Tehillim 106 תהילים

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Übersetzung:
1
הַ֥לְלוּ־יָ֨הּ ׀ הוֹד֣וּ לַיהֹוָ֣ה כִּי־ט֑וֹב כִּ֖י לְעוֹלָ֣ם חַסְדּֽוֹ׃
BernfeldHalleluja. Danket dem Herrn, denn er ist gütig, ewig währet seine Huld.
ZunzHallelujah! Danket dem Ewigen, denn er ist gütig, denn ewiglich währt seine Huld.
HirschHallaluja, bekennet Gott, daß er gut sei, daß immerdar seine Liebe walte.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 106, V. 1. Dieser Ps. schließt sich unmittelbar dem vorhergehenden an. Schon der vorhergehende Psalm sieht das jüdische Volk zerstreut unter den Völkern, und bringt ihm aus dem Beispiel der Väter seines Ursprunges, die ihm gleich unter den Völkern ihrer Zeit durch That und Wort Gott verkündend gewandert, die Fortsetzung ihres Berufes als seine Bestimmung, und zugleich die hohe Bedeutsamkeit dieser seiner Bestimmung aus allen den Großthaten zum Bewußtsein, die Gott in Natur und Geschichte eingreifend geübt, um sich in ihnen ein Volk auf eigenem Boden für die Pflege seiner Lehre und die Erfüllung seines Gesetzes in voller staatlicher Selbständigkeit zu schaffen, worin eben der Zweck seiner Gott verkündenden Sendung unter die Völker seine Verwirklichung findet. Dieser Psalm bringt nun die ernste Kehrseite, den Verlust der staatlichen Selbständigkeit, und insbesondere die Ursachen dieses Niederganges zum Bewußtsein, und will uns ganz besonders unsere Solidarität, unsere, trotz der Zerstreuung fortdauernde Zusammenhörigkeit mit allen Geschlechtern unserer Vergangenheit und allen zerstreuten Brüdern in der Gegenwart also beherzigen lassen, daß wir weder mit unserer Aufgabe noch mit unseren Hoffnungen uns isolirt betrachten. Die Sühne unserer Gesammtverirrungen der Vergangenheit haben wir mit als unsere Aufgabe zu begreifen, und nur in der Wiedergewinnung unserer Gesammt-Heileszukunft, hat ein Jeder von uns auch sein Heil zu finden.

V. 1. הללויה וגו'. Einleitend zu der Betrachtung unseres Niederganges in die Zerstreuung, greift der Psalm den הללויה-Zuruf auf, mit welchem der vorige Psalm geschlossen. Pesachim 117, a. wird unter allen in den Psalmen vorkommenden Ausdrücken des Gottes-Preises, der Ausdruck הללויה als der bedeutungsvollste bezeichnet, weil er den Preis und den Gottesnamen in Einen Begriff zusammenfaßt. אמר ריב"ל בעשרה מאמרות של שבח נאמר ספר תהלים בניצוח בניגון במשכיל במזמור בשיר באשרי בתהלה בתפלה בהודאה בהללויה גדול מכולן הללויה שכולל שם ושבח בבת אחת, in ihm wird das geistige Schauen und Aussprechen der Gottesthaten selbst als eine Gottesthat, als ein Wirken der Gotteskraft begriffen, die sich in der Erhebung und Begeisterung des Schauenden und Sprechenden offenbart (Siehe Pent. 2. B. M. S. 164). Zu solchem von Gott begeisterten Schauen und Aussprechen der Gotteswirkungen, wie sie im Namen יה liegen (siehe das.), hatte der Schluß des vorigen Psalms Israels zerstreute Söhne auf Grund der bei dem Aufbau ihres vergangenen heitern Glückes sich bekundenden Großthaten Gottes aufgefordert. Es greift dieser Psalm diese Aufforderung auf, obgleich er im Begriffe steht, den traurigen Niedergang des jüdischen Volksglückes zu besprechen. Ja wohl, הללויה, ja wohl, sprechet begeistert Gottes Thatengröße aus, bekennet Ihm, daß er gut sei, daß immerdar, auch in der Galuthlage seines Volkes, sich seine Liebe bewähre.

2
מִ֗י יְ֭מַלֵּל גְּבוּר֣וֹת יְהֹוָ֑ה יַ֝שְׁמִ֗יעַ כׇּל־תְּהִלָּתֽוֹ׃
BernfeldWer kann genug die Machttaten des Herrn rühmen, all seinen Ruhm verkünden?
ZunzWer spricht aus die Machtthaten des Ewigen, verkündet all seinen Ruhm!
HirschWer kann die Allmachtthaten Gottes auch nur annähernd aussprechen, wer den Inbegriff seines Thatenlobes zum Verständniß bringen!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2. מי ימלל siehe Pent. 1. B. M. 21, 7. Wer kann auch nur annähernd Gottes Allmachtsthaten zum Ausspruch, wer das Ganze seiner Thatoffenbarungen zum Verständniß bringen! Zeigt sich doch nach dem Worte der Weisen (Joma 69 b) die überwältigende Gottesallmacht nicht nur im heitern Aufbau seines Volkes, sondern mit nicht minderer Offenbarkeit in dem erhaltenden Schutz, der seinem, unter die Völker hin zerstreuten Volke Erhaltung und Dauer unter so vielen Feinden gewährt.

3
אַ֭שְׁרֵי שֹׁמְרֵ֣י מִשְׁפָּ֑ט עֹשֵׂ֖ה צְדָקָ֣ה בְכׇל־עֵֽת׃
BernfeldWohl denen, die das Recht wahren, dem, der Gerechtigkeit übt zu jeder Zeit.
ZunzHeil denen, die bewahren das Recht, dem, der Gerechtigkeit übt zu jeglicher Zeit.
HirschDie das Recht wahren, derer ist aller Fortschritt, Dessen, der seine Pflicht thut zu jeder Zeit.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 3. אשרי וגו'. Der Schluß des vorigen Psalms hatte zur Beherzigung gegeben, wie die Befreiung Israels und seine selbständige Ansiedlung im eigenen Lande nur den Zweck haben sollte, damit sie Gottes Gesetz und Lehre erfüllen und pflegen sollten. An diese Wahrheit lehnt sich dieser Vers mit dem Gedanken an, daß diese Aufgabe der Erfüllung des Gesetzes nicht an den Besitz des Landes gebunden ist, den Verlust desselben überdauert und auch noch, und zu jeder Zeit unsere Pflicht und den beglückenden Boden unseres Fortschreitens bildet. Daran ändern die Zeiten Nichts. Auch jetzt אשרי וגו', haben wir nur Hoffnung auf Gedeihen, wenn wir שומרי' משפט sind, wenn wir die Vorschriften lernen und gewissenhaft erfüllen, — Beides ist ja שמר (siehe Pent. 2. B. M. S. 381) — mit denen Gott unser Leben geregelt hat, ja, wenn selbst die Mehrheit dieser Gottesordnung den Rücken kehrt, hat selbst der Einzelne Hoffnung auf Gedeihen, wenn er, unbeirrt durch das Beispiel der Mehrheit עושה צדקה בכל עת, zu jeder Zeit bei Erfüllung seiner Pflicht beharrt (צדקה siehe Pent. 5. B. M. 6, 25). שומרי', עושה, dieser Wechsel der Zahl ist hier bedeutsam und erklärt den Zusammenhang mit dem folgenden Vers.

4
זׇכְרֵ֣נִי יְ֭הֹוָה בִּרְצ֣וֹן עַמֶּ֑ךָ פׇּ֝קְדֵ֗נִי בִּישׁוּעָתֶֽךָ׃
BernfeldGedenke mein, o Herr, wenn du an deinem Volke Gnade übst, nimm mich wahr bei deiner Hilfe.
ZunzGedenke mein, o Ewiger, bei der Gnade gegen dein Volk, nimm mich wahr bei deiner Hülfe.
HirschGedenke mein, Gott, in dem deinem Volke sich zuwendenden Wohlwollen, bedenke mich bei deiner Hilfe,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 4. 5. זכרני וגו'. Obgleich mit seiner Pflichtaufgabe jeder Einzelne zunächst für sich vor Gott steht, und sich durch Pflichtvergessenheit einer Mehrheit in seiner Pflichttreue nicht irremachen lassen darf, so hat doch jeder mit seinen Wünschen und Hoffnungen in völliger Selbstlosigkeit sich dem großen Ganzen der jüdischen Gesammtheit einzureihen und sein Heil nur in dem von Allen wieder zu gewinnenden göttlichen Wohlwollen zu suchen. זכרני וגו' spricht dieses Gesammtbewußtsein und Gesammtgefühl aus, das uns Alle erfüllen soll. רצון, ישועה, טובה, שמחה, תהלה, göttliches Wohlgefallen an unserm Thun, in Folge davon uns zu erneutem, kraftreichem Sein erhebende Gotteshilfe, dadurch auch im Aeußern erblühendes Glück, wie im Innern wachsende Freude, und unter den Menschen ausstrahlende Anerkennung, das sind die Güter, die jede jüdische Brust der jüdischen Gesammtheit wünscht, die wieder als עם ד', בחירי ד', גוי ד' und נחלת ד', als ein der göttlichen Willensleitung sich ausschließlich unterordnender Verein, als die von Gott für seine Menschheitszwecke Erwählten, als das nur in Gott seine Einheit findende Volk, und als das aus der Verirrung der Menschen Gott wieder zuerst zugefallene Erbe (siehe Pent. 5. B. M. 9, 26) dastehen möge, und da lautet in jeder wahrhaft jüdischen Brust der Wunsch: זכרני, möge in dem Gott wieder wohlgefälligen Gesammtvereine auch ich gedacht zu werden würdig sein, פקדני, möge ich Antheil haben an der ישועה, die Gott seiner Gesammtheit gewährt (פקד siehe Pent. 1. B. M. 21, 1), und zwar nicht, in diesem Antheil mein selbstsüchtiges Theil heimzutragen, sondern לראות, לשמוח, להתהלל, Befriedigung, Freude und Ruhm nur in dem Glück, der Freude und der Anerkennung zu finden, die der Gesammtheit zu Theil wird.

5
לִרְא֤וֹת ׀ בְּט֘וֹבַ֤ת בְּחִירֶ֗יךָ לִ֭שְׂמֹחַ בְּשִׂמְחַ֣ת גּוֹיֶ֑ךָ לְ֝הִתְהַלֵּ֗ל עִם־נַחֲלָתֶֽךָ׃
BernfeldDass ich schaue das Glück deiner Erwählten, mich freue bei der Freude deines Volkes mich rühme mit deinem Erbe.
ZunzDaß ich schaue das Glück deiner Erkornen, mich freue bei der Freude deines Volkes, mich rühme mit deinem Erbe.
Hirschmitzusehen das Glück deiner Erwählten, mich zu freuen mit der Freude deines Volkes, meinen Ruhm zu suchen gemeinsam mit deinem Erbe.
6
חָטָ֥אנוּ עִם־אֲבוֹתֵ֗ינוּ הֶעֱוִ֥ינוּ הִרְשָֽׁעְנוּ׃
BernfeldWir haben gesündigt wie unsere Väter, gefehlt und gefrevelt.
ZunzWir haben gesündigt sammt unsern Vätern, gefehlt, gefrevelt.
HirschGefehlt haben wir mit unsern Vätern, haben Krümmen, haben Gesetzlosigkeit geübt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 6. חטאנו וגו'. Wie Jeder von uns seine wahre Zukunft nur in der unserer Gesammtheit wieder zu gewinnenden Zukunft zu finden hat, so trägt Jeder von uns auch an den Verirrungen, den Krümmen und den Gesetzlosigkeiten mit, die als Schuld unserer Gesammtheit aus der Vergangenheit auf uns gekommen, von denen uns frei zu halten, und die durch eine unter allen Prüfungen nur wachsende Pflichttreue zu sühnen, der große Zweck unseres Galuthlebens ist (Vgl. Pent. 3. B. M. 26, 39—41).

7
אֲב֘וֹתֵ֤ינוּ בְמִצְרַ֨יִם ׀ לֹא־הִשְׂכִּ֬ילוּ נִפְלְאוֹתֶ֗יךָ לֹ֣א זָ֭כְרוּ אֶת־רֹ֣ב חֲסָדֶ֑יךָ וַיַּמְר֖וּ עַל־יָ֣ם בְּיַם־סֽוּף׃
BernfeldUnsere Väter in Ägypten verstanden nicht deine Wunder, sie gedachten nicht deiner großen Gnade, sie waren widerspenstig am Meere, am Schilfmeere.
ZunzUnsere Väter in Mizrajim erwogen nicht deine Wunder, gedachten nicht der Fülle deiner Huld, und waren widerspenstig am Meere, am Schilfmeere.
HirschUnsere Väter in Egypten haben sich deine Wunder nicht zum Bewußtsein gebracht, blieben der Fülle deiner Liebesthaten nicht eingedenk, waren ungehorsam schon beim Meere, am Schilfmeer.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 7—12. אבותינו וגו'. Es folgt nun ein Rückblick auf Verirrungen unserer Väter während der Wanderschaft in der Wüste und des Wohnsitzes im Lande, und zwar wird bei jenen, den Versündigungen in der Wüste, länger verweilt, weil in ihnen die uns anhängenden Grundfehler hervorgetreten sind, in welchen alle unsere spätern Verirrungen und Leiden wurzeln, und deren Ueberwindung noch die Aufgabe unserer Gegenwart und Folgezeit bildet. Sie werden daher auch nicht in chronologischer Folge vorgeführt. Während die von V. 13 an erwähnten sechs Versündigungen in chronologischer Folge: בעל פעור, מי מריבה, קורח, מרגלים, קברות התאוה, עגל zu ordnen wären, ist ihre Reihefolge: מי מריבה, בעל פעור, מרגלים, עגל, קורח, קברות התאוה, und ist der Gesichtspunkt aufzusuchen, der bei dieser Auswahl und Zusammenordnung der leitende war. Es scheint: in קברות התאוה und קרח treten drei Versündigungen, תאוה, קנאה und כבוד, Lüsternheit, Neid und Ehrsucht hervor, die überhaupt die Klippen der menschlichen Tugend und des menschlichen Glückes bilden, nach dem Spruche der Weisen: הקנאה התאוה והכבוד מוציאין את האדם מן העולם. עגל und מרגלים sind speciell jüdische Versündigungen, Abfall von der Gottesleitung in der Idee: עגל (עשה לנו אלהים אשר ילכו לפנינו), und in der That: מרגלים (נתנה ראש ונשובה מצרימה). Beide zugleich verhängnißvoll für unser Folgegeschick in späterer Zeit, וישא ידו להם, וביום פקדי ופקדתי (V. 26, 27. siehe das.). מי מריבה und בעל פעור endlich stehen warnend für alle Zeit da, und bilden zugleich einen bedeutsamen Gegensatz in der Schwere der Versündigung. בעל פעור der schwerste, ג"ע und ע"ז in sich vereinigende Grad der Versündigung, zeigt unserm Volke für alle Zeit, wohin das ויתערבו בגוים, der verführerische, achtlose Verkehr mit nichtjüdischen Völkern und ihren Sitten zu führen im Stande ist; מי מריבה hebt warnend den Finger auf für alle künftigen hervorragenden, zu mustergiltiger Leitung berufenen Männer, sich auch vor der leichtesten Schwäche zu hüthen, weil הב"ה מדקדק עמהם כחוט השערה, und auch das Leichteste verhängnißvoll für sie und die ihrer Führung Anvertrauten werden könne. מי מריבה, obgleich der Zeit nach בעל פעור vorangehend, steht wohl auch darum zuletzt, weil in deren Folge das Volk seine so versuchungsreiche Zukunft der Selbständigkeit im Lande, deren Verirrungen in Folgendem geschildert werden, ohne die Führung Moses' antreten mußte.

V. 7. לא השכילו וגו' אבותינו וגו', sie erfaßten die Gotteswunder nicht zum Verständniß, brachten die durch sie offenbarten Wahrheiten von Gottes Wollen und Walten sich nicht zum Bewußtsein. וימרו על ים וגו', wäre על ים mit בים סוף nicht durch den Accent zu Einem Gedanken verbunden, so würde man das בים סוף, wie gewöhnlich als: im Schilfmeer, und zwar als Steigerung betrachten können. Nicht nur am Meere, sondern selbst im Meere, wo sie sich schon in Mitte des von Gottes Allmacht vollbrachten Rettungswunders befanden, hatten sie noch nicht die rechte Gesinnung, und hätte man nur zu überlegen, worin dieser Gesinnungsmangel selbst im Meere sich bekundete. Vielleicht läge dies dann in dem Folgenden V. 8—12. Erst nachdem das ganze Wunder vollbracht war und sie den Untergang der Feinde vor Augen hatten, erst da faßten sie Vertrauen zu all den vorangegangenen, von Gott an sie gerichteten Worten. Bis dahin, und selbst als sie schon im Durchzuge durch das Meer begriffen waren, zweifelten sie noch an der rettenden Gottesführung, weil sie auch die Egypter ihnen in's Meer nachfolgend sahen. Ist dies doch auch vielleicht der Sinn des V. 30. 31. 2. B. M. 14.: erst ויושע u. s. w., וירא וגו', erst da ויאמינו וגו', ויראו וגו'. Vielleicht heißt aber hier בים סוף nicht: im Schilfmeer, sondern beim Schilfmeer, in der Gegend des Schilfmeeres, wie wahrscheinlich Jerem. 49, 21., und würde es dann sagen: am Meere, beim Meere, das doch in solcher Nähe zu Egypten war, daß all das dort Geschehene ihnen noch in frischem Gedächtniß hätte sein sollen, bewährten sie die rechte Gesinnung nicht. Vgl. Pent. 2. B. M. 15, 4. Daß die großen Erfahrungen in Egypten noch nicht — menschlich gesprochen — die erwartete Wirkung auf Geist und Gesinnung unserer Väter geübt hatten, daß der auf ihren Zügen durch die Wüste wiederholt hervortretende Vertrauensmangel nicht etwa eine Sinnesänderung gewesen, daß vielmehr der Auszug aus Egypten in der Voraussetzung geschah, daß das Volk noch erst zu der rechten Erkenntniß und dem rechten Vertrauen erzogen werden mußte, das spricht schon das erste diesen Auszug berichtende Wort aus: ויהי בשלח פרעה וגו' ולא נחם אלק' וגו' (2. B. M. 13, 17). מרה, וימרו, ist zwar gewöhnlich ein unterlassendes oder thätiges Zuwiderhandeln, allein es bezeichnet auch überhaupt ein den Erwartungen entgegengesetztes Verhalten. Siehe Pent. 4. B. M. 20, 10.

8
וַֽ֭יּוֹשִׁיעֵם לְמַ֣עַן שְׁמ֑וֹ לְ֝הוֹדִ֗יעַ אֶת־גְּבוּרָתֽוֹ׃
BernfeldEr rettete sie aber um seines Namens willen, kund zu tun seine Macht.
ZunzUnd er rettete sie um seines Namens willen, kund zu thun seine Stärke.
HirschEr aber half ihnen um seines Namens willen, seine Allmacht kund zu thun,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 8. ויושיעם וגו'. Die bisherigen Sätze waren in einer Anrede an Gott gefaßt, so auch noch der vorige V. 7, da in diesem zugleich stillschweigend der göttlichen Milde die Erwägung nahe gelegt ist, wie von vornherein unsere Erwählung mit Voraussicht unserer Mängel geschehen sein möge, diese somit die Zuversicht nicht ungerechtfertigt erscheinen lassen dürfte, Gott werde gleichwohl seine Beziehung zu uns fortdauern lassen. Mit diesem V. geht aber die Schilderung unserer Verirrung in die von Gott in der dritten Person erzählenden Form über; denn alles das, was von V. 7—46 folgt, ist vor Allem uns zur Beherzigung gesagt. ויושיעם וגו' sagt uns eben, Gott habe unsere Väter nicht um ihres Verdienstes willen erlöst, sondern um durch diese Erlösung die Offenbarung seines, die Menschen zu ihrem Heile erziehenden Wollens (שמו: ה') und seiner, alle Natur- und Menschenmacht überwältigenden Allmacht (גבורתו) fortzusetzen.

9
וַיִּגְעַ֣ר בְּיַם־ס֭וּף וַֽיֶּחֱרָ֑ב וַיּוֹלִיכֵ֥ם בַּ֝תְּהֹמ֗וֹת כַּמִּדְבָּֽר׃
BernfeldEr schalt das Schilfmeer, und es wurde trocken, er führte sie durch die Tiefen wie durch eine Steppe.
ZunzUnd er bedräuete das Schilfmeer, und es ward trocken, und er führte sie durch die Tiefen wie durch eine Trift.
Hirschherrschte das Schilfmeer an, und es ward trocken, und durch Fluthen führte er sie wie durch Wüste,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 9—12. ויגער וגו'. Der שונא ist dem Dasein des Andern feindlich, darum ויושיעם: ihm entgegen gab Gott ihnen erhöhtes, ungeschwächtes Sein. Der איב will das Unglück des Andern: darum ויגאלם, Gott entriß sie seiner Gewalt (Siehe Pent. 2. B. M. 23, 4, 5). ויאמינו בדבריו, siehe oben zu V. 7. ישירו וגו', das Futurum drückt das Ueberwältigende des Augenblicks aus. Im Momente dieser einzig großen Erfahrung fühlten sie sich gedrungen zum Gott schauenden Liebe, mußten sie seine Thatengröße in begeistertem Liebe aussprechen. Aber

10
וַֽ֭יּוֹשִׁיעֵם מִיַּ֣ד שׂוֹנֵ֑א וַ֝יִּגְאָלֵ֗ם מִיַּ֥ד אוֹיֵֽב׃
BernfeldEr rettete sie aus der Hand des Hassers und erlöste sie aus des Feindes Hand.
ZunzUnd rettete sie aus der Hand des Hassers, und erlöste sie aus des Feindes Hand.
Hirschhalf ihnen von Hassers Hand, rettete sie von Feindes Hand,
11
וַיְכַסּוּ־מַ֥יִם צָרֵיהֶ֑ם אֶחָ֥ד מֵ֝הֶ֗ם לֹ֣א נוֹתָֽר׃
BernfeldDie Gewässer bedeckten ihre Widersacher, nicht einer von ihnen blieb übrig.
ZunzUnd es bedeckten die Gewässer ihre Widersacher, nicht einer von ihnen blieb übrig.
Hirschund ihre Dränger deckte das Wasser, nicht Einer von ihnen blieb übrig.
12
וַיַּאֲמִ֥ינוּ בִדְבָרָ֑יו יָ֝שִׁ֗ירוּ תְּהִלָּתֽוֹ׃
BernfeldDa vertrauten sie auf seine Worte und sangen seinen Ruhm.
ZunzDa glaubten sie an seine Worte, sangen seinen Ruhm.
HirschDa vertrauten sie seinen Worten, sangen sein Thatenlob.
13
מִ֭הֲרוּ שָׁכְח֣וּ מַעֲשָׂ֑יו לֹא־חִ֝כּ֗וּ לַעֲצָתֽוֹ׃
BernfeldBald vergaßen sie aber seine Werke und harrten nicht auf seinen Ratschluss.
ZunzBald vergaßen sie seine Werke, harrten nicht seinem Rathschluß.
HirschGar bald aber hatten sie seine Thaten vergessen, harrten seines Rathschlusses nicht,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 13. מהרו וגו', von dieser geistigen Höhe sanken sie bald hinab. לא חכו וגו'. Wie הגה den noch nicht ausgesprochenen Gedanken bezeichnet, so חכה das zurückgehaltene Wollen, das geduldige Ausharren. לא חכו לעצתו. Wenn sie die Befriedigung eines an sich vielleicht berechtigten Verlangens vermißten, so hatten sie das Vertrauen nicht in Gottes Weisheit und Macht, sich zu sagen, je berechtigter ihr Verlangen sei, um so gewisser dürften sie erwarten, Gott werde ihnen zur rechten Zeit die Befriedigung gewähren. Zu diesem Ausharren auf Gottes Beschluß hatten sie nicht die Geduld.

14
וַיִּתְאַוּ֣וּ תַ֭אֲוָה בַּמִּדְבָּ֑ר וַיְנַסּוּ־אֵ֝֗ל בִּישִׁימֽוֹן׃
BernfeldSie fühlten ein Gelüste in der Wüste und versuchten Gott in der Öde.
ZunzUnd sie fühlten ein Gelüste in der Wüste, und versuchten Gott in der Oede.
Hirschgelüsteten Gelüste in der Wüste, versuchten in Einöde Gott!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 14. 15. ויתאוו וגו'. Ueber die Bedeutung und Zusammenordnung der hier und im Folgenden hervorgehobenen Verirrungen, siehe oben V. 7—12. ויתאוו וגו' ist die Verirrung bei קברות התאוה (4. B. M. Kap. 11). במדבר, in der Wüste, von Gottes Wundermacht gespeist, wo sie, allen Nahrungssorgen enthoben, nur Gott und dem geistig Göttlichen im Menschen sich hätten zuwenden können, hatten sie keinen Sinn für ein solches glückseliges Loos, und fielen niedern Gelüsten anheim. בישימון, in der Oede, wo jeder gefristete Daseins-Augenblick ihnen der Beweis der göttlichen Gegenwart, Allmacht und Fürsorge hätte sein sollen, genügte ihnen alles bereits Erlebte nicht, und forderten sie immer auf's Neue besondere Proben von Gottes Allmacht und Fürsorge. וישלח וגו', er ließ sie empfinden, daß Gott ihnen nur Das versagte, dessen Gewährung ihnen verderblich wäre.

15
וַיִּתֵּ֣ן לָ֭הֶם שֶׁאֱלָתָ֑ם וַיְשַׁלַּ֖ח רָז֣וֹן בְּנַפְשָֽׁם׃
BernfeldEr gewährte ihnen wohl ihr Verlangen, aber er ließ dann Vernichtung los gegen ihr Leben.
ZunzUnd er gewährte ihnen ihr Verlangen, und ließ Dürre los gegen ihr Leben.
HirschEr gab ihnen was sie verlangten, sandte damit aber Schwindsucht in sie hinein.
16
וַיְקַנְא֣וּ לְ֭מֹשֶׁה בַּֽמַּחֲנֶ֑ה לְ֝אַהֲרֹ֗ן קְד֣וֹשׁ יְהֹוָֽה׃
BernfeldSie wurden im Lager neidisch gegen Mose, auch gegen Aaron, den Heiligen des Herrn.
ZunzUnd sie wurden eifersüchtig auf Moscheh im Lager, auf Aharon, den Heiligen des Ewigen.
HirschSie beneideten Mosche's Stellung im Lager, Aharons, des Gott Geheiligten,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 16—18. ויקנאו וגו'. Der Aufstand Korachs und seines Anhanges (4. B. M. K 16). קנא ל־ heißt immer für Jemanden eifern. Jemanden beneiden heißt קנא ב־, oder קנא את. Wir glauben daher, daß hier למשה, לאהרן: das dem Moses, dem Aharon Gewordene, die sociale Stellung Moses' im Lager, die priesterliche Stellung Aharons im Gottesheiligthum bedeute, sie betraf ihre קנאה, sie forderten sie als etwas ihnen Gebührendes (Siehe Pent. 1. B. M. 26, 14). אהרן קדוש ד' Vgl. 4. B. M. 16, 5. ואת הקדוש והקריב אליו. דתן וגו' אבירם. Man glaubt, Korach bleibe in dem Psalm unerwähnt, aus Schonung für die בני קרח, die sich im Levitenchor des Tempels befanden. Diese Versündigung vereinigt in sich קנאה und כבוד, Neid und Ehrsucht.

17
תִּפְתַּח־אֶ֭רֶץ וַתִּבְלַ֣ע דָּתָ֑ן וַ֝תְּכַ֗ס עַל־עֲדַ֥ת אֲבִירָֽם׃
BernfeldDa öffnete sich die Erde und verschlang Datan und bedeckte die Gemeinde Abirams.
ZunzEs öffnete sich die Erde und verschlang Datan, und bedeckte die Gemeinde Abiram's.
Hirschdie Erde öffnete sich und verschlang Dathan und bedeckte Abiram's Verein,
18
וַתִּבְעַר־אֵ֥שׁ בַּעֲדָתָ֑ם לֶ֝הָבָ֗ה תְּלַהֵ֥ט רְשָׁעִֽים׃
BernfeldEs entbrannte Feuer gegen ihre Gemeinde, die Flamme verzehrte die Frevler.
ZunzUnd es entbrannte Feuer gegen ihre Gemeinde, die Flamme verzehrte die Frevler.
HirschFeuer brannte an ihrem Verein, Flamme umflammt Gesetzlose.
19
יַעֲשׂוּ־עֵ֥גֶל בְּחֹרֵ֑ב וַ֝יִּשְׁתַּחֲו֗וּ לְמַסֵּכָֽה׃
BernfeldSie machten ein Kalb am Horeb und bückten sich vor dem gegossenen Bilde.
ZunzSie machten ein Kalb am Choreb und bückten sich vor dem gegossenen Bilde.
HirschMachten sie doch ein Kalb zu Choreb und warfen sich vor einem Gußgebilde nieder,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 19—23. יעשו עגל וגו'. Die Egelsünde 2. B. M. K. 32. Indem hier das עגל umschrieben als תבנית שור אוכל עשב bezeichnet wird, so ist wohl damit gesagt, daß das Kalb die Idee der im Stier verkörperten Natur-Macht vergegenwärtigen sollte, deren gebundene, im Thier sich immer gleichbleibende Aeußerung dem egyptischen Heidenthum bis zur Vergötterung imponirte. Dem gegenüber heißt Gott, der Einzig-Eine, כבודם, indem Er nicht nur selbst in einziger, freier, unabhängiger, selbständiger Persönlichkeit über alle in unfreier Gebundenheit Ihm unterworfenen Gewalten in unerreichbarer Höhe hervorragt, sondern dem Ihm mit freiem Gehorsam sich unterordnenden Menschen Antheil an dieser persönlichen Freiheit verleiht, und ihn damit hoch über alle Mitgeschöpfe emporhebt und von ihnen unabhängig macht. Ihre כבוד war und ist es, daß sie mit ihrem Geschicke und ihrer That unmittelbar und ausschließlich der Lenkung und Leitung des Einzig-Einen unterstehen (Siehe Pent. 5. B. M. 4, 19. 20).

20
וַיָּמִ֥ירוּ אֶת־כְּבוֹדָ֑ם בְּתַבְנִ֥ית שׁ֝֗וֹר אֹכֵ֥ל עֵֽשֶׂב׃
BernfeldSie gaben ihre Herrlichkeit hin für das Bild eines Gras fressenden Ochsen.
ZunzUnd sie vertauschten ihre Herrlichkeit um das Bild eines Ochsen, der Gras frißt.
Hirschvertauschten ihre Ehre mit der Gestalt eines Rindes, eines Gras essenden Thieres!
21
שָׁ֭כְחוּ אֵ֣ל מוֹשִׁיעָ֑ם עֹשֶׂ֖ה גְדֹל֣וֹת בְּמִצְרָֽיִם׃
BernfeldSie vergaßen Gott, ihren Retter, der in Ägypten Großes getan,
ZunzSie vergaßen Gott ihren Retter, der Großes gethan in Mizrajim,
HirschHatten Gottes, ihres Helfers, vergessen, der so Großes in Egypten geübt,
22
נִ֭פְלָאוֹת בְּאֶ֣רֶץ חָ֑ם נ֝וֹרָא֗וֹת עַל־יַם־סֽוּף׃
BernfeldWunder im Lande Ham, Furchtbares am Schilfmeer.
ZunzWunder im Lande Cham, Furchtbares am Schilfmeer.
Hirschsolche Wunder im Lande Chams, solche Furchtbarkeiten am Schilfmeer!
23
וַיֹּ֗אמֶר לְֽהַשְׁמִ֫ידָ֥ם לוּלֵ֡י מֹ֘שֶׁ֤ה בְחִיר֗וֹ עָמַ֣ד בַּפֶּ֣רֶץ לְפָנָ֑יו לְהָשִׁ֥יב חֲ֝מָת֗וֹ מֵהַשְׁחִֽית׃
BernfeldEr wollte sie vertilgen, wenn nicht sein Erkorener Mose vor ihm in den Riss getreten [für sie mit Fürbitte eingetreten] wäre, seinen Grimm abzuwenden, dass er sie nicht verderbe.
ZunzUnd er sprach sie zu vertilgen, wenn nicht Moscheh sein Erkorner in den Riß trat vor ihm, abzuwenden seinen Grimm, daß er nicht verderbte.
HirschEr sagte, sie vernichten zu wollen, wäre nicht Mosche, sein Erwählter, vor ihn in den Bruch getreten, seinen Unwillen vom Verderben abzuwenden.
24
וַֽ֭יִּמְאֲסוּ בְּאֶ֣רֶץ חֶמְדָּ֑ה לֹא־הֶ֝אֱמִ֗ינוּ לִדְבָרֽוֹ׃
BernfeldDann verschmähten sie das köstliche Land, sie trauten nicht seiner Verheißung.
ZunzUnd sie verschmäheten das anmuthige Land, sie glaubten nicht seinem Worte,
HirschSie verschmähten das herrliche Land, trauten seinem Worte nicht,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 24—27. וימאסו וגו'. Die מרגלים-Sünde, 4. B. M. K. 13. 14., mit welcher sie sich thatsächlich der weiteren Gotteslenkung und Leitung entziehen wollten. לא האמינו לדברו weder hinsichtlich der Vortrefflichkeit des Landes, noch hinsichtlich der Zusicherung, sie in Besitz desselben zu bringen. וישא ידו Ausdruck des Schwörens, wie 2. B. M. 6, 8 und sonst. ולהפיל זרעם בגוים ולזרותם בארצות. Siehe Pent. 4. B. M. 14, 23.

25
וַיֵּרָגְנ֥וּ בְאׇהֳלֵיהֶ֑ם לֹ֥א שָׁ֝מְע֗וּ בְּק֣וֹל יְהֹוָֽה׃
BernfeldSie murrten in ihren Zelten und gehorchten nicht der Stimme des Herrn.
ZunzUnd sie murrten in ihren Zelten, gehorchten nicht der Stimme des Ewigen.
Hirschmurrten in ihren Zelten, hörten nicht auf Gottes Stimme.
26
וַיִּשָּׂ֣א יָד֣וֹ לָהֶ֑ם לְהַפִּ֥יל א֝וֹתָ֗ם בַּמִּדְבָּֽר׃
BernfeldDa hob er seine Hand gegen sie auf. [und schwor], sie in der Wüste fallen zu lassen,
ZunzUnd er hub seine Hand auf über sie, sie zu stürzen in der Wüste,
HirschDa hub er ihnen seine Hand auf, sie in der Wüste fallen zu lassen,
27
וּלְהַפִּ֣יל זַ֭רְעָם בַּגּוֹיִ֑ם וּ֝לְזָרוֹתָ֗ם בָּאֲרָצֽוֹת׃
BernfeldIhre Nachkommen unter die Völker zu werfen, sie zu zerstreuen in die Länder.
ZunzUnd zu stürzen ihren Samen unter die Völker, und sie zu zerstreuen in die Länder.
Hirschund ihre Nachkommen fallen zu lassen unter die Völker und sie hinzustreuen in die Länder.
28
וַ֭יִּצָּ֣מְדוּ לְבַ֣עַל פְּע֑וֹר וַ֝יֹּאכְל֗וּ זִבְחֵ֥י מֵתִֽים׃
BernfeldSie hingen auch dem Baal Peor an und aßen Totenopfer.
ZunzUnd sie hingen dem Baal Peor an, und aßen Opfer der Todten,
HirschDem Baal Peor schlossen sie sich an, aßen die Opfer der Todten,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 28—31. ויצמדו וגו'. Die Baal-Peor-Sünde, 4. B. M. K. 25. ויצמדו לבעל פעור Vgl. Pent. das. V. 3. Das zum engsten Anschluß bringende Verführerische lag in der Vergötterung sinnlichster Ausschweifung, die im Peor-Kult ihren Ausdruck hatte. ויאכלו זבחי מתים, durch גלוי עריות kamen sie zu עבודה זרה (das. V. 1. 2). So blieb überhaupt für Israel, nach einem Worte der Weisen, die mit dem heidnischen Götterkult gegebene Hervorkehrung schamloser Unzüchtigkeit das Verlockende zum Abfall von Gott, der die Beherrschung der Sinnlichkeit innerhalb der Schranken des Sittengesetzes als die erste seiner Anforderungen gestellt hat. ידעין היו ישראל בע"ז שאין בה ממש ולא עבדו ע"ז אלא להתיר להם עריות בפרהסיא (Sanhedrin 13, b.). מתים im Gegensatz zu אל חי. Vgl. Kön. II. 19, 4. 16, wo אלק' חי den Gegensatz zu den Göttern der andern Völker ausdrückt. ויעמד וגו' 4. B. M. 25, 7 heißt es: ויקם מתוך העדה וגו', er erhob sich zur That. Vielleicht ist hier absichtlich dafür der Ausdruck ויעמד gebraucht, um auch die andere Seite seines Auftretens anzudeuten. Während die עדה, das zum Einschreiten berufene Männercollegium, dessen Mitglied er war, bei dem unerhörten Vorgang so von Schmerz überwältigt war, daß es nur „Thränen" vor Gott darüber hatte, verlor Pinhas allein die Besinnung nicht, blieb vielmehr in thatbereiter Kraft stehen und übte das von dem Moment gebotene Richteramt. פלל siehe Pent. 1. B. M. 11, 7. ותחשב לו לצדקה Siehe Pent. 1. B. M. S. 261.

Während durch Erinnerung an die פעור-Versündigung, wir für immer an die Gefahr gemahnt werden, welche der achtlose Verkehr mit Kreisen nichtjüdischer Sitte und Anschauung für unsere Pflichttreue gegen Gott in Gesinnung und That haben könne, mahnt uns zugleich die Erinnerung an die Pinhasthat, wie Jeder, auch der Vereinzeltste von uns berufen ist, mit männlichem Muth für die geistige und sittliche Rettung der Gesammtheit und ihrer Treue gegen Gott und sein Gesetz einzustehen und aufzustehen. Nicht die thatenlose Thräne bewirkt die Rettung und adelt den Mann. Die von Gott begeisterte That bewirkt Beides. לדור ודור עד עולם siehe 4. B. M. 25, 12. 13.

29
וַ֭יַּכְעִיסוּ בְּמַ֥עַלְלֵיהֶ֑ם וַתִּפְרׇץ־בָּ֝֗ם מַגֵּפָֽה׃
BernfeldSo kränkten sie ihn durch ihre Handlungen; da brach ein Sterben unter ihnen aus.
ZunzUnd kränkten durch ihre Handlungen, und es brach ein Sterben unter sie ein.
Hirscherregten Zorn durch ihre Thaten, und die Seuche brach unter ihnen aus.
30
וַיַּעֲמֹ֣ד פִּֽ֭ינְחָס וַיְפַלֵּ֑ל וַ֝תֵּעָצַ֗ר הַמַּגֵּפָֽה׃
BernfeldPinehas trat nun auf und strafte, so wurde das Sterben abgewehrt.
ZunzDa trat Pinchas auf und schlichtete, und das Sterben ward abgewehrt.
HirschDa stand Pinchas und übte ein Richteramt, und Einhalt geschah der Seuche.
31
וַתֵּחָ֣שֶׁב ל֭וֹ לִצְדָקָ֑ה לְדֹ֥ר וָ֝דֹ֗ר עַד־עוֹלָֽם׃
BernfeldDas wurde ihm zum Verdienst angerechnet für alle Geschlechter, für immer.
ZunzUnd es ward ihm angerechnet zum Verdienst, für alle Geschlechter bis ewig.
HirschIhm aber ward's zur Pflichtgerechtigkeit gerechnet für Geschlecht nach Geschlecht auf immer.
32
וַ֭יַּקְצִיפוּ עַל־מֵ֥י מְרִיבָ֑ה וַיֵּ֥רַע לְ֝מֹשֶׁ֗ה בַּעֲבוּרָֽם׃
BernfeldAber sie erzürnten [Gott] wieder an dem Haderwasser; ihretwegen verfuhr er hart mit Mose.
ZunzUnd sie erzürnten an den Haderwassern, und Schlimmes widerfuhr Moscheh ihretwegen.
HirschSie erzürnten beim Haderwasser, und Mosche erging es übel um ihretwillen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 32. ויקצפו וגו'. Die מי מריבה-Versündigung, 4. B. M. 20, 1—13, in deren Folge über Moses verhängt wurde, das Ende seines thatenreiches Lebens in der Wüste zu finden. ויקצפו, sie riefen ein Gefühl der Entrüstung hervor, daß sie selbst nach fast vierzigjähriger erfahrungsreicher Erziehung, noch den berechtigten Erwartungen nicht entsprachen (siehe Pent. 5. B. M. 9, 7), und zwar ist es hier wahrscheinlich Moses' Gemüth, in welchem sie dieses Gefühl hervorriefen. Dieses Gefühl war es, wie wir (Pent. das.) glaubten, durch welches übermannt, Moses zu dem der Weisung Gottes nicht entsprechenden Vorgehen hingerissen wurde, und so וירע למשה בעבורם. כי המרו את רוחו, sie waren mit ihrem Verhalten seinem Geiste entgegen, seinen Erwartungen widersprechend (Siehe Pent. 4. B. M. S. 330. בטא eine nicht aus gehöriger Ueberlegung hervorgegangene Aeußerung (Siehe Pent. 3. B. M. 5, 4). Dieses Gefühl äußerte sich in seinen Worten (4. B. M. 20, 10), und dieses, bei einem gewöhnlichen Menschen so natürliche, so verzeihliche Gefühl, dessen ein Moses in einem Augenblick nicht Meister blieb, ward so verhängnißvoll für ihn und sein Volk, das damit seiner Weiterführerschaft verlustig ging.

33
כִּי־הִמְר֥וּ אֶת־רוּח֑וֹ וַ֝יְבַטֵּ֗א בִּשְׂפָתָֽיו׃
BernfeldDenn sie hatten ihn erbittert, so dass er unbedacht mit seinen Lippen redete.
ZunzDenn sie hatten erbittert sein Gemüth, und er übereilte sich mit seinen Worten.
HirschDenn sie waren seinem Geiste ungefügig, und er sprach erregt mit seinen Lippen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 33—39. לא השמידו וגו', folgen noch in kurzen Zügen die Versündigungen, deren sie sich im Lande, in das sie endlich eingezogen waren, zu Schulden kommen ließen, und die den Verlust des Landes und die Zerstreuung unter die Völker herbeiführten, in welcher, die uns aus der ganzen Geschichte unserer Vergangenheit vorgeführten Verirrungen zu überwinden und zu sühnen, unsere Aufgabe bleibt. Siehe V. 6. Das Grundverderben lag gleich im Anfange des Besitzantritts des Landes, daß sie, im Gegensatz zu dem ausdrücklichen Gottesgeheiß und den wiederholten Warnungen, kanaanitische Bevölkerungen ohne Ablegung ihrer heidnischen Lebensweisen und Anschauungen neben sich im Lande duldeten (Siehe Pent. 2. B. B. M. 23, 33. 34, 11—14. 4. B. M. 33, 55. 5. B. M. 20, 10). Dies steht darum auch hier im Vordergrund, und auf die Vermischung mit ihnen und die Nachahmung ihrer Handlungsweisen wird der Abfall von Gott und seinem Gesetze zurückgeführt. ויהיו להם למוקש, die Götterembleme und deren Kult, die sie in ihrer Mitte duldeten, wurden ihnen zur verlockenden Falle (Vgl. Richter 2, 3). לשדים siehe Pent. 5. B. M. 32, 17. ותחנף הארץ וגו' siehe Pent. 4. B. M. 35, 33. במעשיהם, durch das was sie thaten, wurden sie טמא, büßten sie ihre sittliche Reinheit ein, und verloren die Würdigkeit der heiligen Gottesnähe, Beides ist ja טומאה. במעלליהם, durch die Ziele, die sie erstrebten, ויזנו, wurden sie Gott untreu, fielen von Gott ab.

34
לֹֽא־הִ֭שְׁמִידוּ אֶת־הָעַמִּ֑ים אֲשֶׁ֤ר אָמַ֖ר יְהֹוָ֣ה לָהֶֽם׃
BernfeldAuch vertilgten sie nicht die Völker, wie ihnen der Herr befohlen hatte.
ZunzNicht vertilgten sie die Völker, die ihnen angesagt der Ewige.
HirschSie vernichteten die Völker nicht wie es Gott ihnen gesagt hatte,
35
וַיִּתְעָרְב֥וּ בַגּוֹיִ֑ם וַֽ֝יִּלְמְד֗וּ מַעֲשֵׂיהֶֽם׃
BernfeldSie mischten sich unter die Völker und lernten ihr Treiben.
ZunzUnd sie mischten sich unter die Völker, und lernten ihr Thun,
Hirschmischten sich unter die Völker und lernten ihre Handlungsweisen,
36
וַיַּעַבְד֥וּ אֶת־עֲצַבֵּיהֶ֑ם וַיִּהְי֖וּ לָהֶ֣ם לְמוֹקֵֽשׁ׃
BernfeldSie dienten ihren Götzen, die ihnen zum Fallstrick wurden.
ZunzUnd dienten ihren Götzen, und sie wurden ihnen zum Fallstrick.
Hirschdienten ihren Götzen, und sie wurden ihnen zur Falle.
37
וַיִּזְבְּח֣וּ אֶת־בְּ֭נֵיהֶם וְאֶת־בְּנוֹתֵיהֶ֗ם לַשֵּׁדִֽים׃
BernfeldAuch opferten sie ihre Söhne und ihre Töchter den Geistern.
ZunzUnd sie opferten ihre Söhne und ihre Töchter den Geistern.
HirschIhre Söhne und Töchter opferten sie den Dämonen,
38
וַיִּ֥שְׁפְּכ֨וּ דָ֪ם נָקִ֡י דַּם־בְּנֵ֘יהֶ֤ם וּֽבְנוֹתֵיהֶ֗ם אֲשֶׁ֣ר זִ֭בְּחוּ לַעֲצַבֵּ֣י כְנָ֑עַן וַתֶּחֱנַ֥ף הָ֝אָ֗רֶץ בַּדָּמִֽים׃
BernfeldSo vergossen sie unschuldiges Blut, das Blut ihrer Söhne und ihrer Töchter, die sie den Götzen Kanaans opferten; das Land wurde durch Blutschuld verrucht.
ZunzUnd vergossen unschuldig Blut, das Blut ihrer Söhne und ihrer Töchter, die sie opferten den Götzen Kenaan's, und verrucht ward das Land durch Blutschuld.
Hirschvergossen unschuldiges Blut, das Blut ihrer Söhne und Töchter, die sie Kenaan's Götzen opferten, und das Land ward zum Heuchler durch die Blutschuld,
39
וַיִּטְמְא֥וּ בְמַעֲשֵׂיהֶ֑ם וַ֝יִּזְנ֗וּ בְּמַ֥עַלְלֵיהֶֽם׃
BernfeldSie wurden unrein durch ihre Werke und unzüchtig durch ihre Handlungen.
ZunzUnd sie wurden unrein durch ihre Werfe, und abtrünnig durch ihre Handlungen.
Hirschsie wurden unrein durch ihre Thaten und fielen ab durch ihre Handlungen:
40
וַיִּחַר־אַ֣ף יְהֹוָ֣ה בְּעַמּ֑וֹ וַ֝יְתָעֵ֗ב אֶת־נַחֲלָתֽוֹ׃
BernfeldEs erglühte der Zorn des Herrn über sein Volk, und er verabscheute sein Erbe.
ZunzUnd es erglühete der Zorn des Ewigen über sein Volk, und er verabscheute sein Erbe.
Hirschda ward Gottes Zorn rege wider sein Volk, und er verabscheute sein Erbe,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 40—46. ויחר וגו' zeichnet nun den Untergang in Folge dieses Abfalls, und zwar faßt diese Betrachtung die wechselnde Unterjochung durch feindliche Völker während ihres Besitzes des Landes und ihr Geschick während und nach ihrer Vertreibung aus dem Lande in Einem Bilde zusammen. War doch das endliche Galuth Nichts als die Vollendung Dessen, was sich bereits zur Zeit der Richter durch die anwohnenden Völker und zur Zeit der Könige durch eroberungssüchtige Kriegesmächte vorbereitete. Daß diese Schilderung auch die Zeiten des Galuth im Auge hat, das beweist nicht nur der Schluß V. 47, sondern auch der vorangehende Satz V. 46, der die Milde hervorhebt, welche Gott sie endlich bei שוביהם, bei Denen finden ließ, die sie „aus ihrem Lande in die Gefangenschaft fortgeführt haben." פעמים רבות יצילם, während sie noch ihren Wohnsitz im Lande hatten, והמה, und sie, — statt sich zu bessern — ימרו בעצתם', führen fort ungehorsam zu bleiben in ihrem Lebensvorsatz. עצתם, ihr Plan, ihr Vorsatz war nicht die Gottestreue. Andere Ziele strebten sie an, und die Uebereinstimmung ihres Wandels mit dem göttlichen Willen überließen sie dem Zufall. Es ist dies ganz das הלך בקרי עם ד', womit ihr Treubruch mit Gott 3. B. M. 26, 21. 23. 27 charakterisirt wird. Siehe Pent. das. וימכו von מכך, einerseits verw. mit מוך, anderseits mit מקק, bezeichnet einen materiellen Niedergang, ein materielles zu Grundegehen. So auch בעצלתים ימך חמקרה (Pred. 10, 18), וינחם, stehe Pent. 1. B. M. 6, 6. כרב חסדיו geschrieben חסדו: es ist immer nur die Eine gleiche Liebe Gottes, die sich uns Menschen in der größten Mannigfaltigkeit ihrer Bestimmungen, je nach dem Heiles- und Erziehungsbedürfniß des Menschen äußert.

41
וַיִּתְּנֵ֥ם בְּיַד־גּוֹיִ֑ם וַֽיִּמְשְׁל֥וּ בָ֝הֶ֗ם שֹׂנְאֵיהֶֽם׃
BernfeldEr gab sie in die Hand der Völker: ihre Hasser herrschten über sie.
ZunzUnd gab sie in die Hand der Völker, daß über sie herrschten ihre Hasser.
Hirschgab sie in der Völker Hand, und ihre Hasser herrschten über sie.
42
וַיִּלְחָצ֥וּם אוֹיְבֵיהֶ֑ם וַ֝יִּכָּנְע֗וּ תַּ֣חַת יָדָֽם׃
BernfeldIhre Feinde bedrängten sie, und sie wurden gedemütigt unter ihrer Hand.
ZunzUnd es drängten sie ihre Feinde, und sie wurden gebeugt unter ihre Hand.
HirschIhre Feinde drängten sie, und sie wurden gedemüthigt unter ihrer Gewalt.
43
פְּעָמִ֥ים רַבּ֗וֹת יַצִּ֫ילֵ֥ם וְ֭הֵמָּה יַמְר֣וּ בַעֲצָתָ֑ם וַ֝יָּמֹ֗כּוּ בַּעֲוֺנָֽם׃
BernfeldViele Male rettete er sie, sie aber waren widerspenstig mit ihren Anschlägen, so kamen sie herunter durch ihre Schuld.
ZunzViele Male rettete er sie, sie aber waren widerspenstig mit ihren Anschlägen, und verkamen in ihrer Schuld.
HirschViele Male rettete er sie, sie aber blieben ungehorsam fort in ihrem Vorsatz, und wurden immer elender durch ihre Sünde.
44
וַ֭יַּרְא בַּצַּ֣ר לָהֶ֑ם בְּ֝שׇׁמְע֗וֹ אֶת־רִנָּתָֽם׃
BernfeldAber doch sah er, wenn sie in Bedrängnis gerieten, wenn er ihren Ruf hörte.
ZunzUnd er sah, wenn sie in Bedrängniß waren, wenn er ihren Ruf hörte.
HirschDa sah er hinein in die Noth die ihnen ward, indem er den Erguß ihres Innern hörte,
45
וַיִּזְכֹּ֣ר לָהֶ֣ם בְּרִית֑וֹ וַ֝יִּנָּחֵ֗ם כְּרֹ֣ב חֲסָדָֽו׃
BernfeldEr gedachte ihnen seinen Bund und erbarmte sich nach seiner großen Gnade.
ZunzUnd gedachte ihnen seinen Bund, und erbarmte sich nach seiner reichen Huld.
Hirschgedachte ihnen seines Bündnisses, ließ sich zur Aenderung seines Sinnes bestimmen nach der Fülle seiner Liebeswirkungen,
46
וַיִּתֵּ֣ן אוֹתָ֣ם לְרַחֲמִ֑ים לִ֝פְנֵ֗י כׇּל־שׁוֹבֵיהֶֽם׃
BernfeldEr ließ sie Barmherzigkeit finden vor all ihren Bezwingern.
ZunzUnd er ließ sie Barmherzigkeit finden vor all ihren Bezwingern. —
Hirschund gab sie zur Erbarmung vor allen ihren Zwingherren.
47
הֽוֹשִׁיעֵ֨נוּ ׀ יְ֘הֹוָ֤ה אֱלֹהֵ֗ינוּ וְקַבְּצֵנוּ֮ מִֽן־הַגּ֫וֹיִ֥ם לְ֭הֹדוֹת לְשֵׁ֣ם קׇדְשֶׁ֑ךָ לְ֝הִשְׁתַּבֵּ֗חַ בִּתְהִלָּתֶֽךָ׃
BernfeldHilf uns, Herr, unser Gott, und sammle uns aus den Völkern, damit wir deinem heiligen Namen danken und deinen Ruhm preisen.
ZunzHilf uns, Ewiger, unser Gott, und sammle uns aus den Völkern, zu danken deinem heiligen Namen, zu preisen deiner Ruhm.
HirschHilf uns Gott unser Gott, und sammle uns aus den Völkern, deinem heiligen Namen zu huldigen, unsern Ruhm in deinem Thatenlob zu finden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 47. הושיענו וגו'. Die V. 8. mit der uns zur Beherzigung vorgeführten Schilderung unserer Verirrungen unterbrochene Anrede an Gott, kehrt nun nach der gedachten Milderung unseres Geschickes, die uns seine Liebe in der Verbannung hat finden lassen, wieder zu Gott mit der Hoffnung und Bitte zurück, Gott möge so auch unsere endliche Erlösung und Wiedersammlung aus den Völkern verfügen, auf, daß wir seinem Namen — mit der ganzen Hingebung unseres Seins und Wollens — huldigen, und unseren Ruhm nur in der Thatengröße finden mögen, die aus solcher, alles Frühere überragenden Erlösung, strahlend sich offenbaren werde. Die, V. 46, erfahrene Milderung selbst legt diese Hoffnung auf eine, wenn auch nicht von unserer Verdienst-Reife getragene, Erlösung nahe, wie ja nach dem Gedanken, mit welchem der Psalm V. 8 die Anrede an Gott unterbrach, auch die erste Erlösung nicht in Folge unseres Verdienstes, sondern zur Offenbarung des göttlichen Wollens und Waltens geschehen war. (Vgl. מדרש תהלים zu Kap. 107, 1).

48
בָּ֤רֽוּךְ־יְהֹוָ֨ה אֱלֹהֵ֪י יִשְׂרָאֵ֡ל מִן־הָ֤עוֹלָ֨ם ׀ וְעַ֬ד הָעוֹלָ֗ם וְאָמַ֖ר כׇּל־הָעָ֥ם אָמֵ֗ן הַֽלְלוּ־יָֽהּ׃
BernfeldGepriesen sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und es spreche alles Volk: Amen! Halleluja!
ZunzGepriesen sei der Ewige, der Gott Jisraél's, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und es spreche alles Volk: Amen. Hallelujah!
HirschSei jedoch Gott, Gott Israels, gesegnet von aller Vergangenheit bis zu aller Zukunft hin, und Amen sage das ganze Volk, Hallaluja.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 48. ברוך וגו'. Es berichtigt sich jedoch die Bitte sofort durch das Gelöbniß; wie dunkel auch die Vergangenheit, wie dunkel die Gegenwart, wie vor Allem die Zukunft auch dunkel, wie „verhüllt" das Ziel der Zeiten, fern und verhüllt für uns die Zeit unserer Erlösung und Wiedersammlung sein möge, Eins steht klar und deutlich zu aller Zeit und in alle Ewigkeit hin vor unsern Augen, und das ist unsere Aufgabe: לברך ד' אלק' ישראל, Gott, der Israels Gott ist und bleibt, mit treuester Erfüllung seines Willens in Förderung seiner Zwecke zu dienen (— das ist ja ברך ד', siehe Pent. 5. B. M. 8, 10 —) und ברוך וגו', dem Gelöbniß dieser Segnung des göttlichen Willens mit dem Einsatz alles seines Ernstes sich anzuschließen, wie dies das Wort אמן gelobt (siehe Pent. 1. B. M. S. 260), dazu fordert er das ganze Volk auf, und das sei die Bethätigung seines „Hallalujah." Sind doch alle Hallaluja's nichtige Blasphemien, wenn sie den Gottesgehorsam ersetzen, und nicht vielmehr ihn immer auf's Neue erzeugen und stärken sollen (Siehe Pent. 2. B. M. 15, 11. נורא תהלות).

So unterbricht auch Moses, nachdem er 5. B. M. 29, 27 die Verkündung der einstigen Zerstreuung verkündet hatte, und nun Kap. 30, 1 zur Verkündung der einstigen Wiedersammlung übergehen wollte, diesen Uebergang ganz ähnlich mit den Worten: הנסתרות לד' אלדינו והנגלות לנו ולבנינו עד עולם לעשות את כל דברי התורה הזאת (Siehe Pent. das. 29, 28).

5. Buch.