1
וַיַּשְׁכֵּ֨ם יְרֻבַּ֜עַל ה֣וּא גִדְע֗וֹן וְכׇל־הָעָם֙ אֲשֶׁ֣ר אִתּ֔וֹ וַֽיַּחֲנ֖וּ עַל־עֵ֣ין חֲרֹ֑ד וּמַחֲנֵ֤ה מִדְיָן֙ הָיָה־ל֣וֹ מִצָּפ֔וֹן מִגִּבְעַ֥ת הַמּוֹרֶ֖ה בָּעֵֽמֶק׃ {ס}
BernfeldJerubbaal, das ist Gideon, machte sich früh auf und das ganze Volk, das bei ihm, und lagerten am Quell Harod, und das Lager Midjans war auf der Nordseite des Hügels More im Tal.
ZunzUnd Jerubbaal, das ist Gideon, machte sich früh auf, und das ganze Volk, das bei ihm, und sie lagerten am Quell Charod, und das Lager Midjan's war ihm auf der Nordseite des Hügels Moreh im Thale.
R. BreuerJerubbaal, das ist Gideon, machte sich früh auf, und das ganze Volk, das bei ihm war, und sie lagerten am Quell Charod, und das Lager Midjans war nördlich vom Hügel, der hinabweist in das Tal.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
Kap. 7. V. 1. ירבעל הוא גדעון. Der Doppelname schaut auf V. 32 des vorigen Kapitels zurück. Derselbe Jerubbaal, dem seine Mitbürger einst die Rache des Baal geweissagt hatten, stand jetzt an der Spitze einer Streitmacht von 32 000 Mann (vgl. weiter V. 3) und war bereit, mit „dem ganzen Volke, das bei ihm war“, die Göttlichkeit seiner Sendung und damit zugleich die Ohnmacht des Baal zu bewahrheiten.
המורה. Entweder der Name des Hügels, an dessen Nordseite das Midjanlager war, oder nach Raschi von ראה abzuleiten (לשון הוראה וראיה) und im Sinne von zeigen, hinweisen zu verstehen.
2
וַיֹּ֤אמֶר יְהֹוָה֙ אֶל־גִּדְע֔וֹן רַ֗ב הָעָם֙ אֲשֶׁ֣ר אִתָּ֔ךְ מִתִּתִּ֥י אֶת־מִדְיָ֖ן בְּיָדָ֑ם פֶּן־יִתְפָּאֵ֨ר עָלַ֤י יִשְׂרָאֵל֙ לֵאמֹ֔ר יָדִ֖י הוֹשִׁ֥יעָה לִּֽי׃
BernfeldDer Herr sprach zu Gideon: Zu viel ist des Volkes, das mit dir, als dass ich Midjan in ihre Hand gäbe; es konnte Israel sich brüsten wider mich und sprechen: Ich habe mir selber geholfen.
ZunzUnd der Ewige sprach zu Gideon: Zu viel ist des Volkes, das mit dir, als daß ich Midjan gebe in ihre Hand, es könnte Jisraël sich brüsten wider mich und sprechen: Meine Hand hat mir geholfen.
R. BreuerGott sprach zu Gideon: Zu viel ist des Volkes, das mit dir ist, als daß ich Midjan in ihre Hand gäbe; es könnte Israel sich mir gegenüber erheben und sprechen: meine Hand ist's, die mir Rettung brachte.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 2. Wie das Gotteswort (Deut. 8, 17) fürchtet, daß Israel einmal sprechen könnte: „meine Kraft und die Mächtigkeit meiner Hand hat mir dieses Vermögen geschaffen“, so sollte auch Gideon im Augenblick, wo er nach anfänglichem Zaudern siegesbewußt das ihm von Gott anbefohlene Rettungswerk begann, vor der Gefahr des Stolzes auf seine und seines Volkes Heldentüchtigkeit bewahrt werden. Nicht sollten sie künftighin rückschauend auf die kriegerischen Leistungen der 30000 den Sieg dem Vollbringen ihrer Hand zuschreiben. „Denn nicht mit ihrem Schwerte haben sie Land erobert, ihr Arm hat ihnen nicht geholfen, sondern deine Rechte und dein Arm und das Licht deines Angesichts, weil du deinen Willen an ihnen fandest.“ (Ps. 44, 4).
3
וְעַתָּ֗ה קְרָ֨א נָ֜א בְּאׇזְנֵ֤י הָעָם֙ לֵאמֹ֔ר מִֽי־יָרֵ֣א וְחָרֵ֔ד יָשֹׁ֥ב וְיִצְפֹּ֖ר מֵהַ֣ר הַגִּלְעָ֑ד וַיָּ֣שׇׁב מִן־הָעָ֗ם עֶשְׂרִ֤ים וּשְׁנַ֙יִם֙ אֶ֔לֶף וַעֲשֶׂ֥רֶת אֲלָפִ֖ים נִשְׁאָֽרוּ׃ {ס}
BernfeldUnd nun mache dem Volke also bekannt: Wer furchtsam und zaghaft ist, kehre um und biege ab vom Berge Gilead. Es kehrten zurück vom Volke zwei und zwanzig tausend, und zehntausend blieben.
ZunzUnd nun rufe vor den Ohren des Volkes also: Wer furchtsam und unruhig ist, kehre um und mache einen Bogen vom Berge Gilead aus. Und es kehrten zurück vom Volke zwei und zwanzig tausend, und zehntausend blieben.
R. BreuerSo rufe denn vor den Ohren des Volkes also: Wer furchtsam und zaghaft ist, kehre um und biege ab vom Berge Gilead. Es kehrten zurück vom Volke 22000, und 10000 blieben.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 3. Auch wenn dieser Gottesbefehl nicht ergangen wäre, hätte es Gideon zweifellos nicht unterlassen, im Sinne von Deut. 20, 8 vorzugehen und bekannt zu geben: „Ist wo ein Mann, der sich fürchtet und schwachherzig ist, der gehe und kehre nach Hause und mache nicht das Herz seiner Brüder feig, wie das seine.“ Der Gottesbefehl an Gideon ging aber über das von der Thora allgemein Verlangte insofern hinaus, als hier auch Solche veranlaßt werden sollten, sich zu entfernen, die der allgemein üblichen Aufforderung an die Feigen und Schwachherzigen vielleicht nicht entsprochen hätten, um eben nicht als feig und schwachherzig zu gelten. Darauf deutet vor allem das Wort ויצפר hin. צפר, im Kreise gehen, sich wenden, kehren, wird hier von Raschi (בבקר לשון ארמי צפרא) im Sinne einer zarten Andeutung verstanden, wonach diejenigen, die sich entfernen wollten, hierzu die frühe Morgenstunde benutzen sollten, die Zeit, wo ihre heldenmütigen Kameraden noch schliefen, um von ihnen nicht, wenn sie sich fortschlichen, als „Drückeberger“ verhöhnt zu werden. Vielleicht dürfte aber auch bei dieser Auffassung des ויצפר auf das rätselhaft dunkle מהר הגלעד ein Lichtschein fallen. Der jenseits des Jardens liegende Berg Gilead paßt geographisch in diesen Vers nicht hinein. Es mag aber sein, daß die 22000 zunächst als geschlossener Heereskörper zum Berge Gilead, wie zu einer militärischen Expedition, marschieren und erst dort — um so auch das Ehrgefühl der sich freiwillig Demobilisierenden zu schonen — sich auflösen und nach Hause gehen sollten.
4
וַיֹּ֨אמֶר יְהֹוָ֜ה אֶל־גִּדְע֗וֹן עוֹד֮ הָעָ֣ם רָב֒ הוֹרֵ֤ד אוֹתָם֙ אֶל־הַמַּ֔יִם וְאֶצְרְפֶ֥נּוּ לְךָ֖ שָׁ֑ם וְהָיָ֡ה אֲשֶׁר֩ אֹמַ֨ר אֵלֶ֜יךָ זֶ֣ה ׀ יֵלֵ֣ךְ אִתָּ֗ךְ ה֚וּא יֵלֵ֣ךְ אִתָּ֔ךְ וְכֹ֨ל אֲשֶׁר־אֹמַ֜ר אֵלֶ֗יךָ זֶ֚ה לֹא־יֵלֵ֣ךְ עִמָּ֔ךְ ה֖וּא לֹ֥א יֵלֵֽךְ׃
BernfeldDer Herr sprach zu Gideon: Noch immer ist des Volkes zu viel, führe sie hinab an das Wasser und ich will es dir dort ausmustern, und von Dem ich dir sagen werde: Dieser wird mit dir gehen, der soll mit dir gehen; und jeder, von dem ich dir sagen werde: Dieser wird nicht mit dir gehen, der soll nicht gehen.
ZunzUnd der Ewige sprach zu Gideon: Noch ist des Volkes zu viel, führe sie hinab an das Wasser und ich will es dir dort ausmustern, und es soll geschehen, von wem ich dir sagen werde: Dieser wird mit dir gehen, der soll mit dir gehen; und Jeder, von dem ich dir sagen werde: Dieser wird nicht mit dir gehen, der soll nicht gehen.
R. BreuerGott sprach zu Gideon: Noch immer ist des Volkes zu viel, führe sie hinab an das Wasser und ich will es dir dort ausmustern, und von dem ich dir sagen werde, dieser möge mit dir gehen, der soll mit dir gehen, und jeder, von dem ich dir sagen werde, er möge nicht mit dir gehen, soll nicht gehen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 4. ואצרפנו. Von צרף sichten, läutern. Vgl. Ps. 66, 10.
הוא ילך אתך — הוא לא ילך. Im Nachsatz heißt es nicht, dem Vordersatz entsprechend, הוא לא ילך אתך, sondern הוא לא ילך: wer von Gott bestimmt sein wird, nicht mitzugehen, wird nicht nur nicht mit Gideon, sondern überhaupt nicht gehen. Nach dem Ausmusterungsverfahren, das im folgenden Verse vorgeschrieben wird, war zu befürchten, daß unter den Ausgeschiedenen, die ja nicht auf Grund ihrer geringeren militärischen Tüchtigkeit fortgeschickt wurden, manche oder gar viele sein könnten, die sich nicht so ohne weiteres fortschicken ließen, vielmehr versuchen würden, auf eigene Faust vorzugehen, vielleicht sogar störend in die Kriegshandlung einzugreifen. Darum wohl wird hier Gideon gesagt: wer nicht mit dir gehen wird, wird überhaupt nicht gehen. Es muß und wird dafür gesorgt werden, daß die Ausgeschiedenen sich gänzlich entfernen.
5
וַיּ֥וֹרֶד אֶת־הָעָ֖ם אֶל־הַמָּ֑יִם וַיֹּ֨אמֶר יְהֹוָ֜ה אֶל־גִּדְע֗וֹן כֹּ֣ל אֲשֶׁר־יָלֹק֩ בִּלְשׁוֹנ֨וֹ מִן־הַמַּ֜יִם כַּאֲשֶׁ֧ר יָלֹ֣ק הַכֶּ֗לֶב תַּצִּ֤יג אוֹתוֹ֙ לְבָ֔ד וְכֹ֛ל אֲשֶׁר־יִכְרַ֥ע עַל־בִּרְכָּ֖יו לִשְׁתּֽוֹת׃
BernfeldEr führte das Volk an das Wasser hinab, und der Herr sprach zu Gideon: Jeder, der mit seiner Zunge von dem Wasser mit der Hand, leckt, den stelle besonders, so auch jeden, der auf seinen Knien kauert, um zu trinken.
ZunzUnd er führte das Volk an das Wasser hinab, und der Ewige sprach zu Gideon: Jeder, der mit seiner Zunge von dem Wasser leckt, wie der Hund leckt, den stelle besonders, so auch jeden, der auf seinen Knien kauert um zu trinken.
R. BreuerEr führte das Volk an das Wasser hinab, da sprach Gott zu Gideon: Jeder der mit seiner Zunge von dem Wasser leckt, wie die Hunde lecken, den sollst du besonders stellen, und ebenso jeden, der sich auf seine Kniee niederläßt, um zu trinken.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 5—7. Sage mir, wie du aus einer Quelle ohne Trinkgefäß Wasser schlürfst, so sage ich dir, wer du bist. Gideon sollte keinen ästhetischen Maßstab anlegen. Denn schwer ist's, festzustellen, was ästhetischer wirkt, auf den Knien zu kauern und das Wasser unmittelbar an der Quelle einzuschlürfen oder aufrecht zu stehen und aus der hohlen Hand das Wasser nach Art der Hunde zu lecken. Maßgebend sollte vielmehr die Erwägung sein, daß diejenigen, die ohne Bedenken sich auf die Knie niederließen, הם למודים לכרוע לפני עבודת גלולים (Raschi) sicherlich gewohnt waren, vor Götzen niederzuknien und darum als untauglich für den heiligen Kampf ausgeschieden werden sollten. Ein gutes Stück jüdischer Volksseelenkunde liegt in dieser Erwägung. Noch heute wird beim jüdischen Gottesdienst nur am Neujahrs- und Versöhnungsfest gekniet. Noch heute mag das Knien als instinktive Gewöhnung für den Charakter des Knieenden ebenso symptomatisch sein, wie das viel beobachtete Schauspiel, daß Juden, die sich längst dem jüdischen Ritual entfremdet haben, bevor sie ihre Trefo-Mahlzeit beginnen, gewohnheitsmäßig — ein Stückchen Brot genießen, für die Unzerstörbarkeit des jüdischen Instinktlebens zeugt.
6
וַיְהִ֗י מִסְפַּ֞ר הַֽמְלַקְקִ֤ים בְּיָדָם֙ אֶל־פִּיהֶ֔ם שְׁלֹ֥שׁ מֵא֖וֹת אִ֑ישׁ וְכֹל֙ יֶ֣תֶר הָעָ֔ם כָּרְע֥וּ עַל־בִּרְכֵיהֶ֖ם לִשְׁתּ֥וֹת מָֽיִם׃ {ס}
BernfeldEs war die Zahl derer, welche leckten aus ihrer Hand in den Mund, dreihundert Mann, und der ganze Rest des Volkes kauerte auf seinen Knien, um Wasser zu trinken.
ZunzUnd es war die Zahl derer, welche leckten aus ihrer Hand in den Mund, dreihundert Mann, und der ganze Rest des Volkes kauerte auf seinen Knien, um Wasser zu trinken.
R. BreuerDa war die Zahl derer, die aus ihrer Hand in den Mund leckten, dreihundert Mann, alles übrige Volk hatte sich auf die Kniee niedergelassen, um Wasser zu trinken.
7
וַיֹּ֨אמֶר יְהֹוָ֜ה אֶל־גִּדְע֗וֹן בִּשְׁלֹשׁ֩ מֵא֨וֹת הָאִ֤ישׁ הַֽמְלַקְקִים֙ אוֹשִׁ֣יעַ אֶתְכֶ֔ם וְנָתַתִּ֥י אֶת־מִדְיָ֖ן בְּיָדֶ֑ךָ וְכׇ֨ל־הָעָ֔ם יֵלְכ֖וּ אִ֥ישׁ לִמְקֹמֽוֹ׃
BernfeldDer Herr sprach zu Gideon: Mit den dreihundert Mann, die aufleckten, werde ich euch helfen und Midjan in deine Hand geben; all das [übrige] Volk kehre heim.
ZunzUnd der Ewige sprach zu Gideon: Mit den dreihundert Mann, die aufleckten, werd ich euch helfen, und Midjan in deine Hand geben, und all das (übrige) Volk gehe jeglicher nach seinem Orte.
R. BreuerDa sprach Gott zu Gideon: mit den dreihundert Mann, die geleckt haben, will ich euch erretten und Midjan in deine Hand geben, das ganze (übrige) Volk aber kehre heim.
8
וַיִּקְח֣וּ אֶת־צֵדָה֩ הָעָ֨ם בְּיָדָ֜ם וְאֵ֣ת שׁוֹפְרֹֽתֵיהֶ֗ם וְאֵ֨ת כׇּל־אִ֤ישׁ יִשְׂרָאֵל֙ שִׁלַּח֙ אִ֣ישׁ לְאֹֽהָלָ֔יו וּבִשְׁלֹשׁ־מֵא֥וֹת הָאִ֖ישׁ הֶחֱזִ֑יק וּמַחֲנֵ֣ה מִדְיָ֔ן הָ֥יָה ל֖וֹ מִתַּ֥חַת בָּעֵֽמֶק׃ {פ}
BernfeldSie nahmen den Mundvorrat des [heimkehrenden] Volkes mit sich und ihre Posaunen, die anderen Männer Israels entließ er, jeglichen in seine Zelte, nur die dreihundert Mann behielt er. Das Lager Midjans lag vor ihm unten im Tal.
ZunzUnd sie nahmen den Mundvorrath des Volkes mit sich, und ihre Posaunen, und all die Männer Jisraël's entließ er, Jeglichen in seine Zelte, aber die dreihundert Mann behielt er, und das Lager Midjan's lag ihm zu unterst im Thale.
R. BreuerSie nahmen den Mundvorrat des Volkes mit sich und ihre Posaunen, und alle Männer Israels entließ er, einen jeden in seine Zelte, nur die dreihundert Mann behielt er. Das Lager Midjans lag vor ihm unten im Tale.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 8. Der Mundvorrat und die Posaunen der Abziehenden — העם bezieht sich zurück auf וכל העם im vorigen Verse — ging in den Besitz der bei Gideon Bleibenden über. Mag es auch ein beschwerliches Unternehmen der 300 gewesen sein, neben dem eigenen auch noch den Mundvorrat der 700 sich aufzuladen, so wußten sie doch wohl, was im Krieg für den Erfolg einer Kampfhandlung ein reichlicher Proviant bedeutet. Wohl war es der göttliche Lenker der Schlachten, der die Herabminderung des Heeres auf 300 Mann gefordert hatte. Aber wer möchte es diesem Häuflein nicht nachfühlen, wenn es mit stillem Zagen in den Kampf zog und von den abziehenden Kameraden wenigstens den Mundvorrat und die Posaunen (die ja auch zu den Werkzeugen des Kampfes zählten, s. weiter V. 18) zurückbehielt. War ja selbst Gideon nicht frei von Angst, (s. weiter V. 10 f.) und als die Entlassenen, die nach ihrer heidnischen Gewohnheit des Kniens zu urteilen, als Heidenrebellen nicht gerade die Feigsten gewesen sein mochten, fortgingen, da war es Gideon, als ob ihn כל איש ישראל die gesamte wehrhafte Mannschaft Israels verließe in einem Augenblick, wo „das Lager Midjans vor ihm unten im Tale lag.“ — Erst bei dieser Auffassung des Verses scheint uns das ואת כל איש ישראל שלח וכו' verständlich zu sein.
9
וַֽיְהִי֙ בַּלַּ֣יְלָה הַה֔וּא וַיֹּ֤אמֶר אֵלָיו֙ יְהֹוָ֔ה ק֖וּם רֵ֣ד בַּֽמַּחֲנֶ֑ה כִּ֥י נְתַתִּ֖יו בְּיָדֶֽךָ׃
BernfeldIn jener Nacht sprach der Herr zu ihm: Auf, gehe hinab in das Lager, denn ich habe es in deine Hand gegeben.
ZunzUnd es geschah in derselbigen Nacht, da sprach der Ewige zu ihm: Auf, gehe hinab in das Lager, denn ich habe es in deine Hand gegeben.
R. BreuerEs war in jener Nacht, da sprach Gott zu ihm: Auf, gehe hinab in das Lager, denn ich habe es in deine Hand gegeben.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 9—12. אל המחנה — במחנה. Gott stellte es Gideon frei, entweder sofort mit den 300 Mann zum Kampfe in's Lager, oder, wenn er sich fürchte, erst allein mit seinem Waffenträger Pura (Knabe ist hier wohl im Sinne von Knappe zu verstehen) zum Zweck des Lauschens und Forschens zum Lager, d. h. in die Nähe des Lagers zu gehen.
תחזקנה ידיך. Deine Hände werden stark sein, du wirst Mut fassen (vgl. Sam. II. 2, 7; 16, 21), nachdem du die Stimmung im Lager erkundet hast, במחנה, in's Lager zum Kampfe hinabzusteigen.
אל קצה החמשים. Zum Zweck des Horchens brauchte er sich bloß an das Ende, an den Saum des feindlichen Lagers (אל המחנה) zu begeben.
נפלים. Vgl. על פני כל אחיו נפל Gen. 25, 18 und Komm. das.: „נפל irgendwo hinkommen, wohin man nicht gehört . . so נפילים wie vom Himmel Gefallene. Also hier von Völkerscharen, die ihre Wohnplätze wählen, wo es ihnen beliebt, „wie dahin geschneit“. Dementsprechend kommt hier in dem Worte נפלים die stille Wut zum Ausdruck, die Gideon erfüllt haben mochte, als er die fremden Eindringlinge im Tale sich breit machen sah.
10
וְאִם־יָרֵ֥א אַתָּ֖ה לָרֶ֑דֶת רֵ֥ד אַתָּ֛ה וּפֻרָ֥ה נַעַרְךָ֖ אֶל־הַֽמַּחֲנֶֽה׃
BernfeldWenn du dich aber fürchtest hinabzugehen, so gehe du und dein Knabe Pura [nachts] hinab in das Lager.
ZunzUnd wenn du furchtsam bist hinabzugehen, geh du und dein Knabe Purah hinab in das Lager.
R. BreuerFürchtest du dich aber hinabzugehen, so gehe du und dein Knabe Pura hinab in das Lager.
11
וְשָֽׁמַעְתָּ֙ מַה־יְדַבֵּ֔רוּ וְאַחַר֙ תֶּחֱזַ֣קְנָה יָדֶ֔יךָ וְיָרַדְתָּ֖ בַּֽמַּחֲנֶ֑ה וַיֵּ֤רֶד הוּא֙ וּפֻרָ֣ה נַעֲר֔וֹ אֶל־קְצֵ֥ה הַחֲמֻשִׁ֖ים אֲשֶׁ֥ר בַּֽמַּחֲנֶֽה׃
BernfeldUnd du wirst hören, was sie reden, und dann werden deine Hände stark werden [wirst du Mut bekommen] und du wirst hinabgehen ins Lager. [Gideon] ging hinab, er und Pura, sein Knabe, bis an die Seite der Gerüsteten im Lager.
ZunzUnd du wirst hören, was sie reden und dann werden deine Hände stark werden, und du wirst hinabgehen in das Lager. Und er ging hinab, er und Purah, sein Knabe, bis an die Seite der Gerüsteten im Lager.
R. BreuerUnd du wirst hören, was sie reden, und dann werden deine Hände stark werden, und du wirst hinabgehen in das Lager. Da ging er hinab, er und Pura, sein Knabe, bis an das Ende der Gerüsteten im Lager.
12
וּמִדְיָ֨ן וַעֲמָלֵ֤ק וְכׇל־בְּנֵי־קֶ֙דֶם֙ נֹפְלִ֣ים בָּעֵ֔מֶק כָּאַרְבֶּ֖ה לָרֹ֑ב וְלִגְמַלֵּיהֶם֙ אֵ֣ין מִסְפָּ֔ר כַּח֛וֹל שֶׁעַל־שְׂפַ֥ת הַיָּ֖ם לָרֹֽב׃
BernfeldMidjan und Amalek und alle Söhne des Morgenlandes lagen im Tale, wie die Heuschrecken an Menge, und ihrer Kamele war keine Zahl, wie der Sand, der am Meeresufer an Menge.
ZunzUnd Midjan und Amalek und alle Söhne des Morgenlandes lagen im Thale, wie die Heuschrecken an Menge, und ihrer Kameele war keine Zahl, wie der Sand der am Meeresufer, an Menge.
R. BreuerMidjan und Amalek und alle Söhne des Morgenlandes lagen im Tale, wie die Heuschrecken an Menge und ihrer Kamele war keine Zahl, wie der Sand am Ufer des Meeres an Menge.
13
וַיָּבֹ֣א גִדְע֔וֹן וְהִ֨נֵּה־אִ֔ישׁ מְסַפֵּ֥ר לְרֵעֵ֖הוּ חֲל֑וֹם וַיֹּ֜אמֶר הִנֵּ֧ה חֲל֣וֹם חָלַ֗מְתִּי וְהִנֵּ֨ה צְלִ֜יל לֶ֤חֶם שְׂעֹרִים֙ מִתְהַפֵּךְ֙ בְּמַחֲנֵ֣ה מִדְיָ֔ן וַיָּבֹ֣א עַד־הָ֠אֹ֠הֶל וַיַּכֵּ֧הוּ וַיִּפֹּ֛ל וַיַּהַפְכֵ֥הוּ לְמַ֖עְלָה וְנָפַ֥ל הָאֹֽהֶל׃
BernfeldGideon kam und [hörte], wie ein Mann einem andern einen Traum erzählte und sprach: Ich habe geträumt, eine Scheibe Gerstenbrot rollte durch das Lager Midjans hin und kam an das Zelt und stieß daran, dass es fiel, und sie kehrte es um [das unterste] nach oben, und das Zelt fiel ein.
ZunzUnd Gideon kam und siehe, ein Mann erzählte einem Andern einen Traum und sprach: Siehe, einen Traum habe ich geträumt, und siehe, eine Scheibe Gerstenbrod rollte durch das Lager Midjan's hin, und kam an das Zelt und stieß daran, daß es fiel, und sie kehrte es um (das unterste) zu oberst, und das Zelt fiel ein.
R. BreuerGideon kam, da erzählte gerade ein Mann seinem Genossen einen Traum und er sprach: Ich habe da einen Traum geträumt, ein geröstetes Gerstenbrot rolle durch das Lager Midjans hin — es kam an das Zelt, stieß daran, daß es fiel, es kehrte es nach oben um, und das Zelt fiel ein.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 13—14. Die Feinde wußten, daß sie Gideon an Zahl und äußerer Macht überlegen waren. Dennoch war ihnen bang vor dem Kampfe mit einem Gegner, dem Gott schon oft beigestanden hatte. Und diese Angst drückte sich hier in dem seltsamen Traume vom rollenden, zeltumstoßenden Gerstenbrote aus. Die Feinde waren gewohnt, in Israels Land einzufallen und die Ernte dieses Landes zu rauben. Und nun kam ein Gerstenbrot und stieß ein midjanitisches Lagerzelt um. Die Landesfrucht selbst lehnte sich gegen den Landesfeind auf. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Das war nichts anderes als eine symbolische Vorausverkündigung des Sieges, den Gideons Schwert erringen sollte.
צליל. Raschi: צלול כתיב שהיה הדור צלול מן הצדיקים. Diese Bemerkung wird erst im Zusammenhang mit Raschis weiterer Bemerkung zu לחם שערים verständlich: הוא זכות העומר הקרב בפסח. Beide Bemerkungen sind dem מדרש רבה zu אמור (פרשה כח) entnommen: מהו צליל לחם שעורים רבנן אמרי על שצלל עליהם אותו הדור מן הצדיקים ובזכות מה ניצולו בזכות לחם שעורים ואיזו זו מצות העומר. Durch die Schreibweise צלול soll das besondere Verdienst angedeutet werden, um dessentwillen Israel damals gerettet wurde, es war die Erfüllung des Omergebotes. Mystische Angst des midjanitischen Kriegers vor Gideon beruhte ja auf dem eigentümlichen Verhältnis Israels zu Gott, der die Schlachten zu Gunsten Israels lenkte, wenn Israel dem Gottesgesetze treu war. Daher wird die Ursache des bevorstehenden Sieges in der Geschichte des Traumes, der ihm vorausging, angedeutet.
ונפל — ויפל. Zuerst wankte das Zelt, dann brach es, in die Höhe geschleudert, völlig zusammen.
איש ישראל. „כולם אנשים, sie waren alle „Männer“, individuell tüchtig und ausgezeichnet . . . So nannten die Midjaniter Gideon איש ישראל . . .“ (Komm. Num. 13, 3).
14
וַיַּ֨עַן רֵעֵ֤הוּ וַיֹּ֙אמֶר֙ אֵ֣ין זֹ֔את בִּלְתִּ֗י אִם־חֶ֛רֶב גִּדְע֥וֹן בֶּן־יוֹאָ֖שׁ אִ֣ישׁ יִשְׂרָאֵ֑ל נָתַ֤ן הָאֱלֹהִים֙ בְּיָד֔וֹ אֶת־מִדְיָ֖ן וְאֶת־כׇּל־הַֽמַּחֲנֶֽה׃ {פ}
BernfeldDa antwortete der andere und sprach: Das ist nichts anders als das Schwert Gideons, Sohnes Joas, des Mannes von Israel Gott hat in seine Hand Midjan und das ganze Lager gegeben.
ZunzDa antwortete der Andere und sprach: Das ist nichts anders als das Schwert Gideons, Sohnes Joasch, des Mannes von Jisraël; gegeben hat Gott in seine Hand Midjan und das ganze Lager.
R. BreuerDa antwortete sein Genosse und sprach: Das ist nichts anderes als das Schwert Gideons, des Sohnes Joas', des Mannes von Israel. Gott hat in seine Hand Midjan und das ganze Lager gegeben.
15
וַיְהִי֩ כִשְׁמֹ֨עַ גִּדְע֜וֹן אֶת־מִסְפַּ֧ר הַחֲל֛וֹם וְאֶת־שִׁבְר֖וֹ וַיִּשְׁתָּ֑חוּ וַיָּ֙שׇׁב֙ אֶל־מַחֲנֵ֣ה יִשְׂרָאֵ֔ל וַיֹּ֣אמֶר ק֔וּמוּ כִּֽי־נָתַ֧ן יְהֹוָ֛ה בְּיֶדְכֶ֖ם אֶת־מַחֲנֵ֥ה מִדְיָֽן׃
BernfeldWie Gideon die Erzählung des Traumes und seine Auslegung hörte, bückte er sich und kehrte zurück in das Lager Israels und sprach: Auf, denn der Herr hat in eure Hand das Lager Midjans gegeben.
ZunzUnd wie Gideon hörte die Erzählung des Traumes und seine Auslegung, bückte er sich und kehrte zurück in das Lager Jisraël's, und sprach: Auf! denn gegeben hat der Ewige in euere Hand das Lager Midjan's.
R. BreuerAls Gideon nun die Erzählung des Traumes und seine Deutung gehört hatte, warf er sich nieder, kehrte in das Lager Israels zurück und sprach: Auf, denn Gott hat in eure Hand das Lager Midjans gegeben!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 15. Erst nachdem Gideon durch ein persönliches Erlebnis die Gewißheit des Sieges erlangt hatte, gab er seiner Bereitschaft, nunmehr fest und unbeirrt dem göttlichen Auftrag zu entsprechen, durch demütiges Sichhinwerfen vor Gott Ausdruck. Man sollte meinen, daß jemand, der unmittelbar von Gott die Zusicherung des Sieges erhalten hatte, nicht erst aus einer Traumerzählung und -Deutung eine Bekräftigung dieser Zusage zu erhalten brauchte. Allein gerade dieses so menschlich, so allzumenschlich anmutende Zagen und Zögern eines Gideon wie eines Moses schützt sie und uns vor der Gefahr einer Heldenvergötterung, die bei unseren Helden umso bedrohlicher ist [?] je inniger das Verhältnis war, in welchem sie zur Gottheit standen.
שברו. Raschi leitet dieses Wort von שבר verkaufen ab: [?] את ממכרו כלומר ואת פתרונו. Im מצודת ציון wird dieses Wort von שבר zerbrechen abgeleitet: durch die Deutung wird der Traum aufgelöst, aufgebrochen. Die beiden Erklärungen ergänzen sich, denn „שבר seiner Grundbedeutung nach Brechen, Zerbrechen scheint das Detaillieren, den Detail-Ein- und Verkauf zu bedeuten“. (Komm. Gen. 41, 56).
16
וַיַּ֛חַץ אֶת־שְׁלֹשׁ־מֵא֥וֹת הָאִ֖ישׁ שְׁלֹשָׁ֣ה רָאשִׁ֑ים וַיִּתֵּ֨ן שׁוֹפָר֤וֹת בְּיַד־כֻּלָּם֙ וְכַדִּ֣ים רֵיקִ֔ים וְלַפִּדִ֖ים בְּת֥וֹךְ הַכַּדִּֽים׃
BernfeldEr teilte die dreihundert Mann in drei Haufen und gab allen Posaunen in die Hand und leere Krüge und Fackeln in den Krügen.
ZunzUnd er theilte die dreihundert Mann in drei Haufen, und gab allen Posaunen in die Hand und leere Krüge und Fackeln in den Krügen.
R. BreuerEr teilte die dreihundert Mann in drei Abteilungen und gab ihnen allen Posaunen und leere Krüge in die Hand, in den Krügen aber waren Fackeln.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 16—18. Die Fackeln dienten zur Beleuchtung während der Nacht [?] die Krüge, in denen die Fackeln waren, zur Abblendung ihres Lichtes. Zu den Fackeln gesellten sich die Posaunen, um durch שופרות ולפדים an [?] מתן תורה zu erinnern. (Raschi) War ja die ganze Expedition von der [?] des besonderen Verhältnisses getragen, das zwischen Gott und Israel besteht, solange Israel seinem Gottesvolksberufe die Treue bewahrt.
Während die Posaunen erschallten, sollten alle rufen: Für Gott und Gideon! Bei aller völligen Hingabe an Gott sollten sie an die ihrem ober[?] Kriegsherrn schuldige Treue nicht vergessen. Das Übernatürliche, Göttliche kann des Natürlichen, Menschlichen nicht entraten, um sich im Irdischen auszuwirken.
17
וַיֹּ֣אמֶר אֲלֵיהֶ֔ם מִמֶּ֥נִּי תִרְא֖וּ וְכֵ֣ן תַּעֲשׂ֑וּ וְהִנֵּ֨ה אָנֹכִ֥י בָא֙ בִּקְצֵ֣ה הַֽמַּחֲנֶ֔ה וְהָיָ֥ה כַאֲשֶׁר־אֶעֱשֶׂ֖ה כֵּ֥ן תַּעֲשֽׂוּן׃
BernfeldEr sprach zu ihnen: Mir sehet alles ab und tut ebenso. Ich gehe an das Ende des Lagers, was ich tue, tut auch ihr.
ZunzUnd er sprach zu ihnen: Mir sehet es ab und thut ebenso. Siehe, wie ich gehe an das Ende des Lagers, so geschehe, daß wie ich thue, so ihr thut.
R. BreuerEr sprach zu ihnen: von mir sehet es ab und macht es ebenso; ich gehe an das Ende des Lagers, was ich tue, tut auch ihr.
18
וְתָֽקַעְתִּי֙ בַּשּׁוֹפָ֔ר אָנֹכִ֖י וְכׇל־אֲשֶׁ֣ר אִתִּ֑י וּתְקַעְתֶּ֨ם בַּשּׁוֹפָר֜וֹת גַּם־אַתֶּ֗ם סְבִיבוֹת֙ כׇּל־הַֽמַּחֲנֶ֔ה וַאֲמַרְתֶּ֖ם לַיהֹוָ֥ה וּלְגִדְעֽוֹן׃ {פ}
BernfeldIch werde in die Posaune stoßen, ich und alle die mit mir, stoßet auch ihr dann in die Posaunen rings um das ganze Lager, und rufet: Für den Herrn und Gideon!
ZunzUnd ich werde in die Posaune stoßen, ich und alle die mit mir, und stoßet dann auch ihr in die Posaunen rings um das ganze Lager, und sprechet: Für den Ewigen und Gideon!
R. BreuerIch werde in die Posaune stoßen, ich und alle, die mit mir, stoßet auch ihr dann in die Posaunen rings um das ganze Lager, und rufet: Für Gott und Gideon!
19
וַיָּבֹ֣א גִ֠דְע֠וֹן וּמֵאָה־אִ֨ישׁ אֲשֶׁר־אִתּ֜וֹ בִּקְצֵ֣ה הַֽמַּחֲנֶ֗ה רֹ֚אשׁ הָאַשְׁמֹ֣רֶת הַתִּיכוֹנָ֔ה אַ֛ךְ הָקֵ֥ם הֵקִ֖ימוּ אֶת־הַשֹּׁמְרִ֑ים וַֽיִּתְקְעוּ֙ בַּשּׁ֣וֹפָר֔וֹת וְנָפ֥וֹץ הַכַּדִּ֖ים אֲשֶׁ֥ר בְּיָדָֽם׃
BernfeldGideon kam mit den hundert Mann, die bei ihm, an das Ende des Lagers, beim Anbeginn der mittleren Nachtwache, sie hatten eben die Wächter aufgestellt; sie stießen in die Posaunen und zerschlugen die Krüge, die in ihrer Hand.
ZunzUnd Gideon kam und die hundert Mann, die bei ihm, an das Ende des Lagers, beim Anbeginn der mittelsten Nachtwache, sie hatten eben die Wächter aufgestellt, und sie stießsen in die Posaunen und zerschlugen die Krüge, die in ihrer Hand.
R. BreuerGideon kam mit den dreihundert Mann, die bei ihm waren, an das Ende des Lagers, beim Anbeginn der mittleren Nachtwache — sie hatten eben die Wächter aufgestellt — sie stießen in die Posaunen und zerschlugen die Krüge, die in ihrer Hand waren.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 19—22. Gideon näherte sich mit hundert Mann dem feindlichen Lager zu Beginn der mittleren Nachtwache (über die Einteilung der Nacht in drei bezw. vier Nachtwachen vgl. Berachoth 3), zu einer Zeit, wo das feindliche Heer sich keines Angriffs versehen mochte. Nur um ganz sicher zu gehen (dies liegt wohl in dem אך in V. 19), hatten sie Wächter hinausgestellt in die Nacht, um etwaige gefahrbringende Anzeichen zu erspähen. Im Augenblick, wo Gideon und seine Begleiter an das Lager herangekommen waren, bliesen sie in die Posaunen und zerschlugen die Krüge, die jetzt überflüssig geworden waren, weil eine Abblendung des Fackellichtes nicht mehr nötig war. War ja die Überrumpelung des Feindes in diesem Augenblick schon gelungen und die Gefahr, vom Feinde durch das Fackellicht vorzeitig gesehen zu werden, beseitigt. Der Verabredung (V. 17) gemäß stießen nun auch die übrigen Abteilungen in ihre Posaunen und zerbrachen ihre Krüge. Jetzt hatten sie in ihrer linken Hand nur die Fackeln und in ihrer rechten die Posaunen. Wo hatten sie ihr Schwert? Offenbar stürmten sie ohne Waffen. Sie bedurften bei diesem Kampfe, den in Wahrheit Gott für sie kämpfte, keines Schwertes. Darauf deutet auch ihr Ausruf חרב לד' ולגדעון (V. 20) im Gegensatz zu dem ursprünglich anbefohlenen Rufe לד' ולגדעון (V. 18) wohl hin. Aus diesem spontan eingefügten Worte חרב spricht das begeisterte Hochgefühl einer Schaar von Gottesstreitern, die mit Fackeln und Posaunen ein feindliches Lager stürmen und deren einzige, aber auch zuverlässigste Waffe das Bewußtsein und Erfülltsein von den Aufgaben ihres göttlichen Berufes ist.
Die Vernichtung des Lagers ging programmgemäß vor sich. Zunächst wurde das Lager umzingelt. Gideons Heer stellte sich rings um das Lager jeder an der für ihn bestimmten Stelle auf. Das allein genügte, um das Lager in Bewegung zu bringen (וירץ), zu alarmieren (וירִיעו), in die Flucht zu schlagen (וינוסו). Als nun gar sämtliche dreihundert Posaunen gleichzeitig ihre Stimme erhoben, bemächtigte sich des ganzen Lagers eine so kopflose Verwirrung, daß in dem wirren Durcheinander des regellosen Davonlaufens das Schwert des Einen sich gegen den Andern wandte. Eine ungeordnete Flucht pflegt einer Armee mehr Opfer zu kosten als eine regelrechte Schlacht. So war's von vornherein in Gottes Plan bestimmt (וישם ד' את חרב וכו' V. 22): Gideons Heer bedurfte keines Schwertes, der Feind vernichtete sich selbst.
20
וַֽ֠יִּתְקְע֠וּ שְׁלֹ֨שֶׁת הָרָאשִׁ֥ים בַּשּׁוֹפָרוֹת֮ וַיִּשְׁבְּר֣וּ הַכַּדִּים֒ וַיַּחֲזִ֤יקוּ בְיַד־שְׂמֹאולָם֙ בַּלַּפִּדִ֔ים וּ֨בְיַד־יְמִינָ֔ם הַשּׁוֹפָר֖וֹת לִתְק֑וֹעַ וַֽיִּקְרְא֔וּ חֶ֥רֶב לַיהֹוָ֖ה וּלְגִדְעֽוֹן׃
BernfeldDa stießen die drei Haufen in die Posaunen und zerbrachen die Krüge, sie hielten in der linken Hand die Fackeln und mit der rechten Hand die Posaunen zum Blasen und riefen: Schwert für den Herrn und Gideon!
ZunzDa stießen die drei Haufen in die Posaunen und zerbrachen die Krüge, und hielten in der linken Hand die Fackeln und mit der rechten Hand die Posaunen zum Blasen und riefen: Schwert für den Ewigen und Gideon!
R. BreuerDa stießen die drei Abteilungen in die Posaunen und zerbrachen die Krüge, sie hielten in der linken Hand die Fackeln und mit der rechten Hand die Posaunen zum Blasen und riefen: Schwert für Gott und Gideon!
21
וַיַּֽעַמְדוּ֙ אִ֣ישׁ תַּחְתָּ֔יו סָבִ֖יב לַֽמַּחֲנֶ֑ה וַיָּ֧רׇץ כׇּל־הַֽמַּחֲנֶ֛ה וַיָּרִ֖יעוּ (ויניסו) [וַיָּנֽוּסוּ]׃
BernfeldSie blieben aber jeglicher an seiner Stelle rings um das Lager, und das ganze [feindliche] Lager lief, als jene Lärmgeschrei erhoben und floh.
ZunzUnd sie blieben jeglicher an seiner Stelle, rings um das Lager, und das ganze Lager lief, und sie erhoben Lärmgeschrei und flohen.
R. BreuerUnd sie blieben ein Jeder auf seiner Stelle rings um das Lager, und das ganze Lager lief, sie bliesen Alarm und flohen.
22
וַֽיִּתְקְעוּ֮ שְׁלֹשׁ־מֵא֣וֹת הַשּׁוֹפָרוֹת֒ וַיָּ֣שֶׂם יְהֹוָ֗ה אֵ֣ת חֶ֥רֶב אִ֛ישׁ בְּרֵעֵ֖הוּ וּבְכׇל־הַֽמַּחֲנֶ֑ה וַיָּ֨נׇס הַֽמַּחֲנֶ֜ה עַד־בֵּ֤ית הַשִּׁטָּה֙ צְֽרֵרָ֔תָה עַ֛ד שְׂפַת־אָבֵ֥ל מְחוֹלָ֖ה עַל־טַבָּֽת׃
BernfeldDie dreihundert Posaunen erschallten und der Herr wandte das Schwert des Einen wider den Andern im feindlichen Lager. Und das Lager floh bis Bet Sitta nach Zerera bis an den Rand von Abel Mehola bei Tabbat.
ZunzUnd die dreihundert Posaunen bliesen, und der Ewige wandte das Schwert des Einen wider den Andern, und das ganze Lager. Und das Lager floh bis Bet Schittah nach Zererah bis an den Rand von Abel Mecholah bei Tabbat.
R. BreuerDie dreihundert Posaunen erschallten, und Gott wandte das Schwert des Einen gegen den Andern in dem ganzen Lager, da floh das Lager bis Beth Schittah nach Zerera bis an den Rand von Abel Mechola bei Tabbat.
23
וַיִּצָּעֵ֧ק אִֽישׁ־יִשְׂרָאֵ֛ל מִנַּפְתָּלִ֥י וּמִן־אָשֵׁ֖ר וּמִן־כׇּל־מְנַשֶּׁ֑ה וַֽיִּרְדְּפ֖וּ אַחֲרֵ֥י מִדְיָֽן׃
BernfeldEs sammelten sich die Männer Israel von Naftali und von Asser und von ganz Manasse und jagten Midjan nach.
ZunzUnd es sammelten sich Männer Jisraël's von Naftali und von Ascher, und von ganz Menascheh, und jagten Midjan nach.
R. BreuerNun wurden Israels Männer aufgeboten aus Naftali, Ascher und aus ganz Menascheh, und sie jagten hinter den Midjanitern her.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 23—25. Während die Erstürmung des midjanitischen Lagers das-Werk der 300 Mann um Gideon war, beteiligten sich an der Verfolgung des fliehenden Feindes Männer aus Naphtali und Ascher, der ganze Stamm Menascheh und Efraim. Der letztere hatte den besonderen Auftrag, durch Besetzung der Flußübergänge bis Beth Barah und des Jardens dem Feinde den Rückzug abzuschneiden. Die Verfolgung gelang so gründlich, wie sie geplant war, mit dem Kopf zweier midjanitischen Heerführer stellten sich die Verfolger bei Gideon wieder ein.
Noch heute gedenken wir alltäglich dieser Verfolgung beim Gottesdienste in jenem Psalme Asafs, der „zurückschaut auf die Großtaten Gottes an Israels Drängern, die auch in vergangenen Zeiten Gott in Israel zu bekämpfen vermeinten, und das gleiche göttliche Einschreiten zur Belehrung der in dem Kampf mit Gott begriffenen Völker in der Gegenwart erwartet“ (Komm. Ps. 83, 1): שיתמו נדיבמו כערב וכזאב וכו' (V. 12 das.).
24
וּמַלְאָכִ֡ים שָׁלַ֣ח גִּדְעוֹן֩ בְּכׇל־הַ֨ר אֶפְרַ֜יִם לֵאמֹ֗ר רְד֞וּ לִקְרַ֤את מִדְיָן֙ וְלִכְד֤וּ לָהֶם֙ אֶת־הַמַּ֔יִם עַ֛ד בֵּ֥ית בָּרָ֖ה וְאֶת־הַיַּרְדֵּ֑ן וַיִּצָּעֵ֞ק כׇּל־אִ֤ישׁ אֶפְרַ֙יִם֙ וַיִּלְכְּד֣וּ אֶת־הַמַּ֔יִם עַ֛ד בֵּ֥ית בָּרָ֖ה וְאֶת־הַיַּרְדֵּֽן׃
BernfeldGideon sandte Boten auf dem ganzen Gebirge Efraim umher und ließ sagen: Gehet hinab Midjan entgegen, und besetzet ihnen das Wasser bis Bet Bara und den Jordan. Und alle Männer Efraims sammelten sich und besetzten das Wasser bis Bet Bara und den Jordan.
ZunzUnd Boten sandte Gideon auf dem ganzen Gebirge Efrajim umher, und ließ sagen: Gehet hinab Midjan entgegen, und besetzet ihnen das Wasser bis Bet Barah und den Jarden. Und alle Männer Efrajim's sammelten sich und besetzten das Wasser bis Bet Barah und den Jarden.
R. BreuerUnd Boten sandte Gideon auf dem ganzen Gebirge Ephrajim umher und ließ sagen: Gehet hinab Midjan entgegen und schneidet ihnen das Wasser ab bis Beth Barah und den Jarden. Und alle Männer Ephrajims sammelten sich und besetzten das Wasser bis Beth Barah und den Jarden.
25
וַֽיִּלְכְּד֡וּ שְׁנֵֽי־שָׂרֵ֨י מִדְיָ֜ן אֶת־עֹרֵ֣ב וְאֶת־זְאֵ֗ב וַיַּהַרְג֨וּ אֶת־עוֹרֵ֤ב בְּצוּר־עוֹרֵב֙ וְאֶת־זְאֵב֙ הָרְג֣וּ בְיֶֽקֶב־זְאֵ֔ב וַֽיִּרְדְּפ֖וּ אֶל־מִדְיָ֑ן וְרֹאשׁ־עֹרֵ֣ב וּזְאֵ֔ב הֵבִ֙יאוּ֙ אֶל־גִּדְע֔וֹן מֵעֵ֖בֶר לַיַּרְדֵּֽן׃
BernfeldSie ergriffen zwei Fürsten von Midjan, den Oreb und den Seeb, und sie erschlugen den Oreb an dem Fels Oreb, und den Seeb erschlugen sie in der Kelter Seeb; sie jagten Midjan nach, und den Kopf des Oreb und des Seeb brachten sie Gideon von jenseits des Jordan.
ZunzUnd sie ergriffen zwei Fürsten von Midjan, den Oreb und den Seeb, und sie erschlugen den Oreb an dem Fels Oreb, und den Seeb erschlugen sie in der Kelter Seeb, und jagten Midjan nach, aber den Kopf des Oreb und des Seeb brachten sie Gideon von jenseit des Jarden.
R. BreuerSie ergriffen zwei Fürsten von Midjan, den Oreb und den Seeb, und sie erschlugen den Oreb, an dem Fels Oreb, und den Seeb erschlugen sie an der Kelter Seeb, und sie verfolgten die Midjaniter; und den Kopf von Oreb und Seeb brachten sie zu Gideon jenseits des Jordan.