Tehillim 105 תהילים

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1
הוֹד֣וּ לַ֭יהֹוָה קִרְא֣וּ בִשְׁמ֑וֹ הוֹדִ֥יעוּ בָ֝עַמִּ֗ים עֲלִילוֹתָֽיו׃
BernfeldDanket dem Herrn, ruft an seinen Namen! Verkündet unter Völkern seine Taten!
ZunzDanket dem Ewigen, rufet an seinen Namen! Machet kund unter Völkern seine Thaten.
HirschHuldiget Gott, verkündet seinen Namen, macht unter die Völkern seines Wirkens Thaten bekannt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 105, V. 1. הודו וגו'. Wie der vorige Psalm Gottes Waltungsgröße in seinem Welthaushalte anschaut, um daraus den erneuten Entschluß zur freudigen Hingebung an Gottes Lebens-Dienst zu schöpfen, ist dieser und der nächste Psalm einer solchen Anschauung des göttlichen Wirkens und Waltens in Israels besonderer Geschichte gewidmet, um daraus die besondere Bestimmung und Aufgabe Israels in Mitte der Völker zum Bewußtsein zu bringen, in deren Mitte Gott es hingewiesen. Denn es ist Israel in der Verbannung, für welches diese Psalmen gesprochen sind, wie aus dem folgenden, offenbar den vorliegenden fortsetzenden Psalm erhellt. Ps. 105 ist der Geschichte des heitern Aufbau's des jüdischen Volkes gewidmet, Ps. 106 der Geschichte seines ernsten Niederganges.

Es ist Ein Gedanke, den dieser Psalm 105 unserer Erkenntniß und Beherzigung nahe legen will: wir sollen bedenken, was Gott für uns, in unserem Ursprunge eine Handvoll Menschen, gethan, wie er für sie in die Gänge der Natur und die Geschicke der Völker eingegriffen, lediglich um sich aus ihnen ein Volk für seine Gesetze und seine Lehren zu schaffen! In dem letzten Vers בעבור ישמרו וגו' gipfelt die Tendenz des ganzen Psalms. Dieser Gedanke soll uns für die Hoheit und unveräußerliche Bedeutsamkeit unserer Hingebung an die Erkenntniß und Erfüllung des göttlichen Gesetzes begeistern, und zugleich die Ueberzeugung vergewissern, wie, wenn wir im treuen Dienste dieses Gesetzes verharren, wir damit zugleich unter Schutz und Leitung einer besondern göttlichen Fürsorge stehen, die jede andere Schutzmacht für uns überflüssig erscheinen läßt, eine Zuversicht, die sofort Eingangs durch den Rückblick auf die in der Führung unserer ersten Väter sich bekundenden göttlichen Fürsorge begründet wird.

הודו וגו'. V. 1—7 ist Aufruf an Israels unter die Völker verwiesenen Söhne, sich dort ihrer unverlierbar ewigen Aufgabe bewußt zu bleiben, und ihrer Lösung sich mit aller Hingebung zu weihen. Gott zu huldigen, seinen Namen zu verkünden — (wie Abraham לקרא בשם ד' — Kunde von Gottes Waltungen unter die Völker zu tragen, das spricht der erste Vers als die Bestimmung unserer Sendung in die Völkermitte aus.

2
שִֽׁירוּ־ל֭וֹ זַמְּרוּ־ל֑וֹ שִׂ֝֗יחוּ בְּכׇל־נִפְלְאוֹתָֽיו׃
BernfeldSingt ihm, spielt ihm, sprecht von all seinen Wundern.
ZunzSinget ihm, spielet ihm, redet von all seinen Wundern.
HirschLobsinget ihm, singet ihm, sinnet über alle seine Wunder.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2. 3. שירו וגו'. Dieser Aufgabe gemäß sollen sie ihren Gedanken- und Gefühlsausdruck Gott weihen, sollen die Wunderthaten, die Gott für sie geübt, und in ihnen sein Können, Wollen und Walten offenbart hat, nicht gedankenlos hinnehmen, sondern gleichsam ihr geistiges Innere in sie „pflanzen," sie Boden und Wurzel ihrer Gott-, Welt- und Menschen-Anschauung werden lassen, insbesondere aber aus ihnen ihre eigene Welt- und Menschenstellung, ihren Beruf und die Bedeutung ihrer völkergeschichtlichen Sendung begreifen lernen. התהללו וגו' wörtlich: sie sollen die Ausstrahlung ihres Wesens in seinem heiligen Namen finden, d. h. sie sollen ihre ganze Bestimmung und Lebensaufgabe darin finden, durch ihr Geschick und ihr Thatenleben Träger und Verkünder Gottes, des Einzig-Einen, und Mittel zur Verbreitung seiner Anerkennung zu sein, שם ד' נקרא עליך (5. B. M. 28, 10), und ihre Bestimmung wie der Väter ist: לקרא בשם ד' (1. B. M. 12, 8). ישמח לב מבקשי ד'. Auch unter den Völkern, in deren Mitte ihr lebt, werden es Menschen geben, die „Gott suchen," die sich danach sehnen, Zeugniß vom Dasein und Walten Gottes zu haben. Die werden sich der Verkündung freuen, die ihr ihnen durch euer Geschick, euer Thun und Reden bringet.

3
הִֽ֭תְהַלְלוּ בְּשֵׁ֣ם קׇדְשׁ֑וֹ יִ֝שְׂמַ֗ח לֵ֤ב ׀ מְבַקְשֵׁ֬י יְהֹוָֽה׃
BernfeldRühmt euch seines heiligen Namens; es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen.
ZunzRühmet euch seines heiligen Namens, es freue sich das Herz derer, die den Ewigen suchen.
HirschSuchet euren Ruhm in seinem heiligen Namen, daß sich das Herz Derer freue, die Gott suchen.
4
דִּרְשׁ֣וּ יְהֹוָ֣ה וְעֻזּ֑וֹ בַּקְּשׁ֖וּ פָנָ֣יו תָּמִֽיד׃
BernfeldVerlangt nach dem Herrn und seiner Macht, suchet sein Antlitz allezeit.
ZunzVerlanget nach dem Ewigen und seiner Hoheit, suchet sein Antlitz beständig.
HirschErforschet Gott und seinen unwiderstehlichen Willen, suchet sein Angesicht immerdar.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 4. דרשו וגו'. דרש ד': Belehrung, auch Hilfe, bei Gott suchen. עוז, siehe Ps. 78, 61. 132, 8: das göttliche Gesetz, als der Ausspruch seines unveränderlichen, unwiderstehlichen, entschiedenen Willens. Suchet bei Gott und seinem Gesetz die Richtschnur für euer Leben, und dieses Gesetz sei euch das entschiedene, unveräußerliche Absolute, dem ihr alles Andere unterordnet, dann seid in jeder Zeit und in jeder Geschickeslage der besondern Gottesgegenwart und Fürsorge gewärtig.

5
זִכְר֗וּ נִפְלְאוֹתָ֥יו אֲשֶׁר־עָשָׂ֑ה מֹ֝פְתָ֗יו וּמִשְׁפְּטֵי־פִֽיו׃
BernfeldGedenkt seiner Wunder, die er getan, seiner Zeichen und der Aussprüche seines Mundes.
ZunzGedenket seiner Wunder, die er gethan, seiner Zeichen und der Aussprüche seines Mundes.
HirschGedenket seiner Wunder, die er geübt, seiner Belehrungsthaten und der Rechtsaussprüche seines Mundes,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5. זכרו וגו'. Seid eingedenk: der Ihn und seine Waltung offenbarenden נפלאות, die er geübt, seiner מופתים, mit welchen er auf die Ueberzeugung der Menschen einwirken wollte, und משפטי פיו, der Aussprüche seines Mundes, mit welchen er der Menschen Thun und Lassen nach dem Maßstabe Seines Rechts geregelt wissen will.

6
זֶ֭רַע אַבְרָהָ֣ם עַבְדּ֑וֹ בְּנֵ֖י יַעֲקֹ֣ב בְּחִירָֽיו׃
BernfeldNachkommenschaft Abrahams, seines Knechtes, Söhne Jakobs, seine Erkorenen!
ZunzSame Abraham's, seines Knechtes, Söhne Jaakob's, seine Erkornen!
Hirschihr, Saat Abrahams seines Dieners, Jaakobs Söhne, seine Erwählten!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 6. זרע וגו'. Ihr seid ja Saat seines Dieners Abraham, darin liegt die Wurzel eures ganzen menschheitgeschichtlichen Berufes. Jedes Samenkorn soll die Pflanze, von der es stammt, wiederholen. So soll in jedem Juden sich ein Abraham, ein Diener Gottes, ein Mitarbeiter für Gottes Menschheitszweck, „ein Verkünder seines Namens" wiederholen. Ihr seid Söhne „Jaakobs," Jaakobs, der sich in einem herben, prüfungsreichen Lebensgange — dem Vorbilde eures Galuth-Geschickes — als würdiger Abrahamsenkel bewährte, so daß er auf seine Söhne den Abrahamsbund und den Abrahamsberuf also vererbte, daß Gott sie, seine Söhne, die in euch weiterleben, für die Vollendung seines mit Abraham begonnenen Werkes erwählte. Abraham gleich seiet Gott verkündende Gottes-Diener; Jakob gleich werdet in keiner Geschickeslage an euch und eurer Bestimmung irre.

7
ה֭וּא יְהֹוָ֣ה אֱלֹהֵ֑ינוּ בְּכׇל־הָ֝אָ֗רֶץ מִשְׁפָּטָֽיו׃
BernfeldEr, der Herr, ist unser Gott, über die ganze Erde gehen seine Gerichte.
ZunzEr ist der Ewige unser Gott, über die ganze Erde gehen seine Gerichte.
HirschEr, Gott unser Gott, über die ganze Erde reichen seine Wirkungen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 7. הוא וגו'. Er, Gott Abrahams und Jaakobs, ist auch unser Gott noch, und wo ihr auch auf Erden euch befinden möget, überall waltet Er. Weder Zeit noch Raum hat das Geringste an eurer Bestimmung und eurer Beziehung zu Gott geändert, kann das Geringste an eurer Bestimmung und eurer Beziehung zu Gott ändern.

8
זָכַ֣ר לְעוֹלָ֣ם בְּרִית֑וֹ דָּבָ֥ר צִ֝וָּ֗ה לְאֶ֣לֶף דּֽוֹר׃
BernfeldEr gedenkt ewiglich seines Bundes, des Wortes, das er verheißen, ins tausendste Geschlecht,
ZunzEr gedenkt ewiglich seines Bundes, des Wortes, das er geboten, ins tausendste Geschlecht,
HirschEr hat seines Bundes für alle Zukunft gedacht, das von Ihm gebotene Wort ist für's tausendste Geschlecht bestimmt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 8. זכר וגו'. Ausnahmlos ist לעולם ein Adv. der Zukunft, und זכר לעולם בריתו steht ganz in derselben Bedeutung wie צוה לעולם בריתו (Ps. 111, 9). Als er seines Bündnisses mit Abraham gedachte, und in Folge dessen seine Nachkommen erlöste und erwählte (— Vgl. V. 43 und 2. B. M. 6, 5 —), da that er dies nicht vorübergehend, etwa nur für das damalige Geschlecht, sondern לעולם: für alle Zukunft, und דבר צוה, und das Wort, d. i. das Gesetz das er gebot, hat er für's tausendste Geschlecht geboten. ברית und תורה, die Bundesverheißung Gottes, auf welcher unser Geschick, und die Gesetzesoffenbarung, auf welcher unsere Bestimmung beruht, beide sind für alle Zeit gegeben.

9
אֲשֶׁ֣ר כָּ֭רַת אֶת־אַבְרָהָ֑ם וּשְׁב֖וּעָת֣וֹ לְיִשְׂחָֽק׃
BernfeldDen er mit Abraham geschlossen und seines Schwurs an Isak.
ZunzDas er geschlossen mit Abraham, und seines Schwurs an Jischak,
HirschWas er mit Abraham geschlossen, und was sein Eid an Jizchak war,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 9. 10 אשר וגו'. Was er mit Abraham geschlossen und Jizchak zugeschworen, das gestaltete er für Jaakob zum Gesetz, und wenn Jaakob diesem Gesetze unverbrüchliche Treue zollt, so geht er daraus als Jisrael hervor, und es bewährt sich an ihm die vollendete Verwirklichung der auf ewig gegebenen Bundesverheißung. Bezeichnend steht hier ישחק mit ש. Der Name sagt ja, wie lächerlich auch nach der natürlichen Berechnung der Menschen die Zuversicht in die verheißene Zukunft erschien, mit welcher die Abrahamsfamilie bei ihrem Ursprung ihr Verhältniß zu Gott und Menschen antrat, so werde sie doch eben diejenige sein, die zuletzt lachen werde, während die Erwartungen der Andern zu Schanden kommen (Vgl. Pent. 1. B. M. 17, 17. 21, 6). Und wenn diese im Gegensatz zu der natürlichen Ordnung der Dinge sich schon in unserer Fortdauer und Ausdauer verwirklichende Verheißung uns auch noch nicht zu צחוק berechtigt, so spielt doch bereits שחוק ein heiteres „Lächeln“ des sich bewußten Sieges um unsern Mund.

10
וַיַּעֲמִידֶ֣הָ לְיַעֲקֹ֣ב לְחֹ֑ק לְ֝יִשְׂרָאֵ֗ל בְּרִ֣ית עוֹלָֽם׃
BernfeldEr stellte es fest für Jakob zur Satzung, für Israel zum ewigen Bunde,
ZunzUnd stellte es auf für Jaakob zur Sazung, für Jisraél zum ewigen Bunde,
Hirschdas stellte er für Jaakob zum Gesetz, für Jisrael zum ewigen Bund:
11
לֵאמֹ֗ר לְךָ֗ אֶתֵּ֥ן אֶת־אֶֽרֶץ־כְּנָ֑עַן חֶ֝֗בֶל נַחֲלַתְכֶֽם׃
BernfeldAls er sprach: Dir gebe ich das Land Kanaan als zugemessenes Eigentum.
ZunzDa er sprach: Dir geb' ich das Land Kenaan als Loos eures Besitzes.
Hirsch„dir gebe ich das Land Kenaan“, das zugemessene Theil eures Erbes,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 11. לאמר וגו'. Diese Verheißung aber lautet: לך אתן את ארץ כנען, und dieses Land Kanaan ist noch jetzt חבל נחלתכם, das uns zugemessene Erbgut, obgleich wir zeitweilig von ihm entfernt sind und seinen Besitz eingebüßt haben.

12
בִּֽ֭הְיוֹתָם מְתֵ֣י מִסְפָּ֑ר כִּ֝מְעַ֗ט וְגָרִ֥ים בָּֽהּ׃
BernfeldDa sie noch ein zähliges Häuflein waren, ihrer wenig, als sie darin nur als Fremde weilten.
ZunzDa sie waren ein zähliges Häuflein, da (ihrer) wenig, und sie darin weilten.
Hirschals sie noch gering anZahl waren, wie etwas Winziges und Fremdlinge darin.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 12. כהיותם וגו', und dieses Land verhieß er ihnen, als sie noch eine Handvoll Leute waren. כמעט ist schwierig. Es ist sonst adv. fast, beinah; auch kaum, wie כמעט שעברתי מהם (Hohel. 3, 4). Es bezeichnet immer: ein Weniges. Es braucht nur noch ein Weniges dazu, daß Etwas geschehe, oder: es war nur erst ein Weniges von Etwas geschehen. Es kommt auch als Substantiv vor: לא אשחיתם ונתתי להם כמעט לפליטה, ich lasse ihnen ein Weniges zur Rettung, verderbe sie nicht ganz (Chron. II. 12, 7). Letzteres kann es auch hier heißen: wie ein Winziges, wie ein völlig Unbedeutendes waren sie. Möglich auch, daß es sich hinauf bezieht und in der Bedeutung: kaum steht. Es war gesagt: sie waren noch מתי מספר, und es wird noch hinzugefügt: und auch Das waren sie kaum. Als die Landesverheißung zuerst ausgesprochen wurde, konnte man noch nicht einmal von ihnen sagen, daß sie מתי מספר waren. Von dem künftigen Volke war überhaupt erst Ein Mensch, Abraham, da.

13
וַ֭יִּֽתְהַלְּכוּ מִגּ֣וֹי אֶל־גּ֑וֹי מִ֝מַּמְלָכָ֗ה אֶל־עַ֥ם אַחֵֽר׃
BernfeldSie zogen von Volk zu Volk, von Königreich zu fremder Nation.
ZunzUnd zogen von Volk zu Volk, von Königreich zu fremder Nation.
HirschSie wanderten von Volk zu Volk, von Königreich zu anderer Nation.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 13. 14. ויתהלכו וגו'. Im Lande Kanaan selbst waren verschiedene Völkerschaften, unter denen sie von Einer zur Andern wanderten, und außerdem nach dem Lande der Philister und Egypten, Jaakob auch nach Aram. Nicht klar ist was der Zusatz: ממלכה וגו' sagt. Vielleicht bezieht es sich auf die Verfassung der Völker, unter denen sie wanderten. Die Völker waren verschieden, und die Verfassungen waren verschieden, und doch לא הניח וגו'. Wir wissen z. B. nicht, ob schon damals Aram unter Königen stand, und immerhin mögen auch die Staatseinrichtungen der von Königen regierten Völker sehr von einander verschieden gewesen sein. לא הניח אדם z. B. Laban, ויוכח וגו' z. B. Pharao und Abimelech.

14
לֹא־הִנִּ֣יחַ אָדָ֣ם לְעׇשְׁקָ֑ם וַיּ֖וֹכַח עֲלֵיהֶ֣ם מְלָכִֽים׃
BernfeldErließ keinen Menschen sie bedrücken und strafte um sie Könige.
ZunzEr ließ keinen Menschen sie bedrücken, und strafte um sie Könige.
HirschNirgends ließ er einen Menschen zu ihr Recht zu kränken, und wies Könige über sie zurecht:
15
אַֽל־תִּגְּע֥וּ בִמְשִׁיחָ֑י וְ֝לִנְבִיאַ֗י אַל־תָּרֵֽעוּ׃
BernfeldRühret nicht meine Gesalbten an, und meinen Propheten füget kein Leid zu.
ZunzRühret nicht meine Gesalbten an, und meinen Propheten füget kein Leid zu!
Hirsch„rührt nicht an meine Geweihten, und meinen Propheten thut kein Leid!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 15. אל תגעו וגו'. In Mitten einer, den verschiedensten Unsitten ergebenen, dem Heidenthum verfallenen Bevölkerung, standen sie in ihrer Vereinzelung als die Gott dem Einzig-Einen mit ihrem sittlich geheiligten Wandel Dienenden, und Seinen Namen Verkündenden gekennzeichnet da, und schützend umgab sie Gottes Warneruf: אל תגעו וגו'.

Diese ganze Wanderschaft der vereinzelten Väter unter den Völkern ist aber grundlegendes Vorbild für ihre Nachkommen, vor Allem für die Zeiten ihrer Wiederzerstreuung unter die Völker, auf daß auch sie, wandernd von Volk zu Volk, von Verfassung zu Verfassung, ihrem einzigen Gottesberufe treu, und in dieser Treue der sie schützenden Gottesführung gewärtig bleiben sollen.

16
וַיִּקְרָ֣א רָ֭עָב עַל־הָאָ֑רֶץ כׇּֽל־מַטֵּה־לֶ֥חֶם שָׁבָֽר׃
BernfeldEinst rief er Hungersnot über das Land, er zerbrach alle Stützen des Brotes.
ZunzUnd er rief Hungersnoth herbei über das Land, jeglichen Stab des Brodes zerbrach er.
HirschDa rief er Hunger über die Erde, brach jeden Stab des Brodes.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 16—23. ויקרא וגו'. Von V. 16 bis zu Ende folgt nun eine Darstellung der עלילות ד' (siehe Ps. 66, 5) der einzelnen auf einanderfolgenden, zu Einem Ziele führenden WaltungsThaten, mit welchen Gott in Geschicke von Völkern und Ländern, und in von Ihm gesetzte Ordnungen der Natur eingriff, um die abrahamitischen Verheißungen zu erfüllen, und sich aus Abrahams Nachkommen ein Volk heranzubilden, das als Sein Volk für die Verwirklichung seines Gesetzes in das Land der Verheißung einziehen sollte. V. 16—23 bespricht die Veranstaltungen, die Abrahams-Familie in Mitte einer ihnen gegensätzlich fremden Bevölkerung, in einem besonderten Landesgebiete zu einem besondern Volke heranwachsen zu lassen. Dieser Gegensatz und diese Sonderung war nothwendig, ohne sie wäre die abrahamitische Familie in die andern Bevölkerungen aufgegangen und wäre für ihre Bestimmungszukunft verloren gewesen. Zu einem solchen Gegensatz und einer solchen Sonderung eignete sich aber kein anderer so sehr, wie der chamitische Staat mit seiner festen Gliederung und seinem ausgebildeten heidnischen Götterwesen. Sollten aber Fremdlinge in einem solchen Staat ein eigenes Wohngebiet eingeräumt erhalten, so konnte dies nur durch ein ganz außerordentliches Wohlwollen des Herrschers erlangt werden, und sollte ein solches Wohlwollen erlangt werden, so mußte die Abrahamsfamilie, oder wenigstens Ein Glied derselben, dem Herrscher persönlich nahe kommen, und sich zugleich als größten Wohlthäter für den Herrscher und sein Land erwiesen haben. Daß aber ein Fremdling in nahe und nächste Berührung mit einem Landes-Beherrscher käme, dafür gab es nur Einen Weg: den Sklavenstand. Als Sklave kann der unbekannteste Fremde unmittelbar in den Kreis von Herrschern und ihren Fürsten gebracht werden, und um in großem Maaßstabe Wohlthäter und Retter eines Landes zu werden, muß erst eine große Kalamität über das Land gekommen sein. Alles dies spricht die hier folgende Schilderung der Gottes-Veranstaltungen und deren Gruppirung aus. Das bedeutendste, treibendste Moment in dieser von Gott geleiteten Geschicks-Entwickelung, die Hungersnoth, steht voran, und veranschaulicht zugleich, wie ganze Länder in Mitleidenschaft gezogen wurden, um diese Handvoll Menschen, deren Zukunft freilich die Heileszukunft aller Völker und Länder in ihrem Schooße trug, ihrer Bestimmung entgegen zu führen. ויקרא רעב על הארץ, nicht blos über das Land, in welchem sich die Abrahamsfamilie befand, sondern über das ganze umgebende Erdgebiet, und selbst über Egypten, nach welchem, als der gesegneten Kornkammer für Alle, alle Länder zur Zeit des Mangels auszuschauen gewöhnt waren. שלח וגו', und als Gott die Hungersnoth verhängte, hatte Gott schon Einen Sohn der abrahamitischen Familie vor sie her gesandt, und zwar war der begabteste und edelste ihrer Söhne, Josef, nach Egypten zum Sklaven verkauft. ענו וגו', und als Sklave war er noch elender geworden, war in Kerker und Fesseln geworfen worden, bis Gott die Zeit für die Erfüllung seines Wortes — (wohl die Aussicht auf einstige Herrschergröße, die Gott durch Träume in des Jünglings Brust geweckt hatte. Oder die Erfüllung des Wortes beim ברית בין הבתרים, daß die abrahamitische Familie בארץ לא להם unter Leidensprüfungen ihrer Volkszukunft zureifen sollten) — gekommen sah, und inzwischen אמרת ד' צרפתהו, hatte ihn das Verhängniß Gottes geläutert. Die Leidenszeit, die er durchzumachen hatte, hatte eine bildende, läuternde Kraft an ihm geübt, seinen Charakter von den aus seiner Jugendzeit ihm noch anhaftenden Mängeln frei zu machen. רגלו, geschrieben: רגליו, äußerlich waren ihm beide Füße gebunden, in Wahrheit trug er gleichsam die Fessel nur an Einem Fuße. Auch in Banden blieb er mit Einem Fuße frei, ging nicht unter in sein Unglück, hielt sich aufrecht und edel frei, ja, er trug die Zuversicht auf eine bessere vielleicht hochbeglückte Zukunft in sich, für deren Antritt er mitten im Unglück stets mit Einem Fuße bereit war. שלח וגו'. Kein Geringerer als ein König löste dem Sklaven die Bande, und als מושל עמים, aus ahnungsvoller Sorge für der Völker Wohl, deren Geschick ihm anvertraut war, gab er ihm die Freiheit. שמו וגו'. Ein Pharao zählt Volk und Land zu seinem Eigenthum. לאסר וגו'. Er setzte ihn über alle seine Fürsten, gab ihm die Macht, seine Fürsten durch seinen Willen zu binden, ihnen eine Richtschnur für ihr Verhalten zu geben, וזקניו יחכם: er erkannte und erklärte ihn für einen Mann, der an Einsicht und Weisheit alle seine Räthe übertraf, von dem alle Weisen und Räthe seines Reiches zu lernen hätten. ויבא, so kam die für die „Jisrael“-Zukunft bestimmte Familie nach Egypten, und sie, die in ihrer unselbständigen „Jaakob“-Gegenwart in die egyptische Bevölkerung aufgegangen wäre, blieb fremd im chamitischen Land.

17
שָׁלַ֣ח לִפְנֵיהֶ֣ם אִ֑ישׁ לְ֝עֶ֗בֶד נִמְכַּ֥ר יוֹסֵֽף׃
BernfeldDa sandte er vor ihnen einen Mann her, als Knecht wurde Josef verkauft.
ZunzEr sandte vor ihnen her einen Mann, zum Knechte verkauft ward Josef.
HirschHatte einen Mann vor sie her geschickt, zum Sklaven war Joßef verkauft.
18
עִנּ֣וּ בַכֶּ֣בֶל (רגליו) [רַגְל֑וֹ] בַּ֝רְזֶ֗ל בָּ֣אָה נַפְשֽׁוֹ׃
BernfeldSie zwangen in Fesseln seinen Fuß, in Eisen wurde er gelegt,
ZunzSie zwangen in Fesseln seinen Fuß, in Eisen ward er gelegt,
HirschMit Fessel quälten sie seinen Fuß, in Eisen war seine Seele gekommen.
19
עַד־עֵ֥ת בֹּא־דְבָר֑וֹ אִמְרַ֖ת יְהֹוָ֣ה צְרָפָֽתְהוּ׃
BernfeldBis zur Zeit, da sein Wort eintraf, des Herrn Spruch ihn bewährte.
ZunzBis zur Zeit, da sein Wort eintraf, des Ewigen Spruch ihn geläutert.
HirschBis zur Zeit des Eintritts seines Wortes, bis Gottes Verhängniß ihn geläutert hatte.
20
שָׁ֣לַח מֶ֭לֶךְ וַיַּתִּירֵ֑הוּ מֹשֵׁ֥ל עַ֝מִּ֗ים וַֽיְפַתְּחֵֽהוּ׃
BernfeldDa sandte der König und man entfesselte ihn, ein Herrscher über Völker ließ ihn frei werden.
ZunzDa sandte er einen König und er entfesselte ihn, einen Völkerbeherrscher und er erlöste ihn,
HirschEinen König sandte Er, der mußte ihm die Bande lösen, einen Völkerherrscher, der ihm die Freiheit gab.
21
שָׂמ֣וֹ אָד֣וֹן לְבֵית֑וֹ וּ֝מֹשֵׁ֗ל בְּכׇל־קִנְיָנֽוֹ׃
BernfeldEr setzte ihn zum Herrn über sein Haus und zum Schalter über all seinen Besitz.
ZunzSetzte ihn zum Herrn über sein Haus, und zum Schalter über all sein Eigenthum,
HirschZum Herrn setzte er ihn für sein Haus, zum Walter über alles Seine,
22
לֶאְסֹ֣ר שָׂרָ֣יו בְּנַפְשׁ֑וֹ וּזְקֵנָ֥יו יְחַכֵּֽם׃
BernfeldZu binden seine Fürsten nach seinem Belieben und seine Ältesten sollte er weise machen.
ZunzDaß er binde seine Fürsten nach seinem Willen, und seine Aeltesten klug mache.
Hirschseine Fürsten durch seinen Willen zu binden, seine Aeltesten hatte er Weisheit zu lehren.
23
וַיָּבֹ֣א יִשְׂרָאֵ֣ל מִצְרָ֑יִם וְ֝יַעֲקֹ֗ב גָּ֣ר בְּאֶֽרֶץ־חָֽם׃
BernfeldIsrael kam also nach Ägypten, und Jakob weilte im Lande Ham.
ZunzUnd Jisraél kam nach Mizrajim, und Jaakob weilte im Lande Cham.
HirschSo kam Jisrael nach Mizrajim und Jaakob blieb als Fremdling im Lande Cham's.
24
וַיֶּ֣פֶר אֶת־עַמּ֣וֹ מְאֹ֑ד וַ֝יַּעֲצִמֵ֗הוּ מִצָּרָֽיו׃
BernfeldFruchtbar machte [Gott) sein Volk gar sehr und zahlreicher als seine Feinde.
ZunzUnd fruchtbar machte er sein Volk gar sehr, und mächtiger denn seine Feinde.
HirschDa machte Er sein Volk außerordentlich fruchtbar, und ließ es zu mächtig werden seinen Feinden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 24. 25. ויפר וגו'. Dort ließ Gott die zu seinem Volke bestimmte Familie sich in ungewöhnlicher Fruchtbarkeit vermehren und zu gleicher Zeit stark werden (siehe Pent. 2. B. M. 1, 7. 9), denen zu stark, die auf dies ungewöhnliche Gedeihen der fremden mit Neid hinblickten, und צריו waren, ihre Beschränkung wünschten. הפך, entweder aktiv, diese ungewöhnliche Vermehrung hatte ihr Herz umwandelt, hatte ihr früheres Wohlwollen zuerst in Neid und dann in Haß verwandelt. Oder intransitiv, wie הפך איש מעל מרכבתו (Kön. II. 5, 26) sich umwenden. Damit hatte sich ihr Herz gewandt u. s. w. להתנכל, נכל siehe Pent. 1. B. M. 37, 18. 4. B. M. 26, 18. בעבדיו: sie, die er zu seinen Dienern bestimmt hatte, machten sie zu ihren Knechten. Mit der leiblichen Vermehrung zu einer großen Volkszahl hatte ihr Aufenthalt in Egypten seinen nächsten Zweck erreicht, und diese Vermehrung selbst wurde der Anlaß ihres Fortzuges, zunächst aber zu ihrer Beraubung des letzten Restes von Selbständigkeit und menschenwürdigem Dasein, auf daß sie Alles dies aus Gottes Händen auf's Neue empfangen sollten, und damit der Grund zu ihrer ewigen Verpflichtung „sein Volk und seine Diener“ zu sein gelegt werde. Der „Haß“ und die „Ränke“ der Egypter legten den Grund zum geistigen Aufbau der abrahamitischen Familie als Gottes-Volk.

25
הָפַ֣ךְ לִ֭בָּם לִשְׂנֹ֣א עַמּ֑וֹ לְ֝הִתְנַכֵּ֗ל בַּעֲבָדָֽיו׃
BernfeldDa wandte sich ihr Herz, sein Volk zu hassen, Arglist zu üben an seinen Knechten.
ZunzEs wandte sich ihr Herz, sein Volk zu hassen, Anschläge zu fassen gegen seine Knechte.
HirschDies hatte ihr Herz umgewandt sein Volk zu hassen, sich in Ränken zu ergehen wider seine Diener.
26
שָׁ֭לַח מֹשֶׁ֣ה עַבְדּ֑וֹ אַ֝הֲרֹ֗ן אֲשֶׁ֣ר בָּחַר־בּֽוֹ׃
BernfeldEr sandte seinen Knecht Mose, auch Aaron, den er erwählt hatte.
ZunzEr sandte Moscheh, seinen Knecht, Aharon, den er erkoren.
HirschEr aber sandte Mosche seinen Diener, Aharon, den er erwählt hatte,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 26—38. שלח וגו'. Es folgen nun die durch seine Boten, Moses und Aharon, in Egypten vollzogene Thaten, die die Befreiung Israels herbeiführten. Diese ihre Sendung in Egypten hatte einen doppelten Zweck: שמו בם דברי אתותיו, sie hatten בם, in Israel, דברי אתותיו die Worte, d. i. den Belehrungsinhalt seiner Zeichen zu bringen und für alle Zeit niederzulegen, und diese Gottesthaten, die für Israel אתות, Wahrzeichen werden sollten, aus ihnen für alle Zeit die Erkenntniß Gottes als Schöpfers und Gebieters der Natur, als Herrschers und Richters der Menschen und Völker zu schöpfen, an den Egyptern und ihrem Lande als מופתים zu vollbringen, durch sie ihren Starrsinn zu beugen und zum Gehorsam gegen Gottes Forderung zu bringen.

Der Tendenz des Psalms gemäß werden nur diejenigen מכות hervorgehoben, die sich als ein offenbares Eingreifen in die Ordnung der Natur darstellten. Uebergangen werden דבר und שחין, Pest und Aussatz, Krankheitserscheinungen, die nicht außerhalb des Rahmens der natürlichen Ordnung der Dinge zu liegen scheinen, und mehr Gottes Lenkung auch der natürlichen Erscheinungen durch deren Ankündigung und das Freibleiben des jüdischen Volkes von denselben bekundeten. Zuerst wird sogleich die vorletzte oder vielmehr die letzte der durch Moses und Aharon vermittelten Plagen erwähnt, die die Egypter an ihren Ort bewegungslos fesselnde Finsterniß. Es war diese Plage, חשך, zugleich die allumfassendste. Während jede der ihr vorangehenden nur einen Theil des egyptischen Machtbereichs berührte, entzog diese Plage, die fesselnde Finsterniß, den Egyptern mit Einem Schlage, ohne sie zu tödten, ihre ganze Welt, und machte ihnen eine jede Handhabe und Verfügung über ihre Personen und Güter unmöglich. Schwierig ist das ולא מרו את דברו. Es kann sich dies nicht auf die Egypter beziehen; denn nach מכת חשך weigert sich Pharao noch das Volk ziehen zu lassen. Vielmehr dürfte es rückblickend von allen den der Finsterniß vorangegangenen Plagen sagen, daß Nichts von allen bei ihnen mitwirkenden und mitleidenden Wesen sich dem göttlichen ankündenden und vollziehenden Worte widersetzt hatte, jedes hatte der Aufforderung gehorcht, in Gegensatz zu der ihm durch Gottes Schöpfungsgesetz eingepflanzten Natur zu treten, und hatte eben damit Gott als den Gesetzgeber dieser Naturgesetze und deren fortdauernden Lenker und Beherrscher offenbart. Wie er endlich Finsterniß sandte und den Egyptern ihre Welt entzog, so hatte er zuvor ihre Wasser in Blut umwandelt, das scheue Sumpfthier seine Scheu und seine Sümpfe, das Thier der Wildniß seine Wälder verlassen, und den Staub der Erde zu an Menschen aufkriechenden Ungeziefer werden lassen, hatte der sonst regenlosen Atmosphäre die sonst von ihr entbehrten Regenniederschläge, Hagel und zuckende Blitze gegeben, und aus ihrer Heimath im fernen Osten die Heuschrecke herbeigerufen.

Alle diese Veranstaltungen erschienen als דבריו, als mehrere verschiedene Verhängungen über verschiedene Naturgruppen, und waren doch nur דברו, das Eine Schöpfermachtund Herrscher-Wort des Einzig-Einen. ערב ist vor כנים gedacht, vielleicht um auf eine Seite der כנים-Plage aufmerksam zu machen, die bei ihr nicht so in die Augen fällt, die sie aber mit der ערב-Plage theilt, bei welcher sie eben augenfällig ist. Es wäre dies das naturwidrige Verlassen des sonst durch die dem Thierwesen innewohnende Natur umgränzten Aufenthaltsortes. Bei dem Thier der Wildniß, das in die bewohnten Menschenstätten kommt, ist dies augenfällig. Dasselbe wäre aber bei den aus dem Staube der an den Menschen aufkriechenden כנים der Fall, wenn diese, wie wir dies (Pent. 2. B. M. 8, 12) aus ihrem Namen schließen zu dürfen glaubten, Schmarotzerthiere sind (Siehe das.). ויך כל בכור וגו'. Endlich schlug er alle Erstgeburt, und führte sein Volk, seiner dem Abraham gegebenen Verheißung ואחרי כן יצאו ברכוש גדול getreu, reich begütert hinaus. Welch' ein hehres Zeugniß für die sittliche Größe unserer aus Egypten ziehenden Väter und Mütter dieses von dem Wohlwollen der Egypter erhaltene כסף וזהב gewesen, siehe Pent. 2. B. M. 11, 2. 3. ואין בשבטיו כושל, während die Egypter an der Leiche ihrer Erstgeborenen trauerten, war unter seinen Stämmen nicht nur kein Todter, sondern nicht Ein Kraftloser. Sie aber, im Momente ihres Auszuges als שבטיו, als „seiner Stämme“ zu denken, weist auf den Grundborn aller künftigen jüdischen Größe, auf die sittliche Reinheit ihres geschlechtlichen und Familienlebens hin, die es ermöglichte, daß sie mitten in allem niederbeugenden Sklavendruck ihre Gliederung nach Häusern, Familien und Stämmen rein erhalten hatten, einen sittlichen Schatz, dessen Bewahrung ja durch die wiederholten Zählungen hervorgehoben wurde. שמח וגו', dies מצרים, bezieht sich wohl auf die egyptische Bevölkerung, die wohl längst über den Eigensinn ihres Herrschers ungehalten war.

27
שָֽׂמוּ־בָ֭ם דִּבְרֵ֣י אֹתוֹתָ֑יו וּ֝מֹפְתִ֗ים בְּאֶ֣רֶץ חָֽם׃
BernfeldSie taten unter ihnen seine Zeichen und Wunder im Lande Ham.
ZunzSie thaten unter ihnen seine Zeichen und Wunder im Lande Cham.
Hirschsie brachten die Worte seiner Zeichen unter sie und seine Ueberzeugungsthaten an Cham's Land.
28
שָׁ֣לַֽח חֹ֭שֶׁךְ וַיַּחְשִׁ֑ךְ וְלֹא־מָ֝ר֗וּ אֶת־[דְּבָרֽוֹ] (דבריו)׃
BernfeldEr sandte Finsternis und machte finster, sie widerstrebten nicht seinem Worte.
ZunzEr sandte Finsterniß und finster ward's, und sie waren nicht widerspenstig seinem Worte.
HirschEr schickte endlich Finsterniß und es ward finster, und Nichts hatte seinem Worte nicht gehorcht.
29
הָפַ֣ךְ אֶת־מֵימֵיהֶ֣ם לְדָ֑ם וַ֝יָּ֗מֶת אֶת־דְּגָתָֽם׃
BernfeldEr wandelte ihr Wasser in Blut und tötete ihre Fische.
ZunzEr wandelte ihre Wasser in Blut, und tödtete ihre Fische.
HirschIhre Gewässer hatte er in Blut verwandelt und ihre Fische getödtet.
30
שָׁרַ֣ץ אַרְצָ֣ם צְפַרְדְּעִ֑ים בְּ֝חַדְרֵ֗י מַלְכֵיהֶֽם׃
BernfeldEs wimmelte ihr Land von Fröschen, selbst in den Gemächern ihrer Könige.
ZunzEs wimmelte ihr Land von Fröschen, in den Gemächern ihrer Könige.
HirschIhr Land hatte von Fröschen gewimmelt bis in die Gemächer ihrer Könige.
31
אָ֭מַר וַיָּבֹ֣א עָרֹ֑ב כִּ֝נִּ֗ים בְּכׇל־גְּבוּלָֽם׃
BernfeldEr befahl, und es kam wilde Brut, ein Geschmeiß über ihr ganzes Gebiet.
ZunzSprach, und es kam wilde Brut, Geschmeiß über ihr ganzes Gebiet.
HirschEr hatte gesprochen, und es kam Wüstenthier, Ungeziefer in ihr ganzes Gebiet.
32
נָתַ֣ן גִּשְׁמֵיהֶ֣ם בָּרָ֑ד אֵ֖שׁ לֶהָב֣וֹת בְּאַרְצָֽם׃
BernfeldEr ließ über sie Hagel regnen, Feuerflammen in ihrem Lande;
ZunzEr gab ihnen zum Regen Hagel, Feuerslammen in ihrem Lande,
HirschEr hatte ihren Regen als Hagel gegeben, mit flammend Feuer in ihr Land,
33
וַיַּ֣ךְ גַּ֭פְנָם וּתְאֵנָתָ֑ם וַ֝יְשַׁבֵּ֗ר עֵ֣ץ גְּבוּלָֽם׃
BernfeldEr schlug ihren Weinstock und ihren Feigenbaum und zertrümmerte die Bäume ihres Gebietes.
ZunzUnd schlug ihren Weinstock und ihren Feigenbaum, und zerbrach die Bäume ihres Gebietes.
Hirschder schlug ihren Wein und ihren Feigenbaum und brach ihres Gebietes Gehölz.
34
אָ֭מַר וַיָּבֹ֣א אַרְבֶּ֑ה וְ֝יֶ֗לֶק וְאֵ֣ין מִסְפָּֽר׃
BernfeldEr befahl und es kamen Heuschrecken, Grillen ohne Zahl,
ZunzSprach, und es kamen Heuschrecken und Grillen ohne Zahl,
HirschHatte gesprochen, und Heuschreck kam, Käfer ohne Zahl,
35
וַיֹּ֣אכַל כׇּל־עֵ֣שֶׂב בְּאַרְצָ֑ם וַ֝יֹּ֗אכַל פְּרִ֣י אַדְמָתָֽם׃
BernfeldDie wegfraßen alles Kraut in ihrem Lande, sie fraßen weg die Frucht ihres Erdbodens.
ZunzUnd fraß weg alles Kraut in ihrem Lande, und fraß weg die Frucht ihres Erdbodens.
Hirschfraß alles Kraut in ihrem Lande, fraß ihres Bodens Frucht.
36
וַיַּ֣ךְ כׇּל־בְּכ֣וֹר בְּאַרְצָ֑ם רֵ֝אשִׁ֗ית לְכׇל־אוֹנָֽם׃
BernfeldEr schlug alle Erstgeburt in ihrem Lande, die Erstlinge all ihrer Kraft.
ZunzUnd er schlug alle Erstgeburt in ihrem Lande, die Erstlinge all ihrer Kraft.
HirschDa schlug er jede Erstgeburt in ihrem Lande, das Erste aller ihre Kraft,
37
וַֽ֭יּוֹצִיאֵם בְּכֶ֣סֶף וְזָהָ֑ב וְאֵ֖ין בִּשְׁבָטָ֣יו כּוֹשֵֽׁל׃
BernfeldDann führte er sie heraus mit Silber und Gold, und keiner strauchelte in seinen Stämmen.
ZunzUnd führte sie heraus mit Silber und Gold, und keiner strauchelte in seinen Stämmen.
Hirschund führte sie hinaus mit Silber und Gold, und unter seinen Stämmen war kein Strauchelnder.
38
שָׂמַ֣ח מִצְרַ֣יִם בְּצֵאתָ֑ם כִּֽי־נָפַ֖ל פַּחְדָּ֣ם עֲלֵיהֶֽם׃
BernfeldDie Ägypter waren froh über ihren Auszug, denn ihr Schrecken war über sie gefallen.
ZunzFroh war Mizrajim bei ihrem Auszuge, denn ihr Schrecken war über sie gefallen.
HirschMizrajim freute sich als sie auszogen, denn ihre Angst war über sie gefallen.
39
פָּרַ֣שׂ עָנָ֣ן לְמָסָ֑ךְ וְ֝אֵ֗שׁ לְהָאִ֥יר לָֽיְלָה׃
BernfeldEr breitete Wolken zum Schutz aus und Feuer, die Nacht zu erleuchten.
ZunzEr breitete Wolken zur Decke, und Feuer, die Nacht zu erleuchten.
HirschEr breitete eine Wolke aus zum Schutz, und Feuer, die Nacht zu erleuchten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 39—42. פרש וגו', mit wenigen Strichen wird nun noch das Wundervolle der unmittelbaren göttlichen Weiterführung, Schutz, Leitung und Speisung in der Wüste gezeichnet. הלכו בציות נהר, das Einmal aus dem Felsen gegebene Wasser begleitete sie wie ein Strom durch die Wüste (Siehe Pent. 2. B. M. 17, 5. 6. 4. B. M. 20, 2. 21, 16. 17).

40
שָׁ֭אַל וַיָּבֵ֣א שְׂלָ֑ו וְלֶ֥חֶם שָׁ֝מַ֗יִם יַשְׂבִּיעֵֽם׃
BernfeldSie forderten, und er brachte Wachteln, und mit Himmelsbrot sättigte er sie.
ZunzMan forderte, und er brachte Wachteln und mit Himmelsbrod sättigte er sie.
HirschForderte es, so brachte er Wachteln, und mit Himmels Brod sättigt er sie,
41
פָּ֣תַח צ֭וּר וַיָּז֣וּבוּ מָ֑יִם הָ֝לְכ֗וּ בַּצִּיּ֥וֹת נָהָֽר׃
BernfeldEr öffnete Felsen und es floss Wasser, es floss durch Steppen wie ein Strom.
ZunzEr öffnete Felsen und Wasser rannen, sie flossen durch Steppen, ein Strom.
Hirschöffnete einen Felsen, und Wasser floß, zog durch Einöden wie ein Strom.
42
כִּֽי־זָ֭כַר אֶת־דְּבַ֣ר קׇדְשׁ֑וֹ אֶֽת־אַבְרָהָ֥ם עַבְדּֽוֹ׃
BernfeldDenn er gedachte seines heiligen Wortes an seinen Knecht Abraham.
ZunzDenn er gedachte seines heiligen Wortes an Abraham seinen Knecht.
HirschDenn er hatte seines heiligen Wortes gedacht, gedacht seines Dieners Abraham,
43
וַיּוֹצִ֣א עַמּ֣וֹ בְשָׂשׂ֑וֹן בְּ֝רִנָּ֗ה אֶת־בְּחִירָֽיו׃
BernfeldEr führte sein Volk heraus mit Wonne, mit Jauchzen seine Erwählten.
ZunzUnd führte heraus sein Volk mit Wonne, mit Jauchzen seine Erkornen.
Hirschund führte sein Volk hinaus mit Wonne, mit Jubel seine Erwählten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 43—45. כי וגו'. Alle diese, in die Gänge der Natur und der Völkergeschicke eingreifenden Gotteswaltungen geschahen, um das Abraham gegebene Wort zu lösen, aus seinen Nachkommen sich ein Volk herzustellen, welches das ihm, dem Ahn, verheißene Land, das Land von sieben Völkerschaften erhalten sollte, um dort der Erfüllung der göttlichen Gesetze und der Pflege der göttlichen Lehren zu leben. עמל, siehe Pent. 1. B. M. 41, 51.

44
וַיִּתֵּ֣ן לָ֭הֶם אַרְצ֣וֹת גּוֹיִ֑ם וַעֲמַ֖ל לְאֻמִּ֣ים יִירָֽשׁוּ׃
BernfeldUnd gab ihnen Länder der Völker, die Arbeit der Nationen nahmen sie in Besitz.
ZunzUnd gab ihnen Länder der Völker, und die Mühe der Rationen gewannen sie,
HirschGab ihnen Länder von Völkern, und, was Nationen erarbeitet hatten, erbten sie:
45
בַּעֲב֤וּר ׀ יִשְׁמְר֣וּ חֻ֭קָּיו וְתוֹרֹתָ֥יו יִנְצֹ֗רוּ הַֽלְלוּ־יָֽהּ׃ {פ}
BernfeldAuf dass sie seiner Satzungen wahrten und seine Lehre beobachteten. Halleluja.
ZunzAuf daß sie wahrten seiner Satzungen, und seine Lehren beobachteten. Hallelujah!
Hirschdamit sie seine Gesetze hüthen sollen und seine Lehren pflegen, Hallaluja.