Tehillim 100 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 100, V. 1. מזמור לתודה. תודה siehe Ps. 50, 14. תודה, Bekenntniß Dessen, was Gott uns war und ist, so wie Dessen, was wir Gott gewesen sind und sein sollen. Daher ist es sowohl Bekenntniß einer Dankverpflichtung, als eines Schuldbewußtseins. Hier ist es das erste, und bemerkt hierzu ein Wort der Weisen: כל התפלות בטלות לעתיד לבוא וההודאה אינה בטלה כל הקרבנות בטלות לעתיד לבוא וקרבן תודה אינו בטל, wenn einst in der neuen Zukunft die erlangte Vollkommenheit aller Zustände für Gebete und Opfer keine Veranlassung mehr böten, so würde doch Dankgebet und Dankopfer nicht aufhören. Träten diese doch dann erst in ihre volle Geltung ein. Daher bildet auch dieser Dank-Psalm gleichsam das Nachwort zu den vorangehenden, den Eintritt der neuen Zukunft auf Erden feiernden Psalmen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. עבדו וגו'. Es ist zu bedauern, daß der Begriff „Gottesdienst" zunächst von den Opfer- und Gebetvollbringungen in Tempel und Synagogen verstanden wird. Dem Begriff עבודת ד' ist dies nicht entsprechend. Dieser, der eigentliche Gottes-Dienst, findet seine erste und wahrhaftige Verwirklichung im Leben. „Gott dienen" heißt: alle seine Kräfte und Mittel, und jeden Augenblick seines Daseins in Vollbringung des göttlichen Willens aufwenden, und wessen ganzes Leben in solchen Dienst Gottes aufgeht, heißt עבד ד'. Opfer und Gebet werden in besonderem Sinne nur Gottesdienst genannt, weil wir mit ihnen uns nur wiederholt für den eigentlichen Dienst Gottes aufs Neue rüsten und weihen, כורתי ברית עלי זבח sind, wie dies Ps. 50, 5 ausgedrückt ist (Vgl. Pent. 2. B. M. S. 130). In dem vorhergehenden Psalm war der ganze Ernst der Gesinnungen und Vorsätze gezeichnet, mit welchen die Völker einst in die Bundesnähe Gottes eintreten sollen, und war hier V. 1. dieser Ernst in der Aufforderung zur תרועה-Huldigung Gottes zusammengefaßt. Gleichwohl sollen sie sich mit Freuden dem Lebensdienste Gottes weihen und freudevoll dieses Gott dienende Leben vollbringen. Gewährt doch ein solches Leben, und nur ein solches Leben שמחה: das Gefühl des fortschreitenden geistigen und sittlichen „Wachsens," des fortschreitenden Gedeihens des eigentlich Menschlichen im Menschen, ein beglückendes Lebensbewußtsein, das völlig von äußern Lebensumständen unabhängig ist. Also, nicht eine aus Furcht zu tragende Last soll uns der Lebensdienst Gottes sein, zum freudigen Dienst Gottes sind wir außerhalb des Tempels geladen, und nur, wenn wir also Diener Gottes im Leben sind, dann באו וגו', dann soll die in unserm Gemüthe nachklingende freudige Stimmung uns in Gottes Haus geleiten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. דעו וגו', die zu seinem Tempel Geladenen sollen sich mit dem Bewußtsein durchdringen, daß ד', der Gott, dessen Heiligthum sie betreten, und dessen Gesetz im Heiligthum ruht, daß dieser Gott אלקים, der Schöpfer, Gesetzgeber, Ordner und Beherrscher des Weltalls ist, הוא עשנו, daß er nicht nur Gott des Gesammt-Alls ist, daß er in unserer, in Israels geschichtlicher Schöpfung gezeigt, wie Er auch Gott der Einzelnen ist, wir sind durch und durch sein Geschöpf, und wie das ולא כתיב sagt, nicht die leiseste Spur unseres Seins verdanken wir uns, und darum sind wir „sein" „לו," sind mit unserm Thatenleben עמו, „sein Volk," und mit unserm Geschickesleben die Heerde seiner Weide, ja, weil wir als עמו unser Thatenleben von ihm leiten lassen, hat Er als צאן מרעיתו die besondere Lenkung unserer Geschicke übernommen. Diese Ueberzeugungen sollen die das jüdische Gottesheiligthum Betretenden zu den Ihrigen machen, und mit ihrem Thaten- und Geschickes-Leben in dieselben Beziehungen zu Gott treten, wie dies der folgende Vers ausspricht.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. באו וגו'. שעריו sind die Thore des Tempelberges, die zu den עזרות führen. חצרתיו sind die עזרות. תודה: Dank- und Pflicht-Bekenntniß fließt aus dem Bewußtsein Dessen, was Gott uns ist, תהלה: Thatenlob fließt aus der Anschauung aller Gotteswirkungen im Allgemeinen, in welchen Gott seine Größe und seine Waltung und die Weisen seiner Waltung offenbart. In תודה fühlen wir Gott als unsern Gott, in תהלה als Gott im Allgemeinen. Wir kommen zuerst zu שעריו, und dann erst durch sie zu חצרותיו. So muß auch תודה der תהלה vorangehen. Wir müssen erst Gott als unsern Gott fühlen, Gott in unserm Geschickes- und Thatenleben verehren, bevor wir den Mund zur Verkündung seines Lobes im Verein mit der Gesammtheit öffnen dürfen. Gott aber in Hymnen besingen, ihn jedoch im eigenen Geschick und Leben verleugnen, das Weltall Gott zu Füßen legen, selbst aber mit unserer eigenen winzigen Persönlichkeit abseit aufrecht bleiben, ist mehr als nutzlos Werk, ist sträfliche Gotteshöhnung. Darum geht in seine Thore ein mit תודה und in seine חצרות mit תהלה, הודו לו, zollet ihm euer Dank- und Pflicht-Bekenntniß, und ברכו שמו, und fördert, verbreitet seine Anerkennung, wo immer ihr könnt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. כי טוב וגו', bringt es zur Anerkennung, daß טוב ד', daß Gott das einzige absolute Gute ist, das der Mensch anzustreben hat, daß לעולם חסדו, daß nicht nur seltene, außerordentliche Ereignisse, daß jeder Daseinsaugenblick Spende seiner Liebe sei, und אמונתו, und seine, aus Verirrung und Leid zu Pflicht und Heil erziehende Treue jedem, auch dem spätesten Geschlechte nahe bleibt.