Tehillim 113 תהילים

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1
הַ֥לְלוּ־יָ֨הּ ׀ הַ֭לְלוּ עַבְדֵ֣י יְהֹוָ֑ה הַֽ֝לְל֗וּ אֶת־שֵׁ֥ם יְהֹוָֽה׃
BernfeldHalleluja! Lobet, Diener des Herrn, lobet den Namen des Herrn!
ZunzHallelujah! Lobet, Knechte des Ewigen, lobet den Namen des Ewigen.
HirschHallaluja! Preiset in Thatenlob, ihr Diener Gottes, preiset in Thatenlob den Namen Gottes!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 113, V. 1. Die hier folgenden sechs Psalmen 113—118 bilden zusammen Ein Ganzes. Sie sind das „Hallel," der jüdisch-nationale Hochgesang, der die Jahrtausende unseres Ganges durch die Zeiten mit uns durchgemacht, in uns das Bewußtsein unserer weltgeschichtlichen Sendung wach gehalten, in Stunden der Prüfung uns aufgerichtet, in Stunden der Erlösung unsern Mund mit gotthuldigendem Lobgesang gefüllt und noch jetzt, an Gedächtnißtagen erlebter Großthaten Gottes, den bestandenen Prüfungsernst und den erlebten Rettungsjubel uns nochmals mit durchleben, und Geist und Herz für den Ernst und die Freude der Zukunft offen halten läßt (Siehe Pesachim 117, a). Wohl in dem Bewußtsein, daß nicht nur in außerordentlichen Ereignissen, sondern auch in dem ungestörten Ablauf des täglichen Lebens Gottes Wundergüte waltet, wie ein Wort der Weisen lehrt: מה גאולה פלאים אף פרנסה פלאים ומה פרנסה בכל יום אף גאולה בכל יום (כ"ר צו'), ja, daß die steigende Wucht des Galuth die ganze jüdische Existenz zu einem fortgesetzten Wunder der rettenden Waltung Gottes hat werden lassen, so daß die Stetigkeit der Großthaten Gottes sie eben unbemerkt an uns vorüber gehen läßt (Sabbath 13, b.), hat unser Volk sich das Hallellied mit einigen Kürzungen den Gebeten eines jeden Neumondstages eingefügt.

Nachdem Ps. 113 den charakteristischen Unterschied der jüdischen Gotteserkenntniß von der allgemein verbreiteten hervorgehoben, und Ps. 114 auf die geschichtliche Erwählung und Bestimmung Israels zurückgegangen, als Gottes Heiligthum und Gottesvolk mit seiner Erkenntniß und Anerkenntniß Gottes in die Entwickelungsgänge der Völker auf Erden hinein zu schreiten, spricht Ps. 115 die Ueberzeugungen und Gesinnungen aus, mit welchen dieser bewußte Gegensatz zu den Völkern uns jederzeit in ihrer Mitte zu erfüllen hat, Ps. 116 aber das unerschütterliche Vertrauen, das wir aus allen erlebten, und nur durch Gott bestandenen Gefahren für jede wie immer Gefahr drohende Gegenwart und Zukunft zu schöpfen haben, so wie die damit immer steigende Verpflichtung und Befähigung für die Lösung unserer Bestimmung, als Gottesherold, Menschen und Völker zur Erkenntniß und Huldigung Gottes zu rufen. Einen solchen Aufruf an die Völkergesammtheit enthalten die zwei Verse des Ps. 117, und daran schließt sich nun Ps. 118, um alle die zur gottesfürchtigen Erkenntniß zurückkehrenden Menschen aufzufordern, der jüdisch-nationalen Gotteshuldigung sich anzuschließen, und aus einem Rückblick auf die sich nun vor ihren Augen vollendende jüdische Geschichte diejenigen Ueberzeugungen von Gottes Waltung und vom Menschenberuf zu gewinnen, mit denen alle Menschen geladen sind in die Pforten des jüdischen Heiligthums einzutreten, und dem dort gelehrten „Gott" als ihrem Gott zu huldigen.

V. 1. 2. הללו' וגו' ist die Aufforderung an uns, als עבדי ד', unsern Dienst, d. i. unsern Beitrag zur Förderung und Verwirklichung der Gotteszwecke auf Erden, durch Ausspruch der Thatoffenbarungen Gottes zu zollen, auf daß der „Name" Gottes, d. i. seine Erkenntniß und Anerkenntniß „gesegnet," d. i. immer mehr verbreitet werde.

2
יְהִ֤י שֵׁ֣ם יְהֹוָ֣ה מְבֹרָ֑ךְ מֵ֝עַתָּ֗ה וְעַד־עוֹלָֽם׃
BernfeldDer Name des Herrn sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit.
ZunzDer Name des Ewigen sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit.
HirschEs werde der Name Gottes gesegnet von jetzt in Ewigkeit.
3
מִמִּזְרַח־שֶׁ֥מֶשׁ עַד־מְבוֹא֑וֹ מְ֝הֻלָּ֗ל שֵׁ֣ם יְהֹוָֽה׃
BernfeldVom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang wird der Name des Herrn gelobt.
ZunzVon Sonnenaufgang bis zu ihrem Niedergang wird gelobt der Name des Ewigen.
HirschWohl wird von Sonnenaufgang bis zum Niedergang in Thatenlob der Name Gottes gepriesen;
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 3. 4. ממזרח וגו'. Diese Mehrung der richtigen Gotteserkenntniß ist Bedürfniß. Freilich ein Bewußtsein von Gott, eine Ahnung von seinem Dasein und seiner über Alles hinaus reichenden Erhabenheit ist nie ganz von der Erde geschwunden. Ueberall, von Ost zu West, wie weit immer der von Menschen bewohnte Raum auf Erden sich dehnt, weiß man von Einem, über allen vergötterten Weltmächten in höchster Macht stehenden Gott. Allein

4
רָ֖ם עַל־כׇּל־גּוֹיִ֥ם ׀ יְהֹוָ֑ה עַ֖ל הַשָּׁמַ֣יִם כְּבוֹדֽוֹ׃
BernfeldHoch über allen Völkern ist der Herr, auf dem Himmel ist seine Herrlichkeit.
ZunzHoch über allen Völkern ist der Ewige, über den Himmeln seine Herrlichkeit.
Hirschhoch über allen Völkern ist ja Gott, über die Himmel hinaus ist seine Herrlichkeit;
5
מִ֭י כַּיהֹוָ֣ה אֱלֹהֵ֑ינוּ הַֽמַּגְבִּיהִ֥י לָשָֽׁבֶת׃
BernfeldWer ist gleich dem Herrn, unserm Gotte, der so hoch thronet,
ZunzWer ist gleich dem Ewigen, unseren Gotte, der so hoch thronet,
Hirschallein wer ist wie Gott unser Gott, der so hoch er thront,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5. 6. מי כד' וגו', die Erkenntniß Gottes als „Höchsten" ist nicht Das, was erst auf die Sendung Israels unter die Menschen zu warten hat. Nicht das Bewußtsein von seiner „Höhe," die Ueberzeugung von seiner „Nähe," von seinem tief in die Himmel und in die Erde hinein reichenden, dem Niedrigsten unmittelbar nahen Schauen und Walten, das kennzeichnet das jüdische Bewußtsein von Gott, wenn wir ihn, „unsern" Gott, den Lenker unserer Geschicke, den Leiter unserer Thaten, den durch seine That- und Wort-Offenbarung uns offenbar Gewordenen nennen, das ist es, was die Menschen von uns und durch uns von Gott lernen sollen.

6
הַֽמַּשְׁפִּילִ֥י לִרְא֑וֹת בַּשָּׁמַ֥יִם וּבָאָֽרֶץ׃
BernfeldDer so tief herniederschaut: im Himmel und auf Erden?
ZunzDer so tief herniederschaut, im Himmel und auf Erden?
Hirschso tief hernieder schaut, in die Himmel hinein und auf die Erde,
7
מְקִ֥ימִ֣י מֵעָפָ֣ר דָּ֑ל מֵ֝אַשְׁפֹּ֗ת יָרִ֥ים אֶבְיֽוֹן׃
BernfeldDer emporrichtet aus dem Staube den Armen; aus dem Kote erhöht er den Dürftigen,
ZunzEr richtet empor aus dem Staube den Armen, aus dem Kothe erhöht er den Dürftigen,
Hirschaufrichtet vom Staube den Gesunkenen, vom Düngerhaufen den Wehrlosen hebt,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 7—9. מקימי וגו'. Die irdischen Verhältnisse, sowohl die der socialen Welt, V. 7. 8., als die im physischen Bereiche liegenden, V. 9, stehen unter seiner unmittelbaren fürsorgenden Lenkung, und der in der einen oder andern Beziehung leidende Mensch hat unmittelbar von Ihm Umwandlung seines Geschickes zu erhoffen. דל ist der an Vermögen Herabgekommene (Siehe Ps. 41, 2), ihn „richtet" Gott auf. אביון, der ohne Macht und Ansehen sich zum „Fügen" in den Willen Anderer Gezwungene, ihn, den bis jetzt allen Uebrigen Unterstehenden, „hebt" Gott über Andere empor. Dem entsprechen wohl auch die Worte עפר und אשפת. עפר ist der natürliche Erdenstaub des Bodens, auf den und in den sinkt der דל nieder. אשפת ist der Misthaufen, der Kehricht, das vom Menschen als nutzlos Weggeworfene. Darauf weist die Gesellschaft dem אביון seinen Platz an. נדיב ist der gerade Gegensatz von אביון (Siehe Ps. 107, 40. 41).

עקרת ist stat. constr. die Unfruchtbare des Hauses, d. i. die der körperlichen Fähigkeit entbehrt eine Familie zu gründen. מושבי, Gott bewirkt, daß eine Solche da sitzt als freudige, von Kindern umgebene Mutter. 'ישב kommt auch überhaupt als Bezeichnung der Stellung vor, die eine Frau als Hausfrau in einem Hause einnimmt, und הושיב אשה daher auch: eine Frau als Hausfrau in sein Haus einführen, heirathen. So Esra 10, 18. Nehem. 13, 23. Siehe Ps. 68, 7.

8
לְהוֹשִׁיבִ֥י עִם־נְדִיבִ֑ים עִ֝֗ם נְדִיבֵ֥י עַמּֽוֹ׃
BernfeldIhm einen Sitz zu geben bei den Edlen, bei den Edlen seines Volkes?
ZunzDaß er ihn setze neben die Edlen, neben die Edlen seines Volkes;
Hirschihn zu setzen neben Fürsten, neben Fürsten seines Volkes,
9
מֽוֹשִׁיבִ֨י ׀ עֲקֶ֬רֶת הַבַּ֗יִת אֵֽם־הַבָּנִ֥ים שְׂמֵחָ֗ה הַֽלְלוּ־יָֽהּ׃ {פ}
BernfeldDer die Unfruchtbare im Hause einsetzt als die fröhliche Mutter der Kinder. Halleluja!
ZunzDer bevölkert die Unfruchtbare im Hause — die Mutter der Kinder frohlocket. Hallelujah!
Hirschmacht die Unfruchtbare des Hauses sitzen als freudevolle Mutter von Kindern, Hallaluja!