Tehillim 107 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 107, V. 1. Die vorangegangenen Psalmen besprachen die Liebesthaten der göttlichen Waltung im Allgemeinen, und für die jüdische Gesammtheit insbesondere. Die Tendenz dieses Psalms ist, die Liebeswaltungen Gottes im Einzelgeschick der Menschen zur Anschauung zu bringen und eine Einsicht in die Mannigfaltigkeit der Weisen anzubahnen, in welchen die Liebe Gottes zur Erscheinung kommt (V. 43).
An der Spitze steht V. 1—3 der Gedanke, daß freilich das Bekenntniß von der immerdar waltenden Liebe Gottes, wie dies der bleibende jüdische Nationalrefrain: הודו ליהוה כי טוב כי לעולם חסדו enthält, voll erst durch die einstigen Gottes-Erlösten der jüdischen Gesammtheit zum Ausspruch kommen soll, mit deren Erlösung ja überhaupt die Erlösung der Gesammtmenschheit anbrechen wird. Allein auch in der Gegenwart, die erst den Weg zu jener Zukunft bildet, waltet die Liebe Gottes in dem Einzelgeschick der Menschen, und soll, wo sie besonders offenbar geworden, von ihnen erkannt und öffentlich bekannt werden, damit sich die Erkenntniß und das Bekenntniß unter den Menschen mehre. Als solche Veranlassungen hebt der Psalm zuerst beispielsweise vier Ereignisse hervor: Rettung aus den Gefahren der Wüste (V. 3—9), aus der Kerkergefangenschaft (V. 10—16), aus Krankheit (V. 17—22), aus den Gefahren zur See (V. 23—32). Daran schließen sich V. 33—41 Betrachtungen, welche den von Gott geleiteten Wechsel irdischer Zustände in Beziehung zu menschlichem Glück oder Mißgeschick aus dem sittlichen Verhalten der Menschen und deren Erziehungsbedürfniß begreifen lassen, und dadurch zur umsichtvolleren Würdigung der göttlichen Liebeswaltungen beitragen sollen. Die beiden ersten jener vier Rettungen treffen den Menschen in seinen Beziehungen zur Gesellschaft: der verirrte Wanderer in der Wüste kommt um durch Entfernung von den Wohnstätten der Menschen, den Gefangenen im Kerker hat eine menschengesellschaftliche Gewalt seiner Freiheit beraubt. Die beiden letzten Rettungen, die Rettung aus Krankheit und Seesturm, treffen den Menschen im Kampfe mit der Natur. Ferner, der ersten und vierten Gefahr, den Gefahren der Wanderung durch Wüsten und über Meere, setzt sich der Mensch freiwillig in Folge seiner Berufs-Unternehmungen aus. Die zweite und dritte Noth, Krankheit und Gefängniß, treffen den Menschen unfreiwillig als Erziehungsleiden aus Verirrungen. Dies scheinen die natürlichen Motive ihrer Gruppirung zu sein. Berachoth 54, b, wo die Pflicht des öffentlichen Dankausspruchs auf Grund unseres Psalms gelehrt wird, werden diese vier Veranlassungen in einer andern Reihenfolge aufgeführt: ארבעה צריכין להודות יורדי הים הולכי מדברות ומי שהיה חולה ונתרפא ומי שהיה בבית האסורים ויצא, und sind dort die Gefahren der Seefahrt und der Karawane zusammen und vorangestellt als solche, in welche sich der Mensch freiwillig in Folge seiner Unternehmungen begiebt, sie sind שכיח, מצ"יין, wie תוספ' das. bemerkt. Und daher steht auch dort unter den unfreiwilligen Gefahren die Krankheit, als die häufiger vorkommende, dem Gefängniß voran. ממזרח וגו' ומים. Gewöhnlich ist ים', מזרח gegenüber, Ausdruck für: West, weil das Mittelmeer die Westgränze von Palästina bildet. Da hier jedoch bereits מערב genannt ist, so sind durch מזרח, מערב und צפון wohl zunächst nur die continentalen Gegenden bezeichnet, aus welchen die Zerstreutgewesenen gesammelt werden, und fügt diesem ים' nur auch die Meeresgegenden hinzu. So werden Jes. 11, 11 nach Nennung der Länder, aus welchen Gott die Uebriggebliebenen seines Volkes sammeln wird, ebenfalls ומא"י הים als Ergänzung hinzugefügt. Es bedürfte nur der Erklärung, warum die Südseite hier nicht genannt ist. Vielleicht weil der größte Theil des Continents, wohin Israel zerstreut worden, östlich, westlich und nördlich von Palästina, weniger südlich liegt. Auch von den Jes. 11, 11 genannten Ländern liegt wohl keines eigentlich im Süden von Palästina.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4—9. תעו וגו', die Gefahren der Wüste. בישימון דרך ist nicht wie דרך ישימון der Weg durch die Wüste, sondern das Wüste, die Verödung des Weges, sie verirren sich in der Wüste, weil es dort keinen gebahnten Weg giebt. התעטף siehe Ps. 102, 1. יודו וגו' sie sollen Gott seine Liebe bekennen, und dadurch in sich das Bewußtsein erhöhter Pflichtschuldigkeit erneuen, und sollen den Menschen die von ihnen erfahrenen Rettungen erzählen, in welchen ihnen die Waltungsnähe Gottes offenbar geworden, auf daß auch ihnen das Bewußtsein von Gottes wacher Waltungsfürsorge wachse. שוקקה, שוקק, sich sehnen, schmachten, siehe Pent. 1. B. M. 3, 16.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 10–16. ישבי וגו', die Kerkernoth. כי המרו וגו'. Es spricht dies nicht gerade von einer den Menschen gegenüber verschuldeten Gefängnißhaft. Vielmehr haben sie dem ihnen bewußten Gotteswillen entgegengehandelt, sowie es verschmäht, sich durch Gottes Rath in ihren Handlungen leiten zu lassen, mag ihnen nun dieser Wille und Rath durch unmittelbare Offenbarung wie Israel, oder durch die Stimme ihres Gewissens zum Bewußtsein gekommen sein. Sie waren jedenfalls in hochmüthigem Dünkel befangen, sich die ihnen zusagenden Grundsätze wählen und damit zum Heile gelangen zu können. Darum verhängte Gott dieses Unglück über sie, כשלו, der Weg, der ihrem Dünkel der Weg zum Heile schien, mußte sie zum Falle führen, und gefallen mußten sie erfahren, daß, wer im Glücke die Hand Gottes zur Leitung verschmäht, dann auch im Unglück אין עוזר, keine helfende Hand findet. Durch dieses עמל, durch dieses aussichtslose Unglück ויכנע לבם beugte Gott ihren Sinn zu dem Bewußtsein, nur in Gott und bei Gott Hilfe finden zu können. ממצוקותיהם יושיעם. In der nahrungslosen Wüste ist der Tod gewiß. Die Führung zu bewohnten Stätten ist daher eine entschiedene Rettung, daher dort, V. 6.
יצילם. Im Kerker ist das Leben nicht unmittelbar bedroht. Aber das ganze Sein ist verkümmert und herabgedrückt, daher יושיעם, die Bitte um Wiedergewährung freien, gehobenen Daseins.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 17–21. אולים, die Krankheit. אולים, אויל, verw. mit אפל: der von den Dingen keine klare, richtige Vorstellung hat (siehe Pent. 1. B. M. S. 292). Sie waren, דרך פשע, den Weg der bewußten Sündigung gegen Gottes Gesetz gewandelt, und sehen nun daß sie אולים gewesen, daß sie nicht gewußt hatten, wie sie mit diesem Freveln gegen Gottes Gesetz gegen ihr eigenes Wohl gefrevelt, indem sie auf dem Wege dieses פשע ihr theuerstes Gut, ihre Gesundheit verscherzt, und עונתיהם, die Abwege von dem „geraden,“ allein des Menschen und seiner Bestimmung würdigen Wege der Sittlichkeit, die sie, nach verbotenen Lüsten haschend, betreten hatten, haben nun die Folge, daß יתענו, sie sich nun auch der erlaubten Genüsse enthalten müssen. Auch hier heißt es nur יושיעם, es ist ja nicht immer wirkliche Lebensgefahr, die Gefahr ist nahe, und die Bitte ergeht um erneutes, gekräftigtes Dasein. Anderseits heißt es nicht מצוקותיהם, sondern מצקתיהם, anklingend an eine verstärkte Form צקק, die mit זקק, binden, fesseln, verwandt wäre. Unter den hier geschilderten Leiden ist Krankheit doch wohl die unmittelbar schmerzlichst fühlbare. ישלח דברו, menschliche Hilfe und Mittel haben sich ihnen unnütz erwiesen, nur Gottes Wort, sein Wille kann ihnen helfen und sie aus den Verderbnissen entrinnen lassen, in welchen sie sich befinden, oder die sie sich selbst bereitet haben. שחיתה, von שחת, kommt nemlich nur noch einmal vor, נלכד בשחיתותם (Klagel. 4, 20), und dort heißt es offenbar das Verderben, das man Jemandem bereitet.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 23–32. יורדי הים וגו', die Gefahren des Seesturms. Die Meeresfläche liegt überall tiefer als das Land. Darum heißt sowohl das sich Hinbegeben zum Meere, als das Steigen vom Land in Schiffe: ירד. So Jona 1, 3. וירד יפו וימצא אניה וגו' וירד בה. עשי מלאכה, die Werke verrichten, oder überhaupt: die ihren Beruf ausüben, wie מה מלאכתך (Jona 1, 8). גליו, da es wohl unthunlich ist, das suff. ־יו auf das so fern, V. 23, stehende ם' zu beziehen, so ist es wohl Gott, der ja in ויאמר ויעמד Subjekt des Satzes ist, dessen auch die Wellen genannt werden. Die Wellen sind sein, stehen in seinem Dienst, vollbringen seinen Willen an dem über sie hinziehenden Schiffe. Er bestellt den Sturm und der Sturm hebt seine Wellen. תתבלע, בלע eigentlich verschlucken, daher allgemein: Etwas ganz unzugänglich, unfindbar machen (Siehe Pent. 4. B. M. 4, 20). Ihre Weisheit, Wissenschaft und Kunst, macht sich unfindbar. Solchem Wetter gegenüber ist ihre Kunst wie nicht vorhanden. יוציאם, Sturm und Wellen halten sie wie gefangen, aus ihrer Umarmung kann nur Er sie hinausführen, das fühlen sie, da es mit ihrer Kunst zu Ende ist. יקם סערה, קום kommt auch in der Bedeutung vor: an einer Stelle stille stehen, unbeweglich bleiben. So vom Starrwerden der Augen, עיני קמה (Sam. I. 14, 15). קמו עיני משיבו (Kön. I. 14, 4).
גליהם, jetzt werden es ihre Wellen wieder, die sie mit ihrer Kunst meistern können. וישמחו כי ישתקו. שתק kommt im Hebr. nicht sowohl in der Bedeutung: schweigen, als vielmehr: ruhig werden, vor. Es kommt überhaupt nur hier, und so auch Jona 1, 11. 12. vom Ruhigwerden des aufgeregten Meeres, und Prov. 26, 20 vom Aufhören des Streites vor. וישמחו וגו' sagt wohl: sonst freuen sie sich nicht über eine Wind- und Meeresstille, da aber freuten sie sich, daß die Wellen schlicht und stille wurden. מחוז, חוז lautverw. mit חוש: irgendwohin eilen, חפץ nach Etwas streben, daher מחוז: das Strebeziel.
וירוממוהו בקהל עם ובמושב זקנים יהללוהו. In einer mindestens aus Zehn bestehenden Gemeindeversammlung, innerhalb welcher mindestens zwei זקנים, zwei Gesetzeskundige, ihren Sitz haben, sollen sie Gottes Herrscherhoheit und Thatenlob aussprechen (Berachoth 54, b.). Wird doch erst, wenn sie der Gesetzeslehre in ihrer Mitte einen Sitz einräumen, die Volksgemeine zur wahren Gottesgemeine, und ist doch das Gott huldigende Dankbekenntniß erst dann das wahre, wenn es zugleich eine Huldigung des Gottesgesetzes ist, und ברוך וגו', Gott huldigen heißt, die treue Erfüllung seines Gesetzes geloben. Die זקנים werden ihn lehren, daß er נורא תהלות sei, daß sein Lob nur dann das rechte sei, wenn es Gelöbniß des Gehorsams in sich schließt. Diese, hier bei Rettung aus den Gefahren der See ausgesprochene nähere Bestimmung des Dankesausspruchs, so wie die V. 22 bei Rettung aus Krankheit ausgesprochene Darbringung eines Dankopfers, (תודה siehe Pent. 3. B. M. 7, 12–14), ist für alle vier Veranlassungen geltend, sie durften aber wohl zunächst bei diesen zum Ausspruch gekommen sein, weil unter den durch Versündigung zugezogenen Gefahren Krankheiten, unter den in Folge von Berufsunternehmungen zu bestehenden Gefahren die Gefahren zur See die gewöhnlicheren sind.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 33–41. ישם וגו'. Aber nicht nur rettend, wie in den vorangegangenen vier Beispielen göttlicher Waltungen, zeigt sich die Liebe Gottes, derselbe Gott und dieselbe Liebe umwandelt auch V. 33. 34. den bisher Leben und Nahrung spendenden Boden unter den Füßen seiner Bewohner zur öden Wüste, wenn die Schlechtigkeit der Bewohner sie der Fortdauer ihrer Erhaltung unwürdig gemacht, und er prüft auch V. 35–40 die Menschen durch Umwandlung ihres Mangels in Wohlstand, und wenn ihr sittlicher Gehalt sinkt, wie ihr Wohlstand steigt, so gereicht ihnen ihr Wohlstand selber zu Unglück und Kummer. So, 40–41., ist der äußere Zustand glücklicher Unabhängigkeit nicht immer Glück, und Existenz- und Machtlosigkeit nicht immer Unglück. Beide sind eine Schule für die sittliche Kräftigung und Veredlung des Menschen, und es hängt vom Menschen ab, sich Beide zu seinem wahren Heile gereichen zu lassen. Denn Hirte der Menschen ist Gott, weidet, pflegt und führt sie, wie der einsichtig sorgsame Hirt seine Heerde. Wie der Hirte mit sorgsamer Auswahl, mit Ausscheidung der Breßhaften und Vereinigung der Gesunden und Veredlungsfähigen sich seine Heerden gruppirt — so gründet Gott seine Menschenfamilien —
Die hier gegebenen Schilderungen von Umwandlung des Fruchtbodens in Wüste und umgekehrt sind sowohl im concreten wirklichen Sinne zu verstehen, als sie auch bildlich den Wechsel der socialen Zustände schildern, die der Boden sind, aus welchem Einzelne und Gesammtheiten Existenz und Wohlstand schöpfen.
וימעטו וישחו. Während וירבו וגו' sie sich vermehrten und Gott ihren Besitzstand mit ihrem Bevölkerungszuwachs Schritt halten und nicht zu gering werden ließ, wurden sie sittlich gering und sanken, und da erwuchs ihnen aus Herrschaft Unglück und Kummer. וימעטו: sie reichten für die Aufgabe und Pflicht, die mit jedem fortschreitenden Wohlstand wächst, nicht aus. Aehnlich: קטנתי מכל החסדים (1. B. M. 32, 10). So auch Jerem. 10, 24 אל באפך פן תמעיטני, du könntest mich unzulänglich finden. מעט ist überhaupt nicht nur Gegensatz von viel, sondern auch von groß. So namentlich in der Frage: המעט, ist es etwas Kleines? wie 1. B. M. 30, 15. u. s. So ja auch ואהי להם למקדש מעט (Ezech. 12, 16). וישחו von שחח sich beugen, sich erniedrigen. So Jes. 2, 9. וישח אדם, durch die in den vorangegangenen Versen geschilderte heidnische Verirrung sank der Mensch. עצר hemmen, Einhalt thun, ist auch Ausdruck für Ausübung der Herrschergewalt. So זה יעצר בעמי (Sam. I. 9, 17), und עצר heißt Herrschaft. So Jes. 53, 8. מעצר וממשפט לקח, von Herrschaft und eigener Rechtswaltung war es fortgenommen worden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 40. 41. שפך וגו'. Den größten Gegensatz bildet נדיבים zu אביון. נדיב, von נדב (siehe Pent. 2. B. M. 25, 2), ist der, dessen Thun und Lassen völlig von seinen eigenen Entschließungen abhängt, der Herr seines Willens ist, dem gegenüber אביון, von אבה (siehe 5. B. M. S. 231) der sich dem Willen Anderer fügen muß, keinen eigenen Willen hat. עוני ist die Existenzlosigkeit. Wenn, wie im Vorhergehenden angedeutet, נדיבים, Freie und Selbständige einen schlechten Gebrauch von ihrer Freiheit und Selbständigkeit machen, so schüttet Gott Verachtung über sie und wird ihnen kein Retter in der Noth, „wird ihnen kein Pfadfinder in der Wüste" (V. 4), er überläßt sie sich selbst, denn sie haben ja schon gezeigt, daß sie Glück und Selbständigkeit nicht ertragen können. Und dem gegenüber hebt er Willenlose aus ihrer Existenzlosigkeit empor, ja vielleicht durch ihre Existenzlosigkeit. Mangel und Noth läßt Gott selbst eine Schule der Kräftigung, des Zusammenraffens in dem Menschen schlummernder geistiger und sittlicher Kräfte werden, und läßt dann den Gekräftigten und Gehobenen die in der Schule der Noth gewonnene Einsicht und Kraft in der Gunst der Verhältnisse erproben. וישם כצאן משפחות, in solchem, immer das Heil der Menschen bezweckenden Wechsel bewährt sich Gott als „Hirte" der Menschheit und als „Gründer" der Familien der Menschheit auf Erden. (Siehe oben.)
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 42. ראו וגו'. ישרים, „gerade" Menschen, deren geistiges und sittliches Urtheil nicht durch eigenes Abweichen vom Rechten getrübt ist, sehen solches Fallen Gewaltiger und Steigen Bescheidener, und freuen sich, finden sich dadurch ermuntert im Fortverharren auf der Bahn des Rechten. וכל עולה, und aller Machtmißbrauch in kleinen und großen Verhältnissen (Siehe Pent. 3. B. M. 19, 15, 35) wird wenigstens stutzig und zur stillen Ueberlegung gebracht.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 43. וישמר מי וגו', wie ואביו שמר את הדבר, Etwas in Beachtung nehmen, sich zum weitern Nachdenken merken. התבונן, sich Etwas zum Verständniß bringen, ערת'ך אתבונן (Ps. 119, 95), והתבונן נפלאות אל (Hiob 37, 14). Wer „weise" ist, חכם, wer aus der Gotteslehre die wahre Anschauung von Gott und der Bestimmung des Menschen geschöpft hat, der achte auf Ereignisse, wie sie in diesem Psalm geschildert werden, dann wird man Verständniß für die Liebeswaltungen Gottes gewinnen, wird die Ereignisse nicht nach ihrem äußern Schein, sondern nach deren Bedeutung für die Belehrung, Prüfung und Besserung der Menschen beurtheilen lernen, und in Trübem wie Heiterm dieselbe Gottesliebe wirkend und waltend verehren. Vielleicht auch ist חסדי ד' Subjekt, und wie בונן (יבוננהו 5. B. M. 32, 10) einen Andern zur Einsicht bringen, ihn belehren heißt, so heißt יתבוננו: sie lassen sich von Andern begreifen, sie bringen Andere dazu Einsicht in sie zu gewinnen.