1
וַיְהִ֨י מִיָּמִ֜ים בִּימֵ֣י קְצִיר־חִטִּ֗ים וַיִּפְקֹ֨ד שִׁמְשׁ֤וֹן אֶת־אִשְׁתּוֹ֙ בִּגְדִ֣י עִזִּ֔ים וַיֹּ֕אמֶר אָבֹ֥אָה אֶל־אִשְׁתִּ֖י הֶחָ֑דְרָה וְלֹֽא־נְתָנ֥וֹ אָבִ֖יהָ לָבֽוֹא׃
BernfeldNach einiger Zeit, zur Zeit der Weizenernte, da besuchte Simson sein Weib mit einem Ziegenböcklein. Er sprach [zum Schwiegervater]: Laß mich doch zu meinem Weibe gehen in das Gemach. Aber ihr Vater ließ ihn nicht hineingehen.
ZunzUnd es geschah nach einiger Zeit zur Zeit der Weizenernte, da besuchte Schimschon sein Weib mit einem Ziegenböcklein. Und er sprach: Laß mich doch zu meinem Weibe gehen in das Gemach; aber ihr Vater ließ ihn nicht hineingehen.
R. BreuerNach einiger Zeit, zur Zeit der Weizenernte, da besuchte Simson seine Frau mit einem Ziegenböcklein und sprach: Ich möchte zu meinem Weibe gehen in das Gemach. Aber ihr Vater ließ ihn nicht hineingehen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
Kap. 15. V. 1. Es bedurfte einiger Zeit, bis Simsons Zorn verraucht war. Zur Zeit der Weizenernte aber — diese Zeitangabe ist im Zusammenhang mit dem Bericht in V. 5 zu verstehen — machte er sich wieder auf, um seine Frau zu besuchen. Als Begütigungsgeschenk brachte er ihr ein Ziegenböcklein mit. Doch kaum hatte er ihr Haus betreten, erfuhr er von seinem Schwiegervater, daß seine Gattin nicht mehr die seine sei.
2
וַיֹּ֣אמֶר אָבִ֗יהָ אָמֹ֤ר אָמַ֙רְתִּי֙ כִּי־שָׂנֹ֣א שְׂנֵאתָ֔הּ וָאֶתְּנֶ֖נָּה לְמֵרֵעֶ֑ךָ הֲלֹ֨א אֲחוֹתָ֤הּ הַקְּטַנָּה֙ טוֹבָ֣ה מִמֶּ֔נָּה תְּהִי־נָ֥א לְךָ֖ תַּחְתֶּֽיהָ׃
BernfeldIhr Vater sagte: Ich habe gedacht, dass du sie hassest, und so gab ich sie deinem Genossen. Ihre jüngere Schwester ist schöner als sie; sie sei dir an ihrer Statt.
ZunzUnd ihr Vater sprach: Ich habe gedacht, daß du sie hassest, und so gab ich sie deinem Genossen. Ist nicht ihre jüngere Schwester schöner als sie? Werde sie doch dein an ihrer statt.
R. BreuerIhr Vater sagte: Ich habe gedacht, daß du sie hassest, und so gab ich sie deinem Genossen. Fürwahr, ihre jüngere Schwester ist schöner als sie, sie sei dir an ihrer Statt.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 2. Nach Simsons zornigem Scheiden konnte sein Schwiegervater nicht gut annehmen, daß er doch nach einiger Zeit wiederkehren werde. Und so ließ er es geschehen, daß seine Tochter eine andere Ehe einging.
טובה. Kann auch heißen; besser, worin dann nach Malbims Auffassung (vgl. zu 14, 20) angedeutet wäre, daß die jüngere, was eheliche Treue betrifft, besser, zuverlässiger sei, als die ältere.
3
וַיֹּ֤אמֶר לָהֶם֙ שִׁמְשׁ֔וֹן נִקֵּ֥יתִי הַפַּ֖עַם מִפְּלִשְׁתִּ֑ים כִּי־עֹשֶׂ֥ה אֲנִ֛י עִמָּ֖ם רָעָֽה׃
BernfeldDa sprach Simson zu ihnen: Diesmal bin ich schuldfrei an den Philistern, wenn ich ihnen ein Leid tun werde.
ZunzUnd Schimschon sprach zu ihnen: Diesmal bin ich schuldfrei an den Pelischtim, wenn ich ihnen ein Leides thun werde.
R. BreuerDa sprach Simson zu ihnen: Diesmal bin ich frei von Schuld gegenüber den Philistern, wenn ich ihnen böses antue.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 3. Als Simson zu Askalon dreißig Philister schlug und ihnen die Gewänder abnahm, war er nicht frei von Schuld. Im Zorne über den Betrug, der an ihm verübt worden war, ließ er sich zu einer Tat hinreißen, die immerhin eine im Affekt geübte Gewalttat war. In der Tat trieb ihn das Bewußtsein seiner Schuld nach einiger Zeit wieder nach Timnah zurück, um die in Stich gelassene Gattin zu begütigen. Jetzt aber, als er hört, daß die ihm angetraute Gattin unter Zustimmung ihres Vaters und im Angesicht der Philister das Weib eines Andern geworden war, fühlt er sich berechtigt, den Philistern die ihm angetane Schmach gründlich zu vergelten.
4
וַיֵּ֣לֶךְ שִׁמְשׁ֔וֹן וַיִּלְכֹּ֖ד שְׁלֹשׁ־מֵא֣וֹת שׁוּעָלִ֑ים וַיִּקַּ֣ח לַפִּדִ֗ים וַיֶּ֤פֶן זָנָב֙ אֶל־זָנָ֔ב וַיָּ֨שֶׂם לַפִּ֥יד אֶחָ֛ד בֵּין־שְׁנֵ֥י הַזְּנָב֖וֹת בַּתָּֽוֶךְ׃
BernfeldSimson fing alsdann dreihundert Füchse, und nahm Fackeln und band Schwanz an Schwanz, dann tat er eine Fackel zwischen zwei Schwänze in die Mitte.
ZunzUnd Schimschon ging und sing dreihundert Schakale, und nahm Fackeln, und kehrte Schwanz an Schwanz, und that eine Fackel zwischen zwei Schwänze in die Mitte,
R. BreuerSimson ging hin und fing dreihundert Füchse, nahm Fackeln, band Schwanz an Schwanz, dann tat er eine Fackel zwischen zwei Schwänze in die Mitte.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 4. Dreihundert Füchse, deren Schwänze aneinandergebunden, zwischen je zwei Schwänzen eine Fackel: aus dieser komplizierten Veranstaltung spricht die ganze Wut, die Simson zu exemplarischer Bestrafung der Philister trieb. Auch das Wort in Sota 10a: אמר שמשון יבוא מי שחזר לאחוריו ויפרע מפלשתים שחזרו משבועתן „Simson sprach: Es komme der Fuchs, der auf der Flucht nicht geradeaus flieht, sondern durch Winkelzüge den Verfolger täuscht, und bestrafe die meineidigen Philister“ scheint uns in der Hauptsache auf Simsons Zornesstimmung bei seiner Strafaktion hindeuten zu wollen.
5
וַיַּבְעֶר־אֵשׁ֙ בַּלַּפִּידִ֔ים וַיְשַׁלַּ֖ח בְּקָמ֣וֹת פְּלִשְׁתִּ֑ים וַיַּבְעֵ֛ר מִגָּדִ֥ישׁ וְעַד־קָמָ֖ה וְעַד־כֶּ֥רֶם זָֽיִת׃
BernfeldEr zündete die Fackeln an und ließ die Füchse los in die Saaten der Philister; und er verbrannte Garbenhaufen, samt Saaten und Ölbaumpflanzung.
ZunzUnd zündete die Fackeln an, und ließ sie los in die Saaten der Pelischtim; und er verbrannte Garbenhaufen, sammt Saaten und Oelbaumpflanzung.
R. BreuerDann entzündete er Feuer an den Fackeln und sandte sie in das Getreide der Philister und zündete sowohl die Garben als auch das Getreide auf dem Halme und Ölbaumpflanzungen an.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 5. Simson hatte es zunächst auf das noch auf dem Halme stehende Getreide abgesehen: וישלח בקמות וכו'. Einmal losgelassen, beschränkten sich aber die Füchse nicht auf die קמות, sondern alles brannten sie nieder, was ihnen auf ihren Kreuz- und Querfahrten in den Weg kam, neben קמה auch גדיש und כרם זית.
כרם זית. Heißt nicht Weinberg und Oliven, sondern Ölbaumpflanzung. Vgl. Berachoth 35 und B. Mezia 87: כרם זית איקרי כרם סתמא לא איקרי.
6
וַיֹּאמְר֣וּ פְלִשְׁתִּים֮ מִ֣י עָ֣שָׂה זֹאת֒ וַיֹּאמְר֗וּ שִׁמְשׁוֹן֙ חֲתַ֣ן הַתִּמְנִ֔י כִּ֚י לָקַ֣ח אֶת־אִשְׁתּ֔וֹ וַֽיִּתְּנָ֖הּ לְמֵרֵעֵ֑הוּ וַיַּעֲל֣וּ פְלִשְׁתִּ֔ים וַיִּשְׂרְפ֥וּ אוֹתָ֛הּ וְאֶת־אָבִ֖יהָ בָּאֵֽשׁ׃
BernfeldDie Philister fragten: Wer hat dies getan? Und sie erfuhren: Simson, der Schwiegersohn des Timniten, weil er ihm sein Weib genommen und es seinem Genossen gegeben. Die Philister gingen hin und verbrannten sie und ihren Vater im Feuer.
ZunzUnd die Pelischtim sprachen: Wer hat dies gethan? Und sie sprachen: Schimschon der Eidam des Timni, weil er ihm sein Weib genommen und es seinem Genossen gegeben. Und die Pelischtim gingen hinauf und verbrannten sie und ihren Vater im Feuer.
R. BreuerDie Philister fragten: Wer hat dies getan? Und sie antworteten: Simson, der Schwiegersohn des Timniters, weil er ihm sein Weib genommen und es seinem Genossen gegeben. Da zogen die Philister heran und verbrannten sie und ihren Vater im Feuer.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 6. Die Philister hätten ihre Wut sicherlich lieber an Simson ausgelassen, der ihre Felder verwüstet hatte. Sie hatten aber schon damals, als Simson zu Askalon dreißig Mann schlug, nicht gewagt, gegen den Unheimlichen tätlich vorzugehen. Sie rächten sich daher an den mittelbaren Urhebern der Verwüstung und verbrannten Simsons Gattin und ihren Vater im Feuer.
7
וַיֹּ֤אמֶר לָהֶם֙ שִׁמְשׁ֔וֹן אִֽם־תַּעֲשׂ֖וּן כָּזֹ֑את כִּ֛י אִם־נִקַּ֥מְתִּי בָכֶ֖ם וְאַחַ֥ר אֶחְדָּֽל׃
BernfeldDarauf sprach Simson zu ihnen: Habet ihr dies getan [die von ihm noch immer geliebte Frau zu verbrennen], so muss ich mich an euch rächen, und wenn ich’s mit dem Leben büßen sollte.
ZunzUnd Schimschon sprach zu ihnen: Wenn ihr also thuet, es sei denn, daß ich mich an euch gerächt, dann erst will ich aufhören.
R. BreuerSimson aber sprach zu ihnen: Wenn ihr dergleichen tut, so will ich fürwahr an euch Rache nehmen und dann erst ruhen!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 7. Die Philister verbrannten Simsons Gattin und ihren Vater im Feuer, nachdem durch ihre Schuld die Felder verwüstet worden waren. Als Simsons Gattin die Frau eines anderen Mannes wurde, ließen es die Philister ruhig geschehen. An dieser Verschiedenheit ihres Verhaltens in den zwei Fällen erkannte Simson das Niveau ihrer Moral: materielle Einbuße brachte sie leichter in Harnisch als ein Verstoß gegen Familienwürde und Sittenreinheit. Jetzt erst kam es Simson zu klarem Bewußtsein, daß die einst so geliebte Gattin nur zum Opfer des Geistes ihrer Umgebung geworden war, und er sprach zu den Philistern: אם תעשון כזאת, wenn ihr dergleichen tut, d. h. wenn es bei euch üblich zu sein scheint, es ruhig anzusehen, wie die Frau des Einen mit einem Andern die Ehe bricht (vgl. Raschi z. St.: ושמא רגילין אתם בכך לתת אשתו של זה לזה) und erst der Anblick verwüsteter Felder euch in Wut versetzt, dann seid ihr noch nicht genügend bestraft, dann ist der Feuertod, zu welchem ihr meine Gattin und ihren Vater verurteilt habt, nicht die Sühne eines Verbrechens, sondern selber ein Verbrechen, das der Sühne bedarf. Nicht will ich ruhen, bevor euch für euer fortgesetztes schuldhaftes Verhalten die wohlverdiente Strafe ereilt hat.
כי אם. Vgl. Jirm. 51, 14 und sonst.
8
וַיַּ֨ךְ אוֹתָ֥ם שׁ֛וֹק עַל־יָרֵ֖ךְ מַכָּ֣ה גְדוֹלָ֑ה וַיֵּ֣רֶד וַיֵּ֔שֶׁב בִּסְעִ֖יף סֶ֥לַע עֵיטָֽם׃ {פ}
BernfeldEr schlug sie nachdrücklich Schenkel samt Hüfte, dann ging er hinab und verweilte in der Spalte des Felsens Etam.
ZunzUnd er schlug sie, Schenkel sammt Hüfte, einen großen Schlag. Und er ging hinab und verweilte in der Spalte des Felsens Etam.
R. BreuerEr schlug sie, Schenkel samt Hüfte, mit einem großen Schlage, dann ging er hinab und ließ sich in der Felsenkluft von Etam nieder.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 8. שוק על ירך. Nach ihrem einfachen Wortsinn bedeutet diese seltsame Phrase, daß Simson den Philistern auf Schenkel und Hüfte d. h. in recht ausgiebiger und schmerzhafter Weise einen Schlag versetzte. ת"י (vgl. auch Raschi) übersetzt: פרשין עם רגלאין Reiter und Fußgänger, entsprechend den Körperteilen, die beim Reiten (ירך) und Gehen (שוק) in Aktion treten (vgl. מצודת דוד z. St.). Nach dieser Auffassung scheint es die Heeresmacht der Philister gewesen zu sein, der Simson seinen Schlag versetzte. Simson wußte, daß die Philister die Schmach, von einem Einzelnen überwältigt und gezüchtigt worden zu sein, nicht auf sich sitzen lassen würden, daher ließ er sich einstweilen in der Felsenkluft von Etam nieder und harrte der Dinge, die da kommen sollten.
9
וַיַּעֲל֣וּ פְלִשְׁתִּ֔ים וַֽיַּחֲנ֖וּ בִּֽיהוּדָ֑ה וַיִּנָּטְשׁ֖וּ בַּלֶּֽחִי׃
BernfeldDie Philister zogen hinauf und lagerten in Jehuda und breiteten sich aus in Lehi.
ZunzUnd die Pelischtim gingen hinauf und lagerten in Jehudah und breiteten sich aus in Lechi.
R. BreuerDie Philister zogen hinauf und lagerten in Juda und breiteten sich aus in Lechi.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 9. Die Philister trauten sich allein die Kraft nicht zu, mit Simson fertig zu werden, daher suchten sie Bundesgenossen in Juda. Da sie aber von vornherein wußten, daß die Männer von Juda nicht geneigt sein werden, auf ein friedliches Ersuchen um Hilfe einzugehen, wandten sie sofort Gewalt an, indem sie Juda bis nach Lechi hin besetzten, und suchten so durch Erpressung zu erzwingen, was ihnen gutwillig niemals gewährt worden wäre.
10
וַיֹּֽאמְרוּ֙ אִ֣ישׁ יְהוּדָ֔ה לָמָ֖ה עֲלִיתֶ֣ם עָלֵ֑ינוּ וַיֹּאמְר֗וּ לֶאֱס֤וֹר אֶת־שִׁמְשׁוֹן֙ עָלִ֔ינוּ לַעֲשׂ֣וֹת ל֔וֹ כַּאֲשֶׁ֖ר עָ֥שָׂה לָֽנוּ׃
BernfeldDie Männer von Jehuda fragten sie: Warum seid ihr gekommen über uns? Sie antworteten: Den Simson zu binden sind wir gekommen, ihm zu tun, wie er uns getan.
ZunzUnd die Männer von Jehudah sprachen: Warum seid ihr heraufgekommen über uns? Und sie sprachen: Den Schimschon zu binden sind wir heraufgekommen, ihm zu thun, wie er uns gethan.
R. BreuerAls die Männer von Juda fragten: Warum seid ihr gegen uns heraufgezogen, erwiderten sie: Um Simson zu binden sind wir heraufgezogen, um ihm zu tun, wie er uns getan.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 10—11. Die Philister fordern die Männer von Juda direkt auf, ihnen Simson auszuliefern. Sie wissen, daß der Druck ihrer Besatzung genügen würde, das Vorgehen der Judäer gegen Simson zu erzwingen. In der Tat zögern die Judäer nicht, sich alsbald nach der Felsenkluft von Etam zu begeben — dreitausend Mann gegen den einen Simson — um ihm die üble Situation vorzuhalten, in die er sie durch sein eigenmächtiges Auftreten gegen die Philister, die ja doch nun einmal ihre Herren seien, gebracht habe. Simson erwidert ihnen, daß er nicht der Angreifer, sondern der Angegriffene sei, daß er in Notwehr gehandelt habe.
11
וַיֵּרְד֡וּ שְׁלֹ֩שֶׁת֩ אֲלָפִ֨ים אִ֜ישׁ מִֽיהוּדָ֗ה אֶל־סְעִיף֮ סֶ֣לַע עֵיטָם֒ וַיֹּאמְר֣וּ לְשִׁמְשׁ֗וֹן הֲלֹ֤א יָדַ֙עְתָּ֙ כִּֽי־מֹשְׁלִ֥ים בָּ֙נוּ֙ פְּלִשְׁתִּ֔ים וּמַה־זֹּ֖את עָשִׂ֣יתָ לָּ֑נוּ וַיֹּ֣אמֶר לָהֶ֔ם כַּֽאֲשֶׁר֙ עָ֣שׂוּ לִ֔י כֵּ֖ן עָשִׂ֥יתִי לָהֶֽם׃
BernfeldDa gingen dreitausend Mann von Jehuda nach der Spalte des Felsens Etam hinab und sprachen zu Simson: Weißt du nicht, dass die Philister über uns herrschen? Und was hast du uns da getan? Er erwiderte ihnen: Wie sie mir getan, so habe ich ihnen getan.
ZunzDa gingen hinab dreitausend Mann von Jehudah nach der Spalte des Felsens Etam und sprachen zu Schimschon: Weißt du nicht, daß die Pelischtim über uns herrschen? Und was hast du uns da gethan? Und er sprach zu ihnen: Wie sie mir gethan, also hab' ich ihnen gethan.
R. BreuerDa gingen dreitausend Mann von Juda nach der Felsenkluft von Etam hinab und sprachen zu Simson: Weißt du nicht, daß die Philister über uns herrschen? Was hast du uns da getan? Er antwortete ihnen: Wie sie mir getan, so habe ich ihnen getan.
12
וַיֹּ֤אמְרוּ לוֹ֙ לֶאֱסׇרְךָ֣ יָרַ֔דְנוּ לְתִתְּךָ֖ בְּיַד־פְּלִשְׁתִּ֑ים וַיֹּ֤אמֶר לָהֶם֙ שִׁמְשׁ֔וֹן הִשָּׁבְע֣וּ לִ֔י פֶּֽן־תִּפְגְּע֥וּן בִּ֖י אַתֶּֽם׃
BernfeldSie sprachen zu ihm: Dich zu binden sind wir gekommen, dich den Philistern auszuliefern. Simson sagte ihnen: Schwöret mir, dass ihr nicht Hand an mich legt.
ZunzUnd sie sprachen zu ihm: Dich zu binden sind wir herabgekommen, dich zu geben in die Hand der Pelischtim. Und Schimschon sprach zu ihnen: Schwöret mir, daß ihr nicht Hand an mich legt.
R. BreuerSie sprachen zu ihm: Dich zu binden sind wir gekommen, dich den Philistern auszuliefern. Da sprach Simson zu ihnen: Schwöret mir, daß ihr selbst nicht Hand an mich legt.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 12. Hätten die Judäer versucht, Simson zu töten, dann wäre er wohl mit ihnen ebenso leicht fertig geworden, wie mit den Philistern. Es widerstrebte ihm aber, gegen seine eigenen Volksgenossen zu kämpfen, darum läßt er sie schwören, sein Leben nicht anzutasten. Das אתם am Schluß des Verses steht in stark betontem Gegensatz zu פלשתים.
13
וַיֹּ֧אמְרוּ ל֣וֹ לֵאמֹ֗ר לֹ֚א כִּֽי־אָסֹ֤ר נֶאֱסׇרְךָ֙ וּנְתַנּ֣וּךָ בְיָדָ֔ם וְהָמֵ֖ת לֹ֣א נְמִיתֶ֑ךָ וַיַּאַסְרֻ֗הוּ בִּשְׁנַ֙יִם֙ עֲבֹתִ֣ים חֲדָשִׁ֔ים וַֽיַּעֲל֖וּהוּ מִן־הַסָּֽלַע׃
BernfeldSie sprachen zu ihm: Nein, sondern binden wollen wir dich und dich geben in ihre Hand, aber töten werden wir dich nicht. Und sie banden ihn mit zwei neuen Stricken und brachten ihn herauf von dem Felsen.
ZunzUnd sie sprachen zu ihm also: Nein, sondern binden wollen wir dich und dich geben in ihre Hand, aber tödten werden wir dich nicht. Und sie banden ihn mit zwei neuen Stricken und brachten ihn herauf von dem Felsen.
R. BreuerSie sprachen zu ihm: Nein, nur binden wollen wir dich und dich in ihre Hand geben, aber töten werden wir dich nicht. Und sie banden ihn mit zwei neuen Stricken und brachten ihn herauf aus dem Felsen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 13—14. Die Judäer beruhigen ihn: Nicht töten wollen wir dich, sondern blos gefesselt den Philistern ausliefern. Und sie binden ihn mit zwei neuen Stricken und lassen ihn so gefesselt aus der Felskluft treten. Er kommt nach Lechi und als die Philister den Gefesselten erblicken, brechen sie in Jubelgeschrei aus. Da geschieht ein Gotteswunder. Ohne daß Simson die Hand gerührt hätte, fallen die Stricke wie Flachsfäden, die vom Feuer angesengt werden, von seinen Armen und Händen ab.
ותהיינה העבתים וגו' אסוריו מעל ידיו. Mehr noch als an den Armen empfindet der Gefesselte die Fesseln an den Händen als Qual. Erst in der Hand wird der Wille, der sich in eine Armbewegung umsetzt, zur „Handlung“. Daher werden die Stricke an den Armen erst an den Händen zu Fesseln.
14
הוּא־בָ֣א עַד־לֶ֔חִי וּפְלִשְׁתִּ֖ים הֵרִ֣יעוּ לִקְרָאת֑וֹ וַתִּצְלַ֨ח עָלָ֜יו ר֣וּחַ יְהֹוָ֗ה וַתִּהְיֶ֨ינָה הָעֲבֹתִ֜ים אֲשֶׁ֣ר עַל־זְרוֹעוֹתָ֗יו כַּפִּשְׁתִּים֙ אֲשֶׁ֣ר בָּעֲר֣וּ בָאֵ֔שׁ וַיִּמַּ֥סּוּ אֱסוּרָ֖יו מֵעַ֥ל יָדָֽיו׃
BernfeldAls er nach Lehi gekommen war, jauchzten die Philister ihm entgegen, aber es kam über ihn der Geist des Herrn, und die Stricke, die um seine Arme waren, wurden wie Flachsfäden, die im Feuer anbrannten, und die Bande seiner Hände zerfielen.
ZunzEr war kaum nach Lechi gekommen, da jauchzten die Pelischtim ihm entgegen; aber herein brach über ihn der Geist des Ewigen, und es wurden die Stricke, die um seine Arme, wie Flachsfäden, die anbrennen im Feuer, und seine Bande schmolzen herab von seinen Händen.
R. BreuerAls er nach Lechi gekommen war, jauchzten die Philister ihm entgegen. Da kam der Geist Gottes über ihn und die Stricke, die um seine Arme waren, wurden wie Flachsfäden, die im Feuer anbrannten, und die Bande an seinen Händen zerfielen.
15
וַיִּמְצָ֥א לְחִי־חֲמ֖וֹר טְרִיָּ֑ה וַיִּשְׁלַ֤ח יָדוֹ֙ וַיִּקָּחֶ֔הָ וַיַּךְ־בָּ֖הּ אֶ֥לֶף אִֽישׁ׃
BernfeldUnd er fand eines Esels frischen Kinnbacken, er streckte seine Hand aus und nahm ihn und schlug damit tausend Mann.
ZunzUnd er fand eines Esels frischen Kinnbacken und streckte seine Hand aus, und nahm ihn, und schlug damit tausend Mann.
R. BreuerAls er dann einen frischen Eselskinnbacken fand, streckte er seine Hand aus und nahm ihn und schlug damit tausend Mann.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 15. Der Gottesgeist, der über Simson gekommen war, hatte ein unendliches Kraftgefühl in ihm geweckt, das nach Betätigung drängte. Da sieht er einen frischen Eselskinnbacken am Boden liegen. Er streckt die Hand, die kaum entfesselte, nach ihm aus, ergreift ihn und schlägt damit tausend Mann. In der Hand eines vom göttlichen Heldengeist erfüllten Mannes — Raschi zu V. 14: רוח גבורה מן קדם ה' — wird selbst das Körperstück eines friedlichen Lasttieres zu einer Kriegswaffe, vor der es kein Entrinnen giebt.
16
וַיֹּ֣אמֶר שִׁמְשׁ֔וֹן בִּלְחִ֣י הַחֲמ֔וֹר חֲמ֖וֹר חֲמֹרָתָ֑יִם בִּלְחִ֣י הַחֲמ֔וֹר הִכֵּ֖יתִי אֶ֥לֶף אִֽישׁ׃
BernfeldSimson sprach darauf: Mit des Esels Kinnbacken einen Haufen, ein Paar Haufen, mit des Esels Kinnbacken hab‘ ich tausend Mann geschlagen.
ZunzUnd Schimschon sprach: Mit des Esels Kinnbacken einen Haufen, ein Paar Haufen, mit des Esels Kinnbacken hab' ich tausend Mann geschlagen.
R. BreuerDa rief Simson: Mit des Esels Kinnbacken Haufen über Haufen! Mit des Esels Kinnbacken habe ich tausend Mann geschlagen!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 16. Als Simson die dreißig Mann zu Askalon schlug, tat er es in schweigendem Grimm. Jetzt, wo er den Philistern im vollen Kraftgefühl seiner göttlichen Sendung einen vernichtenden Schlag versetzt hat, entringt sich ihm der Jubelruf: Mit eines Esels Kinnbacken habe ich unter ihnen einen Haufen nach dem andern hingestreckt. Simsons frohe Siegesstimmung spricht aus der seltsamen Form des חמור חמרתים. Scherzhaft anklingend an das vorausgehende החמור hat sich hier die Form חמרים חמרים (Ex. 8, 10) in חמור חמרתים verwandelt.
17
וַֽיְהִי֙ כְּכַלֹּת֣וֹ לְדַבֵּ֔ר וַיַּשְׁלֵ֥ךְ הַלְּחִ֖י מִיָּד֑וֹ וַיִּקְרָ֛א לַמָּק֥וֹם הַה֖וּא רָ֥מַת לֶֽחִי׃
BernfeldNachdem er ausgeredet hatte, warf er den Kinnbacken aus seiner Hand und nannte selbigen Ort Ramat Lehi [Wurf des Kinnbackens].
ZunzUnd es geschah, als er ausgeredet hatte, da warf er den Kinnbacken aus seiner Hand und nannte selbigen Ort Ramat Lechi (Wurf des Kinnbackens).
R. BreuerNachdem er ausgeredet hatte, warf er den Kinnbacken aus seiner Hand und nannte diesen Ort Ramath Lechi.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 17. Der Ort Lechi (V. 14) hieß von nun ab Ramath Lechi zum Andenken an Simsons Heldentat, die es ihm ermöglichte, die Waffe aus der Hand zu legen, רמת לחי (רמת von רמה werfen), den Kinnbacken wieder fortzuschleudern.
18
וַיִּצְמָא֮ מְאֹד֒ וַיִּקְרָ֤א אֶל־יְהֹוָה֙ וַיֹּאמַ֔ר אַתָּה֙ נָתַ֣תָּ בְיַֽד־עַבְדְּךָ֔ אֶת־הַתְּשׁוּעָ֥ה הַגְּדֹלָ֖ה הַזֹּ֑את וְעַתָּה֙ אָמ֣וּת בַּצָּמָ֔א וְנָפַלְתִּ֖י בְּיַ֥ד הָעֲרֵלִֽים׃
BernfeldDa war er sehr durstig, er rief zum Herrn und sprach: Du hast durch die Hand deines Knechtes diesen großen Sieg gegeben, und nun soll ich sterben vor Durst und in die Hand der Unbeschnittenenen fallen?
ZunzDa war er sehr durstig, und rief zum Ewigen und sprach: Du hast durch die Hand deines Knechtes diesen großen Sieg gegeben, und nun soll ich sterben vor Durst, und in die Hand der Unbeschnittenen fallen!
R. BreuerDa war er sehr durstig, er rief zu Gott und sprach: Du hast durch die Hand deines Knechtes diesen großen Sieg gegeben, und nun soll ich sterben vor Durst und in die Hand der Unbeschnittenen fallen!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 18. Simson betet. Dieser gotterfüllte kriegs- und siegesstarke Held, der mit eines Esels Kinnbacken tausend Philister schlägt, ist im Grunde ein armer, schwacher Mensch, den, wie jeden Sterblichen, Wassermangel mit Verdurstungsgefahr bedroht.
ונפלתי וגו'. Entweder fürchtet Simson, vom Durst getrieben in das Lager der Philister sich begeben und dort um Wasser bitten zu müssen, wobei ihn die Gefahr der Überwältigung durch seine Feinde bedrohen würde, oder aber — was uns wahrscheinlicher bedünkt — zittert er bei dem Gedanken, vor Durst umzukommen und sich als Sterbender der Rachsucht der Unbeschnittenen ausgeliefert zu sehen.
19
וַיִּבְקַ֨ע אֱלֹהִ֜ים אֶת־הַמַּכְתֵּ֣שׁ אֲשֶׁר־בַּלֶּ֗חִי וַיֵּצְא֨וּ מִמֶּ֤נּוּ מַ֙יִם֙ וַיֵּ֔שְׁתְּ וַתָּ֥שׇׁב רוּח֖וֹ וַיֶּ֑חִי עַל־כֵּ֣ן ׀ קָרָ֣א שְׁמָ֗הּ עֵ֤ין הַקּוֹרֵא֙ אֲשֶׁ֣ר בַּלֶּ֔חִי עַ֖ד הַיּ֥וֹם הַזֶּֽה׃
BernfeldGott spaltete den Felsenkessel zu Lehi, dass aus ihm Wasser hervorbrach und er trank, und sein Mut kehrte zurück, und er lebte auf. Darum nannte man seinen Namen En-Hatore [Quell des Rufenden], der zu Lehi ist bis auf diesen Tag.
ZunzUnd Gott spaltete den Felsenkessel, der zu Lechi, und hervorbrachen aus ihm Wasser und er trank, und sein Muth kehrte zurück, und er lebte auf. Darum nannte man seinen Namen En Hakore (Quell des Rufenden) der zu Lechi bis auf diesen Tag.
R. BreuerDa spaltete Gott die Vertiefung in dem Kinnbacken, daß Wasser aus ihr hervorbrach. Er trank, sein Lebensgeist kehrte wieder zurück, und er lebte wieder auf. Deshalb nannte man ihren Namen: Quelle des Rufenden in Lechi, bis auf diesen Tag.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 19. מכתש (von כתש stoßen) heißt gewöhnlich Mörser. Vgl. Spr. 27, 22. Hier bedeutet dieses Wort die Vertiefung im Kinnbacken, in welcher die Zähne sitzen. Gott verwandelte diese Vertiefung in eine Wasserquelle, um Simson vor dem Verdursten zu bewahren. So hat auch ר' יצחק דבי רבי אמי (Sota 9b) diesen Vers aufgefaßt: הוא איוה לדבר טמא לפיכך נתלו חיו בדבר טמא. Zur Strafe dafür, daß Simson einer Philisterin sich vermählte, sollte er sein Leben dem Kinnbacken eines unreinen Tieres zu verdanken haben. (Vgl. Raschi das.: מכתש מקום קביעות השן) Malbims Erklärung entspricht nicht dieser Talmudstelle.
עין הקורא אשר בלחי. Diese Wasserquelle in Lechi, der Simson sein Leben zu verdanken hatte, wurde „Quelle des Rufenden“ genannt. Damit sollte der Zukunft überliefert werden, daß an dieser durch Gottes Wundermacht aus einem Eselskinnbacken hervorgebrochenen Wunderquelle Simson der Starke einmal zu Gott, dem Starken aller Starken, dem Verdursten nahe, einen Hilferuf entsandte.
20
וַיִּשְׁפֹּ֧ט אֶת־יִשְׂרָאֵ֛ל בִּימֵ֥י פְלִשְׁתִּ֖ים עֶשְׂרִ֥ים שָׁנָֽה׃ {פ}
Bernfeld[Simson] richtete Israel in der Zeit der Philisterherrschaft zwanzig Jahre.
ZunzUnd er richtete Jisraël in den Zeiten der Pelischtim zwanzig Jahre.
R. BreuerEr richtete Israel in der Zeit der Philister zwanzig Jahre.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 20. Vgl. das zu 16, 31 zu Bemerkende.