Schoftim 17 שופטים

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1
וַֽיְהִי־אִ֥ישׁ מֵהַר־אֶפְרָ֖יִם וּשְׁמ֥וֹ מִיכָֽיְהוּ׃
BernfeldEs lebte ein Mann vom Gebirge Efraim und sein Name war Micha.
ZunzUnd es war ein Mann vom Gebirge Efrajim und sein Name Michaihu.
R. BreuerEs war ein Mann vom Gebirge Ephraim, sein Name war Michajhu.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

Kap. 17. V. 1. Nach מדרש רבה אמור פרשה לב' gehört Micha zu denjenigen Gestalten der biblischen Geschichte, die מדכרין ומשחקין, deren Name zu fluchwürdigem Gedenken auf die Nachwelt kam. Gleichwohl wird hier zu Beginn der פסל מיכה-Geschichte der Name Micha mit dem Gottesnamen zusammengesetzt, zu Michajhu erweitert, wohl um anzudeuten, daß erst nachdem Micha zu offenem Götzentum abglitt, von ihm und seinem Namen der Geist der Gottheit wich. (Vgl. Malbim z. St.).

2
וַיֹּ֣אמֶר לְאִמּ֡וֹ אֶ֩לֶף֩ וּמֵאָ֨ה הַכֶּ֜סֶף אֲשֶׁ֣ר לֻֽקַּֽח־לָ֗ךְ (ואתי) [וְאַ֤תְּ] אָלִית֙ וְגַם֙ אָמַ֣רְתְּ בְּאׇזְנַ֔י הִנֵּה־הַכֶּ֥סֶף אִתִּ֖י אֲנִ֣י לְקַחְתִּ֑יו וַתֹּ֣אמֶר אִמּ֔וֹ בָּר֥וּךְ בְּנִ֖י לַיהֹוָֽה׃
BernfeldEr sprach zu seiner Mutter: Die tausend ein hundert [Sekel] Silber, die dir genommen worden — und du fluchtest und sprachst es vor meinen Ohren [den, der sie gestohlen] — das Silber ist bei mir, das habe ich genommen. Die Mutter sprach: Gesegnet sei mein Sohn dem Herrn.
ZunzUnd er sprach zu seiner Mutter: Die tausend ein hundert (Schekel) Silber, die dir genommen worden — und du fluchtest, und sprachst vor meinen Ohren — siehe, das Silber ist bei mir, das habe ich genommen. Und seine Mutter sprach: Gesegnet sei mein Sohn dem Ewigen.
R. BreuerEr sprach zu seiner Mutter: Die tausend einhundert Silberstücke, die dir genommen wurden — und du fluchtest und sprachest es vor meinen Ohren — siehe, das Silber ist bei mir, ich habe es genommen. Da sprach seine Mutter: Gesegnet von Gott seist du, mein Sohn!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 2—4. Michas Mutter waren elfhundert Silberstücke gestohlen worden. Ihr Zorn entlud sich in einem Fluche gegen den Dieb. Ihr schien es nicht unmöglich, daß ihr Sohn der Dieb war. Darum sprach sie den Fluch zu einer Zeit, wo Micha in ihrer Nähe war und ihren Fluch hören konnte. Zugleich gelobte sie aber im Stillen, daß für den Fall das Geld in Michas Händen sein sollte, das gestohlene Gut in Zukunft profanem Gebrauch entzogen und durch Micha selbst für die Herstellung eines Gottesbildes bestimmt und dem Schmelzer übergeben werden müsse. Sie hatte richtig geahnt: das Geld befand sich in Michas Hand. Als er seiner Mutter den Diebstahl eingestand, in der Meinung, daß auch weiterhin der mütterliche Fluch auf ihm lasten bliebe, beruhigte ihn die Mutter, indem sie sprach: Ich habe dafür gesorgt, daß deine Missetat für dich zu einer Quelle des göttlichen Segens werde. Zunächst versteht Micha seine Mutter nicht, doch giebt er ihr sofort das entwendete Silber zurück. Nun erklärt sich seine Mutter deutlicher: Ich habe mir vorgenommen, dieses Geld Gott zu weihen. Aus meiner Hand soll es in deine zurückkehren. Ein Gußbild für Gott soll daraus entstehen, nimm es nun wieder zurück und tue, wie ich gelobt und dir geheißen. Micha nimmt das Silber — doch kaum hat er es genommen, giebt er es seiner Mutter wieder zurück. Er schaudert vor dem Gedanken zurück, für — Gott ein Götzenbild zu errichten. Seiner Mutter bleibt nichts anders übrig, als ihr Gelübde selber zu vollziehen. Mit zweihundert Silberstücken gewinnt sie einen Schmelzer, der ihr von den neunhundert übrigen Silberstücken das gewünschte Bild verfertigt. Im Hause Michas wurde es aufgestellt. An der Herstellung des Bildes sich zu beteiligen, hatte er abgelehnt; die Aufstellung des Bildes in seinem Hause glaubte er seiner Mutter nicht verweigern zu sollen.

Welch ein Bild der sittlichen Verwahrlosung und Begriffsverwirrung! Ein Sohn, der seine eigene Mutter bestiehlt. Eine Mutter, die durch Gelobung eines Götzenbildes ihren Sohn unter den segnenden Schutz des einen, einzigen Gottes stellt. Vor der Herstellung des Bildes schrickt Micha zurück, mit seiner Aufstellung in seinem Hause findet er sich ab. In der Tat: in jener Zeit tat ein jeglicher das, was recht war in seinen Augen (V. 6).

3
וַיָּ֛שֶׁב אֶת־אֶלֶף־וּמֵאָ֥ה הַכֶּ֖סֶף לְאִמּ֑וֹ וַתֹּ֣אמֶר אִמּ֡וֹ הַקְדֵּ֣שׁ הִקְדַּ֣שְׁתִּי אֶת־הַכֶּ֩סֶף֩ לַיהֹוָ֨ה מִיָּדִ֜י לִבְנִ֗י לַֽעֲשׂוֹת֙ פֶּ֣סֶל וּמַסֵּכָ֔ה וְעַתָּ֖ה אֲשִׁיבֶ֥נּוּ לָֽךְ׃
BernfeldEr gab die tausend ein hundert [Sekel] Silber seiner Mutter zurück, und seine Mutter sprach: Geheiligt habe ich das Silber dem Herrn aus meiner Hand für meinen Sohn, ein gehauenes und gegossenes Bild zu machen, und nun gebe ich es dir zurück.
ZunzUnd zurück gab er die tausend ein hundert (Schekel) Silber seiner Mutter, und seine Mutter sprach: Geheiliget habe ich das Silber dem Ewigen aus meiner Hand für meinen Sohn, ein gehauenes und gegossenes Bild zu machen, und nun gebe ich es dir zurück.
R. BreuerEr gab die tausend einhundert Silberstücke seiner Mutter zurück, und seine Mutter sprach: Geheiligt habe ich das Silber Gott aus meiner Hand für meinen Sohn, ein gehauenes und gegossenes Bild zu machen, und nun gebe ich es dir zurück.
4
וַיָּ֥שֶׁב אֶת־הַכֶּ֖סֶף לְאִמּ֑וֹ וַתִּקַּ֣ח אִמּוֹ֩ מָאתַ֨יִם כֶּ֜סֶף וַתִּתְּנֵ֣הוּ לַצּוֹרֵ֗ף וַֽיַּעֲשֵׂ֙הוּ֙ פֶּ֣סֶל וּמַסֵּכָ֔ה וַֽיְהִ֖י בְּבֵ֥ית מִיכָֽיְהוּ׃
BernfeldEr gab das Silber seiner Mutter zurück; seine Mutter nahm zweihundert [Sekel] Silber und gab es dem Goldschmied, und er machte daraus ein gehauenes und gegossenes Bild und es war im Hause Michas.
ZunzEr aber gab das Silber seiner Mutter zurück, und seine Mutter nahm zweihundert (Schekel) Silber und gab es dem Goldschmied, und er machte daraus ein gehauenes und gegossenes Bild und es war im Hause Michaihu's.
R. BreuerEr gab das Silber seiner Mutter zurück; seine Mutter nahm zweihundert Silberstücke und gab sie dem Schmelzer, und er machte daraus ein gehauenes und gegossenes Bild, und es war im Hause Michajhus.
5
וְהָאִ֣ישׁ מִיכָ֔ה ל֖וֹ בֵּ֣ית אֱלֹהִ֑ים וַיַּ֤עַשׂ אֵפוֹד֙ וּתְרָפִ֔ים וַיְמַלֵּ֗א אֶת־יַ֤ד אַחַד֙ מִבָּנָ֔יו וַֽיְהִי־ל֖וֹ לְכֹהֵֽן׃
BernfeldDer Mann Micha hatte ein Gotteshaus, und er machte Efod und Terafim und weihte einen seiner Söhne zum Priester.
ZunzUnd der Mann Michah hatte ein Gotteshaus, und er machte Efod und Terasim, und füllte die Hand eines seiner Söhne, und er war ihm zu einem Priester.
R. BreuerDer Mann Micha hatte ein Götzenhaus, und er machte Efod und Terafim, und er weihte einen seiner Söhne, daß er ihm als Priester diene.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 5. Nach der Aufstellung des Götzenbildes war Michajhu Micha (vgl. das zu V. 1 Bemerkte) und sein Haus ein Götzenhaus geworden. (Außer in 18, 31 wird אלהים in diesem und im folgenden Kapitel immer im Sinne von Götze gebraucht. vgl. Raschi). Allmählich fand sich Micha mit seinem Götzentum so gründlich ab, daß er seinen Götzentempel weiter ausgestaltete, indem er seine innere Einrichtung durch Anfertigung von Efod und Terafim vervollständigte und einen seiner Söhne zum Götzenpriester weihte.

אפוד ותרפים. Während אפוד wohl als eine Nachahmung des aus dem Gottesheiligtum bekannten zu verstehen ist, haben wir uns im Hinblick auf 18, 5 unter תרפים Orakel spendende Götzenbilder vorzustellen. Vgl. Komm. Gen. 31, 19: „Die Etymologie und Bedeutung von תרפים ist dunkel. Aus שאל בתרפים (Jecheskel 21, 26) und התרפים דברו און (Sechar. 10, 2) und der Zusammenstellung אפוד ותרפים ersieht man, daß es Götzenbilder gewesen, die Orakel gaben.“

6
בַּיָּמִ֣ים הָהֵ֔ם אֵ֥ין מֶ֖לֶךְ בְּיִשְׂרָאֵ֑ל אִ֛ישׁ הַיָּשָׁ֥ר בְּעֵינָ֖יו יַעֲשֶֽׂה׃ {פ}
BernfeldIn jener Zeit war kein König in Israel. Ein jeglicher tat was in seinen Augen recht war.
ZunzIn jener Zeit war kein König in Jisraël. Ein jeglicher that was in seinen Augen recht war.
R. BreuerIn jener Zeit war kein König in Israel, ein jeder tat was recht war in seinen Augen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 6. Wäre in jener Zeit ein König in Israel gewesen, dann wäre seine erste Pflicht gewesen, das Gottesgesetz in Israel zur Geltung zu bringen und mit allem Götzenunwesen gründlich aufzuräumen. Michas Götzentum erklärt sich aus seiner autoritätlosen, entgotteten Zeit.

7
וַֽיְהִי־נַ֗עַר מִבֵּ֥ית לֶ֙חֶם֙ יְהוּדָ֔ה מִמִּשְׁפַּ֖חַת יְהוּדָ֑ה וְה֥וּא לֵוִ֖י וְה֥וּא גָֽר־שָֽׁם׃
BernfeldEs war ein Jüngling aus Bet-Lehem Jehuda, das dem Geschlechte Jehuda gehörte, ein Levite —, der daselbst weilte.
ZunzUnd es war ein Jüngling aus Bet Lechem Jehudah von dem Geschlechte Jehudah, der ein Lewi war, und daselbst weilte.
R. BreuerEs war ein Jüngling aus dem judäischen Betlehem, aus dem Geschlechte Juda, er war ein Levite, der daselbst weilte.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 7. Wie kann Jemand ein Levite sein und aus dem Geschlechte Juda stammen? Malbim antwortet: der Jüngling war väterlicherseits Levite, mütterlicherseits aus dem Geschlechte Juda. Der מצודת דוד bezieht die Worte ממשפחת יהודה auf das judäische Betlehem, das im Gegensatz zu der im Sebulungebiet liegenden gleichnamigen Stadt zum Erbteil des Stammes Juda gehörte (was zu betonen überflüssig ist, nachdem es ausdrücklich hieß: מבית לחם יהודה). Beide Kommentare ignorieren die Tatsache, daß der vorliegende Vers ein Gegenstand ausführlicher Behandlung in Baba Bathra 109 b ist. Dort wird im Zusammenhang mit V. 30 des folgenden Kapitels nachgewiesen, daß ממשפחת יהודה nicht die judäische Abstammung des levitischen Jünglings mütterlicherseits bedeuten kann, weil משפחת אם אינה קרויה משפחה (s. das. Malbim findet sich hier mit diesem Grundsatze ab, ohne die erwähnte Talmudstelle zu berücksichtigen). Vielmehr soll damit gesagt werden: מתוך שעשה מעשה מנשה תלאו הכתוב במנשה הכא נמי מתוך שעשה מעשה מנשה דאתי מיהודה תלאו הכתוב ביהודה. „Wie dieser levitische Jüngling weiter 18, 30 als Enkel Menasches bezeichnet wird, obwohl er ein Enkel Moses' war, und zwar deshalb, weil er als Götzenpriester nicht ein Abkömmling Moses', sondern ein Vorläufer des königlichen Götzendieners Menasche war, so wird auch hier durch ממשפחת יהודה angedeutet, daß sein Götzenpriestertum Geist vom Geiste Menasches war, der aus dem Geschlechte Juda stammte“. Auf diese Talmudstelle deutet hier Raschi mit den Worten hin: ורבותינו אמרו וגו'. Umso auffallender sind Raschis einleitende Worte: ממשפחת יהודה והוא לוי מן האם. Offenbar will Raschi damit sagen: Sucht man diesen Vers ohne die hierauf bezügliche Talmudstelle zu verstehen, dann kommt man umgekehrt zu dem Ergebnis, daß dieser Jüngling väterlicherseits von Juda — denn משפחת אם אינה קרויה משפחה — und mütterlicherseits von Levi stammte. Der wirkliche Sinn kann aber nur aus dem Talmud erschlossen werden: ורבותינו אמרו וגו'.

8
וַיֵּ֨לֶךְ הָאִ֜ישׁ מֵהָעִ֗יר מִבֵּ֥ית לֶ֙חֶם֙ יְהוּדָ֔ה לָג֖וּר בַּאֲשֶׁ֣ר יִמְצָ֑א וַיָּבֹ֧א הַר־אֶפְרַ֛יִם עַד־בֵּ֥ית מִיכָ֖ה לַעֲשׂ֥וֹת דַּרְכּֽוֹ׃
BernfeldDer Mann ging aus der Stadt Bet-Lehem Jehuda, um zu bleiben, wo er es treffen würde, und er kam in das Gebirge Efraim, zum Hause Michas, um seinen Weg weiter zu machen.
ZunzUnd der Mann ging aus der Stadt aus Bet Lechem Jehudah, um zu weilen, wo er es treffen würde, und er kam in das Gebirge Efrajim, zum Hause Michah's, um seinen Weg (weiter) zu machen.
R. BreuerDer Mann ging aus der Stadt, aus dem judäischen Betlehem, um zu weilen, wo er es treffen würde, und er kam in das Gebirge Ephraim, zum Hause Michas, um seinen Weg zu verrichten.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 8. האיש. Der Jüngling ging als Mann aus der Stadt. Nicht als ob er erst in reiferen Jahren seine Wanderung begonnen hätte. Denn nicht blos in V. 7, sondern auch weiter in V. 11 und 12 wird er נער genannt. Vielmehr scheint in diesem האיש die jugendliche Wanderlust als ein Charakteristikum erwachender Mannbarkeit angedeutet zu sein. An der Grenzscheide zwischen Knaben- und Mannesalter lockt die blaue Ferne mit solch bezaubernder Gewalt, daß innerlich nur schwach gehemmte Jünglingsseelen dem übermächtigen Trieb, die heimatliche Enge zu verlassen und לגור באשר ימצא, nicht widerstehen können.

לעשות דרכו. Vgl. Jes. 58, 13, wo dieser Ausdruck im Sinne des Geschäftemachens vorkommt: מעשות דרכיך. Unser Jüngling verließ seine Heimatstadt, um zu wandern. Ein festes Ziel schwebte ihm nicht vor. Seine Reise war keine Geschäftsreise. Wie ein fahrender Gesell hoffte er auf ein glückliches Ungefähr, das ihn an einen Ort verschlagen würde, wo es ihm wohlgefiel. Planlos wandernd kam er so zum Hause Michas im Gebirge Ephraim, לעשות דרכו, „um sein Geschäft zu machen“. Vielleicht fand der planlos Wandernde hier seines Wanderns Ziel.

9
וַיֹּֽאמֶר־ל֥וֹ מִיכָ֖ה מֵאַ֣יִן תָּב֑וֹא וַיֹּ֨אמֶר אֵלָ֜יו לֵוִ֣י אָנֹ֗כִי מִבֵּ֥ית לֶ֙חֶם֙ יְהוּדָ֔ה וְאָנֹכִ֣י הֹלֵ֔ךְ לָג֖וּר בַּאֲשֶׁ֥ר אֶמְצָֽא׃
BernfeldMicha sprach zu ihm: Woher kommst du? und er sprach zu ihm: Ein Levite bin ich von Bet-Lehem Jehuda und ich suche zu bleiben, wo ich es treffen werde.
ZunzUnd Michah sprach zu ihm: Woher kommst du? und er sprach zu ihm: Ein Lewi bin ich von Bet Lechem Jehudah, und ich gehe zu weilen, wo ich es treffen werde.
R. BreuerMicha sprach zu ihm: Woher kommst du? Und er antwortete ihm: Ein Levite bin ich aus dem judäischen Betlehem, und ich bin auf der Wanderung, um zu weilen, wo ich es treffen würde.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 9—13. Der jugendliche Wanderer, der da an Michas Haustüre anklopfte, ahnte nicht, zu welch heiliger Mission er auserkoren war. Ihm war es bestimmt, Michas Priester zu werden und Michas Götzentum mit dem Heiligenschein einer gottgefälligen Tat zu umgeben. Als Levite stellte er sich Micha vor. Blitzartig durchfuhr es da Micha: Wie wäre es, wenn ich mir diesen naiven, so zwecklos in der Welt umherstreifenden Levitenjüngling zu meinem priesterlichen Gewissensbeschwichtiger und geistlichen Ja- und Amensager erwürbe? Ist nicht der Levitenstamm berufen, in Israel göttliches Gesetz und göttliche Lehre zu vertreten und zu verbreiten? Und wird mir Gott etwas antun können, ja wird mir Gott nicht wohl tun müssen, wenn ein levitischer Hausgeistlicher seine segnende Priesterhand über mein Götzentum breitet? — Micha lädt den Jüngling ein, bei ihm zu bleiben. Er bietet ihm die Stellung eines Vaters und Priesters an. (Sehr bezeichnend ist's für den Geist des Judentums, daß hier der zum Lehren Berufene Vater genannt wird. Ist's ja nicht der Lehrer, sondern der Vater, an den sich der Lehrauftrag ושננתם לבניך wendet.) Mit ausreichender Besoldung, die vielleicht sogar (was freilich erst eine wirtschaftsgeschichtliche Untersuchung bestätigen könnte) üppig zu nennen war. Der Levite ging auf den Vorschlag ein. (Raschis Erklärung וילך הלוי אחר עצתו scheint uns richtiger zu sein, als die von Gesuchtheit nicht freie Malbims, wonach der Jüngling zuerst, empört über das an ihn gestellte Ansinnen, von Micha fortgegangen sei und erst später sich entschlossen habe, wieder zurückzukehren.) Allerdings nicht ohne inneren Kampf, worauf das ויואל hinweist: Er mußte sich zum Bleiben entschließen. Micha macht ihm den Aufenthalt in seinem Hause so angenehm wie nur möglich. Er war ihm wie einer von seinen Söhnen. Und als er anfing, sich heimisch bei ihm zu fühlen, kam der bedeutsame Augenblick, wo Micha an dem Leviten den Akt der formellen Priesterbestallung vollzog. Nun erst ויהי בבית מיכה, war der Jüngling mit heiligen Fesseln an Michas Haus geknüpft. Nun war er zum Priester geheiligt, dessen Weihehandlungen aus Michas Herzen die letzten Skrupel verscheuchen sollten.

10
וַיֹּ֩אמֶר֩ ל֨וֹ מִיכָ֜ה שְׁבָ֣ה עִמָּדִ֗י וֶֽהְיֵה־לִי֮ לְאָ֣ב וּלְכֹהֵן֒ וְאָנֹכִ֨י אֶֽתֶּן־לְךָ֜ עֲשֶׂ֤רֶת כֶּ֙סֶף֙ לַיָּמִ֔ים וְעֵ֥רֶךְ בְּגָדִ֖ים וּמִחְיָתֶ֑ךָ וַיֵּ֖לֶךְ הַלֵּוִֽי׃
BernfeldMicha sprach zu ihm: Bleibe bei mir und sei mir zu einem Vater und einem Priester, und ich will dir geben zehn [Sekel] für ein Jahr und einen Anzug Kleider und deinen Lebensbedarf; der Levite ging darauf ein.
ZunzUnd Michah sprach zu ihm: Bleibe bei mir und sei mir zu einem Vater und einem Priester, und ich will dir geben zehn (Schekel) Silber für ein Jahr, und einen Anzug Kleider und deinen Lebensbedarf; und der Lewi ging hin.
R. BreuerDa sprach Micha zu ihm: Bleibe bei mir und sei mir zu einem Vater und Priester, und ich will dir geben zehn Silberstücke für ein Jahr und Kleiderausrüstung und deinen Lebensunterhalt. Der Levite ging darauf ein.
11
וַיּ֥וֹאֶל הַלֵּוִ֖י לָשֶׁ֣בֶת אֶת־הָאִ֑ישׁ וַיְהִ֤י הַנַּ֙עַר֙ ל֔וֹ כְּאַחַ֖ד מִבָּנָֽיו׃
BernfeldDer Levite entschloss sich bei dem Manne zu bleiben, der Jüngling ward ihm wie einer seiner Söhne.
ZunzUnd der Lewi entschloß sich bei dem Manne zu bleiben, und der Jüngling ward ihm wie einer seiner Söhne.
R. BreuerDer Levite entschloß sich, bei dem Manne zu bleiben, und der Jüngling ward ihm wie einer seiner Söhne.
12
וַיְמַלֵּ֤א מִיכָה֙ אֶת־יַ֣ד הַלֵּוִ֔י וַֽיְהִי־ל֥וֹ הַנַּ֖עַר לְכֹהֵ֑ן וַיְהִ֖י בְּבֵ֥ית מִיכָֽה׃
BernfeldMicha weihte den Leviten, der Jüngling ward ihm zum Priester, er blieb im Hause Michas.
ZunzUnd Michah füllte die Hand des Lewi, und der Jüngling war ihm zu einem Priester, und war im Hause Michah's.
R. BreuerMicha weihte den Leviten, der Jüngling ward ihm zum Priester, und er blieb im Hause Michas.
13
וַיֹּ֣אמֶר מִיכָ֔ה עַתָּ֣ה יָדַ֔עְתִּי כִּֽי־יֵיטִ֥יב יְהֹוָ֖ה לִ֑י כִּ֧י הָֽיָה־לִ֛י הַלֵּוִ֖י לְכֹהֵֽן׃ {פ}
BernfeldDa sprach Micha: Jetzt weiß ich, dass der Herr mir Gutes tun wird, weil der Levite Priester bei mir geworden ist.
ZunzDa sprach Michah: Jetzt weiß ich, daß der Ewige mir wohl thun wird, weil der Lewi Priester bei mir geworden ist.
R. BreuerDa sprach Micha: Jetzt weiß ich, daß Gott mir wohl tun wird, denn der Levite ist bei mir Priester geworden.