Tehillim 127 תהילים

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1
שִׁ֥יר הַֽמַּעֲל֗וֹת לִשְׁלֹ֫מֹ֥ה אִם־יְהֹוָ֤ה ׀ לֹא־יִבְנֶ֬ה בַ֗יִת שָׁ֤וְא עָמְל֣וּ בוֹנָ֣יו בּ֑וֹ אִם־יְהֹוָ֥ה לֹא־יִשְׁמׇר־עִ֝֗יר שָׁ֤וְא ׀ שָׁקַ֬ד שׁוֹמֵֽר׃
BernfeldStufenlied. Von Salomo. Wenn der Herr nicht das Haus bauet, — vergeblich haben sich daran abgemüht, die es erbaut; wenn der Herr die Stadt nicht hütet, wacht der Wächter vergeblich.
ZunzStufenlied; Von Schelomoh. Wenn der Ewige nicht bauet das Haus — umsonst mühen sich seine Erbauer daran; wenn der Ewige nicht hütet die Stadt — umsonst wacht der Wächter.
HirschLied der Emporgänge von Schelomo. Wenn Gott ein Haus nicht weiter baut, haben sich vergebens die Bauer daran gemüht; wenn Gott eine Stadt nicht hüten wird, hat vergebens der Hüter gewacht.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 127, V. 1. שיר המעלות. Der vorige Psalm hatte von der „Heiterkeit" gesungen, die das jüdische Volk mitten in thränenreichem Galuthgeschick sich zu bewahren gewußt. Dieser und der folgende Psalm führt uns in das Haus und die Familie eines jüdischen Mannes, und zeigt uns den Quell, aus welchem in jenem die Sorgen scheuchende Ruhe, und in diesem der beglückende Segen quillt.

אם ד'. Wenn Gott das Werk der Menschen nicht fördert und schirmt, so ist alle Thätigkeit der Menschen vergebens, mag es sich um Gründung und Erhaltung eines einzelnen Hauses oder um Schutz und Sicherheit einer ganzen Stadt handeln. Die Menschen können nur das Ihrige thun, den beabsichtigten Zweck nur vorbereiten, haben aber mit Aufwand aller ihrer Kräfte den Erfolg nie in Händen.

2
שָׁ֤וְא לָכֶ֨ם מַשְׁכִּ֪ימֵֽי ק֡וּם מְאַחֲרֵי־שֶׁ֗בֶת אֹ֭כְלֵי לֶ֣חֶם הָעֲצָבִ֑ים כֵּ֤ן יִתֵּ֖ן לִידִיד֣וֹ שֵׁנָֽא׃
BernfeldVergeblich steht ihr früh auf, sitzet spät wach, die ihr Brot der Mühsal esset; ebenso gibt er es seinem Liebling im Schlaf.
ZunzUmsonst daß ihr früh aufstehet, spät noch sitzet, die ihr Brod der Mühsal esset; das giebt er seinem Liebling im Schlaf.
HirschVergebens ist euch euer Frühaufstehen, euer Späthinweilen, darum esset ihr das Brod der Sorgen — seinen Geliebten giebt so er Schlaf.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2. שוא וגו'. Das Bewußtsein von dieser Unzulänglichkeit aller menschlichen Thätigkeit läßt den gewöhnlichen Menschen nicht aus der Sorge hinauskommen, treibt ihn zur Ueberspannung aller seiner Kräfte, raubt ihm Ruhe und Schlaf, und läßt ihn kein Stückchen Brod heiter genießen. Gerade aber dies Bewußtsein von der Unzulänglichkeit aller Menschenbemühungen gewährt dem, der sich der fürsorgenden Liebe Gottes, gleichsam der Freundschaft Gottes, bewußt fühlt — (ידיד ist passiv) — heitern Schlaf. Er weiß, daß, wenn er auch alle seine Kräfte aufreiben, sich keine Ruhe und keinen Schlaf gönnen würde, er doch ohne Gottes endliches Hinzuthun Nichts erreichen würde, weiß, daß Gott des redlich Strebenden Freund ist, seine Sorgen kennt, seine Sorgen theilt, nur verlangt, daß der Mensch redlich das Seine thue, um dann sein Streben nach seiner Einsicht mit Gelingen zu krönen: darum thut er redlich das Seine und stellt Alles, wohin des Menschen Kraft und Einsicht nicht reicht, ruhig Gott, „seinem Freunde" anheim. Was den Andern Schlaf raubt, gewährt ihm Schlaf, und wo der Andern Sorge anhebt, findet seine Sorge das Ende. שנא mit א statt ה, von ישן, schlafen. Vielleicht zugleich שנא, soviel als שאן (siehe Ps. 68, 18), ungestörte Ruhe andeutend.

3
הִנֵּ֤ה נַחֲלַ֣ת יְהֹוָ֣ה בָּנִ֑ים שָׂ֝כָ֗ר פְּרִ֣י הַבָּֽטֶן׃
BernfeldEin Geschenk des Herrn sind Söhne, sein Lohn die Leibesfrucht.
ZunzSiehe, ein Geschenk des Ewigen sind Söhne, ein Lohn die Leibesfrucht.
HirschSeht, Gottes Erbtheil sind Kinder, Lohn ist Leibesfrucht.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 3. הנה וגו'. Nichts ist so geeignet die Sorge des Mannes zu vergrößern, ja in's Endlose zu steigern als Kinder. Mit jedem Kinde wächst die Zahl der Wesen, die der Fürsorge des Mannes bedürfen, und reicht mit der Theilnahme für die Zukunft von Kindern und Enkeln in ganz unbegränzte Ferne. Allein auch Kinder vermögen den sich als ידיד ד' Fühlenden nicht mit nie zu beschwichtigender Sorge zu erfüllen. Kinder sind ihm „von Gott überwiesenes, für Gott zu verwaltendes Erbe," und Kinder sind ihm überhaupt „Lohn." In jedem Kinde sieht er sich mit neuem lohnenden Vertrauen von seinem Gotte beglückt, der seinen Händen auf's Neue ein Wesen aus seinem theuersten Seelenschatze zur pflegenden und erziehenden Fürsorge überantwortet. Je mehr Kinder, je belohnter findet er sich, und ist, wenn für Etwas, für die seinen Kindern zuzuwendende Sorge des göttlichen Beistandes gewiß.

4
כְּחִצִּ֥ים בְּיַד־גִּבּ֑וֹר כֵּ֝֗ן בְּנֵ֣י הַנְּעוּרִֽים׃
BernfeldWie Pfeile in des Kriegers Hand, also die Söhne der Jugend.
ZunzWie Pfeile in des Helden Hand, also die Söhne der Jugend.
HirschWie Pfeile in der Hand eines Starken, so sind der Jugend Kinder.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 4. כחצים. בני הנעורים. Wie בן זקונים (1. B. M. 37, 3) ein dem Vater im Alter geborener Sohn ist, so sind בני נעורים: von jugendlichen Eltern, von Eltern in der Jugend geborene Kinder. Weil er von Gottvertrauen, vor Allem für die Erziehung von Kindern erfüllt ist, darum heirathet er auch in jungen Jahren, und hält ihn davon der Gedanke an die unvermeidlichen Sorgen nicht zurück. Er weiß, daß jugendlichen Eltern die Erziehung von Kindern am Sichersten gelingt. Die Kluft an Frische und Lebensmuth ist bei früh verheiratheten noch nicht so groß zwischen Eltern und Kindern, das gegenseitige Verständniß ist größer, Geduld und Heiterkeit, diese fördernden Hilfsgenossen der Erziehung sind in größerem Maaße vorhanden, und die Wahrscheinlichkeit ist größer, die Kinder bis in die Reife ihres selbständigen Mannes- und Frauenlebens als theilnehmende Freunde rathend und helfend zu begleiten. „Wie Pfeile in der Hand eines Starken, so sind Kinder der Jugend," es gelingt den Eltern ihnen die Richtung auf das einzige Ziel mit Entschiedenheit zu geben, für welches Gott ihnen die jungen Seelen anvertraut, und, wie der von starker Hand geschossene Pfeil, der Hand entflogen, noch die Kraft des Schützen, und damit ohne Schwanken und Abirren die Richtung in sich trägt und verfolgt, die des Starken Hand ihm gegeben: so bleiben die von jugendlicher Mannesfrische erzogenen Kinder, auch der erziehenden Hand entwachsen, der Richtung und dem Ziele ohne Schwanken und ohne Abirren treu, die sie von der erziehenden Hand des Vaters und der Mutter empfangen.

5
אַשְׁרֵ֤י הַגֶּ֗בֶר אֲשֶׁ֤ר מִלֵּ֥א אֶת־אַשְׁפָּת֗וֹ מֵ֫הֶ֥ם לֹֽא־יֵבֹ֑שׁוּ כִּֽי־יְדַבְּר֖וּ אֶת־אוֹיְבִ֣ים בַּשָּֽׁעַר׃ {פ}
BernfeldWohl dem Manne, der seinen Köcher mit ihnen gefüllt! Sie werden nicht zu Schanden, wenn sie mit Feinden reden [rechten] am Tore.
ZunzHeil dem Mann, der gefüllt mit ihnen seinen Köcher! sie werden nicht zu Schanden, wenn sie mit Feinden reden im Thore.
HirschAller Heilfortschritt ist des Mannes, der seinen Köcher voll von ihnen hat. Sie finden sich nicht getäuscht wenn sie öffentlich mit Feinden reden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5. אשרי וגו'. Darum blüht eben Der in wahrhaft ewigem Fortschritt, der „seinen Köcher recht voll von diesen Pfeilen hat," der reich an für das Rechte, für die Richtung auf das Rechte, als נחלת ד' erzogenen Kindern ist! „Sie," er sowohl als seine Kinder, haben nie die Oeffentlichkeit zu scheuen, sie können männlich auftreten für das Rechte, kein Feind kann je die Kinder mit dem Andenken der Eltern, die Eltern mit dem Makel ihrer Kinder schmähen —

Bedeutsam nennt „Salomo" die Ueberschrift dieses Psalms. Lehrt uns doch dieser Name, daß selbst salomonische Zeiten, in welchen „Silber für Nichts geachtet wurde," in welchen Jeder, „von Dan bis Beerscheba unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum saß," die Sorge wohl kennen, daß selbst solche Zeiten des Gottvertrauens als Schutzmittel gegen die Sorge nicht zu entrathen vermögen, und daß selbst in solchen Zeiten das Haus, das nicht mit Gott erbaut wird, vergebens des Kranzes der Vollendung harrt —