Schoftim 2 שופטים

Buch: Kapitel: Vers:
Übersetzung:
1
וַיַּ֧עַל מַלְאַךְ־יְהֹוָ֛ה מִן־הַגִּלְגָּ֖ל אֶל־הַבֹּכִ֑ים {פ} וַיֹּ֩אמֶר֩ אַעֲלֶ֨ה אֶתְכֶ֜ם מִמִּצְרַ֗יִם וָאָבִ֤יא אֶתְכֶם֙ אֶל־הָאָ֗רֶץ אֲשֶׁ֤ר נִשְׁבַּ֙עְתִּי֙ לַאֲבֹ֣תֵיכֶ֔ם וָאֹמַ֕ר לֹֽא־אָפֵ֧ר בְּרִיתִ֛י אִתְּכֶ֖ם לְעוֹלָֽם׃
BernfeldEin Bote des Herrn kam von Gilgal nach Bochim und sprach: Ich habe euch [ließ euch Gott sagen] aus Ägypten herausgeführt und euch in das Land gebracht, das ich zugeschworen euern Vätern, und habe gesprochen: Ich werde meinen Bund mit euch ewig nicht brechen.
ZunzUnd es ging hinauf ein Abgesandter des Ewigen von Gilgal nach Bochim und sprach: Ich habe euch aus Mizrajim heraufgeführt und euch gebracht in das Land, das ich zugeschworen euern Vätern, und habe gesprochen: Nicht werde ich meinen Bund mit euch brechen auf ewig.
R. BreuerDa kam ein Bote Gottes von Gilgal nach Bochim und sprach: Ich habe euch aus Aegypten herausgeführt und euch in das Land gebracht, das ich euren Vätern zugeschworen, und habe gesprochen: Niemals werde ich den Bund mit euch brechen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

Kap. 2. V. 1. מלאך ה'. Nach סדר עולם ist dieser Gottesbote mit Pinchas identisch (S. Raschi). Vgl. Komm. Ex. 23, 20: „. . . . Mit Beziehung auf die Stelle וישלח מלאך ויוציאנו ממצרים (4. B. M. 20), wo unter מלאך speziell Moses verstanden wird (siehe ויקרא רבה I, 1, wo auch auf Richter 2, 1 als auf eine Bezeichnung Pineas als מלאך hingewiesen wird), glauben wir, daß es nicht fern liegen dürfte, unter dem vor Israel hergesandten „Gottesboten“ hier auch speziell Moses zu verstehen . . . .“ Es war ein Verstoß gegen den unentwegten, weder durch Feigheit noch durch sonstige erdenschwere Rücksichten beeinflußbaren Pinchasgeist, wenn Israels Stämme, wie dies im vorigen Kapitel erzählt ward, die Vertreibung der Urbewohner Kanaans nicht so eifrig und durchgreifend vollendeten, wie es ihnen vom Gottesworte aufgetragen war. Da erschien ein Pinchas-Gottesbote in ihrer Mitte, um ihnen den Ausdruck des göttlichen Unwillens zu übermitteln.

הבכים. Vgl. weiter V. 5. Wenn schon hier im Hinblick auf die kommenden Tränen in V. 4 der Ort, wohin der Bote kam, mit seinem späteren Namen genannt wird, so ist diese vorausgreifende Wendung ein der biblischen Wink- und Hauchsprache ganz entsprechender stilistischer Kunstgriff, um mit einem kurzen Worte die schuldbewußte, schon beim Nahen des Gottesboten nichts Gutes ahnende Volksstimmung zu zeichnen: אל הבכים, zu den Weinenden kam der Gottesbote; im Stillen weinten sie schon, noch ehe er zu reden begonnen hatte; sie ahnten, weshalb er kam.

2
וְאַתֶּ֗ם לֹֽא־תִכְרְת֤וּ בְרִית֙ לְיֽוֹשְׁבֵי֙ הָאָ֣רֶץ הַזֹּ֔את מִזְבְּחוֹתֵיהֶ֖ם תִּתֹּצ֑וּן וְלֹא־שְׁמַעְתֶּ֥ם בְּקוֹלִ֖י מַה־זֹּ֥את עֲשִׂיתֶֽם׃
BernfeldAber auch ihr sollt keinen Bund schließen mit den Bewohnern dieses Landes; ihre Altäre sollt ihr niederreißen. Ihr habt jedoch nicht gehorcht meiner Stimme. Was habt ihr da getan?
ZunzAuch ihr sollt keinen Bund schließen mit den Bewohnern dieses Landes; ihre Altäre sollt ihr niederreißen. Aber ihr habt nicht gehorcht meiner Stimme. Was habt ihr da gethan?
R. BreuerAber auch ihr sollt keinen Bund schließen mit den Bewohnern dieses Landes, ihre Altäre sollt ihr niederreißen. Ihr aber habt nicht gehört auf meine Stimme. Was habt ihr da getan?
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 2. Treue um Treue. Die Ewigkeit meines Bündnisses war von vornherein an die Unbedingtheit eures Gehorsams geknüpft. Ihr aber hörtet nicht auf meine Stimme. Was habt ihr da getan? — Diese Frage am Schluß des Verses bringt einen innigeren, menschlich-intimeren Ton in die von zornerfülltem Ernste getragene Gottesrede. Bisher sprach der Bote lediglich als Beauftragter Gottes: ich führte euch aus Mizrajim, ich brachte euch in das Land usw. In dieser kopfschüttelnden Frage מה זאת עשיתם, die sich so vertraulich anhört, wie eine zarte Rüge aus Freundesmund (wie konntet ihr nur so dumm sein, euch den Zorn Gottes aufzuladen?) läßt der Bote eine warme Welle persönlichen Mitfühlens in seine harte, kalte, so streng und sachlich klingende Botschaft fließen.

3
וְגַ֣ם אָמַ֔רְתִּי לֹא־אֲגָרֵ֥שׁ אוֹתָ֖ם מִפְּנֵיכֶ֑ם וְהָי֤וּ לָכֶם֙ לְצִדִּ֔ים וֵאלֹ֣הֵיהֶ֔ם יִהְי֥וּ לָכֶ֖ם לְמוֹקֵֽשׁ׃
BernfeldDa habe ich nun beschlossen: Ich werde sie nicht vor euch austreiben, dass sie eure Quäler seien, und ihre Götter euch zum Fallstrick werden.
ZunzDa habe auch ich gesprochen: Ich werde sie nicht vor euch austreiben, daß sie eure Quäler seien, und ihre Götter euch zum Fallstrick werden.
R. BreuerDa habe ich denn beschlossen: Ich werde sie nicht vor euch vertreiben, daß sie euch zu Drängern werden und ihre Götter euch zum Fallstrick werden.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 3. והיו לכם לצדים als Strafe für die Übertretung des ואתם לא תכרתו ברית וגו', ואלהיהם יהיו לכם למוקש als Strafe für die Übertretung des מזבחותיהם תתצון.

4
וַיְהִ֗י כְּדַבֵּ֞ר מַלְאַ֤ךְ יְהֹוָה֙ אֶת־הַדְּבָרִ֣ים הָאֵ֔לֶּה אֶֽל־כׇּל־בְּנֵ֖י יִשְׂרָאֵ֑ל וַיִּשְׂא֥וּ הָעָ֛ם אֶת־קוֹלָ֖ם וַיִּבְכּֽוּ׃
BernfeldAls der Bote des Herrn diese Worte zu all den Kindern Israel redete, da erhob das Volk seine Stimme und weinte,
ZunzUnd es geschah, als der Abgesandte des Ewigen diese Worte zu all den Kindern Jisraël redete, da erhob das Volk seine Stimme und weinte.
R. BreuerEs geschah nun, als der Bote Gottes diese Worte zu allen Söhnen Jisraels geredet hatte, da erhob das Volk seine Stimme und weinte.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 4. אל כל בני ישראל, zu allen Söhnen Israels redete der Bote, obwohl es nur einzelne Stämme waren, die sich des Vergehens, das zu tadeln er gekommen war, schuldig gemacht hatten. Doch ganz Israel bürgt der eine für den andern, daher kein Teil des Volkes sündigen kann, ohne daß hierfür auch der andere vor Gott die Verantwortung trüge.

5
וַֽיִּקְרְא֛וּ שֵֽׁם־הַמָּק֥וֹם הַה֖וּא בֹּכִ֑ים וַיִּזְבְּחוּ־שָׁ֖ם לַיהֹוָֽה׃ {פ}
BernfeldSie nannten den Namen selbigen Ortes Bochim [Weinende] und opferten daselbst dem Herrn.
ZunzUnd sie nannten den Namen selbigen Ortes Bochim (Weinende) und opferten daselbst dem Ewigen.
R. BreuerSie nannten den Namen dieses Ortes Bochim („Weinende“) und opferten daselbst Gott.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 5. בכים. Vgl. das zu V. 1 Bemerkte.

ויזבחו שם לד'. Unfruchtbar ist die Reue, solange sie sich in Klagen und Tränen erschöpft. Erst wenn die reumütige Stimmung im Opfer, in einem Gelöbnis zur Tat sich verkörpert, wird das Weinen ein wertvolles Tun: am gleichen Orte, wo sie weinten, opferten sie Gott.

6
וַיְשַׁלַּ֥ח יְהוֹשֻׁ֖עַ אֶת־הָעָ֑ם וַיֵּלְכ֧וּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵ֛ל אִ֥ישׁ לְנַחֲלָת֖וֹ לָרֶ֥שֶׁת אֶת־הָאָֽרֶץ׃
BernfeldJosua entließ das Volk, und die Kinder Israel gingen jeglicher in sein Besitztum, das Land einzunehmen.
ZunzUnd Jehoschua entließ das Volk, und die Kinder Jisraël gingen jeglicher in sein Besitzthum, das Land einzunehmen.
R. BreuerJosua entließ das Volk, und die Söhne Jisraels gingen ein jeder zu seinem Erbe, um das Land in Besitz zu nehmen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 6—10. Die Erzählung holt tief Atem, ehe sie mit der eigentlichen Geschichte des Richterbuches beginnt. Noch einmal schaut sie auf die Josuazeit zurück: auf den Gehorsam, den das damalige Geschlecht seinem so sichtlich von Gott begnadeten Führer zollte, auf die Treue des Volkes im Dienste Gottes, solange Josua und seine ihn überlebenden Zeitgenossen lebten, die Zeugen waren des ganzen großen Gotteswerkes, das Gott an und für Israel vollbracht — da starb Josua, und es folgten ihm im Tode alle, die Genossen seiner Zeit gewesen, die zugleich mit ihm Gott und Sein Walten erkannt und erlebt hatten — ein ganzes Geschlecht, eine ganze Geschichtsperiode ging mit Josua zu Grabe — ein anderes Geschlecht kam auf, das Gott nicht kannte und auch von dem Werke nichts wußte, das Gott an Israel vollbracht.

Altes und junges Geschlecht: wie uralt ist doch dieser Gegensatz! Am Grabe des alten pflanzt das junge Geschlecht das Banner eines neuen Lebens auf. Fort mit den altmodischen Anschauungen und Lebensgewohnheiten, die ja doch nur auf Vorurteil und Wahn beruhen! So ist es heute, und so war's schon damals in jener kritischen Übergangszeit, die aus Josuas Tagen in die der Richter führte.

וישלח יהושע וגו'. Vgl. Jos. 24, 28.

ויעבדו העם וגו'. Vgl. Jos. 24, 31 und Komm. das.

וימת יהושע וגו'. Vgl. Jos. 24, 29 und Komm. das.

ויקברו אותו וגו'. Vgl. Jos. 24, 30.

בתמנת חרם. Vgl. Jos. 24, 30, wo dieser Ort תמנת סרח genannt wird. Solche Namensvariationen treten an biblischen Parallelstellen nicht selten auf. Nach B. bathra 122 b soll die Variation hier die Veränderung zum Guten andeuten, welche die Bodenbeschaffenheit des Ortes aufwies, seitdem er von Josua in Besitz genommen ward: כתיב סרח וכתיב חרם אמר ר' אלעזר בתחלה פירותיה כחרם ולבסוף פירותיה מסריחין ואיכא דאמרי בתחלה מסריחין ולבסוף כחרם (S. Raschi und אגדות מהרשא das.)

7
וַיַּעַבְד֤וּ הָעָם֙ אֶת־יְהֹוָ֔ה כֹּ֖ל יְמֵ֣י יְהוֹשֻׁ֑עַ וְכֹ֣ל ׀ יְמֵ֣י הַזְּקֵנִ֗ים אֲשֶׁ֨ר הֶאֱרִ֤יכוּ יָמִים֙ אַחֲרֵ֣י יְהוֹשׁ֔וּעַ אֲשֶׁ֣ר רָא֗וּ אֵ֣ת כׇּל־מַעֲשֵׂ֤ה יְהֹוָה֙ הַגָּד֔וֹל אֲשֶׁ֥ר עָשָׂ֖ה לְיִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldDas Volk diente wohl dem Herrn all die Tage Josuas, und all die Tage der Ältesten, die Josua überlebt haben, die gesehen hatten alle großen Taten des Herrn, die er für Israel getan.
ZunzUnd das Volk diente dem Ewigen all die Tage Jehoschua's, und all die Tage der Aeltesten, die lange lebten nach Jehoschua, die gesehen hatten jegliche große That des Ewigen, die er für Jisraël gethan.
R. BreuerDas Volk diente Gott alle die Tage Josuas und alle die Tage der Aeltesten, die noch lange Tage nach Josua lebten, die gesehen hatten das ganze große Gotteswerk, das er an Israel vollbracht hatte.
8
וַיָּ֛מׇת יְהוֹשֻׁ֥עַ בִּן־נ֖וּן עֶ֣בֶד יְהֹוָ֑ה בֶּן־מֵאָ֥ה וָעֶ֖שֶׂר שָׁנִֽים׃
BernfeldJosua Sohn Nuns der Knecht des Herrn starb, hundert und zehn Jahre alt.
ZunzUnd Jehoschua Sohn Nun, der Knecht des Ewigen, starb, hundert und zehn Jahre alt.
R. BreuerEs starb Josua, Sohn Nuns, der Diener Gottes, im Alter von hundertundzehn Jahren.
9
וַיִּקְבְּר֤וּ אוֹתוֹ֙ בִּגְב֣וּל נַחֲלָת֔וֹ בְּתִמְנַת־חֶ֖רֶס בְּהַ֣ר אֶפְרָ֑יִם מִצְּפ֖וֹן לְהַר־גָּֽעַשׁ׃
BernfeldUnd sie begruben ihn in dem Gebiet seines Besitztums Timnat Heres auf dem Gebirge Efraim, an der nördlichen Seite des Berges Gaas.
ZunzUnd sie begruben ihn in dem Gebiete seines Besitzthums in Timnat Cheres auf dem Gebirge Efrajim, an der mitternächtlichen Seite des Berges Gaasch.
R. BreuerSie begruben ihn im Gebiete seines Besitztums, in Thimnath-Cheres auf dem Gebirge Ephrajim, nördlich vom Berge Gaasch.
10
וְגַם֙ כׇּל־הַדּ֣וֹר הַה֔וּא נֶאֶסְפ֖וּ אֶל־אֲבוֹתָ֑יו וַיָּ֩קׇם֩ דּ֨וֹר אַחֵ֜ר אַחֲרֵיהֶ֗ם אֲשֶׁ֤ר לֹא־יָֽדְעוּ֙ אֶת־יְהֹוָ֔ה וְגַם֙ אֶת־הַֽמַּעֲשֶׂ֔ה אֲשֶׁ֥ר עָשָׂ֖ה לְיִשְׂרָאֵֽל׃ {פ}
BernfeldAuch das ganze Geschlecht war versammelt zu seinen Vätern, und es erstand ein anderes Geschlecht nach ihm, das nicht kannte den Herrn und auch nicht die Tat, die er für Israel getan.
ZunzUnd auch dasselbige ganze Geschlecht war versammelt zu seinen Vätern, und es erstand ein anderes Geschlecht nach ihnen, die nicht kannten den Ewigen und auch nicht die That, die er für Jisraël gethan.
R. BreuerAuch jenes ganze Geschlecht wurde zu seinen Vätern versammelt, und es erstand ein anderes Geschlecht nach ihnen, die Gott nicht kannten, ebensowenig wie das Werk, das er an Israel vollbracht hatte.
11
וַיַּעֲשׂ֧וּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵ֛ל אֶת־הָרַ֖ע בְּעֵינֵ֣י יְהֹוָ֑ה וַיַּעַבְד֖וּ אֶת־הַבְּעָלִֽים׃
BernfeldUnd die Kinder Israel taten das Böse in den Augen des Herrn und dienten dem Baal.
ZunzUnd die Kinder Jisraël thaten das Böse in den Augen des Ewigen und dienten den Baalim.
R. BreuerUnd die Kinder Israels taten, was bös war in den Augen Gottes und sie dienten dem Baal.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 11—13. In drei Stadien vollzog sich der Abfall. Zuerst taten sie, was bös war in den Augen Gottes (V. 11), ohne sich zunächst der ganzen furchtbaren Tragweite ihres Abfalls bewußt zu werden, sie dienten dem Baal, ohne zu merken, wie sie durch Anbetung einer anderen Gottheit sich völlig lossagten von ihrem angestammten Gott, der neben sich keinen zweiten duldet. Noch glaubten sie durch Einräumung einer zweiten Gottheit den Zusammenhang mit dem Gotte ihrer Väter nicht ganz gelöst zu haben. Erst allmählich erwachte das Bewußtsein, daß sie durch Anerkennung anderer Götter den Gott ihrer Väter, der sie aus Ägypten geführt, verlassen, preisgegeben hatten (V. 12). Zugleich mit dem Erwachen dieses Bewußtseins ויכעסו את ד' erglüht der Zorn Gottes wider sie. Damit war aber die letzte Stufe des Abfalls noch nicht erreicht. Solange ihnen bei ihrer Untreue der Gott ihrer Väter, der sie aus Mizrajim geführt, noch vor Augen stand, war ihr Sündergefühl noch rege, waren die letzten Fäden, die sie mit einer besseren Vergangenheit verbanden, noch nicht zerrissen. Erst als sie Gott verließen (V. 13), ohne bei ihrer Untreue an ihre Vergangenheit auch nur zu denken, — hier heißt es im Gegensatz zu V. 12 einfach ויעזבו את ד' — erlosch mit dem Gefühl der Sündhaftigkeit ihres Abfalls auch der letzte Funke ihrer jüdischen Scham —: nun dienten sie nicht blos dem Baal, sondern erniedrigten sich auch zu den wollüstigen Kultgebräuchen der Astarte — nun war auch die letzte Hemmung ausgeschaltet, die sie vor dem Äußersten noch hätte zurückhalten können.

12
וַיַּעַזְב֞וּ אֶת־יְהֹוָ֣ה ׀ אֱלֹהֵ֣י אֲבוֹתָ֗ם הַמּוֹצִ֣יא אוֹתָם֮ מֵאֶ֣רֶץ מִצְרַ֒יִם֒ וַיֵּלְכ֞וּ אַחֲרֵ֣י ׀ אֱלֹהִ֣ים אֲחֵרִ֗ים מֵאֱלֹהֵ֤י הָֽעַמִּים֙ אֲשֶׁר֙ סְבִיב֣וֹתֵיהֶ֔ם וַיִּֽשְׁתַּחֲו֖וּ לָהֶ֑ם וַיַּכְעִ֖סוּ אֶת־יְהֹוָֽה׃
BernfeldSie verließen den Herrn, den Gott ihrer Väter, der sie herausgeführt aus dem Lande Ägypten, und gingen fremden Göttern nach, den Göttern der Völker, die rings um sie, sie beteten sie an und kränkten den Herrn.
ZunzUnd verließen den Ewigen, den Gott ihrer Väter, der sie herausgeführt aus dem Lande Mizrajim, und gingen fremden Göttern nach, von den Göttern der Völker, die rings um sie, und bückten sich vor ihnen, und kränkten den Ewigen.
R. BreuerSie verließen Gott, den Gott ihrer Väter, der sie herausgeführt hatte aus dem Lande Aegypten, und sie gingen andern Göttern nach, den Göttern der Völker, die sie rings umgaben, sie warfen sich vor ihnen nieder und sie erzürnten Gott.
13
וַיַּעַזְב֖וּ אֶת־יְהֹוָ֑ה וַיַּעַבְד֥וּ לַבַּ֖עַל וְלָעַשְׁתָּרֽוֹת׃
BernfeldSie verließen den Herrn und dienten dem Baal und den Astarot.
ZunzUnd sie verließen den Ewigen, und dienten dem Baal und den Aschtarot.
R. BreuerSie verließen Gott und dienten dem Baal und der Astarte.
14
וַיִּֽחַר־אַ֤ף יְהֹוָה֙ בְּיִשְׂרָאֵ֔ל וַֽיִּתְּנֵם֙ בְּיַד־שֹׁסִ֔ים וַיָּשֹׁ֖סּוּ אוֹתָ֑ם וַֽיִּמְכְּרֵ֞ם בְּיַ֤ד אֽוֹיְבֵיהֶם֙ מִסָּבִ֔יב וְלֹא־יָכְל֣וּ ע֔וֹד לַעֲמֹ֖ד לִפְנֵ֥י אוֹיְבֵיהֶֽם׃
BernfeldDer Zorn des Herrn erglühte über Israel, und er gab sie in die Hand von Plünderern, die sie plünderten; er lieferte sie in die Hand ihrer Feinde ringsum, und sie vermochten nicht mehr zu bestehen vor ihren Feinden.
ZunzUnd der Zorn des Ewigen erglühte über Jisraël, und er gab sie in die Hand von Plünderern und sie plünderten sie, und lieferte sie in die Hand ihrer Feinde ringsum, und sie vermochten nicht mehr zu bestehen vor ihren Feinden.
R. BreuerEs erglühte der Zorn Gottes über Israel, und er gab sie in die Hand von Plünderern, die sie plünderten; er lieferte sie in die Hand ihrer Feinde ringsum, und sie konnten nicht mehr bestehen vor ihren Feinden.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 14. Die göttliche Strafe blieb nicht aus. Gott versagte ihnen seinen Beistand, und sie konnten sich ihrer Feinde nicht mehr erwehren. Bei dem Berichte über das hereinbrechende Verhängnis in diesem Verse hätte man eine umgekehrte Reihenfolge erwarten sollen: zuerst ולא יכלו עוד לעמד לפני אויביהם, dann וימכרם ביד אויביהם מסביב, zum Schluß ויתנם ביד שסים וישסו אותם. Die Auslieferung in die Hand der Feinde ist doch erst die Folge der Ohnmacht der Besiegten, und die Plünderung geht doch nicht der Auslieferung voraus, sondern folgt ihr erst nach. Die vorliegende Reihenfolge ist aber psychologisch aus den einleitenden Worten ויחר אף ד' בישראל zu verstehen. Dem zornig Strafenden steht vor allem die Endwirkung seiner Strafe vor Augen; die vorausgehenden Stufen treten vor dem Ziel der Strafe zurück. Bei einer Niederlage ist die Plünderung, in der sich die Übermacht des Siegers austobt, das vom Besiegten am schwersten empfundene Unheil seiner Lage. Ist daher die Niederlage von Gottes Zorn gewollt und herbeigeführt, dann steht die Genesis der Niederlage in umgekehrter Reihenfolge vor Gottes Augen: Plünderung, Auslieferung, Ohnmacht, denn erst wenn die Niederlage in ihrer härtesten Form über die Gestraften kommt, ist Gottes Wille erfüllt, ist Gottes Zorn gekühlt.

15
בְּכֹ֣ל ׀ אֲשֶׁ֣ר יָצְא֗וּ יַד־יְהֹוָה֙ הָֽיְתָה־בָּ֣ם לְרָעָ֔ה כַּֽאֲשֶׁר֙ דִּבֶּ֣ר יְהֹוָ֔ה וְכַאֲשֶׁ֛ר נִשְׁבַּ֥ע יְהֹוָ֖ה לָהֶ֑ם וַיֵּ֥צֶר לָהֶ֖ם מְאֹֽד׃
BernfeldÜberall wo sie auszogen, war die Hand des Herrn über ihnen zum Bösen, wie der Herr geredet und wie der Herr ihnen zugeschworen, und sie wurden sehr gedrängt.
ZunzUeberall wo sie auszogen, war die Hand des Ewigen über sie zum Bösen, wie der Ewige geredet, und wie der Ewige ihnen zugeschworen, und sie wurden sehr gedrängt.
R. BreuerBei allem was sie unternahmen, war die Hand Gottes wider sie zum Bösen, wie Gott geredet und wie Gott ihnen zugeschworen hatte; so gerieten sie in große Not.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 15. Was immer sie unternahmen, um ihrer verhängnisvollen Ohnmacht, die sie ihren Feinden ringsum auslieferte (V. 14), zu entrinnen, es glückte ihnen nicht, — die Überlieferung weist auf Elimelech, Machlon und Kiljon hin (vgl. Raschi) als ein treffendes Beispiel, wie Menschen vergebens ihrem durch Gott bestimmten Geschick zu entlaufen trachteten (vgl. Komm. Ruth) — denn Gott machte wahr, was er ihnen einst zugeschworen hatte: ihnen nur so lange beizustehen, als sie ihrem Gotte treu blieben. So war denn die Not gar groß, in die sie geraten waren.

16
וַיָּ֥קֶם יְהֹוָ֖ה שֹׁפְטִ֑ים וַיּ֣וֹשִׁיע֔וּם מִיַּ֖ד שֹׁסֵיהֶֽם׃
BernfeldDer Herr ließ wohl Richter aufstehen, und sie halfen ihnen aus der Hand ihrer Plünderer.
ZunzUnd der Ewige ließ Richter aufstehen, und sie halfen ihnen aus der Hand ihrer Plünderer.
R. BreuerDa ließ Gott Richter erstehen, die halfen ihnen aus der Hand ihrer Plünderer.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 16. שופטים. Hier wird im Buch der Richter zum ersten Mal der Ausdruck gebraucht, von dem das Buch seinen Namen erhielt: שפטים, Richter erstanden dem Volk, um es aus dem Jammer und der Wirrnis seiner Lage zu befreien. Immer wieder versuchte es Gott, durch Sendboten seines Willens den guten Kern seines Volkes zu wecken, die Gesunkenen sittlich zu läutern, damit sie würdig werden „aus der Hand ihrer Plünderer“ befreit zu werden. — Dieser Schlußsatz וישיעום מיד שסיהם, der unter allen Leiden, die über das Volk immer wieder hereinbrachen, vornehmlich die „Plünderung“ betont, bestätigt das zu V. 14 Bemerkte.

17
וְגַ֤ם אֶל־שֹֽׁפְטֵיהֶם֙ לֹ֣א שָׁמֵ֔עוּ כִּ֣י זָנ֗וּ אַֽחֲרֵי֙ אֱלֹהִ֣ים אֲחֵרִ֔ים וַיִּֽשְׁתַּחֲו֖וּ לָהֶ֑ם סָ֣רוּ מַהֵ֗ר מִן־הַדֶּ֜רֶךְ אֲשֶׁ֨ר הָלְכ֧וּ אֲבוֹתָ֛ם לִשְׁמֹ֥עַ מִצְוֺת־יְהֹוָ֖ה לֹא־עָ֥שׂוּ כֵֽן׃
BernfeldAber auch ihren Richtern gehorchten sie nicht, denn sie buhlten fremden Göttern nach und bückten sich vor ihnen. Sie wichen bald von dem Wege, den ihre Väter gegangen, zu gehorchen den Geboten des Herrn; sie taten nicht also.
ZunzAber auch ihren Richtern gehorchten sie nicht, denn sie buhlten fremden Göttern nach, und bückten sich vor ihnen. Sie wichen bald von dem Wege, den ihre Väter gegangen, zu gehorchen den Geboten des Ewigen; sie thaten nicht also.
R. BreuerAber auch ihren Richtern gehorchten sie nicht, sondern wandten sich treulos anderen Göttern zu und warfen sich vor ihnen nieder; schnell wichen sie von dem Wege ab, den ihre Väter gegangen waren, um auf die Gebote Gottes zu hören: nicht handelten also.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 17. Statt ihren Richtern, die sie „aus der Hand ihrer Plünderer“ befreiten, durch Rückkehr zu Gott sich dankbar zu erweisen, verfielen sie, kaum der Freiheit zurückgegeben, in ihre alte Schuld, wurden sie wieder treulos ihrem Gott und warfen sich vor fremden Göttern nieder. Gar schnell — wer hört aus diesem summarischen Überblick über die Zeit der Richter, deren geschichtliches Detail ja erst in den folgenden Kapiteln vorgeführt wird, nicht schon jetzt den wehmütigen, vorwurfsvollen Ton der Anklage dieses zu so großem bestimmten, so sichtlich von Gott geliebten und aller Gottesgüte doch so unwürdig sich gebärdenden Volkes heraus! — gar schnell hatten sie die alte Väterweise verlassen, im Unglück und erst recht im Glück auf die Gebote Gottes zu hören. Nicht taten sie also. Ein gar schlimmes, undankbares Geschlecht wuchs zur Zeit der Richter heran.

18
וְכִי־הֵקִ֨ים יְהֹוָ֥ה ׀ לָהֶם֮ שֹׁפְטִים֒ וְהָיָ֤ה יְהֹוָה֙ עִם־הַשֹּׁפֵ֔ט וְהֽוֹשִׁיעָם֙ מִיַּ֣ד אֹֽיְבֵיהֶ֔ם כֹּ֖ל יְמֵ֣י הַשּׁוֹפֵ֑ט כִּֽי־יִנָּחֵ֤ם יְהֹוָה֙ מִנַּֽאֲקָתָ֔ם מִפְּנֵ֥י לֹחֲצֵיהֶ֖ם וְדֹחֲקֵיהֶֽם׃
BernfeldWenn der Herr ihnen Richter aufstehen ließ, war der Herr mit dem Richter und half ihnen aus der Hand ihrer Feinde all die Tage des Richters, weil der Herr sich bedachte ob ihres Wehgeschreis vor ihren Drängern und Bedrückern;
ZunzUnd wenn der Ewige ihnen Richter aufstehen ließ und der Ewige mit dem Richter war, und er ihnen aus der Hand ihrer Feinde half all die Tage des Richters, weil der Ewige sich bedachte ob ihrem Wehgeschrei vor ihren Drängern und Bedrückern:
R. BreuerSo oft Gott ihnen Richter erstehen ließ, war Gott mit dem Richter und errettete sie aus der Hand ihrer Feinde, solange der Richter lebte, denn Gott ließ sich zur Aenderung seines Entschlusses bewegen infolge ihres Wehklagens über ihre Bedränger und Bedrücker.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 18. Wenn es im vorigen Verse hieß, daß sie auch auf ihre Richter nicht hörten, so ist dieser herbe Tadel als zusammenfassende Beurteilung ihres Verhaltens zur Zeit der Richter zu verstehen. So stark war der Einfluß der Richter immer noch, um das Volk wenigstens vorübergehend zu bessern. Und so geschah es denn, daß für die Dauer der Lebenszeit eines Richters die Wehklagen des Volkes über seine Bedränger und Bedrücker vor Gottes Ohr nicht ungehört verhallten, vielmehr Gott zur Befreiung des Volkes aus Drangsal und Not bewogen. Ein ständiges Auf und Nieder von Glück und Unglück, ein ewiges Pendeln zwischen Treue und Abfall war die Signatur der Zeit der Richter.

ינחם. Vgl. Komm. Gen. 6, 6.

19
וְהָיָ֣ה ׀ בְּמ֣וֹת הַשּׁוֹפֵ֗ט יָשֻׁ֙בוּ֙ וְהִשְׁחִ֣יתוּ מֵֽאֲבוֹתָ֔ם לָלֶ֗כֶת אַֽחֲרֵי֙ אֱלֹהִ֣ים אֲחֵרִ֔ים לְעׇבְדָ֖ם וּלְהִשְׁתַּחֲוֺ֣ת לָהֶ֑ם לֹ֤א הִפִּ֙ילוּ֙ מִמַּ֣עַלְלֵיהֶ֔ם וּמִדַּרְכָּ֖ם הַקָּשָֽׁה׃
BernfeldWenn aber der Richter starb, arteten sie wieder aus, mehr denn ihre Väter, fremden Göttern nachzugehen, ihnen zu dienen und sie anzubeten. Sie ließen nicht von ihren Missetaten und von ihrem verderbten Wandel.
ZunzSo geschah es, wenn der Richter starb, arteten sie wieder aus, mehr denn ihre Väter, fremden Göttern nachzugehen, ihnen zu dienen, und sich vor ihnen zu bücken. Sie ließen nichts fallen von ihren Missethaten und von ihrem verstockten Wandel.
R. BreuerSobald aber der Richter gestorben war, wurden sie wieder verderbter als ihre Väter, indem sie andern Göttern nachgingen, ihnen zu dienen und sich vor sie hinzuwerfen; sie ließen nicht ab von ihren Taten und ihrem verstockten Wandel.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 19. Auf ein Geschlecht, das Gott noch zu vergessen hatte, folgte ein anderes, dem die Verderbtheit von den Vätern vorgelebt worden war und welches daher noch verderbter war als sie. Damit war denn eine solche Unentwegtheit des bösen Tuns und eine solche Verstocktheit des schlimmen Wandels erreicht, daß Gott in zornigem Unmut eine Maßnahme traf, von der die Schlußverse dieses Kapitels erzählen.

20
וַיִּֽחַר־אַ֥ף יְהֹוָ֖ה בְּיִשְׂרָאֵ֑ל וַיֹּ֗אמֶר יַ֩עַן֩ אֲשֶׁ֨ר עָבְר֜וּ הַגּ֣וֹי הַזֶּ֗ה אֶת־בְּרִיתִי֙ אֲשֶׁ֣ר צִוִּ֣יתִי אֶת־אֲבוֹתָ֔ם וְלֹ֥א שָׁמְע֖וּ לְקוֹלִֽי׃
BernfeldDer Zorn des Herrn erglühte über Israel und er sprach: Darum, dass dieses Volk übertreten hat meinen Bund, den ich ihren Vätern geboten, und nicht gehorchet meiner Stimme,
ZunzUnd der Zorn des Ewigen erglühte über Jisraël und er sprach: Darum daß dieses Volk übertreten hat meinen Bund, den ich ihren Vätern geboten, und nicht gehorchet meiner Stimme,
R. BreuerEs erglühte der Zorn Gottes über Israel und er sprach: Deshalb, weil übertreten hat dieses Volk meinen Bund, den ich ihren Vätern geboten und nicht gehört auf meine Stimme:
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 20—23. ויחר אף ד' בישראל in V. 20 ist eine Fortsetzung des gleichlautenden Satzes in V. 14. Dort entlud sich der göttliche Zorn in einem Versuche, das treulose Israel durch politische Drangsale zu bessern. Hier, wo soeben erst (V. 19) von dem unverbesserlich verstockten Wandel des Volkes berichtet ward, geht Gottes Zorn zu dem Vorsatz über, künftighin das Volk sich selber zu überlassen und von jetzt ab keinen Finger mehr zu rühren, auch nur einen Mann von Kenaans Urbewohnern zu vertreiben: mögen sie bleiben, wo sie schon zu Josuas Zeiten und über seinen Tod hinaus waren!

Gottes Ahnung, daß es noch schwerer Kämpfe bedürfen werde, um Israel des ihm verheißenen Landes würdig zu gestalten, war eingetroffen. Es hatte seinen Grund, wenn es Josua nicht vergönnt war, „diese Völker“ gänzlich zu vertreiben. Sie sollten zunächst im Lande bleiben, um Gott, für den Fall sein auserwähltes Volk noch der Züchtigung bedürfen würde, ehe es für würdig befunden ward, Alleinherrscher im Lande der Verheißung zu werden, als Zuchtrute zu dienen. (V. 22) Dieser Fall war jetzt eingetreten.

V. 20 und 21 enthalten die Drohung Gottes, die mit Gottes eigenen Worten wiedergegeben wird. Von V. 22 bis zum Schluß des Kapitels spricht der Erzähler des Richterbuches, der im Anschluß an den Schlußsatz in V. 21 begründet, warum Gott „diese Völker“ einstweilen noch im Lande ließ. Da ist es nun rührend zu hören, wie der biblische Chronist mit den Worten לבלתי הורישם מהר (V. 23) die schroffe Drohung Gottes לא אוסיף להוריש איש מפניהם (V. 21) — wie brüsk klang schon die Wendung הגוי הזה in V. 20! — in leiser Andeutung zu verbessern, zu mildern sich getraut. In einem jede Verzeihung scheinbar ausschließenden „Niemals“ entlud sich der göttliche Zorn. „So bald wohl nicht, aber doch einmal,“ korrigiert in seinem erklärenden Nachsatz der Erzähler. Dieses מהר läßt den Ausblick in eine spätere Zukunft offen, in der das Volk vielleicht doch noch einmal die Probe, השמרים הם את דרך ד' וגו', besser bestehen wird als jetzt.

21
גַּם־אֲנִי֙ לֹ֣א אוֹסִ֔יף לְהוֹרִ֥ישׁ אִ֖ישׁ מִפְּנֵיהֶ֑ם מִן־הַגּוֹיִ֛ם אֲשֶׁר־עָזַ֥ב יְהוֹשֻׁ֖עַ וַיָּמֹֽת׃
BernfeldWerde ich keinen Mann vor ihnen austreiben von den Völkern, die Josua zurückgelassen, da er starb;
ZunzWill auch ich nicht fortfahren, einen Mann vor ihnen auszutreiben von den Völkern, die Jehoschua zurückgelassen, da er starb;
R. Breuerso werde auch ich künftighin keinen Mann vor ihnen vertreiben, von den Völkern, die Josua zurückgelassen hatte, als er starb. —
22
לְמַ֛עַן נַסּ֥וֹת בָּ֖ם אֶת־יִשְׂרָאֵ֑ל הֲשֹׁמְרִ֣ים הֵם֩ אֶת־דֶּ֨רֶךְ יְהֹוָ֜ה לָלֶ֣כֶת בָּ֗ם כַּאֲשֶׁ֛ר שָׁמְר֥וּ אֲבוֹתָ֖ם אִם־לֹֽא׃
BernfeldUm mit ihnen Israel zu prüfen, ob sie beobachten den Weg des Herrn, darauf zu wandeln, wie ihre Väter beobachtet, oder nicht.
ZunzUm mit ihnen Jisraël zu prüfen, ob sie beobachten den Weg des Ewigen, darin zu wandeln, wie ihre Väter beobachtet, oder nicht.
R. BreuerUm Israel mit ihnen zu erproben, ob sie hüten werden den Weg Gottes, darin zu wandeln, wie ihre Väter ihn gehütet, oder nicht:
23
וַיַּנַּ֤ח יְהֹוָה֙ אֶת־הַגּוֹיִ֣ם הָאֵ֔לֶּה לְבִלְתִּ֥י הוֹרִישָׁ֖ם מַהֵ֑ר וְלֹ֥א נְתָנָ֖ם בְּיַד־יְהוֹשֻֽׁעַ׃ {פ}
BernfeldSo ließ der Herr diese Völker, dass er sie nicht schnell austrieb; er hatte sie nicht in die Hand Josuas gegeben.
ZunzSo ließ der Ewige diese Völker, daß er sie nicht schnell austrieb, und gab sie nicht in die Hand Jehoschua's.
R. Breuerdeshalb ließ Gott diese Völker da, ohne sie schnell zu vertreiben, und er gab sie nicht in die Hand Josuas.