Tehillim 11 תהילים

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1
לַמְנַצֵּ֗חַ לְדָ֫וִ֥ד בַּֽיהֹוָ֨ה ׀ חָסִ֗יתִי אֵ֭יךְ תֹּאמְר֣וּ לְנַפְשִׁ֑י (נודו) [נ֝֗וּדִי] הַרְכֶ֥ם צִפּֽוֹר׃
BernfeldDem Sangmeister. Von David. Bei dem Herrn berge ich mich; wie wollt ihr mir sagen: Flüchte, wie ein Vogel, nach eurem Berge.
ZunzDem Sangmeister. Von Dawid. Bei dem Ewigen berg' ich mich. Wie doch sprechet ihr zu meiner Seele: Flüchte, ein Vogel nach eurem Berge.
HirschDem Siegverleiher von David. In Gott habe ich meine Zuversicht, wie sprechet ihr denn zu meiner Seele: „Wanke, euer Berg ist ein Vogel!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 11. V. 1. Dieser Psalm schließt sich nach Inhalt und Gedankengang dem vorigen an. Er löst noch entschiedener die Frage nach der Bedeutung des Glückes des Bösen und des Leidens des Guten.

כך וגו' איך וגו' נודי. Mein Großonkel ר' ליב פ"פ זצ"ל, der Verfasser des הרכסים לבקעה, hat mich zuerst darauf aufmerksam gemacht, daß hier dem אתנח von לנפשי bereits ein עולה ויורד auf לדוד vorangegangen ist, wodurch אתנח die satztheilende Kraft verliert. Man habe somit nicht zu lesen: איך תאמרו לנפשי, נודי הרכם צפור, sondern: איך תאמרו לנפשי נודי, הרכם צפור. Und der Sinn ist: In Gott habe ich meine Zuversicht gesetzt, wie sprechet ihr denn zu meiner Seele: wanke, euer Berg ist ein Vogel! d. h. ihr sprechet zu mir, ich müsse in meiner bisherigen Zuversicht wankend werden, denn Das, worauf ich und meine Gesinnungsgenossen wie auf einen festen Berg gebaut, hat sich so unfest wie ein Vogel erwiesen, wie dies im Folgenden begründet werden soll.

נודי, wie כאשר ינוד הקנה במים (Kön. I. 14, 15) כתיב ist: נודו, denn die Anrede ist an David nicht als Individuum, sondern als Repräsentanten der jüdischen Gesammtheit, die mit ihm sein Vertrauen auf Gott theilt und nach der Meinung des Anredenden durch die Erfahrung in ihrem Vertrauen schwankend gemacht sein sollte. הר, Berg, als Bild der Festigkeit. Vgl. Ps. 125, 1. 46, 3. 65, 7. Jes. 54, 10 und sonst. צפור, Vogel, als Bild des Unfesten, Unstäten. Vgl. Ps. 84, 4. 124, 7. Prov. 27, 8. 26, 2.

2
כִּ֤י הִנֵּ֪ה הָרְשָׁעִ֡ים יִדְרְכ֬וּן קֶ֗שֶׁת כּוֹנְנ֣וּ חִצָּ֣ם עַל־יֶ֑תֶר לִיר֥וֹת בְּמוֹ־אֹ֝֗פֶל לְיִשְׁרֵי־לֵֽב׃
BernfeldDenn die Frevler spannen den Bogen, sie richten ihre Pfeile auf der Sehne, im Dunkeln zu schießen auf die, die redlichen Herzens sind.
ZunzDenn siehe, die Frevler spannen den Bogen, richten ihren Pfeil auf der Sehne, im Dunkeln zu schießen auf die, so geraden Herzens sind.
HirschDenn siehe die Gesetzlosen spannen den Bogen, haben ihren Pfeil auf der Sehne gerichtet, im Dunkel auf HerzensGerade zu schießen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2. כי הנה וגו' soll die Behauptung הרכם צפור begründen. במו אפל: sie werden von Gott nicht gesehen.

3
כִּ֣י הַ֭שָּׁתוֹת יֵהָרֵס֑וּן צַ֝דִּ֗יק מַה־פָּעָֽל׃
Bernfeld[Die Bösen sprechen): Die Grundpfeiler werden niedergerissen, und was hat der gerechte [Gott] ausgerichtet?
ZunzDenn die Grundpfeiler werden niedergerissen; der Gerechte — was kann er thun?
HirschWenn so die Grundfeste zerstört werden, was hat der Gerechte dann gewirkt?"
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 3. כי השתות וגו', von שות, feststellen, festsetzen, daher שתות die Grundfeste, so Jesaias 19, 10. והיו שתתיה מרכאים. Wenn so die Grundpfeiler, auf welchen, wie wir glauben, eine von Gott geleitete sittliche Weltordnung beruhen müßte, sich als morsch erweisen, wenn das Böse triumphirt und makellose Redlichkeit nicht vor den Pfeilen ruchloser Gewalt gesichert bleibt, was hat dann צדיק, was hat ein Pflichttreuer dann mit seiner Pflichttreue der Welt und sich genützt? Oder, צדיק auf Gott bezogen: was hat der „Gerechte" dann gewirkt, d. h. was hat Gott, den wir doch als צדיק, als Gerechten verehren, mit dem was er bis jetzt gewirkt hat, dann bewirkt? Die auf diese Frage folgende Antwort scheint für die letztere Auffassung zu sprechen. פועל ד', das Werk Gottes ist: seine Welt-Schöpfung und Regierung, und die Offenbarung seines Gesetzes. Beide sollten die Herrschaft des Rechtes in der Welt zum Ziele haben; wenn aber überall das Recht unterliegt, was hat Gott dann mit Beiden bewirkt?

4
יְהֹוָ֤ה ׀ בְּֽהֵ֘יכַ֤ל קׇדְשׁ֗וֹ יְהֹוָה֮ בַּשָּׁמַ֢יִם כִּ֫סְא֥וֹ עֵינָ֥יו יֶחֱז֑וּ עַפְעַפָּ֥יו יִ֝בְחֲנ֗וּ בְּנֵ֣י אָדָֽם׃
BernfeldDer Herr in seinem heiligen Palaste, der Herr — im Himmel ist sein Thron — seine Augen schauen, seine Blicke prüfen die Menschenkinder.
ZunzDer Ewige in seinem heiligen Palaste, der Ewige, — in den Himmeln ist sein Thron — seine Augen schauen, seine Blicke prüfen die Menschenkinder.
HirschGott in seines Heiligthums Machtstätte, Gott im Himmel, seinem Throne, seine Augen schauen, seine Wimpern prüfen die Menschensöhne.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 4. ד' בהיכל וגו'. Mit V. 4 beginnt die Antwort auf die im Vorigen aufgeworfene Frage. היכל קדשו siehe zu K. 5, 8. In der „Machtstätte seines Heiligthums" hat Gott als höchstes Ziel der Menschenbestimmung es ausgesprochen, daß alle materielle und geistige Kraft der Erfüllung und Verwirklichung des in seiner „Wortstätte," דביר, unter den Cherubimflügeln seiner Weltwaltung ruhenden Sittengesetzes geweiht werden sollen. Und השמים, die ganze außerirdische Welt, durch welche das Gedeihen alles Seins und Werdens auf Erden bedingt ist, ist כסאו, ist Gottes Thron. Alles, was durch die Entwickelungsgänge der irdischen Welt dem Menschen und den Menschen gewährt oder versagt wird, ist durch Gottes Wollen und Zulassen bedingt. Und wenn es nun scheint, als ob כסאו בשמים, seine Weltwaltung mit Dem, was in היכל קדשו als sein Wille offenbart ist, nicht in Einklang stände, so ist darauf die Antwort: עיניו יחזו עפעפיו יבחנו בני אדם. חזה ist ein geistiges, in das Innere dringende Schauen, siehe Pent. 1. B. M. S. 253. עפעפים, von עפף gleichbedeutend mit עוף fliegen: die fast in steter Bewegung sich befindenden Augenlider. Durch die Augenlider wird das Auge sowohl ganz geschlossen, als auch das Sehen durch größeres und geringeres Oeffnen modificirt und firirt. Sie vermitteln auch den Wink des Auges als einen Willensausdruck. בחן siehe K. 7 10. Es heißt: Gott, dessen heiliges und heiligendes Gesetz in seinem Heiligthum für die Menschheit niedergelegt ist, das ist derselbe Gott, der für die Ziele dieses Gesetzes die Welt regiert. Das Verständniß seiner Waltung entgeht uns, weil: unser Auge nur höchstens das Aeußere der Menschen und Dinge sieht, Gottes Auge aber in das Innere dringt; und weil: wir die erziehenden Zwecke seiner Waltungen außer Auge verlieren. Daraus folgt, daß wir, deren Blick nur an dem Aeußern haftet, die wahre sittliche Stufe, die Besserungsbedürftigkeit und Besserungsfähigkeit, eben so wie die wahre beglückende oder nicht beglückende Kraft der Verhältnisse nicht richtig beurtheilen, und daß wir an die verschiedenen Menschengeschicke auf Erden nur den Maaßstab der Belohnung und Bestrafung legen, und übersehen, daß sie meistens weder das Eine noch das Andere, sondern בחינה: erprobende, bessernde, stärkende, läuternd veredelnde Wege der Erziehung zu der göttlichen Menschenbestimmung sind. עפעפיו: die verschiedenen Erscheinungsformen, in welcher die Waltungen Gottes von uns aufgefaßt werden: als plötzlich verhängenden „Wink," als auf einen Gegenstand anhaltend gerichteten „Blick," als größerer oder geringerer Grad :der „Wahrnehmung," oder selbst mitunter als völliges Nichtwahrnehmen, als „Schließen" der Augen. Mit allen diesen Mannigfaltigkeiten in den verschiedensten Abstufungen: בחן בני אדם.

5
יְהֹוָה֮ צַדִּ֢יק יִ֫בְחָ֥ן וְ֭רָשָׁע וְאֹהֵ֣ב חָמָ֑ס שָֽׂנְאָ֥ה נַפְשֽׁוֹ׃
BernfeldDer Herr festigt den Gerechten; aber den Bösen und den Gewalttätigen hasst er.
ZunzDer Ewige prüft den Gerechten, und den Frevler, und den, der Gewaltthat liebt, hasset seine Seele.
HirschGott prüft den Gerechten, den Gesetzlosen aber und den Freund der Gewalt haßt sein Wesen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5. ד' צדיק יבחן. Gerade den Pflichttreuen „prüft" Gott durch Leiden, die ihn treffen, und durch das äußere Glück des Bösen, das er erfährt, und läßt seine Standhaftigkeit und seine wahre Pflicht-Freude durch Beides sich erproben. Gewönne jede Pflichttreue sofort äußeres Glück, verscherzte es sofort jede Pflichtvergessenheit: Klugheit, Berechnung, nicht Pflichtgefühl wären die Beweggründe der menschlichen Handlungen, und die einzige, wirkliche Bestimmung des Menschen, aus Pflichtgehorsam, und nur aus Pflichtgehorsam das Gute zu üben und das Böse zu lassen, wäre nicht vorhanden. Die sittlich freie Menschenbestimmung, deren Ideal בהיכל קדשו niedergelegt ist, und zu welchem der Einzelne und die Menschengesammtheiten erzogen werden sollen, fordert unumgänglich Prüfungsleiden des Guten so wie Zulassung des zeitlichen Gedeihens und Gelingens des Bösen. Siehe oben K. 7, 10. Vgl. Pent. 5. B. M. 7, 10. 8, 2. Die Leiden, die der Brave zu bestehen hat, sind somit ein Beweis der Liebe Gottes, ein Beweis des Antheils, den Gott an seiner sittlichen Vollendung nimmt, und je größer die sittliche Kraft, um so schwerer mag oft die Leidensprüfung sich gestalten. Es sind ja eben nicht die schlechtesten Schüler, denen die schwersten Aufgaben ertheilt werden. So Prov. 3, 11, 12. מוסר ד' בני אל תמאס ואל תקוץ בתוכחתו כי את אשר יאהב ד' יוכיח וכאב את בן ירצה. ורשע וגו' שנאה נפשו: wenn daher einem notorisch Gesetzlosen und Gewaltthätigen ein äußerlich ungetrübtes Glück wird, und ein solcher von allen Leiden verschont bleibt, so ist das nicht ein Zeichen von Wohlwollen der göttlichen Vorsehung, sondern vom Gegentheil. Er ist der göttlichen Erziehung nicht mehr werth, weil nicht mehr fähig. Ginge es ihm schlecht, es würde ihn nicht bessern, würde ihn vielleicht nur zu noch verderblicheren Ausschreitungen hinreißen, Beurtheilungen, die nur dem das Innere schauenden Gottes-Auge zustehen.

6
יַמְטֵ֥ר עַל־רְשָׁעִ֗ים פַּ֫חִ֥ים אֵ֣שׁ וְ֭גׇפְרִית וְר֥וּחַ זִלְעָפ֗וֹת מְנָ֣ת כּוֹסָֽם׃
BernfeldEr lässt auf die Frevler glühende Kohlen regnen; Feuer und Schwefel und Glutwind ist ihres Looses Teil.
ZunzEr regnet auf die Frevler Schlingen, Feuer und Schwefel, und Glutwind ist ihres Bechers Theil.
HirschFallen sind es was er über Gesetzlose sendet, Feuer und Schwefel und Entkräftung anwehender Wind ist jede Gabe ihres Bechers.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 6. ימטר על רשעים פחים. Während גשם der bezeichnende Name für Regen ist, bedeutet מטר überhaupt Alles, was vom Himmel herab kommt. Daher auch mit גשם zusammengestellt: ומטר גשם יתן להם die Sendung des Regens giebt Er ihnen (Secharja 10, 1). וגשם מטר וגשם מטרות עזו. Zum Schnee spricht er: werde der Erde, und Regen werde Sendung, und Regen sind die Sendungen seiner Macht (Hiob 37, 6). פחים sind Fallen, auf die man arglos tritt und am Fuß gefangen wird. So: ופחים טמני לרגלי (Jerem. 18, 22.) אחז בעקב פח (Hiob 18, 9). Das Gute, das Gott vom Himmel dem Bösen nach dem natürlichen Lauf der Dinge werden läßt, gereicht ihm nicht zum Heile, es sind lauter Fallen, er fußt sorglos darauf und gelangt zuletzt dadurch zum Verderben. So Ps. 69, 23. יהי שלחנם לפניהם לפח ihr Tisch, d. i. der Genuß ihres Wohlstandes werde ihnen zur Falle, und die ganze Schilderung des täuschenden Glückes der Bösen, als Netze, Schlingen und Fallen in Hiob 18, 7—10. — כום: ein Gefäß von einem bestimmten Inhalt, in welchem Jemandem das für ihn Bestimmte gereicht wird (siehe Pent. 2. B. M. S. 114) daher ein sehr gewöhnliches Bild für das dem Menschen werdende Geschick. מנת wie מנה und מן von מנה zuzählen, eine Jemandem zugetheilte Gabe. זלעפות, זלעפה scheint zusammengesetzt aus זל von זלל: gering werden, niedrig werden (siehe K. 12, 9), und עוף: fliegen, und זלעפה hieße: eine anfliegende Entkräftung. So זלעפה אחזתני (Ps. 119, 53) מפני זלעפות רעב (Klagel. 5, 10). Es heißt: Was im natürlichen Laufe der Dinge dem Bösen Gutes wird, sind lauter Fallen, und die Gaben ihres Bechers, d. i. die ihrem Geschicke zu Theil werdenden Güter sind wie Feuer und Schwefel und dabei ein Entkräftung bringender Wind. Ihre Glücksgüter sind so gefährlich wie Feuer und Schwefel, es gehört wenig dazu, daß die Güter sich gegenseitig verderben und dem Besitzer verderblich werden, und dabei tritt ein זלעפות רוח hinzu, ein Entkräftung bringender Wind, der gleichzeitig den Besitzer persönlich herab bringt und seine Feuerund Schwefel-Güter anfacht. Wir sind sehr geneigt in diesem רוח זלעפות die Leidenschaften zu erkennen, die ja in entsprechendem Bilde als bewegender Sturm geschildert werden — והרשעים כים נגרש וגו' Jes. 67, 20. — Die Leidenschaften sind es, die den Besitzer von Glücksgütern physisch und sittlich herabbringen, und die Güter selbst zum Verderben bringen.

7
כִּֽי־צַדִּ֣יק יְ֭הֹוָה צְדָק֣וֹת אָהֵ֑ב יָ֝שָׁ֗ר יֶחֱז֥וּ פָנֵֽימוֹ׃ {פ}
BernfeldDenn gerecht ist der Herr, er liebt Gerechtigkeit, die Redlichen schauen sein Antlitz an.
ZunzDenn gerecht ist der Ewige, liebt Gerechtigkeit, den Redlichen schauet sein Antlitz.
HirschDenn gerecht ist Gott, PflichtErfüllungen liebt er; wie gerad Er ist, wird ihr Angesicht noch schauen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 7. כי צדיק וגו', denn Gott ist gerecht, צדקות אהב: was er Menschen zukommen läßt, die Pflichterfüllungen anstreben, deren Handlungen auf Pflichttreue beruhen, ist nichts als Liebe. ישר וגו', das Plural-Suffixum מו in פנימו bietet große Schwierigkeiten. Nur in äußerst wenigen Stellen glaubt man, daß es auch den Singular bedeutet. So Hiob 20, 24. וימטר עלימו בלחומו, wo es offenbar so viel wie עליו heißt, da sowohl in allem Vorhergehenden als Nachfolgenden das Objekt, auf welches es sich bezieht, im Singular steht. Ebenso wahrscheinlich auch Hiob 22, 2 כי יסכן עלימו משכיל, wo es jedoch vom תרגום und auch von Aben Esra als Plural zu erklären versucht wird. Könnte man hier פנימו als Singular wie פניו auffassen — Vgl. Ps. 28, 8. 1 B. M. 9, 26. 27. Auch Jesaias 44, 15 kommt למו entschieden als Singular vor: עשהו פסל ויסגד למו — so wäre der Sinn leicht: Gottes Angesicht schaut auf den Geraden hin, oder besser, da חזה ein Erschauen des Innern bedeutet: Gottes Angesicht schaut das Innere des Geraden, Er weiß allein, und weiß sehr wohl wer gerade ist, wessen Sinn nur auf das Rechte und Gute gerichtet ist. Ist aber hier wie sonst immer פנימו Plural wie פניהם, so kann es, so weit wir sehen, sich nur auf das vorangehende צדקות beziehen und würde dann wohl also zu verstehen sein: Gott ist gerecht, Pflichterfüllungen liebt er; als Geraden, oder: wie gerade Er ist, wird ihr, der Pflichterfüllungen, Angesicht noch einst schauen, d. h.: Gott ist gerecht, das Motiv seiner Waltungen, die uns oft unbegreiflich scheinen, ist, daß er „Pflicht-Erfüllungen" liebt, daß er die Erfüllung des Guten um des Guten willen, aus reinem Pflichtgefühl von dem Menschen erzielt, ein Ziel, das eben nur erreicht werden kann wenn der Pflichttreue lange Zeit, vielleicht während des ganzen Lebens, nicht äußeres Glück erblüht. Gleichwohl wird jede Pflichttreue noch erfahren, daß Gott ישר sei, und bei ihm das Gute und auch der Lohn des Guten nicht verloren sei. So wird eben nach dieser Seite der göttlichen Waltungen Gott ישר genannt. להגיד כי ישר ד' (Ps. 92, 16), צדיק וישר הוא (5. B. M. 32, 4).