1
וַיַּעֲשׂ֧וּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֛ל הָרַ֖ע בְּעֵינֵ֣י יְהֹוָ֑ה וַיִּתְּנֵ֧ם יְהֹוָ֛ה בְּיַד־מִדְיָ֖ן שֶׁ֥בַע שָׁנִֽים׃
BernfeldDie Kinder Israel taten wiederum das Böse in den Augen des Herrn, und er gab sie in die Hand Midjans sieben Jahre.
ZunzUnd die Kinder Jisraël thaten das Böse in den Augen des Ewigen, und er gab sie in die Hand Midjan's sieben Jahre.
R. BreuerDie Kinder Israels taten wiederum das Böse in den Augen Gottes, da gab sie Gott in die Hand Midjans sieben Jahre.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
Kap. 6. V. 1. Wie schon Raschi bemerkt, hieß es bisher immer ויוסיפו לעשות הרע „sie fuhren fort, das Böse zu tun“. Wenn es hier zu Beginn einer neuen Epoche der Richterzeit, die im Zeichen des Kampfes gegen Midjan steht, einfach heißt: „die Kinder Israels taten das Böse in den Augen Gottes“, so wird damit angedeutet, daß die stolze Erhebung des Volkes in der großen Deborah-Zeit den einstigen Abfall Israels von Gott in den Schleier der Vergessenheit hüllte und daher der nach dieser Deborah-Zeit einsetzende Rückfall des Volkes in „das Böse in den Augen Gottes“ nicht als Fortsetzung, sondern als Neubeginn zu kennzeichnen ist.
2
וַתָּ֥עׇז יַד־מִדְיָ֖ן עַל־יִשְׂרָאֵ֑ל מִפְּנֵ֨י מִדְיָ֜ן עָשׂ֥וּ לָהֶ֣ם ׀ בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֗ל אֶת־הַמִּנְהָרוֹת֙ אֲשֶׁ֣ר בֶּהָרִ֔ים וְאֶת־הַמְּעָר֖וֹת וְאֶת־הַמְּצָדֽוֹת׃
BernfeldDie Hand Midjans war mächtig über Israel. Aus Furcht vor Midjan machten sich die Kinder Israel Sammelplätze auf den Bergen und in den Höhlen und Burgen.
ZunzUnd es war mächtig die Hand Midjan's über Jisraël. Wegen Midjan's machten sich die Kinder Jisraël die Sammelplätze, die auf den Bergen, und die Höhlen und die Burgen.
R. BreuerMächtig war die Hand Midjans über Israel. Die Kinder Israels machten sich zum Schutze gegen Midjan die Schluchten auf den Bergen und die Höhlen und Burgen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 2. Es heißt nicht עשו להם מנהרות מערות ומצדות, sondern mit dem bestimmten Artikel את המנהרות ואת המערות ואת המצדות. Der Erzähler zeigt uns die Schluchten in den Bergen, die Höhlen und Burgen und spricht: Nicht von altersher waren diese da, erst zur Zeit, als Midjans Hand schwer auf Israel lag, sind sie entstanden, als Mittel des Schutzes und der Verteidigung gegen den midjanitischen Feind.
את המנהרות. Von נהר leuchten; Schluchten, in deren tiefes Dunkel das Licht des Tages nur durch einen kleinen Spalt, durch eine kleine Öffnung fällt. Manche wollen es als Leuchtfeuer verstehen, die man, wenn der Feind nahte, auf den Bergesgipfeln anzündete, um den Feind zu signalisieren.
3
וְהָיָ֖ה אִם־זָרַ֣ע יִשְׂרָאֵ֑ל וְעָלָ֨ה מִדְיָ֧ן וַעֲמָלֵ֛ק וּבְנֵי־קֶ֖דֶם וְעָל֥וּ עָלָֽיו׃
BernfeldWenn Israel säte, so kamen Midjaniten und Amalekiten und die Söhne des Morgenlandes, und zogen über sie her,
ZunzUnd es geschah, wenn Jisraël säete, so kam Midjan und Amalek herauf und die Söhne des Morgenlandes, und zogen über sie her,
R. BreuerUnd es geschah, so oft Israel gesät hatte, zog Midjan mit Amalek und den Söhnen des Ostens herauf, und sie zogen über es her.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 3. Midjan hatte es auf die Aushungerung Israels abgesehen. Zu diesem Zwecke verband es sich mit Amalek und den Söhnen des Ostens, um in Israels Land, so oft die Aussaat vollendet war, einzubrechen.
ועלה — ועלו. Die Initiative ging von Midjan aus, die Ausführung des Raubzuges war gleichmäßig ihrer aller Werk.
ובני קדם. Vgl. Komm. Gen. 25, 6.
4
וַיַּֽחֲנ֣וּ עֲלֵיהֶ֗ם וַיַּשְׁחִ֙יתוּ֙ אֶת־יְב֣וּל הָאָ֔רֶץ עַד־בּוֹאֲךָ֖ עַזָּ֑ה וְלֹֽא־יַשְׁאִ֤ירוּ מִֽחְיָה֙ בְּיִשְׂרָאֵ֔ל וְשֶׂ֥ה וָשׁ֖וֹר וַחֲמֽוֹר׃
BernfeldUnd lagerten sich um sie und richteten das Gewächs des Landes zu Grunde, bis gen Gasa, und ließen keine Lebensmittel übrig in Israel, weder Lamm noch Rind und Esel.
ZunzUnd lagerten sich um sie und richteten das Gewächs des Landes zu Grunde, bis gen Asah, und ließen nicht übrig Lebensmittel in Jisraël, weder Lamm noch Rind und Esel.
R. BreuerSie lagerten sich um sie her und vernichteten den Ertrag des Landes bis gen Gasa, und ließen keine Lebensmittel übrig in Israel, weder Lamm noch Rind noch Esel.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 4. Der Raubzug bewegte sich von Osten über den Jordan nach Westen, bis nach Gaza, fast bis an die Küste des mittelländischen Meeres. Erbarmungslos wurde alles geraubt oder vernichtet, was zum Lebensunterhalte Israels diente.
5
כִּ֡י הֵם֩ וּמִקְנֵיהֶ֨ם יַֽעֲל֜וּ וְאׇהֳלֵיהֶ֗ם (יבאו) [וּבָ֤אוּ] כְדֵֽי־אַרְבֶּה֙ לָרֹ֔ב וְלָהֶ֥ם וְלִגְמַלֵּיהֶ֖ם אֵ֣ין מִסְפָּ֑ר וַיָּבֹ֥אוּ בָאָ֖רֶץ לְשַׁחֲתָֽהּ׃
BernfeldDenn sie und ihre Herden kamen mit ihren Zelten, wie die Heuschrecken an Menge, ihrer und ihrer Kamele war keine Zahl; sie kamen in das Land, es zu Grunde zu richten.
ZunzDenn sie und ihre Heerden kamen herauf mit ihren Zelten, und kamen wie die Heuschrecken an Menge, und ihrer und ihrer Kamele war keine Zahl, und sie kamen in das Land es zu Grunde zu richten.
R. BreuerDenn sie und ihre Herden zogen herauf mit ihren Zelten, wie die Heuschrecken an Menge kamen sie, ihrer und ihrer Kameele war keine Zahl; sie kamen in das Land, es zu Grunde zu richten.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 5. Wie eine Dampfwalze bewegte sich die midjanitische Völkerflut über den geheiligten Boden Palästinas. Mit ihrer ganzen Habe, mit ihren Herden, Zelten und Kameelen, waren sie aufgebrochen, um sich gleich einem Heuschreckenschwarm über das unglückliche Land zu ergießen. Wie viel jüdisches Menschenglück mag damals zertreten worden sein! Doch wer kümmert sich heute noch um die Thränen, die damals geweint wurden? Das Leid der Gegenwart steht unserem Herzen näher. Aber auch die heißen Thränen der Gegenwart werden einmal in einer teilnahmslosen Zukunft zu geschichtlichen Daten erfrieren.
6
וַיִּדַּ֧ל יִשְׂרָאֵ֛ל מְאֹ֖ד מִפְּנֵ֣י מִדְיָ֑ן וַיִּזְעֲק֥וּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵ֖ל אֶל־יְהֹוָֽה׃ {פ}
BernfeldUnd Israel verkümmerte sehr durch Midjan und die Kinder Israel schrien zum Herrn.
ZunzUnd Jisraël verkümmerte sehr durch Midjan und die Kinder Jisraël schrien zum Ewigen.
R. BreuerIsrael verarmte sehr durch Midjan, und die Kinder Israels schrieen zu Gott.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 6. בני ישראל — ישראל. Israel verarmte, die Kinder Israels schrieen zu Gott. Israel bezeichnet hier im Gegensatz zu Kinder Israels die nationale Gemeinschaft als abstracten Begriff, während unter Kinder Israels die einzelnen Glieder dieser Gemeinschaft in ihrer konkreten Wirklichkeit zu verstehen sind. Die durch Midjans Einfall verursachte Verarmung war ein nationales Unglück, eine wirtschaftliche Kalamität, durch welche die Existenz der Nation bedroht und erschüttert wurde. Jedoch in ihrer ganzen Furchtbarkeit wird eine nationale Katastrophe nicht von der Nation — diese schwebt als abstracter Begriff in der Luft — sondern von den einzelnen Volksgliedern empfunden, von den Kindern, die nach Brot schreien und von den Vätern und Müttern, die hungernde Kinder zu versorgen haben. Wenn Israel verarmt, dann schreien die Kinder Israels zu Gott.
7
וַיְהִ֕י כִּֽי־זָעֲק֥וּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֖ל אֶל־יְהֹוָ֑ה עַ֖ל אֹד֥וֹת מִדְיָֽן׃
BernfeldAls die Kinder Israel zum Herrn schrien wegen Midjans:
ZunzUnd es geschah, als die Kinder Jisraël zum Ewigen schrien wegen Midjans:
R. BreuerAls die Kinder Israels zu Gott schrieen wegen Midjans:
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 7—10. Bevor Gott etwas unternimmt, um Israel aus Midjans Hand zu befreien, wird ein Prophet — nach der Überlieferung Pinchas (vgl. Raschi) — an Israel gesandt, um das von Gott abgefallene Volk über die Ursachen seines Unglücks zu belehren. Nach einem kurzen Rückblick auf die Vorgeschichte der jüdischen Niederlassung in Palästina, den Auszug aus Ägypten und die Eroberung des verheißenen Landes, beschränkt sich der im göttlichen Auftrag redende Prophet darauf, das Volk an die göttliche Warnung zu erinnern, nur Gott den Einen Einzigen und außer Gott keinen andern, fremdländischen zu fürchten, und an diese Erinnerung die kurze Feststellung zu knüpfen: ולא שמעתם בקולי ihr habt auf meine Stimme nicht gehört. Der Prophet hätte nun fortfahren und dem Volke mit zürnenden Worten den barbarischen Einfall Midjans ausdrücklich als die wohlverdiente Strafe für seinen Ungehorsam bezeichnen können, doch er schweigt; er überläßt es dem Volke, die prophetische Rede sich aus eigenem zu ergänzen; die Unglücklichen sind bestürzt und zerknirscht genug, um aus der Katastrophe, die über sie hereingebrochen ist, die von Gott gewollte Lehre zu entnehmen, ohne erst durch eine ausführliche Zuchtrede darauf schonungslos gestoßen werden zu müssen.
8
וַיִּשְׁלַ֧ח יְהֹוָ֛ה אִ֥ישׁ נָבִ֖יא אֶל־בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֑ל וַיֹּ֨אמֶר לָהֶ֜ם כֹּה־אָמַ֥ר יְהֹוָ֣ה ׀ אֱלֹהֵ֣י יִשְׂרָאֵ֗ל אָנֹכִ֞י הֶעֱלֵ֤יתִי אֶתְכֶם֙ מִמִּצְרַ֔יִם וָאֹצִ֥יא אֶתְכֶ֖ם מִבֵּ֥ית עֲבָדִֽים׃
BernfeldDa schickte der Herr einen Propheten den Kindern Israel, und er sprach zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe euch herausgeführt aus Ägypten, aus der Knechtschaft.
ZunzDa schickte der Ewige einen Propheten den Kindern Jisraël, und er sprach zu ihnen: So spricht der Ewige der Gott Jisraël's: Ich habe euch heraufgeführt aus Mizrajim, und euch gebracht aus dem Knechthause.
R. BreuerDa schickte Gott einen Propheten zu den Kindern Israels und dieser sprach zu ihnen: So hat Gott gesprochen, der Gott Israels: Ich habe euch heraufgeführt aus Ägypten und euch herausgebracht aus dem Sklavenhause.
9
וָאַצִּ֤ל אֶתְכֶם֙ מִיַּ֣ד מִצְרַ֔יִם וּמִיַּ֖ד כׇּל־לֹחֲצֵיכֶ֑ם וָאֲגָרֵ֤שׁ אוֹתָם֙ מִפְּנֵיכֶ֔ם וָאֶתְּנָ֥ה לָכֶ֖ם אֶת־אַרְצָֽם׃
BernfeldUnd rettete euch aus der Hand Ägyptens und aus der Hand all eurer Bedrücker, ich trieb sie aus vor euch, und gab euch ihr Land,
ZunzUnd rettete euch aus der Hand Mizrajims und aus der Hand all eurer Bedrücker, und trieb sie aus vor euch, und gab euch ihr Land,
R. BreuerIch rettete euch aus der Hand Ägyptens und aus der Hand all eurer Bedrücker, ich trieb sie aus vor euch und gab euch ihr Land,
10
וָאֹמְרָ֣ה לָכֶ֗ם אֲנִי֙ יְהֹוָ֣ה אֱלֹהֵיכֶ֔ם לֹ֤א תִֽירְאוּ֙ אֶת־אֱלֹהֵ֣י הָאֱמֹרִ֔י אֲשֶׁ֥ר אַתֶּ֖ם יוֹשְׁבִ֣ים בְּאַרְצָ֑ם וְלֹ֥א שְׁמַעְתֶּ֖ם בְּקוֹלִֽי׃ {פ}
BernfeldUnd sprach zu euch: Ich, der Herr, bin euer Gott, betet nicht die Götter der Emoriten an, in deren Land ihr wohnt; ihr aber habt meiner Stimme nicht gehorcht.
ZunzUnd sprach zu euch: Ich der Ewige bin euer Gott, nicht fürchtet die Götter des Emori, in deren Land ihr wohnt; ihr aber habt meiner Stimme nicht gehorcht.
R. BreuerUnd sprach zu euch: Ich bin Gott euer Gott, fürchtet nicht die Götter der Emoriter, in deren Land ihr wohnet, ihr aber hörtet nicht auf meine Stimme.
11
וַיָּבֹ֞א מַלְאַ֣ךְ יְהֹוָ֗ה וַיֵּ֙שֶׁב֙ תַּ֤חַת הָֽאֵלָה֙ אֲשֶׁ֣ר בְּעׇפְרָ֔ה אֲשֶׁ֥ר לְיוֹאָ֖שׁ אֲבִ֣י הָעֶזְרִ֑י וְגִדְע֣וֹן בְּנ֗וֹ חֹבֵ֤ט חִטִּים֙ בַּגַּ֔ת לְהָנִ֖יס מִפְּנֵ֥י מִדְיָֽן׃
BernfeldEs kam ein Engel des Herrn und setzte sich unter die Eiche zu Ofra, welches Joas von Abieser gehörte, Gideon sein Sohn klopfte eben Weizen in der Tenne, ihn zu flüchten vor Midjan.
ZunzUnd es kam ein Engel des Ewigen, und setzte sich unter die Eiche zu Ofrah, welches Joasch, dem von Abieser gehörte; Gideon aber sein Sohn klopfte eben Weizen in der Tenne, (ihn) zu flüchten vor Midjan.
R. BreuerEin Engel Gottes kam und setzte sich unter die Eiche zu Ofra, welches Joas von Abieser gehörte; Gideon sein Sohn klopfte gerade Weizen in der Tenne, um ihn vor Midjan zu bergen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 11. אשר kann sich auf אלה, aber auch auf עפרה beziehen und dieses von dem benjaminitischen Ofra unterscheiden, von dem Jos. 18, 23, Sam. I 13, 17 die Rede ist. Wir haben es in der Übersetzung im Hinblick auf עפרת אבי האזרי in V. 24 auf עפרה bezogen.
אבי העזרי. Joas war ein Sohn Abiesers, des Sohnes Gileads, des Sohnes Menasches. (Vgl. Raschi)
Joas' Sohn Gideon ist gerade damit beschäftigt, den Weizen, den er in der Tenne seines Vaters klopft, vor Midjans Raubgier flüchtend (zu להנים vgl. Ex. 9, 20) in Sicherheit zu bringen, als ein Engel Gottes bei ihm erscheint, um das Werk der Befreiung Israels ins Rollen zu bringen.
12
וַיֵּרָ֥א אֵלָ֖יו מַלְאַ֣ךְ יְהֹוָ֑ה וַיֹּ֣אמֶר אֵלָ֔יו יְהֹוָ֥ה עִמְּךָ֖ גִּבּ֥וֹר הֶחָֽיִל׃
BernfeldEs erschien ihm der Engel des Herrn und sprach zu ihm: Der Herr mit dir, du Wackerer.
ZunzUnd es erschien ihm der Engel des Ewigen, und sprach zu ihm: Der Ewige mit dir, tapferer Held!
R. BreuerEs erschien ihm der Engel Gottes und sprach zu ihm: Gott mit dir, du starker Held!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 12. Der Engel erschien ihm, nachdem er sich vorher unter die Eiche gesetzt hatte (V. 11). Offenbar steht dieser Sitz unter der Eiche im Zusammenhang mit dem Wechsel der redenden Person in den folgenden Versen. Von V. 14 ab spricht Gott selbst mit Gideon und erst in V. 20 ergreift wieder der Engel das Wort. Wir haben uns diesen Scenenwechsel — wenn überhaupt unsere Vorstellungskraft für das Verständnis biblischer Scenen ausreicht — wohl etwa so vorzustellen, daß der Engel, während Gott mit Gideon spricht, an seinem Platz unter der Eiche verharrt, wohin er bescheiden zurücktritt, um Gott den Vortritt zu lassen.
ד' עמך. Auf diese Begrüßungsformel ist die Einrichtung zurückzuführen, שיהא אדם שואל בשלום חברו בשם (Berachoth 54 a), beim Grüßen den Namen Gottes zu erwähnen. Vgl. Komm. Ruth 2, 4.
13
וַיֹּ֨אמֶר אֵלָ֤יו גִּדְעוֹן֙ בִּ֣י אֲדֹנִ֔י וְיֵ֤שׁ יְהֹוָה֙ עִמָּ֔נוּ וְלָ֥מָּה מְצָאַ֖תְנוּ כׇּל־זֹ֑את וְאַיֵּ֣ה כׇֽל־נִפְלְאֹתָ֡יו אֲשֶׁר֩ סִפְּרוּ־לָ֨נוּ אֲבוֹתֵ֜ינוּ לֵאמֹ֗ר הֲלֹ֤א מִמִּצְרַ֙יִם֙ הֶעֱלָ֣נוּ יְהֹוָ֔ה וְעַתָּה֙ נְטָשָׁ֣נוּ יְהֹוָ֔ה וַֽיִּתְּנֵ֖נוּ בְּכַף־מִדְיָֽן׃
BernfeldGideon sprach zu ihm: Bitte, mein Herr! Ist Gott mit uns, warum denn hat alles dies uns betroffen? und wo sind all seine Wunder, die unsere Väter uns erzählt? Hat uns doch der Herr aus Ägypten herausgeführt, und nun hat der Herr uns verlassen und in die Hand Midjans gegeben.
ZunzUnd Gideon sprach zu ihm: Bitte, mein Herr! Ist der Ewige mit uns, warum denn hat alles dies uns betroffen, und wo sind all seine Wunder, die unsere Väter uns erzählt, und sprachen: Hat uns nicht der Ewige aus Mizrajim heraufgeführt? und nun hat der Ewige uns verlassen, und giebt uns in die Hand Midjan's.
R. BreuerDa sprach Gideon zu ihm: Bitte mein Herr! Ist Gott mit uns, warum denn hat alles dies uns betroffen? Und wo sind alle seine Wunder, die unsere Väter uns erzählt: aus Ägypten hat uns ja Gott herausgeführt, nun aber hat uns Gott verstoßen und in die Hand Midjans gegeben!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 13. Man glaubt aus Gideons mißmutigen Worten die an Gott verzweifelnde Stimmung unserer von so schweren Kriegsnöten heimgesuchten Gegenwart herauszuhören. „Ist Gott mit uns, warum denn hat das alles uns betroffen?“ Wie viele denken und sprechen heute so und kommen sich dabei wunder wie aufgeklärt vor, ohne zu merken, wie sie mit dieser billigen Philosophie nur einen uralten Gedankengang wieder auffrischen, der schon in Gideons Tagen modern gewesen ist.
אשר ספרו לנו וגו'. Nach der Überlieferung fand diese Unterredung Gideons mit dem Engel zur Zeit des Peßachfestes statt. Gideon stand noch unter dem Eindruck der Hallelpsalmen des Sederabends, den sein Vater abgehalten hatte, als er seinem Erstaunen über den Wandel der Zeiten seit dem Auszug aus Ägypten, wo derselbe Gott, der jetzt Israel in die Hand Midjans gab, als Israels Retter sich erwies, skeptischen Ausdruck verlieh: פסח היה אמר לו אמש הקרני אבא את ההלל ושמעתיו שהיה אומר בצאת ישראל ממצרים (Raschi).
14
וַיִּ֤פֶן אֵלָיו֙ יְהֹוָ֔ה וַיֹּ֗אמֶר לֵ֚ךְ בְּכֹחֲךָ֣ זֶ֔ה וְהוֹשַׁעְתָּ֥ אֶת־יִשְׂרָאֵ֖ל מִכַּ֣ף מִדְיָ֑ן הֲלֹ֖א שְׁלַחְתִּֽיךָ׃
Bernfeld[Der Engel des] Herrn wandte sich zu ihm und sprach: Gehe mit deiner Kraft und rette Israel aus der Hand Midjans. Ich habe dich gesandt.
ZunzUnd der Ewige wandte sich zu ihm und sprach: Gehe mit dieser deiner Kraft und rette Jisraël aus der Hand Midjan's. Habe ich dich nicht gesandt?
R. BreuerDa wandte sich Gott zu ihm und sprach: Geh hin in dieser deiner Kraft und rette Israel aus der Hand Midjans; fürwahr, ich habe dich gesandt!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 14. Noch ehe der Engel auf Gideons philosophisches Raisonnement erwidern konnte, wandte sich Gott selbst zu ihm und sprach: Wozu vergeudest du dein starkes Temperament (כחך) an eine zwecklose Kritik der göttlichen Waltung? Statt an Gottes Tun zu nörgeln, gehe hin und befreie Israel, du bist von Gott hierzu erkoren. Wer das Leid seines Volkes so schmerzlich empfindet, daß er sein Mitgefühl in so bitter anklagenden Worten äußert wie du, begeht ein Unrecht an seinem Volke, wenn er in untätiger Skepsis verharrt, statt mutig, auf Gottes Hilfe vertrauend, das Werk der Befreiung zu wagen. Darum: לך בכחך זה בכח הזכות הזה שלמדת סנגוריא על בני כך דרש ר' תנחומא (Raschi).
15
וַיֹּ֤אמֶר אֵלָיו֙ בִּ֣י אֲדֹנָ֔י בַּמָּ֥ה אוֹשִׁ֖יעַ אֶת־יִשְׂרָאֵ֑ל הִנֵּ֤ה אַלְפִּי֙ הַדַּ֣ל בִּמְנַשֶּׁ֔ה וְאָנֹכִ֥י הַצָּעִ֖יר בְּבֵ֥ית אָבִֽי׃
BernfeldGideon sprach zu ihm: Bitte, mein Herr! Womit soll ich Israel retten? Mein Haufen ist der schwächste in Manasse und ich bin der jüngste im Hause meines Vaters.
ZunzUnd er sprach zu ihm: Bitte, mein Herr! Womit soll ich Jisraël retten? Siehe, mein Hause ist der schwächste in Menascheh, und ich bin der jüngste im Hause meines Vaters.
R. BreuerEr sprach zu ihm: Bitte mein Herr! Womit soll ich Israel retten? Siehe, mein Geschlecht ist das geringste in Menascheh und ich bin der Jüngste in meinem Vaterhause!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 15. Gideon schrickt vor der Größe seiner Aufgabe zurück. Er zweifelt an seiner Fähigkeit und Würdigkeit, das ihm aufgetragene Werk der Befreiung zu vollbringen. Wie soll ich Israel retten? Wer bin ich denn und wer ist mein Stamm? Gideon weiß, daß neben persönlicher Tüchtigkeit auch edle Abkunft und soziale Stellung zur Autorität nach innen und außen erforderlich sind.
16
וַיֹּ֤אמֶר אֵלָיו֙ יְהֹוָ֔ה כִּ֥י אֶהְיֶ֖ה עִמָּ֑ךְ וְהִכִּיתָ֥ אֶת־מִדְיָ֖ן כְּאִ֥ישׁ אֶחָֽד׃
BernfeldDer [Engel des] Herrn sprach zu ihm: Ich werde mit dir sein; du wirst Midjan schlagen wie einen Mann.
ZunzUnd der Ewige sprach zu ihm: Weil ich mit dir seyn werde; und du wirst Midjan schlagen wie Einen Mann.
R. BreuerDa sprach Gott zu ihm: Ich werde mit dir sein und du wirst Midjan wie einen Mann schlagen!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 16. Du zweifelst an der Zulänglichkeit deines Könnens? Gott ist mit dir, du hast nichts zu fürchten. Wie einen Mann, d. h. „plötzlich, auf einmal, in ungewöhnlicher Weise“ (Komm. zu כאיש אחד Num. 14, 15) wirst du Midjan schlagen.
V. 17 f. Nur aus der Verwirrung, in die die göttliche Berufung Gideon versetzt, läßt sich diese so naiv anmutende Bitte Gideons, daß Gott sich ihm durch ein Zeichen legitimieren möge, verstehen. In seines Nichts durchbohrendem Gefühle steht Gideon ratlos vor seiner neuen Aufgabe, die er nicht freiwillig gesucht hat, die ihm von Gott förmlich aufgezwungen wurde. Er greift sich an den Kopf: Ist es denn wirklich wahr, daß Gott ihn zum Retter Israels ausersah? Ist es wirklich Gott, der zu ihm spricht? Er glaubt zu träumen und möchte die Wirklichkeit des Erlebten auf dem Wege zeitlicher und räumlicher Distanzgewinnung erproben. Er möchte forteilen und nach einer Weile wiederkommen, um so zu erkennen, ob sein Gespräch mit Gott vorübergehende Phantasiespiegelung oder wirkliches Erlebnis war. Nicht anders aber meint er unaufgefordert aus der Nähe Gottes fliehen zu können, als durch Gelöbnis eines Opfers, zu dessen Herstellung und Darbringung er sich entfernen zu dürfen glaubt.
17
וַיֹּ֣אמֶר אֵלָ֔יו אִם־נָ֛א מָצָ֥אתִי חֵ֖ן בְּעֵינֶ֑יךָ וְעָשִׂ֤יתָ לִּי֙ א֔וֹת שָׁאַתָּ֖ה מְדַבֵּ֥ר עִמִּֽי׃
Bernfeld[Gideon] sprach zu ihm: Wenn ich doch Gunst gefunden in deinen Augen, gib mir ein Zeichen, dass du mit mir geredet.
ZunzUnd er sprach zu ihm: Wenn ich doch Gunst fände in deinen Augen, daß du mir ein Zeichen thust, daß du mit mir geredet.
R. BreuerEr sprach zu ihm: Wenn ich doch Gunst gefunden habe in deinen Augen, so gieb mir ein Zeichen, daß du mit mir geredet.
18
אַל־נָ֨א תָמֻ֤שׁ מִזֶּה֙ עַד־בֹּאִ֣י אֵלֶ֔יךָ וְהֹֽצֵאתִי֙ אֶת־מִנְחָתִ֔י וְהִנַּחְתִּ֖י לְפָנֶ֑יךָ וַיֹּאמַ֕ר אָנֹכִ֥י אֵשֵׁ֖ב עַ֥ד שׁוּבֶֽךָ׃
BernfeldWeiche doch nicht von hier, bis ich zurückkomme und mein Geschenk herausbringe und vor dich hinstelle. Er erwiderte: Ich werde bleiben bis zu deiner Rückkehr.
ZunzWeiche doch nicht von hier, bis ich zu dir gekommen und herausbringe mein Geschenk und hinstelle vor dich. Und er sprach: Ich werde bleiben bis zu deiner Rückkehr.
R. BreuerWeiche doch nicht von hier, bis ich zurückkomme und mein Geschenk herausbringe und vor dich hinstelle. Er antwortete: Ich werde bleiben bis du zurückkommst.
19
וְגִדְע֣וֹן בָּ֗א וַיַּ֤עַשׂ גְּדִֽי־עִזִּים֙ וְאֵיפַת־קֶ֣מַח מַצּ֔וֹת הַבָּשָׂר֙ שָׂ֣ם בַּסַּ֔ל וְהַמָּרַ֖ק שָׂ֣ם בַּפָּר֑וּר וַיּוֹצֵ֥א אֵלָ֛יו אֶל־תַּ֥חַת הָאֵלָ֖ה וַיַּגַּֽשׁ׃ {פ}
BernfeldGideon ging und bereitete ein Ziegenböcklein und ein Efa Mehl ungesäuerter Kuchen, das Fleisch tat er in den Korb, und die Brühe tat er in den Topf, und brachte es hinaus zu ihm unter die Eiche und reichte es dar.
ZunzUnd Gideon kam, und bereitete ein Ziegenböcklein und ein Efah Mehl ungesäuerter Kuchen, das Fleisch that er in den Korb, und die Brühe that er in den Topf, und brachte es hinaus zu ihm unter die Eiche und reichte es dar!
R. BreuerGideon ging und bereitete ein Ziegenböcklein und ein Epha Mehl ungesäuerten Brotes; das Fleisch tat er in den Korb und die Brühe tat er in den Topf und brachte es hinaus zu ihm unter die Eiche und reichte es dar.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 19. Wie die Karrikatur einer Opferhandlung muten diese Worte an. Im Korb bringt er das Fleisch und im Topf die Brühe, und als Zugabe das Mazzogebäck. Gideon weiß nicht, wie er sich in der unerhörten Situation, in die er plötzlich versetzt ward, verhalten soll. Er weiß, daß nur durch Opfer Gottes Nähe zu gewinnen ist, er improvisiert daher eine Opferhandlung mit dem ganzen jugendlichen Wagemut des Jüngsten seines Vaterhauses.
20
וַיֹּ֨אמֶר אֵלָ֜יו מַלְאַ֣ךְ הָאֱלֹהִ֗ים קַ֣ח אֶת־הַבָּשָׂ֤ר וְאֶת־הַמַּצּוֹת֙ וְהַנַּח֙ אֶל־הַסֶּ֣לַע הַלָּ֔ז וְאֶת־הַמָּרַ֖ק שְׁפ֑וֹךְ וַיַּ֖עַשׂ כֵּֽן׃
BernfeldUnd der Engel Gottes sprach zu ihm: Nimm das Fleisch und die ungesäuerten Kuchen, und leg' es hin auf diesen Felsen, und die Brühe schütte aus. Und er that also.
ZunzUnd der Engel Gottes sprach zu ihm: Nimm das Fleisch und die ungesäuerten Kuchen, und leg' es hin auf diesen Felsen, und die Brühe schütte aus. Und er that also.
R. BreuerDer Engel Gottes sprach zu ihm: Nimm das Fleisch und die ungesäuerten Brote und lege sie hin auf diesen Felsen, die Brühe aber schütte aus. Er tat also.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 20. Vgl. das zu V. 12 Bemerkte. Die Berufung Gideons zu seinem Rettungswerke ging von Gott selbst aus. Ihn von seinem Zweifel an der Wahrheit dieser Berufung zu heilen, überläßt Gott seinem Engel, der nun wieder hervortritt, um in Gottes Auftrag zu handeln.
ואת המרק שפוך. Was soll die Brühe beim Opfer? Soll sie etwa, giebt er Gideon zu verstehen, die Rolle des Gußopfers spielen? Oder glaubtest du damit das Ziegenböcklein für Gott schmackhafter zu machen? Du wirst gleich merken, daß Gott nicht nach Menschenart die ihm dargebrachten Opfer verzehrt.
21
וַיִּשְׁלַ֞ח מַלְאַ֣ךְ יְהֹוָ֗ה אֶת־קְצֵ֤ה הַמִּשְׁעֶ֙נֶת֙ אֲשֶׁ֣ר בְּיָד֔וֹ וַיִּגַּ֥ע בַּבָּשָׂ֖ר וּבַמַּצּ֑וֹת וַתַּ֨עַל הָאֵ֜שׁ מִן־הַצּ֗וּר וַתֹּ֤אכַל אֶת־הַבָּשָׂר֙ וְאֶת־הַמַּצּ֔וֹת וּמַלְאַ֣ךְ יְהֹוָ֔ה הָלַ֖ךְ מֵעֵינָֽיו׃
BernfeldDer Engel des Herrn streckte aus das Ende des Stabes, der in seiner Hand, und berührte das Fleisch und die ungesäuerten Kuchen, da stieg ein Feuer aus dem Felsen und verzehrte das Fleisch und die ungesäuerten Kuchen, und der Engel des Herrn verschwand ihm aus den Augen.
ZunzUnd der Engel des Ewigen streckte aus das Ende des Stabes, der in seiner Hand, und berührte das Fleisch und die ungesäuerten Kuchen, und aufstieg das Feuer aus dem Felsen und verzehrte das Fleisch und die ungesäuerten Kuchen, und der Engel des Ewigen verschwand ihm aus den Augen.
R. BreuerDer Engel Gottes streckte aus das Ende des Stabes, der in seiner Hand war, und berührte das Fleisch und die ungesäuerten Brote, da stieg ein Feuer aus dem Felsen und verzehrte das Fleisch und die ungesäuerten Brote, und der Engel Gottes verschwand ihm aus den Augen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 21. Der Stab berührte nicht den Felsen, sondern das Fleisch und die Brote, gleichwohl stieg im selben Augenblick Feuer aus dem Felsen. Durch dieses indirekte Hervorbringen des Feuers wurde das Wunder nur noch wunderbarer.
22
וַיַּ֣רְא גִּדְע֔וֹן כִּֽי־מַלְאַ֥ךְ יְהֹוָ֖ה ה֑וּא וַיֹּ֣אמֶר גִּדְע֗וֹן אֲהָהּ֙ אֲדֹנָ֣י יֱהֹוִ֔ה כִּֽי־עַל־כֵּ֤ן רָאִ֙יתִי֙ מַלְאַ֣ךְ יְהֹוָ֔ה פָּנִ֖ים אֶל־פָּנִֽים׃
BernfeldAls Gideon sah, dass es ein Engel des Herrn war, sprach Gideon: Weh, Herr Gott, ich habe nun gesehen einen Engel des Herrn von Angesicht zu Angesicht!
ZunzAls Gideon sah, daß es ein Engel des Ewigen war, sprach Gideon: Weh, Herr Gott, weil ich doch nun gesehen einen Engel des Ewigen von Angesicht zu Angesicht!
R. BreuerDa sah Gideon, daß es ein Engel Gottes war; und Gideon sprach: Wehe, mein Herr, o Gott, nun habe ich einen Engel Gottes gesehen von Angesicht zu Angesicht!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 22. Im Zusammenhang mit dem folgenden Verse muß der Ausruf Gideons als ein Ausruf des Schreckens verstanden werden. Das unmittelbare Schauen des Engels glaubt er nicht überleben zu können. „Denn mich schaut kein Mensch und bleibt leben“. (Ex. 33. 20).
23
וַיֹּ֨אמֶר ל֧וֹ יְהֹוָ֛ה שָׁל֥וֹם לְךָ֖ אַל־תִּירָ֑א לֹ֖א תָּמֽוּת׃
BernfeldDer Herr sprach zu ihm: Friede mit dir! Fürchte nicht, du wirst nicht sterben.
ZunzUnd der Ewige sprach zu ihm: Friede dir! Fürchte nicht, du wirst nicht sterben.
R. BreuerGott aber sprach zu ihm: Friede mit dir! Fürchte nicht, du wirst nicht sterben.
24
וַיִּ֩בֶן֩ שָׁ֨ם גִּדְע֤וֹן מִזְבֵּ֙חַ֙ לַֽיהֹוָ֔ה וַיִּקְרָא־ל֥וֹ יְהֹוָ֖ה שָׁל֑וֹם עַ֚ד הַיּ֣וֹם הַזֶּ֔ה עוֹדֶ֕נּוּ בְּעׇפְרָ֖ת אֲבִ֥י הָעֶזְרִֽי׃ {ס}
BernfeldGideon baute dort dem Herrn einen Altar und nannte ihn: Herr des Friedens! Bis auf diesen Tag ist er noch in Ofra des Abieser.
ZunzUnd Gideon bauete dort dem Ewigen einen Altar und nannte ihn: Ewiger, Frieden! bis auf diesen Tag; er ist noch in Ofrah von Abieser.
R. BreuerGideon baute dort Gott einen Altar und nannte ihn: Gott des Friedens. Bis auf diesen Tag ist er noch in Ofra des Abieser.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 24. ד' שלום. מכאן שאסור לו לאדם שיתן שלום לחבירו במרחץ (Sabbath 10 b). Hier ist angedeutet, daß man im Badhause, wo der Gottesname nicht genannt werden darf, auch die hebräische Grußform שלום unterlassen muß. Denn שלום ist identisch mit ה'. Gott ist der Friede. Gott ist der מלך שהשלום שלו, der Allumfasser, der alle Gegensätze im Weltall zu einem harmonischen Ganzen vereint.
25
וַיְהִי֮ בַּלַּ֣יְלָה הַהוּא֒ וַיֹּ֧אמֶר ל֣וֹ יְהֹוָ֗ה קַ֤ח אֶת־פַּר־הַשּׁוֹר֙ אֲשֶׁ֣ר לְאָבִ֔יךָ וּפַ֥ר הַשֵּׁנִ֖י שֶׁ֣בַע שָׁנִ֑ים וְהָרַסְתָּ֗ אֶת־מִזְבַּ֤ח הַבַּ֙עַל֙ אֲשֶׁ֣ר לְאָבִ֔יךָ וְאֶת־הָאֲשֵׁרָ֥ה אֲשֶׁר־עָלָ֖יו תִּכְרֹֽת׃
BernfeldIn derselben Nacht sprach der Herr zu ihm: Nimm den jungen Farren deines Vaters und den zweiten Farren von sieben Jahren, und reiße nieder den Altar des Baal deines Vaters, und den Hain um ihn haue um.
ZunzUnd es geschah in derselben Nacht, da sprach der Ewige zu ihm: Nimm den jungen Farren, der deines Vaters, und den zweiten Farren von sieben Jahren, und reiße nieder den Altar des Baal, der deines Vaters, und den Hain darüber haue um.
R. BreuerEs war in derselben Nacht, da sprach Gott zu ihm: Nimm den jungen Farren deines Vaters und den zweiten Farren von sieben Jahren, und reiße nieder den Altar des Baal deines Vaters und den Hain um ihn haue um.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 25. Der erste Stier war offenbar bestimmt, auf dem Altar geopfert zu werden, den Gideon bereits errichtet hatte (V. 24). Der zw[?] war vom Vater Gideons sieben Jahre lang großgefüttert worden, um [?] Opfer auf dem Baalsaltar dargebracht zu werden. Diesen sollte nun Gid[?] auf dem neuen Altar darbringen, von dem im folgenden Verse die Rede [?] Zunächst aber sollte er den Baalsaltar seines Vaters mit der dazu gehörig[?] Aschera niederreißen und umhauen. Die Opferung eines dem Götzendie[?] geweihten Tieres (מוקצה) für Gott ist hier Gideon ausnahmsweise erla[?] worden. Vgl. Themurah 28 b.
Hier erst erfahren wir, in welcher Umgebung Gideon aufgewachsen w[?] Sein Vater war ein Baalsverehrer, kein einseitiger — scheint er doch [?] Sederabend mit seiner Familie zur Peßachfeier sich vereint zu haben (v[?] das zu V. 13 Bemerkte) — doch jedenfalls einer, der eine Vereinigung v[?] Judentum und Götzentum für möglich hielt. Da sollte nun Gideon du[?] eine Tat beweisen, daß die Wahrheit sich selbst aufgiebt, wenn sie neben [?] die Lüge duldet. Es genügte nicht, daß er für sich einen Altar dem ein[?] wahren Gotte erbaut hatte, er mußte hingehen und die Wahrheit sei[?] inneren Umwandlung durch Zerstörung des Lügenaltars seines eigenen Vat[?] erweisen.
26
וּבָנִ֨יתָ מִזְבֵּ֜חַ לַיהֹוָ֣ה אֱלֹהֶ֗יךָ עַ֣ל רֹ֧אשׁ הַמָּע֛וֹז הַזֶּ֖ה בַּמַּעֲרָכָ֑ה וְלָֽקַחְתָּ֙ אֶת־הַפָּ֣ר הַשֵּׁנִ֔י וְהַעֲלִ֣יתָ עוֹלָ֔ה בַּעֲצֵ֥י הָאֲשֵׁרָ֖ה אֲשֶׁ֥ר תִּכְרֹֽת׃
BernfeldBaue einen Altar dem Herrn, deinem Gotte, auf der Spitze dieses Felsens in der Schicht und nimm den zweiten Farren und bring‘ ihn als Ganzopfer dar mit dem Holze des Hains, den du umhauen wirst.
ZunzUnd baue einen Altar dem Ewigen deinem Gotte auf der Spitze dieses Felsens in der Schicht, und nimm den zweiten Farren und bring ihn als Ganzopfer dar mit dem Holze des Hains, den du umhauen wirst.
R. BreuerDann baue einen Altar für Gott, deinen Gott auf der Spitze dieses Felsens in der Schicht, dann nimm den zweiten Stier und bring ihn als Emporopfer dar mit dem Holze des Hains, den du umhauen sollst.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 26. במערכה. Bedeutet entweder die Steinschicht, aus welcher [?] Altar errichtet war, oder, was wahrscheinlicher ist, die Stelle auf dem Fe[?] gipfel, die sich für den Altarbau am besten eignete.
בעצי האשרה. Auch die Verwendung des Ascheraholzes für den Opf[?] brand gehört zu den sonst verbotenen Dingen, die hier ausnahmsweise erlau[?] wurden. Vgl. Themura a. a. O.
27
וַיִּקַּ֨ח גִּדְע֜וֹן עֲשָׂרָ֤ה אֲנָשִׁים֙ מֵעֲבָדָ֔יו וַיַּ֕עַשׂ כַּאֲשֶׁ֛ר דִּבֶּ֥ר אֵלָ֖יו יְהֹוָ֑ה וַיְהִ֡י כַּאֲשֶׁ֣ר יָרֵא֩ אֶת־בֵּ֨ית אָבִ֜יו וְאֶת־אַנְשֵׁ֥י הָעִ֛יר מֵעֲשׂ֥וֹת יוֹמָ֖ם וַיַּ֥עַשׂ לָֽיְלָה׃
BernfeldGideon nahm zehn Leute von seinen Knechten und tat, wie der Herr zu ihm geredet; da er sich aber vor seines Vaters Haus und den Stadtleuten fürchtete, es bei Tage zu tun, so tat er es nachts.
ZunzUnd Gideon nahm zehn Leute von seinen Knechten und that wie der Ewige zu ihm geredet; und es geschah, da er sich vor seines Vaters Haus und den Stadtleuten fürchtete, es bei Tage zu thun, so that er es Nachts.
R. BreuerGideon nahm zehn Leute von seinen Knechten und tat wie Gott zu ihm geredet hatte; da er sich aber vor seines Vaters Haus und den Stadtleuten fürchtete, es bei Tag zu tun, so tat er es nachts.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 27. Die Wahl der Nacht für die Ausführung des Gottesbefe[?] konnte nicht die Verheimlichung der Tat bezwecken, denn Gideon mußte von vornherein damit rechnen, daß mit Anbruch des Tages — wie dies auch wirklich geschah — die Stadtleute sofort merken würden, was geschehen war, vielmehr sollte die Nacht eine möglichst ungestörte Vollbringung des göttlichen Auftrags verbürgen.
28
וַיַּשְׁכִּ֜ימוּ אַנְשֵׁ֤י הָעִיר֙ בַּבֹּ֔קֶר וְהִנֵּ֤ה נֻתַּץ֙ מִזְבַּ֣ח הַבַּ֔עַל וְהָאֲשֵׁרָ֥ה אֲשֶׁר־עָלָ֖יו כֹּרָ֑תָה וְאֵת֙ הַפָּ֣ר הַשֵּׁנִ֔י הֹֽעֲלָ֔ה עַל־הַמִּזְבֵּ֖חַ הַבָּנֽוּי׃
BernfeldMorgens standen die Stadtleute früh auf, [sie fanden, dass] umgerissen war der Altar des Baal und der Hain, der darum lag, umgehauen, und der zweite Farren geopfert auf dem gebauten Altare.
ZunzUnd die Stadtleute standen Morgens früh auf, und siehe, umgerissen war der Altar des Baal, und der Hain, der darüber, umgehauen, und der zweite Farren dargebracht auf dem gebauten Altare.
R. BreuerAls die Stadtleute morgens früh aufstanden — siehe, da war der Altar des Baal zerstört und der Hain, der um ihn war, umgehauen, und der zweite Stier geopfert auf dem aufgerichteten Altar.
29
וַיֹּֽאמְרוּ֙ אִ֣ישׁ אֶל־רֵעֵ֔הוּ מִ֥י עָשָׂ֖ה הַדָּבָ֣ר הַזֶּ֑ה וַֽיִּדְרְשׁוּ֙ וַיְבַקְשׁ֔וּ וַיֹּ֣אמְר֔וּ גִּדְעוֹן֙ בֶּן־יוֹאָ֔שׁ עָשָׂ֖ה הַדָּבָ֥ר הַזֶּֽה׃
BernfeldUnd einer sprach zum Andern: Wer hat diese Sache getan? Sie forschten nach und untersuchten, und man sagte: Gideon, Sohn Joas, hat diese Sache getan.
ZunzUnd sie sprachen Einer zum Andern: Wer hat diese Sache gethan? und sie forschten nach und untersuchten, und man sagte: Gideon, Sohn Joasch, hat diese Sache gethan!
R. BreuerDa sprachen sie der eine zum andern: Wer hat diese Sache getan? Sie forschten nach und untersuchten, da sagten sie: Gideon, Sohn Joas' hat diese Sache getan!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 29. Wahrscheinlich wurde Gideons Tat durch die Schwatzhaftigkeit eines der zehn Knechte verraten, die ihm bei seinem nächtlichen Werk behilflich waren (V. 27).
30
וַיֹּ֨אמְר֜וּ אַנְשֵׁ֤י הָעִיר֙ אֶל־יוֹאָ֔שׁ הוֹצֵ֥א אֶת־בִּנְךָ֖ וְיָמֹ֑ת כִּ֤י נָתַץ֙ אֶת־מִזְבַּ֣ח הַבַּ֔עַל וְכִ֥י כָרַ֖ת הָאֲשֵׁרָ֥ה אֲשֶׁר־עָלָֽיו׃
BernfeldDie Stadtleute sagten darauf zu Joas: Gib heraus deinen Sohn, dass er sterbe, weil er umgerissen den Altar des Baal, und weil er umgehauen den Hain, der darum war.
ZunzUnd die Stadtleute sagten zu Joasch: Gieb heraus deinen Sohn, daß er sterbe; weil er umgerissen den Altar des Baal, und weil er umgehauen den Hain, der darüber.
R. BreuerDarauf sagten die Stadtleute zu Joas: Gieb heraus deinen Sohn, daß er sterbe, denn umgerissen hat er den Altar des Baal und umgehauen hat er den Hain, der um ihn war.
31
וַיֹּ֣אמֶר יוֹאָ֡שׁ לְכֹל֩ אֲשֶׁר־עָמְד֨וּ עָלָ֜יו הַאַתֶּ֣ם ׀ תְּרִיב֣וּן לַבַּ֗עַל אִם־אַתֶּם֙ תּוֹשִׁיע֣וּן אוֹת֔וֹ אֲשֶׁ֨ר יָרִ֥יב ל֛וֹ יוּמַ֖ת עַד־הַבֹּ֑קֶר אִם־אֱלֹהִ֥ים הוּא֙ יָ֣רֶב ל֔וֹ כִּ֥י נָתַ֖ץ אֶֽת־מִזְבְּחֽוֹ׃
BernfeldJoas sagte zu denen, die um ihn standen: Wollt ihr für den Baal streiten, oder wollt ihr ihm beistehen? Wer für ihn streitet, soll getötet werden bis zum Morgen; wenn er ein Gott ist, mag er für sich streiten, dass man seinen Altar umgerissen.
ZunzUnd Joasch sagte zu allen, die um ihn standen: Wollt ihr streiten für Baal, oder wollt ihr ihm beistehen? Wer für ihn streitet, soll getödtet werden bis zum Morgen; wenn er ein Gott ist, mag er für sich streiten, daß man seinen Altar umgerissen.
R. BreuerDa sagte Joas zu all denen, die um ihn standen: Wollt ihr für Baal streiten oder wollt ihr ihm helfen? Wer für ihn streitet, soll getötet werden bis zum Morgen! Wenn er ein Gott ist, mag er für sich streiten, daß man seinen Altar umgerissen!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 31. Gideons resolute Tat hatte ihre Wirkung nicht verfehlt. Sein eigener Vater war's, der sich des lächerlichen Eindrucks, der von der Ohnmacht des seiner Kultstätte beraubten Baalsgötzen ausging, nicht erwehr[?] konnte.
32
וַיִּקְרָא־ל֥וֹ בַיּוֹם־הַה֖וּא יְרֻבַּ֣עַל לֵאמֹ֑ר יָ֤רֶב בּוֹ֙ הַבַּ֔עַל כִּ֥י נָתַ֖ץ אֶֽת־מִזְבְּחֽוֹ׃ {ס}
BernfeldMan nannte [den Gideon) an jenem Tage Jerubbaal, das heißt: Baal wird mit ihm streiten, weil er seinen Altar umgerissen.
ZunzUnd man nannte ihn an jenem Tage Jerubbaal, das heißt: es wird Baal mit ihm streiten, weil er seinen Altar umgerissen.
R. BreuerMan nannte ihn an jenem Tage Jerubbaal, das heißt: Baal wird mit ihm streiten, weil er seinen Altar umgerissen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 32. Joas' Dazwischentreten, seine ironische Aufforderung, [?] dem Baal selbst zu überlassen, der Anwalt seines Rechts zu sein, hatte d[?] Stadtleute von ihrem Vorhaben, Gideon zu töten, abgehalten. Währe[?] aber Joas selbst für sich selbst aufgeklärt genug gewesen sein mag, um [?] wissen, was es mit dem Baal für eine Bewandtnis hatte, waren die Sta[?] leute in ihrem krassen Götzenaberglauben überzeugt, daß Gideon der Ra[?] des Baal nicht entgehen werde. Ja, sie konnten ihn fortan nicht mehr seh[?] ohne bei seinem Anblick zu denken, hier steht ein dem Baalsstrafgericht V[?] fallener: sie nannten ihn Jerubbaal, d. h. Baal wird mit ihm streiten.
33
וְכׇל־מִדְיָ֧ן וַעֲמָלֵ֛ק וּבְנֵי־קֶ֖דֶם נֶאֶסְפ֣וּ יַחְדָּ֑ו וַיַּעַבְר֥וּ וַֽיַּחֲנ֖וּ בְּעֵ֥מֶק יִזְרְעֶֽאל׃
BernfeldGanz Midjan und Amalek und die Söhne des Morgenlandes waren zusammengekommen und zogen herüber, sie lagerten im Tale Isreel.
ZunzUnd ganz Midjan und Amalek und die Söhne des Morgenlandes waren zusammengekommen, und zogen herüber, und lagerten im Thale Jisreel.
R. BreuerGanz Midjan und Amalek und die Söhne des Morgenlandes hatten sich zusammengetan und zogen hinüber und lagerten im Tale Jisreel.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 33. Nicht zum ersten Male waren die Verbündeten in Isra[?] Land eingefallen. In V. 3 wurde erzählt, daß dieser Einfall immer da[?] stattzufinden pflegte, wenn im jüdischen Lande etwas zu holen war. Als a[?] die Unersättlichen jetzt wieder einmal ihren gewohnten Raubzug wiederho[?] wollten, über den Jarden zogen und im Tale Jisreel ihr Lager aufschlug[?] fanden sie in Gideon ihren Meister.
34
וְר֣וּחַ יְהֹוָ֔ה לָבְשָׁ֖ה אֶת־גִּדְע֑וֹן וַיִּתְקַע֙ בַּשּׁוֹפָ֔ר וַיִּזָּעֵ֥ק אֲבִיעֶ֖זֶר אַחֲרָֽיו׃
BernfeldDer Geist des Herrn [großer Mut] kam über Gideon, er stieß in die Posaune, und die von Abieser sammelten sich um ihn.
ZunzUnd der Geist des Ewigen bekleidete den Gideon, und er stieß in die Posaune, und die von Abieser sammelten sich um ihn.
R. BreuerAber der Geist Gottes hatte Gideon erfaßt, er stieß in die Posaune und Abieser sammelte sich um ihn.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 34. Wenn Raschi רוח ה' mit רוח גבורה erklärt, so liegt da[?] keine rationalisierende Tendenz, die den metaphysischen Begriff des auserlese[?] Menschen innewohnenden Gottesgeistes etwa zu jener trivialen Denkweise erniederte, die im göttlichen Geiste nur eine Steigerung des gewöhnlichen Menschengeistes ins Außerordentliche, Genialische sieht, sodaß ein vom Gottesgeist erfüllter Held nichts anderes als eben ein Held von außerordentlicher Größe wäre. So hat es Raschi nicht gemeint. Der Sinn seiner Bemerkung liegt vielmehr darin, daß Gideons Heldentum bei all seiner natürlichen Größe nichts gefruchtet hätte, wenn der רוח גבורה, der in ihm war, nicht רוח ה' gewesen wäre, wenn es nicht Gottes Wille gewesen wäre, der überhaupt erst den Geist des Heldentums in ihm geweckt und ihn zur Befreiung seines Volkes befähigt hätte.
אביעזר. Gideons Familie folgte als erste seinem Rufe. Die anderen Stämme, zu welchen der anfeuernde Schofarweckruf Gideons nicht unmittelbar dringen konnte, wurden, wie der folgende V. erzählt, durch Sendboten zum Anschluß gerufen.
35
וּמַלְאָכִים֙ שָׁלַ֣ח בְּכׇל־מְנַשֶּׁ֔ה וַיִּזָּעֵ֥ק גַּם־ה֖וּא אַחֲרָ֑יו וּמַלְאָכִ֣ים שָׁלַ֗ח בְּאָשֵׁ֤ר וּבִזְבֻלוּן֙ וּבְנַפְתָּלִ֔י וַֽיַּעֲל֖וּ לִקְרָאתָֽם׃
BernfeldEr sandte Boten in ganz Manasse, und auch dieser sammelte sich um ihn; er sandte Boten an Asser und Sebulun und Naftali, und sie zogen herauf ihnen entgegen.
ZunzUnd Boten sandte er durch ganz Menascheh, und auch dieser sammelte sich um ihn, und Boten sandte er durch Ascher und durch Sebulun und durch Naftali, und sie zogen herauf ihnen entgegen.
R. BreuerUnd Boten sandte er in ganz Menascheh umher, und auch dieser sammelte sich um ihn; dann sandte er Boten an Ascher, Sebulun und Naphtali, und sie zogen herauf ihnen entgegen.
36
וַיֹּ֥אמֶר גִּדְע֖וֹן אֶל־הָאֱלֹהִ֑ים אִם־יֶשְׁךָ֞ מוֹשִׁ֧יעַ בְּיָדִ֛י אֶת־יִשְׂרָאֵ֖ל כַּאֲשֶׁ֥ר דִּבַּֽרְתָּ׃
BernfeldGideon sprach zu Gott: Wenn du wirklich Israel durch meine Hand retten willst, wie du geredet, [gib mir darauf ein Zeichen].
ZunzUnd Gideon sprach zu Gott: Wenn du wirklich Jisraël durch meine Hand retten willst, wie du geredet. . . .
R. BreuerGideon sprach zu Gott: Wenn du wirklich Israel durch meine Hand retten willst, wie du gesprochen —:
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 36—40. Um in den Sinn dieser Verse einzudringen, müßte man einen tieferen Einblick in die Beziehungen zwischen Gott und seinen Auserwählten haben, als ihn gewöhnliche Sterbliche zu gewinnen vermögen. Für unser heutiges Begriffsvermögen ist ein undurchdringliches Dunkel über die Menschen, Zustände und Verhältnisse einer Zeit gehüllt, in welcher die für das Verständnis aller damaligen Vorgänge grundlegende Norm עיקר שכינה בתחתונים noch lebendige Wirklichkeit war. Nur eines wissen wir: der Verkehr zwischen Gott und seinen Auserwählten spielte sich in einer der menschlichen Geisteskürze angepaßten Weise ab. Gott ließ sich herab, um die zu unmittelbarem Verkehr mit ihm Auserkorenen durch irdischen Anschauungsunterricht mit einer Ahnung von seiner über alles menschliche Vorstellungsvermögen erhabenen Allmacht zu erfüllen. Nur im Lichte dieses Gedankens erhebt sich Gideons Doppelerprobung der göttlichen Allmacht über das Niveau eines naiven Spiels mit dem göttlichen Wesen zur Höhe einer gottesdienstlichen Handlung, deren Zweck, wie beim Beten, so auch hier Weihe des Gott Dienenden und Gott zu sich Herabrufenden zur unentwegten Erfüllung der ihm gewordenen Sendung war.
Menascheh, Ascher, Sebulun, Naphtali hatten sich um Gideon versammelt, um gegen Midjan zu ziehen. Da bedurfte es schon der erneuten Weihe, um an der Spitze einer so erheblichen Streitmacht nur an Gott als den alleinigen Bürgen des Sieges zu glauben. Gideon hatte daher das Bedürfnis, bevor er in den Kampf zog, sich abermals mit der ganzen Göttlichkeit seiner Sendung zu erfüllen. Er betete zu Gott, ihm durch ein Wunder aufsneue die mit nichts vergleichbare Natur der göttlichen Waltung zu offenbaren. Und Gott erhörte sein Gebet. Auch als er seine Bitte wiederholte. Seine erste Bitte war nur zum Teil in Erfüllung gegangen. Es lag wohl mehr Tau auf der Schur als auf dem Boden, doch ganz, wie Gideon gefordert hatte, war der Tau vom Boden nicht geschwunden. Denn es entspricht dem göttlichen Willen nicht, daß die Erde auch nur für kurze Zeit ganz des Taues entbehre. (Vgl. Raschi) Daher bat Gideon zum zweiten Male um eine noch augenfälligere Offenbarung der göttlichen Allmacht, es möge, wenn ringsum alles von Tau bedeckt sei, die Schur allein trocken bleiben. Und Gott willfahrte seiner Bitte. Gideon erlebte einen offensichtlichen Durchbruch der Natur an den kleinen Dingen seiner Umgebung. Die Tenne, die ihm von Kindheit an in ihrer profanen Gewöhnlichkeit und Alltäglichkeit vertraut war, verwandelte sich ihm in eine Offenbarungsstätte der göttlichen Wunderallmacht. In dieser Tenne erlebte er, wie der Tau nicht schematisch auf jeden Erdfleck fällt, sondern nur dort sich niederläßt, wohin Gottes Wille ihn schickt. Nun wußte er, in wessen Hand die Würfel über Sieg und Niederlage liegen. Nun fühlte er sich als Gottesboten, dessen Hand bestimmt war, Israel zu retten.
37
הִנֵּ֣ה אָנֹכִ֗י מַצִּ֛יג אֶת־גִּזַּ֥ת הַצֶּ֖מֶר בַּגֹּ֑רֶן אִ֡ם טַל֩ יִֽהְיֶ֨ה עַֽל־הַגִּזָּ֜ה לְבַדָּ֗הּ וְעַל־כׇּל־הָאָ֙רֶץ֙ חֹ֔רֶב וְיָדַעְתִּ֗י כִּֽי־תוֹשִׁ֧יעַ בְּיָדִ֛י אֶת־יִשְׂרָאֵ֖ל כַּאֲשֶׁ֥ר דִּבַּֽרְתָּ׃
BernfeldIch stelle die Schur der Wolle in der Tenne auf: Wenn Tau auf der Schur allein sein wird, und auf dem ganzen Boden Trockenheit, so werde ich erkennen, dass du durch meine Hand Israel retten wirst, wie du geredet.
ZunzSiehe, ich stelle die Schur der Wolle in der Tenne auf: Wenn Thau auf der Schur allein seyn wird, und auf dem ganzen Boden Trockenheit, so werde ich erkennen, daß du durch meine Hand Jisraël retten wirst, wie du geredet.
R. BreuerSiehe, ich stelle die Schur der Wolle in die Tenne hin, wenn Tau auf der Schur allein sein wird und auf dem ganzen Boden Trockenheit, so werde ich erkennen, daß du durch meine Hand Israel retten wirst, wie du gesprochen.
38
וַיְהִי־כֵ֕ן וַיַּשְׁכֵּם֙ מִֽמׇּחֳרָ֔ת וַיָּ֖זַר אֶת־הַגִּזָּ֑ה וַיִּ֤מֶץ טַל֙ מִן־הַגִּזָּ֔ה מְל֥וֹא הַסֵּ֖פֶל מָֽיִם׃
BernfeldEs geschah also. Als er am folgenden Tage früh aufstand, wand er die Schur aus, und er drückte Tau aus der Schur, eine Schale voll Wasser.
ZunzUnd es geschah also. Und er stand am folgenden Tage früh auf, und wand die Schur aus, und er drückte Thau aus der Schur, eine Schale voll Wasser.
R. BreuerEs geschah also: Als er am folgenden Tage früh aufstand, wand er die Schur aus und er drückte Tau aus der Schur, eine Schale voll Wasser.
39
וַיֹּ֤אמֶר גִּדְעוֹן֙ אֶל־הָ֣אֱלֹהִ֔ים אַל־יִ֤חַר אַפְּךָ֙ בִּ֔י וַאֲדַבְּרָ֖ה אַ֣ךְ הַפָּ֑עַם אֲנַסֶּ֤ה נָּא־רַק־הַפַּ֙עַם֙ בַּגִּזָּ֔ה יְהִי־נָ֨א חֹ֤רֶב אֶל־הַגִּזָּה֙ לְבַדָּ֔הּ וְעַל־כׇּל־הָאָ֖רֶץ יִֽהְיֶה־טָּֽל׃
BernfeldGideon sprach zu Gott: Es entbrenne nicht dein Zorn über mich, ich will auch nur diesmal reden; ich will es nur noch dieses Mal mit der Schur versuchen: möge doch auf der Schur allein Trockenheit sein, und auf dem ganzen Boden sei Tau.
ZunzUnd Gideon sprach zu Gott: Nicht entbrenne dein Zorn über mich, und ich will auch nur diesmal reden; ich will es doch versuchen, nur noch dieses Mal mit der Schur; möge doch auf der Schur allein Trockenheit seyn, und auf dem ganzen Boden sei Thau.
R. BreuerGideon sprach zu Gott: Es entbrenne nicht dein Zorn über mich, ich will nur noch diesmal reden, ich will es nur noch dieses Mal mit der Schur versuchen: möge doch auf der Schur allein Trockenheit sein, und auf dem ganzen Boden sei Tau.
40
וַיַּ֧עַשׂ אֱלֹהִ֛ים כֵּ֖ן בַּלַּ֣יְלָה הַה֑וּא וַֽיְהִי־חֹ֤רֶב אֶל־הַגִּזָּה֙ לְבַדָּ֔הּ וְעַל־כׇּל־הָאָ֖רֶץ הָ֥יָה טָֽל׃ {פ}
BernfeldGott tat also in derselben Nacht; es war Trockenheit auf der Schur allein, und auf dem ganzen Boden war Tau.
ZunzUnd Gott that also in derselben Nacht, und es war Trockenheit auf der Schur allein, und auf dem ganzen Boden war Thau.
R. BreuerGott tat also in derselben Nacht: es war Trockenheit auf der Schur allein, und auf dem ganzen Boden war Tau.