Ihm uns gestellten Aufgaben gegenwärtig, seine Gegenwart weilt auch da, wo wir erst aus unserm sinnlich befangenen Leben zur selbstbeherrschenden Freiheit und opferfreudigen Hingebung an die Erfüllung seines Willens uns emporringen; denn er bewährt sich auch uns als אביר יעקב, als die uns zur Höhe unserer Bestimmung aufrichtende und emportragende Macht.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. הנה וגו'. באפרתה. Es giebt allerdings einen Ort אפרת, gleichbedeutend mit בית לחם, und heißt daher David aus בית לחם auch בן איש אפרתי (Sam. I. 17, 12). Allein auch Elkana מהר אפרים heißt Sam. I. 1, 1. אפרתי, und wird dies von ת"י als Bewohner des Gebirgs Ephraim erklärt. Wir glauben daher auch hier אפרתה als das Gebiet Efraims verstehen zu dürfen. Schilo, wo von Josua bis Samuel die Stiftshütte sich befand, lag im Gebiete Efraim. תאנת שילה (Josua 16, 6), welches nach Jeruschalmi Megilla I, 12 mit שילה identisch ist, gehörte zum Gebiete Efraims, und heißt daher das משכן שילה (Ps. 78, 67): אהל יוסף. Nach dem Untergange Schilo's kam die Bundeslade nach גבעה, das zu קרית יערים gehörte, so daß (Sam. I. 7, 2), der langjährige Aufenthalt derselben in גבעה geradezu שבת הארון בקרית יערים bezeichnet wird, eine Benennung, die jedenfalls auf eine Waldgegend hinweist. Wir glauben daher den Sinn unserer Stelle also verstehen zu dürfen: Aus den Berichten vergangener Zeiten hörten wir von dem Vorhandensein der Gottesstätte im Gebiete Efraims. In unserer Gegenwart fanden wir sie aber in Gibea, einer Waldgegend, die keineswegs geeignet war National-Mittelpunkt zu sein. (Nicht ganz erklärt ist das Suff. ה in שמענוה, מצאנוה. Es kann sich nur auf מקום beziehen, das aber sonst männlich ist. Es kommt jedoch auch weiblich vor. ולא עוד תשורנו מקומו Hiob 20, 9). Jetzt aber:
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7. נבואה וגו', jetzt aber kommen wir zu seinen bleibenden Wohnstätten, werfen uns nieder zu „dem Schemel seiner Füße," d. i. da, wo er waltend ruhen wird (Siehe Ps. 99, 5). Vielleicht auch sagt der Ausdruck הדום רגליו, daß seine Gegenwart fortan nicht weiter wandern, vielmehr dort bleibend ruhen werde, ähnlich dem זאת מנוחתי וגו' V. 14. Es hatte nemlich David diese Stelle als den für den festen Tempelbau bestimmten Ort erkannt, indem dort einer in Folge seiner Verirrung ausgebrochenen Pest Einhalt geboten wurde, nachdem er auf die ihm durch den Propheten Gad gewordene Weisung dort einen Altar errichtet und עולות ושלמים dargebracht hatte (Siehe Sam. II. 24, 18—25. Chron. I. 21, 31). Dort hatte dann Salomo den Tempel gebaut, und steht nun in Begriff, die Bundeslade des göttlichen Gesetzes, — das einzige Sichtbare, für welches der Tempel erbaut worden, und von welchem Gott verheißen ונועדתי לך שם (2. B. M. 25, 22) — in das Allerheiligste einzuführen, und richtet nun V. 8 an Gott den Aufruf, mit seinem Gesetze in den Tempel einzuziehen und seine Gegenwart zu bekunden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 8. קומה וגו'. 4. B. M. 10, 35. 36. ist קומה der an die Bundeslade zum Aufbruch gerichtete Aufruf; der Aufruf zur Einkehr heißt: שובה; denn dort ist die Einkehr eine Rückkehr in die Stätte des Heiligthums, welche zum Behuf des fortzusetzenden Wanderzugs des Volkes verlassen war. Hier aber ist der Aufruf zum Einzug in das Heiligthum ein doppelter: zum völligen Aufgeben des bisherigen nur provisorischen Weilens an einem Orte, und zur endlichen, bleibenden Niederlassung in die für die Ewigkeit geweihte Stätte. Daher קומה — למנוחתך. עזך ist das Gottesgesetz, das eben als Gottes Gesetz von Gott mit unwiderstehlicher Macht ausgerüstet ist, sich endlich die volle Huldigung Israels und der Menschheit zu erobern.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 9. כהניך וגו'. Erst mit dem Momente, in welchem Gott in das Heiligthum einzieht, und es damit als sein Heiligthum erklärt, erklärt er damit auch die Priester dieses Heiligthums als seine Priester, und mit der Niederlassung seines Gesetzes in das Allerheiligste dieses Heiligthums erhalten erst die Priester-Gewänder, welche den Priester als solchen charakterisiren, die Bedeutung der Gesetzesdienstgewänder, bezeichnen die damit Bekleideten als dem Dienste des Gesetzes geweiht, seinen Inhalt, der Nichts als צדק, das göttliche Rechtsideal für das Einzel- und Gesammtleben auf Erden ist, an sich, und durch Lehre, Beispiel und symbolische Handlung zur Verwirklichung zu bringen. Vgl Pent. 2. B. M. S. 462—472.
וחסידיך, das Volk, das sich in Liebe dir hingiebt, ירננו, wird der Bekundung deiner Gegenwart in seiner Mitte entgegenjauchzen. Vgl. וירא כל העם וירנו (3. B. M. 9, 20).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 10. בעבור וגו'. Wie bei dem Bau und der Einweihung des ersten Gottesheiligthums, der Stiftshütte in der Wüste (2. B. M. 40, 34. 3. B. M. 9, 23. 24.), harrte Salomo bei Vollendung und Einrichtung des von ihm erbauten Tempels der Bekundung der Gottesgegenwart (Kön. I. 8, 10. 11. Chron. II. 5, 13. 7, 1). Aber es war nicht im Namen seines Verdienstes, daß er diese sichtbare Genehmigung seines Werkes erhoffte, um Davids und Dessen willen, was David als „Diener" Gottes für Gottes Werk für Israel und die Menschheit in seiner Zeit und für alle Zeit hin geleistet hatte, hofft er, der „Gottesgesalbte," auf Gewährung des von ihm Ersehnten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 11. 12. נשבע וגו'. Denn selbst, daß er, Salomo, die Königsweihe im Gottesvolke erhalten, verdankte er ja nicht seinem eigenen Verdienste, nur als Sohn Davids saß er auf dem Thron, und für David, um in seinem Geiste weiter zu wirken, ward er auf den Thron berufen Als David für sich endlich die Zeit gekommen glaubte, Gott das feste Haus zu bauen, ward ihm durch den Prophet Nathan (Sam. II. 7) die Verheißung, auf welche hier hingeblickt wird, daß sein Sohn den Tempel erbauen und für ewige Zeiten die Nachkommenschaft Davids für Gottes Thron in Israel bestimmt bleiben solle, eine Bestimmung, welche von David nicht nur für Israel, sondern auch für die „Lehrzwecke der Menschheit" bedeutungsvoll begriffen wurde. (ותדבר גם אל בית עבדך למרחוק וזאת תורת (האדם א' א' Sam. II. 7, 19. 23, 5). אמת לא ישוב ממנה, vgl. damit die Worte Davids אתה הוא האלק' ודבריך יהיו אמת (daf. 23, 28). אשית לכסא לך, ישבו לכסא לך, auf Etwas sitzen, auf einem Thron sitzen heißt immer ישב על. ישב ל- heißt immer: in der Richtung auf Etwas verharren, einer Sache gewärtig sein. So על דרכים ישבת להם (Jerem. 3, 2), והארב ישב לה בחדר (Richter 16, 9), ימים רבים תשבי לי (Hosea 3, 3). Auch שב לימיני (Ps. 110, 1) heißt ja nicht auf der Rechten, sondern in der Richtung der Rechten, zur Rechten sitzen. Selbst in dem Ausdruck ישבו לארץ ( Klagel. 2, 10 ) ist ארץ nicht sowohl die Unterlage als die Richtung, im Gegensatz zur bisherigen Höhe: erdwärts, zur Erde setzen sie sich. Ebenso heißt שית ל- einem Gegenstand eine Richtung auf Etwas geben. שיתה לבכם לחילה (Ps.48,14), שית לבך לעדרים (Prov.27,23Vgl. Ps.9,5). Es wird daher das עדי עד ישבו לכסא wohl schwerlich heißen: sie werden ewig auf dem Thron bleiben. Wenn gleich dies immer nur bedingungsweise ausgesprochen und an die Erfüllung des אם ישמרו בניך בריתי וגו' geknüpft wäre, so ist ja der Bestand des davidischen Thrones ebenso sehr auch von der Gesetzestreue des Volkes abhängig, und wenn, wie von Anfang an verkündet, das Volk durch seine Versündigung des Landes verlustig gegangen ist, so giebt es ja während der Zeit der Verbannung für Davids Thron keine Stätte. גם בניהם עדי עד ישבו לכסא לך sagt daher wohl: deine Dynastie wird nicht aussterben, und Nachkommen von dir werden immer für den Thron, und zwar לך, für den in deinem Geiste zu besteigenden Thron vorhanden sein. ועדתי', eine Plural und Singular verbindende Form. Sie begreift die Mannigfaltigkeit der göttlichen Zeugnisse als eine die Eine Wahrheit und das Eine Recht, die Eine Liebe und die Eine Heiligung aus dem Einen Quell der Gotthörigkeit entwickelnden Einheit.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 13. 14. כי בחר וגו'. V. 11. 12. sind nur eine Motivirung der in V. 10 enthaltenen Berufung auf David. V. 13 ist aber eine Begründung des V. 9 erwarteten Einzugs Gottes und der Bundeslade zum bleibenden Sitz in dem nunmehr zu Zion erbauten Heiligthum. Daß der Tempelbau auf der Moriahöhe zu Zion den göttlichen Absichten entsprechen werde, war schon David durch den Einhalt der Pest an dieser Stelle, und die dabei David gewordene Weisung, einen Altar dort zu bauen, angedeutet (Sam. II. 24, 18. Chron. I. 21, 18. 31), und war auch Salomo noch während des Bau's bekundet worden (Kön. I. 6, 11—13). כי בחר וגו'. Gott hat Zion aus allen andern Oertern des Landes, ja der Erde ausgewählt, אוה וגו', hat es sich zum bleibenden Sitz gewünscht, hat mit dem schon während des Bau's an Salomo gerichteten Gottesworte es ausgesprochen, daß durch diesen Bau die an David ertheilte Zusicherung in Erfüllung gehen werde, daß dessen Sohn das längst (5. B. M. 12, 11 f.) verheißene feste Gottes-Haus erbauen solle. Damit hatte Gott von diesem nun vollendeten Bau ausgesprochen: זאת מנוחתי וגו'.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 15—18. צידה וגו', und wenn es dort, V. 13 heißt: ושכנתי בתוך בני ישראל ולא אעזוב את עמי ישראל, so wird diese Zusicherung nun hier V. 15—18 in den Wirkungen zum Ausdruck gebracht, in welchen deren Erfüllung in die Erscheinung tritt. „Segen" hatte Gott von vornherein als Dasjenige angekündigt, in welchem sich seine Gegenwart an jeder Stätte offenbaren werde, die er Stätte seines zu gedenkenden Namens zu sein, würdigen werde. בכל המקום אשר אזכיר את שמי אבוא אליך וברכתיך (2. B. M. 20, 24). Daher auch hier צידה ברך אברך: in dem durch den Geist des zu Zion unter meiner Gegenwart ruhenden Gesetzes gestalteten, somit Zion angehörenden Kreis gebe ich reichen Nahrungs-Segen, also, daß selbst אביוניה, selbst die von Zion aus auf die Pflichtliebe ihrer Brüder angewiesenen Armen gesättigt werden. Im Kreise des zu Zion thronenden Gottesgesetzes soll es keine darbende Menschenseele geben. Die durch Gottes Gesetz genährte Pflichtgesinnung, und der solcher Gesinnung Mittel gewährende Gottessegen sollen dieses Wunder bewirken (Vgl. Pent. 5. B. M. 15, 11).
וכהניה וגו'. Wenn Zion's Priester (V. 9) sich in das durch Gottes Gesetz gelehrte und geforderte צדק kleiden, so kleidet Gott sie in ישע', in die höchste Potenz vollendeten Menschen-„Seins". ישע' ist ein Produkt von צדק, und verhält sich zu צדק, wie die positiven בגדי' כהג' zu den mehr negativen בגדי' כהן הדיוט (Siehe Pent. 2. B. M. S. 469). וחסידיה, und Zions Volk, die Gott in Lieb Geweihten, werden dann nicht nur beim Einzug der Gottesherrlichkeit in ihre Mitte (V. 9) jauchzen, sie werden dauernd der in dem gesegneten Volkesleben sich verkündenden Gottesgegenwart laut sich freuen. שם וגו', dort, wo die Königsmacht in Davids Geist sich nur im Dienste des in Zion ruhenden Gottesgesetzes und für die Verwirklichung desselben begreift, dort lasse ich diese von davidischem Geiste erfüllte Macht zu immer größerer Kraftfülle wachsen, dort ערכתי וגו' habe ich „meinem Gesalbten eine Leuchte geordnet." Entweder: dort habe ich für jeden den Thron Davids besteigenden König das Gesetz niedergelegt, das ihm zur steten Leuchte für jeden seiner Schritte dienen soll (Vgl. Ps. 119, 105. und 5. B. M. 18, 18—20). Oder: während V. 15 bis hierher der auf dem Boden des Gesetzes zu findende Segen und das Gedeihen der durch den שולחן im Heiligthum repräsentirten materiellen Wohlfahrt gezeichnet wird, blickt ערכתי נר למשיחי gerade zu auf die dem שולחן gegenüber nach Gottes Gebot täglich zu „ordnende" Leuchte, מנורה, hin (להעלות נר תמיד וגו', 'ערוך אותו אהרן וגו' 2. B. M. 27, 20. 21. —), welche, als „Lichtbaum" die ewig fortschreitende Entwickelung des aus der תורה zu schöpfenden Geistes darstellend, dem davidischen König-Gesalbten die unablässige Pflege des göttlichen Gesetzesgeistes in seinem Volke als eine Aufgabe zeigt, in deren Lösung David, sein Ahn, als ewiges Muster vorangegangen ist, und die in dem einstigen, Israels und der Menschheit Erlösung vollbringenden Sprößling aus Davids Stamm am Ende der Zeiten (Jesaias 11) zu höchster Vollendung gelangen wird (Siehe Pent. 2. B. M. S. 407). אויביו וגו'. Die Feinde dieses von David's Stamm getragenen Geistes, „bekleide ich mit Schande," sie finden ihre ewige Beschämung in der Einsicht der Nichtigkeit und des Unrechts dieser Feindschaft, ועליו: die von dem Davidssohn getragene Krone der Weihe gelangt aber zu ewiger Blüthe.