Schoftim 5 שופטים

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Haftarot in diesem Kapitel: Beschalach · Pessach, 7. Tag · Pessach, 8. Tag (Diaspora)
Haftarah Beschalach Sefardim beginnen hier.
Haftarah Pessach, 7. Tag Karäer beginnen hier.
Haftarah Pessach, 8. Tag (Diaspora) Romanioten beginnen hier.
1
וַתָּ֣שַׁר דְּבוֹרָ֔ה וּבָרָ֖ק בֶּן־אֲבִינֹ֑עַם בַּיּ֥וֹם הַה֖וּא לֵאמֹֽר׃
BernfeldAn jenem Tage sang Debora und Barak Sohn Abinoams,
ZunzUnd es sang Deborah und Barak Sohn Abinoam an selbigem Tage also:
R. BreuerAn jenem Tage sang Deborah und Barak, der Sohn Abinoams, also:
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

Kap. 5. V. 1. Als Barak zum Berge Thabor zog, war er der Führende und Deborah folgte ihm nach (4, 10). Als es jetzt galt, aus den kriegerischen Erlebnissen in einem Sange das geistige Facit zu ziehen, trat wieder die Prophetin als die von Gott berufene Erste hervor — ותשר דבורה — der sich Barak als der Zweite, sich unterordnend, anschloß.

2
בִּפְרֹ֤עַ פְּרָעוֹת֙ בְּיִשְׂרָאֵ֔ל בְּהִתְנַדֵּ֖ב עָ֑ם בָּֽרְכ֖וּ יְהֹוָֽה׃
BernfeldAls die Fürsten in Israel sich fürstlich bewährten und das Volk ihnen willig [nachzog]: Preiset den Herrn!
ZunzAls Zügellosigkeit war in Jisraël, da sich willig hingab ein Volk, (dafür) preiset den Ewigen!
R. BreuerWenn Zügellosigkeit eingerissen war in Israel und sich das Volk wieder weihet: so segnet Gott!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 2. Nicht mit natürlichen Dingen geht es zu, wenn ein Volk aus sittlicher und politischer Zügellosigkeit — daher wohl der Plural פרעות — mit einem Male, dem Zuge seines im Grunde doch unverdorbenen Herzens folgend (בהתנדב), zu einem geläuterten, disziplinierten Volke wieder ersteht. Jeder von Menschen frei gewählte Weg zum Guten ist eine Bekundung der göttlichen Allmacht und Freiheit, von der ein Abglanz unauslöschlich die Menschenseele erhellt. Unverkennbar sind in jeder Volkserhebung, die reinen Zielen zustrebt, die Spuren göttlicher Waltung. Darum, wann immer Israel aus der Tiefe zur Höhe sich aufrafft, segnet Gott! — Vgl. hier und zum folgenden Komm. Haftoroth S. 126 ff.

3
שִׁמְע֣וּ מְלָכִ֔ים הַאֲזִ֖ינוּ רֹֽזְנִ֑ים אָנֹכִ֗י לַֽיהֹוָה֙ אָנֹכִ֣י אָשִׁ֔ירָה אֲזַמֵּ֕ר לַֽיהֹוָ֖ה אֱלֹהֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldHöret, Könige, vernehmet Fürsten: ich will den Herrn preisen, in Saitenspiel [verkünden den Ruhm] des Herrn, des Gottes Israel.
ZunzHöret Könige, horchet auf, Fürsten: dem Ewigen will ich singen, saitenspielen dem Ewigen, dem Gott Jisraël's.
R. BreuerHöret, Könige, neiget euer Ohr, Staatenlenker! Ich — Gott singe ich den schauenden Sang, ich lobsinge Gott, dem Gotte Israels.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 3. „Das wiederholte „ich“ weist auf einen Gegensatz hin. Mögen andere nach solchem Siege die nationale Tapferkeit, die Feldherrnkunst der Führer, den Heldenmut ihrer Krieger triumphierend feiern: mein Lied tönt nur Gott, dem Gotte Israels, d. h. dem gnadenvoll sein Volk zu „Israel“, zu Seiner Anerkennung erziehenden“. (Komm. Haftoroth a. a. O.) שמעו מלכים האזינו רוזנים. „האזין, das Ohr hinneigen, spricht ein größeres Entgegenkommen zur Aufnahme eines zu sprechenden Wortes aus als שמע. שמע, gehört kann etwas auch ohne Wollen des Hörenden werden, nicht also האזין.“ (Komm. Deut. 32, 1) „מלכים sind ursprünglich מלכי גוים, die Vertreter und Führer der nach außen geeinten Volksmächte. רוזנים — רזן verwandt mit רסן Zügel — sind die Leiter der staatlichen Ordnung. Vgl. ורוזנים יחוקקו צדק (Prov. 8, 15).“ (Komm. Ps. 2, 2) Bei den רוזנים, den Leitern der inneren Politik, hofft Deborah mit ihrem Sang ein „größeres Entgegenkommen zur Aufnahme“ zu finden (האזינו), als bei den מלכים, den Repräsentanten der äußeren Politik (שמעו). Sehr begreiflich. Ihr Sang, der schon in den einleitenden Worten auf den Gegensatz zwischen jüdischer und nichtjüdischer Art des Siegesfeierns hinweist, ist so durch und durch von den Gedanken und Empfindungen der spezifisch jüdischen Nationalität durchtränkt, daß dieser Gegensatz zu dem Wesen nichtjüdischer Nationen von den Vertretern ihrer äußeren Politik als eine viel schroffere Ablehnung ihrer Grundsätze empfunden werden mag, als von den Leitern ihrer inneren Politik, deren Blick nach innen gewandt ist und die sich darum von Deborahs Worten nicht so betroffen fühlen müssen.

אנכי — אנכי. Vgl. Raschi: שמעתי מדרש אגדה לא קפח הקב"ה שכר תבור וכרמל שבאו למתן תורה לתת עליהם את התורה וחזרו בבשת הפנים אמר להם הקב"ה סוף שאני פורע לכם כפלים נאמר בסיני אנכי ה' אלהיך בתבור יאמר אנכי אנכי נאמר בסיני אנכי ה' אלהיך בכרמל יאמר כפול ה' הוא האלהים בימי אליהו. „Als Gott die Thora auf dem Sinai offenbarte, gingen die Berge Thabor und Karmel beschämt von dannen, weil nicht sie als Stätte der Offenbarung gewählt worden waren, obwohl sie sich dazu erboten hatten. Gott aber sprach zu ihnen: ich werde euch die entgangene Ehre doppelt ersetzen. Auf dem Sinai erklang nur einmal אנכי, auf dem Thabor zweimal. Auf dem Sinai wurde nur einmal die Herrschaft Gottes verkündet, auf dem Karmel zu wiederholtem Male.“ So groß der Augenblick der Gottesoffenbarung auf dem Sinai war, der Augenblick, da am Thabor und Karmel aus heiligem, Gott zujubelndem Menschengemüte die Anerkennung dieser Gottesoffenbarung erklang, war noch einmal so groß. Was ist das Geschehnis am Sinai, wenn ihm nicht die Geschehnisse auf dem Thabor und Karmel folgen?

Haftarah Beschalach Italiener enden hier.
4
יְהֹוָ֗ה בְּצֵאתְךָ֤ מִשֵּׂעִיר֙ בְּצַעְדְּךָ֙ מִשְּׂדֵ֣ה אֱד֔וֹם אֶ֣רֶץ רָעָ֔שָׁה גַּם־שָׁמַ֖יִם נָטָ֑פוּ גַּם־עָבִ֖ים נָ֥טְפוּ מָֽיִם׃
BernfeldAls du, Herr, von Sëir auszogst, vom Gefilde Edoms einherschrittest, bebte die Erde, die Himmel zerflossen, auch die Wolken [hochragende Berge] zerflossen in Wasser.
ZunzEwiger, bei deinem Auszug von Seir, bei deinem Einherschreiten vom Gefilde Edom, bebte die Erde, troffen die Himmel, auch die Wolken troffen Wasser.
R. BreuerGott, als du auszogst von Seir, als du einherschrittest vom Gefilde Edoms, da erbebte die Erde, auch die Himmel strömten nieder, auch die Wolken strömen Wasser nieder.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 4—5. Der emphatische Ausruf זה סיני in Verbindung mit den Worten ד' בצאתך משעיר, die so lebhaft an den Satz וזרח משעיר למו (Deut. 32, 2) erinnern (vgl. Raschi), ist ein solch deutlicher Hinweis auf die Gesetzgebung am Sinai, daß nicht recht begreiflich ist, warum Kommentare wie מצודת דוד und Malbim hier an die Zeit von Israels Eintritt ins heilige Land denken. Viel einleuchtender ist es doch, hier mit Raschi die Tendenz dieser ersten Verse des Deborahliedes in der Gegenüberstellung der Zeit der Sinaioffenbarung zu der in den folgenden Versen geschilderten Zeit der Richter zu erblicken. Damals als Gott die ganze Welt, als deren Repräsentanten hier Seir und Edom genannt werden, beiseiteschob, um sich Israel zu offenbaren, als der Sinai zum Mittelpunkt der Erde wurde, stand Israel groß und mächtig da. Denn „vor Gott, dem Gotte Israels, erbebte, „zerfloß“ alles, auch das Mächtigste zeigte sich als gefügiger Stoff in seiner Hand, deshalb hatte das in seinen Dienst getretene Israel außer Ihm absolut nichts zu fürchten.“ (Komm. a. a. O. S. 127). Wie anders wurde es später in den Tagen Schamgars und Jaels!

5
הָרִ֥ים נָזְל֖וּ מִפְּנֵ֣י יְהֹוָ֑ה זֶ֣ה סִינַ֔י מִפְּנֵ֕י יְהֹוָ֖ה אֱלֹהֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldBerge zerrannen vor dem Herrn, dieser Sinai [zerrann] vor dem Herrn, dem Gotte Israels.
ZunzBerge zerflossen vor dem Anblicke des Ewigen, dort der Sinai vor dem Anblicke des Ewigen, des Gottes Jisraël's.
R. BreuerBerge zerflossen vor Gott — dieser Sinai! — vor Gott, dem Gotte Israels!
6
בִּימֵ֞י שַׁמְגַּ֤ר בֶּן־עֲנָת֙ בִּימֵ֣י יָעֵ֔ל חָֽדְל֖וּ אֳרָח֑וֹת וְהֹלְכֵ֣י נְתִיב֔וֹת יֵלְכ֕וּ אֳרָח֖וֹת עֲקַלְקַלּֽוֹת׃
BernfeldIn den Tagen Samgars des Sohnes Anats, in den Tagen des Jaël, hörten alle Karawanen auf: die Wegwanderer mußten krumme Pfade aufsuchen.
ZunzIn den Tagen Schamgar's, Sohnes Anat, in den Tagen Jaél's feierten die Pfade, und die Wanderer der Straßen wanderten gewundene Pfade.
R. BreuerIn den Tagen Schamgars, des Sohnes Anaths, in den Tagen Jaëls hatten die Wege des Verkehrs aufgehört, und die Wege zu gehen hatten, mußten Schleichwege einschlagen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 6—7. Wie tief war das einst so stolze Israel in den Tagen Schamgars und Jaels (die demnach ebenfalls Richterin war; vgl. Raschi) gesunken! Einst war es das gefürchtete Volk Gottes, vor dessen Angesicht die Erde erbebte, Himmel, Wolken und Berge zerflossen, jetzt lag es gedemütigt und geknebelt in der Hand eines übermächtigen, übermütigen Feindes, der mit allen Mitteln der Schreckensherrschaft das Leben des Volkes zu unterdrücken wußte. Aus den einst so belebten Verkehrsstraßen des Landes waren Handel und Wandel gewaltsam verscheucht, wie ein Volk von verschüchterten Heloten mußte Israel auf Schleichwegen wandeln, um nur ja nicht dem Blicke seines grimmigen Unterdrückers zu begegnen. Und wo waren die Zeiten, da Israel, gestützt auf die schirmende Gewalt seines weithin gefürchteten Namens, ruhig und sicher in seinen offenen Städten verbleiben konnte! Nur in befestigten Plätzen konnte es sich in diesen Jahren der Schmach der Übergriffe der Feinde erwehren.

פרזון. Ein schwieriges Wort. Im Komm. Haftoroth a. a. O. wird es mit Wehrlosigkeit übersetzt, חדלו in V. 7 auf ארחות in V. 6 zurückbezogen und der Satz חדלו פרזון בישראל mit „aufgehört hatten sie in der Wehrlosigkeit in Israel“ wiedergegeben. Wir glauben der Auffassung Raschis, wonach פרזון dasselbe ist wie ערי הפרזי, den Vorzug geben zu sollen, weil hierbei die Satzkonstruktion in V. 7 ungezwungen ist, wiewohl die Pluralform חדלו auch ein Subjekt in Pluralform nach sich ziehen müßte.

עד שקמתי וגו'. Dieses stolze Wort will sich nicht recht in den Geist eines Gesanges einfügen, der Israels Auferstehung und Sieg als ein von Gott gewirktes Ereignis feiert, weshalb ein Talmudweiser in Peßachim 66 b dieses selbstbewußte Wort mit V. 12 zusammenhält, wo Deborahs prophetischer Geist als der Anfeuerung bedürftig erscheint — עורי עורי דבורה וגו' — und eitle Selbstgefälligkeit als die gefährlichste Klippe für die Reinheit des prophetischen Geistes erklärt: כל המתיהר נבואתו מסתלקת ממנו.

7
חָדְל֧וּ פְרָז֛וֹן בְּיִשְׂרָאֵ֖ל חָדֵ֑לּוּ עַ֤ד שַׁקַּ֙מְתִּי֙ דְּבוֹרָ֔ה שַׁקַּ֥מְתִּי אֵ֖ם בְּיִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldSie entbehrten jede Sicherheit in Israel; bis du aufstandst, Debora, bis du aufstandest, eine Mutter in Israel.
ZunzEs feierten die Führer in Jisraël; sie feierten, bis daß ich aufstand, Deborah, aufstand eine Mutter in Jisraël:
R. BreuerVerschwunden waren die offenen Städte, aus Israel waren sie verschwunden, — bis ich Deborah, aufstand, bis ich als Mutter aufstand in Israel!
8
יִבְחַר֙ אֱלֹהִ֣ים חֲדָשִׁ֔ים אָ֖ז לָחֶ֣ם שְׁעָרִ֑ים מָגֵ֤ן אִם־יֵֽרָאֶה֙ וָרֹ֔מַח בְּאַרְבָּעִ֥ים אֶ֖לֶף בְּיִשְׂרָאֵֽל׃
Bernfeld[Israel] erkor neue Götter, da stritt man in [seinen] Städten; ob sich aber Schild und Lanze fand unter vierzigtausend von Israel?
ZunzEs erkor neue Götter, da war der Kämpfer vor den Thoren. Ob Schild sich sehen ließ und Lanze unter vierzigtausend in Jisraël?
R. BreuerAls es sich neue Götter erkor, da war der Krieg in den Toren — weder Schild noch Speer war (einst) unter Vierzigtausend in Israel zu sehen!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 8. Hier wird der Grund angegeben, wie es kam, daß auf eine so stolze Vergangenheit eine so schmachvolle Gegenwart gefolgt war. Israel hatte sich neue Götter erkoren und sich dadurch den Beistand seines alten Gottes verscherzt. Seine Treulosigkeit gegen Gott führte seine Niederlage herbei: als es sich neue Götter erkor, da war der Krieg in seinen Thoren. Und es war doch einst, als es seinem Gotte noch die Treue wahrte, mit seinen Feinden so leicht fertig geworden. „Gegen vierzig Tausend zum Heer Gerüstete zogen sie vor Gott in den Krieg in die Ebene Jerichos.“ (Jos. 4, 13) Ohne Schwertstreich — denn Gott war damals Israels „Schild“ und „Speer“ — ward Jericho erobert. (Vgl. מצודת דוד).

9
לִבִּי֙ לְחוֹקְקֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל הַמִּֽתְנַדְּבִ֖ים בָּעָ֑ם בָּרְכ֖וּ יְהֹוָֽה׃
BernfeldMein Herz [jubelt] entgegen den Führern Israels, allen die willig [in den Krieg gezogen]. Preiset den Herrn!
ZunzMein Herz (gehört) den Führern Jisraél's, denen, die sich willig hingeben im Volke. Preiset den Ewigen!
R. BreuerDeshalb gehört mein Herz den Wiederherstellern des Gesetzes in Israel, die sich weiheten im Volke — segnet Gott!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 9. Nun beginnt Deborah die Erhebung des Volkes zu schildern. Sie „feiert zunächst diejenigen, die an der Beseitigung der Ursachen der Knechtung arbeiteten, indem sie das Gesetz wieder herstellten in Israel“ (Komm. Haftoroth S. 123). Bevor das Volk „sich wieder weihete“ — בהתנדב עם V. 2 — mußten erst innerhalb des Volkes die besseren Elemente zu „Wiederherstellern des Gesetzes“ werden: המתנדבים בעם. Ihnen in erster Linie weiht Deborah den Dank ihres übervollen Herzens.

לחוקקי. Vgl. Komm. a. a. O. S. 127.

ברכו ד'. Vgl. V. 2 und das das. Bemerkte. Deborah knüpft hier offensichtlich an den daselbst ausgesprochenen Gedanken an: Wenn, sooft Israel zur Höhe seiner Bestimmung aus der Tiefe seiner Gesunkenheit sich wieder erhob, Gott zu segnen ist, so beginnt diese Pflicht im vorliegenden Falle schon im Augenblick, als die המתנדבים בעם zu חוקקי ישראל erstanden.

10
רֹכְבֵי֩ אֲתֹנ֨וֹת צְחֹר֜וֹת יֹשְׁבֵ֧י עַל־מִדִּ֛ין וְהֹלְכֵ֥י עַל־דֶּ֖רֶךְ שִֽׂיחוּ׃
BernfeldIhr [Vornehmen], die ihr auf schimmernden Eselinnen reitet und auf Teppichen sitzet, und ihr [Geringen], die ihr zu Fuß wandert, sprechet [von Gottes Ruhmestaten].
ZunzDie ihr reitet auf schimmernden Eselinnen, die ihr sitzet auf Teppichen, und die ihr wandert auf Wegen, preiset!
R. BreuerDie ihr auf weißen Eselinnen reitet, die ihr zu Gerichte sitzet, und die ihr auf dem Wege gehet: Sprechet es sinnend aus.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 10. Alle Kreise des Volkes, alle Stände und Berufsarten — die auf aparten Reittieren ihrem Geschäft nachgehenden Oberen; die unteren Klassen, die sich keine „weißen Eselinnen“ leisten können und zu Fuß gehen müssen; die Wächter und Vollstrecker des Gesetzes, die weder reiten noch gehen, sondern ihre Berufspflichten „sitzend“ erfüllen — fordert Deborah auf, den Umschwung der Dinge sinnend zu bedenken und preisend auszusprechen.

11
מִקּ֣וֹל מְחַֽצְצִ֗ים בֵּ֚ין מַשְׁאַבִּ֔ים שָׁ֤ם יְתַנּוּ֙ צִדְק֣וֹת יְהֹוָ֔ה צִדְקֹ֥ת פִּרְזוֹנ֖וֹ בְּיִשְׂרָאֵ֑ל אָ֛ז יָֽרְד֥וּ לַשְּׁעָרִ֖ים עַם־יְהֹוָֽה׃
BernfeldAuch die Sützen unter den Hirten, die die Herden tränken, preisen die Gnade des Herrn, dass er Sicherheit gab Israel; nunmehr zog das Volk des Herrn in [seine] Städte zum Krieg.
Zunz(Lauter) als der Ruf der Vertheiler zwischen den Schöpfbrunnen, verkünden sie dort die Wohlthaten des Ewigen, die Wohlthaten seiner Führung in Jisraël. Dann kamen sie herab zu den Thoren, des Ewigen Volk.
R. BreuerDeshalb, weil die Stimme der Pfeilanfertiger zwischen den Schöpfbrunnen vernommen wurde, so möge man dort die vielfältigen Offenbarungen der göttlichen Gnade verkünden, die Gnadenwaltungen der von Ihm über Israel verhängten Wehrlosigkeit! Denn damals zogen sie hinab zu den Toren (wiederum) als Gottes Volk!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 11. „מקול, das מ ist causal. מחצצים von חץ, Pfeil, die Pfeile Anfertigenden. Pfeil hier für Waffe. צדקות: die vielfachen Offenbarungen der einen צדקה. — פרזונו: das פרזון war פרזונו, die Wehrlosigkeit war von Ihm gefügt und erwies sich in ihren Folgen als höchste Gnadenfügung.“ (Komm. Haftoroth S. 128).

Dieser Vers lehrt, „daß nicht bei den oberen, sondern bei den unteren Schichten, nicht in den Reihen der „Gesellschaft“, sondern in denen des Volkes, und endlich nicht bei den Männern, sondern bei den Frauen mit der Rückkehr zu Gott auch das felsenfeste Vertrauen und der entschlossene Mut und der feste Wille, nicht länger das Joch der Fremden zu tragen, sich mächtig regte und in Taten kundgab. „Zwischen den Schöpfbrunnen“, der Sammelstätte der friedlichen arbeitsamen Frauen, unter den wasserschöpfenden Frauen ward zuerst das Geräusch der Waffenanfertigung vernommen. In diesem Umschwung und darin, daß gerade in diesen schlichten Volkskreisen die Erhebung ihren Ausgang nahm, darin erkennt das tiefblickende Auge der Prophetin das Walten Gottes, die mächtigste Offenbarung seiner Gnade, „der Gnade der von ihm über Israel verhängten Wehrlosigkeit.“ Denn „jetzt zogen sie hinab zu den Thoren wiederum als Gottesvolk“. (das. S. 122).

12
עוּרִ֤י עוּרִי֙ דְּבוֹרָ֔ה ע֥וּרִי ע֖וּרִי דַּבְּרִי־שִׁ֑יר ק֥וּם בָּרָ֛ק וּֽשְׁבֵ֥ה שֶׁבְיְךָ֖ בֶּן־אֲבִינֹֽעַם׃
BernfeldErhebe, erhebe dich, Debora, erhebe dich und singe ein Lied! Auf, Barak, führe Gefangene weg, du Sohn Abinoams!
ZunzSei wach, wach, Deborah, sei wach, wach, sing ein Lied! Auf, Barak, und führe deine Gefangene, Sohn Abinoam!
R. BreuerWache auf, wache auf, Deborah, wache auf, wache auf, sprich den gottschauenden Sang! Auf, Barak, führe hinweg deine Gefangenen, Sohn Abinoams!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 12. Vgl. das zu V. 7 Bemerkte. Die Erhebung des Volkes als עם ד' (V. 11) empfindet Deborah als ein Ereignis von solch überschwänglicher Größe, daß ihr der Sang, den sie bisher gesungen, zu wenig stolz und kraftvoll erscheint. Zu hell auflodernder Begeisterung stachelt sie darum ihr Lied empor. Und auch du, Barak, steh nicht so kalt beiseite, auch dir war’s vergönnt, am Werke der Volkserhebung mitzuarbeiten. Du hast als Feldherr das Deinige getan, genieße auch du den Erfolg deiner Mühe — führe deine Gefangenen hinweg, Sohn Abinoams! — Wenn Deborah den Anteil Baraks am Sieg in den Gefangenen sieht, die er bei der Verfolgung des Feindes gemacht, so bereitet sie damit den Hymnus des folgenden Verses vor, der Gott als den eigentlichen Sieger feiert, „der für mich überwältigend entgegentrat den Helden.“

13
אָ֚ז יְרַ֣ד שָׂרִ֔יד לְאַדִּירִ֖ים עָ֑ם יְהֹוָ֕ה יְרַד־לִ֖י בַּגִּבּוֹרִֽים׃
BernfeldEin kleiner Überrest [Israel] besiegte ein mächtiges Volk; der Herr verlieh mir Sieg über Helden.
ZunzDamals bewältigten Entronnene für die Edlen des Volkes, bewältigte der Ewige für mich die Helden.
R. BreuerDamals trat überwältigend als Volk den Gewaltigen entgegen, was eben noch vereinzelter Rest war: es war Gott, der für mich überwältigend entgegentrat den Helden.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 13. „ירד statt יְרַדֶּה, fut ap. Piel von רדה. Was eben noch nur als שריד, als Rest zersprengter Einzelner erschien, die traten jetzt als רודה: in überwindender Machthoheit und als עם: zum Volk geeint den אדירים, den Gewaltigen gegenüber: denn es war Gott, der für mich usw. Bezeichnend ist der Wechsel der Präposition לאדירים und בגבורים. Das im Gottvertrauen erstarkte Israel hatte nur seinen Mut im Anstürmen zu bewähren, es trat den Feinden nur entgegen, zum eigentlichen Kampfe kam es nicht, denn Gott hatte sie in dem Augenblick bereits in Verwirrung gebracht; deshalb von Gott: ירד בגבורים. Vgl. oben Kap. 4, 27. Israel hatte sogleich nur die Verfolgung aufzunehmen, die Feinde warteten den Anprall Israels nicht ab.“ (Komm. a. a. O. S. 128).

14
מִנִּ֣י אֶפְרַ֗יִם שׇׁרְשָׁם֙ בַּעֲמָלֵ֔ק אַחֲרֶ֥יךָ בִנְיָמִ֖ין בַּעֲמָמֶ֑יךָ מִנִּ֣י מָכִ֗יר יָֽרְדוּ֙ מְחֹ֣קְקִ֔ים וּמִ֨זְּבוּלֻ֔ן מֹשְׁכִ֖ים בְּשֵׁ֥בֶט סֹפֵֽר׃
BernfeldDer Stamm Efraim [stritt] wider Amalek; Benjamin dir nach unter deinen Schaaren; von Machir zogen die Edlen, von Sebulun die Schreibkundigen.
ZunzDie von Efrajim ihr stammt, wider Amalek, — dir nach, Binjamin, mit deinen Schaaren; von Machir zogen hinab Gesetzgeber und von Sebulun den Stab des Schreibers führende;
R. BreuerVon Ephraim, deren Ahn schon gegen Amalek (kämpfte) — dir folgte Benjamin nach mit deinen Scharen — von Machir zogen Gesetzeslehrer herab, und von Sebulun, die bisher nur den Stab des Schreibers führten!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 14. Nun beginnt Deborah den Anteil der einzelnen Stämme am Siege zu schildern. Sie ist gerade im Begriff zu sagen, wie von Ephraim die Tapferen gegen Sißra zogen — zu מני אפרים ist ירדו zu ergänzen — da unterbricht sie sich im Gedanken an die frühere Heldengeschichte dieses Stammes und sie erinnert, wie einst dieses Stammes „Wurzel“, Josua, siegreich gegen Amalek kämpfte. Es waren alte Traditionen, die Ephraim hochhielt, als es dem Rufe Baraks folgte. Gleichzeitig schaltet die auf ihres Volkes Vergangenheit stolze Sängerin in einem Zwischensatz die Reminiscenz an die Fortsetzung dieses Kampfes gegen Amalek durch Saul den Benjaminiten, ein —: dir, Ephraim, folgt später Benjamin mit deinen Scharen (wir hätten „seinen Scharen“ erwartet, vielleicht will aber Deborah mit בעממיך andeuten, daß die späteren Helden, die unter Saul fochten, Josuas Mannen ebenbürtig und würdig waren) — um dann gleich zu den folgenden Stämmen überzugehen.

בעממיך. עממים ist die chaldäische Form von עמים, die auch Nehem. 9, 22. 24 vorkommt.

מכיר war der Sohn Menaschehs und bezeichnet hier den ganzen Stamm.

מחוקקים — משכים בשבט ספר. Gesetzeslehrer und Schriftgelehrte mischten sich unter die Heeresleute Baraks. Es war ein Volksaufstand, an welchem sich alle Klassen und Stände beteiligten. Vgl. Komm. Nu. 2, 34: „Jissachar war der Stamm des Landbaues und der die Wissenschaft pflegenden Muße. . . . Sebulun der Stamm des Handels, und nach dem Deborahliede waren seine Söhne zugleich מושכים בשבט ספר, Pfleger der Literatur.“

15
וְשָׂרַ֤י בְּיִשָּׂשכָר֙ עִם־דְּבֹרָ֔ה וְיִשָּׂשכָר֙ כֵּ֣ן בָּרָ֔ק בָּעֵ֖מֶק שֻׁלַּ֣ח בְּרַגְלָ֑יו בִּפְלַגּ֣וֹת רְאוּבֵ֔ן גְּדֹלִ֖ים חִקְקֵי־לֵֽב׃
BernfeldDie Fürsten von Issachar [zogen] mit Debora, Issachar war ganz mit Barak, in das Tal wurde sein Fußvolk entsandt. Aber an den Bächen Rubens [sitzen] lauter weise Männer.1
ZunzUnd Fürsten in Jisachar mit Deborah, ja Jisachar, der feste Grund Barak's ward in das Thal entsandt unter seiner Leitung. An den Bächen Réubens gab es große Grübler!
R. BreuerDie Fürsten Jissachars blieben bei Deborah, und Jissachar so Barak, ins Thal stürzte es sich ihm folgend! — Geteilten Sinnes ist Rëuben, die Großen, die noch Entschlüsse fassen in ihrem Herzen!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 15. Die Fürsten Jissachars (über die Form ושרי statt ושרים vgl. Raschi) bildeten die nähere Umgebung Deborahs. Mit ihrem Geist und Wort (vgl. Chr. I, 12: ומבני יששכר יודעי בינה לעתים וגו') standen sie Deborah bei der Ausübung ihres prophetischen Berufes zur Seite. Dagegen folgte der Stamm Issachar selbst Barak in den Krieg. Unter den zehntausend Mann, die Barak vom Berge Thabor „ins Thal“ folgten (4, 14), befand sich auch der Stamm Issachar.

בפלגות. „Vgl. נפלגה הארץ 1. B. M. 10, 25. פלג לשונם Ps. 55, 10. Reuben befindet sich in einem Zustande geteilten Sinnes, ist unschlüssig, in der Schwebe. גדולים ironisch, Apposition zu Reuben: die Großen! חקקי לב, verkürzter Satz: Feststellungen ihres Sinnes! Sie glauben erst noch die tatsächlichen Verhältnisse umständlich feststellen zu müssen, bevor sie zu einem Entschlusse kommen können.“ (Komm. Haftoroth S. 129). Sie warten ab, halten sich neutral, bis feststeht, wer im Kriege Sieger bleibt. Diese Erklärung stimmt mit der Raschis z. St. überein.

16
לָ֣מָּה יָשַׁ֗בְתָּ בֵּ֚ין הַֽמִּשְׁפְּתַ֔יִם לִשְׁמֹ֖עַ שְׁרִק֣וֹת עֲדָרִ֑ים לִפְלַגּ֣וֹת רְאוּבֵ֔ן גְּדוֹלִ֖ים חִקְרֵי־לֵֽב׃
BernfeldWarum saßest du zwischen den Hürden, dem Gemecker der Herden zuzuhören? an den Bächen Rubens [sitzen] lauter Herzensergründer.2
ZunzWarum saßest du zwischen den Hürden, zu horchen auf das Pfeifen der Heerden? An den Bächen Réubens gab es gewaltige Ergründer.
R. BreuerWarum bliebst du ruhig zwischen den Reihen der Geräte, um das Blöcken der Herden zu hören! Deshalb verfällt der Teilung Reüben, die Großen, die noch in Erwägungen Vertieften!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 16. „המשפתים, von שפת ordnen: zwei geordnete Reihen der Geräte, bezeichnet die Stätte des häuslichen Lebens, wie unser: am häuslichen Herde weilen. Vgl. Ps. 68, 14.“ (Komm. a. a. O.). Es ist freilich angenehmer, meint Deborah, daheim am häuslichen Herde dem Blöcken der Herden zu lauschen, statt im Schlachtgetümmel sein Leben aufs Spiel zu setzen. Daher aber auch לפלגות ראובן: „als Folge des בפלגות, weil es in dieser großen Stunde בפלגות war, sich nicht zum Eintreten für die heilige Sache Gottes aufraffen konnte, wird es לפלגות, zu allererst der Teilung, der Zerstreuung verfallen.“ (Komm. das.).

17
גִּלְעָ֗ד בְּעֵ֤בֶר הַיַּרְדֵּן֙ שָׁכֵ֔ן וְדָ֕ן לָ֥מָּה יָג֖וּר אֳנִיּ֑וֹת אָשֵׁ֗ר יָשַׁב֙ לְח֣וֹף יַמִּ֔ים וְעַ֥ל מִפְרָצָ֖יו יִשְׁכּֽוֹן׃
BernfeldGilead weilte jenseits des Jordan, warum weilte Dan bei seinen Schiffen? Asser blieb am Gestade des Meeres, er weilte an seinen Buchten.
ZunzGilead, jenseit des Jarden wohnt er; und Dan, warum weilt er auf Schiffen? Ascher bleibt an dem Gestade der Meere und an seinen Buchten wohnt er.
R. BreuerAuch Gilead bleibt ruhig jenseits des Jardens! Und Dan, warum weilt er auf Schiffen? Auch Ascher verblieb ruhig am Gestade der Meere und lagert an seinen Buchten!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 17. Es ist zweifelhaft, wer hier mit Gilead gemeint ist. Sollte es identisch sein mit מכיר, der Gileads Vater war und von dem oben (V. 14) erzählt wurde, daß sein Stamm am Kampfe beteiligt war, dann wäre der Satz גלעד בעבר הירדן שכן als eine Bekräftigung des Tadels an Reuben aufzufassen: gleich Reuben hatte auch Gilead seinen Sitz jenseits des Jardens und gleichwohl hielt es sich vom Kampfe nicht zurück. Sollte es aber eine Bezeichnung für den Stamm Gad sein, der sich ebenfalls im Ostjordanlande niedergelassen hatte, dann wäre dieser Satz als ein an die Adresse Gads gerichteter Vorwurf zu begreifen. Wir haben in der Übersetzung der letzteren Auffassung Ausdruck verliehen, weil sie uns dem Tenor dieses Verses entsprechender scheint und weil die erstere in den Satz etwas hineinsagt, was sich ihm nicht ganz ungezwungen einfügt.

ודן וגו'. Gleich Reuben und Gilead hielten sich auch Dan und Ascher vom Kampfe fern. Von ihrer Küstensitze sicherem Port verfolgten sie gemächlich den Gang der Dinge.

18
זְבֻל֗וּן עַ֣ם חֵרֵ֥ף נַפְשׁ֛וֹ לָמ֖וּת וְנַפְתָּלִ֑י עַ֖ל מְרוֹמֵ֥י שָׂדֶֽה׃
Bernfeld[Nur] Sebulun war ein Volk, das sein Leben wagte; auch Naftali [zog] auf die Höhe des [Schlacht]feldes.
ZunzSebulun, ein Volk, sein Leben blosstellend dem Tode, und Naftali auf den Höhen des Gefildes.
R. BreuerSebulun, das ist ein Stamm, der sein Leben dem Tode preisgab, und ebenso Naphtali — auf den Höhen des Schlachtfeldes!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 18. Während Reuben, Gilead, Dan und Ascher in großer Stunde sich klein erwiesen, waren Sebulun und Naphtali auf der Höhe — „auf den Höhen des Schlachtfeldes.“ — „Der stat. constr. עַם dürfte die noch rückhaltlosere Hingebung, die noch tiefere Durchdringung mit jener Todesverachtung bezeichnen, die in dem חרף נפשו למות ausgesprochen ist. Dem Accente nach wird dies auch von Naphtali, allerdings erst in zweiter Linie ausgesagt, jedoch auf beide bezieht sich sodann das Prädikat: על מרומי שדה, beide waren auf den Höhen des Schlachtfeldes“. (Komm. das.) Zu חרף vgl. auch Komm. Gen. 8, 22.

19
בָּ֤אוּ מְלָכִים֙ נִלְחָ֔מוּ אָ֤ז נִלְחֲמוּ֙ מַלְכֵ֣י כְנַ֔עַן בְּתַעְנַ֖ךְ עַל־מֵ֣י מְגִדּ֑וֹ בֶּ֥צַע כֶּ֖סֶף לֹ֥א לָקָֽחוּ׃
BernfeldEs kamen [auf der feindlichen Seite] Könige und stritten; es stritten damals alle Könige von Kanaan.
ZunzEs kamen Könige, stritten, da stritten die Könige Kenaans zu Taanach an den Wassern Megiddo. Gewinn an Silber trugen sie nicht davon.
R. BreuerHerbeigekommen waren die Könige und kämpften, damals kämpften sie als Könige Kenaans, in Thaanach, an den Wassern von Megiddo, Gewinn an Geld hatten sie nicht erhalten.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 19. Hier beginnt die Schilderung des Kampfes, des feindlichen Heeres, seiner Niederlage und Flucht. Zunächst wird gesagt, wie sich in diesem Kampfe Israel einer gewaltigen Übermacht gegenüber befand, die zur Aufstellung ihrer Streitkräfte eines großen Geländes von Thaanach bis zu den Wassern von Megiddo bedurfte (vgl. Raschi). Sißra kämpfte nicht allein. Die kanaanitischen Könige standen ihm zur Seite. Als מלכי כנען, als Könige Kanaans kämpften sie gegen Israel. Sie erklärten sich mit Sißra solidarisch. Daher die Wiederholung אז וגו' nach באו וגו'. Das gemeinsame kanaanitische Interesse verknüpfte die Könige wie einst in Josuas Tagen (vgl. Jos. Kap. 11) zu einer gegen die israelitischen Eindringlinge gerichteten Entente. Zugleich schaut diese nachdrückliche Feststellung des einheitlichen Vorgehens der kanaanitischen Könige, wie im מצודת דוד z. St. treffend bemerkt wird, mit einem tadelnden Seitenblick auf die Uneinigkeit hin, die in Israels Kreisen herrschte und von der V. 16 ff. die Rede war.

בצע כסף וגו'. Sie mußten nicht erst von Jabin bestochen werden, um sich am Kriege zu beteiligen. „Ihr antisemitischer Haß war ein genügend mächtiger Sporn, sie zur Teilnahme am Kampfe gegen Israel zu bestimmen, das sie noch immer als Eindringling und dem gegenüber sie sich als die Autochthonen betrachteten“. (Komm. Haftoroth S. 130).

20
מִן־שָׁמַ֖יִם נִלְחָ֑מוּ הַכּֽוֹכָבִים֙ מִמְּסִלּוֹתָ֔ם נִלְחֲמ֖וּ עִם־סִֽיסְרָֽא׃
BernfeldVom Himmel herab stritt man für uns; die Sterne stritten von ihren Bahnen mit Sisera.
ZunzVom Himmel herab stritten sie, die Sterne aus ihren Bahnen stritten mit Sisra.
R. BreuerVom Himmel her wurde gekämpft, die Sterne von ihren Bahnen kämpften mit Sißra.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 20. „Israel, wie immer auf Erden ohne Bundesgenossen, hatte den einen allmächtigen Alliierten im Himmel“. (Komm. das.). Über die Konstruktion נלחמו עם סיסרא s. das.

Welch ein packendes Bild! Die Sterne kämpfen mit Sißra! Das in der ganzen Welt nach einem Freunde und Bundesgenossen umherspähende Auge des jüdischen Volkes entdeckt nirgendwo eine irdische Macht, die ihm beistände in der Stunde der Not. Nur die Sterne am Himmel sind unsere Freunde. Zu ihnen, die uns vom Dasein des Gottes Israels erzählen, schauen wir auf in einsamer Nacht, wenn wir hoffen und beten.

21
נַ֤חַל קִישׁוֹן֙ גְּרָפָ֔ם נַ֥חַל קְדוּמִ֖ים נַ֣חַל קִישׁ֑וֹן תִּדְרְכִ֥י נַפְשִׁ֖י עֹֽז׃
BernfeldDer Fluss Kischon raffte sie fort, mächtig war der Fluss Kischon, mit Mut schritt ich einher.
ZunzDer Fluß Kischon raffte sie, der Fluß des Treffens, der Fluß Kischon. Tritt einher, meine Seele, mit Siegeskraft!
R. BreuerDer Bach Kischon riß sie dahin, ein Bach alter Zeiten, der Bach Kischon! — Du, meine Seele, schreitest dahin in unüberwindlicher Kraft!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 21. Wer hätte es diesem Bache Kischon, der seit Urvätertagen sein Wasser hinströmen ließ, jemals angesehen, daß er einmal ausersehen sein werde, seinen Teil zum Untergang der Streitmacht Sißras beizusteuern, gegen den die Sterne des Himmels kämpften! Ja, der Bach Kischon riß sie mit seinen (unter dem Einfluß der kämpfenden Sterne?) wild gewordenen Fluten dahin. Du aber, meine Seele — der Sang Deborahs erhebt sich hier zur Höhe ekstatischen Schwunges — schreitest dahin in unüberwindlicher Macht, dir, Israel, wagt kein Stern und kein Fluß sich feindlich zu nähern, denn mit dir und für dich kämpft Gott!

22
אָ֥ז הָלְמ֖וּ עִקְּבֵי־ס֑וּס מִֽדַּהֲר֖וֹת דַּהֲר֥וֹת אַבִּירָֽיו׃
BernfeldDamals stampften [den Boden] die Hufe der Rosse vom Traben der [feindlichen] Reiter.
ZunzDa stampften die Hufen des Rosses vom Traben, dem Traben seiner Gewaltigen.
R. BreuerDa war der Hufschlag der flüchtigen Rosse lauter als das Wiehern, das Wiehern seiner Gewaltigen!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 22. „מדהרות: דהר kommt nur vom Wiehern des Pferdes vor, Nachum 3, 2, hier von dem gellenden Angstschrei der fliehenden Feinde, der noch von dem Hufschlag der Rosse übertäubt wurde, in so rasend wilder Flucht stürmten sie dahin. Oder das מ ist causal: die Hufe der Rosse stampften den Boden, angetrieben durch die wiehernd gellenden Angstschreie seiner (Sißras) „Gewaltigen“. (Komm. das.).

23
א֣וֹרוּ מֵר֗וֹז אָמַר֙ מַלְאַ֣ךְ יְהֹוָ֔ה אֹ֥רוּ אָר֖וֹר יֹשְׁבֶ֑יהָ כִּ֤י לֹֽא־בָ֙אוּ֙ לְעֶזְרַ֣ת יְהֹוָ֔ה לְעֶזְרַ֥ת יְהֹוָ֖ה בַּגִּבּוֹרִֽים׃
BernfeldFluchet [der Stadt] Meros, spricht der Bote des Herrn, verfluchet ihre Bewohner, denn sie sind nicht gekommen zum Beistand des Herrn, als der Herr [uns] gegen die Heiden beistand.
ZunzVerfluchet Meros, spricht der Abgesandte des Ewigen; ja verfluchet seine Bewohner, denn sie sind nicht gekommen zum Beistande des Ewigen, zum Beistande des Ewigen unter den Helden.
R. BreuerVerwünschet Meros, sprach der Gesandte Gottes, verwünschet ihre Bewohner, denn sie kamen nicht zum Gottesbeistande, zum Gottesbeistande gegen die Gewaltigen!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 23. מרוז, ein zweifelhaftes Wort, über dessen Sinn der Talmud (Moed Katan 16 a) verschiedene Meinungen überliefert. Siehe auch Raschi z. St. Die Auffassung des Wortes als Ortsname wird von den meisten Erklärern geteilt, wohl im Hinblick auf ישביה, das sich nur schwer erklären läßt, wenn man das Wort als Personennamen versteht. Sonach wird in diesem Verse „der Fluch über die Stadt ausgesprochen, die, in unmittelbarer Nähe des Schlachtfeldes und Zeugin der Gefahr und des Kampfes der Brüder, dennoch jede Beteiligung und Hilfeleistung abgelehnt hatte“. (Komm. das. S. 124).

מלאך ד' bezieht sich nach Raschi auf Barak, der בשליחותו של הק"בה, im Auftrage Gottes Meros verwünschte. Es entspricht dem pathetischen Grundzug des ganzen Gesanges, wenn Deborah den Tadel über das Verhalten Meros' Barak in den Mund legt, dem es als Feldherrn nicht gleichgültig sein konnte, wenn Meros mit seiner Teilnahmslosigkeit in die Stimmung des Volksaufstandes einen Mißton brachte.

לעזרת ד'. Wer Israel, dem Gottesvolke, hilft, ist ein Helfer Gottes: כביכול שמי שהוא עוזר את ישראל כעוזר את השכינה (Raschi).

V. 24f. feiert im Gegensatz zu dieser verräterischen Haltung einer ganzen jüdischen Stadt, die Heldentat eines einzelnen, nicht einmal eigentlich Israel angehörigen Weibes, die Heldentat Jaëls, die dem bisher so schrecklichen Sißra schmählichen Tod bereitete, — eine Tat, für die sie gesegnet werde, selbst von den „friedlichen Frauen im Zelte“, den sonst jedem Blutvergießen abholden.“ (Komm. das.)

אמר ר"נ בר יצחק גדולה עבירה לשמה ממצוה שלא לשמה והאמר רב יהודה אמר רב לעולם יעסוק אדם במצות אפי' שלא לשמן שמתוך שלא לשמן בא לשמן אלא אימא כמצוה שלא לשמה דכתיב תבורך מנשים יעל אשת חבר הקני מנשים באהל תבורך מאן נשים שבאהל שרה רבקה רחל ולאה (Nasir 23 b). Jaëls Tat ist im Sinne dieses talmudischen Ausspruches als eine עבירה לשמה zu begreifen, als eine Sünde, die, weil sie im Dienste eines guten Zweckes steht, aufhört, Sünde zu sein. Jaëls Tat ist eine Kampfhandlung, die, losgelöst von dem Zweck, dem sie dient, allerdings, wie alles, was im Kriege geschieht, ein Frevel ist, doch sofort in eine moralische Handlung sich verwandelt, wenn wir sie im Zusammenhang mit der von Deborah gefeierten Volkserhebung werten. Was von der עבירה gilt, das gilt ebenso von der מצוה. Auch eine מצוה, wenn sie nicht לשמה geschieht, ist an und für sich ein Frevel. Denn mit welchem Rechte darf eine religiöse Übung mit nichtreligiösen Motiven verquickt werden? Eine מצוה שלא לשמה wird, gleich einer עבירה לשמה, erst dadurch zu einer moralischen Tat, wenn wir sie mit dem Ziel, dem sie zustrebt, zusammenhalten: שמתוך שלא לשמה בא לשמה. Richtig aufgefaßt, enthält dieser Talmudsatz nichts, was an jesuitische Moral erinnert.

24
תְּבֹרַךְ֙ מִנָּשִׁ֔ים יָעֵ֕ל אֵ֖שֶׁת חֶ֣בֶר הַקֵּינִ֑י מִנָּשִׁ֥ים בָּאֹ֖הֶל תְּבֹרָֽךְ׃
BernfeldGesegnet sei Jaël unter den Frauen, die Frau des Keniten Heber, unter den Frauen der Zeltbewohner sei sie gesegnet
ZunzGesegnet sei vor Weibern Jaél, das Weib Chebers des Keni, vor Weibern im Zelte gesegnet!
R. BreuerGesegnet von den Frauen sei Jaël, die Frau des Keniten Cheber, von den Frauen im Zelte werde sie gesegnet!
25
מַ֥יִם שָׁאַ֖ל חָלָ֣ב נָתָ֑נָה בְּסֵ֥פֶל אַדִּירִ֖ים הִקְרִ֥יבָה חֶמְאָֽה׃
BernfeldWasser verlangte [Sisera], Milch reichte sie ihm; in der Schale der Oberhirten gab sie ihm Rahm.
ZunzWasser verlangte er, Milch reicht sie, in der Schale der Mächtigen bringt sie Rahm.
R. BreuerWasser verlangte er, Milch gab sie, in herrlicher Schale reichte sie Sahne.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 25. בספל אדירים. Entweder war's eine besonders schöne Schale, wie sie für Ehrengäste reserviert zu werden pflegt, um Sißra durch ausgesuchte Gastfreundschaft in Sicherheit zu wiegen, oder wie Raschi meint, ein Gerät, ששותין בו מים שהמים נקראו אדירים שנאמר במים אדירים, woraus man Wasser trank, offenbar ein großer umfangreicher Humpen, der, bis an den Rand mit Milch gefüllt, einen halb verdursteten Krieger schon richtig zu laben vermochte.

26
יָדָהּ֙ לַיָּתֵ֣ד תִּשְׁלַ֔חְנָה וִימִינָ֖הּ לְהַלְמ֣וּת עֲמֵלִ֑ים וְהָלְמָ֤ה סִֽיסְרָא֙ מָחֲקָ֣ה רֹאשׁ֔וֹ וּמָחֲצָ֥ה וְחָלְפָ֖ה רַקָּתֽוֹ׃
BernfeldAber ihre Hand streckte sie nach dem Pflock, ihre Rechte um den Ermüdeten zu zermalmen; sie zermalmte Sisera, sie zerschmetterte und durchbohrte seine Schläfe!
ZunzIhre Hand streckt sie aus nach dem Nagel und ihre Rechte nach dem Hammer der Mühseligen, und hämmert auf Sisra, schlägt ihm in das Haupt, und zerschellt und durchbohrt seine Schläfe!
R. BreuerIhre Hand langte nach dem Pflocke und ihre Rechte nach dem wuchtigen Hammer der Schwerarbeitenden, und sie schlug Sißra, zerschmetterte sein Haupt und durchbohrte gänzlich seinen Schädel.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 26. הלמות עמלים, „von הלם wie הולם פעם, der den Amboß schlägt,“ Jes. 41, 7, der oben 4, 21 מקבת genannte Hammer. עמלים: die ihn führen, vollbringen schwere Arbeit. In הלמות liegt die Wucht ausgedrückt. Der Plural des Prädikats תשלחנה zeichnet die gleichzeitige Griffbewegung beider Hände.“ (Komm. Haftoroth S. 131.)

27
בֵּ֣ין רַגְלֶ֔יהָ כָּרַ֥ע נָפַ֖ל שָׁכָ֑ב בֵּ֤ין רַגְלֶ֙יהָ֙ כָּרַ֣ע נָפָ֔ל בַּאֲשֶׁ֣ר כָּרַ֔ע שָׁ֖ם נָפַ֥ל שָׁדֽוּד׃
BernfeldIhr zu Füßen sank er hin und fiel und blieb liegen, dort wo er hinsank, fiel der Unglückselige hin.
ZunzZwischen ihren Füßen krümmt er sich, fällt, liegt; zwischen ihren Füßen krümmt er sich, fällt; wo er sich gekrümmt hat, da fällt er hin überwunden.
R. BreuerZwischen ihre Füße sank er in die Kniee, stürzte hin und lag da, zwischen ihre Füße sank er in die Kniee und lag da, wo er niedergestürzt war, da blieb er zerschmettert liegen. — —
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 27. In die Kniee sinken, hinstürzen, daliegen: in drei Bildern zeichnet Deborah Sißras Tod. Wie aber um uns mit Jaëls entsetzlicher Tat auszusöhnen, wiederholt Deborah noch einmal: er sank in die Knie, stürzte hin — und war gleich todt. Es war kein langer Todeskampf, wo er niedergestürzt war, da blieb er zerschmettert liegen. Hätte er den Tod kämpfend herbeiröcheln müssen, dann wäre sein Körper nicht regungs- und bewegungslos dort liegen geblieben, wo er niedergefallen war. Die furchtbaren Zuckungen eines mit dem Tode ringenden Körpers blieben Sißra dank Jaëls wuchtigem Hammerschlag erspart.

V. 28—30 enthalten „den ergreifenden, wahrhaft dramatischen Abschluß in der Szene der um Sißras Mutter versammelten kanaanitischen Damen. Jene wird uns zuerst menschlich nahe gebracht als um das Ausbleiben ihres Sohnes besorgte Mutter, sodann aber wird gezeigt, wie triftigen Grund die friedlichen Frauen in Israels Zelten hatten, Jaëls Tat zu segnen. Denn die besorgte Mutter und die um sie versammelten „Fürstinnen“ zeigen sich als entmenschte Megären, vor deren lüsternen Augen freilich zuerst die kostbaren, farbigen, gewirkten, ja sogar „doppeltgewirkten, buntfarbigen“ Stoffe und Gewänder auftauchen, die als Beute heimgebracht werden, die aber gleichzeitig in satanischer Lust in dem Gedanken schwelgen, wie jetzt die jüdischen Frauen und Mädchen unter die rohe Soldateska verteilt würden. Es ist dies der wirksamste Abschluß, indem er froh aufatmend, noch einmal das grausige Geschick vor die Seele führt, dem Israel durch Gottes Beistand soeben entgangen war.“ (Komm. Haftoroth S. 124 f.)

רחם רחמתים: „Der Ausdruck kennzeichnet die Bestialität dieser Damen. Ebenso לראש גבר, die unglücklichen Mädchen und Frauen werden „stückweise“ wie Sachen nach der Kopfzahl der Soldaten verteilt, „auf jeden eines bis zwei“. — Die dreimalige Betonung der Farben צבעים und die Wiederholung רקמה und רקמתים zeigt, wie sehr man auch damals die nach Farbe, Gewebe und Kunstwirkerarbeit kunstvoll hergestellten Stoffe und Gewänder zu schätzen wußte, und eröffnet einen Einblick auf eine Stufe industrieller Entwicklung, der geeignet ist, gar manche landläufigen Vorstellungen von der „damaligen Zeit“ zu berichtigen.“ (Das. S. 131 f.)

28
בְּעַד֩ הַחַלּ֨וֹן נִשְׁקְפָ֧ה וַתְּיַבֵּ֛ב אֵ֥ם סִֽיסְרָ֖א בְּעַ֣ד הָאֶשְׁנָ֑ב מַדּ֗וּעַ בֹּשֵׁ֤שׁ רִכְבּוֹ֙ לָב֔וֹא מַדּ֣וּעַ אֶֽחֱר֔וּ פַּעֲמֵ֖י מַרְכְּבוֹתָֽיו׃
BernfeldUnterdessen blickte zum Fenster hinaus und jammerte die Mutter Siseras — durch das Gitter hindurch —: Warum verspätet sich sein Wagen in der Heimkehr? Warum säumen die Tritte seines Gespannes?
ZunzAus dem Fenster blickt und jammert die Mutter Sisra's, aus dem Gitter. Warum zögert sein Wagen zu kommen? Warum säumen die Tritte seiner Gespanne?
R. BreuerDurch das Fenster blickt sie und seufzet, die Mutter Sißras, durch das Gitter: „Warum säumet sein Wagen heimzukommen, warum verspätet sich das Rollen seiner Wagen?“
29
חַכְמ֥וֹת שָׂרוֹתֶ֖יהָ תַּעֲנֶ֑ינָּה אַף־הִ֕יא תָּשִׁ֥יב אֲמָרֶ֖יהָ לָֽהּ׃
BernfeldIhre klugen Edelfrauen entgegnen ihr darauf, und sie selbst hält sich [tröstende] Reden:
ZunzDie Weisen unter ihren Edelfrauen entgegnen ihr, auch sie erwiedert sich auf ihre Reden:
R. BreuerDie Weisen ihrer Fürstinnen entgegnen, auch sie selbst beantwortet sich ihre Reden:
30
הֲלֹ֨א יִמְצְא֜וּ יְחַלְּק֣וּ שָׁלָ֗ל רַ֤חַם רַחֲמָתַ֙יִם֙ לְרֹ֣אשׁ גֶּ֔בֶר שְׁלַ֤ל צְבָעִים֙ לְסִ֣יסְרָ֔א שְׁלַ֥ל צְבָעִ֖ים רִקְמָ֑ה צֶ֥בַע רִקְמָתַ֖יִם לְצַוְּארֵ֥י שָׁלָֽל׃
BernfeldGewiss haben sie Beute gefunden und verteilt; ein Mädchen oder mehrere Mädchen für jeden Mann; die Beute bunter Gewänder dem Sisera, Beute von bunten, gewirkten Gewändern, bunt und doppelgewirkt der Beute für seinen Hals.
ZunzWerden sie nicht finden, vertheilen Beute? ein Mägdlein, ein Paar Mägdlein, je für einen Mann; eine Beute bunter Gewänder für Sisra, eine Beute bunter gewirkter Gewänder, des bunten Gewirkten ein Paar auf einen erbeuteten Hals.
R. Breuer„Sie finden ja noch immer, sie verteilen noch immer Beute, ein Mädchen, zwei Mädchen auf jeden Mann! Die Beute an farbigen Gewändern gehört Sißra, die Beute an farbigen, gewirkten — die bunten, doppeltgewirkten Gewänder werden den Hälsen der Gefangenen aufgeladen!“ — —
31
כֵּ֠ן יֹאבְד֤וּ כׇל־אוֹיְבֶ֙יךָ֙ יְהֹוָ֔ה וְאֹ֣הֲבָ֔יו כְּצֵ֥את הַשֶּׁ֖מֶשׁ בִּגְבֻרָת֑וֹ וַתִּשְׁקֹ֥ט הָאָ֖רֶץ אַרְבָּעִ֥ים שָׁנָֽה׃ {פ}
BernfeldSo mögen alle deine Feinde zu Grunde gehen, Herr! Die ihn lieben [mögen sein] wie das Aufleuchten der Sonne in ihrer Herrlichkeit. Das Land hatte vierzig Jahre Ruhe.
ZunzSo mögen untergehen all deine Feinde, Ewiger! aber seine Freunde, wie der Aufgang der Sonne in ihrer Herrlichkeit. Und das Land hatte Ruhe vierzig Jahre.
R. BreuerSo mögen alle deine Feinde untergehen, Gott! — Aber die ihn lieben, gleichen der in ihrer Siegeskraft aufgehenden Sonne! — Da hatte das Land vierzig Jahre Ruhe.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 31. Zu ואהביו וגו' vgl. Komm. Lev. 19, 18. — „Da hatte das Land vierzig Jahre Ruhe.“ — Das Herz des Propheten war nicht froh, da er bei der Aufnahme des Deborahliedes in das Buch der Richter ihm diese Worte beifügte. Wie verhaltener Schmerz, wie leise Klage tönt's aus diesen Worten: der nationale Aufschwung, die Rückkehr zu Gott, alle die mächtigen Eindrücke der gewaltigen Erlebnisse der großen Deborah-Zeit, sie bewirkten nur eine vorübergehende, vierzigjährige Besserung, sie überdauerten die Generation nicht. Die damals Jungen, ach sie haben es nicht verstanden, als Väter und Mütter nun ihre Kinder fortan zum „Gottesvolke“ zu erziehen! — Für uns aber gestaltet sich diese Klage zum ernsten Warn- und Mahnruf: Sind wir darin glücklicher? Gelingt es uns besser als unseren Vätern und Müttern damals in der großen Deborah-Zeit? — —“ (das. S. 125 f.)

Haftarah Beschalach Aschkenasim, Sefardim, Jemeniten, Tripolis (Libyen), Fes und Konstantinopel enden hier.Tripolis (Libyen): Umfang aus der -Tabelle erschlossen | Fes: Umfang aus der -Tabelle erschlossen | Konstantinopel: Umfang aus der -Tabelle erschlossen
Haftarah Pessach, 7. Tag Karäer enden hier.
Haftarah Pessach, 8. Tag (Diaspora) Romanioten enden hier.