1
וַיֹּאמְר֨וּ אֵלָ֜יו אִ֣ישׁ אֶפְרַ֗יִם מָֽה־הַדָּבָ֤ר הַזֶּה֙ עָשִׂ֣יתָ לָּ֔נוּ לְבִלְתִּי֙ קְרֹ֣אות לָ֔נוּ כִּ֥י הָלַ֖כְתָּ לְהִלָּחֵ֣ם בְּמִדְיָ֑ן וַיְרִיב֥וּן אִתּ֖וֹ בְּחׇזְקָֽה׃
BernfeldDie Männer Efraims sprachen zu [Gideon]: Was hattest du uns da getan, dass du uns nicht gerufen, als du gingst Midjan zu bekriegen? Und sie zankten heftig mit ihm.
ZunzUnd die Männer Efrajim's sprachen zu ihm: Was hattest du uns da gethan, daß du uns nicht gerufen, als du gingst Midjan zu bekriegen? Und sie zankten heftig mit ihm.
R. BreuerEs sprachen zu ihm die Männer Ephrajims: Was hast du uns da getan, daß du uns nicht gerufen hast, als du zum Kampfe gegen Midjan zogst? Sie zankten heftig mit ihm.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
Kap. 8. V. 1—3. Nur Männer aus Menascheh, Ascher, Sebulun und Naftali hatte Gideon zum Kampfe gegen Midjan aufgeboten (6, 35.) Die Männer Efraims waren eifersüchtig und fühlten sich zurückgesetzt. Sie waren aber diszipliniert genug, um Gideons Ruf, an der Verfolgung des Feindes teilzunehmen (7, 24), ohne Widerrede zu befolgen. Jetzt aber, nachdem sie mit den Trophäen der gelungenen Verfolgung, den Köpfen Orebs und Seebs zurückgekehrt waren, machte sich ihr Unmut über die Zurücksetzung in stürmischer Anklage Luft. Und erst als Gideon das Ergebnis (מה עשיתי וגו') und das Heldentum (ומה יכלתי וגו') ihrer Mitarbeit im Vergleich zu seiner und der Seinen Anteil am Siege als die eigentliche Entscheidung des Kampfes als die Krönung des Ganzen gerühmt und gepriesen hatte, beruhigten sie sich. Welch ungestümer Heldensinn muß in diesen Männern Efraims gelebt haben, die mit ihrer Nachlese nicht zufrieden waren und so gerne schon bei der Lese Abiesers mit dabei gewesen wären! Ein Heldensinn, der bei aller äußeren Ähnlichkeit mit soldatischem Draufgängertum in modernem Sinne doch innerlich nicht Militarismus sondern זריזות war, die Flamme des Pflichteifers, die das Gotteswort im Gottesvolk entzündet.
2
וַיֹּ֣אמֶר אֲלֵיהֶ֔ם מֶה־עָשִׂ֥יתִי עַתָּ֖ה כָּכֶ֑ם הֲלֹ֗א ט֛וֹב עֹלְל֥וֹת אֶפְרַ֖יִם מִבְצִ֥יר אֲבִיעֶֽזֶר׃
BernfeldAber er sprach zu ihnen: Was habe ich jetzt euch gleichgetan? Ist nicht besser die Nachlese Efraims als die Lese Abiesers?
ZunzUnd er sprach zu ihnen: Was habe ich jetzt euch gleichgethan? Ist nicht besser die Nachlese Efrajim's als die Lese Abiesers?
R. BreuerDa sprach er zu ihnen: Was habe ich jetzt euch gleich getan? Ist nicht besser die Nachlese Ephraims als die Lese Abiesers?
3
בְּיֶדְכֶם֩ נָתַ֨ן אֱלֹהִ֜ים אֶת־שָׂרֵ֤י מִדְיָן֙ אֶת־עֹרֵ֣ב וְאֶת־זְאֵ֔ב וּמַה־יָּכֹ֖לְתִּי עֲשׂ֣וֹת כָּכֶ֑ם אָ֗ז רָפְתָ֤ה רוּחָם֙ מֵֽעָלָ֔יו בְּדַבְּר֖וֹ הַדָּבָ֥ר הַזֶּֽה׃
BernfeldIn eure Hand hat Gott die Fürsten von Midjan gegeben, den Oreb und den Seeb, und was konnte ich tun euch gleich? Da legte sich ihr Zorn gegen ihn, als er so redete.
ZunzIn eure Hand hat Gott die Fürsten von Midjan gegeben, den Oreb und den Seeb, und was konnte ich thun euch gleich? Da gab sich ihr Zorn gegen ihn, als er so redete.
R. BreuerIn eure Hand hat Gott die Fürsten Midjans gegeben, den Oreb und den Seeb, was aber habe ich im Vergleich zu euch zu tun vermocht? Da legte sich ihr Zorn gegen ihn, als er dieses redete.
4
וַיָּבֹ֥א גִדְע֖וֹן הַיַּרְדֵּ֑נָה עֹבֵ֣ר ה֗וּא וּשְׁלֹשׁ־מֵא֤וֹת הָאִישׁ֙ אֲשֶׁ֣ר אִתּ֔וֹ עֲיֵפִ֖ים וְרֹדְפִֽים׃
BernfeldGideon kam an den Jordan, den er und seine dreihundert Mann übersetzen wollten, sie waren matt und verfolgten.
ZunzUnd Gideon kam an den Jarden, hinüberziehend er und die dreihundert Mann, die mit ihm, matt und verfolgend.
R. BreuerGideon kam an den Jarden, den er und seine dreihundert Mann übersetzen wollten, sie waren matt und verfolgten.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 4. Nach dem Untergang der beiden midjanitischen Fürsten Oreb und Seeb machte sich Gideon mit seinen dreihundert Mann auf, um Könige Midjans, Sebach und Zalmuna, jenseits des Jordans zu verfolgen. Seine Leute waren עיפים ורדפים „matt und verfolgend“, sie waren matt aber doch zugleich von einem unbezwinglichen Drang beseelt, den geschlagenen Feind weiter zu verfolgen und vollends zu vernichten.
5
וַיֹּ֙אמֶר֙ לְאַנְשֵׁ֣י סֻכּ֔וֹת תְּנוּ־נָא֙ כִּכְּר֣וֹת לֶ֔חֶם לָעָ֖ם אֲשֶׁ֣ר בְּרַגְלָ֑י כִּֽי־עֲיֵפִ֣ים הֵ֔ם וְאָנֹכִ֗י רֹדֵ֛ף אַחֲרֵ֛י זֶ֥בַח וְצַלְמֻנָּ֖ע מַלְכֵ֥י מִדְיָֽן׃
BernfeldUnd er sprach zu den Leuten von Sukkot: Gebet doch Laibe Brot dem Volke unter meiner Führung, denn sie sind matt, und ich jage Sebah und Zalmunna, den Königen von Midjan, nach.
ZunzUnd er sprach zu den Leuten von Sukkot: Gebet doch Laibe Brod dem Volke unter meiner Führung, denn sie sind matt, und ich jage Sebach und Zalmunna den Königen von Midjan, nach.
R. BreuerUnd er sprach zu den Männern von Sukkoth: Gebet doch Laibe Brot der von mir geführten Mannschaft, denn sie sind matt, und ich bin im Begriff, Sebach und Zalmuna, die Könige Midjans, zu verfolgen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 5. Gideon wußte, daß die Leute von Sukkoth nicht ohne weiteres bereit sein werden, seine ermüdete Mannschaft mit Proviant zu versorgen. Deshalb verschwieg er ihnen, daß seine Leute nicht bloß עיפים, sondern auch רדפים waren (V. 4), daß sie wohl müde, aber doch nicht so müde waren, daß sie für die weitere Verfolgung nicht zu haben gewesen wären. Vielmehr stellte er es ihnen so dar, daß sie vollständig abgemattet seien (כי עיפים הם) in einem Augenblick, wo er (nicht sie) im Begriffe sei, die Könige Midjans zu verfolgen (ואנכי רדף); er sei darum gezwungen, um seine Leute wieder kampffähig zu machen, um Proviant zu bitten.
6
וַיֹּ֙אמֶר֙ שָׂרֵ֣י סֻכּ֔וֹת הֲ֠כַ֠ף זֶ֧בַח וְצַלְמֻנָּ֛ע עַתָּ֖ה בְּיָדֶ֑ךָ כִּֽי־נִתֵּ֥ן לִֽצְבָאֲךָ֖ לָֽחֶם׃
BernfeldDa sprachen die Fürsten von Sukkot: Hast du jetzt schon den Fußballen Sebahs und Zalmunnas in deiner Hand, dass wir deiner Schaar Brot geben sollen?
ZunzDa sprachen die Fürsten von Sukkot: Hast du jetzt schon den Fußballen Sebach's und Zalmunna's in deiner Hand, daß wir deiner Schaar Brod geben sollen?
R. BreuerDa sprachen die Fürsten von Sukkoth: Hast du jetzt schon den Fußballen Sebachs und Zalmunas in deiner Hand, daß wir deiner Schaar Brot geben sollen?
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 6—7. Gideon hatte sich mit seiner Bitte an die Männer von Sukkoth gewandt, ihm antworteten die Fürsten von Sukkoth. Die Männer von Sukkoth hätten wohl aus Gründen der Menschlichkeit den müden Soldaten das verlangte Brot nicht verweigert. Aber aus politischen Gründen kamen die Fürsten von Sukkoth zu dem einmütigen (darauf deutet wohl das singulare ויאמר hin) Beschluß, es mit Midjan nicht in einem Augenblick zu verderben, wo ihnen der endgültige Sieg Gideons noch nicht festzustehen schien. Ja, sie wagten es, ihre Weigerung in einer solch höhnischen Form auszusprechen, daß Gideon (dem eine gewaltsame „Requirirung“ von Brot nicht in den Sinn kam), vom Zorn gepackt, sie für später mit empfindlicher Strafe bedrohte.
7
וַיֹּ֣אמֶר גִּדְע֔וֹן לָכֵ֗ן בְּתֵ֧ת יְהֹוָ֛ה אֶת־זֶ֥בַח וְאֶת־צַלְמֻנָּ֖ע בְּיָדִ֑י וְדַשְׁתִּי֙ אֶת־בְּשַׂרְכֶ֔ם אֶת־קוֹצֵ֥י הַמִּדְבָּ֖ר וְאֶת־הַֽבַּרְקֳנִֽים׃
BernfeldGideon sprach darauf: Darum, wenn der Herr Sebah und Zalmunna in meine Hand geben wird, werde ich euer Fleisch dreschen mit den Dornen der Wüste und mit Stechdisteln.
ZunzDa sprach Gideon: Darum, wenn der Ewige Sebach und Zalmunna in meine Hand geben wird, werde ich euer Fleisch dreschen mit den Dornen der Wüste und mit Stechdisteln.
R. BreuerDa sprach Gideon: Nun gut, wenn aber Gott den Sebach und den Zalmuna in meine Hand geben wird, werde ich euer Fleisch dreschen mit den Dornen der Wüste und mit Dreschwagen!
8
וַיַּ֤עַל מִשָּׁם֙ פְּנוּאֵ֔ל וַיְדַבֵּ֥ר אֲלֵיהֶ֖ם כָּזֹ֑את וַיַּעֲנ֤וּ אוֹתוֹ֙ אַנְשֵׁ֣י פְנוּאֵ֔ל כַּאֲשֶׁ֥ר עָנ֖וּ אַנְשֵׁ֥י סֻכּֽוֹת׃
BernfeldEr ging hinauf von dort nach Penuel und redete zu ihnen ebenso, und es erwiderten ihm die Leute von Penuel, wie ihm erwidert hatten die Leute von Sukkot.
ZunzUnd er ging hinauf von dort nach Penuel und redete zu ihnen ebenso, und es erwiederten ihm die Leute von Penuel, wie ihm erwiedert die Leute von Sukkot.
R. BreuerEr ging von dort hinauf nach Penuel und redete zu ihnen ebenso, und es antworteten ihm die Männer von Penuel, wie ihm geantwortet hatten die Männer von Sukkoth.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 8—9. In Sukkoth gaben die Fürsten den ablehnenden Bescheid, in Penuel die Einwohner selbst, die wohl im Vertrauen auf ihre befestigte Stadt von der politischen Lage sich unabhängig und darum egoistischer fühlten als die in Sukkoth. Eben darum versprach ihnen Gideon, sie nach seiner Rückkehr durch die Zerstörung ihrer Burg zu bestrafen.
9
וַיֹּ֛אמֶר גַּם־לְאַנְשֵׁ֥י פְנוּאֵ֖ל לֵאמֹ֑ר בְּשׁוּבִ֣י בְשָׁל֔וֹם אֶתֹּ֖ץ אֶת־הַמִּגְדָּ֥ל הַזֶּֽה׃ {פ}
BernfeldUnd er sprach auch zu den Leuten von Penuel also: Wenn ich in Frieden zurückkehre, werde ich diesen Turm umreißen.
ZunzUnd er sprach auch zu den Leuten von Penuel also: Wenn ich in Frieden zurückkehre, werde ich diesen Thurm einreißen.
R. BreuerUnd er sprach auch zu den Männern von Penuel also: Wenn ich in Frieden zurückkehre, werde ich diese Burg zerstören.
10
וְזֶ֨בַח וְצַלְמֻנָּ֜ע בַּקַּרְקֹ֗ר וּמַחֲנֵיהֶ֤ם עִמָּם֙ כַּחֲמֵ֤שֶׁת עָשָׂר֙ אֶ֔לֶף כֹּ֚ל הַנּ֣וֹתָרִ֔ים מִכֹּ֖ל מַחֲנֵ֣ה בְנֵי־קֶ֑דֶם וְהַנֹּ֣פְלִ֔ים מֵאָ֨ה וְעֶשְׂרִ֥ים אֶ֛לֶף אִ֖ישׁ שֹׁ֥לֵֽף־חָֽרֶב׃
BernfeldSebah und Zalmunna waren in Karkor und ihr Lager mit ihnen an fünfzehntausend, alle die aus dem Lager der Söhne des Morgenlandes übriggeblieben; die Gefallenen aber waren hundert und zwanzig tausend Mann, die das Schwert führten.
ZunzUnd Sebach und Zalmunna waren in Karkor und ihr Lager mit ihnen an funfzehntausend, alle die aus dem ganzen Lager der Söhne des Morgenlandes übriggebliebenen; die Gefallenen aber waren hundert und zwanzig tausend Mann, die das Schwert führten.
R. BreuerSebach und Zalmuna waren in Karkor und ihr Lager, das mit ihnen war, betrug ungefähr fünfzehntausend Mann, alle die aus dem Lager der Söhne des Morgenlandes übrig geblieben waren. Als sie einfielen, waren es hundertundzwanzig Tausend Mann, mit Schwertern bewaffnet.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 10. והנפלים heißt nicht, wie man zu übersetzen geneigt sein könnte, die Gefallenen, sondern es schaut zurück auf 7, 12 מדין ועמלק וכל בני קדם נפלים בעמק כארבה לרב. Hier wird die Heuschreckenmenge der נפלים näher präzisiert: es waren 120 000 Mann, von denen jetzt nur noch 15000 übrig geblieben waren.
11
וַיַּ֣עַל גִּדְע֗וֹן דֶּ֚רֶךְ הַשְּׁכוּנֵ֣י בׇאֳהָלִ֔ים מִקֶּ֥דֶם לְנֹ֖בַח וְיׇגְבְּהָ֑ה וַיַּךְ֙ אֶת־הַֽמַּחֲנֶ֔ה וְהַֽמַּחֲנֶ֖ה הָ֥יָה בֶֽטַח׃
BernfeldGideon ging den Weg zu den Zeltwohnern an der Ostseite von Nobah und Jogbeha, und schlug das Lager. Das Lager aber däuchte sich sicher.
ZunzUnd Gideon ging den Weg zu den Zeltwohnern an der Morgenseite von Nobach und Jogbehah, und schlug das Lager. Das Lager aber däuchte sich sicher.
R. BreuerGideon ging den Weg zu den Zeltbewohnern an der Ostseite von Nobach und Jogbeha, und schlug das Lager, während das Lager sorglos war.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 11. Auf einer bestimmten, von zeltbewohnenden Beduinen benutzten Karawanenstraße zog Gideon gegen den Feind und es gelang ihm, den sorglos lagernden zu überrumpeln.
12
וַיָּנֻ֗סוּ זֶ֚בַח וְצַלְמֻנָּ֔ע וַיִּרְדֹּ֖ף אַחֲרֵיהֶ֑ם וַיִּלְכֹּ֞ד אֶת־שְׁנֵ֣י ׀ מַלְכֵ֣י מִדְיָ֗ן אֶת־זֶ֙בַח֙ וְאֶת־צַלְמֻנָּ֔ע וְכׇל־הַֽמַּחֲנֶ֖ה הֶחֱרִֽיד׃
BernfeldSebah und Zalmunna flohen, und er jagte ihnen nach und ergriff die zwei Konige von Midjan, den Sebah und den Zalmunna, und das ganze Lager brachte er in Unruhe.
ZunzUnd es flohen Sebach und Zalmunna, und er jagte ihnen nach, und ergriff die zwei Könige von Midjan, den Sebach und den Zalmunna, und das ganze Lager brachte er in Unruhe.
R. BreuerSebach und Zalmuna flohen, und er jagte ihnen nach. Er nahm die beiden Könige Midjans, den Sebach und den Zalmuna, gefangen und brachte das ganze Lager in Unruhe.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 12. Sebach und Zalmuna flohen und die beiden Könige Midjans, Sebach und Zalmuna wurden geschlagen. Treffend veranschaulicht die durch Apposition verstärkte Wiederholung der beiden Namen die Siegerfreude Gideons, als es ihm gelang, „die beiden Könige Midjans, den Sebach und den Zalmuna“ gefangen zu nehmen und dadurch das ganze feindliche Heer kopflos zu machen.
13
וַיָּ֛שׇׁב גִּדְע֥וֹן בֶּן־יוֹאָ֖שׁ מִן־הַמִּלְחָמָ֑ה מִֽלְמַעֲלֵ֖ה הֶחָֽרֶס׃
BernfeldGideon Sohn Joas kehrte zurück aus dem Kriege vor Sonnenaufgang.
ZunzUnd Gideon Sohn Joasch kehrte zurück aus dem Kriege vor Sonnenaufgang.
R. BreuerGideon, Sohn Joas', kehrte zurück aus dem Kriege vor Sonnenuntergang.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 13. מלמעלה החרס. Man könnte auch nach Malbims Beispiel daran denken, daß Gideon, wie bei seiner ersten Expedition, auch diesmal die Nachtzeit dazu benutzt habe, um das midjanitische Lager zu überrumpeln, und dementsprechend מלמעלה החרס „vor Aufgang der Sonne“ (חרס: Sonnenscheibe vgl. Hiob 9, 7) übersetzen. Wir sind in der Übersetzung Raschi gefolgt, wonach bei מלמעלה an die noch „hoch“ stehende Sonne zu denken ist: עד שלא שקעה השמש בעוד החמה נראית גבוהה.
14
וַיִּלְכׇּד־נַ֛עַר מֵאַנְשֵׁ֥י סֻכּ֖וֹת וַיִּשְׁאָלֵ֑הוּ וַיִּכְתֹּ֨ב אֵלָ֜יו אֶת־שָׂרֵ֤י סֻכּוֹת֙ וְאֶת־זְקֵנֶ֔יהָ שִׁבְעִ֥ים וְשִׁבְעָ֖ה אִֽישׁ׃
BernfeldEr griff einen Knaben von den Leuten von Sukkot auf, und fragte ihn aus, und er schrieb ihm auf die [Namen der] Fürsten von Sukkot und seiner Ältesten: sieben und siebzig Mann.
ZunzUnd er griff einen Knaben von den Leuten von Sukkot auf, und fragte ihn aus, und er schrieb ihm auf die Fürsten von Sukkot, und seine Aeltesten, sieben und siebenzig Mann.
R. BreuerEr griff einen Jüngling von den Leuten von Sukkoth auf und fragte ihn aus; der schrieb ihm die Fürsten von Sukkoth und seine Aeltesten auf: siebenundsiebzig Mann.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 14—16. Nun war der Augenblick gekommen, wo Gideon die V. 7 angekündigte Strafe vollziehen konnte. Zunächst ließ er sich durch einen arglosen Jüngling aus Sukkoth die Namen der Fürsten von Sukkoth und seiner Ältesten aufschreiben. Nicht die Fürsten von Sukkoth zog er zur Verantwortung, obwohl sie es doch waren, die sich unter hohnvollen Worten geweigert hatten, seine Leute zu verköstigen, (vgl. das zu V. 6 Bemerkte) sondern die Einwohner von Sukkoth selbst. Jedes Volk hat die Fürsten, die es verdient. Die Männer von Sukkoth hätten sich gegen die Unmenschlichkeit ihrer Fürsten auflehnen müssen. Weil sie ihre Fürsten ruhig gewähren ließen, obwohl sie vielleicht im Stillen mit ihrem Vorgehen nicht einverstanden waren, zog Gideon sie und nicht ihre Fürsten zur Verantwortung. Wohl zu beachten ist der Unterschied zwischen כי נתן לצבאך לחם (V. 6) und כי נתן לאנשיך היעפים לחם (V. 15). Gideon will damit sagen: Als ihr meinem „Heere“ das Brot verweigert habt, da habt ihr in eurer Grausamkeit nicht bedacht, daß es „müde Menschen“ waren, die ihr hungrig und unerquickt weiter ziehen ließet. Nun müßt ihr für die Herzlosigkeit eurer Führer büßen. Die Züchtigung wurde an den זקני העיר, an den Ältesten in ihrer Eigenschaft als Repräsentanten des Volkes vollzogen: Indem Gideon die Ältesten strafte, strafte er in ihnen zugleich die Männer von Sukkoth selbst: ויקח את זקני העיר — וידע בהם את אנשי סוכות.
וידע. Von הודיע fühlen, empfinden, büßen lassen, strafen.
15
וַיָּבֹא֙ אֶל־אַנְשֵׁ֣י סֻכּ֔וֹת וַיֹּ֕אמֶר הִנֵּ֖ה זֶ֣בַח וְצַלְמֻנָּ֑ע אֲשֶׁר֩ חֵרַפְתֶּ֨ם אוֹתִ֜י לֵאמֹ֗ר הֲ֠כַ֠ף זֶ֣בַח וְצַלְמֻנָּ֤ע עַתָּה֙ בְּיָדֶ֔ךָ כִּ֥י נִתֵּ֛ן לַאֲנָשֶׁ֥יךָ הַיְּעֵפִ֖ים לָֽחֶם׃
BernfeldEr kam zu den Leuten von Sukkot und sprach: Da sind Sebah und Zalmunna, mit denen ihr mich gehöhnt und spracht: Hast du schon den Fußballen Sebahs und Zalmunnas in deiner Hand, dass wir deiner matten Mannschaft Brot geben sollen?
ZunzUnd er kam zu den Leuten von Sukkot und sprach: Siehe, da ist Sebach und Zalmunna, mit denen ihr mich gehöhnt, und sprachet: Hast du schon den Fußballen Sebach's und Zalmunna's in deiner Hand, daß wir deiner matten Mannschaft Brod geben sollen?
R. BreuerEr kam zu den Männern von Sukkoth und sprach: Da sind nun Sebach und Zalmuna, mit denen ihr mich gehöhnt habt, als ihr sprachet: Hast du jetzt schon den Fußballen Sebachs und Zalmunas in deiner Hand, daß wir deinen müden Leuten Brot geben sollen?
16
וַיִּקַּח֙ אֶת־זִקְנֵ֣י הָעִ֔יר וְאֶת־קוֹצֵ֥י הַמִּדְבָּ֖ר וְאֶת־הַֽבַּרְקֳנִ֑ים וַיֹּ֣דַע בָּהֶ֔ם אֵ֖ת אַנְשֵׁ֥י סֻכּֽוֹת׃
BernfeldEr nahm hierauf die Ältesten der Stadt und die Dornen der Wüste und die Stechdisteln, und züchtigte mit ihnen die Leute von Sukkot.
ZunzUnd er nahm die Aeltesten der Stadt und die Dornen der Wüste, und die Stechdisteln, und züchtigte mit ihnen die Leute von Sukkot.
R. BreuerHierauf nahm er die Ältesten der Stadt und die Dornen der Wüste und die Dreschwagen und züchtigte mit ihnen die Männer von Sukkoth.
17
וְאֶת־מִגְדַּ֥ל פְּנוּאֵ֖ל נָתָ֑ץ וַֽיַּהֲרֹ֖ג אֶת־אַנְשֵׁ֥י הָעִֽיר׃
BernfeldUnd den Turm von Penuel riss er ein, und erschlug die Leute der Stadt.
ZunzUnd den Thurm von Penuel riß er ein, und erschlug die Leute der Stadt.
R. BreuerUnd die Burg von Penuel riß er ein und erschlug die Männer der Stadt.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 17. Gegenüber den Einwohnern von Penuel begnügte sich Gideon nicht, blos ihre Vertreter zu züchtigen. Ihre drakonische Bestrafung war die Folge ihres moralischen Tiefstandes. Wie wir zu V. 8 bemerkt haben, waren es ja die Bewohner von Penuel selbst, die Gideons Gesuch abgelehnt hatten.
18
וַיֹּ֗אמֶר אֶל־זֶ֙בַח֙ וְאֶל־צַלְמֻנָּ֔ע אֵיפֹה֙ הָאֲנָשִׁ֔ים אֲשֶׁ֥ר הֲרַגְתֶּ֖ם בְּתָב֑וֹר וַיֹּֽאמְרוּ֙ כָּמ֣וֹךָ כְמוֹהֶ֔ם אֶחָ֕ד כְּתֹ֖אַר בְּנֵ֥י הַמֶּֽלֶךְ׃
BernfeldEr sprach dann zu Sebah und zu Zalmunna. Wie waren wohl die Männer, die ihr erschlagen in Tabor? und sie erwiderten: Du bist wie sie; einer glich an Gestalt Königssöhnen.
ZunzUnd er sprach zu Sebach und zu Zalmunna: Wer sind wohl die Männer, die ihr erschlagen in Tabor? und sie sprachen: Du bist wie sie; einer glich an Gestalt Königssöhnen.
R. BreuerEr sprach dann zu Sebach und Zalmuna: Wie waren wohl die Männer, die ihr erschlagen habt in Thabor? Sie erwiderten: Du bist wie sie, einer (wie der andere) glichen sie an Gestalt Königssöhnen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 18. Zwischen dem vorigen und diesem Verse ist ein Verhör der beiden midjanitischen Könige durch Gideon zu denken, in dessen Verlauf sich ergab, daß Sebach und Zalmuna persönlich in den Kampf gegen Gideons Heer eingegriffen hatten. Insbesondere mögen sie sich ihrer Heldentaten in Thabor gerühmt haben, sodaß Gideon, aufmerksam geworden, sie fragte, was denn das für Männer gewesen seien, die sie in Thabor erschlagen haben. Vielleicht wußte er schon, daß seine Brüder gefallen waren und erfuhr er jetzt von den beiden Königen, daß sie — ihm ähnlich an königlicher Gestalt — durch ihre Hand getötet worden waren.
אחד. Nach Thargum Jonathan: einer von ihnen glich an Gestalt Königssöhnen. Nach Raschi: der eine war an Gestalt dem andern gleich, sie waren eins in ihrer Gestalt. Wir schlossen uns der Übersetzung Raschi an im Hinblick auf den Plural בני המלך, der uns besser auf alle Brüder zu passen scheint.
19
וַיֹּאמַ֕ר אַחַ֥י בְּנֵֽי־אִמִּ֖י הֵ֑ם חַי־יְהֹוָ֗ה ל֚וּ הַחֲיִתֶ֣ם אוֹתָ֔ם לֹ֥א הָרַ֖גְתִּי אֶתְכֶֽם׃
BernfeldGideon sprach: Das waren meine Brüder, die Söhne meiner Mutter; so wahr der Herr lebt, wenn ihr sie hattet leben lassen, so erschlüge ich euch nicht.
ZunzUnd er sprach: Das waren meine Brüder, die Söhne meiner Mutter; so wahr der Ewige lebt, wenn ihr sie hättet leben lassen, so erschlüge ich euch nicht.
R. BreuerDa sprach er: Das waren meine Brüder, die Söhne meiner Mutter! So wahr Gott lebt, wenn ihr sie hättet leben lassen, so erschlüge ich euch nicht!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 19—21. Ursprünglich beabsichtigte Gideon, zur Strafe des Todes auch noch die Strafe der Demütigung zu gesellen und die beiden ruchlosen Könige durch die Hand eines Knaben, seines Erstgeborenen, sterben zu lassen. Als aber Sebach und Zalmuna an seinen Heldensinn appellierten, war er ritterlich genug, sie, ihrem Wunsche entsprechend, mit seinem Schwerte zu töten.
שהרנים. Kleine Monde, Zierraten, die man den Hälsen der Kamele anhing und die nach Jes. 3, 18 auch von Frauen als Halsschmuck getragen wurden.
20
וַיֹּ֙אמֶר֙ לְיֶ֣תֶר בְּכוֹר֔וֹ ק֖וּם הֲרֹ֣ג אוֹתָ֑ם וְלֹא־שָׁלַ֨ף הַנַּ֤עַר חַרְבּוֹ֙ כִּ֣י יָרֵ֔א כִּ֥י עוֹדֶ֖נּוּ נָֽעַר׃
BernfeldEr sprach darauf zu Jeter, seinem Erstgeborenen: Auf, erschlage sie; aber der Knabe zückte sein Schwert nicht, denn er fürchtete sich, weil er noch jung war.
ZunzUnd er sprach zu Jeter, seinem Erstgeborenen: Auf, erschlage sie; aber der Knabe zückte sein Schwert nicht, denn er fürchtete sich, weil er noch jung war.
R. BreuerEr sprach darauf zu Jether, seinem Erstgeborenen: Auf, erschlage sie! Aber der Knabe zückte sein Schwert nicht, denn er fürchtete sich, weil er noch jung war.
21
וַיֹּ֜אמֶר זֶ֣בַח וְצַלְמֻנָּ֗ע ק֤וּם אַתָּה֙ וּפְגַע־בָּ֔נוּ כִּ֥י כָאִ֖ישׁ גְּבוּרָת֑וֹ וַיָּ֣קׇם גִּדְע֗וֹן וַֽיַּהֲרֹג֙ אֶת־זֶ֣בַח וְאֶת־צַלְמֻנָּ֔ע וַיִּקַּח֙ אֶת־הַשַּׂ֣הֲרֹנִ֔ים אֲשֶׁ֖ר בְּצַוְּארֵ֥י גְמַלֵּיהֶֽם׃ {פ}
BernfeldDa sprachen Sebah und Zalmunna: Erhebe dich selbst und stoße uns nieder, denn wie der Mann, so seine Stärke. Gideon stand auf und erschlug Sebah und Zalmunna und nahm die Monde, die an den Hälsen ihrer Kamele.
ZunzDa sprach Sebach und Zalmunna: Auf, du selbst und stoße uns nieder, denn wie der Mann, so seine Stärke. Und Gideon stand auf, und erschlug Sebach und Zalmunna und nahm die Monde, die an den Hälsen ihrer Kameele.
R. BreuerDa sprachen Sebach und Zalmuna: Erhebe dich selbst und stoße uns nieder, denn wie der Mann, so seine Stärke! Da erhob sich Gideon und erschlug Sebach und Zalmuna und nahm die Monde, die an den Hälsen ihrer Kamele waren.
22
וַיֹּאמְר֤וּ אִֽישׁ־יִשְׂרָאֵל֙ אֶל־גִּדְע֔וֹן מְשָׁל־בָּ֙נוּ֙ גַּם־אַתָּ֔ה גַּם־בִּנְךָ֖ גַּ֣ם בֶּן־בְּנֶ֑ךָ כִּ֥י הוֹשַׁעְתָּ֖נוּ מִיַּ֥ד מִדְיָֽן׃
BernfeldDie Männer von Israel sprachen später zu Gideon: Herrsche über uns, du sowohl als dein Sohn, auch dein Sohnessohn, denn du hast uns gerettet aus der Hand Midjans.
ZunzUnd die Männer von Jisraël sprachen zu Gideon: Herrsche über uns, du sowohl als dein Sohn, auch dein Sohnessohn, denn du hast uns gerettet aus der Hand Midjan's
R. BreuerNun sprachen die Männer von Israel zu Gideon: Herrsche über uns, du sowohl als auch dein Sohn, auch dein Sohnessohn, denn du hast uns gerettet aus der Hand Midjans.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 22—23. Wie „Königssöhne“ (V. 18) waren Gideon und seine Brüder Midjans Königen erschienen. Jetzt, nach der glücklichen Beendigung des Kampfes gegen Midjan, kam ganz Israel zu Gideon und forderte ihn auf, die erbliche Königswürde in Israel zu übernehmen. Gideon aber lehnte ab. Nicht er, nicht sein Sohn, nicht sein Sohnessohn, nur Gott soll Israels König sein. Wie lebhaft ist der Kontrast dieser Ablehnung gegenüber der kaltblütigen Bestrafung, die Gideon soeben an Sebach und Zalmuna vollzogen hatte! Der königliche Held, der so trefflich mit dem Schwerte umzugehen verstand, war doch im Grunde seines Herzens ein von Gott erfüllter Mensch, der sich und sein ganzes Heldentum als ein schwaches Werkzeug in der Hand des Allmächtigen empfand.
23
וַיֹּ֤אמֶר אֲלֵהֶם֙ גִּדְע֔וֹן לֹֽא־אֶמְשֹׁ֤ל אֲנִי֙ בָּכֶ֔ם וְלֹא־יִמְשֹׁ֥ל בְּנִ֖י בָּכֶ֑ם יְהֹוָ֖ה יִמְשֹׁ֥ל בָּכֶֽם׃
BernfeldAber Gideon antwortete ihnen: Ich mag nicht herrschen über euch, und auch mein Sohn soll über euch nicht herrschen; der Herr soll herrschen über euch.
ZunzUnd Gideon sprach zu ihnen: Nicht mag ich herrschen über euch, und nicht soll herrschen mein Sohn über euch. Der Ewige soll herrschen über euch.
R. BreuerAber Gideon antwortete ihnen: Nicht ich will herrschen über euch und nicht mein Sohn soll herrschen über euch, Gott soll herrschen über euch!
24
וַיֹּ֨אמֶר אֲלֵהֶ֜ם גִּדְע֗וֹן אֶשְׁאֲלָ֤ה מִכֶּם֙ שְׁאֵלָ֔ה וּתְנוּ־לִ֕י אִ֖ישׁ נֶ֣זֶם שְׁלָל֑וֹ כִּֽי־נִזְמֵ֤י זָהָב֙ לָהֶ֔ם כִּ֥י יִשְׁמְעֵאלִ֖ים הֵֽם׃
BernfeldGideon sprach weiter zu ihnen: Ich will von euch etwas erbitten, gebet mir jeglicher einen Ring von seiner Beute; denn [die Erschlagenen] hatten goldene Ringe, da sie Ismaeliten waren.
ZunzUnd Gideon sprach weiter zu ihnen: Ich will von euch etwas erbitten, gebet mir ein jeglicher den Ring seiner Beute; denn sie hatten goldene Ringe, weil sie Jischmeélim waren.
R. BreuerGideon sprach zu ihnen: Ich möchte von euch etwas erbitten, gebet mir jeder seine erbeuteten Ringe; denn sie hatten goldene Ringe, da sie Ismaeliten waren.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 24. Ohne den Zweck seiner Bitte anzugeben, erbat Gideon von Israels Männern die Ringe, die sie von den Midjanitern erobert hatten. (להם bezieht sich auf die besiegten Feinde, denen die Ringe abgenommen waren) Erst aus V. 27 erfahren wir den Zweck dieser Ringsammlung, die beim ersten Anblick den Eindruck macht, als ob Gideon nach dem Vorbilde siegreicher Heerführer der Antike ein Vorrecht an der Beute beansprucht habe.
כי ישמעאלים הם. Malbim verweist auf Gen. 37, 28 und folgert aus den Handelsbeziehungen zwischen den Midjanitern und Ismaeliten auf eine Gleichheit ihrer Sitten: beide Völkerschaften pflegten Ringe zu tragen. Dagegen weist מצודת דוד mit Recht darauf hin, daß Midjaniter und Ismaeliten Blutsverwandte waren. Midjan war nach Gen. 25, 2 ein Sohn der Ketura, die nach R. Jehuda im Midrasch Rabba z. St. mit Hagar, der Mutter Ismaels, identisch ist.
25
וַיֹּאמְר֖וּ נָת֣וֹן נִתֵּ֑ן וַֽיִּפְרְשׂוּ֙ אֶת־הַשִּׂמְלָ֔ה וַיַּשְׁלִ֣יכוּ שָׁ֔מָּה אִ֖ישׁ נֶ֥זֶם שְׁלָלֽוֹ׃
Bernfeld[Die Kinder Israel] sprachen: Gern wollen wir dies geben; und sie breiteten das Tuch aus und warfen hinein jeglicher einen Ring von seiner Beute.
ZunzUnd sie sprachen: Gern wollen wir geben; und sie breiteten das Tuch aus und warfen hinein jeglicher den Ring seiner Beute.
R. BreuerDa sprachen sie: Gerne wollen wir dies geben. Sie breiteten das Gewand aus und warfen jeder seine erbeuteten Ringe hinein.
26
וַיְהִ֗י מִשְׁקַ֞ל נִזְמֵ֤י הַזָּהָב֙ אֲשֶׁ֣ר שָׁאָ֔ל אֶ֥לֶף וּשְׁבַע־מֵא֖וֹת זָהָ֑ב לְ֠בַ֠ד מִן־הַשַּׂהֲרֹנִ֨ים וְהַנְּטִיפ֜וֹת וּבִגְדֵ֣י הָאַרְגָּמָ֗ן שֶׁעַל֙ מַלְכֵ֣י מִדְיָ֔ן וּלְבַד֙ מִן־הָ֣עֲנָק֔וֹת אֲשֶׁ֖ר בְּצַוְּארֵ֥י גְמַלֵּיהֶֽם׃
BernfeldEs war das Gewicht der goldenen Ringe, die er erbeten, tausendsiebenhundert [Sekel] Gold, außer den Monden und Ohrgehängen und den Purpurkleidern, die auf den Königen von Midjan, und außer den Halsketten, die an den Hälsen ihrer Kamele.
ZunzUnd es war das Gewicht der goldenen Ringe, die er erbeten, tausend siebenhundert (Schekel) Gold außer den Monden und Ohrgehängen und den Purpurkleidern, die auf den Königen von Midjan, und außer den Halsketten, die an den Hälsen ihrer Kameele.
R. BreuerEs war das Gewicht der goldenen Ringe, die er erbeten hatte, tausendsiebenhundert (Sekel) Gold, außer den Monden und Ohrringen und Purpurgewändern, welche die midjanitischen Könige trugen, und außer den Ketten am Halse ihrer Kamele.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 26. נזם sind Nasenringe, נטיפות Ohrgehänge, Perlen, die gleich Tropfen (von נטף) an den Ohren hängen.
27
וַיַּ֩עַשׂ֩ אוֹת֨וֹ גִדְע֜וֹן לְאֵפ֗וֹד וַיַּצֵּ֨ג אוֹת֤וֹ בְעִירוֹ֙ בְּעׇפְרָ֔ה וַיִּזְנ֧וּ כׇֽל־יִשְׂרָאֵ֛ל אַחֲרָ֖יו שָׁ֑ם וַיְהִ֛י לְגִדְע֥וֹן וּלְבֵית֖וֹ לְמוֹקֵֽשׁ׃
BernfeldGideon machte [das Gold] zu einem Efod [einer Art Orakel] und stellte es auf in seiner Stadt Ofra; und ganz Israel buhlte ihm daselbst nach, und es war dem Gideon und seinem Hause zum Fallstrick.
ZunzUnd Gideon machte es zu einem Efod, und stellte es auf in seiner Stadt in Ofrah, und ganz Jisraél buhlte ihm daselbst nach, und es war dem Gideon und seinem Hause zum Fallstrick.
R. BreuerGideon machte es zu einem Ephod und stellte es auf in seiner Stadt Ofra, und ganz Israel buhlte ihm daselbst nach, und es ward Gideon und seinem Hause zum Fallstrick.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 27. Zum Andenken an den Sieg über Midjan machte Gideon aus den Goldringen ein Ephod. (S. Raschi) Seine Absicht war frei von irgendwelcher Neigung zum Götzentum. Gleichwohl war es ein verhängnisvoller Fehler, daß er dieses Erinnerungs-Goldstück, dieses Andenken, das an den Gottessieg über Midjan erinnern sollte, in seiner Stadt Ofra „aufstellte“. Das Wort ויצג paßt nicht auf ein Kleidungsstück, wie es in seinem ursprünglichen Sinne das Ephod ist. Dieses Wort wird aber hier absichtlich gewählt, um die Schuld Gideons an dem Mißbrauch anzudeuten, den nach seinem Tode (Raschi: לאחר מיתת גדעון) ganz Israel mit diesem Ephod trieb. Wenn auch Gideon bei der Anfertigung dieses Goldstücks so fern jeder heidnischen Verirrung war, als gälte es, ein Stück der hohenpriesterlichen Kleidung, das Ephod, herzustellen, so hätte er es doch nicht wie ein Götzenbild in Ofra „aufstellen“ und damit die kaum erloschenen heidnischen Instinkte seines Volkes wieder aufwecken sollen.
ויזנו. Daß hier wirklich an einen götzentümlichen Mißbrauch mit dem Ephod zu denken ist, geht aus Jeruschalmi Aboda Sara 3, 6 hervor.
28
וַיִּכָּנַ֣ע מִדְיָ֗ן לִפְנֵי֙ בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל וְלֹ֥א יָסְפ֖וּ לָשֵׂ֣את רֹאשָׁ֑ם וַתִּשְׁקֹ֥ט הָאָ֛רֶץ אַרְבָּעִ֥ים שָׁנָ֖ה בִּימֵ֥י גִדְעֽוֹן׃ {פ}
BernfeldDie Midjaniten waren gedemütigt vor den Kindern Israel, sie erhoben nicht weiter ihr Haupt. Das Land hatte Ruhe vierzig Jahre in den Tagen Gideons.
ZunzUnd Midjan war gedemüthigt vor den Kindern Jisraél, und sie erhoben nicht fürder ihr Haupt. Und das Land hatte Ruhe vierzig Jahre in den Tagen Gideon's.
R. BreuerMidjan aber war gedemütigt vor den Kindern Israels, sie erhoben fürderhin nicht mehr ihr Haupt. Das Land hatte Ruhe vierzig Jahre in den Tagen Gideons.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 28. Wie ein bitterer Vorwurf klingt nach dem vorigen Verse die scharfe Betonung, daß in den Tagen Gideons das gedemütigte Midjan die Ruhe des Landes nicht mehr zu stören wagte: Im Glück vergaß Israel gar bald, der Abgötterei verfallend, an den Spender seines Glückes.
29
וַיֵּ֛לֶךְ יְרֻבַּ֥עַל בֶּן־יוֹאָ֖שׁ וַיֵּ֥שֶׁב בְּבֵיתֽוֹ׃
BernfeldJerubbaal Sohn Joas ging dann heim und blieb in seinem Hause.
ZunzUnd Jerubbaal Sohn Joasch ging hin und blieb in seinem Hause.
R. BreuerJerubbaal, Sohn Joas', ging nun heim und blieb in seinem Hause.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 29—32. Die heilige Schrift läßt uns nicht Abschied nehmen von Gideon, ohne uns den Menschen Gideon gezeigt zu haben, nachdem wir Gideon als den Mann des Krieges und als Jerubbaal, als Zertrümmerer heidnischen Unwesens, kennen gelernt haben. Nach den Stürmen des Krieges verbrachte er seinen Lebensabend ruhig im Kreise seiner zahlreichen Familie. Wir, die wir Familienverhältnisse gewohnt sind, die sich unter dem Einfluß des Vielweibereiverbotes des Rabbenu Gerschom gestalten, können uns nur schwer in die Atmosphäre eines Hauses hineindenken, in welchem siebzig Söhne sich um einen Vater und viele Mütter scharen. Und doch kann diese ursprüngliche Gestalt des jüdischen Familienlebens seinem von der Thora gezeichneten Idealbilde nicht widerstreiten, wenn die Helden der Bibel von einem Verbot der Vielehe nichts wußten. Das Verbot des Rabbenu Gerschom war ein Akt tragischer Notwendigkeit, dessen historische Voraussetzungen und Wirkungen bei einem kritischen Urteil über den sittlichen Gehalt der biblischen Urzeit ausgeschaltet werden müssen.
ופילגשו. Dem biblischen Begriff der Nebenfrau haftet nichts Unsittliches an. Es war „ein Verhältnis, in welchem — sei es durch קידושין oder ייחוד, welches unentschieden ist — das sittliche, persönliche Band zwischen Mann und Frau hergestellt ist, d. h.: die Frau ausschließlich dem Manne angehört, aber כתובה, d. h. die bürgerliche Berechtigung in Beziehung auf Vermögen etc. fehlt“. (Komm. Gen. 25, 6)
30
וּלְגִדְע֗וֹן הָיוּ֙ שִׁבְעִ֣ים בָּנִ֔ים יֹצְאֵ֖י יְרֵכ֑וֹ כִּֽי־נָשִׁ֥ים רַבּ֖וֹת הָ֥יוּ לֽוֹ׃
BernfeldGideon aber hatte siebzig Söhne, die aus seiner Hüfte hervorgingen, weil er viele Frauen hatte.
ZunzGideon aber hatte siebenzig Söhne, die aus seiner Hüfte hervorgingen, weil er viele Weiber hatte.
R. BreuerGideon hatte siebzig Söhne, die von ihm abstammten, denn er hatte viele Frauen.
31
וּפִֽילַגְשׁוֹ֙ אֲשֶׁ֣ר בִּשְׁכֶ֔ם יָֽלְדָה־לּ֥וֹ גַם־הִ֖יא בֵּ֑ן וַיָּ֥שֶׂם אֶת־שְׁמ֖וֹ אֲבִימֶֽלֶךְ׃
BernfeldUnd seine Nebenfrau, das in Sichem, gebar ihm auch einen Sohn, und er gab ihm den Namen Abimelech.
ZunzUnd sein Kebsweib, das in Schechem, auch sie gebar ihm einen Sohn und er gab ihm den Namen Abimelech.
R. BreuerAuch seine Nebenfrau in Sichem gebar ihm einen Sohn, und er gab ihm den Namen Abimelech.
32
וַיָּ֛מׇת גִּדְע֥וֹן בֶּן־יוֹאָ֖שׁ בְּשֵׂיבָ֣ה טוֹבָ֑ה וַיִּקָּבֵ֗ר בְּקֶ֙בֶר֙ יוֹאָ֣שׁ אָבִ֔יו בְּעׇפְרָ֖ה אֲבִ֥י הָעֶזְרִֽי׃ {פ}
BernfeldGideon Sohn Joas starb in glücklichem Alter; er wurde begraben im Begräbnisse seines Vaters Joas in Ofra des Abieser.
ZunzUnd Gideon Sohn Joasch starb in glücklichem Alter, und ward begraben im Begräbnisse seines Vaters Joasch in Ofrah von Abieser.
R. BreuerGideon, Sohn Joas', starb in glücklichem Alter; er wurde begraben im Begräbnisse seines Vaters Joas in Ofra des Abieser.
33
וַיְהִ֗י כַּֽאֲשֶׁר֙ מֵ֣ת גִּדְע֔וֹן וַיָּשׁ֙וּבוּ֙ בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל וַיִּזְנ֖וּ אַחֲרֵ֣י הַבְּעָלִ֑ים וַיָּשִׂ֧ימוּ לָהֶ֛ם בַּ֥עַל בְּרִ֖ית לֵאלֹהִֽים׃
BernfeldAls Gideon tot war, buhlten die Kinder Israel wieder dem Baal nach, und machten sich den Baal Berit zum Gotte.
ZunzUnd es geschah, als Gideon todt war, da buhlten die Kinder Jisraël wieder den Baalim nach, und machten sich den Baal Berit zum Gotte.
R. BreuerAls Gideon gestorben war, buhlten die Kinder Israels wieder dem Baal nach und machten sich den Baal-Berith zum Gotte.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 33—35. Wie immer, wenn der Führer dahingegangen war, so fiel Israel auch jetzt nach dem Tode Gideons von Gott ab, um sich im Baal-Berith einem andern Gotte zu unterwerfen. Dieser Abfall von Gott war zunächst eine Treulosigkeit gegen Gott; der sie aus der Hand der Feinde ringsum errettet hatte, aber auch zugleich eine Undankbarkeit gegen Gideon. V. 35 deutet auf das tragische Schicksal der Söhne Gideons hin, von dem weiterhin die Rede sein wird. (Raschi: ולא עשו חסד וגו' שהרגו את בניו (כמו שכתוב בענין) Stillschweigend wird aber damit zugleich auf die Lieblosigkeit hingewiesen, die Gideons Volk gegen Jerubbaal-Gideon an den Tag legte, als es dem Baalskult verfiel, nachdem Gideon kaum gestorben war, der einst als Jerubbaal, als Vernichter und Herausforderer des Baal, Israel seine erste Wohltat erwiesen hatte.
34
וְלֹ֤א זָֽכְרוּ֙ בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל אֶת־יְהֹוָ֖ה אֱלֹהֵיהֶ֑ם הַמַּצִּ֥יל אוֹתָ֛ם מִיַּ֥ד כׇּל־אֹיְבֵיהֶ֖ם מִסָּבִֽיב׃
BernfeldDie Kinder Israel gedachten nicht des Herrn, ihres Gottes der sie gerettet aus der Hand all ihrer Feinde ringsum.
ZunzUnd nicht gedachten die Kinder Jisraël des Ewigen ihres Gottes, der sie gerettet aus der Hand all ihrer Feinde ringsum,
R. BreuerDie Kinder Israels gedachten nicht Gottes, ihres Gottes, der sie gerettet hatte aus der Hand all ihrer Feinde ringsum.
35
וְלֹא־עָשׂ֣וּ חֶ֔סֶד עִם־בֵּ֥ית יְרֻבַּ֖עַל גִּדְע֑וֹן כְּכׇ֨ל־הַטּוֹבָ֔ה אֲשֶׁ֥ר עָשָׂ֖ה עִם־יִשְׂרָאֵֽל׃ {פ}
BernfeldAuch erwiesen sie keine Liebe dem Hause des Jerubbaal-Gideon, nach all dem Guten, das er Israel erwiesen.
ZunzUnd erwiesen keine Liebe dem Hause des Jerubbaal Gideon, nach all dem Guten, das er Jisraël erwiesen.
R. BreuerAuch übten sie keine Liebe gegen das Haus des Jerubbaal-Gideon, nach all dem Guten, das er Israel erwiesen.