Tehillim 128 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 128, V. 1. שיר המעלות. In das Innere eines jüdischen Hauses führt uns dieser Psalm ein, und besingt das „Glück" und das „Gute," das dort heimisch ist, und den „Segen," der dem jüdischen Mann als Ideal seiner Wünsche hienieden vorschwebt. „Gottesfurcht„ und „Arbeit" sind die Quellen dieses Glücks, Weib und Kinder, Interesse für alles geistige und materielle Anliegen seines Volkes in der Gegenwart, für die Zukunft seines Hauses und seines Volkes in der Ferne, bilden die Bestandtheile dieses Glückes. אשרי, zum „Glück an sich" genügt überhaupt schon Gottesfurcht und ein rechtschaffener Wandel in Gottes Wegen. כל ירא ד', jeder in den von Gott vorgeschriebenen Wegen wandelnde Gottesfürchtige, unabhängig von der Gunst oder Ungunst des Geschickes, ist nicht nur nie unglücklich, er ist glücklich in sich, die Gottesfurcht und das Streben in Gottes Wegen ist an sich das Beglückende. In ihnen liegt das אשר (nicht עשר), das Bewußtsein innegewordenen Fortschreitens in Gütern der innern Vollendung, das Bewußtsein des Gedeihens, der fortschreitenden Annäherung zu dem Ziele unserer Bestimmung.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. יגיע וגו'. Wenn aber zu dieser immer beglückenden Gottesfurcht auch von äußerm Erfolg begleitete Arbeit sich gesellt: dann hat er den Gipfel des erreichbaren „Guten" errungen, das „Gute ist sein," ist die Frucht seiner Mühe, die gottgesegnete Errungenschaft seiner Thätigkeit, und das ist eine Süßigkeit des Glücks, die Der entbehrt, die Der gar nicht kennt, dem mühelos die äußern Güter eines entbehrungslosen Daseins geworden, der nicht zu „arbeiten" braucht für Weib und Kind.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. אשתך וגו'. Wenn das Weib in heiterer Zufriedenheit im Hause blüht, wenn die Kinder in gesunder Frische um den Tisch gedeihen, so ist es sein Weib, sein Haus, sind es seine Kinder, ist es sein Tisch, das bescheidene Glück der Seinen ist die Frucht seiner Bemühungen. Ein mühelos versorgtes Dasein muß sich außerordentliche Freuden erkaufen. Dem durch Arbeit gewonnenen Leben ist die Freude in Stunden des gewöhnlichen Lebens gestreut. Es ist aber unserem Liede das Weib גפן, der edelste Baum, edel durch seine Frucht, „die Gott und Menschen erfreut" (Richter 9, 13), und es blüht בירכתי הבית, im „innersten Innern" des Hauses (siehe Ps. 28, 3). Des jüdischen Weibes Königthum und Paradies ist das Haus. Und es sind die Kinder כשתלי זיתים, mit Ernst und Sorgfalt gepflegte „Setzlinge" (siehe Ps. 1, 3) jenes Baumes ewig „frischer Schöne" (Ps. 52, 10), dessen Frucht sind „Kinder des Lichtes und der Weihe," und sitzen „rings um der Eltern Tisch," sie sind die liebste Umgebung der Eltern, blühen auf unter den Augen des Vaters und der Mutter, sind nicht der Pflege und Gesellschaft von Miethlingen überwiesen —
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. הנה כי כן וגו', „siehe, wenn es so ist," wenn unter dem züchtigen Walten des Weibes Kinder in hoffnungsvoller „Frische" und im Adel des „Geistes" und der „Weihe" um den Tisch ihm erblühen, und dem „Mühen seiner Hände" die Ernährung seiner Lieben gelingt, dann „fühlt sich gesegnet der Mann, der Gott fürchtet," dann hat Gott ihm sein Hoffen und Wünschen, so weit es ihn betrifft, gekrönt —
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. יברכך וגו'. Allein der gottesfürchtige jüdische Mann fühlt sich und sein Haus nicht als Mittelpunkt und Umkreis seines Strebens und Segens, fühlt sich und sein Haus nur als Zweig und Glied jenes großen Kreises, dessen Mittelpunkt in JerusalemZion liegt. Das Gotteswort, das zu Zion unter Cherubimfittig ruht, ist der Quell seines Segens und der Born seines Strebens, und dem Ideale, das in Jerusalem seine Verwirklichung finden soll, gehört er und sein Haus an. Aus Zion quillt ihm die Kraft, und auf Jerusalems Wohl blickt er sein Lebenlang hin, Beitrag zum Wiederaufbau Jerusalems zu werden, ist der Gedanke, der sein Leben erfüllt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. וראה וגו'. Und wenn ihm nun noch das Glück wird, „Kinder seiner Kinder zu sehen," in den Kindern seiner Kinder seine Kinder zu erblicken, wenn Geist und Gesinnung, die er in seinen Kindern zu pflegen bemüht gewesen, vor seinen Augen auch sich in seinen Enkeln weiter vererben, wenn er so der eigenen hieniedigen Unsterblichkeit, seines irdischen Fortlebens nach dem Tode, selbst noch vor seinem Scheiden inne und gewiß wird, — dann hat er den Gipfel des irdischen Glückes genossen, dann geht er, wie unsere Sprache so sinnig spricht, „satt" von dannen, dann nimmt er eine Ahnung mit von dem Heilesfrieden, der einst über Israel sich verwirklichen wird. שלום על ישראל ist auch Objekt zu וראה.