Tehillim 104 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 104, V. 1. ברכי נפשי וגו'. Im vorigen Ps. sprach David diese Aufforderung an sich auf Grund der Verpflichtung aus, die ihm gegen Gott als Seele, als Jude, und im Verein mit allen geschaffenen Wesen oblag. Es war wesentlich ein הודה, ein Dankund Huldigungs-Bekenntniß. Dieser Psalm wiederholt diese Selbstaufforderung, aber ganz abgesehen von Dem, was Gott ihm wohlthuend gewesen und ist, auf Grund seiner Größe und Herrlichkeit, Weisheit und Güte, die seine von ihm geschaffene und erhaltene Welt von ihm offenbart. Dieser Psalm ist wesentlich eine תהלה, ein Gottes Thatoffenbarung besingendes Lied. ד' אלקי, Gott, den ich bereits als meinen Gott erkannt habe — wie dies der vorige Psalm zum Ausdruck brachte — גדלת מאד. Wir haben schon angemerkt, wie Gott seine Größe nicht in zerstörender Uebermacht, sondern in schaffender, erhaltender, bildend erziehender Fürsorge und Güte offenbaren will. Und diese Größe ist מאוד, sie überragt Alles, was sonst unsern Gedanken als groß und bewunderungswürdig erscheint. הוד והדר לבשת, die ganze Schöpfung ist dein Gewand, in welchem deine Wesensherrlichkeit und Machtherrlichkeit (siehe Ps. 21, 6) in die Erscheinung tritt (Vgl. Ps. 102, 27).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. עטה אור וגו'. עטה ist gewöhnlich intransitiv, sich in Etwas hüllen. Es würde daher auch hier heißen: du hüllest in Licht dich, wie in ein Gewand. „Licht" ist für unser Bewußtsein das Aetherischste, Feinste unter allen für unsere Augen sichtbaren Wesen. Und dieses feinste, körperlich unfaßbare, Alles durchdringende, Alles belebende Wesen, ist nur eine, deine Unsichtbarkeit verhüllende Hülle. Allein, das darauf folgende נוטה שמים כיריעה, läßt auch das כשלמה vielmehr als beschreibenden Ausdruck Dessen begreifen, als welches das Licht an den irdischen Dingen in die Erscheinung tritt. Der Himmel erscheint als ein über die Erde gespannter Teppich, das Licht ist das Farbenkleid, in welchem alle sichtbaren irdischen Dinge erscheinen. Farbe ist ja nichts als eine Wirkung des Lichts. Es ist dann עטה transitiv: du hüllst die Dinge in Licht wie in ein Gewand, wie מעיל צדקה יעטני (Jes. 61, 10), was freilich von einer Wurzel עט zu sein scheint. ועטך עטה (Jes. 22, 17) ist auch transitiv.
Wie dem Licht das erste Schöpfungs-Werde galt, יה' אור, so beginnt auch die Umschau dieses Psalms in Gottes Schöpfung mit dem Lichte, und folgt im großen Ganzen dem Schöpfungswerke der Genesis. V. 2—4 entspricht dem יה' אור und יה' רקיע. V. 5—13 dem יקוו המים ותראה היבשה, V. 14—17 dem תדשא ארץ, V. 19. 20. dem יה' מאורת, 21—22 dem תוצא הארץ נפש חיה, V. 23 endlich אדם, dem Menschen. Allein es ist nicht die Tendenz des Psalms, den Hergang der Schöpfung zu schildern, sondern die Dinge und die Ordnung der Schöpfung in ihrem Bestehen und ihrer gegenseitigen Wirkung, als eine noch gegenwärtige Offenbarung der Gottes-Größe und Herrlichkeit zu besingen.
Daher wird zuerst die Schilderung des Continents, als der dem Menschen unmittelbar näher stehenden, und ja auch in ihrem Bestehen und Wirken zusammengehörigen Welt vollendet, und dann erst V. 25—27 der Blick auf das, dem ישרצו המים entsprechende Meer und seine Bewohner, als eine Welt für sich gerichtet. Auch werden eben um dieser Tendenz willen, schon bei Schilderung der Quellen und ihres Nutzens V. 11. 12. Thiere und Vögel, so wie V. 14. 15. 17 bei Schilderung der Pflanzenwelt und der sie überragenden Felsenhöhen V. 18 und ihres Nutzens Thiere, Menschen und Vögel erwähnt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. 4. המקרה וגו', קרה (siehe Pent. 1. B. M. 19, 8) die Wände eines Gebäudes durch Balken verbinden und festigen. עליה, Obergemach, oberer Stock, Söller. Wie es bei der Schöpfung hieß: יה' רקיע בתוך המים (Siehe Pent. 1. B. M. 1, 6), so baut Gott noch jetzt aus den aufsteigenden Wasserdünsten das Gewölbe des irdischen Himmels (siehe daf. V. 8), seinem Zuge folgen die Wolken, sein Geheiß tragen die Fittige des Windes (Siehe zu V. 13), Er, d. h. sein Geheiß wandelt auf den Fittigen des Windes. Die folgenreichen Wirkungen, die von dem Winde bei seinem Gange über die Erde von Ort zu Ort getragen werden, sind Seine Anordnungen. רוחות, besondere, außergewöhnliche Winde, Stürme, sendet er als seine Boten, auch die Zerstörungen, die sie schaffen, geschehen in seinem Auftrage (Vgl. רוח סערה עושה דברו Ps. 148, 8), und zu seinen Dienern gebraucht er flammende Blitze. Wolken, Wind, Sturm, Blitze, sind Erscheinungen in der zum Begriff רקיע gehörenden Atmosphäre.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. יסד וגו'. Von den beweglichen Erscheinungen, Licht, Wasser, Wolken, Wind, Sturm, Blitz, wendet sich der Blick zur Erde nieder, die gegenüber den Elementen um sie und den Geschöpfen auf ihr, das Feste, Unbewegliche, der feste Boden ist, aus welchem, an welchem und auf welchem sich das bewegliche, irdische Leben entwickelt. דור הולך ודור בא והארץ לעולם עומדת (Pred. 1, 4). Die Bildung dieses festen Erdbodens, des Continents, dessen Scheidung vom Wasser, sowie dessen stete Wechselverbindung mit ihm, — beide die wesentlichen Bedingungen für seine Entwickelung, — sind der Gegenstand der mit diesem V. beginnenden, bis V. 18 gehenden Betrachtung.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6—9. תהום וגו', von הום, in starker Bewegung sein: das Gewoge, die Fluth. Du hättest zuerst bei deiner Schöpfung die Fluthen wie ein Gewand über die Erde hin gebreitet, und ließest auf Bergen, oder über Bergen Wasser stehen. Darauf sprachst du: יקוו המים, und vor diesem Geheiß „flohen" sie, gaben gleichsam ihre Herrschaft über den Continent auf, und eilten, deinem Geheiße zu folgen. יעלו הרים וגו', man kann zweifelhaft sein, wie dies zu verstehen wäre. Da die Wasser auf den Bergen, oder vielleicht sogar über den Bergen standen, so scheint es schwer, von ihnen zu sagen: sie stiegen Berge hinan. Es könnte daher heißen: Berge stiegen empor, Thäler sanken ein. Als die Wasser den Continent verlassen sollten, ließ Gott sich Berge erheben, Thäler sich einsenken, und dies vermittelete den Ablauf der Wasser und deren Sammlung an einen Ort. Es müßte dann das אל מקום וגו' sich hinauf auf יחפזון beziehen, und יעלו הרים וגו' ein eingeschalteter Satz sein: sie eilten — während Berge sich erhoben, Thäler einsanken — an den Ort, den du ihnen bestimmt hattest. Vielleicht aber heißt es: die Wasser stürzten von den Bergen, auf welchen sie standen, hinab, begegneten auf ihrem Wege wieder Bergen, die sie hinan eilten, wieder in Thäler hinabstürzten, und so weiter, bis sie an den Ort gelangten, den ihnen Gott bestimmt hatte. אל מקום, nicht אל מקום, zu einem beliebigen Orte hin, sondern אל מקום, zu einem Orte, dessen Bestimmung sie noch erst zu erwarten hatten, und zwar war es: זה יסדת להם, der, den du ihnen bestimmt, ihnen bereitet hattest (Vgl. הר ציון זה שכנת בו Ps. 74, 2). יסדת: du hattest ihnen von Anfang an diese Sammlung an einen Ort bestimmt, und danach den Continent vorgebildet. Beides, das vorgängige Ueberfluthen des Continents und das nachherige Sammeln der Gewässer an einem Orte, gehörte von vorn herein zum Schöpfungsplan. So war auch das Licht zuerst über die ganze Erde verbreitet, und wurde dann, über die Erde gehoben, an bestimmte Lichtträger gebunden (Siehe 19 Briefe 3. Br. S. 16). גבול שמת וגו', daß es anders sein könnte, und nur das von Gott gesetzte Gesetz die Meeresfluthen im Bann der Grenzscheide hält, das beweist der meerbedeckte Zustand, aus welchem die jetzige Scheidung hervorgegangen. Auf diese Unterordnung der Meereswogen unter Gottes Gesetz weist auch Jeremias (5, 22. 23) hin: האותי לא תיראו וגו' אשר שמתי חול גבול לים חק עולם ולא יעברנהו ולעם הזה היה לב סורר ומורה.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 10—13. המשלח וגו'. Während der Ueberfluthung des Continents — so dürfen wir vermuthen — war Wasser auf verschiedenen, dafür vorhandenen, oder vom Wasser selbst gebildeten Gängen in das Erd-Innere gedrungen, und wird fortwährend, worauf V. 13 hinweist, durch die Niederschläge aus der Atmosphäre gespeist. Diese Wasser läßt Gott als Quellen in Bächen zu Tage treten, und zwischen Bergen fließend ihren Weg finden. Auf ihrem Berggang tränken sie alles im Freien lebende Thier und Wild. עוף השמים עליהם וגו' scheint, verschieden von צפרים (V. 17), die mehr fern von Menschen nistenden Vögel der Wildniß, Raubvögel 2c. zu bezeichnen. An den Quellbächen in Bergeshöhen wohnen die Vögel der Wildniß, Raubvögel מבין עפאים וגו'. Die Bedeutung von עפאים ist zweifelhaft. Chald. heißt עפי': Zweig, Laub (Dan. 4, 9. 11). Allein es wird hier an Pflanzen und Bäume noch nicht gedacht. Möglich daß wie סעיף: Zweig und auch: Felsenzacke, Felsenspalte bedeutet, so auch עפאים hier: solche Felsentheile bezeichnet. Chald. heißt עפף, עוף [auch Zusammenlegen, Uebereinanderlegen, וכפלת את היריעה (2. B. M. 26, 9) übersetzt Onkelos: תעוף, und צעיף, Schleier: עיפא (1. B. M. 24, 25). עפאים können daher: Felsenspalten, Felsenklüfte sein. Es hieße dann: bei ihnen, den Quellbächen, wohnt des Himmels Vogel, aus den Klüften heraus lassen sie sich hören. Oder: da עוף Singular ist, יתנו קול aber Plural, so kann Subjekt von יתנו, die מעינים und נחלים sein, des Himmels Vogel läßt sich da nieder, wo Quellen und Bäche aus Felsspalten heraus sich hören lassen. Im Gebirge hört man das Rieseln der Bäche viel früher als man sie sieht.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 13. משקה וגו'. Im größten Theile dieser Schilderungen der Gotteswerke und des Gotteswirkens in der Natur, wird von Gott in der dritten Person gesprochen. Gegenwärtig sind die Erscheinungen in der Natur, und Gott ist der unsichtbare Urheber, Erhalter und Fortleiter derselben. Wo die Rede in der dritten Person durch eine Anrede in der zweiten unterbrochen wird, da beschreibt es entweder wie V. 6. f. Zustände und Vorgänge, die nicht mehr gegenwärtig vor Augen liegen, oder will, wie V. 20, hervorheben, daß auch dieser Theil der Naturordnung, wie dessen Gegensatz Werk desselben Gottes, des Einzig-Einen, Gott ebenso Schöpfer der Finsterniß und der Nacht, wie des Lichts und des Tages ist (Vgl. Jes. 45, 6. 7). Auch hier dürfte der Wechsel משקה וגו' מפרי מעשיך וגו' bedeutsam sein. Berge sind die ersten Empfänger der wässerigen Niederschläge aus der Höhe, von denen die Quellen gespeist werden, und als Bäche zur Bildung von Flüssen und Strömen der Thalniederung zufließen. Durch sie allein wird aber die Erdkruste nicht fruchtbar. Um sie zu befruchten und für den Pflanzenwuchs fähig zu machen, müssen ihr unmittelbar Niederschläge aus den Wolken, muß ihr Regen 2c. in entsprechendem Maße werden. Nun spricht ein Wort der Weisen (Taanith 2, a.): drei Schlüssel hat Gott seiner Hand vorbehalten, und sie nicht lediglich der Sendung seiner physischen Naturordnung übermittelt, ג' מפתחות בידו של הב"ה שלא נמסרו ביד שליח, es sind dies der Schlüssel des Regens, der Schlüssel des Mutterschooßes, der Schlüssel der Todtenauferstehung, מפתח של גשמים ומפתח של חיה ומפתח של תחי"ת המתים, und ist bereits 1. B. M. 2, 5 niedergelegt, wie die Regenspende nicht lediglich Erzeugniß eines physischen Naturvorganges ist, sondern dieser Vorgang von Gott nach dem Bedürfniß und den Zwecken der sittlichen Erziehung der Menschen veranlaßt und geleitet wird (Siehe Pent. daf. Vgl. Hiob 37, 6. 7). Hier heißt es daher: Du bist's, der Berge aus seinen Höhen tränkt, allein von der unmittelbaren Frucht deiner Thaten sättigt sich die Erde.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 14. 15. מצמיח וגו'. Beide Verse sprechen Das aus, was Gott durch den Regen dem Menschen gewährt. Er läßt Gras und Kraut dem Viehe wachsen für den Dienst des Menschen, d. h. damit das Vieh dem Menschen zur Feldarbeit dient, damit der Mensch sich kunstvoll Brod aus der Erde gewinnt, und Herz erfreuenden Wein, und das Angesicht glänzend machenden Oelgenuß, vor Allem aber das Brod, das die kräftigende Stütze des Menschenherzens bildet (Vgl. 5. B. M. 11, 15 ונתתי עשב בשדך לבהמתך ואכלת ושבעת, und vorhergehend V. 14: ונתתי מטר ארצכם בעתו וגו' ואספת דגנך ותירשך ויצהרך).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 16—18. ישבעו וגו'. Aber nicht nur für den Menschen und die ihm, seinem Dienste und seiner Pflege angehörigen Wesen sorgt Gott, auch die Gottes-Bäume, die Bäume, die der Mensch nicht gepflanzt und nicht pflegt, die Zedern im Libanon werden gesättigt, und dienen dem freien Vogelvolk zur Wohnung, ja, bis hinauf zu Berges- und Felsenhöhen, wo Gemsen und Kaninchen hausen, steht Alles im Dienste lebendiger Wesen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 19—23. עשה ירח וגו'. Ja es hat Gott überhaupt nur die Eine Hälfte der Erden-Zeit der Herrschaft des Menschen eingeräumt, und den vierundzwanzigstündigen Tag zwischen seiner Welt und dem Waldthierleben getheilt. Da hier eben nun auch noch dieses Nachtleben gezeichnet werden soll, steht der Mond, die Leuchte der Nacht, voran. Er hat für das Menschen-Leben dadurch auch Bedeutung, daß seine regelmäßig wachsenden und abnehmenden Lichterscheinungen zu Tagesmerkmalen für Zeitbestimmungen dienen. שמש וגו'. Die Sonne weiß, wann die Zeit ihres Unterganges da ist, um der Herrschaft des Mondes Platz zu machen. מבואו, Vgl. ממזרח שמש עד מבואו (Ps. 113, 2). תשת חשך Siehe zu V. 13. אל מעונתם ירבצון: am Eingang ihrer Wohnungen, wie לפתח חטאת רובץ (1. B. M. 4, 7).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 24. מה רבו וגו' schließt die Betrachtung des Naturlebens auf der Erde. Wie zahlreich, mannigfaltig, vielleicht auch wie überwältigend groß — רב ביתו (Esther 1, 8), רבי המלך (Jerem. 41, 1) — sind deine Werke, jedes ist ein Erzeugniß und Zeugniß deiner Weisheit, מלאה הארץ קנינך, Alles, was die Erde füllt, ist als dein Produkt dein Eigenthum, Alles folgt dir, strebt zu dir und steht zu deinem Dienste bereit (Vgl. Pent. 1. B. M. S. 248). Und dies ist doch nur erst die an Umfang und Wesenzahl kleinere Hälfte der Erdwelt: die Erscheinung des Continentallebens. Außerdem giebt es ja nun noch:
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 25. 26. זה הים וגו', den ganzen großen weitgeuferten Ocean mit seinen zahllosen, größtes und kleinstes Thierleben umfassenden Wesen. Da ist erst das Leben in seiner bewegtesten Erscheinung. Auf seiner Oberfläche zieht der Mensch in seinen Schiffen dahin, und ahnt nicht, welch' ein Thierreich, welch' eine „Gesellschaft," wie לויתן eigentlich heißt, da unter ihm lebt, die du geschaffen, um ein munteres, heiteres, spielendes — von dem Menschen und seinen Nachstellungen ungefährdetes — Leben dort zu leben! (Vgl. Pent. 1. B. M. S. 603. לויתן, Siehe Jeschurun VIII. 14, 33).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 27—30. כלם וגו', sie Alle, alle die auf dem Lande und im Meere lebenden Wesen, harren auf dich zur rechten Zeit gespeist zu werden, und ihr Dasein, ihr befriedigtes Dasein und die Fortdauer ihres Daseins hängt an deinem Wohlgefallen. תוסף וגו' von אסף, wie ויוסף עוד דוד (Sam. II. 6, 1). אוספה הצולעה (Micha 4, 6). Vergänglich sind alle staubgeborenen Geschlechter der Erde, aber die Schöpfungsherrlichkeit Gottes bleibt ewig, und aus seinem Schöpfer-Werde entsteht einst ein neues Leben auf Erden (Vgl. Ps. 102, 27).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 31. יה' כבוד וגו'. יה' ist nicht nur Wunsch. sondern auch positive Aussage. So יה' דן (1. B. M. 49, 17), יה' לתנין (2. B. M. 7, 9), יה' רצוי אחיו (5. B. M. 33, 24), ובלילה יה' כגנב (Hiob 24, 14). Auch hier ist wohl die wünschende Bedeutung unstatthaft. Die Dauer der Gottesherrlichkeit ist etwas absolut Gegebenes. Aber daß er Freude habe an seinen Geschöpfen, das ist etwas Bedingtes, bedingt, seitdem Gott freiwillig die Erreichung seines Weltenzweckes auf Erden von dem freien Gehorsam Eines mit Willensfreiheit, somit mit der Fähigkeit des Abirrens vom rechten Wege ausgestatteten Geschöpfes, von dem freien Gehorsam des Menschen abhängig gemacht hat. Daher hier: die Schöpfungsherrlichkeit Gottes bleibt ewig; möge Gott auch Freude haben an seinen Geschöpfen! Das heißt somit nichts Anderes, als: mögen endlich die Menschen zur rechten Erkenntniß und freier, Gott huldigender Pflichttreue kommen! Daraus erklärt sich das Folgende.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 32. המבית וגו' setzt den Schlußgedanken des vorigen Verses fort. Gott hat die Freude an seiner Schöpfung abhängig gemacht von dem freien Gehorsam des Menschen, und er könnte diesen Gehorsam ja erzwingen! Es bedarf ja nur eines Blickes von ihm und die Erde bebt, einer Berührung und die Berge verdampfen! ותרעד praeter. Ehe noch der Blick vollendet, ist schon das Zittern der Erde eingetreten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 33. 34. אשירה וגו', und diesem Gott, bei seiner furchtbaren Machthoheit, kann doch der schwache, sterbliche Mensch mit seinen „Liedern und Gesängen," mit seinem Geiste und Herzen, seinen Gedanken und Empfindungen sich nahen, und in diesem geistigen Verkehr die höchste Befriedigung und Freude genießen! (יערב עליו שיחי' kann nicht wohl heißen: ihm sei mein Sinnen angenehm. Es wird dies immer mit ל- construirt. Siehe Jerem. 31, 26. Maleachi 3, 4. Jerem. 6, 20. Prov. 13, 19. Hosea 9, 4. Vielmehr ist wohl עליו Beifügung zu שיחי': mein Sinnen über Ihn). אנכי אשמח בה', nach dem vorangegangenen המביט וגו' liegt in dieser mit Emphase hervorgehobenen Zusammenstellung: אנכי und ה', das ganze Höhe des Gedankens. Ich, in meiner verschwindenden, sterblichen Winzigkeit, darf doch emporblicken, ja freudig emporblicken zu Dem, vor dessen Wink die Erde zittert und vergeht, darf diesem Gott gegenüber doch אנכי sagen, mich „Ich" nennen, mir meiner Persönlichkeit bewußt sein, freudig bewußt, daß ich eben durch Gott ein, wie klein auch immer, doch nicht ganz in seinem großen Reiche verschwindendes, persönliches Dasein genieße —
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 35. יתמו וגו'. Diese Thatsache von der unendlichen, überwältigenden Hoheit Gottes, und gleichzeitig von der ebenso innigen, von jedem Menschen zu findenden, beglückenden Nähe Gottes bürgt dafür, daß die Menschen endlich dem ihrem Herzen eingeborenen Zuge zu Gott hin folgen, und damit grundsätzlicher Leichtsinn und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz von der Erde verschwinden werden. (התם heißt nicht nur ein gewaltsames zu Grundegehen, sondern auch ein naturgemäßes nicht mehr da sein. Vgl. ויתם הכסף מארץ מצרים 1. B. M. 47, 15. חטא unterscheidet sich von חוטא wie גנב von גונב, רכב von רוכב 2c. חוטא ist der mitunter Fehlende, Sündigende, חטא: der grundsätzlich Sündigende, bei welchem חטא zum Charakter gehört. חוטאים wird es immer geben, כי אדם אין צדיק בארץ אשר יעשה טוב ולא יחטא Pred. 7, 20. Aber חטאים werden aufhören).
ברכי נפשי וגו'. Diese ganze תהלה, diese ganze Anschauung der Thatoffenbarung Gottes in der von ihm geschaffenen Welt, erneut die Aufforderung an die Seele, sich ganz in Hingebung dem Lebensdienste Gottes zu weihen, und ruft der ganzen Mit- und Nachwelt die Aufforderung zu, dasselbe Gott-Schauen in seinen Werken und seinem Wirken anzustreben und auszusprechen, wie dies die Aufforderung הללויה bedeutet (Siehe Ps. 106, 1).