Tehillim 10 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 10, V. 1. Dieser Psalm hat keine Ueberschrift und schließt sich seinem Inhalte nach dem vorigen an. Ps. 9 hat die dem gewöhnlichen Menschenblicke verhüllten GottesGänge in der Völkergeschichte zum Gegenstande, ist von dem endlichen Untergang jeder Gewaltherrschaft, von dem einstigen Verschwinden aller Gewaltherrschaft von der Erde überzeugt und wagt nur aus der Gegenwart der Zeiten heraus um Ein großes augenfälliges Ereigniß zu bitten, das den Völkern und ihren Mächten belehrend die Augen öffnen möge. Ps. 10 steht mitten im socialen Leben dieser Zeitengegenwart, schildert Sinnes- und Denkungsart eines einzelnen Menschen, der für sich jede Herrschaft des Sittengesetzes abgeworfen, auf den Ruin seiner Mitmenschen die Befriedigung seines Besitzes- und Genusses-Strebens gründet, und, wenn ihm auch die Erkenntniß nicht entgeht, daß die in solchen sittlich getrübten Zeiten den Gewaltstreichen der Gesetzlosen Erliegenden, selbst noch der sittlichen Besserung (V. 12) bedürfen, so ringt sich ihm doch die Hoffnung aus der Brust, Gott wolle doch die Macht des Gesetzlosen in so weit brechen, daß die kecke Rücksichtslostgkeit nicht weiter schreite. Leugnung des Gott-Daseins überhaupt, oder doch des göttlichen Einsehens in die irdischen menschlichen Dinge sei ja die Stütze aller ausschreitenden Gesetzlosigkeit. Eine Kundgebung der Gottes-Gegenwart in den menschengesellschaftlichen Verhältnissen könne allein — soweit Menschen-Kurzsichtigkeit ein Urtheil wagen darf — dem Fortschreiten einer solchen Gesetzlosigkeit Einhalt thun
Die Aehnlichkeit im Gedankengange der beiden Psalmen ist klar. למה Siehe Pent. 2. B. M. S. 530. מלרע: zu welchem Zwecke. Zu welchem Zwecke stehst du ferne, trittst den menschlichen Dingen nicht näher. תעלים, es fehlt das Objekt. Also allgemein: תעלים לעשות lässest dein Thun, dein Walten verborgen bleiben. Oder es ist noch Steigerung von תעמד ברחק, nicht nur תעמוד ברחוק, sondern תעלים עמוד, nicht nur stehst du fern, schreitest nicht ein in die Gänge der Verhältnisse, sondern lässest dein Gegenwärtigsein völlig verborgen bleiben, לעתות בצרה: diesen Zeiten, die bis zur einstigen Allerlösung noch in Noth und Drangsal zu verbringen sind. Siehe 9, 10.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. בגאות רשע וגו'. עני ist nicht gerade der Arme, völlig Vermögenslose, es ist vielmehr allgemein: der in seiner Eristenz Abhängige, so wie אביון: der mit seinem Wollen Abhängige, der sich mit seinem Willen dem Willen des Andern fügen muß. (S. Pent. 5. B. M. 15, 4). Es ist der Hochmuth, der Dünkel, Keinen, auch nicht einmal Gott über sich zu haben, der den Gesetzlosen treibt, die Abhängigkeit Anderer zu deren Ruin zu mißbrauchen. Es schmeichelt ihm der Gedanke, daß יתפשו וגו', daß andere Menschen in von ihm ausgedachte Pläne gefangen werden, er sieht darin den Triumph seiner Klugheit und seiner Macht. חשבו es ist hier der רשע Typus einer Klasse.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. כי הלל וגו'. Ein Gott durchdrungener Mensch sieht in jedem Genuß, jedem gewährten Wunsch eine Gottes-That und spricht diese Erkenntniß in הלל-Worten aus. Er erblickt in jedem ihm gewordenen Besitze einen von Gott ihm gespendeten Segen um damit „Gott zu segnen," ihn als Mittel zur Verwirklichung der Gottes-Zwecke, zur Förderung des von Gott gewollten Guten zu gebrauchen, und spricht diesen Entschluß in ברכהWorte aus (Siehe Pent. 5. B. M. 8, 10). Für den Hochmuth des רשע ist aber Gott gar nicht vorhanden. Wunsch-Befriedigung und Güter verdankt er nur sich und kennt er daher auch weder für sein genießendes noch für sein erwerbendes und Güter verwendendes Leben Gottes Gesetz. Wenn daher einmal ein Gesetzloser Gott „preist" bei der Erlangung eines Herzenswunsches, ein Gewinnsüchtiger Gott „segnet" bei Gewinnung eines Guts, so ist diese תהלה und ברכה die größte „Höhnung" Gottes, sie sprechen eben damit aus, wie ihnen „Gott" gar Nichts bedeutet, indem sie seinen Namen in Momenten auszusprechen wagen, wo sie sich mit ihren Gedanken, Vorsätzen und Handlungen in schneidendem Gegensatz zu ihm wissen. בצע siehe Pent. 2. B. M. 18, 21. נאץ siehe Pent. 4. B. M. 14, 11.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. רשע כגבה וגו': אפו wie ואשים הנזם על אפה (1. B. M. 24, 47). Die Nase, nicht von אנף zürnen, sondern von אפף: mit Gier etwas in sich aufnehmen wollen, das Organ des Athmens. (Pent. das. 2, 7.) Er trägt die Nase hoch, und wie eben darin sich das Bewußtsein ausprägt, daß er über Alle und Alles erhoben ist, Alle und Alles übersieht, so בל ידרש: fragt er auch nach Nichts, kümmert er sich um Nichts, liegt ihm Nichts an dem Wohle, dem Zustande &c. irgend eines Andern. דרש wie ואת שעיר החטאת דרש דרש משה. (3. B. M. 10, 16.) אין דרש לנפשי (Ps. 142, 5.) אין אלדי', es giebt keinen Gott, das ist das All, der Inbegriff aller seiner Gedanken. מזמה ist jeder auf die Erreichung eines umfassenden Zieles gerichtete Gedanke. Siehe Pent. 1. B. M. 11, 6.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. יחילו וגו'. חול bezeichnet das Werden, das Eintreten eines Neuen יחולו על ראש יואב (Sam. II. 3, 29), daher auch das spannende Gefühl des Erwartens ויחילו עד בוש (Richter 3, 25) so wie das ängstliche und schmerzliche Empfinden des Werdens, des Kreißens חיל כיולדה (Ps. 48, 7). יחילו וגו' Hifil: seine Wege führen immer zum Werden, zum Eintreten des Beabsichtigten, sie führen zum Ziele. כתיב דרכו, קרי דרכיו, seine vielen Wege tragen alle Einen Charakter, gehen alle von dem Einen Gedanken aus: אין אלדי'. Und weil er somit vor Nichts zurückscheut, so, meint er, erreicht er immer sein Ziel. משפטי ד, daß auch eine Gottes-Gerechtigkeit walte, das liegt ihm so hoch hinaus, oder die, wenn sie überall da sind, sind ihm in einer solchen sich um die Erde und die irdischen Dinge sich so wenig kümmernden Höhe, daß sie nicht נגדו, daß sie gar nicht in seinen Gesichtskreis, in den Kreis seiner Erwägungen kommen. נגד heißt höchst selten das gegensätzliche wider. Es bedeutet fast ausschließlich das räumliche gegenüber, das Gegenwärtige. כל צורריו יפיח בהם. פוח, hauchen, dann auch vom leisen, langsamen, bedächtigen Reden, insbesondere des Heuchlers, יפיח כזבים עד שקר (Prov. 6, 19. 14, 5). יפיח אמונה יגיד צדק ועד שקרים מרמה: er haucht Treue, sagt Gerechtigkeit und ist ein betrügender Lügenzeuge (daf. 12, 17). So auch hier. Er für sich hält nichts von Gott und ist weit davon entfernt, Gottes Gerechtigkeit und Gottes Gerichte mit in den Kreis seiner Ueberlegungen zu ziehen. Allein es wäre ihm sehr unlieb, wenn die ganze Welt so dächte und damit ebenso rücksichtslos gegen ihn würde, wie er rücksichtslos gegen Alle ist. Es ist ihm vielmehr viel bequemer, wenn alle Menschen, die ihm im Wege stehen, gottesfürchtig, brav und ängstlich gewissenhaft sind. Darum hüthet er sich wohl, was er über Gott und seine Gerichte denkt, zu verlautbaren, vielmehr seine Gegner — und das sind nicht weniger als alle Menschen, die seinen Absichten im Wege stehen — die haucht er mit ihnen, d. i. mit den Gerichten Gottes an, ihnen gegenüber spricht er sehr ehrbar und behutsam von den Gerichten Gottes. Vgl. יפיחו קריה (Prov. 29, 8.)
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. אמר וגו' לדר וגו'. לדר ודר אשר לא ברע: es geht so für alle Zeiten hin, daß, wenn auch unglückliche, schlechte Zeiten, kommen, er doch nicht in das Unglück mit hineingeräth. Er ist so klug und scharrt so viel zusammen, daß er für alle Zeiten gerüstet ist'
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7. אלה פיהו וגו'. אלה ist speciell der Schwur bei Gott, es ist ja ohneweiteres von dem Worte: Gott gebildet. Siehe Pent. 1. B. M. S. 341. Von Schwüren bei Gott ist sein Mund voll und dabei sind es Betrügereien und Tücke. Unter seiner Zunge ist Unheil und Gewalt. Auf seiner Zunge wohnen Versicherungen des Wohlwollens und des Rechts, aber, was unter seiner Zunge, was in seinem Innern bleibt und was seine Zunge in Bewegung setzt, das ist Unheil und Gewalt. מרמה von רמה siehe Pent. 1. B. M. S. 440. תך, תוך: die Mitte, das von jeder Außenseite gleich weit Entfernte, wozu man somit von jeder Seite gleich schwer gelangt: das Versteckte, die Tücke.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 8. ישב וגו'. Schwerlich ist bei der hier folgenden Schilderung an wirklichen Mord und Straßenraub zu denken. Als ein schlauer, Gottesfurcht heuchelnder Betrüger, war er bis jetzt geschildert, wozu auch vollkommen der Schlußsatz V. 10 ידכה ישח וגו' paßt. Alles dies weist mehr auf im socialen Verkehr verübte, meist nicht einmal von menschlichen Gerichten zufassende Vergehen und Verbrechen hin, als auf Raub und Mord, deren Thäter sich außerhalb der Gesellschaft versetzen, und, wenn sie auch nicht Gottes Gerichte scheuen, doch die Macht der Menschengerichte zu scheuen haben. Es scheint vielmehr das במסתרים יהרג נקי, ähnlich wie ארור מכה רעהו בסתר (5. B. M. 27, 24), den mit Verläumdung und Tücke verübten socialen Mord zu bezeichnen. חצרים sind ja auch bewohnte Oertlichkeiten, die Häuser der Straßen waren in חצרים, Höfe, gruppirt, deren jeder drei, vier Häuser umfaßte. „Sitzen in der Lauer von Höfen" hieße nichts Anders, als sich in häuslichen Kreisen familiär machen und die geheimsten Beziehungen und Verhältnisse der Familien durch den Verkehr in der Nachbarschaft ausspähen.
עיניו לחלכה יצפנו. צפן eigentlich aktiv: verbergen, verstecken. Dann auch intransitiv: versteckt sein, oder vielmehr: sich verstecken, um zu lauern. חלכה, dein Heer, wie וגלות החל הזה וגו' (Obadia 1, 20.) Ebenso V. 15. חלכה: dein Heer sind eben Diejenigen, die im geraden Gegensatz zu dem geschilderten רשע sich ganz unter Gottes Befehl stellen, an nichts Anderes denken, als ihre Aufgabe zu lösen, und nichts Anderes wollen, als ihre Pflicht thun. Auf Die lauern seine Augen ganz besonders. Sie sind der vornehmlichste Gegenstand seines Hasses und sie sind auch nach menschlichem Dafürhalten die leichteste Beute jedes gewissenlosen Menschen. Sie beurtheilen die Menschen nach sich und sind am wenigsten argwöhnisch, ihre Handlungsweise ist auch leicht im Voraus zu berechnen, sie handeln nach bekannten bestimmten Grundsätzen, von denen sie nicht abweichen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 9 יארב וגו' בסכה, בסכה mit dem weiblichen Personalzeichen ה statt ו. In seiner Lauer verbirgt er seine Kraft und Stärke; wenn man ihn so sitzen sieht, erscheint er weiblich mild. Oder: es scheint nur eine harmlose סכה zu sein, und ist סכו, sein Verderben bergendes Gehege. Vgl. Ps. 27, 5. חטף: Etwas plötzlich ergreifen. So Richter 21, 21. במשכו ברשתו, auch dieses Bild spricht dafür, daß, wie zu V. 8 bemerkt, es sich hier nicht um wirklichen Mord, sondern um sociales Verderben handelt. Er sitzt im Hinterhalt und hat die Netze seiner Veranstaltungen und Unternehmungen ausgebreitet, in denen die Arglosen sich plötzlich zu ihrem Verderben gefangen sehen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 10. ידכה ישח. דכה wie דכא, (wovon דכא: der Gedrückte) sich gedrückt zeigen. Davon auch נדכה (Ps. 51, 19), לב נדכה: das gedrückte Herz. ישח Kal von שחח sich beugen. Er zeigt sich als ein von äußeren Umständen gedrückter Mann, דכה', und auch als ein sehr bescheidener, sich tief beugender Mann. So nach dem קרי'. Nach dem כתיב wäre es aber ודכה, es hieße dann ודכה ישח: und als ein von Außen gedrückter Mann bückt er sich tief. Nach seinen wahren Gesinnungen gehört nämlich die Bescheidenheit nur für die durch äußere Umstände Gedrückten, und gehört daher mit zu der Maske des דכה. ונפל בעצומיו וגו'. Jesaias 41, 21 heißen starke klagbegründende Beweismittel in einem Proceß: עצומות, קרבו ריבכם וגו' הגישו עצמתיכם, unanfechtbare Instrumente. Das dürfte es auch hier bedeuten, und unsere Auffassung wesentlich begründen. Er mißbraucht die Verlegenheiten der ענ"ם, der Abhängigen, und hat sie zuletzt mit unanfechtbaren SchuldInstrumenten in Händen.
חלכאים ist nach der מסורה als zwei Worte zu lesen: חל כאים: das Heer der Schwachen, Betrübten, von כאה wie וירדף איש עני ואביון ונכאה לבב למותת (Ps. 109, 16). Geschrieben ist es aber als Ein Wort, wohl im Anklang an das חלכה dieses Kap. Seine Netze umgarnen die von Noth Bedrängten und die arglos Braven.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 11. אמר בלבו וגו'. Hierdurch erläutert sich das אין אלדים des V. 4. als nicht Gottesleugnung im metaphysischen Sinne, sondern als Wegleugnung der Gottesvorsehung aus den menschengesellschaftlichen Verhältnissen. Siehe V. 5.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 12. אל תשכח ענוים, כתיב: ענ"ם. Vgl. Kap. 9, 13. Nicht nur der wirklichen ענוים, sondern auch Derer vergiß nicht, die nur ענוים sind, weil sie ענ"ם sind. Immerhin leiden sie jetzt Gewalt, und so lange Unrecht und Gewalt triumphiren, bleiben sie ebenso wie ihre Dränger in dem Wahn, als ob Gottes Vorsehung sich um die menschlichen Verhältnisse nicht kümmere und die ganze Lebensfrage nur eine Frage der Macht und nicht des Rechts wäre.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 13. 14. על מה וגו'. Der Gesetzlose höhnt doch Gottes Sittengesetz nur weil er denkt, Gott kümmere sich nicht um die Menschen, habe, wie es V. 11 hieß, die Menschen vergessen, sein Angesicht abgewandt, sehe nicht was vorgeht — und dies ist doch nicht wahr, ראתה: Gott hat ja Alles gesehen, und sieht ja Alles, כי אתה תביט: כי אתה וגו' לתת בידך עמל וכעס. Durch das מהפך לגרמיה | [?] und אולא לגרמיה ist עמל וכעס von אתה und תביט als zwischengeschobenes und damit hervorgehobenes Objekt getrennt. Es ist nicht so wie Bedrücker und Gedrückte denken. עמל וכעס, Leid und Kummer sind nicht Ergebnisse des Zufalles oder physisch mechanisches Ergebniß eines Zusammentreffens von Macht und Schwäche. Kein Mensch leidet Mühe und Kummer ohne daß Gott es wisse, ja, ohne daß Gott, wenn auch aus der Ferne, (תביט) schauend mit seiner strafend erziehenden, oder prüfend läuternden „Hand" Mühe und Kummer ihm zutheile.
עזב, עליך יעזב חלכה, sonst: verlassen, heißt auch: Jemandem Etwas sorglos anvertrauen, es ihm unbekümmert überlassen. So: ויעזב את כל אשר לו ביד יוסף (1. B. M. 39, 6). ותעזב אליו יגיעך (Hiob. 39, 11). ואנה תעזבו כבודכם (Jes. 10, 3). Hier ohne Objekt heißt es in vollster Allgemeinheit: Alles völlig unbekümmert Gott überlassen. So sehr die Menschen meinen, Gott kümmere sich nicht um das Ergehen der Menschen, so sehr ist es doch Gott allein, dem Diejenigen, die חלכה, die sich seinem Willen mit ihrem Thatenleben unterstellen, auch völlig unbekümmert ihr ganzes Geschick zu überlassen haben. יתום וגו'. Gerade dem Verwaisten, der auf Erden gar keinen Annehmer hat, hat sich Gott von je als Beistand erwiesen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 15. שבר וגו', brich den Arm des Gesetzlosen, schwäche seine Gewalt, dann wird, wenn der Böse auch fortbesteht, doch das Böse, seine Gesetzlosigkeit, unter welcher die Welt zu leiden hat, nicht mehr zu finden sein. תדרש רשעו בל תמצא wie יבקש עון ישראל ואיננו ואת חטאת יהודה ולא תמצאינה (Jerem. 50, 20). Vielleicht auch: Suche das Verbrechen nur heim, so wirst du es nicht mehr finden. Zeige dich nur, so wird das Verbrechen von der Erde verschwinden, es geschieht ja nur weil die Menschen dich nicht sehen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 16. ד' מלך וגו'. Es ist wohl ein Unterschied zwischen לעולם ועד und עולם. לעולם richtet den Gedanken in die endlose Zukunft, und bezeichnet das, was niemals endet, ewig ist. עולם richtet den Gedanken auf den ganzen Lauf der Zeit und bezeichnet das, was immerfort, ohne Unterbrechung ist. Bezeichnet ja עולם an sich die ganze Zeit, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und alles in ihr Geschehende umfassend, dessen Urgrund das dem Menschenauge Unsichtbare, עולם, und doch das einzige Wirkliche, ועד, ist (Vgl. Pent. 1. B. M. S. 346). Gott ist immer König, Er regiert zu jeder Zeit die Welt, die Erde ist seine Erde, und auf ihr hat nicht nur der Mensch, sondern haben auch Völker im Gegensatz zu ihm jede Bedeutung verloren, und einst, wenn erst die Gottes-Herrschaft ihre allgemeine Anerkennung gefunden, und die Erde ארצו: seine Erde geworden, schwindet überhaupt der Völkergegensatz als גוים von der Erde.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 17. תאות ענוים וגו'. Was wirkliche ענוים in ihrer gänzlichen Unterordnung und Hingebung an Gott wünschen, das hast du gehört, das ist in diesen Aeußerungen ausgesprochen. Jedoch תכין לבם וגו', bevor du ihre Wünsche erhörst, gieb erst ihren Herzen die rechte Richtung, daß sie das Rechte zur rechten Zeit wünschen. Ihr Wunsch, den sie nicht für sich, den sie für's Allgemeine hegen, faßt sich freilich darin zusammen:
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 18. לשפט וגו'. ערץ, Schrecken um sich verbreiten (Siehe Pent. 5. B. M. 1, 29). מן הארץ der zum Gewaltmenschen Entartete trotzt von der Erde auf, weil er sich Meister der Erde dünkt und die irdischen Dinge in seiner Macht zu haben glaubt.