Schoftim 3 שופטים

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1
וְאֵ֤לֶּה הַגּוֹיִם֙ אֲשֶׁ֣ר הִנִּ֣יחַ יְהֹוָ֔ה לְנַסּ֥וֹת בָּ֖ם אֶת־יִשְׂרָאֵ֑ל אֵ֚ת כׇּל־אֲשֶׁ֣ר לֹא־יָדְע֔וּ אֵ֖ת כׇּל־מִלְחֲמ֥וֹת כְּנָֽעַן׃
BernfeldDies sind die Völker die der Herr gelassen, um mit ihnen Israel zu prüfen, alle die nicht kennen gelernt die Kriege mit Kanaan;
ZunzUnd dies sind die Völker, die der Ewige gelassen, um mit ihnen Jisraël zu prüfen, alle die nicht kennen gelernt alle Kriege mit Kenaan;
R. BreuerDies sind die Völker, die Gott da ließ, um mit ihnen Israel zu erproben, alle die, die nicht begriffen hatten all die Kämpfe mit Kenaan.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

Kap. 3. V. 1. את כל וגו' ist Apposition zu את ישראל. Josua war es nicht beschieden, alle Völker aus dem Lande zu vertreiben. Es blieben noch etliche da, „um mit ihnen Israel zu erproben“ (vgl. 1, 22 und das das. Bemerkte). Bei dieser Prüfung sollte sich zeigen, wer in Israel „nicht begriffen hatte all die Kämpfe mit Kenaan,“ אשר לא ידעו את נסי מלחמות כנען ולא ראו את המעשה הגדול והמרו במקום (Raschi) ob sie als „Wissende“ die Großtaten Gottes an Kenaan miterlebt oder stumpfsinnig und blind in Josuas kriegerischen Erfolgen nur sein Glück im Kriege geschaut, nicht aber das Walten des Herrn des Krieges, dessen Name Gott, erkannt hatten.

2
רַ֗ק לְמַ֙עַן֙ דַּ֚עַת דֹּר֣וֹת בְּנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֔ל לְלַמְּדָ֖ם מִלְחָמָ֑ה רַ֥ק אֲשֶׁר־לְפָנִ֖ים לֹ֥א יְדָעֽוּם׃
BernfeldDamit Kenntnis bekämen die künftigen Geschlechter der Kinder Israel, um jene den Krieg zu lehren, die solchen nicht vordem kennen gelernt:
ZunzNur damit Kenntniß bekämen die künftigen Geschlechter der Kinder Jisraël, um sie den Krieg zu lehren; nur die, die sie nicht vordem kennen gelernt:
R. BreuerNur um die Geschlechter der Kinder Israels begreifen zu lassen — sie den Krieg zu lehren — denn vordem hatten sie ihn nicht gekannt.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 2. Wenn Gott Völker im Lande ließ, לנסות בם את ישראל (V. 1), so war der Zweck dieser Prüfung und Heimsuchung nur, למען דעת דרות בני ישראל, um all die, את כל אשר לא ידעו את כל מלחמות כנען (V. 1) nachträglich zu einem besseren Verständnis dessen, was Gott in Josuas Tagen an Kenaan geübt, heranzubilden. Wie sollte dieses Ziel erreicht werden? ללמדם מלחמה, sie sollten, von Gottes wunderbarer Leitung im Stich gelassen, sich genötigt sehen, die vordem nicht gekannte Kunst der Kriegführung zu erlernen und so durch eigene Erfahrung zum Bewußtsein ihrer Schwäche und Hilfsbedürftigkeit erwachen. Jetzt sollten sie merken, was der Krieg für ein Volk bedeutet, welches die Gunst des Herrn des Krieges verscherzt hat.

3
חֲמֵ֣שֶׁת ׀ סַרְנֵ֣י פְלִשְׁתִּ֗ים וְכׇל־הַֽכְּנַעֲנִי֙ וְהַצִּ֣ידֹנִ֔י וְהַ֣חִוִּ֔י יֹשֵׁ֖ב הַ֣ר הַלְּבָנ֑וֹן מֵהַר֙ בַּ֣עַל חֶרְמ֔וֹן עַ֖ד לְב֥וֹא חֲמָֽת׃
BernfeldDie fünf Fürsten der Philister und den ganzen Kanaani und den Zidoni und den Hivi, der auf dem Berge Libanon wohnte, von dem Gebirge Baal Hermon bis gen Hamat.
ZunzDie fünf Fürsten der Pelischtim und den ganzen Kenaani und den Zidoni und den Chiwi, der auf dem Berge Lebanon wohnt von dem Gebirge Baal Chermon bis gen Chamat.
R. BreuerFünf Fürsten der Philister und den ganzen Kenaani, den Zidoni und den Chiwi, der auf dem Berge Libanon wohnte, von dem Berge Baal Chermon bis gen Chamath.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 3. Nun werden die Völker aufgezählt, „die Gott dagelassen hatte, um mit ihnen Israel zu erproben“ (V. 1). Die fünf Fürsten der Philister waren „der von Gasa und der von Asdod, der von Askelon, der von Gath und von Ekron“ (Jos. 13, 3). Unter Sidoni sind die Phönizier zu verstehen. ישב הר הלבנון bezieht sich auch auf וכל הכנעני והצידני, denn den ganzen Kenaani in absolutem Sinne ließ Gott nicht im Lande; nur soweit er auf dem Libanon wohnte, blieb er zurück. מהר בעל חרמון וגו' (Vgl. Jos. 11, 17) ist nähere Bezeichnung des unter הר הלבנון zu verstehenden Landstriches.

4
וַיִּהְי֕וּ לְנַסּ֥וֹת בָּ֖ם אֶת־יִשְׂרָאֵ֑ל לָדַ֗עַת הֲיִשְׁמְעוּ֙ אֶת־מִצְוֺ֣ת יְהֹוָ֔ה אֲשֶׁר־צִוָּ֥ה אֶת־אֲבוֹתָ֖ם בְּיַד־מֹשֶֽׁה׃
BernfeldSie dienten auch dazu, mit ihnen Israel zu prüfen, zu erkennen, ob sie gehorchen würden den Geboten des Herrn, die er ihren Vätern durch Mose geboten.
ZunzUnd sie dienten dazu, mit ihnen Jisraël zu prüfen, zu erkennen, ob sie gehorchen würden den Geboten des Ewigen, die er ihren Vätern durch Moscheh geboten.
R. BreuerSie wurden (das Mittel), mit ihnen Israel zu prüfen, zu erkennen, ob sie gehorchen würden den Geboten Gottes, die er ihren Vätern durch Mosche geboten.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 4. Noch einmal wird gesagt, zu welchem Zweck die genannten Völker im Lande blieben. Aus der Form dieser Wiederholung ויהיו לנסות בם את ישראל weht uns der Wille des Erzählers an, den zurückbleibenden Völkern ein Gefühl des Stolzes über die ihnen von Gott zuerteilte Mission zu suggerieren: ויהיו, nun wurden sie etwas; sie, die keine Ahnung von Gott hatten, wurden auserkoren, unbewußt Schergen des göttlichen Willens zu sein.

5
וּבְנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל יָשְׁב֖וּ בְּקֶ֣רֶב הַֽכְּנַעֲנִ֑י הַחִתִּ֤י וְהָאֱמֹרִי֙ וְהַפְּרִזִּ֔י וְהַחִוִּ֖י וְהַיְבוּסִֽי׃
BernfeldAlso wohnten die Kinder Israel inmitten des Kanaani, des Hitti und Ewori und Perisii und Hivi und Jebusi.
ZunzAlso wohnten die Kinder Jisraël inmitten des Kenaani, des Chitti und Emori und Perisi und Chiwi und Jebusi.
R. BreuerSo wohnten die Kinder Israels inmitten des Kenaani, des Chitti, des Emori, des Perisi, des Chiwi und des Jebusi.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 5. Wenn unter den hier aufgezählten Völkern הגרגשי fehlt, so könnte das ohne weiteres mit dem Bericht des Jeruschalmi Schebuoth 6, 1 (vgl. Komm. Deut. 20, 10 ff.: „Drei Kundmachungen schickte Josua vor sich her, bevor er ins Land zog: wer sein Land räumen will, der gehe fort, wer Frieden eingehen will, der schließe Frieden, wer Krieg führen will, der führe Krieg. Girgaschi verließ das Land und ging nach Afrika . . . .“) erklärt werden, wenn hierbei nicht noch die Frage offen bliebe, warum an anderen Stellen, z. B. Jos. 3, 10; 24, 11 wo Girgaschi aus gleichem Grunde hätte fehlen können wie hier, er gleichwohl erwähnt wird.

6
וַיִּקְח֨וּ אֶת־בְּנוֹתֵיהֶ֤ם לָהֶם֙ לְנָשִׁ֔ים וְאֶת־בְּנוֹתֵיהֶ֖ם נָתְנ֣וּ לִבְנֵיהֶ֑ם וַיַּעַבְד֖וּ אֶת־אֱלֹהֵיהֶֽם׃ {פ}
BernfeldUnd nahmen deren Töchter sich zu Frauen, und ihre Töchter gaben sie deren Söhnen, und dienten ihren Göttern.
ZunzUnd nahmen deren Töchter sich zu Weibern, und ihre Töchter gaben sie deren Söhnen, und dienten ihren Göttern.
R. BreuerSie nahmen deren Töchter sich zu Frauen und ihre Töchter gaben sie deren Söhnen, und dienten ihren Göttern.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 6. Das Wohnen der Kinder Israels inmitten des Kenaani usw. (V. 5) führte zu einer inneren Annäherung Israels an das fremde Volkstum, die auch vor der Mischehe nicht zurückschreckte.

7
וַיַּעֲשׂ֨וּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֤ל אֶת־הָרַע֙ בְּעֵינֵ֣י יְהֹוָ֔ה וַֽיִּשְׁכְּח֖וּ אֶת־יְהֹוָ֣ה אֱלֹהֵיהֶ֑ם וַיַּעַבְד֥וּ אֶת־הַבְּעָלִ֖ים וְאֶת־הָאֲשֵׁרֽוֹת׃
BernfeldDie Kinder Israel taten das Böse in den Augen des Herrn und vergaßen den Herrn, ihren Gott, und dienten dem Baal und Astarot.
ZunzUnd die Kinder Jisraël thaten das Böse in den Augen des Ewigen, und vergaßen den Ewigen ihren Gott, und dienten den Baalim und den Ascherot.
R. BreuerDie Kinder Israels taten das Böse in den Augen Gottes und vergaßen Gott, ihren Gott, und dienten den Baalim und Ascheroth.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 7. Was oben (2, 11 f.) einleitend und allgemein berichtet wurde, erscheint hier im Zusammenhang mit V. 6 näher begründet. Die Mischehen waren die Folge der zunehmenden Assimilation mit den fremden Völkern und sie waren zugleich die Ursache eines immer weiter um sich greifenden und immer radikaler ausschweifenden Abfalls von Gott. — Auch hier wird dieser Abfall in seiner in Etappen fortschreitenden Entwicklung gezeigt. Sie taten was böse war in den Augen Gottes. Noch stand ihnen auf dieser Stufe Gott vor Augen. Erst auf der zweiten Stufe vergaßen sie Gott und auf der dritten wandten sie sich fremden Göttern zu.

8
וַיִּחַר־אַ֤ף יְהֹוָה֙ בְּיִשְׂרָאֵ֔ל וַֽיִּמְכְּרֵ֗ם בְּיַד֙ כּוּשַׁ֣ן רִשְׁעָתַ֔יִם מֶ֖לֶךְ אֲרַ֣ם נַהֲרָ֑יִם וַיַּעַבְד֧וּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵ֛ל אֶת־כּוּשַׁ֥ן רִשְׁעָתַ֖יִם שְׁמֹנֶ֥ה שָׁנִֽים׃
BernfeldDa erglühte der Zorn des Herrn über Israel, und er lieferte sie in die Hand des Kusan Risatajim, Königs von Aram Naharajim [Mesopotamien], und es dienten die Kinder Israel dem Kusan Risatajim acht Jahre.
ZunzDa erglühte der Zorn des Ewigen über Jisraël, und er lieferte sie in die Hand des Kuschan Rischatajim Königs von Aram Naharajim, und es dienten die Kinder Jisraël dem Kuschan Rischatajim acht Jahre.
R. BreuerDa entbrannte der Zorn Gottes über Israel, und er lieferte sie aus in die Hand des Kuschan Rischatajim, des Königs von Aram Naharajim, und es dienten die Kinder Israels dem Kuschan Rischatajim acht Jahre.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 8. Habakuk 3, 7 werden Kuschan und Midjan „als typische Beispiele von Mächten genannt, die vor den Folgen ihrer Sünden zu zittern haben. Der mesopotamische König Kuschan war nach Richter 3, 8 die erste Macht, die Israel im eigenen Lande knechtete, die jedoch, nach Israels Rückkehr zu Gott, von ihm besiegt wurde.“ (Komm. das.)

9
וַיִּזְעֲק֤וּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵל֙ אֶל־יְהֹוָ֔ה וַיָּ֨קֶם יְהֹוָ֥ה מוֹשִׁ֛יעַ לִבְנֵ֥י יִשְׂרָאֵ֖ל וַיֹּשִׁיעֵ֑ם אֵ֚ת עׇתְנִיאֵ֣ל בֶּן־קְנַ֔ז אֲחִ֥י כָלֵ֖ב הַקָּטֹ֥ן מִמֶּֽנּוּ׃
BernfeldDie Kinder Israel schrien zum Herrn und der Herr ließ den Kindern Israel einen Retter aufstehen, der sie rettete, den Otniël Sohn Kenas, den jüngeren Bruder Kaleb.
ZunzUnd die Kinder Jisraël schrien zum Ewigen, und der Ewige ließ aufstehen einen Retter den Kindern Jisraël, und er rettete sie, den Otniel Sohn Kenas, den Bruder Kalebs, den jüngeren.
R. BreuerDie Kinder Israels schrieen zu Gott, da ließ Gott den Kindern Israels einen Retter erstehen, der sie rettete: den Othniel, Sohn des Kenas, den jüngeren Bruder des Kaleb.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 9. Dieser Vers ist so konstruiert, daß wir vom Gelingen des Rettungswerkes erfahren noch bevor wir hören, wer der Retter war, den Gott dem Volke erstehen ließ. Die Persönlichkeit des Othniel tritt so hinter seinem Werke zurück: Gott ließ den Kindern Israels einen Retter erstehen, und Gott fügte es, daß das Werk gelang. Nebenher wird dann auch der Name des Retters genannt: es war Othniel der Sohn des Kenas, der jüngere Bruder des Kaleb. Über die persönliche Eignung zu seinem Werke verliert der nur an Gott denkende und von Gott erfüllte Erzähler kein einziges Wort. Daß es kein Unwürdiger war, der von Gott zum Retter seines Volkes erkoren wurde, läßt seine Verwandtschaft mit Kaleb vermuten und wird durch die Angaben des folgenden Verses bestätigt.

10
וַתְּהִ֨י עָלָ֥יו רֽוּחַ־יְהֹוָה֮ וַיִּשְׁפֹּ֣ט אֶת־יִשְׂרָאֵל֒ וַיֵּצֵא֙ לַמִּלְחָמָ֔ה וַיִּתֵּ֤ן יְהֹוָה֙ בְּיָד֔וֹ אֶת־כּוּשַׁ֥ן רִשְׁעָתַ֖יִם מֶ֣לֶךְ אֲרָ֑ם וַתָּ֣עׇז יָד֔וֹ עַ֖ל כּוּשַׁ֥ן רִשְׁעָתָֽיִם׃
BernfeldDer Geist des Herrn kam über ihn, und er richtete Israel und zog aus in den Streit, und der Herr gab in seine Hand den Kusan Risatajim, König von Aram, und siegreich war seine Hand über Kusan Risatajim.
ZunzUnd über ihn kam der Geist des Ewigen und er richtete Jisraël und zog aus in den Streit, und der Ewige gab in seine Hand den Kuschan Rischatajim, König von Aram, und siegreich war seine Hand über Kuschan Ritajim.
R. BreuerDer Geist Gottes kam über ihn, und er richtete Israel, und er zog aus in den Kampf, und Gott gab in seine Hand den Kuschan Rischatajim, den König von Aram, und er gewann die Oberhand über Kuschan Rischatajim.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 10. Es war der Geist Gottes, der über ihn kam und ihn befähigte, der Retter seines Volkes zu werden. Doch ehe er in den Kampf gegen den König von Aram zog, „richtete er Israel,“ schuf er Ordnung im Innern, um das Volk vor allen Dingen der ihm zugedachten Hilfe würdig zu machen. Wohl mochte Othniel in dem „Geschrei der Kinder Israels zu Gott“ (V. 9) nur eine aus Not geborene Rückkehr zu Gott erkannt haben, die keine Gewähr für künftige Dauer bot, doch gerade darin, daß Othniel keinen Augenblick zögerte, ans Werk zu gehen, obwohl seinem Geiste die Möglichkeit eines künftigen Rückfalls Israels ins Böse vorschweben mochte, offenbarte sich der Geist Gottes, der über ihn gekommen war. Wie einst Gott Israel aus Egypten erlöste, obwohl schon damals Gottes Auge die künftige Verirrung des goldenen Kalbes vorausschaute, so rettete Othniel das Volk, obwohl es noch immer neben Unschuldigen auch Schuldige umschloß und auch für die Zukunft allerhand böse Rückfallskeime barg: ותהי עלו רוח ה' דרש רבי תנחומא נסתכל במה שאמר הקב"ה למשה במצרים ראה ראיתי את עני עמי מה הן שתי ראות הללו אמר לו רואה אני שעתידין לטעות בעגל ואעפ"כ ראיתי את עני עמי בו דרש עתניאל אמר בין זכים בין חייבים עליו להושיעם (Raschi).

11
וַתִּשְׁקֹ֥ט הָאָ֖רֶץ אַרְבָּעִ֣ים שָׁנָ֑ה וַיָּ֖מׇת עׇתְנִיאֵ֥ל בֶּן־קְנַֽז׃ {פ}
BernfeldDas Land war ruhig vierzig Jahre, da starb Otniël, Sohn Kenas.
ZunzUnd das Land war ruhig vierzig Jahre, da starb Otniel Sohn Kenas.
R. BreuerDas Land hatte vierzig Jahre Ruhe, da starb Othniel, der Sohn des Kenas.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 11. Zum ersten Mal bewahrheitete sich hier, was oben (2, 18) einleitend bemerkt wurde: והיה ה' עם השפט והושיעם מיד איביהם כל ימי השופט

12
וַיֹּסִ֙פוּ֙ בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל לַעֲשׂ֥וֹת הָרַ֖ע בְּעֵינֵ֣י יְהֹוָ֑ה וַיְחַזֵּ֨ק יְהֹוָ֜ה אֶת־עֶגְל֤וֹן מֶלֶךְ־מוֹאָב֙ עַל־יִשְׂרָאֵ֔ל עַ֛ל כִּי־עָשׂ֥וּ אֶת־הָרַ֖ע בְּעֵינֵ֥י יְהֹוָֽה׃
BernfeldDie Kinder Israel fuhren fort zu tun das Böse in den Augen des Herrn, und der Herr machte den Eglon, König von Moab, stark über Israel, weil sie das Böse getan in den Augen des Herrn.
ZunzUnd die Kinder Jisraël fuhren fort zu thun das Böse in den Augen des Ewigen, und der Ewige machte den Eglon König von Moab stark über Jisraël, weil sie das Böse gethan in den Augen des Ewigen.
R. BreuerDie Kinder Israels fuhren fort zu tun das Böse in den Augen Gottes, da machte Gott stark den Eglon, König von Moab, über Israel, weil sie das Böse getan in den Augen Gottes.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 12. Kaum war Othniel gestorben, da trat in dem Verhältnis Israels zu Gott wieder die alte Entfremdung ein. Sie brauchten blos dort „fortzufahren“, wo sie ehedem stehen geblieben waren. Wie groß muß doch der Einfluß eines Mannes wie Othniel gewesen sein, der blos die Augen zu schließen brauchte, um alle bösen Geister im Volke wieder wach werden zu lassen!

ויחזק. Aus sich selbst heraus hätte König Eglon Israel nichts anhaben können, wenn es nicht Gott gewesen wäre, der ihm die Oberhand über die des göttlichen Beistandes nicht mehr Würdigen verlieh.

13
וַיֶּאֱסֹ֣ף אֵלָ֔יו אֶת־בְּנֵ֥י עַמּ֖וֹן וַעֲמָלֵ֑ק וַיֵּ֗לֶךְ וַיַּךְ֙ אֶת־יִשְׂרָאֵ֔ל וַיִּֽירְשׁ֖וּ אֶת־עִ֥יר הַתְּמָרִֽים׃
BernfeldEr versammelte zu sich die Ammoniter und Amalek und besiegte Israel, sie nahmen die Palmenstadt ein.
ZunzUnd er versammelte zu sich die Söhne Ammon und Amalek und ging und schlug Jisraël, und sie nahmen die Palmenstadt ein.
R. BreuerEr versammelte zu sich die Söhne Ammons und Amaleks, er zog hin und schlug Israel und sie eroberten die Palmenstadt.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 13. Wenn König Eglon nach Bundesgenossen Umschau hielt, so bestätigt dieser Ausfluß seiner Hilfsbedürftigkeit das zu ויחזק im vorigen Vers Bemerkte.

ויך — וירשו. Im Kampfe selbst fiel offenbar Eglon die Hauptaufgabe zu, daher der Singular ויך; das hinderte aber seine Bundesgenossen Ammon und Amalek nicht, sich beim Einzuge in die Palmenstadt Jericho (vgl. 1, 16) als gleichberechtigte Sieger zu fühlen, daher der Plural וירשו.

14
וַיַּעַבְד֤וּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵל֙ אֶת־עֶגְל֣וֹן מֶלֶךְ־מוֹאָ֔ב שְׁמוֹנֶ֥ה עֶשְׂרֵ֖ה שָׁנָֽה׃
BernfeldDie Kinder Israel dienten dem Eglon, König von Moab, achtzehn Jahre.
ZunzUnd die Kinder Jisraël dienten dem Eglon, König von Moab, achtzehn Jahre.
R. BreuerEs dienten die Kinder Israels dem Eglon, König von Moab, achtzehn Jahre.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 14. Dem König Kuschan Rischathajim hatten sie blos acht Jahre gedient (V. 8). Der Rückfall mußte jetzt härter bestraft werden.

15
וַיִּזְעֲק֣וּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵל֮ אֶל־יְהֹוָה֒ וַיָּ֩קֶם֩ יְהֹוָ֨ה לָהֶ֜ם מוֹשִׁ֗יעַ אֶת־אֵה֤וּד בֶּן־גֵּרָא֙ בֶּן־הַיְמִינִ֔י אִ֥ישׁ אִטֵּ֖ר יַד־יְמִינ֑וֹ וַיִּשְׁלְח֨וּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵ֤ל בְּיָדוֹ֙ מִנְחָ֔ה לְעֶגְל֖וֹן מֶ֥לֶךְ מוֹאָֽב׃
BernfeldDie Kinder Israel schrieen dann zum Herrn und der Herr ließ ihnen aufstehen einen Retter, den Ehud, Sohn Gera, einen Benjaminiten, der an seiner rechten Hand gelähmt war [er war links]. Und die Kinder Israel sandten durch ihn ein Geschenk an Eglon, König von Moab.
ZunzUnd die Kinder Jisraél schrien zum Ewigen und der Ewige ließ ihnen aufstehen einen Retter, den Ehud, Sohn Gera, einen Benjemini, einen Mann, gelähmt an seiner rechten Hand. Und die Kinder Jisraél sandten durch ihn ein Geschenk an Eglon König von Moab.
R. BreuerDa schrieen die Kinder Israels zu Gott, und Gott ließ ihnen als Retter erstehen den Ehud, Sohn des Gera, einen Benjaminiten, einen (linkshändigen) am Gebrauch seiner rechten Hand gehinderten Mann. Es sandten die Kinder Israels durch ihn eine Huldigungsgabe an Eglon, den König von Moab.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 15. Das erste, was wir von Ehud, Israels neuem Retter, erfahren, ist, daß er linkshändig war. (אטר wörtlich): geschlossen, gebunden sein. Vgl. Ps. 69, 16.) Dieser Körperfehler wird betont, weil er im weiteren Verlauf der Ereignisse eine Rolle spielt.

וישלחו בני ישראל וגו'. Offenbar ahnten die Kinder Israel nicht, mit welchem Plane Ehud sich trug, als er die Mission an Eglon übernahm. Sie mochten sich in den achtzehn Jahren der Knechtschaft mit Moabs Oberhoheit abgefunden haben. In Ehud aber war gerade durch den Auftrag, Eglon eine Huldigungsgabe zu überbringen, der Entschluß gereift, durch eine blutige Tat das Volk aus seiner unwürdigen Lage zu befreien.

16
וַיַּ֩עַשׂ֩ ל֨וֹ אֵה֜וּד חֶ֗רֶב וְלָ֛הּ שְׁנֵ֥י פֵי֖וֹת גֹּ֣מֶד אׇרְכָּ֑הּ וַיַּחְגֹּ֤ר אוֹתָהּ֙ מִתַּ֣חַת לְמַדָּ֔יו עַ֖ל יֶ֥רֶךְ יְמִינֽוֹ׃
BernfeldEhud fertigte sich an ein Schwert, das zwei Schneiden hatte, eine Spanne lang [einen Dolch], und er gürtete es unterhalb seines Rockes an seiner rechten Hüfte.
ZunzUnd Ehud verfertigte sich ein Schwert, das hatte zwei Schneiden, eine Spanne seine Länge, und er gürtete es unterhalb seines Rockes an seiner rechten Hüfte.
R. BreuerEhud machte sich ein Schwert, das zwei Schneiden hatte, eine Elle lang, er gürtete es unterhalb seines Gewandes an seiner rechten Hüfte.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 16. Raffiniert traf Ehud seine Vorbereitungen. Das Schwert, das er brauchte, durfte nicht zu lang sein, es mußte seinem Zweck entsprechend völlig unsichtbar verborgen und mit sicherer Aussicht auf Erfolg verwendet werden können. Das Schwert durfte daher nur die Kürze eines Dolches von einer Elle haben; es mußte zweischneidig sein, um nicht fehl zu gehen; und es mußte auf der rechten Seite versteckt werden, damit der Linkshändige bequem danach greifen konnte. Erst nach diesen Vorbereitungen wagte es Ehud, sich, den Dolch im Gewande, dem gehaßten Tyrannen zu nahen.

17
וַיַּקְרֵב֙ אֶת־הַמִּנְחָ֔ה לְעֶגְל֖וֹן מֶ֣לֶךְ מוֹאָ֑ב וְעֶגְל֕וֹן אִ֥ישׁ בָּרִ֖יא מְאֹֽד׃
BernfeldUnd er überreichte das Geschenk dem Eglon, König von Moab. Eglon aber war ein sehr feister Mann.
ZunzUnd er überreichte das Geschenk dem Eglon, König von Moab. Eglon aber war ein sehr feister Mann.
R. BreuerUnd so brachte er das Huldigungsgeschenk zu Eglon, den König von Moab. — Eglon aber war sehr beleibt. —
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 17. Der Zusatz, ועגלון איש בריא מאד, der V. 22 vorbereitet, will entweder im Zusammenhang mit dem Vordersatz andeuten, daß Eglon gewohnt war, Huldigungsgeschenke anzunehmen, die korpulenzerzeugend waren und dementsprechend auch die Gabe Ehuds aus eßbaren Erdengütern bestand, oder — was wohl einleuchtender ist — der Nachsatz will mit echt biblischer Präzision den Eindruck umschreiben, den Eglon auf den eintretenden Ehud machte, der, bevor er seinen Dolchstoß ausführte, sein Opfer von oben bis unten maß, und sich schon jetzt die Wirkungen des Stoßes, über die V. 22 berichtet, in Gedanken ausgemalt haben mochte.

18
וַֽיְהִי֙ כַּאֲשֶׁ֣ר כִּלָּ֔ה לְהַקְרִ֖יב אֶת־הַמִּנְחָ֑ה וַיְשַׁלַּח֙ אֶת־הָעָ֔ם נֹשְׂאֵ֖י הַמִּנְחָֽה׃
BernfeldAls er fertig war mit dem Überreichen des Geschenkes, da entsandte er das Volk, die Träger des Geschenkes.
ZunzUnd es geschah, als er fertig war mit Ueberreichung des Geschenkes, da entsandte er das Volk, die Träger des Geschenkes.
R. BreuerAls er fertig war mit dem Überreichen der Huldigungsgabe, schickte er die Leute fort, welche die Huldigungsgabe trugen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 18. Bei der Ausübung seiner grausigen Tat wollte Ehud ohne Zeugen sein, die ihn bei der Ausführung seines Vorhabens vielleicht gar noch hindern konnten. Daher schickte er die Geschenkträger fort, die, wie aus העם erhellt, nicht gering an Zahl waren.

19
וְה֣וּא שָׁ֗ב מִן־הַפְּסִילִים֙ אֲשֶׁ֣ר אֶת־הַגִּלְגָּ֔ל וַיֹּ֕אמֶר דְּבַר־סֵ֥תֶר לִ֛י אֵלֶ֖יךָ הַמֶּ֑לֶךְ וַיֹּ֣אמֶר הָ֔ס וַיֵּֽצְאוּ֙ מֵעָלָ֔יו כׇּל־הָעֹמְדִ֖ים עָלָֽיו׃
BernfeldEr aber kehrte um von den Steinbrüchen, die bei Gilgal, [trat beim König ein] und sprach: Ein geheimes Wort habe ich an dich, o König! Da sprach dieser: Still! und es traten ab von ihm alle, die um ihn standen.
ZunzEr aber kehrte um von den Steinbrüchen, die bei Gilgal, und sprach: Ein geheimes Wort habe ich an dich, o König! Da sprach er: Still! und es traten ab von ihm, alle die um ihn standen.
R. BreuerEr aber kehrte zurück von den Steinbrüchen bei Gilgal und sprach: Ein geheimes Wort habe ich an dich, o König. Dieser sprach: Still! Da gingen von ihm fort alle, die um ihn standen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 19. Eine Strecke Wegs hatte Ehud die Geschenkträger noch begleitet, da kehrte er an der Stelle der Steinbrüche (Raschi: מקום שפוסלים שם אבנים מן ההר) bei Gilgal, als hätte er etwas vergessen, um und sprach abermals beim König vor. Vielleicht hatte ihn der Mut verlassen, um sein Vorhaben sofort, nachdem er seine Begleiter entlassen hatte, auszuführen und bedurfte es eines nochmaligen Entschlusses, um die blutige Tat zu wagen.

הס. „Interjektion: still! Amos 8, 3 als Subst. Stille, Schweigen. Davon הסה schweigen, im Hiphil wie Num. 13, 30 ויהס: schweigen machen, beruhigen.“ (Komm. Habakuk 2, 20) Wenn König Eglon seine Hofleute mit dem Befehle „הס Still!“ entfernte, so darf daraus nicht etwa geschlossen werden, daß sie es gewagt hätten, die Audienz Ehuds bei ihrem königlichen Herrn durch unziemlich lautes Benehmen zu stören. Der Sinn ist vielmehr: Laßt mich allein mit Ehud; nur unter vier Augen ist's in Wahrheit still; wo viel Menschen sind, auch wenn sie schweigen, ist's niemals frei von Lärm. Ungezwungener wird man aber wohl die Aufforderung „הס Still!“ auf Ehud beziehen: Sei still und warte mit der Bekanntgabe deines geheimen Wortes, bis wir allein sind! Die Hofleute verstanden den Wink und entfernten sich.

20
וְאֵה֣וּד ׀ בָּ֣א אֵלָ֗יו וְהֽוּא־יֹ֠שֵׁ֠ב בַּעֲלִיַּ֨ת הַמְּקֵרָ֤ה אֲשֶׁר־לוֹ֙ לְבַדּ֔וֹ וַיֹּ֣אמֶר אֵה֔וּד דְּבַר־אֱלֹהִ֥ים לִ֖י אֵלֶ֑יךָ וַיָּ֖קׇם מֵעַ֥ל הַכִּסֵּֽא׃
BernfeldUnd Ehud trat an ihn näher heran, er saß in dem kühlen Söller, der für ihn allein war. Und Ehud sprach: Ein Wort Gottes habe ich an dich. Da stand er auf von dem Thron.
ZunzUnd Ehud war zu ihm gekommen, da er saß in dem kühlen Söller, der für ihn allein war. Und Ehud sprach: Ein Wort Gottes habe ich an dich. Und er stand auf von dem Throne.
R. BreuerEhud kam nun zu ihm heran, er saß in dem kühlen Gemach, das eigens für ihn bestimmt war, da sprach Ehud: Ein Wort Gottes habe ich an dich! Da erhob er sich von dem Throne.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 20. Eglon war sehr korpulent (V. 17). Und es war Sommer. Für des Königs Majestät, die bei ihres Leibes Fülle unter der Hitze schwer litt, war im Palaste ein kühler, luftiger Söller eigens hergerichtet. Hier war's, wo Ehud empfangen wurde. Wenn nun Ehud wiederholte, daß er dem König eine Botschaft zu überbringen habe und jetzt nicht דבר סתר לי וגו' wie V. 19 sondern דבר אלהים לי אליך sagt, so wußte er wohl, daß sich Eglon beim Hören des Gottesnamens erheben werde und hatte er wohl von vornherein im Sinn, den günstigen Augenblick, wo der korpulente, in der heißen Sommerszeit der Ruhe so bedürftige Tyrann sich schwerfällig von seinem Throne erheben werde, für den geplanten Dolchstoß zu benützen.

ויקם מעל הכסא. Wie einst Malki-Zedek (vgl. Komm. Gen. 14, 19), so scheint auch Eglon eine instinktive Ehrfurcht vor dem gewaltigen Judengott innegewohnt zu haben, wenn er sich bei der bloßen Erwähnung des Namens אלהים von seinem Throne erhob. לכך זכה ויצתה ממנו רות (Raschi) „Deshalb ward er gewürdigt, der Ahnherr Ruths zu werden.“

21
וַיִּשְׁלַ֤ח אֵהוּד֙ אֶת־יַ֣ד שְׂמֹאל֔וֹ וַיִּקַּח֙ אֶת־הַחֶ֔רֶב מֵעַ֖ל יֶ֣רֶךְ יְמִינ֑וֹ וַיִּתְקָעֶ֖הָ בְּבִטְנֽוֹ׃
BernfeldNun streckte Ehud seine linke Hand aus und nahm das Schwert von seiner rechten Hüfte und stach es ihm in den Leib.
ZunzDa streckte Ehud seine linke Hand aus, und nahm das Schwert von seiner rechten Hüfte, und stach es ihm in den Leib.
R. BreuerNun streckte Ehud seine linke Hand aus und nahm das Schwert von seiner rechten Hüfte und stieß es ihm in den Leib.
22
וַיָּבֹ֨א גַֽם־הַנִּצָּ֜ב אַחַ֣ר הַלַּ֗הַב וַיִּסְגֹּ֤ר הַחֵ֙לֶב֙ בְּעַ֣ד הַלַּ֔הַב כִּ֣י לֹ֥א שָׁלַ֛ף הַחֶ֖רֶב מִבִּטְנ֑וֹ וַיֵּצֵ֖א הַֽפַּרְשְׁדֹֽנָה׃
BernfeldEs drang hinein sogar der Stiel nach der Klinge, und das Fett schloss sich um die Klinge, denn er zog das Schwert nicht aus seinem Leibe, und es fuhr bis in den Mastdarm.
ZunzUnd hinein drang sogar der Stiel nach der Klinge, und das Fett schloß sich um die Klinge, denn er zog das Schwert nicht aus seinem Leibe, und es fuhr bis in den Mastdarm.
R. BreuerAuch der Stiel drang nach der Klinge hinein, und das Fett schloß sich um die Klinge, denn er hatte ihm das Schwert nicht aus dem Leibe gezogen, und es trat der Kot heraus.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 22. Ein schauriger Tod war dem fettleibigen König beschieden. Wenn Ehud seinen Dolch im Leibe des Königs stecken ließ, ja ihn so tief hineinstieß, daß das Heft der Klinge nachfolgte, das Fett des Getöteten die Klinge umschloß und — eine natürliche Folge dieser Verwundungsart — der Darm seinen Inhalt entleerte, so mag ihn dabei sowohl die Sorge, ohne Blutspuren am Gewande sich zu entfernen, als auch die nervöse Hast, so rasch wie möglich die Stätte der grausen Tat zu verlassen, geleitet haben. Die naturalistische Anschaulichkeit, mit der die Bibel hier die Einzelheiten des Mordes schildert, fügt sich übrigens ganz harmonisch dem Geiste jenes Sturmes und Dranges ein, der für den größten Teil der Richterzeit charakteristisch ist.

הפרשדנה. Nach Targum Jonathan (vgl. Raschi) zusammengesetzt aus פרש (Kot) und שדנה (ausgegossen; Wurzel: שדא, werfen, schleudern.)

23
וַיֵּצֵ֥א אֵה֖וּד הַֽמִּסְדְּר֑וֹנָה וַיִּסְגֹּ֞ר דַּלְת֧וֹת הָעֲלִיָּ֛ה בַּעֲד֖וֹ וְנָעָֽל׃
BernfeldEhud ging hinaus nach dem Säulengange und verschloss die Türen des Söllers vor ihm und riegelte sie zu.
ZunzUnd Ehud ging hinaus nach dem Säulengange, und verschloß die Thüre des Söllers vor ihm und verriegelte.
R. BreuerEhud ging hinaus nach dem Säulengange und verschloß die Türen des Gemaches hinter sich und riegelte sie zu.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 23. בעדו. Man hätte אחריו erwarten sollen wie Gen. 19, 6: והדלת סגר אחריו. Es heißt aber בעדו wie Gen. 7, 16: ויסגור ד' בעדו, um anzudeuten, daß Ehud eben בעדו für sich, zu seinem Schutze die Türen verschloß.

ונעל. Man hätte entsprechend dem Imperfektum ויסגר statt ונעל besser וינעל erwartet. Vielleicht soll aber das Plusquamperfektum die aufgeregte Eile veranschaulichen, mit der Ehud die Türen schloß und verriegelte: Er war noch mit dem Schließen der Türen beschäftigt, da hatte er sie auch schon verriegelt.

24
וְה֤וּא יָצָא֙ וַעֲבָדָ֣יו בָּ֔אוּ וַיִּרְא֕וּ וְהִנֵּ֛ה דַּלְת֥וֹת הָעֲלִיָּ֖ה נְעֻל֑וֹת וַיֹּ֣אמְר֔וּ אַ֣ךְ מֵסִ֥יךְ ה֛וּא אֶת־רַגְלָ֖יו בַּחֲדַ֥ר הַמְּקֵרָֽה׃
BernfeldEben war er hinausgegangen, da kamen seine Diener und sahen die Türen des Söllers verriegelt. Da sprachen sie: Gewiss verrichtet er seine Notdurft in dem kühlen Zimmer.
ZunzEben war er hinausgegangen, da kamen seine Diener und sahen, siehe da, die Thüren des Söllers verriegelt. Da sprachen sie: Gewiß thut er seine Nothdurft in dem kühlen Zimmer.
R. BreuerAls er eben hinausgegangen war, kamen seine Diener und sahen, daß die Türen des Gemaches verriegelt waren und sprachen: Gewiß verrichtet er seine Notdurft in dem kühlen Gemache.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 24. מסיך הוא את רגליו, wörtlich: „er bedeckt seine Füße“ (vgl. Sam. I 24, 4 und Jebamoth 13 a). So euphemistisch werden sich die moabitischen Diener wohl nicht ausgedrückt haben. Die dezente Ausdrucksweise, um die europäische Kultursprachen die heilige beneiden dürfen, stammt aus dem Munde des hebräischen Erzählers, für dessen Volk noch heute die הלכות הנהגת לא יגלה עצמו כי אם מלאחריו טפח ומלפניו טפחיים בית הכסא mit ihrer Forderung (ש"ע א"ח 3, 4) ein ethisches Heiligtum bedeuten.

בחדר המקרה. Oben V. 20 hieß es בעלית המקרה. Offenbar hatte das Gemach (עליה) einen Nebenraum (חדר), wo Eglon seine Notdurft zu verrichten pflegte.

25
וַיָּחִ֣ילוּ עַד־בּ֔וֹשׁ וְהִנֵּ֛ה אֵינֶ֥נּוּ פֹתֵ֖חַ דַּלְת֣וֹת הָעֲלִיָּ֑ה וַיִּקְח֤וּ אֶת־הַמַּפְתֵּ֙חַ֙ וַיִּפְתָּ֔חוּ וְהִנֵּה֙ אֲדֹ֣נֵיהֶ֔ם נֹפֵ֥ל אַ֖רְצָה מֵֽת׃
BernfeldSie warteten bis zur Ungeduld, aber er öffnete nicht die Türen des Söllers, da nahmen sie den Schlüssel und schlossen auf; ihr Herr lag tot am Boden.
ZunzUnd sie warteten bis zur Ungeduld, und siehe, er öffnete nicht die Thüren des Söllers, und sie nahmen den Schlüssel und schlossen auf, und siehe, ihr Herr lag todt am Boden.
R. BreuerSie warteten bis sie enttäuscht waren, denn siehe, er öffnete nicht die Türen des Gemaches. Da nahmen sie den Schlüssel und schlossen auf —: siehe, da lag ihr Herr tot am Boden.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 25. ויחילו. Vgl. Komm. Gen. 8, 10.

בוש. „בשש Piel von בוש, ursprünglich: sich in einer Erwartung getäuscht finden (siehe zu 1. B. M. 2. 25), daher: ויחילו עד בוש, sie warteten solange, bis sie sich in ihren Erwartungen getäuscht sahen, d. h. sie warteten so lange, bis sie zu dem Bewußtsein kamen, die Erfüllung ihrer Erwartung aufgeben zu müssen (Richter 3, 25).“ (Komm. Ex. 32, 1).

26
וְאֵה֥וּד נִמְלַ֖ט עַ֣ד הִֽתְמַהְמְהָ֑ם וְהוּא֙ עָבַ֣ר אֶת־הַפְּסִילִ֔ים וַיִּמָּלֵ֖ט הַשְּׂעִירָֽתָה׃
BernfeldEhud aber war entronnen während ihres Zögerns, über die Steinbrüche hinaus, und entrann nach Sëira.
ZunzEhud aber war entronnen während ihres Zögerns, und war über die Steinbrüche hinaus, und entrann nach Seirah.
R. BreuerEhud aber war entronnen während ihres Zögerns, er zog hinüber über die Steinbrüche und rettete sich nach Seir.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 26. וימלט—נמלט. Während die Diener noch im Zweifel waren, was mit Eglon geschehen sei, hatte Ehud die Zeit ihres Zögerns benutzt, um sich in Sicherheit zu bringen. Noch aber konnte er, obwohl dem Königspalast entronnen (נמלט), sich nicht sicher fühlen, daher (וימלט) mußte er noch weiter fliehen.

הפסילים. Als Ehud wieder zu den Steinbrüchen kam, mochte er wohl jenes Augenblicks gedacht haben, da er von dieser Stelle aus in den Palast zurückgekehrt war, um Eglon zu tödten (V. 19). Wie ein flüchtiger Lichtschein ist’s, was von der abermaligen Erwähnung dieser Steinbrüche hervorhuscht, um die Gemütserregung anzudeuten, in welcher Ehud auf seiner Flucht auf die Einzelheiten der vollbrachten Tat zurückgeschaut haben mochte.

השעירתה. Entweder Ortsname oder nach Raschis Hinweis auf den Gebrauch des Wortes in der Mischna, zum Versteck geeignetes Waldesdickicht.

27
וַיְהִ֣י בְּבוֹא֔וֹ וַיִּתְקַ֥ע בַּשּׁוֹפָ֖ר בְּהַ֣ר אֶפְרָ֑יִם וַיֵּרְד֨וּ עִמּ֧וֹ בְנֵי־יִשְׂרָאֵ֛ל מִן־הָהָ֖ר וְה֥וּא לִפְנֵיהֶֽם׃
BernfeldAls er da ankam, stieß er in die Posaune auf dem Gebirge Efraim, und es zogen ihm nach die Kinder Israel vom Gebirge, und er ihnen voran.
ZunzUnd da er kam, stieß er in die Posaune auf dem Gebirge Efrajim, und es gingen hinab mit ihm die Kinder Jisraél vom Gebirge, und er ihnen voran.
R. BreuerAls er ankam, stieß er in die Posaune auf dem Gebirge Ephraim, und es stiegen hinab mit ihm die Kinder Israels vom Gebirge, und er ihnen voran.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 27. An Ort und Stelle in Kenaan jenseits des Jardens angekommen (Raschi), galt es nun für Ehud, die Bestürzung, in der sich Moab infolge des plötzlichen Todes seines Herrn befand, kräftig für Israels Befreiung auszunützen. Auf dem westwärts vom Jarden gelegenen Gebirge Ephraim gab Ehud das Signal zum Kampfe.

28
וַיֹּ֤אמֶר אֲלֵהֶם֙ רִדְפ֣וּ אַחֲרַ֔י כִּֽי־נָתַ֨ן יְהֹוָ֧ה אֶת־אֹיְבֵיכֶ֛ם אֶת־מוֹאָ֖ב בְּיֶדְכֶ֑ם וַיֵּרְד֣וּ אַחֲרָ֗יו וַֽיִּלְכְּד֞וּ אֶֽת־מַעְבְּר֤וֹת הַיַּרְדֵּן֙ לְמוֹאָ֔ב וְלֹא־נָתְנ֥וּ אִ֖ישׁ לַעֲבֹֽר׃
BernfeldEr sprach zu ihnen: Folget mir nach! denn gegeben hat der Herr eure Feinde, die Moabiter, in eure Hand; und sie zogen ihm nach und besetzten die Jordanfurten den Moabitern [die westlich vom Jordan weilten] und ließen niemand hinüber.
ZunzUnd er sprach zu ihnen: Verfolget, mir nach! denn gegeben hat der Ewige eure Feinde, den Moab, in eure Hand; und sie zogen hinab ihm nach, und besetzten die Jardenführten dem Moab und ließen Niemand hinüber.
R. BreuerEr sprach zu ihnen: Folget mir nach, denn gegeben hat Gott eure Feinde, Moab, in eure Hand; und sie zogen ihm nach und entrissen Moab die Jardenfurten und ließen niemand hinüber.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 28. Nachdem es Ehud gelungen war, Eglon zu beseitigen, ohne daß der Feind seiner habhaft geworden wäre, war er des siegreichen Ausgangs des nun beginnenden Kampfes mit Moab gewiß, und voll Zuversicht bezeichnete er seinen Volksgenossen den Feind schon jetzt als geschlagen. Der strategische Grundgedanke des Kampfes war die Abschneidung des in Kenaan eingedrungenen und das Land beherrschenden Usurpators von seiner moabitischen Heimat, ein Plan, der nur dann gelingen konnte, wenn die Jordanübergänge, die für den Rückzug allein in Betracht kamen, dem Feinde entrissen würden. Und es gelang.

29
וַיַּכּ֨וּ אֶת־מוֹאָ֜ב בָּעֵ֣ת הַהִ֗יא כַּעֲשֶׂ֤רֶת אֲלָפִים֙ אִ֔ישׁ כׇּל־שָׁמֵ֖ן וְכׇל־אִ֣ישׁ חָ֑יִל וְלֹ֥א נִמְלַ֖ט אִֽישׁ׃
BernfeldSie schlugen in jener Zeit an zehntausend Moabiter, lauter feiste und rüstige, und es entrann niemand.
ZunzUnd schlugen den Moab in selbiger Zeit, an zehntausend Mann, jeden Feisten und jeden Rüstigen und es entrann Niemand.
R. BreuerSie schlugen Moab in jener Zeit, es waren ungefähr zehntausend Mann, lauter feiste und kriegstüchtige Männer, und Niemand entrann.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 29. Von den Jordanfurten abgeschnitten, erlitt das moabitische Heer eine schwere Niederlage. Keiner von den zehntausend Mann, die Israels Land besetzt gehalten hatten, entkam.

שמן. Korpulenz scheint eine Eigentümlichkeit des moabitischen Volkes gewesen zu sein. Ein fetter König (V. 17) herrschte über ein fettes Volk. Qualis rex talis grex.

30
וַתִּכָּנַ֤ע מוֹאָב֙ בַּיּ֣וֹם הַה֔וּא תַּ֖חַת יַ֣ד יִשְׂרָאֵ֑ל וַתִּשְׁקֹ֥ט הָאָ֖רֶץ שְׁמוֹנִ֥ים שָׁנָֽה׃ {פ}
BernfeldMoab war gedemütigt an jenem Tage vor Israel und das Land war ruhig achtzig Jahre.
ZunzUnd Moab ward gedemüthigt an demselbigen Tage unter der Hand Jisraél's und das Land war ruhig achtzig Jahre.
R. BreuerMoab ward gedemütigt an jenem Tage unter die Gewalt Israels, und das Land hatte Ruhe achtzig Jahre.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 30. Im vorigen Verse ist nicht deutlich gesagt, was mit den geschlagenen 10000 Moabitern geschah. Ob Israel mit dem benachbarten Moab, dessen Revanche es fürchten mochte, glimpflicher verfuhr als mit anderen Feinden, die es mit Stumpf und Stiel auszurotten pflegte und sich mit einer Demütigung des geschlagenen Feindes begnügte und damit eine Mäßigung des Siegertriumphes an den Tag legte, die seinem Lande eine achtzigjährige Ruhe eintrug, sei als Vermutung ausgesprochen.

31
וְאַחֲרָ֤יו הָיָה֙ שַׁמְגַּ֣ר בֶּן־עֲנָ֔ת וַיַּ֤ךְ אֶת־פְּלִשְׁתִּים֙ שֵֽׁשׁ־מֵא֣וֹת אִ֔ישׁ בְּמַלְמַ֖ד הַבָּקָ֑ר וַיּ֥וֹשַׁע גַּם־ה֖וּא אֶת־יִשְׂרָאֵֽל׃ {פ}
BernfeldUnd nach [Ehud] war Samgar, Sohn Anats; er schlug die Philister, sechshundert Mann, mit dem Rinderstachel, und auch er half Israel.
ZunzUnd nach ihm war Schamgar, Sohn Anat, und er schlug die Pelischtim, sechshundert Mann mit dem Rinderstachel, und auch er rettete Jisraél.
R. BreuerUnd nach ihm war Schamgar, Sohn Anats; er schlug die Philister, sechshundert Mann, mit dem Rinderstachel, und auch er brachte Israel Rettung.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 31. Und nach ihm war Schamgar. Nach wem? Die Bibel sagt es nicht, sondern überläßt es uns, zu ergänzen, daß inzwischen Ehud gestorben war und nun Schamgar zu seinem Nachfolger berufen wurde. In diesem stillschweigenden Hinweggehen über Ehuds Tod — erst zu Beginn des folgenden Kapitels wird im Gegensatz zu dem Berichte von Othniels Tod (V. 11) in einem kurzen Nachsatz so nebenher seines Heimganges nachträglich gedacht — ist die stille Absicht unverkennbar, ein ehrendes Gedenken des wohl heldenmütigen und um sein Volk und Land verdienten, aber doch mit des gemordeten Eglons Blut behafteten Mannes zu vermeiden.

במלמד הבקר bezeichnet „den das Tier zum Pflügen anhaltenden Treibstock“ (Komm. Deut. 4, 1). Entweder waren die 600 Philister im Gegensatz zu den 10000 Moabitern ein Feind von solch geringfügiger Macht, daß Rinderstachel genügten, um sie zu verjagen, oder Schamgar war ein solch außerordentlich gewaltiger Held, daß er mit einem Treibstock Wunder an Tapferkeit vollbringen konnte. Eine Rinderstachel als Kriegsgerät! Mit der Verwandlung von friedlichem Pfluggerät in Waffen des Krieges begann ehedem das Reich des ewigen Krieges. Mit der Zurückverwandlung der Waffen des Krieges in Werkzeuge des Friedens wird einst das Reich des ewigen Friedens beginnen.