Schoftim 4 שופטים

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Haftarot in diesem Kapitel: Beschalach
1
וַיֹּסִ֙פוּ֙ בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל לַעֲשׂ֥וֹת הָרַ֖ע בְּעֵינֵ֣י יְהֹוָ֑ה וְאֵה֖וּד מֵֽת׃
BernfeldAber die Kinder Israel fuhren fort zu tun das Böse in den Augen des Herrn: Ehud war bereits gestorben.
ZunzUnd die Kinder Jisraél fuhren fort zu thun das Böse in den Augen des Ewigen, Ehud aber war gestorben.
R. BreuerDie Kinder Israels fuhren fort zu tun was böse ist in den Augen Gottes — Ehud war gestorben.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

Kap. 4. V. 1. Während sonst, z. B. beim Tode Othniels (3, 11), Gideons (8, 33) usw., Israels Rückfall in Gott mißfälliges Tun als unmittelbare Folge des Hinscheidens des Richters bezeichnet wird, folgt hier der Bericht von Ehuds Tod in einem eingeflochtenen Nebensatz fast unabhängig von dem üblen Verhalten der Kinder Israels als eine mit Israels Rückfall wohl zeitlich zusammenfallende doch ihn nicht unbedingt vorbereitende Tatsache nach). So tiefwirkend war Ehuds, des Königsmörders, sittlicher Einfluß offenbar nicht, daß sein Tod als Ursache jenes Rückfalls ohne weiteres bezeichnet werden konnte. (Vgl. das zum vorigen Verse Bemerkte.)

2
וַיִּמְכְּרֵ֣ם יְהֹוָ֗ה בְּיַד֙ יָבִ֣ין מֶלֶךְ־כְּנַ֔עַן אֲשֶׁ֥ר מָלַ֖ךְ בְּחָצ֑וֹר וְשַׂר־צְבָאוֹ֙ סִֽיסְרָ֔א וְה֥וּא יוֹשֵׁ֖ב בַּחֲרֹ֥שֶׁת הַגּוֹיִֽם׃
BernfeldUnd der Herr lieferte sie in die Hand des Jabin, Königs von Kanaan, der zu Hazor regierte, und sein Heerführer war Sisera; er wohnte zu Haroset Hagojim.
ZunzUnd der Ewige lieferte sie in die Hand des Jabin, Königs von Kenaan, der zu Chazor regierte und sein Heerführer war Sisra, der wohnte zu Charoschet Hagojim.
R. BreuerDa lieferte sie Gott in die Hand Jabins, des Königs von Kenaan, der in Chazor regierte; sein Heerführer war Sisera, der in Charoscheth Hagojim wohnte.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 2. והוא יושב וגו' müßte man ohne weiteres auf Sisera beziehen, der sein Standquartier in Charoscheth Hagojim hatte, wenn es nicht doch vielleicht auf Jabin sich zurückbezöge, dessen Residenzstadt Chazor von Josua erobert worden war und der nun, von dort vertrieben, jetzt, wie Malbim bemerkt, in Charoscheth Hagojim residierte. „Sollte dieses „Charoscheth Hagojim“ wörtlich „Beschwichtigung“ oder richtiger intransitiv: „Schweigen der Völker“, vielleicht im Zusammenhang stehen mit den „neunhundert eisernen Kriegswagen“, dem Schrecken des unterdrückten Israel (V. 3), und dieser damalige Artilleriepark in köstlicher Naivetät so als damalige ultima ratio regum als probatestes Beschwichtigungsmittel der Völker zur Aufrechterhaltung der „Ruhe und Ordnung“ bezeichnet werden?“ (Komm. Haftoroth S. 121).

3
וַיִּצְעֲק֥וּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֖ל אֶל־יְהֹוָ֑ה כִּ֠י תְּשַׁ֨ע מֵא֤וֹת רֶֽכֶב־בַּרְזֶל֙ ל֔וֹ וְ֠ה֠וּא לָחַ֞ץ אֶת־בְּנֵ֧י יִשְׂרָאֵ֛ל בְּחׇזְקָ֖ה עֶשְׂרִ֥ים שָׁנָֽה׃ {פ}
BernfeldDie Kinder Israel schrien zu dem Herrn, denn er hatte neunhundert eiserne Wagen, und er drückte die Kinder Israel mit Gewalt zwanzig Jahre.
ZunzUnd die Kinder Jisraél schrien zu dem Ewigen, denn er hatte neunhundert eiserne Wagen, und er drückte die Kinder Jisraël mit Gewalt zwanzig Jahre.
R. BreuerDa schrieen die Kinder Israels zu Gott, denn er hatte neunhundert eiserne Wagen, und er bedrängte die Kinder Israels mit Gewalt zwanzig Jahre.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 3. Die neunhundert eisernen Wagen waren ein Mittel in Jabins Hand, um zwanzig Jahre hindurch Israel sein militärisches Übergewicht fühlen zu lassen. Hand in Hand mit diesem kanaanitischen Militarismus, gegen dessen Übermacht an ein erfolgreiches Sichauflehnen nicht zu denken war, ging der frivole Übermut des Siegers, dessen Hohn und Spott — בחוקה דריש רבי תנחומא בגידופין (Raschi) — das besiegte und bedrängte Volk zwanzig Jahre lang zu fühlen hatte. Daher war’s ein doppelt schmerzliches Aufschreien zu Gott — ויצעקו ist stärker als ויזעקו oben 3, 9 und 15 (Malbim) — mit welchem das so schwer heimgesuchte Volk sein beladenes Herz zu erleichtern suchte.

Haftarah Beschalach Aschkenasim und Italiener beginnen hier.
4
וּדְבוֹרָה֙ אִשָּׁ֣ה נְבִיאָ֔ה אֵ֖שֶׁת לַפִּיד֑וֹת הִ֛יא שֹׁפְטָ֥ה אֶת־יִשְׂרָאֵ֖ל בָּעֵ֥ת הַהִֽיא׃
BernfeldUnd Debora, eine Prophetin, das Weib Lapidots, richtete Israel in jener Zeit.
ZunzUnd Deborah, eine Prophetin, das Weib Lapidot, die richtete Jisraël in selbiger Zeit.
R. BreuerUnd Deborah, eine Prophetin, war ein Weib zündender Begeisterung, sie richtete Israel zu dieser Zeit.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 4. Von den sieben Prophetinnen, die Gott in Israel erweckte: Sara, Mirjam, Deborah, Hanna, Abigajil, Hulda, Esther (Megilla 14 a), lernen wir hier diejenige kennen, die wie keine es verdiente, uns gleich zu Beginn der Geschichte ihres unvergleichlichen Wirkens als אשת לפידות, als eine Frau שהיתה עושה פתילות למקדש (Megilla a. a. O.), die „Dochte herstellte für das Heiligtum“, vorgestellt zu werden. Näher läge es ja wohl, nach dem Vorbilde blutleerer Exegeten, לפידות als Eigennamen des Gemahls der Debora zu verstehen, aber was kümmert uns, nachdem wir wissen, daß Debora אשה נביאה gewesen ist, wie der Mann hieß, dessen Gattin sie war? Nicht einem obskuren Lapidoth, den Flammen war sie vermählt, die von der Leuchte des Heiligtums strahlen. Und diese Flammen des Heiligtums wurden von ihr in das Herz des Volkes getragen. Was in „jener Zeit“ kein Mann vermochte, die Wiedererhebung des Volkes anzubahnen, Debora, dem „Weibe zündender Begeisterung“ ist’s gelungen. Vgl. Komm. Haftoroth S. 121 f.

5
וְ֠הִ֠יא יוֹשֶׁ֨בֶת תַּחַת־תֹּ֜מֶר דְּבוֹרָ֗ה בֵּ֧ין הָרָמָ֛ה וּבֵ֥ין בֵּֽית־אֵ֖ל בְּהַ֣ר אֶפְרָ֑יִם וַיַּעֲל֥וּ אֵלֶ֛יהָ בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵ֖ל לַמִּשְׁפָּֽט׃
BernfeldSie saß unter der Debora-Palme zwischen Rama und Bet-El, auf dem Gebirge Efraim, die Kinder Israel zogen hinauf zu ihr zu Gericht.
ZunzSie saß unter der Deborah-Palme zwischen Ramah und Bet El auf dem Gebirge Efrajim, und die Kinder Jisraël zogen hinauf zu ihr zu Gericht.
R. BreuerSie saß unter der „Deborah-Palme“ zwischen Ramah und Beth-El im Gebirge Ephrajim, und die Kinder Israels zogen zu ihr hinauf zum Gerichte.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 5. Eine wenn auch noch so außerordentliche Frau als jüdische Richterin sich vorzustellen, das brachten die Weisen, diese berufenen Interpreten des Bibelwortes, nur so zuwege, daß sie in Debora über die Prophetin die Frau nicht vergaßen: והיא יושבת תחת תומר מאי שנא תחת תומר אמר רבי שמעון בן אבשלום משום יחוד (Megilla 14 a). Vgl. Raschi das.: שהוא גבוה ואין לו צל ואין אדם יכול להתיחד שם עמה כמו בבית. Auch als Prophetin vergaß Debora nicht, was sie ihrer weiblichen Würde schuldig war. Unter einer Palme, die keinen Schatten spendet, empfing sie die Kinder Israels, die zu ihr hinaufzogen, um ihren Rechtsspruch zu hören. Hätte sie ihre Besucher im Schatten eines abgeschlossenen Wohnraumes empfangen, gar mancher Verdacht eines vertraulichen Stelldicheins hätte in der böswilligen Menge das Weib Debora umraunt.

6
וַתִּשְׁלַ֗ח וַתִּקְרָא֙ לְבָרָ֣ק בֶּן־אֲבִינֹ֔עַם מִקֶּ֖דֶשׁ נַפְתָּלִ֑י וַתֹּ֨אמֶר אֵלָ֜יו הֲלֹ֥א צִוָּ֣ה ׀ יְהֹוָ֣ה אֱלֹהֵֽי־יִשְׂרָאֵ֗ל לֵ֤ךְ וּמָֽשַׁכְתָּ֙ בְּהַ֣ר תָּב֔וֹר וְלָקַחְתָּ֣ עִמְּךָ֗ עֲשֶׂ֤רֶת אֲלָפִים֙ אִ֔ישׁ מִבְּנֵ֥י נַפְתָּלִ֖י וּמִבְּנֵ֥י זְבֻלֽוּן׃
BernfeldSie ließ sich rufen den Barak, Sohn Abinoams aus Kedes Naftali, und sprach zu ihm: Der Herr, der Gott Israels, hat befohlen: Gehe und führe nach dem Berg Tabor mit dir zehntausend Mann von den Söhnen Naftali und von den Söhnen Sebulun.
ZunzUnd sie schickte und rief den Barak, Sohn Abinoam aus Kedesch Naftali, und sprach zu ihm: Wie, gebot nicht der Ewige der Gott Jisraël's: Geh und führe nach dem Berg Tabor und nimm mit dir zehntausend Mann von den Söhnen Naftali und von den Söhnen Sebulun.
R. BreuerDa schickte sie hin und berief Barak, den Sohn Abinoams, aus Kedesch Naphthali, und sprach zu ihm: „Es hat ja Gott, Israels Gott, geboten: Gehe und führe nach dem Berge Thabor und nimm zehntausend Mann mit dir von den Söhnen Naphtalis und von den Söhnen Sebuluns.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 6—7. Von einem Gottesauftrag an Deborah oder Barak wird nirgendwo ausdrücklich erzählt. Entweder erweist sich in dieser Mitteilung an Barak Deborah als Prophetin, die, ohne daß Jemand davon erfuhr, von Gott eines geheimen Auftrags gewürdigt wird, oder es soll der mit הלא beginnende Satz auf die längst, schon seit Moses’ Tagen, bestehende Verpflichtung den Kenaani auszurotten, verweisen (vgl. Raschi). Die letztere Auffassung scheint uns dem הלא entsprechender zu sein, womit ein neuer, nur Debora bekannter Auftrag, von dem Barak erst aus ihrem Munde erfuhr, nicht logisch einwandfrei eingeleitet werden kann.

ומשכתי וגו'. Wie Deborah es fertig bringen will, den heergewaltigen Sißra in die Falle zu locken, das verrät sie Barak nicht, das ist ihr prophetisches Geheimnis.

ואמר רב נחמן לא נאה יוהרא לנשי תרתי נשי נביאתי הוא דהויין יהיראין וסניין שמייהו הדא שמה זיבורתא והדא שמה כרכושתא בזיבורתא כתיב בה ותשלח ותקרא לברק בן אבינועם ואילו איהי לא אזלה לגביה בכרכושתא כתיב בה אמרו לאיש אשר שלח אתכם אלי ולא קאמרה להו אמרו למלך (Megillah a. a. O.). „R. Nachman sagte: Hoheit steht Frauen nicht wohl an. Da waren zwei Prophetinnen, die sich hoffährtig benahmen, obwohl sie recht verächtliche Namen hatten. Die eine hieß „Biene“ (דבורה), die andere „Wiesel“ (חולדה). Von der „Biene“ wird erzählt: Sie ließ Barak, den Sohn Abinoams, rufen. Sie selbst (wie es sich doch gehört hätte) ging nicht zu ihm. Von der, die „Wiesel“ hieß, wird erzählt (Kön. II, 22): Saget dem Manne, der euch zu mir geschickt hat . . . . Sie sagte nicht (wie es sich doch gebührt hätte): Saget dem König (Josijahu) . . .“

So innig ist die Wahrheit des כל כבודה בת מלך פנימה „auf des Hauses Innere sei des Weibes Domäne begrenzt“ mit der jüdischen Anschauung verwoben, daß selbst Gestalten wie Debora und Hulda es sich gefallen lassen müssen, in ihrem öffentlichen Auftreten einer kritischen Prüfung unterzogen zu werden, die nach den Spuren ausschaut, worin sich auch in ihrem Gebahren die Normwidrigkeit eines dem häuslichen Stilleben entzogenen Frauenlebens äußert.

7
וּמָשַׁכְתִּ֨י אֵלֶ֜יךָ אֶל־נַ֣חַל קִישׁ֗וֹן אֶת־סִֽיסְרָא֙ שַׂר־צְבָ֣א יָבִ֔ין וְאֶת־רִכְבּ֖וֹ וְאֶת־הֲמוֹנ֑וֹ וּנְתַתִּ֖יהוּ בְּיָדֶֽךָ׃
BernfeldUnd ich werde dir zuführen an den Fluss Kischon hin den Sisera, Heerführer Jabins, seine Wagen und seine Volksmenge, und ihn in deine Hand geben.
ZunzUnd ich werde dir zuführen an den Fluß Kischon hin den Sisra, Heerführer Jabins, und seine Wagen, und seine Volksmenge, und ihn in deine Hand geben.
R. BreuerUnd ich werde den Sißra, den Heerführer Jabins, und seine Wagen und sein Heergewoge zum Bache Kischon hin dir zuführen und werde ihn in deine Hand geben.“
8
וַיֹּ֤אמֶר אֵלֶ֙יהָ֙ בָּרָ֔ק אִם־תֵּלְכִ֥י עִמִּ֖י וְהָלָ֑כְתִּי וְאִם־לֹ֥א תֵֽלְכִ֛י עִמִּ֖י לֹ֥א אֵלֵֽךְ׃
BernfeldBarak sprach zu ihr: Wenn du mit mir gehest, so gehe ich; wenn du aber nicht mit mir gehest, geh‘ ich nicht.
ZunzUnd Barak sprach zu ihr: Wenn du mit mir gehst, so gehe ich, wenn du aber nicht mit mir gehst, geh' ich nicht.
R. BreuerDa sprach Barak zu ihr: Wenn du mit mir gehst, so gehe ich, wenn du aber nicht mit mir gehst, so werde ich nicht gehen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 8. Wie groß muß Debora gewesen sein, wenn Barak ihrer anfeuernden Gegenwart bedurfte, um mit seinen Tausenden den Zug gegen Sißra zu wagen! Vgl. B. Kama 92b, wo das Sprichwort אי דלית דורא דלינא ואי לא לא דלינא „wenn du die Last mit mir hebst, dann hebe ich sie, wenn aber nicht, dann nicht“ an diesen Vers gelehnt wird.

9
וַתֹּ֜אמֶר הָלֹ֧ךְ אֵלֵ֣ךְ עִמָּ֗ךְ אֶ֚פֶס כִּי֩ לֹ֨א תִֽהְיֶ֜ה תִּֽפְאַרְתְּךָ֗ עַל־הַדֶּ֙רֶךְ֙ אֲשֶׁ֣ר אַתָּ֣ה הוֹלֵ֔ךְ כִּ֣י בְֽיַד־אִשָּׁ֔ה יִמְכֹּ֥ר יְהֹוָ֖ה אֶת־סִֽיסְרָ֑א וַתָּ֧קׇם דְּבוֹרָ֛ה וַתֵּ֥לֶךְ עִם־בָּרָ֖ק קֶֽדְשָׁה׃
BernfeldSie sprach: Ich will mit dir gehen, nur dass es dein Ruhm nicht sein wird auf dem Wege, den du gehest; denn in die Hand eines Weibes wird der Herr liefern den Sisera. Und Debora machte sich auf und ging mit Barak nach Kedes.
ZunzUnd sie sprach: Gehen will ich mit dir, nur daß es dein Ruhm nicht seyn wird auf dem Wege, den du gehst, denn in die Hand eines Weibes wird der Ewige liefern den Sisra. Und auf machte sich Deborah und ging mit Barak nach Kedesch.
R. BreuerDa sprach sie: „Wohl will ich mit dir gehen, jedoch nicht dein Ruhm wird auf dem Wege sein, den du gehst, denn in die Hand eines Weibes wird Gott den Sißra liefern.“ Da machte sich Deborah auf und ging mit Barak nach Kedesch.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 9. Es ist kein innerer Grund einzusehen, warum die Tatsache, daß Sißra durch die Hand eines Weibes fiel, wie Malbim will, als eine Folge der Weigerung Baraks, ohne Debora in den Krieg zu ziehen, zu begreifen wäre. Wenn Debora als Prophetin schon vor Beginn des Zuges nach Kedesch ankündigte, durch wen Sißra fallen werde, so liegt kein Anlaß vor, darin etwa eine Strafankündigung für den Mangel an Gott- und Selbstvertrauen zu sehen, den Barak durch seine Weigerung, allein aufzubrechen, an den Tag gelegt hätte, vielmehr will ihm Debora ohne tadelnde Absicht schon jetzt nahe legen, daß auch ihre Gegenwart ihm den Ruhm des bevorstehenden Sieges über Sißra nicht verbürgen werde, denn ein Weib werde es sein, das Gott, der unerforschliche Herr des Krieges, sich auserkoren, um den Führer des feindlichen Heeres zu beseitigen.

10
וַיַּזְעֵ֨ק בָּרָ֜ק אֶת־זְבוּלֻ֤ן וְאֶת־נַפְתָּלִי֙ קֶ֔דְשָׁה וַיַּ֣עַל בְּרַגְלָ֔יו עֲשֶׂ֥רֶת אַלְפֵ֖י אִ֑ישׁ וַתַּ֥עַל עִמּ֖וֹ דְּבוֹרָֽה׃
BernfeldBarak entbot Sebulun und Naftali nach Kedes; es kamen hinauf unter seiner Leitung zehntausend Mann, auch Debora kam mit ihm hinauf.
ZunzUnd Barak entbot Sebulun und Naftali nach Kedesch, und es kamen hinauf unter seiner Leitung zehntausend Mann, auch Deborah kam mit ihm hinauf.
R. BreuerBarak ließ Sebulun und Naphtali nach Kedesch aufbieten, da zogen zehntausend Mann hinauf ihm nach auf dem Fuße, auch Deborah zog mit ihm hinauf.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 10. Wohin Barak mit Debora und den 10000 Mann von Kedesch zog, wird hier nicht gesagt. Erst V. 12 verrät, daß es der Berg Thabor war. Dieses vorläufige Verschweigen des Marschzieles scheint uns treffend die von Barak erwartete Wirkung der Anwesenheit Deborahs in Kedesch zu kennzeichnen. So groß war der Einfluß Deborahs auf die Massen, daß ihre Anwesenheit genügte, um in den zehntausend Mann, die Baraks Aufgebot gefolgt waren, einen blinden Gehorsamswillen zu erzeugen, der nicht fragt, wohin es geht, der auf der Stelle (ברגליו) folgt, weil Barak mit Deborahs Zustimmung es befahl.

11
וְחֶ֤בֶר הַקֵּינִי֙ נִפְרָ֣ד מִקַּ֔יִן מִבְּנֵ֥י חֹבָ֖ב חֹתֵ֣ן מֹשֶׁ֑ה וַיֵּ֣ט אׇֽהֳל֔וֹ עַד־אֵיל֥וֹן (בצענים) [בְּצַעֲנַנִּ֖ים] אֲשֶׁ֥ר אֶת־קֶֽדֶשׁ׃
BernfeldDer Kenite Heber hatte sich getrennt von Kajin, von den Söhnen Hobabs, der mit Mose verschwägert war, und spannte sein Zelt auf bis Elon Bezaananim, das bei Kedes.
ZunzUnd Cheber der Keni hatte sich getrennt von Kajin, von den Söhnen Chobabs des Schwähers Moscheh's, und spannte sein Zelt auf bis Elon Bezaananim, das bei Kedesch.
R. BreuerDer Kenite Cheber aber hatte sich von Kajin, von den Söhnen Chobas, des Schwiegervaters Moschehs, getrennt, und er schlug sein Zelt auf bis zur Eiche, zu Zaanannim, das bei Kedesch ist.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 11. Cheber, der Gatte Jaels, durch deren Hand Sißra fallen sollte (vgl. V. 21), hatte sich von seinen Brüdern, die in der Wüste Jehuda wohnten (vgl. 1, 16) getrennt, hatte sein Zelt bei Kedesch in der Nähe des Kriegsschauplatzes aufgeschlagen und so unbewußt — ein ahnungsloser Scherge des göttlichen Willens — seinen Beitrag zum bevorstehenden Untergang Sißras beigetragen.

12
וַיַּגִּ֖דוּ לְסִֽיסְרָ֑א כִּ֥י עָלָ֛ה בָּרָ֥ק בֶּן־אֲבִינֹ֖עַם הַר־תָּבֽוֹר׃
BernfeldAls man dem Sisera berichtete, dass Barak, Sohn Abinoams, nach dem Berge Tabor hinaufgegangen,
ZunzAls man dem Sisra berichtete, daß Barak, Sohn Abinoam, nach dem Berge Tabor hinaufgegangen,
R. BreuerMan berichtete Sißra, daß Barak, der Sohn Abinoams, auf den Berg Thabor hinaufgezogen sei.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 12. ויגדו. Wer hat’s ihm berichtet? Waren’s Spione? Waren’s ausgesandte Patrouillen? Gar zu gerne möchten wir einen Blick hinter den Vorhang werfen, der die biblischen Kriegsberichte verdeckt. Allzurasch huschen diese Berichte über militärische Interna hinweg, gleich als ob sie nur mit Widerstreben bei Dingen verweilten, die nicht den Mittelpunkt unseres Interesses bilden sollen.

13
וַיַּזְעֵ֨ק סִֽיסְרָ֜א אֶת־כׇּל־רִכְבּ֗וֹ תְּשַׁ֤ע מֵאוֹת֙ רֶ֣כֶב בַּרְזֶ֔ל וְאֶת־כׇּל־הָעָ֖ם אֲשֶׁ֣ר אִתּ֑וֹ מֵחֲרֹ֥שֶׁת הַגּוֹיִ֖ם אֶל־נַ֥חַל קִישֽׁוֹן׃
BernfeldDa entbot Sisera all seine neunhundert eisernen Wagen und all das Volk, das bei ihm, von Haroset Hagojim bis zum Flusse Kischon.
ZunzDa entbot Sisra all seine Wagen, neunhundert eiserne Wagen, und all das Volk, das bei ihm, von Charoschet Hagojim bis zum Flusse Kischon.
R. BreuerDa entbot Sißra alle seine Wagen, neunhundert eiserne Wagen, und alles Volk, das bei ihm war, von Charoscheth Hagojim hin zum Bache Kischon.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 13. Ob Sißra gegen das zwanzig Jahre lang geknechtete und entkräftete Israel (vgl. V. 3) seinen ganzen Artilleriepark aufzubieten wohl für nötig befunden hätte, wäre es nicht im göttlichen Plane gelegen, ihn und seine ganze Streitmacht zu vernichten (vgl. V. 7)? So glaubt gar mancher Feldherr zu lenken und wird gelenkt, und gar manche — nein, alle, die Geschichte machen, scheinen zu wollen und werden gewollt.

14
וַתֹּ֩אמֶר֩ דְּבֹרָ֨ה אֶל־בָּרָ֜ק ק֗וּם כִּ֣י זֶ֤ה הַיּוֹם֙ אֲשֶׁר֩ נָתַ֨ן יְהֹוָ֤ה אֶת־סִֽיסְרָא֙ בְּיָדֶ֔ךָ הֲלֹ֥א יְהֹוָ֖ה יָצָ֣א לְפָנֶ֑יךָ וַיֵּ֤רֶד בָּרָק֙ מֵהַ֣ר תָּב֔וֹר וַעֲשֶׂ֧רֶת אֲלָפִ֛ים אִ֖ישׁ אַחֲרָֽיו׃
BernfeldDebora sprach zu Barak: Auf, denn dies ist der Tag, da der Herr den Sisera in deine Hand gibt, der Herr zieht vor dir her. Da ging Barak herab vom Berge Tabor und zehntausend Mann ihm nach.
ZunzUnd Deborah sprach zu Barak: Auf, denn dies ist der Tag, da der Ewige den Sisra in deine Hand gegeben, siehe der Ewige zieht aus vor dir her. Da ging herab Barak vom Berg Tabor und zehntausend Mann ihm nach.
R. BreuerDa sprach Deborah zu Barak: „Mache dich auf, denn dies ist der Tag, an dem Gott den Sißra in deine Hand geliefert hat! Es ist ja Gott vor dir ausgezogen!“ Da zog Barak vom Berge Thabor hinab und zehntausend Mann ihm nach.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 14. Als Barak mit seinen zehntausend Mann den Berg Thabor bestiegen hatte, war ihm Debora auf den Berg gefolgt (V. 10). Als Barak den Berg mit seinen zehntausend Mann verließ, blieb Deborah auf dem Berge zurück, nicht ohne ihm vorher noch einmal die Gewißheit des von Gott gewollten und noch für den heutigen Tag bestimmten Sieges verkündet zu haben. In diesem Zurückbleiben Deborahs auf dem Berge Thabor, von dessen Gipfel wie von einem „Feldherrnhügel“ sie den Gang der Schlacht verfolgt, tritt so recht klar die in Wahrheit mit nichts ähnlichem (Jungfrau von Orleans) vergleichbare Aufgabe der jüdischen Prophetin hervor, die auch in öffentlicher Stellung nicht aufhört, das im gegebenen Augenblick sich scheu zurückziehende Weib zu sein.

15
וַיָּ֣הׇם יְ֠הֹוָ֠ה אֶת־סִֽיסְרָ֨א וְאֶת־כׇּל־הָרֶ֧כֶב וְאֶת־כׇּל־הַֽמַּחֲנֶ֛ה לְפִי־חֶ֖רֶב לִפְנֵ֣י בָרָ֑ק וַיֵּ֧רֶד סִֽיסְרָ֛א מֵעַ֥ל הַמֶּרְכָּבָ֖ה וַיָּ֥נׇס בְּרַגְלָֽיו׃
BernfeldDer Herr vernichtete den Sisera und alle Wagen und das ganze Lager mit der Schärfe des Schwertes vor Barak her: Sisera stieg hinab von dem Wagen und floh zu Fuße.
ZunzUnd der Ewige verwirrte den Sisra, und alle Wagen und das ganze Lager, mit der Schärfe des Schwertes, vor Barak her; und hinab stieg Sisra von dem Wagen, und floh zu Fuße.
R. BreuerDa brachte Gott den Sißra und alle Wagen und das ganze Lager in Verwirrung, der Schärfe des Schwertes von Barak preisgegeben. Da stieg Sißra von dem Wagen hinab und floh zu Fuße.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 15. Das Eingreifen Gottes zeigte sich in dem plötzlichen Durcheinander, in welche die ganze Streitmacht Sißras, nachdem die Schlacht kaum begonnen hatte, geriet, sodaß es für Barak keiner sonderlichen Anstrengung bedurfte, den Feind zu schlagen; das ganze feindliche Heer war plötzlich seinem Schwerte preisgegeben. Und so groß war die Verwirrung, daß Sißra, zur Flucht entschlossen, nicht einmal daran denken konnte, oder vielleicht aus Angst erkannt zu werden, nicht daran denken mochte, auf seinem Kriegswagen zu fliehen. Hals über Kopf mußte er alles im Stiche lassen und zu Fuß das Weite suchen.

רכב ist der gesamte Wagenpark, מרכבה der einzelne Wagen.

16
וּבָרָ֗ק רָדַ֞ף אַחֲרֵ֤י הָרֶ֙כֶב֙ וְאַחֲרֵ֣י הַֽמַּחֲנֶ֔ה עַ֖ד חֲרֹ֣שֶׁת הַגּוֹיִ֑ם וַיִּפֹּ֞ל כׇּל־מַחֲנֵ֤ה סִֽיסְרָא֙ לְפִי־חֶ֔רֶב לֹ֥א נִשְׁאַ֖ר עַד־אֶחָֽד׃
BernfeldBarak jagte den Wagen nach und dem Lager bis Haroset Hagojim, und das ganze Lager Siseras fiel durch die Schärfe des Schwertes. Es blieb auch nicht einer übrig.
ZunzUnd Barak jagte den Wagen nach und dem Lager bis Charoschet Hagojim, und das ganze Lager Sisra's fiel durch die Schärfe des Schwertes. Es blieb auch nicht einer übrig.
R. BreuerBarak aber verfolgte die Wagen und das Lager bis nach Charoscheth Hagojim, und das ganze Lager Sißras fiel durch die Schärfe des Schwertes, es blieb auch nicht einer übrig.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 16. Während die Verwirrung des feindlichen Heeres lediglich dem Eingreifen Gottes zu verdanken war, fiel nun Barak die Aufgabe der Verfolgung des fliehenden Feindes zu. Das Ziel der Fliehenden war Charoscheth Hagojim, von wo sie aufgebrochen waren. Sie erreichten ihr Ziel nicht, denn sie wurden völlig aufgerieben.

17
וְסִֽיסְרָא֙ נָ֣ס בְּרַגְלָ֔יו אֶל־אֹ֣הֶל יָעֵ֔ל אֵ֖שֶׁת חֶ֣בֶר הַקֵּינִ֑י כִּ֣י שָׁל֗וֹם בֵּ֚ין יָבִ֣ין מֶלֶךְ־חָצ֔וֹר וּבֵ֕ין בֵּ֖ית חֶ֥בֶר הַקֵּינִֽי׃
BernfeldSisera floh zu Fuße in das Zelt Jaëls, des Weibes des Keniten Heber, denn Frieden war zwischen Jabin, König von Hazor, und dem Hause des Keniten Heber.
ZunzUnd Sisra floh zu Fuße in das Zelt Jaél des Weibes Cheber's des Keni, denn Friede war zwischen Jabin, König von Chazor und zwischen dem Hause Chebers des Keni.
R. BreuerSißra aber war zu Fuß zu dem Zelte Jaels, der Frau des Keniten Cheber, geflohen, denn es war Friede zwischen Jabin, dem Könige von Chazor, und dem Hause des Keniten Chewer.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 17. Die Frage des מהרי"א (vgl. Malbim z. St.), wie Jael, die Mörderin Sißras, so treulos habe handeln können, nachdem Sißra doch im Vertrauen auf den Frieden zwischen Jabin und Cheber dessen Haus betreten habe, um sich dort in Sicherheit zu bringen, erledigt sich unseres Erachtens am einfachsten durch die Erwägung, daß kein Freundschaftsband so stark ist, um der auflösenden, alle Friedensverhältnisse über den Haufen werfenden Gewalt eines nationalen Krieges standhalten zu können. Auch in unseren Tagen haben wir’s schaudernd erlebt, wie der Donner der Schlachten selbst die Stimme des Blutes übertönt, wie die zartesten Gefühle der Menschenbrust vom Kriege verschüttet und zertreten werden.

18
וַתֵּצֵ֣א יָעֵל֮ לִקְרַ֣את סִֽיסְרָא֒ וַתֹּ֣אמֶר אֵלָ֗יו סוּרָ֧ה אֲדֹנִ֛י סוּרָ֥ה אֵלַ֖י אַל־תִּירָ֑א וַיָּ֤סַר אֵלֶ֙יהָ֙ הָאֹ֔הֱלָה וַתְּכַסֵּ֖הוּ בַּשְּׂמִיכָֽה׃
BernfeldDa ging Jaël dem Sisera entgegen, und sprach zu ihm. Kehre ein, mein Herr, kehre ein bei mir, fürchte nicht. Er kehrte bei ihr ein in das Zelt, und sie bedeckte ihn mit einer Decke.
ZunzDa ging hinaus Jaél, dem Sisra entgegen, und sprach zu ihm: Kehre ein, mein Herr, kehre ein bei mir, fürchte nicht. Und er kehrte bei ihr ein in das Zelt und sie bedeckte ihn mit einer Decke.
R. BreuerDa trat Jael heraus dem Sißra entgegen und sagte zu ihm: „Kehre doch ein, mein Herr, kehre doch ein bei mir, fürchte dich nicht!“ — Da kehrte er bei ihr ins Zelt ein, und sie bedeckte ihn mit der Decke.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 18. אל תירא. Offenbar wagte es Sißra nicht gleich, das Haus zu betreten. Er mochte ahnen, was ihm bevorstand, zweifeln, ob der Friede zwischen Jabin und dem Hause Chebers noch bestehe. (Vgl. das zum vorigen V. Bemerkte.) Erst als Jael ihm Mut zusprach, betrat er zögernd das Haus. Sofort „bedeckte ihn Jael mit der Decke“. Von der Flucht zu Fuß ermüdet, bedurfte er vor allem der Ruhe. Nebenbei sollte ihn wohl die „Decke“ auch vor etwaigen Späheraugen verhüllen.

19
וַיֹּ֧אמֶר אֵלֶ֛יהָ הַשְׁקִינִי־נָ֥א מְעַט־מַ֖יִם כִּ֣י צָמֵ֑אתִי וַתִּפְתַּ֞ח אֶת־נֹ֧אוד הֶחָלָ֛ב וַתַּשְׁקֵ֖הוּ וַתְּכַסֵּֽהוּ׃
BernfeldUnd er sprach zu ihr: Lasse mich doch trinken ein wenig Wasser, denn ich dürste; sie öffnete den Milchschlauch und ließ ihn trinken und deckte ihn zu.
ZunzUnd er sprach zu ihr: Laß mich doch trinken ein wenig Wasser, denn ich dürste; und sie öffnete den Milchschlauch, und ließ ihn trinken, und deckte ihn zu.
R. BreuerDa sagte er zu ihr: „Gieb mir doch ein wenig Wasser zu trinken, denn ich bin durstig.“ Da öffnete sie den Milchschlauch und gab ihm zu trinken und deckte ihn wieder zu.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 19. Sißra lag schon zugedeckt auf seinem Ruhelager, als er, von Durst gequält, sich noch einmal aufdeckte und um einen Schluck Wasser bat. Die schlaue Wirtin reichte ihm statt Wasser Milch, von deren einschläfernder Wirkung (vgl. Raschi) sie einen doppelt tiefen Schlaf ihres ermüdeten Opfers sich versprach. Nachdem er getrunken hatte, deckte sie ihn abermals zu.

20
וַיֹּ֣אמֶר אֵלֶ֔יהָ עֲמֹ֖ד פֶּ֣תַח הָאֹ֑הֶל וְהָיָה֩ אִם־אִ֨ישׁ יָבֹ֜א וּשְׁאֵלֵ֗ךְ וְאָמַ֛ר הֲיֵֽשׁ־פֹּ֥ה אִ֖ישׁ וְאָמַ֥רְתְּ אָֽיִן׃
BernfeldDa sprach er zu ihr: Stelle dich in den Eingang des Zeltes, und wenn einer kommt und dich fragt: Ist hier ein Mann? so antworte: Nein.
ZunzUnd er sprach zu ihr: Stelle dich in den Eingang des Zeltes, und es geschehe, wenn einer kommt und dich fragt und spricht: Ist hier ein Mann? so sprich: Nein.
R. BreuerDa sagte er zu ihr: „Bleibe im Eingang des Zeltes stehen, und es sei, wenn Jemand kommt und dich fragt: „Befindet sich ein Mann hier?“ so antworte: „Nein!“
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 20. Sißra hat richtig geahnt, daß ein Mann kommen werde, um nach ihm zu fragen. Barak selbst war es, der sich die Verfolgung Sißras vorbehalten hatte; und sein Weg führte ihn an Jaels Haus vorbei. Siehe weiter V. 22.

21
וַתִּקַּ֣ח יָעֵ֣ל אֵֽשֶׁת־חֶ֠בֶר אֶת־יְתַ֨ד הָאֹ֜הֶל וַתָּ֧שֶׂם אֶת־הַמַּקֶּ֣בֶת בְּיָדָ֗הּ וַתָּב֤וֹא אֵלָיו֙ בַּלָּ֔אט וַתִּתְקַ֤ע אֶת־הַיָּתֵד֙ בְּרַקָּת֔וֹ וַתִּצְנַ֖ח בָּאָ֑רֶץ וְהֽוּא־נִרְדָּ֥ם וַיָּ֖עַף וַיָּמֹֽת׃
BernfeldDa nahm Jaël, die Frau Hebers, den Zeltnagel und tat den Hammer in ihre Hand und trat zu ihm leise stieß den Nagel in seine Schläfe; er drang durch in die Erde; [Sisera] aber lag und betäubt, ward ohnmächtig und starb.
ZunzDa nahm Jaél, das Weib Chebers, den Zeltnagel und that den Hammer in ihre Hand und trat zu ihm leise, und stieß den Nagel in seine Schläfe und er drang in die Erde; er aber lag betäubt, und ward ohnmächtig und starb.
R. BreuerDa ergriff Jael, die Frau Chebers, den Zeltpflock und nahm den Hammer in ihre Hand und ging leise zu ihm hinein und schlug ihm den Nagel in die Schläfe, und er drang in die Erde. Er war betäubt, ward ohnmächtig und starb.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 21. בלאט. Sißra schlief so fest — והוא נרדם heißt es ja am Schluß des Verses —, daß Jael es schon hätte wagen können, lauter aufzutreten, ohne daß Sißra aufgewacht wäre. Wer könnte es aber dem Weibe nicht nachfühlen, wenn es nur still und ängstlich mit Hammer und Pflock an das Lager des kriegsgeübten Mannes zu treten sich getraute, um ihm den Nagel durch die Schläfe zu treiben. Einmal indeß entschlossen, die gefährliche Tat zu wagen, gelang es Jael schließlich doch, den geplanten Stoß mit solcher Wucht zu führen, daß der Nagel durch Sißras Schläfe hindurch bis in den Boden drang.

והוא נרדם ויעף וימת. Schlaf — Ohnmacht — Tod. Ohne das Bewußtsein erlangt zu haben, schlief Sißra aus dem zeitlichen in den ewigen Schlaf hinüber.

22
וְהִנֵּ֣ה בָרָק֮ רֹדֵ֣ף אֶת־סִֽיסְרָא֒ וַתֵּצֵ֤א יָעֵל֙ לִקְרָאת֔וֹ וַתֹּ֣אמֶר ל֔וֹ לֵ֣ךְ וְאַרְאֶ֔ךָּ אֶת־הָאִ֖ישׁ אֲשֶׁר־אַתָּ֣ה מְבַקֵּ֑שׁ וַיָּבֹ֣א אֵלֶ֔יהָ וְהִנֵּ֤ה סִֽיסְרָא֙ נֹפֵ֣ל מֵ֔ת וְהַיָּתֵ֖ד בְּרַקָּתֽוֹ׃
BernfeldUnterdessen verfolgte Barak den Sisera, da kam Jaël ihm entgegen und sprach zu ihm: Komm, ich will dir zeigen den Mann, den du suchst; und er kam zu ihr, Sisera lag tot und der Nagel in seiner Schläfe.
ZunzUnd siehe da, Barak verfolgte den Sisra, und es kam heraus Jaél ihm entgegen, und sprach zu ihm: Komm, ich will dir zeigen den Mann, den du suchst; und er kam zu ihr, und siehe, Sisra lag todt und der Nagel in seiner Schläfe.
R. BreuerSiehe, da kam Barak, auf der Verfolgung Sißras begriffen! Da ging Jael hinaus ihm entgegen und sagte zu ihm: „Komme, ich will dir den Mann zeigen, den du suchst!“ Da trat er zu ihr ein, siehe, da lag Sißra tot, mit dem Nagel in seiner Schläfe.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 22. Aus Jaels Worten לך ואראך וגו' klingt ein Stolz über die gelungene Tat, der dem Bewußtsein entsprang, etwas vollbracht zu haben, was ihr den Segen ihres Volkes eintragen würde. (Vgl. V. 24 im folgenden Kapitel).

Haftarah Beschalach Jemeniten, Tripolis (Libyen), Fes und Konstantinopel beginnen hier.Tripolis (Libyen): | Fes: | Konstantinopel:
23
וַיַּכְנַ֤ע אֱלֹהִים֙ בַּיּ֣וֹם הַה֔וּא אֵ֖ת יָבִ֣ין מֶֽלֶךְ־כְּנָ֑עַן לִפְנֵ֖י בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldSo demütigte Gott an jenem Tage den Jabin, König von Kanaan, vor den Kindern Israel.
ZunzSo demüthigte Gott an selbigem Tage den Jabin, König von Kenaan vor den Kindern Jisraël.
R. BreuerSo demütigte Gott an jenem Tage den Jabin, den König von Kenaan, vor den Kindern Israels.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 23. Es war nicht ohne Grund, wenn oben V. 2 sofort nach Jabin sein Feldherr Sißra genannt wurde. Jabins Macht beruhte wesentlich auf Sißras Feldherrngröße. Mit Sißras Tod war zugleich Jabins Macht gebrochen.

24
וַתֵּ֜לֶךְ יַ֤ד בְּנֵֽי־יִשְׂרָאֵל֙ הָל֣וֹךְ וְקָשָׁ֔ה עַ֖ל יָבִ֣ין מֶלֶךְ־כְּנָ֑עַן עַ֚ד אֲשֶׁ֣ר הִכְרִ֔יתוּ אֵ֖ת יָבִ֥ין מֶלֶךְ־כְּנָֽעַן׃ {פ}
BernfeldSeitdem lag die Hand der Kinder Israel immer schwerer auf Jabin, dem Könige von Kanaan, bis zur völligen Vernichtung des Jabin, Königs von Kanaan.
ZunzUnd fort und fort lag die Hand der Kinder Jisraél schwer auf Jabin, dem Könige von Kenaan, bis sie ausgerottet den Jabin, König von Kenaan.
R. BreuerUnd die Hand der Kinder Israel lastete immer schwerer auf Jabin, dem Könige von Kenaan, bis daß sie Jabin, den König von Kenaan, vernichtet hatten.
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Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 24. Wie eine Rechtfertigung von Jaels Tat klingen die Schlußworte dieses Kapitels. Erst nach Sißras Tod konnte Israel den Sieg über Jabin richtig ausnützen. Nun erst war der Sieg ein endgültiger, und so katastrophal war Jabins Niederlage, daß er, der König von Kenaan — zweimal wird er zum Schluß mit seinem vollen Titel genannt — sich davon nicht wieder erholen konnte.