Schoftim 19 שופטים

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1
וַֽיְהִי֙ בַּיָּמִ֣ים הָהֵ֔ם וּמֶ֖לֶךְ אֵ֣ין בְּיִשְׂרָאֵ֑ל וַיְהִ֣י ׀ אִ֣ישׁ לֵוִ֗י גָּ֚ר בְּיַרְכְּתֵ֣י הַר־אֶפְרַ֔יִם וַיִּֽקַּֽח־לוֹ֙ אִשָּׁ֣ה פִילֶ֔גֶשׁ מִבֵּ֥ית לֶ֖חֶם יְהוּדָֽה׃
BernfeldIn jener Zeit, da kein König in Israel war, ereignete es sich, dass ein Mann aus dem Stamm Levi, der an der Hinterseite des Gebirges Efraim wohnte, sich eine Nebenfrau nahm aus Bet Lehem Jehuda.
ZunzUnd es geschah in jener Zeit, da kein König in Jisraël war, daß ein Mann aus Lewi war, der an der Hinterseite des Gebirges Efrajim wohnte, und er nahm sich ein Weib, ein Kebsweib, aus Bet Lechem Jehudah.
R. BreuerIn jener Zeit, da kein König in Israel war, ereignete es sich, daß ein Mann aus dem Stamme Levi, der an der Hinterseite des Gebirges Ephraim wohnte, sich ein Kebsweib nahm aus dem judäischen Bethlehem.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

Kap. 19. V. 1. Auch die folgenden Ereignisse, die in den drei Schlußkapiteln des Richterbuches erzählt werden, erklären sich, wie die פסל מיכה-Geschichte (vgl. 18, 1), aus der Tatsache, daß kein König in Israel war, der kraft seiner Autorität für Recht und Sitte hätte sorgen können.

פילגש. Vgl. Komm. Gen. 25, 6.

2
וַתִּזְנֶ֤ה עָלָיו֙ פִּֽילַגְשׁ֔וֹ וַתֵּ֤לֶךְ מֵֽאִתּוֹ֙ אֶל־בֵּ֣ית אָבִ֔יהָ אֶל־בֵּ֥ית לֶ֖חֶם יְהוּדָ֑ה וַתְּהִי־שָׁ֕ם יָמִ֖ים אַרְבָּעָ֥ה חֳדָשִֽׁים׃
BernfeldSeine Nebenfrau wurde ihm untreu und ging von ihm weg in das Haus ihres Vaters nach Bet Lehem Jehuda, sie blieb daselbst ein Jahr und vier Monate.
ZunzUnd sein Kebsweib fiel von ihm ab und ging von ihm weg in das Haus ihres Vaters nach Bet Lechem Jehudah, und war daselbst ein Jahr vier Monate.
R. BreuerSein Kebsweib wurde ihm untreu und ging von ihm weg in das Haus ihres Vaters nach dem judäischen Bethlehem, sie blieb daselbst längere Zeit, vier Monate.
3
וַיָּ֨קׇם אִישָׁ֜הּ וַיֵּ֣לֶךְ אַחֲרֶ֗יהָ לְדַבֵּ֤ר עַל־לִבָּהּ֙ (להשיבו) [לַהֲשִׁיבָ֔הּ] וְנַעֲר֥וֹ עִמּ֖וֹ וְצֶ֣מֶד חֲמֹרִ֑ים וַתְּבִיאֵ֙הוּ֙ בֵּ֣ית אָבִ֔יהָ וַיִּרְאֵ֙הוּ֙ אֲבִ֣י הַֽנַּעֲרָ֔ה וַיִּשְׂמַ֖ח לִקְרָאתֽוֹ׃
BernfeldIhr Mann machte sich dann auf und ging ihr nach, um ihr zuzureden und sie zurückzubringen. Und sein Knabe war mit ihm, und ein Gespann Esel. Sie brachte ihn in das Haus ihres Vaters, und es sah ihn der Vater der jungen Frau und freute sich mit ihm.
ZunzUnd ihr Mann machte sich auf, und ging ihr nach, um zu ihrem Herzen zu reden, daß er sie zurückbrächte. Und sein Knabe war mit ihm, und ein Gespann Esel. Und sie brachte ihn in das Haus ihres Vaters, und es sah ihn der Vater der jungen Frau, und freuete sich ihm entgegen.
R. BreuerDa machte sich ihr Mann auf und ging ihr nach, um ihr zuzureden und sie zurückzubringen; und sein Knabe war mit ihm und ein Gespann Esel. Sie brachte ihn in das Haus ihres Vaters, und es sah ihn der Vater der jungen Frau und ging ihm freudig entgegen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 3. Daß nicht Unzucht die Ursache ihres Zerwürfnisses war, geht aus Gittin 6 b hervor und wird vom Malbim auch aus der Form ותזנה עליו statt ותזנה מאחריו gefolgert. Raschi freilich versteht ותזנה als לשון זנות.

V. 3. ונערו. Knabe hier wohl im Sinne von Knecht zu verstehen.

וצמד חמרים. Seine Absicht war ja, die Frau abzuholen und wieder heimzuführen. Dementsprechend waren die Transportmittel, mit welchen er sich auf den Weg machte.

ותביאהו. Sie, die Frau, die ihn zuerst erblickte, führte ihn in ihres Vaters Haus.

הנערה. Seinem Schwiegervater, der ihn wohl jetzt zum ersten Mal sah, war's, als ob er käme, um ihn um die Hand einer jungfräulichen Tochter zu bitten.

וישמח. Dem Schwiegervater war's sicherlich nicht recht, daß seine Tochter ihren Gatten verlassen hatte. Darum freute er sich, als er den Schwiegersohn kommen sah, im Gedanken, daß es nun gelingen werde, die Gatten miteinander zu versöhnen.

4
וַיַּחֲזֶק־בּ֤וֹ חֹתְנוֹ֙ אֲבִ֣י הַֽנַּעֲרָ֔ה וַיֵּ֥שֶׁב אִתּ֖וֹ שְׁלֹ֣שֶׁת יָמִ֑ים וַיֹּֽאכְלוּ֙ וַיִּשְׁתּ֔וּ וַיָּלִ֖ינוּ שָֽׁם׃
BernfeldSein Schwiegervater, der Vater der jungen Frau, hielt ihn fest, und er blieb bei ihm drei Tage; sie aßen und tranken und übernachteten daselbst.
ZunzUnd es hielt ihn fest sein Schwäher, der Vater der jungen Frau, und er blieb bei ihm drei Tage, und sie aßen und tranken und übernachteten daselbst.
R. BreuerSein Schwiegervater, der Vater der jungen Frau, hielt ihn fest, und er blieb bei ihm drei Tage; sie aßen und tranken und übernachteten dort.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 4—10. Hat der Levite, hat sein Schwiegervater geahnt, welch furchtbares Verhängnis die Zukunft in ihrem Schoße barg? Auf dem Rückweg nach der Heimat kommt der Levite mit seinem Kebsweib nach Gibea, wo die Greueltat, von der dieses Kapitel erzählt, einen Bürgerkrieg entfesselt, dessen Darstellung die beiden Schlußkapitel des Richterbuches gewidmet sind. Hätte der Levite gewußt, auf welchen Weg er sich begab, als er das Haus seines Schwiegervaters verließ, er hätte fürwahr dem Drängen seines Schwiegervaters, zu bleiben und noch einmal zu übernachten, auch am fünften Tage nachgegeben. Dieses in der biblischen Erzählung selbst gänzlich unmotivierte Drängen mutet wie ein unbestimmtes Angstgefühl an, das den ahnungsvollen Schwiegervater immer wieder antrieb, seine Kinder zum Bleiben zu bewegen und wenn sie schon unbedingt gehen wollten, sie zu veranlassen, doch in aller Frühe aufzubrechen, damit sie rechtzeitig in der Heimat anlangten, ohne in einer fremden Stadt übernachten zu müssen.

5
וַֽיְהִי֙ בַּיּ֣וֹם הָרְבִיעִ֔י וַיַּשְׁכִּ֥ימוּ בַבֹּ֖קֶר וַיָּ֣קׇם לָלֶ֑כֶת וַיֹּ֩אמֶר֩ אֲבִ֨י הַֽנַּעֲרָ֜ה אֶל־חֲתָנ֗וֹ סְעָ֧ד לִבְּךָ֛ פַּת־לֶ֖חֶם וְאַחַ֥ר תֵּלֵֽכוּ׃
BernfeldAm vierten Tage, da machten sie sich am Morgen früh auf, und er erhob sich, um zu gehen. Da sprach der Vater der jungen Frau zu seinem Schwiegersohn: Labe dein Herz mit einem Stück Brot, und dann möget ihr gehen.
ZunzUnd es geschah am vierten Tage, da machten sie sich am Morgen früh auf, und er erhob sich, um zu gehen. Da sprach der Vater der jungen Frau zu seinem Eidam: Labe dein Herz mit einem Stück Brod, und dann möget ihr gehen.
R. BreuerEs war am vierten Tage, da machten sie sich am Morgen früh auf, und er erhob sich, um zu gehen. Da sprach der Vater der jungen Frau zu seinem Schwiegersohn: Labe dein Herz mit einem Stück Brot und dann möget ihr gehen!
6
וַיֵּשְׁב֗וּ וַיֹּאכְל֧וּ שְׁנֵיהֶ֛ם יַחְדָּ֖ו וַיִּשְׁתּ֑וּ וַיֹּ֜אמֶר אֲבִ֤י הַֽנַּעֲרָה֙ אֶל־הָאִ֔ישׁ הוֹאֶל־נָ֥א וְלִ֖ין וְיִיטַ֥ב לִבֶּֽךָ׃
BernfeldSie setzten sich und aßen beide zusammen und tranken, und der Vater der jungen Frau sprach zu dem Manne: Entschließe dich doch und bleibe über Nacht und lasse dein Herz froh sein.
ZunzUnd sie setzten sich, und aßen beide zusammen, und tranken, und der Vater der jungen Frau sprach zu dem Manne: Entschließe dich doch und bleibe über Nacht, und lasse dein Herz froh sepn.
R. BreuerSie setzten sich und aßen beide zusammen und tranken. Da sprach der Vater der jungen Frau zu dem Manne: Entschließe dich doch und bleibe über Nacht und lasse dein Herz froh sein.
7
וַיָּ֥קׇם הָאִ֖ישׁ לָלֶ֑כֶת וַיִּפְצַר־בּוֹ֙ חֹֽתְנ֔וֹ וַיָּ֖שׇׁב וַיָּ֥לֶן שָֽׁם׃
BernfeldDer Mann aber stand auf um zu gehen, da drang in ihn sein Schwiegervater, und er übernachtete wiederum daselbst.
ZunzDer Mann aber stand auf um zu gehen, da drang in ihn sein Schwäher, und er übernachtete wiederum daselbst,
R. BreuerDer Mann aber erhob sich, um zu gehen, da drang in ihn sein Schwiegervater, und er übernachtete wiederum daselbst.
8
וַיַּשְׁכֵּ֨ם בַּבֹּ֜קֶר בַּיּ֣וֹם הַחֲמִישִׁי֮ לָלֶ֒כֶת֒ וַיֹּ֣אמֶר ׀ אֲבִ֣י הַֽנַּעֲרָ֗ה סְעׇד־נָא֙ לְבָ֣בְךָ֔ וְהִֽתְמַהְמְה֖וּ עַד־נְט֣וֹת הַיּ֑וֹם וַיֹּאכְל֖וּ שְׁנֵיהֶֽם׃
BernfeldAm fünften Tage machte er sich früh auf um zu gehen. Da sprach der Vater der jungen Frau: Labe doch dein Herz, und verweilet bis zur Neige des Tages. Und sie aßen beide.
ZunzUnd machte sich früh auf am fünften Tage um zu gehen. Da sprach der Vater der jungen Frau: Labe doch dein Herz, und verweilet bis zur Reige des Tages. Und sie aßen beide.
R. BreuerAm fünften Tage machte er sich früh auf, um zu gehen. Da sprach der Vater der jungen Frau: Labe doch dein Herz und verweilet bis zur Neige des Tages. Und sie aßen beide.
9
וַיָּ֤קׇם הָאִישׁ֙ לָלֶ֔כֶת ה֥וּא וּפִילַגְשׁ֖וֹ וְנַעֲר֑וֹ וַיֹּ֣אמֶר ל֣וֹ חֹתְנ֣וֹ אֲבִ֣י הַֽנַּעֲרָ֡ה הִנֵּ֣ה נָא֩ רָפָ֨ה הַיּ֜וֹם לַעֲר֗וֹב לִֽינוּ־נָ֞א הִנֵּ֨ה חֲנ֤וֹת הַיּוֹם֙ לִ֥ין פֹּה֙ וְיִיטַ֣ב לְבָבֶ֔ךָ וְהִשְׁכַּמְתֶּ֤ם מָחָר֙ לְדַרְכְּכֶ֔ם וְהָלַכְתָּ֖ לְאֹהָלֶֽךָ׃
BernfeldDer Mann stand auf, um zu gehen, er und seine Nebenfrau und sein Knabe. Da sprach zu ihm sein Schwiegervater, der Vater der jungen Frau: Der Tag nimmt ab, es wird Abend, übernachtet doch! es ist die Neige des Tages, übernachte hier und laß dein Herz froh sein, und macht euch morgen früh auf euern Weg, dass du nach deinem Hause gehest.
ZunzUnd der Mann stand auf um zu gehen, er und sein Kebsweib und sein Knabe. Da sprach zu ihm sein Schwäher, der Vater der jungen Frau: Siehe, der Tag nimmt ab, es wird Abend, übernachtet doch! siehe, es ist die Ruhezeit des Tages, übernachte hier und laß dein Herz froh sepn, und macht euch morgen früh auf euern Weg, daß du nach deinem Hause gehest.
R. BreuerDa stand der Mann auf um zu gehen, er und sein Kebsweib und sein Knabe. Da sprach zu ihm sein Schwiegervater, der Vater der jungen Frau: Siehe doch, der Tag nimmt ab, es wird Abend, übernachtet doch! Siehe, der Tag hat sich geneigt, übernachte hier und laß dein Herz froh sein, und macht euch morgen früh auf euren Weg und ziehe nach deinem Zelte.
10
וְלֹֽא־אָבָ֤ה הָאִישׁ֙ לָל֔וּן וַיָּ֣קׇם וַיֵּ֗לֶךְ וַיָּבֹא֙ עַד־נֹ֣כַח יְב֔וּס הִ֖יא יְרוּשָׁלָ֑͏ִם וְעִמּ֗וֹ צֶ֤מֶד חֲמוֹרִים֙ חֲבוּשִׁ֔ים וּפִילַגְשׁ֖וֹ עִמּֽוֹ׃
BernfeldDer Mann aber wollte nicht übernachten; er stand auf und ging bis vor Jebus, das ist Jerusalem, und mit ihm ein Gespann gesattelter Esel, auch seine Nebenfrau war mit ihm.
ZunzDer Mann aber wollte nicht übernachten und stand auf und ging bis Angesichts Jebus, das ist Jeruschalajim, und mit ihm ein Gespann gesattelter Esel, auch sein Kebsweib war mit ihm.
R. BreuerDer Mann aber wollte nicht übernachten; er erhob sich und ging und kam bis gegenüber von Jebus, das ist Jerusalem, und mit ihm ein Gespann gesattelter Esel, auch sein Kebsweib war mit ihm.
11
הֵ֣ם עִם־יְב֔וּס וְהַיּ֖וֹם רַ֣ד מְאֹ֑ד וַיֹּ֨אמֶר הַנַּ֜עַר אֶל־אֲדֹנָ֗יו לְכָה־נָּ֛א וְנָס֛וּרָה אֶל־עִֽיר־הַיְבוּסִ֥י הַזֹּ֖את וְנָלִ֥ין בָּֽהּ׃
BernfeldSie waren eben bei Jebus, als es spät am Tage wurde, da sprach der Knabe zu seinem Herrn: Komme doch und lasse uns einkehren in diese Stadt des Jebusi, dass wir darin übernachten.
ZunzSie waren eben bei Jebus, und der Tag war sehr gesunken, da sprach der Knabe zu seinem Herrn: Komme doch und laß uns einkehren in diese Stadt des Jebusi, daß wir darin übernachten.
R. BreuerSie waren eben bei Jebus, es war schon spät am Tage, da sprach der Knabe zu seinem Herrn: Komme doch und lasse uns einkehren in diese Stadt des Jebusi und dort übernachten.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 11—14. Den Vorschlag seines Begleiters, in Jebus zu übernachten, weist der Levite zurück, weil er nicht in die damals noch von der heidnischen Urbevölkerung bewohnte Stadt einkehren möchte. Er ahnt nicht, daß ihm das Furchtbare, das er in Jebus für möglich hält, im jüdischen Gibea widerfahren werde. Und doch überkommt es ihn wie eine unbestimmte Ahnung, daß ihm auch in Gibea nichts Gutes bevorstehe. Denn kaum hat er zu seinem Begleiter gesagt, laß uns weiterziehen nach Gibea, schrickt er vor seinem eigenen Vorschlag zurück und verbessert sich rasch: Komm, laß uns einem der Orte nähern, wir übernachten in Gibea oder in Rama. Eine geheime Angst überschleicht ihn vor Gibea und läßt ihn auch eine Einkehr in Rama erwägen. Doch sein Schicksal fügte es, daß ihm die Sonne bei Gibea unterging und ihn der Eintritt der Nacht zur Einkehr in Gibea zwang.

12
וַיֹּ֤אמֶר אֵלָיו֙ אֲדֹנָ֔יו לֹ֤א נָסוּר֙ אֶל־עִ֣יר נׇכְרִ֔י אֲשֶׁ֛ר לֹא־מִבְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵ֖ל הֵ֑נָּה וְעָבַ֖רְנוּ עַד־גִּבְעָֽה׃
BernfeldAber sein Herr sprach zu ihm: Wir wollen nicht einkehren in die Stadt der Fremden, die nicht von den Kindern Israel sind4, sondern wir ziehen weiter nach Gibea.
ZunzUnd sein Herr sprach zu ihm: Wir wollen nicht einkehren in die Stadt der Fremden, die nicht von den Kindern Jisraél sind, sondern wir ziehen weiter nach Gibeah.
R. BreuerAber sein Herr sprach zu ihm: Wir wollen nicht einkehren in die Stadt der Fremden, die nicht von den Kindern Israels sind, sondern wir ziehen weiter nach Gibea.
13
וַיֹּ֣אמֶר לְנַֽעֲר֔וֹ לְךָ֥ וְנִקְרְבָ֖ה בְּאַחַ֣ד הַמְּקֹמ֑וֹת וְלַ֥נּוּ בַגִּבְעָ֖ה א֥וֹ בָרָמָֽה׃
BernfeldEr sprach zu seinem Knaben: Komm, lasse uns einem der Orte nahekommen; wir übernachten in Gibea oder in Rama.
ZunzUnd er sprach zu seinem Knaben: Komm, und laß uns einem der Orte nahe kommen, und wir übernachten in Gibeah oder in Ramah.
R. BreuerEr sprach zu seinem Knaben: Komm, laß uns einem der Orte nähern, wir wollen übernachten in Gibea oder in Rama.
14
וַיַּעַבְר֖וּ וַיֵּלֵ֑כוּ וַתָּבֹ֤א לָהֶם֙ הַשֶּׁ֔מֶשׁ אֵ֥צֶל הַגִּבְעָ֖ה אֲשֶׁ֥ר לְבִנְיָמִֽן׃
BernfeldDa zogen sie weiter, und die Sonne ging ihnen unter bei Gibea, das Benjamin gehörte.
ZunzDa zogen sie weiter und gingen, und die Sonne ging ihnen unter bei Gibeah, das Binjamin gehört.
R. BreuerDa zogen sie weiter und die Sonne ging ihnen unter bei Gibea, das Benjamin gehörte.
15
וַיָּסֻ֣רוּ שָׁ֔ם לָב֖וֹא לָל֣וּן בַּגִּבְעָ֑ה וַיָּבֹ֗א וַיֵּ֙שֶׁב֙ בִּרְח֣וֹב הָעִ֔יר וְאֵ֥ין אִ֛ישׁ מְאַסֵּֽף־אוֹתָ֥ם הַבַּ֖יְתָה לָלֽוּן׃
BernfeldSie kehrten daselbst ein, um in Gibea zu übernachten. Und als er da ankam, setzte er sich hin auf die Straße der Stadt, doch niemand nahm sie auf ins Haus, dass sie übernachteten.
ZunzUnd sie kehrten daselbst ein, um in Gibeah zu übernachten. Und als er ankam, setzte er sich hin auf die Straße der Stadt, doch Niemand nahm sie auf ins Haus, daß sie übernachteten,
R. BreuerSie kehrten daselbst ein, um in Gibea zu übernachten. Er kam und setzte sich hin auf die Straße der Stadt, doch niemand nahm sie auf ins Haus, um zu übernachten.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 15—21. Kaum hatten sie Gibea betreten, merkten sie sofort, was das für eine Stadt war, in die sie da verschlagen worden. Ein Geist sodomitischer Entartung wehte ihnen aus dieser benjaminitischen Stadt entgegen. Niemand von den Benjaminiten lud sie ein, im Hause zu übernachten. Nur ein alter Mann, der gerade von seiner Feldarbeit nachhause ging, der kein Benjaminite war, der vom Gebirge Efraim stammte und als Fremder in Gibea weilte, machte eine rühmliche Ausnahme. Wie Lot unter den Sodomitern nimmt er sich der Wanderer an und fragt sie nach dem Woher und Wohin. Der Levite berichtet ihm über seine Hin- und Herreise. Und aus seinen Worten klingt der ganze tiefe Ingrimm über die ungastliche Behandlung, die ihm da auf der Straße Gibeas widerfährt. Bin ich denn ein פסל מיכה-Götzendiener daß mich keiner hier aufnimmt in sein Haus? Ich bin ein treuer Diener meines Gottes, zu dessen Haus in Silo ich walle! (Vgl. Malbim) Und bin ich denn ein hergelaufener Bettler, der an den Türen um Almosen fleht? Ich habe alles, wessen ich für meine Tiere, meine Leute und mich bedarf. Freundlich begrüßt und beruhigt ihn der alte Mann und lädt ihn ein, sein Gast zu sein.

16
וְהִנֵּ֣ה ׀ אִ֣ישׁ זָקֵ֗ן בָּ֣א מִֽן־מַעֲשֵׂ֤הוּ מִן־הַשָּׂדֶה֙ בָּעֶ֔רֶב וְהָאִישׁ֙ מֵהַ֣ר אֶפְרַ֔יִם וְהוּא־גָ֖ר בַּגִּבְעָ֑ה וְאַנְשֵׁ֥י הַמָּק֖וֹם בְּנֵ֥י יְמִינִֽי׃
BernfeldDa kam ein alter Mann von seiner Verrichtung vom Felde am Abend; der Mann war vom Gebirge Efraim, weilte aber in Gibea, die Männer des Ortes waren Benjaminiten.
ZunzUnd siehe, ein alter Mann kam von seiner Verrichtung vom Felde am Abend, und der Mann war vom Gebirge Efrajim, er aber weilte in Gibeah, und die Männer des Ortes waren Binjaminiten.
R. BreuerDa kam ein alter Mann von seiner Arbeit vom Felde am Abend; der Mann war vom Gebirge Ephraim, weilte aber in Gibea, die Männer des Ortes waren Benjaminiten.
17
וַיִּשָּׂ֣א עֵינָ֗יו וַיַּ֛רְא אֶת־הָאִ֥ישׁ הָאֹרֵ֖חַ בִּרְחֹ֣ב הָעִ֑יר וַיֹּ֨אמֶר הָאִ֧ישׁ הַזָּקֵ֛ן אָ֥נָה תֵלֵ֖ךְ וּמֵאַ֥יִן תָּבֽוֹא׃
BernfeldEr erhob seine Augen und sah den Wandersmann auf der Straße der Stadt; und der alte Mann sprach: Wohin gehst du und woher kommst du?
ZunzUnd er erhob seine Augen, und sah den Wandersmann auf der Straße der Stadt; und der alte Mann sprach: Wohin gehst du und woher kommst du?
R. BreuerEr erhob seine Augen und sah den Wandersmann auf der Straße der Stadt; und der alte Mann sprach: Wohin gehst du und woher kommst du?
18
וַיֹּ֣אמֶר אֵלָ֗יו עֹבְרִ֨ים אֲנַ֜חְנוּ מִבֵּֽית־לֶ֣חֶם יְהוּדָה֮ עַד־יַרְכְּתֵ֣י הַר־אֶפְרַ֒יִם֒ מִשָּׁ֣ם אָנֹ֔כִי וָאֵלֵ֕ךְ עַד־בֵּ֥ית לֶ֖חֶם יְהוּדָ֑ה וְאֶת־בֵּ֤ית יְהֹוָה֙ אֲנִ֣י הֹלֵ֔ךְ וְאֵ֣ין אִ֔ישׁ מְאַסֵּ֥ף אוֹתִ֖י הַבָּֽיְתָה׃
BernfeldEr erzählte ihm: Wir ziehen von Bet Lehem Jehuda bis an die Seite des Gebirges Efraim; von daher bin ich, und ging nach Bet Lehem Jehuda, und nach dem Hause des Herrn geh‘ ich, und niemand nimmt mich auf ins Haus.
ZunzUnd er sprach zu ihm: Wir ziehen von Bet Lechem Jehudah bis an die Seite des Gebirges Efrajim; von daher bin ich, und ging nach Bet Lechem Jehudah, und nach dem Hause des Ewigen geh' ich, und Niemand nimmt mich auf in's Haus.
R. BreuerDa sprach er zu ihm: Wir ziehen vom judäischen Bethlehem bis an die Hinterseite des Gebirges Ephraim; von daher bin ich; ich ging nach dem judäischen Bethlehem; und nun gehe ich nach dem Hause Gottes, und niemand nimmt mich auf ins Haus.
19
וְגַם־תֶּ֤בֶן גַּם־מִסְפּוֹא֙ יֵ֣שׁ לַחֲמוֹרֵ֔ינוּ וְ֠גַ֠ם לֶ֣חֶם וָיַ֤יִן יֶשׁ־לִי֙ וְלַֽאֲמָתֶ֔ךָ וְלַנַּ֖עַר עִם־עֲבָדֶ֑יךָ אֵ֥ין מַחְס֖וֹר כׇּל־דָּבָֽר׃
BernfeldStroh und Futter ist vorhanden für unsere Esel, und auch Brot und Wein ist da für mich und deine Magd und für den Knaben, der mit deinem Diener ist. Es ist an nichts Mangel.
ZunzUnd so Stroh wie Futter ist vorhanden für unsere Esel, und auch Brod und Wein ist da für mich und deine Magd und für den Knaben, der mit deinen Dienern ist. Es ist an nichts Mangel.
R. BreuerObwohl Stroh und Futter vorhanden ist für unsere Esel und auch Brot und Wein da ist für mich und deine Magd und für den Knaben, der mit deinem Diener ist. Es fehlt an nichts.
20
וַיֹּ֨אמֶר הָאִ֤ישׁ הַזָּקֵן֙ שָׁל֣וֹם לָ֔ךְ רַ֥ק כׇּל־מַחְסוֹרְךָ֖ עָלָ֑י רַ֥ק בָּרְח֖וֹב אַל־תָּלַֽן׃
BernfeldDa sprach der alte Mann: Friede mit dir, lasse mich nur sorgen für deinen Bedarf; nur auf der Straße übernachte nicht.
ZunzDa sprach der alte Mann: Friede mit dir, nur daß all dein Bedarf mir obliege; nur auf der Straße übernachte nicht.
R. BreuerDa sprach der alte Mann: Friede mit dir, nur mir liegt es ob, wenn es dir an etwas fehlt; nur auf der Straße übernachte nicht.
21
וַיְבִיאֵ֣הוּ לְבֵית֔וֹ (ויבול) [וַיָּ֖בׇל] לַחֲמוֹרִ֑ים וַֽיִּרְחֲצוּ֙ רַגְלֵיהֶ֔ם וַיֹּאכְל֖וּ וַיִּשְׁתּֽוּ׃
BernfeldEr brachte ihn in sein Haus, und mengte Futter für die Esel, und sie wuschen ihre Füße und aßen und tranken.
ZunzUnd er brachte ihn in sein Haus, und mengte Futter für die Esel, und sie wuschen ihre Füße und aßen und tranken.
R. BreuerEr brachte ihn in sein Haus, und mengte Futter für die Esel, und sie wuschen ihre Füße und sie aßen und tranken.
22
הֵ֘מָּה֮ מֵיטִיבִ֣ים אֶת־לִבָּם֒ וְהִנֵּה֩ אַנְשֵׁ֨י הָעִ֜יר אַנְשֵׁ֣י בְנֵי־בְלִיַּ֗עַל נָסַ֙בּוּ֙ אֶת־הַבַּ֔יִת מִֽתְדַּפְּקִ֖ים עַל־הַדָּ֑לֶת וַיֹּאמְר֗וּ אֶל־הָ֠אִ֠ישׁ בַּ֣עַל הַבַּ֤יִת הַזָּקֵן֙ לֵאמֹ֔ר הוֹצֵ֗א אֶת־הָאִ֛ישׁ אֲשֶׁר־בָּ֥א אֶל־בֵּיתְךָ֖ וְנֵדָעֶֽנּוּ׃
BernfeldSie taten eben ihrem Herzen gütlich, da umringten ruchlose Männer, Männer der Stadt, das Haus, sich gegen die Türe drängend, und sprachen zu dem alten Manne, dem Herrn des Hauses: Führe den Mann, der in dein Haus gekommen, heraus, dass wir ihn erkennen:
ZunzSie thaten ihrem Herzen gütlich, siehe, da umringten die Männer der Stadt, Männer, Söhne der Ruchlosigkeit, das Haus, sich gegen die Thüre drängend, und sprachen zu dem Manne, dem Herrn des Hauses, dem Alten, also: Herausführe den Mann, der in dein Haus gekommen, daß wir ihn erkennen.
R. BreuerWährend sie sich gütlich taten, siehe da umringten Stadtleute, nichtswürdige Männer, das Haus, sich gegen die Türe drängend, und sprachen zu dem alten Manne, dem Herrn des Hauses: Führe den Mann, der in dein Haus gekommen heraus, daß wir ihn erkennen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 22—25. Es war eine Zeit, in der jedermann tat, was recht war in seinen Augen. Die drei Kardinalverbrechen, Götzendienst, Mord und Unzucht waren die Signatur der Richterzeit, die abschreckend zeigt, in welchen Abgrund geistiger und sittlicher Verkommenheit die Untreue gegen Gott, den Einen-Einzigen, führt. Auf Grund überlieferter Untersuchungen bemüht sich Malbim hier zur Stelle, den Unterschied zwischen der Greueltat in Gibea und der von Sedom in Lots Tagen klarzustellen. So ähnlich auch der biblische Bericht über das, was in Gibea und über das, was in Sodom geschah, anmutet, so bedarf es doch nicht des Nachweises im einzelnen, daß grundsätzlich die Greueltat hier anders zu werten ist als dort, wenn man sich vor Augen hält (was Malbim seltsamer Weise nicht tut), daß die Greueltäter dort Sodomiten und die Greueltäter hier — Benjaminiten, Abkömmlinge unseres Stammvaters Jakob waren. Während dort der Geist von Sodom sich grauenhaft abhebt von der geistigen Höhe und sittlichen Lebensvollendung eines Abraham, sind es hier in Gibea Abrahams Nachfahren, die wir im tiefsten Pfuhl tierischer Unzucht versunken sehen. Stadtleute von Gibea, nichtsnutzige Menschen, versuchen einen gewaltsamen Einbruch in das Haus eines alten, wehrlosen Mannes und stellen an ihn das Ansinnen, seinen Gast ihren widernatürlichen Gelüsten auszuliefern. (V. 22). Mannhaft (האיש בעל הבית in V. 23 im Gegensatz zu האיש בעל הבית הזקן in V. 22) tritt der Hausherr zu ihnen heraus und beschwört sie mit sanften Worten — „meine Brüder“ sagt er zu den Ruchlosen — ihre Absicht aufzugeben. Er weiß, daß das geplante Verbrechen in Gibea nichts Neues ist. Aber nachdem sein Gast bei ihm Zuflucht gefunden, bittet er sie, diesmal ausnahmsweise ihre scheußliche Begierde zu unterdrücken. Es handelt sich für ihn weniger um die Wahrung von Anstand und Sitte als um die Unverletzlichkeit des Gastrechts. Die eigentliche נבלה besteht für ihn darin, daß ein Gast ungastlich behandelt werden soll. Daß diese Ungastlichkeit zugleich Unsittlichkeit ist, das kommt für ihn, wenn überhaupt, erst in zweiter Linie in Betracht. Und so erklärt sich's auch, daß dieser Hausherr, der so ängstlich für die Ehre seines Gastes zittert, kein Bedenken trägt, das Kebsweib seines Gastes, ja seine eigene Tochter den Eindringlingen auszuliefern. „Nur an diesem Manne verübt nicht diese Schandtat!“ (V. 24). Seine Bitte und sein Vorschlag finden kein Gehör. Schon sind die entmenschten Wüstlinge im Begriff, ihre Absicht auszuführen, da führt ihnen der Mann selbst sein Kebsweib hinaus. Diskret verschweigt die Erzählung, warum diese nichtswürdigen Menschen plötzlich mit etwas zufrieden waren, was ihnen doch soeben erst der Hausherr vergebens vorgeschlagen hatte. (ופלגשהו אוציאה נא hatte er ja gesagt, ja noch mehr: הנה בתי הבתולה וגו'). Es muß uns genügen, wenn wir hören, daß der Anblick dieser Frau genügte, um ihren Mann zu retten.

Dreifach spiegelt sich in den drei Charakteren der בני בליעל, des בעל הבית und des איש der Zeitcharakter wieder. Die בני בליעל sind völlig verkommen. Sie schrecken vor keiner Schandtat zurück. Der בעל הבית steht hoch über ihnen, doch nicht hoch genug, um jedes Kompromiß mit ihnen zu verwerfen. Nachdem der בעל הבית ihnen entgegengekommen ist, bleibt auch dem איש, in dem, wie aus dem Schlußverse dieses Kapitels hervorgeht, noch alter Levitengeist lebt, nichts anderes übrig, als zu retten, was zu retten ist.

23
וַיֵּצֵ֣א אֲלֵיהֶ֗ם הָאִישׁ֙ בַּ֣עַל הַבַּ֔יִת וַיֹּ֣אמֶר אֲלֵהֶ֔ם אַל־אַחַ֖י אַל־תָּרֵ֣עוּ נָ֑א אַ֠חֲרֵי אֲשֶׁר־בָּ֞א הָאִ֤ישׁ הַזֶּה֙ אֶל־בֵּיתִ֔י אַֽל־תַּעֲשׂ֖וּ אֶת־הַנְּבָלָ֥ה הַזֹּֽאת׃
BernfeldDer Mann, der Herr des Hauses, ging hinaus zu ihnen und sprach: Nicht doch meine Brüder, tut doch nicht Böses, nachdem dieser Mann in mein Haus gekommen, verübt nicht diese Schandtat.
ZunzUnd der Mann, der Herr des Hauses ging hinaus zu ihnen und sprach zu ihnen: Nicht doch meine Brüder, nicht verfahret übel, nachdem dieser Mann in mein Haus gekommen, verübt nicht diese Schandthat.
R. BreuerDa ging der Mann, der Herr des Hauses, zu ihnen hinaus und sprach: Nicht doch, meine Brüder, tut doch nicht Böses, nachdem dieser Mann in mein Haus gekommen, verübt nicht diese Schandtat.
24
הִנֵּה֩ בִתִּ֨י הַבְּתוּלָ֜ה וּפִילַגְשֵׁ֗הוּ אֽוֹצִיאָה־נָּ֤א אוֹתָם֙ וְעַנּ֣וּ אוֹתָ֔ם וַעֲשׂ֣וּ לָהֶ֔ם הַטּ֖וֹב בְּעֵינֵיכֶ֑ם וְלָאִ֤ישׁ הַזֶּה֙ לֹ֣א תַֽעֲשׂ֔וּ דְּבַ֖ר הַנְּבָלָ֥ה הַזֹּֽאת׃
BernfeldMeine Tochter, die Jungfrau und seine Nebenfrau, die will ich hinausführen, ihr möget sie bezwingen und tun an ihnen, was in euren Augen gut ist. Aber an diesem Manne tut nicht diese Schandtat.
ZunzSiehe, meine Tochter die Jungfrau und sein Kebsweib, die will ich herausführen, und ihr möget sie bezwingen, und thun an ihnen, was in euren Augen gut ist. Aber an diesem Manne thut nicht diese Schandthat.
R. BreuerDa ist meine Tochter, die Jungfrau, und sein Kebsweib, die will ich hinausführen, ihr möget sie bezwingen und tun an ihnen, was gut in euren Augen ist. Aber an diesem Manne tut nicht diese Schandtat.
25
וְלֹֽא־אָב֤וּ הָֽאֲנָשִׁים֙ לִשְׁמֹ֣עַֽ ל֔וֹ וַיַּחֲזֵ֤ק הָאִישׁ֙ בְּפִ֣ילַגְשׁ֔וֹ וַיֹּצֵ֥א אֲלֵיהֶ֖ם הַח֑וּץ וַיֵּדְע֣וּ א֠וֹתָ֠הּ וַיִּֽתְעַלְּלוּ־בָ֤הּ כׇּל־הַלַּ֙יְלָה֙ עַד־הַבֹּ֔קֶר וַֽיְשַׁלְּח֖וּהָ (בעלות) [כַּעֲל֥וֹת] הַשָּֽׁחַר׃
BernfeldAber die Männer wollten ihm kein Gehör geben, und der Mann ergriff seine Nebenfrau und führte sie zu ihnen hinaus auf die Straße, und sie erkannten sie und misshandelten sie die ganze Nacht bis zum Morgen, und ließen sie ziehen mit dem Anbruch des Morgens.
ZunzUnd die Männer wollten ihm kein Gehör geben, und der Mann ergriff sein Kebsweib, und führte sie zu ihnen hinaus auf die Straße, und sie erkannten sie, und mißhandelten sie die ganze Nacht bis zum Morgen, und ließen sie ziehen mit dem Aufgange der Frühe.
R. BreuerAber die Männer wollten nicht auf ihn hören, da ergriff der Mann sein Kebsweib und führte sie ihnen hinaus, und sie erkannten sie und mißhandelten sie die ganze Nacht bis zum Morgen; dann entließen sie sie beim Anbruch des Morgens.
26
וַתָּבֹ֥א הָאִשָּׁ֖ה לִפְנ֣וֹת הַבֹּ֑קֶר וַתִּפֹּ֞ל פֶּ֧תַח בֵּית־הָאִ֛ישׁ אֲשֶׁר־אֲדוֹנֶ֥יהָ שָּׁ֖ם עַד־הָאֽוֹר׃
BernfeldDas Weib kam heim, um den Anbruch des Morgens, und fiel nieder am Eingange des Hauses des Mannes, woselbst ihr Herr war, [und lag] bis zum hellen Tag.
ZunzUnd das Weib kam heim, um den Aubruch des Morgens, und fiel nieder am Eingange des Hauses des Mannes, woselbst ihr Herr war, (und lag) bis zum hellen Tag.
R. BreuerGegen Morgen kam die Frau und fiel nieder am Eingang des Hauses des Mannes, wo ihr Herr war, (und lag dort) bis es hell wurde.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 26—30. Wer kann diese Verse ohne Entsetzen lesen! Beim Anbruch des Morgens kehrt die Frau, todesmatt von den Mißhandlungen, die sie erdulden mußte, in das Haus zurück, wo sich ihr „Herr“ befindet. Denn nicht als Gatte, als Herr hat er an ihr gehandelt, als er sie in die Nacht zu den Wüstlingen hinausstieß. An der Haustüre fällt sie hin und bleibt dort liegen, bis es Tag wird (V. 26). Ihr „Herr“, der sich am Morgen erhebt, als ob nichts geschehen sei, öffnet das Haus und tritt auf die Straße, um heimwärts zu ziehen, da sieht er die Frau, an der Türe liegend, ihre Hände über die Schwelle ausgebreitet (V. 27). Ohne einen Ruf des Grauens auszustoßen, fordert er sie auf, sich zu erheben und mit ihm zu gehen. Er ahnt wohl nicht, daß sie tot ist. Er meint wohl, daß sie schläft oder nicht wagt aufzuschauen und in kauernder Haltung ihre unsagbare Schmach verbergen möchte. — „Aber niemand antwortet“. — Nun weiß er, was geschehen ist. Schweigend lädt er die Leiche auf den Esel und zieht von dannen (V. 28). — Noch aber ist in des Leviten Seele eifernder Levitengeist lebendig. In dem mit der Leiche heimwärts Ziehenden flammt heiliger Levitenzorn auf. Die Greueltat in Gibea darf nicht ungesühnt bleiben. Nicht allein seine und seines Weibes Ehre, die Ehre Gesamtisraels, des Gottesvolkes, ist hier geschändet worden. Zu gemeinsamer Sühne des Geschehenen müssen Israels Stämme aufgerufen werden. Werden aber die Fernen, die Unbeteiligten, wenn die Kunde der Greueltat nur durch Hören und Sagen zu ihnen dringt, zu heiligem Zorne aufgeweckt werden können? Das entartete, seinem Gott entfremdete Israel schläft. Wird dieses in Götzentum und Unsittlichkeit versunkene Volk zu einer gemeinsamen Tat aufzuraffen sein? — Der zornglühende Levite entschließt sich zu einer grausigen Symbolhandlung, um auch den Lauen und Gleichgültigen seines Volkes den Atem seines Zornes einzuhauchen. Zu Hause angelangt, zerstückt er die Leiche in zwölf Teile, um sie an Israels zwölf Stämme zu versenden (V. 29). Nur so glaubt er, in dem an Symbole gewöhnten, durch Symbole erzogenen, in Symbolen lebenden und webenden Volke den Willen zur Tat entzünden zu können, nur so in ihm das Bewußtsein wach rufen zu können, daß die Greueltat in Gibea den Gipfelpunkt einer Entartung darstellt, die seit dem Tage des Auszugs der Kinder Israels aus Ägypten nicht ihresgleichen hat. Woran die Ohnmacht seines gesprochenen Wortes sich vergeblich bemühen würde, sein schlafendes Volk zur Einkehr und Aufkehr, zu Rat und Tat, zur Rede und Handlung wachzurufen, dem Anblick der Leichenteile seines geschändeten und gemordeten Weibes wird es gelingen (V. 30).

27
וַיָּ֨קׇם אֲדֹנֶ֜יהָ בַּבֹּ֗קֶר וַיִּפְתַּח֙ דַּלְת֣וֹת הַבַּ֔יִת וַיֵּצֵ֖א לָלֶ֣כֶת לְדַרְכּ֑וֹ וְהִנֵּ֧ה הָאִשָּׁ֣ה פִֽילַגְשׁ֗וֹ נֹפֶ֙לֶת֙ פֶּ֣תַח הַבַּ֔יִת וְיָדֶ֖יהָ עַל־הַסַּֽף׃
BernfeldIhr Eheherr stand am Morgen auf und öffnete die Türen des Hauses und ging hinaus, um seines Weges zu ziehen; aber die Frau, seine Nebenfrau, lag am Eingange des Hauses und ihre Hände auf der Schwelle.
ZunzUnd ihr Herr stand am Morgen auf und öffnete die Thüren des Hauses, und ging hinaus, um seines Weges zu ziehen, und siehe, das Weib, sein Kebsweib, lag am Eingange des Hauses und ihre Hände auf der Schwelle.
R. BreuerIhr Herr stand am Morgen auf und öffnete die Türen des Hauses und ging hinaus, um seines Weges zu ziehen; siehe, da lag die Frau, sein Kebsweib, am Eingange des Hauses und ihre Hände auf der Schwelle.
28
וַיֹּ֧אמֶר אֵלֶ֛יהָ ק֥וּמִי וְנֵלֵ֖כָה וְאֵ֣ין עֹנֶ֑ה וַיִּקָּחֶ֙הָ֙ עַֽל־הַחֲמ֔וֹר וַיָּ֣קׇם הָאִ֔ישׁ וַיֵּ֖לֶךְ לִמְקֹמֽוֹ׃
BernfeldDa sprach er zu ihr: Steh auf und lasse uns ziehen, aber niemand antwortete. Da lud er sie auf den Esel, und der Mann machte sich auf und ging nach seinem Orte.
ZunzDa sprach er zu ihr: Steh auf und laß uns ziehen; aber niemand antwortete, und er nahm sie auf den Esel, und der Mann machte sich auf und ging nach seinem Orte.
R. BreuerDa sprach er zu ihr: Steh auf und laß uns ziehen! Aber niemand antwortete. — Da lud er sie auf den Esel, und der Mann machte sich auf und ging nach seinem Orte.
29
וַיָּבֹ֣א אֶל־בֵּית֗וֹ וַיִּקַּ֤ח אֶת־הַֽמַּאֲכֶ֙לֶת֙ וַיַּחֲזֵ֣ק בְּפִֽילַגְשׁ֔וֹ וַֽיְנַתְּחֶ֙הָ֙ לַעֲצָמֶ֔יהָ לִשְׁנֵ֥ים עָשָׂ֖ר נְתָחִ֑ים וַֽיְשַׁלְּחֶ֔הָ בְּכֹ֖ל גְּב֥וּל יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldAls er nach seinem Hause kam, nahm er das Messer und ergriff seine Nebenfrau und zerstückelte sie nach ihren Knochen in zwölf Stücke und schickte sie herum durch das Gebiet von Israel.
ZunzAls er nun in seinem Hause angekommen, nahm er das Messer und ergriff sein Kebsweib und zerstückte sie nach ihren Knochen in zwölf Stücke, und schickte sie herum durch das ganze Gebiet von Jisraél.
R. BreuerAls er nach seinem Hause kam, nahm er das Messer und ergriff sein Kebsweib und zerstückelte sie nach ihren Gebeinen in zwölf Stücke und sandte sie durch das ganze Gebiet Israels.
30
וְהָיָ֣ה כׇל־הָרֹאֶ֗ה וְאָמַר֙ לֹֽא־נִהְיְתָ֤ה וְלֹֽא־נִרְאֲתָה֙ כָּזֹ֔את לְמִיּ֞וֹם עֲל֤וֹת בְּנֵֽי־יִשְׂרָאֵל֙ מֵאֶ֣רֶץ מִצְרַ֔יִם עַ֖ד הַיּ֣וֹם הַזֶּ֑ה שִׂימוּ־לָכֶ֥ם עָלֶ֖יהָ עֻ֥צוּ וְדַבֵּֽרוּ׃ {פ}
BernfeldUnd jeder, der es sah, sprach: Solches ist nicht geschehen und nicht gesehen worden seit dem Tage des Auszuges der Kinder Israel aus dem Lande Ägypten bis auf diesen Tag. Richtet euer Herz darauf, gebet Rat und redet!
ZunzUnd es geschah, jeder, der es sah, sprach: Solches ist nicht geschehen und nicht gesehen worden seit dem Tage des Ausganges der Kinder Jisraél aus dem Lande Mizrajim bis auf diesen Tag. Richtet euer Herz darauf, gebet Rath und redet!
R. BreuerSodaß jeder, der es sah, sprach: Solches ist nicht geschehen und nicht gesehen worden seit dem Tage des Auszuges der Kinder Israels aus dem Lande Ägypten bis auf diesen Tag. Überlegt es euch, ratet und redet!