Schoftim 1 שופטים
Kommentar (R. Breuer)
Kap. 1. V. 1. Seltsam kontrastiert diese Frage der Söhne Israels nach dem Tode Josuas mit jener anderen Frage, die einst nach dem Tode Mosches Josua (nach dem Midrasch; vgl. das zu Josua 1, 1 Bemerkte) an Gott על שלשת אלפים הלכות שנשתכחו בימי אבלו של משה richtete. Dort ein Verzagen und Bangen um die Zukunft der Thora; hier ein zweifelndes Zittern für’s politische Heil. Dort war’s ein Licht, das mit dem Schlaffwerden einer Hand erlosch; hier war’s eine Hand, die mit dem Erlöschen eines Lichtes erschlaffte.
בתחלה. Wer soll zuerst bei einem Feldzug gegen die durch’s Loos bereits an Israel gefallenen, aber noch nicht eroberten Gebiete das Risiko einer Niederlage wagen? Josua, der begnadete Führer, dessen bloße Gegenwart schon jeden Zweifel am glücklichen Ausgang einer Unternehmung bannte, ist todt. Wer wäre groß und stark genug, um eine Fahne, die seiner Hand entglitt, als Erster zu entrollen?
Kommentar (R. Breuer)
V. 2. Juda, dem das erste Loos zugefallen ist, soll den Kampf beginnen. Zu bänglichem Zagen ist kein Grund. Das Land steht zur Eroberung bereit.
Kommentar (R. Breuer)
V. 3. So ganz sicher war also Juda trotz der göttlichen Antwort (V. 2) seiner Sache nicht. Offenbar interpretierte er die Antwort Gottes so, wie es seiner und des Volkes zaghaften Stimmung entsprach. Die Frage des Volkes hatte gelautet: מי יעלה וגו' בתחלה וגו'. Juda glaubte nun die Antwort יהודה יעלה entsprechend ergänzen zu dürfen: יהודה יעלה בתחלה, Juda soll die Initiative ergreifen, es steht aber seinem Ermessen zu, gemeinsam mit dem benachbarten Stamme Simeon den Kampf zu beginnen. Natürlich mußte die Expedition der göttlichen Weisung gemäß nach außen hin als ein Unternehmen lediglich des Stammes Juda gelten; daher V. 4. unter Verschweigung Simeons: ויעל יהודה.
Kommentar (R. Breuer)
V. 4. Gott hätte das Volk von seinem Zagen und Zittern nicht wirksamer heilen können, als indem er in die Hand der zum Kampfe ausgezogenen Stämme nicht blos den Kenaani, dem ja in erster Linie der Feldzug galt (vgl. V. 1 u. 3), sondern unverhofft auch den Perisi gab.
בזק. Im Süden von Bethschean oder Scythopolis. (Die geographischen Angaben sind dem Handwörterbuch von Gesenius entnommen.)
Kommentar (R. Breuer)
V. 5. Nachdem sie in der Umgebung von Besek 10 000 Mann geschlagen hatten (V. 4), drangen sie bis zur Stadt Besek selber vor und besiegten den Herrn dieser Stadt, der offenbar zu ihrer Verteidigung zurückgeblieben war. Dieser Sieg über den Herrn von Besek beendete durch Zurückschlagung des Kenaani und Perisi den ersten Teil der Expedition: ויכו את הכנעני ואת הפריזי.
Kommentar (R. Breuer)
V. 6. Daß die an dem Herrn von Besek verübte Grausamkeit, auch wenn sie, wie der folgende Vers zeigt, unbewußt der Absicht der göttlichen Strafgerechtigkeit entsprach, nicht im Einklang mit Israels Kriegsmoral steht, hat schon Malbim z. St. bemerkt. Sie dürfte sich aber aus der trunkenen, übermütigen Stimmung der Sieger erklären, die, je verzagter sie nach Josuas Tod den Kampf begonnen hatten, umso ausgelassener wurden, als sie den ersten Sieg nach Josuas Tod erlebten.
7. Der Herr von Besek hatte sich nicht damit begnügt, siebzig Könige durch Verstümmelung ihres Leibes kampfesunfähig zu machen: zur Grausamkeit gesellte sich erniedrigender Spott. Als ob sie Hunde wären, mußten sie sich zur weiteren Fristung ihres elenden Daseins mit den Brosamen unter dem Tische begnügen, die man ihnen gnädig überließ. Vor diesem Äußersten blieb der von Gottes Vergeltung Ereilte bewahrt: mit seinen Besiegern in Jerusalem angelangt, starb er.
Kommentar (R. Breuer)
V. 8. Mit diesem Verse müssen die folgenden zusammengehalten werden: ואת היבוסי יושבי ירושלם לא יוכלו בני יהודה להורישם וישב היבוסי את בני יהודה בירושלם עד היום הזה (Josua 15, 63) ואת היבוסי יושב ירושלם לא הורישו בני בנימין וישב היבוסי את בני בנימן בירושלם עד היום הזה (Richter 1. 21) וילך המלך ואנשיו ירושלם אל היבוסי יושבי הארץ וגו' ויאמר דוד ביום ההוא כל מכה יבוסי וגו' (Sam. II. 5, 6 ff.). Aus diesen Versen ergibt sich im Zusammenhang mit dem vorliegenden V. 8 das folgende Bild. Schon in Josuas Tagen scheinen die Söhne Jehudas den Versuch gewagt zu haben, Jerusalem durch Vertreibung des Jebusi unter ihre alleinige Botmäßigkeit zu bringen. Allein לא יכלו sie brachten es nicht fertig, sie mußten auch nach ihrem Einzuge in Jerusalem den Jebusi neben sich dulden. Nach Josuas Tod erneuerten sie offenbar den Versuch, der wiederum mißlang und nur zur Verbrennung der Stadt, nicht aber zur Vertreibung des hartnäckig in Jerusalem nistenden Nebenbuhlers führte. Erst David gelang das Werk, an dem sich in der Zeit Josuas und der Richter die Söhne Jehudas vergebens mühten. Auch die Söhne Benjamins hatten ein Interesse am ausschließlichen Besitz der Stadt. Sie unterließen es aber, auch nur den Versuch einer Vertreibung zu machen, im Gegensatz zu den Söhnen Jehudas, die den Versuch wohl unternahmen, ohne ihn ausführen zu können.
Auf diese Kämpfe um Jerusalem fällt ein helles Licht von der Überlieferung der Weisen, wonach der Jebusi ein Nachkomme Abimelechs war, der einst Abraham den Eid abgenommen hatte: אם תשקר לי ולניני ולנכדי (Gen. 21, 23), „er möge schwören, daß er weder ihm, dem Könige, noch seinem zweiten und dritten Geschlechte untreu werden, ja, daß er ihm und seinem Lande die Freundschaft gedenken und vergelten wolle, die er bei ihnen gefunden“. (Komm. das.) Zur Zeit Josuas und der Richter war dieser Eid noch in Kraft. Daher konnte in dieser Zeit der Jebusi in Jerusalem sich noch behaupten. Erst in Davids Tagen war die Vertreibung des Jebusi möglich, weil auf die damalige Generation der Nachkommenschaft Abimelechs der von Abraham geleistete Eid sich nicht mehr erstreckte.
Wenn es nun aber auch im allgemeinen sicherlich wahr ist, was im Komm. a. a. O. behauptet wird: „Abrahams Nachkommen spielen selbst als Staat und Nation nie mit eingegangenen Verträgen und Bündnissen, und noch während des zweiten Tempels, wo wir noch die Ehre hatten, ein Staat unter Staaten zu sein, war der jüdische Staat wegen seiner dem gegebenen Worte bewahrten Treue berühmt“ — so scheinen sich doch im Grade der gewissenhaften Bewahrung des Vertrages, in welchen Abraham mit Abimelech eingegangen war, die Söhne Jehudas und Benjamins nicht unwesentlich von einander unterschieden zu haben. Beide, Jehuda und Benjamin, hatten Anteil an Jerusalem (vgl. Komm. Lev. 1, 5). Auf beide wirkte der Anreiz den Jebusi zu vertreiben. Während jedoch Benjamin, „dem die schützende Gottesnähe, die Schechina“ überwiesen war (s. Komm. Lev. a. a. O.) getreu dem Schwure des Ahns nicht einmal den Versuch einer Vertreibung wagte, konnte Juda, der Inhaber der „Staatsmacht“ (Kom. das.) der Versuchung nicht widerstehen, die Kraft des „löwenmutigen Herrscherstammes“ an dem Jebusi zu erproben. Der Versuch mißlang, doch vielsagend ist’s, daß er überhaupt unternommen wurde. „Im Laufe der ganzen jüdischen Geschichte hat sich nur selten die Königsmacht priesterlich begriffen und bewährt . . . .“ (Komm. das.).
שלחו באש. Entweder bedeutet die Wendung שלח באש, die nicht selten vorkommt, so Ps. 74, 7 und sonst, etwas durch Feuer fortschicken, verschwinden lassen, oder etwas in das Feuer schicken, in Feuer legen.
Kommentar (R. Breuer)
V. 10—15. Wenn hier Ereignisse noch einmal erzählt werden, die in Josuas Tagen zurücklagen (vgl. Jos. 15, 14 ff. und Komm. das.), so liegt dieser Wiederholung die Tendenz zugrunde, die Heldentaten der Söhne Jehudas in Vergangenheit und Gegenwart resumierend zusammenzufassen. יהודה יעלה, hatte Gott (V. 2) gesagt, der Stamm Juda war berufen, bei dem Kampfe gegen den Kenaani mit seinem Heldentum voranzuschreiten. Wie hätte da nicht am Erlebnis des von diesem Stamme in der Gegenwart Vollbrachten die stolze Erinnerung an das aus der Vergangenheit von ihm Bekannte sich erneuern sollen! Damit stimmt denn auch hier (V. 10) das Verschweigen der Tatsache überein, daß Kaleb es gewesen ist, der die drei Söhne des Anak, den Scheschai, den Achiman und den Talmai, vertrieb. (vgl. Jos. 15, 14) Der geschichtliche Rückblick überträgt den Glanz der Heldenleistung eines Einzelnen auf den ganzen Stamm, dem er angehörte. Nur als Teil des Ganzen überdauert das Einzelne, Persönliche den Tag.
Die Wiederholung dieser im Buche Josua bereits erzählten Ereignisse rechtfertigt sich umsomehr, als nach talmudischer Überlieferung — אלף ושבע מאות קלין והמורין ונזירות שוות ודקדוקי סופרים נשתכחו בימי אבלו של משה אמר רבי אבהו אעפ"כ החזירן עתניאל בן קנז מתוך פלפולו שנאמר וילכדה עתניאל בן קנז וגו' (Themura 16 a) – der Bericht von der Eroberung von Kirjath Sefer durch Otniel zugleich die Andeutung des großen Verdienstes Otniels um die Erhaltung der seit Moses’ Tod in ihrem ungeschmälerten Bestand gefährdeten Thoratradition enthält — וילכדה עתניאל לקרית ספר והן קריית ספרי הלכות (Raschi das.) — und daher ein Resumé der geschichtlichen Verdienste Judas nicht stillschweigend gerade an einer solchen Gestalt vorübergehen mochte, die durch ihr Wirken im Dienste der Thora weithinleuchtend bewies, daß auch in Israels heldenmutigstem, löwenkühnem Stamme die reine Flamme des göttlichen Thorageistes allezeit den rauhen Kriegersinn erwärmte und verklärte.
Kommentar (R. Breuer)
V. 16. קינו ist Jithro. Den Nachkommen des Schwiegervaters Moses’ wurde es ungemütlich in ihrer bisherigen, vom Kriege Israels gegen den Kenaani umtobten Heimat, daher schlossen sie sich, wie sich das auch später wiederholte (vgl. Sam. I. 15, 6), dem siegreichen Israel an und setzten sich — wie einst auch der Ahn dem Glanze des von und an Mose und Israel Vollbrachten nicht widerstehen konnte — in seiner Mitte fest.
עיר התמרים ist Jericho. Vgl. Deut. 34, 3 und Komm. Num. 10, 31 f.
ערד. Vgl. Num. 21, 1 und Komm. das.
Kommentar (R. Breuer)
V. 17. את שמעון אחיו. Vgl. V. 3.
ויחרימו אותה וגו'. Vgl. Komm. Num. 21, 3.
Kommentar (R. Breuer)
V. 18. Vgl. Jos. 13, 3.
Kommentar (R. Breuer)
V. 19. Faßt man schon diesen Vers im Zusammenhang mit dem ולא שמעתם בקולי im folgendem Kapitel (V. 2) auf, so ist die Nichtvertreibung der Bewohner des Thales als tadelnswerte Schwäche, nicht aber, wie Raschis Citat aus ת"י nahelegt, als eine natürliche Folge der Überlegenheit des Feindes in seiner Waffenausrüstung zu begreifen. In der Tat ward ja schon in Josuas Tagen (Jos. 17, 18) vor einer Überschätzung der eisernen Wagen des Kenaani gewarnt. Allerdings müßte dann auch die Nichtvertreibung des Jebusi durch die Söhne Benjamins, wovon V. 21 erzählt wird, als Tadel begriffen werden, was jedoch mit der Überlieferung der Weisen (vgl. das zu V. 8 Bemerkte) nicht harmoniert. Auch מצודת דוד bekennt sich zu Raschis Auffassung, wenn er bemerkt, daß vor להוריש das Wort יכול zu ergänzen ist.
Kommentar (R. Breuer)
V. 20. Vgl. V. 10.
Kommentar (R. Breuer)
V. 21. Vgl. das zu V. 8 Bemerkte.
Kommentar (R. Breuer)
V. 22. גם ist im Hinblick auf V. 4 zu verstehen. Zuerst zog der Stamm Juda aus, nun folgte seinem Beispiel auch das Haus Josefs.
וד' עמם. Gott war mit ihnen. Es war derselbe Stamm, auf dem die פסל מיכה-Verschuldung lag. (Siehe weiter Kap. 17). Und doch war jetzt Gott mit ihnen. Gott, vor dessen Auge alle Zukunft offen liegt, versagt keiner Gegenwart seinen Beistand, auch wenn sie nur die Überleitung zu noch so düsterer Zukunft ist. לך ה' הצדקה ולנו בושת הפנים (vgl. Raschi hier z. St.). So überreich schüttest du, o Gott, die Wohltaten deiner Liebe über uns aus, daß wir im Bewußtsein unserer Schuld im Angesicht von so viel unverdientem Glück uns schamrot verhüllen müssen.
Kommentar (R. Breuer)
V. 23. ויתירו ist Hiphil-Form (vgl. Raschi), die ähnlich auch Mischle 12, 26 vorkommt.
וישם העיר וגו'. Vgl. Gen. 28, 19 und Komm. das.: „Während diese Stätte von Gott gewürdigt wurde, der wichtigste Ausgangspunkt auf Erden zu sein, an welchen sich das Heil der Gesamtmenschheit knüpft, hat man früher an diesem Ort gar nichts gefunden, nannte die Stadt nach einem Haselnußbaum: „Haselnußstadt“. Unwillkürlich erinnerten sich jetzt die Belagerer Beth-Els, während sie eine geeignete Angriffsstelle zur Bewältigung der Stadt zu erkunden suchten, an die Vorgeschichte dieses Fleckchens Erde, das einst eine so bedeutsame Rolle im Leben ihres Stammvaters gespielt hatte.
24. השמרים könnte als eine Art Vorposten verstanden werden, der von den Belagernden vorausgesandt wurde, um die Angriffsmöglichkeiten, welche die Stadt bot, auszukundschaften, wenn sich diese Auffassung, abgesehen davon, daß sie dem wörtlichen Sinn nicht entspräche, nicht auch im Hinblick auf das ויכו des folgenden Verses verböte, zu dem doch offenbar dasselbe Subjekt gehört wie zu dem ויראו hier. Man wird daher השמרים besser auf die Belagernden selbst beziehen und „die Aufpassenden“ übersetzen. Ohnehin wird השמרים auch sonst (vgl. Sam. I. 19, 11. Sam. II. 11, 16) im feindlichen Sinne gebraucht.
מבוא העיר ist die verwundbarste Stelle der Stadt, zu deren Erforschung sie der verräterischen Hilfe des Spions bedurften.
Kommentar (R. Breuer)
V. 25. Wie einst Rachab zur Belohnung des Dienstes, den sie Josuas Kundschaftern erwiesen hatte, von den Eroberern Jerichos auf ihr ausdrückliches Verlangen mitsamt ihrer Familie geschont wurde (vgl. Jos. 2, 18), so wurde hier dem Spion, obwohl die שמרים ausdrücklich nur ihm sich erkenntlich zu erweisen versprachen (ועשינו עמך חסד V. 24), stillschweigend auch die Schonung seiner Familie zugesichert. Auch in solch nebensächlichen Zügen verrät sich der ausgeprägte Familiensinn des Juden, der das Glück des Einzelnen immer nur im Zusammenhang mit seiner Familie begreift.
ויראם. Raschi: באצבע. Mit seinem Finger zeigte er ihnen den Eingang der Stadt. Es war ein ängstlicher Spion, der es nicht wagte, mit den Belagerern in die Stadt zurückzugehen, aus Furcht, ertappt zu werden.
Kommentar (R. Breuer)
V. 26. ארץ החתים. Am Libanon. Möglichst weit weg vom Schauplatz seines verräterischen Tuns entfernte sich „der Mann.“
לוז. In Erinnerung an seine alte Heimat gab er seiner zweiten Heimat den ursprünglichen Namen seiner ersten: לוז. Dieser Spion war taktvoll genug, um einer von ihm erbauten Stadt nicht den heiligen Namen Beth-El zu geben.
Kommentar (R. Breuer)
V. 27. Vgl. Jos. 17, 11 f. Dort heißt es: ולא יכלו בני מנשה להוריש את הערים האלה, demnach versuchten es die Söhne Menasches schon in Josuas Tagen, diese Städte einzunehmen, nur gelang es ihnen damals nicht. Daß sie es jetzt, nachdem doch Gott so offensichtlich mit dem Hause Josefs war (V. 22), nicht noch einmal versuchten, wird hier in tadelndem Sinne berichtet: סיפר הכתוב בגנותו שהתחילו למעול בהק"בה שצוה אותם והורשתם את כל יושבי הארץ וגו' (Raschi).
Kommentar (R. Breuer)
V. 28. Offenbar weist dieser Vers auf eine spätere Zeit, vielleicht die Königszeit, hin, wo das geeinte Israel, stark nach innen und außen, seine tributheischende Siegerhand frei zu bewegen vermochte. Aber auch das erstarkte Israel, fügt der Vers abermals tadelnd hinzu, unterließ es, den Kenaani zu vertreiben.
Kommentar (R. Breuer)
V. 29. Aus dem Fehlen der Angabe, daß der Kenaani in Geser tributpflichtig wurde, könnte man mit Malbim folgern, daß Ephraim den göttlichen Auftrag והורשתם את כל יושבי הארץ וגו' noch mangelhafter ausgeführt hätte, als Menascheh, wenn es in der Parallelstelle Jos. 16, 10 nicht ausdrücklich hieße: לא הורישו את הכנעני היושב בגזר וישב הכנעני בקרב אפרים עד היום הזה ויהי למס עבד.
Kommentar (R. Breuer)
V. 30. Vgl. Jos. 19, 15; 21, 35.
Kommentar (R. Breuer)
V. 31. Vgl. Jos. 19, 28 ff.
Kommentar (R. Breuer)
V. 32—33. An den Stämmen Ascher und Naphtali rächte sich die auch von den Stämmen Joseph und Sebulun begangene Unterlassungssünde der Nichtvertreibung des Kenaani. Während es bisher immer hieß: וישב הכנעני וגו', der Kenaani blieb wohnen, heißt es hier umgekehrt: Ascher und Naphtali blieben wohnen inmitten des Kenaani: Im Zusammenleben der Stämme mit dem Kenaani überwog schließlich der Einfluß des bezwungenen, doch an Menschenzahl seine Bezwinger überragenden Feindes. Dieses allmähliche Zurückweichen des Siegers vor dem Besiegten war bei Naphtali umso erstaunlicher, als die Einwohner von Beth-Schemesch und Beth-Anath ihm einst tributpflichtig waren.
Kommentar (R. Breuer)
V. 34. So erfolgreich die Söhne Dans im Kriege gegen Leschem waren (Jos. 19, 47), so unglücklich waren sie dem Emori gegenüber. Ihrem Streben nach Ausdehnung nach dem Thale aus dem Gebirge, wo sie der Emori festhalten wollte, stemmte sich der Wille des Siegers entgegen, der sich den Erfolg seiner Kampfesmühe so leichten Kaufs nicht wieder entreißen lassen wollte.
Kommentar (R. Breuer)
V. 35. Nicht genug damit, daß er das Expansionsstreben der Söhne Dans nach dem Thale zu vereiteln wußte, gelang es dem Emori, sich im ureigensten Gebiete Dans, auf dem Berge Heres, in Ajalon und Schaalbim — beide Orte werden Jos. 19, 42 bei der Grenzbestimmung des Gebietes der Söhne Dans genannt — festzusetzen, und erst nachdem sich Dan mit dem siegreich erstarkten Hause Joseph — וד' עמם hieß es V. 22 von diesem Hause — verbündet hatte, wurde der Emori von ihm in tributpflichtige Abhängigkeit gejocht. Auch Dan blieb aber als Sieger gleich den anderen Stämmen auf halbem Wege stehen: völlig vertrieben hat er den Nebenbuhler nicht, vielmehr, wie der folgende Vers besagt, mit dem Emori über eine Abgrenzung der beiderseitigen Gebiete sich verständigt.
Kommentar (R. Breuer)
V. 36. ממעלה עקרבים. Vgl. Jos. 15, 3.
מהסלע. Es hätte wenig Sinn, die Lage dieses Felsens, wo die Grenzlinie des emoritischen Gebietes anfing, topographisch ergrübeln zu wollen. Wenn aber die sonst so schweigsame Bibel uns Einzelheiten von der Art dieses Vertragspunktes in der Übereinkunft zwischen Dan und Emori nicht verschweigt, so dürfen wir in solchen — historisch nachkontrollierbaren — Details ein sehr bedeutsames Zeugnis der Authentizität des heiligen Buches erkennen.