Tehillim 122 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 122, V. 1. שיר המעלות וגו'. Der vorige Psalm schloß mit dem Hinblick auf die einstige Rückkehr in die ureigene Heimath. Die Erinnerung an diese Heimath feiert dieses Lied. שמחתי, die Freude hatte ich einst, spricht Israel, daß man zu mir sprach: zum Hause Gottes wandern wir. Die einzelnen zum Hause Gottes in Jerusalem wandernden Gruppen riefen es gleichsam der nationalen Gesammtheit zu, daß sie zum Hause Gottes wanderten, und sich damit als ächte Söhne dieser Gesammtheit bezeugten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. עמדות וגו'. Wenn wir nach Jerusalem kamen, standen unsere Füße in dessen Thoren wie gefesselt von dem Anblick stille, den uns die Stadt bot.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. ירושלם וגו'. Schon durch ihre Bauart kündigte sie sich uns als eine Stadt an, die nicht zum Umkreis eines andern Mittelpunkts gehörte, sondern, die „ganz mit sich vereinigt,“ ihren Mittelpunkt in sich selber trug. Um diesen ihren eigenen Höhemittelpunkt gruppirten sich ihre Häuser und Straßen, so daß man zu ihm hinan mit dem ersten Betreten der Thore sich gewiesen sah.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. ששם וגו'. Es heißt hier nicht שמה: dorthin, sondern שם: dort, so wie es V. 5 nicht שם: dort, sondern שמה: dorthin heißt. Beides bedeutsam. Nicht Jerusalem war das Endziel der hinaufwandernden Stämme, nicht dorthin, etwa zur Königstadt als Königsstämme, zogen sie. Sondern dort, wenn sie dort angekommen waren, zogen sie als Gottes-Stämme hinauf zu Gottes Gesetzeszeugniß für Israel, um dem Namen Gott zu huldigen. Dieses auf der Moria-Zion-Höhe im „Hause Gottes“ ruhende Gesetzes-Zeugniß war es, das die Stämme Israels heranzog, um in Huldigung dieses Gesetzes ihre Gotteshuldigung zu erneuen. Huldigen heißt ihm: Gehorsam geloben, und für diesen Gehorsam hat Er seinen Willen in seinem Gesetze bezeugt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. כי שמה, nicht שם (siehe V. 4), dorthin, zu diesem עדות auf der Höhe hin, „ihm untergeordnet und seiner wartend,“ standen die Stühle der Justiz und die Stühle des Königthums. Gottes Gesetz war das über Beiden Thronende, Beide Beherrschende. Darum zogen die Gottes-Stämme an den Stühlen der Justiz und an den Stühlen des Königthums vorüber zu dem Gotteszeugniß hinan, für dessen Geltendmachung auch diese Stühle gestellt waren, und in dessen Namen allein auch jene כסאות למשפט und כסאות לבית דוד auf Anerkennung rechnen durften.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. שאלו וגו', in diesem עדות, das seinen Mittelpunkt bildete, liegt Jerusalems Bedeutung. Das in diesem עדות von Gott bezeugte Ideal eines von Gottes Willen geleiteten und von seinem Segen begleiteten Menschen- und Volkslebens soll in Jerusalem und von ihm aus in der Nation seine Verwirklichung finden, es soll, wie der Name ירו' שלם sagt, dadurch ein Zustand der Glückseligkeit gestiftet werden, in welchem „Gott geschaut“ wird, durch welchen Gott seine Gegenwart auf Erden ankündigen will. Darum, wenn wir שלום, jenen beglückenden Einklang aller Beziehungen und Verhältnisse auf Erden suchen, den wir unter den Begriff „Frieden“ fassen, und den wir (Ps. 120) unter allen andern Umgebungen schmerzlich vermissen, so sollen wir nur nach Jeruschalem's Schalom, nach Jerusalems Frieden fragen, an der Nähe dieses Friedens die Nähe und Ferne des Friedens überhaupt ermessen, nur die שלום ירושלם lieben, zu seinen Freunden zählen, dürfen ruhig in die Zukunft schauen (שלה, wovon שלו und שלוה, heißt ruhig, sorglos sein).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7. יהי' וגו'. Darum faßt sich unsere Sehnsucht in den Wunsch, daß in Jerusalem's Mauern Friede, und in seinen Schlössern die Zuversicht wohnen möge, die ohne den in Jerusalem verwirklichten Geist des göttlichen Gesetzes in keinem Bürgerverbande und keinen von Reichthum und Macht erbauten Schlössern heimisch werden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 8. 9. למען וגו'. Und nichts Einseitiges, Selbstsüchtiges enthält dieser Wunsch. Allen möge dessen Verwirklichung zu Gute kommen, die sich Israel als Brüder und Genossen anschließen, und in dem Heil, das Jerusalem erblüht, das Ideal endlich zur Vollendung kommen, das mit dem Bau des Gottes-Hauses auf der Moria-Höhe in seiner Mitte für die Zukunft Israels und der Menschheit seine erste Begründung gefunden (Vgl. Jes. 2, 2—4).