Haftarah Chukat Aschkenasim, Sefardim, Jemeniten, Italiener, Romanioten, Karäer und Posen (erloschen) beginnen hier.Romanioten: abweichend: Schoftim 11,1–21
1
וְיִפְתָּ֣ח הַגִּלְעָדִ֗י הָיָה֙ גִּבּ֣וֹר חַ֔יִל וְה֖וּא בֶּן־אִשָּׁ֣ה זוֹנָ֑ה וַיּ֥וֹלֶד גִּלְעָ֖ד אֶת־יִפְתָּֽח׃
BernfeldJeftah aus Gilead war ein tapferer Krieger; er war der Sohn eines Buhlweibes, Gilead hatte gezeugt den Jeftah.
ZunzUnd Jiftach der Gileadi war ein tapferer Held; er war aber der Sohn eines Buhlweibes, und Gilead hatte gezeugt den Jiftach.
R. BreuerDer Gileadite Jiftach war ein tapferer Held, er war der Sohn einer Buhlerin; Gilead aber zeugte den Jiftach.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
Kap. 11. V. 1—2. Im Komm. Haftoroth S. 268 wird אשה זונה nach dem Targum als פונדקאית Gastwirtin übersetzt, in einer Anmerkung aber doch als möglich eingeräumt, „daß das Wort hier in dem gewöhnlichen Sinne zu verstehen ist, in dem es Untreue und Sittenlosigkeit bedeutet“. Uns will bedünken, als ob die Vertreibung Jiftachs aus seinem Vaterhause auf die Geringschätzung zurückzuführen ist, mit der die Brüder auf den Sohn einer Frau herabschauten, die „eine andere“, d. h. eine Buhlerin war. Auch die ausdrückliche Betonung, daß Gilead den Jiftach zeugte, kann in diesem Zusammenhang nur bedeuten, daß Gilead sich als Vater Jiftachs bekannte, eine Feststellung, die keinen Sinn hätte, wenn Jiftach der Sohn einer ehrsamen Gastwirtin gewesen wäre. „Die heilige Schrift berichtet uns stets die nackte Wahrheit, verschweigt nichts und beschönigt nichts, weder von der Nation, noch von Einzelpersönlichkeiten, am wenigsten einen Makel in der Abstammung dieses Mannes, wenn es auch ein charakteristisches Licht auf die ganze Zeitgenossenschaft werfen mag, daß gerade diese von den Ihrigen verstoßene Persönlichkeit Gott das Werkzeug der Rettung seines Volkes werden ließ.“ (Komm. das.) Jiftach war der von Gott zur Rettung seines Volkes auserwählte Held — והוא בן אשה זונה, obwohl er der Sohn einer Buhlerin war.
וירשו. „Dieser Ausschluß Jiphtachs von dem Erbrecht war ein Akt rechtswidriger Gewalt. Denn nach jüdischem Erbrecht erbt jeder Sohn, mit Ausnahme des von einer שפחה כנענית geborenen; dieser Fall lag aber nach der Bezeichnung im ersten Verse nicht vor. Die Gleichnamigkeit des Vaters mit der Stadt weist darauf hin, daß es die angesehenste herrschende Familie war. „Die an Jephtach begangene Gewalttat war also unter der Connivenz der städtischen Autoritäten, wenn nicht von ihnen selbst verübt worden. Darauf weist auch der Vers 7 ausgesprochene Vorwurf direkt hin“. (Komm. das. S. 269.)
2
וַתֵּ֧לֶד אֵֽשֶׁת־גִּלְעָ֛ד ל֖וֹ בָּנִ֑ים וַיִּגְדְּל֨וּ בְֽנֵי־הָאִשָּׁ֜ה וַיְגָרְשׁ֣וּ אֶת־יִפְתָּ֗ח וַיֹּ֤אמְרוּ לוֹ֙ לֹא־תִנְחַ֣ל בְּבֵית־אָבִ֔ינוּ כִּ֛י בֶּן־אִשָּׁ֥ה אַחֶ֖רֶת אָֽתָּה׃
BernfeldDas Weib Gileads gebar diesem auch Söhne, und als die Söhne des Weibes groß geworden, da vertrieben sie den Jeftah und sprachen zu ihm: Du sollst nicht erben im Hause unseres Vaters, denn der Sohn eines fremden Weibes bist du.
ZunzUnd das Weib Gileads gebar ihm auch Söhne, und als die Söhne des Weibes groß geworden, da vertrieben sie den Jiftach und sprachen zu ihm: Du sollst nicht erben im Hause unseres Vaters, denn der Sohn eines andern Weibes bist du.
R. BreuerDie Frau Gileads gebar ihm Söhne. Als nun die Söhne der Frau herangewachsen waren, vertrieben sie den Jiftach und sprachen zu ihm: Du sollst nicht erben im Hause unseres Vaters, denn du bist der Sohn einer anderen Frau.
3
וַיִּבְרַ֤ח יִפְתָּח֙ מִפְּנֵ֣י אֶחָ֔יו וַיֵּ֖שֶׁב בְּאֶ֣רֶץ ט֑וֹב וַיִּֽתְלַקְּט֤וּ אֶל־יִפְתָּח֙ אֲנָשִׁ֣ים רֵיקִ֔ים וַיֵּצְא֖וּ עִמּֽוֹ׃ {פ}
BernfeldJeftah entfloh vor seinen Brüdern und wohnte im Lande Tob. Es sammelten sich um Jeftah müßige Leute und zogen mit ihm aus.
ZunzUnd Jiftach entfloh vor seinen Brüdern, und wohnte im Lande Tob. Und es sammelten sich zu Jiftach leere Leute, und zogen aus mit ihm.
R. BreuerJifthach floh vor seinen Brüdern und ließ sich im Lande Tob nieder. Es sammelten sich um Jifthach nichtsnutzige Leute und zogen mit ihm aus.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 3. Jiftach läßt sich in Tob nieder, einer Landschaft, die offenbar in der Nähe von Gilead lag (vgl. Sam. II 10, 6). Dort wird er zum Mittelpunkt eines Kreises von „nichtsnutzigen Leuten“, die sich seinem Befehl unterordnen. Die Eignung zum גבור חיל steckte in ihm, noch bevor er Gelegenheit hatte, sie im Dienste seines Volkes zu verwerten. Seine Kraft lag brach, ja, sie hätte sich vielleicht in allerhand „nichtsnutzigen“ Unternehmungen verausgabt, wenn nicht rechtzeitig der Ruf der Ältesten Gileads an ihn ergangen wäre.
4
וַיְהִ֖י מִיָּמִ֑ים וַיִּלָּחֲמ֥וּ בְנֵֽי־עַמּ֖וֹן עִם־יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldNach einiger Zeit führten die Ammoniter mit Israel Krieg.
ZunzUnd es geschah nach einiger Zeit, da führten die Söhne Ammon mit Jisraël Krieg.
R. BreuerEs war in der Zeit, da die Ammoniter mit Israel Krieg führten.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 4—6. Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, entschlossen sich die Ältesten Gileads, Jiftach aus dem Lande Tob zu holen. Schuldbewußt waren sie auf die Antwort gefaßt, die ihnen Jiftach wohl (V. 7) erteilen würde. Deshalb zögerten sie anfangs mit der Ausführung ihres Entschlusses. Auf dieses Zögern deutet V. 4 in Verbindung mit dem Vordersatz des 5. Verses hin. Zweimal wird gesagt, daß die Ammoniter mit Israel Krieg führten. Nur unter dem Zwange der höchsten Kriegsnot rafften sich die Ältesten Gileads zu ihrem schweren Gange auf. Und mit welch diplomatischer Vorsicht suchen sie den Beleidigten zu gewinnen. Als קצין möge er mit ihnen in den Kampf ziehen. Sie verschweigen wohlweislich, daß sie ihn nur um seiner militärischen Tüchtigkeit willen gewinnen möchten und wollen ihm gerade im scheuen Hinblick auf seine illegitime Herkunft, welche die Ursache seiner Verbannung war, weismachen, daß sie ihn nicht blos לראש לכל ישבי גלעד (s. 10, 18 und weiter V. 8) machen, sondern als קצין in den Kreis ihrer Notabeln aufnehmen möchten.
5
וַיְהִ֕י כַּאֲשֶׁר־נִלְחֲמ֥וּ בְנֵֽי־עַמּ֖וֹן עִם־יִשְׂרָאֵ֑ל וַיֵּֽלְכוּ֙ זִקְנֵ֣י גִלְעָ֔ד לָקַ֥חַת אֶת־יִפְתָּ֖ח מֵאֶ֥רֶץ טֽוֹב׃
BernfeldAls die Ammoniter mit Israel Krieg führten, da gingen die Ältesten Gileads, den Jeftah aus dem Lande Tob zu holen.
ZunzUnd als die Söhne Ammon mit Jisraël Krieg führten, da gingen die Aeltesten Gileads, den Jiftach aus dem Lande Tob zu holen.
R. BreuerEs war nun, als die Ammoniter mit Israel Krieg führten, da gingen die Ältesten Gileads hin, Jifthach aus dem Lande Tob zu holen.
6
וַיֹּאמְר֣וּ לְיִפְתָּ֔ח לְכָ֕ה וְהָיִ֥יתָה לָּ֖נוּ לְקָצִ֑ין וְנִֽלָּחֲמָ֖ה בִּבְנֵ֥י עַמּֽוֹן׃
BernfeldUnd sprachen zu Jeftah: Komm und sei uns ein Anführer, dass wir gegen die Ammoniter kämpfen.
ZunzUnd sprachen zu Jiftach: Komm und sei uns ein Anführer, daß wir streiten mit den Söhnen Ammon.
R. BreuerUnd sie sprachen zu Jifthach: Komme doch, du sollst unser Führer sein, so wollen wir gegen die Ammoniter kämpfen.
7
וַיֹּ֤אמֶר יִפְתָּח֙ לְזִקְנֵ֣י גִלְעָ֔ד הֲלֹ֤א אַתֶּם֙ שְׂנֵאתֶ֣ם אוֹתִ֔י וַתְּגָרְשׁ֖וּנִי מִבֵּ֣ית אָבִ֑י וּמַדּ֜וּעַ בָּאתֶ֤ם אֵלַי֙ עַ֔תָּה כַּאֲשֶׁ֖ר צַ֥ר לָכֶֽם׃
BernfeldJeftah sprach zu den Ältesten Gileads: Ihr habt mich ja gehasst und vertrieben aus dem Hause meines Vaters! Warum kommt ihr zu mir jetzt, da ihr bedrängt seid?
ZunzUnd Jiftach sprach zu den Aeltesten Gileads: Habt ihr mich nicht gehaßt und mich vertrieben aus dem Hause meines Vaters? Und warum kommt ihr zu mir jetzt, da ihr bedrängt seid?
R. BreuerJifthach aber antwortete den Ältesten Gileads: Ihr seid es ja gerade, die mich haßten, ihr jagtet mich aus dem Hause meines Vaters! Warum kommt ihr nun jetzt zu mir, da ihr in Not seid?
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 7—8. Jiftach möchte den Ältesten Gileads die Demütigung nicht ersparen, die darin liegt, daß sie ihn, den Gehaßten und Verjagten, um Hilfe bitten müssen. Schroff fordert er sie heraus, ihm unumwunden zu sagen, was sie von ihm wollen. Als nun so die Ältesten Gileads merken, daß ihre in den Worten והיית לנו לקצין (V. 6) liegende Anbiederung nicht den gewünschten Erfolg hatte, müssen sie sich dazu bequemen, einzugestehen, daß sie in der Tat nur unter dem Zwange der Not sich dazu entschlossen haben, im Kriege gegen die Ammoniter um seine kundige Führung zu bitten. Jetzt führen sie nicht mehr das schmeichlerische קצין im Mund, sondern sagen einfach und nüchtern: והיית לנו לראש.
8
וַיֹּאמְרוּ֩ זִקְנֵ֨י גִלְעָ֜ד אֶל־יִפְתָּ֗ח לָכֵן֙ עַתָּה֙ שַׁ֣בְנוּ אֵלֶ֔יךָ וְהָלַכְתָּ֣ עִמָּ֔נוּ וְנִלְחַמְתָּ֖ בִּבְנֵ֣י עַמּ֑וֹן וְהָיִ֤יתָ לָּ֙נוּ֙ לְרֹ֔אשׁ לְכֹ֖ל יֹשְׁבֵ֥י גִלְעָֽד׃
BernfeldDa sprachen die Ältesten Gileads zu Jeftah: Darum sind wir jetzt zu dir zurückgekehrt, dass du mit uns gehst und streitest mit den Ammonitern und uns, allen Bewohnern Gileads, ein Oberhaupt seiest.
ZunzDa sprachen die Aeltesten Gileads zu Jiftach: Darum sind wir jetzt zu dir zurückgekehrt, daß du mit uns gehst und streitest mit den Söhnen Ammon, und uns ein Oberhaupt seiest, allen Bewohnern Gileads.
R. BreuerDa sprachen die Ältesten Gileads zu Jifthach: Eben darum kommen wir jetzt zu dir zurück, damit du mit uns gehest und gegen die Ammoniter kämpfest, du sollst unser und aller Einwohner Gileads Oberhaupt sein!
9
וַיֹּ֨אמֶר יִפְתָּ֜ח אֶל־זִקְנֵ֣י גִלְעָ֗ד אִם־מְשִׁיבִ֨ים אַתֶּ֤ם אוֹתִי֙ לְהִלָּחֵם֙ בִּבְנֵ֣י עַמּ֔וֹן וְנָתַ֧ן יְהֹוָ֛ה אוֹתָ֖ם לְפָנָ֑י אָנֹכִ֕י אֶהְיֶ֥ה לָכֶ֖ם לְרֹֽאשׁ׃
BernfeldJeftah sprach zu den Ältesten Gileads: Wenn ihr mich zurückholet, um mit den Ammonitern zu streiten, und der Herr sie mir preisgibt, so will ich euer Oberhaupt sein.
ZunzUnd Jiftach sprach zu den Aeltesten Gileads: Wenn ihr mich zurückholet, um mit den Söhnen Ammon zu streiten, und der Ewige sie vor mir hin giebt, so will ich euch ein Oberhaupt seyn.
R. BreuerDa sprach Jifthach zu den Ältesten Gileads: Also wenn ihr mich zur Rückkehr bestimmt, um gegen die Ammoniter zu kämpfen, und Gott sie in meine Macht giebt, so soll ich euer Oberhaupt sein!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 9—11. Entweder traut Jifthach den Ältesten wirklich nicht, oder er stellt sich so, als ob er ihnen nicht traute, um sie auch mit diesem Mißtrauen zu demütigen. Er präzisiert genau das Abkommen, das ihm die Ältesten angetragen haben. Offenbar kennt er den Beschluß in Mizpah (10, 18), wonach derjenige, der den Kampf mit den Ammonitern aufnimmt, (אשר יחל להלחם בבני עמון), das Oberhaupt aller Einwohner Gileads werden solle. Die Ältesten haben in ihrem Antrag (V. 8) dieses יחל nicht ausdrücklich betont, sondern eine Form gewählt: ונלחמת בבני עמון וגו', aus der ebenso gefolgert werden konnte, daß Jiftach erst nach glücklicher Beendigung des Kampfes zum Oberhaupt ernannt werden sollte. In diesem Sinne interpretiert Jifthach ihre Worte, um herauszuhören, wie sie's gemeint haben. Vielleicht vermutet er mit Recht, daß ihnen der einst Befehdete nur nach glücklich erfochtenem Siege als Führer willkommen wäre. Während nun die Ältesten sich darauf beschränken, Jifthachs Worte unter Anrufung des Gottesnamens zu bekräftigen, wird er vom Volke sofort als Führer begrüßt und zwar וישימו העם אותו עליהם לראש ולקצין, als ראש und zugleich als קצין. Das Volk war Jifthach niemals gram gewesen, hochherzig ward er darum vom Volke nicht nur gemäß dem Beschlusse in Mizpah לראש sofort zum Oberhaupt ernannt, sondern, was für Jifthach persönlich mehr bedeutet haben dürfte, auch לקצין in den Kreis seiner legitimen Edlen eingereiht. Der Wille des Volkes ist mächtiger als der Formalismus der Behörden.
וידבר יפתח וגו'. In Mizpah, „wo nach V. 17 des vorigen Kapitels Israel lagerte, wiederholte Jephtach mit gutem Grund alle דבריו „seine Worte“, d. h. alle mit ihm von den Notabeln und sodann vom Volke von Gilead getroffenen Abmachungen „vor Gott“, um ihnen dadurch die höhere Sanktion zu geben“. (Komm. das. S. 270). Ebenso Raschi: התנאי שביניהם. Dagegen דברי תפלותיו ותחנוניו: מצודת דוד
10
וַיֹּאמְר֥וּ זִקְנֵֽי־גִלְעָ֖ד אֶל־יִפְתָּ֑ח יְהֹוָ֗ה יִֽהְיֶ֤ה שֹׁמֵ֙עַ֙ בֵּינוֹתֵ֔ינוּ אִם־לֹ֥א כִדְבָרְךָ֖ כֵּ֥ן נַעֲשֶֽׂה׃
BernfeldDie Ältesten Gileads sprachen zu Jeftah: Der Herr sei Zuhörer zwischen uns, so wir nicht also tun, wie du gesprochen.
ZunzUnd die Aeltesten Gileads sprachen zu Jiftach: Der Ewige sei Zuhörer zwischen uns, so wir nicht also thun, wie du gesprochen.
R. BreuerDa sprachen die Ältesten Gileads zu Jifthach: Gott sei der Hörende zwischen uns, daß wir genau tun werden, wie du gesprochen!
11
וַיֵּ֤לֶךְ יִפְתָּח֙ עִם־זִקְנֵ֣י גִלְעָ֔ד וַיָּשִׂ֨ימוּ הָעָ֥ם אוֹת֛וֹ עֲלֵיהֶ֖ם לְרֹ֣אשׁ וּלְקָצִ֑ין וַיְדַבֵּ֨ר יִפְתָּ֧ח אֶת־כׇּל־דְּבָרָ֛יו לִפְנֵ֥י יְהֹוָ֖ה בַּמִּצְפָּֽה׃ {פ}
BernfeldJeftah ging mit den Ältesten Gileads und das Volk setzte ihn über sich zum Oberhaupt und zum Anführer; Jeftah wiederholte alle seine Worte vor dem Herrn [im Heiligtum] in Mizpa.
ZunzUnd Jiftach ging mit den Aeltesten Gileads und das Volk setzte ihn über sich zum Oberhaupt und zum Anführer, und Jiftach redete alle seine Worte vor dem Ewigen in Mizpah.
R. BreuerSo ging Jifthach mit den Ältesten Gileads, und das Volk setzte ihn zum Oberhaupt und Führer über sich. Jifthach aber wiederholte alle seine Worte vor Gott in Mizpah.
12
וַיִּשְׁלַ֤ח יִפְתָּח֙ מַלְאָכִ֔ים אֶל־מֶ֥לֶךְ בְּנֵֽי־עַמּ֖וֹן לֵאמֹ֑ר מַה־לִּ֣י וָלָ֔ךְ כִּֽי־בָ֥אתָ אֵלַ֖י לְהִלָּחֵ֥ם בְּאַרְצִֽי׃
BernfeldJeftah sandte dann Boten an den König der Ammoniter und ließ sagen: Was habe ich mit dir, dass du zu mir gekommen, mich in meinem Lande anzugreifen?
ZunzUnd Jiftach sandte Boten an den König der Söhne Ammon und ließ sagen: Was hab' ich mit dir, daß du zu mir gekommen gegen mein Land zu streiten?
R. BreuerNun sandte Jifthach Boten an den König der Ammoniter und ließ sagen: Was habe ich mit dir, daß du zu mir gekommen, mein Land zu bekriegen?
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 12. „VV. 12—27 bieten uns einen der ältesten und interessantesten diplomatischen Notenwechsel unter Bezugnahme auf Ereignisse, die in der Sidra berichtet werden“ (Komm. das. S. 270). Zunächst versucht Jifthach auf gütlichem Wege mit dem König der Ammoniter ins Reine zu kommen. Er läßt ihn fragen, was der Grund seiner feindseligen Haltung sei.
13
וַיֹּ֩אמֶר֩ מֶ֨לֶךְ בְּנֵֽי־עַמּ֜וֹן אֶל־מַלְאֲכֵ֣י יִפְתָּ֗ח כִּֽי־לָקַ֨ח יִשְׂרָאֵ֤ל אֶת־אַרְצִי֙ בַּעֲלוֹת֣וֹ מִמִּצְרַ֔יִם מֵאַרְנ֥וֹן וְעַד־הַיַּבֹּ֖ק וְעַד־הַיַּרְדֵּ֑ן וְעַתָּ֕ה הָשִׁ֥יבָה אֶתְהֶ֖ן בְּשָׁלֽוֹם׃
BernfeldDa sprach der König der Ammoniter zu den Boten Jeftahs: Weil Israel mein Land genommen, als es aus Ägypten zog, vom Arnon bis zum Jabbok und zum Jordan; und nun gib es zurück in Frieden.
ZunzDa sprach der König der Söhne Ammon zu den Boten Jiftach's: Weil Jisraël mein Land genommen, da es aus Mizrajim heraufzog vom Arnon bis zum Jabbok und zum Jarden; und nun gieb es zurück in Frieden.
R. BreuerDa sprach der König der Ammoniter zu den Boten Jifthachs: Weil Israel mein Land genommen, als es aus Ägypten zog, vom Arnon bis zum Jabbok und zum Jordan; und nun gieb es zurück in Frieden.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 13. In dem durch Israel Sichon abgenommenen Gebiete war „auch ein Teil eines früher zu Ammon gehörigen Gebietes einbegriffen, das Sichon ebenfalls erobert hatte, wie aus Josua 13, 25 u. 27 und Richter 11, 13 erhellt, aus welcher letzteren Stelle sich ergiebt, daß in dem vom Arnon bis zum Jabbok nunmehr Israel zugefallenen Gebiete frühere ammonitische Besitzteile mitbegriffen waren . . .“ (Kom. Num. 21, 30).
14
וַיּ֥וֹסֶף ע֖וֹד יִפְתָּ֑ח וַיִּשְׁלַח֙ מַלְאָכִ֔ים אֶל־מֶ֖לֶךְ בְּנֵ֥י עַמּֽוֹן׃
BernfeldJeftah schickte abermals Boten an den König der Ammoniter
ZunzUnd Jiftach schickte abermals Boten an den König der Söhne Ammon,
R. BreuerJifthach schickte abermals Boten an den König der Ammoniter,
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 14—15. In seiner zweiten Note schlägt Jifthach schon einen schärferen Ton an: Also spricht Jifthach. Er merkt schon, daß es auf friedlichem Wege nicht gehen wird, die Ammoniter zum Abzug zu bewegen. Mit aller Entschiedenheit weist er den gegen Israel erhobenen Vorwurf des Landraubes zurück.
15
וַיֹּ֣אמֶר ל֔וֹ כֹּ֖ה אָמַ֣ר יִפְתָּ֑ח לֹֽא־לָקַ֤ח יִשְׂרָאֵל֙ אֶת־אֶ֣רֶץ מוֹאָ֔ב וְאֶת־אֶ֖רֶץ בְּנֵ֥י עַמּֽוֹן׃
BernfeldUnd ließ ihm sagen. Also spricht Jeftah: Israel hat das Land Moab und das Land der Ammoniter nicht genommen.
ZunzUnd ließ ihm sagen: also spricht Jiftach: Jisraël hat nicht genommen das Land Moab und das Land der Söhne Ammon.
R. Breuerund ließ ihm sagen: Also spricht Jifthach: Israel hat das Land Moab und das Land der Ammoniter nicht genommen.
16
כִּ֖י בַּעֲלוֹתָ֣ם מִמִּצְרָ֑יִם וַיֵּ֨לֶךְ יִשְׂרָאֵ֤ל בַּמִּדְבָּר֙ עַד־יַם־ס֔וּף וַיָּבֹ֖א קָדֵֽשָׁה׃
BernfeldSondern als es aus Ägypten zog, da wanderte Israel in der Wüste bis zum Schilfmeer und kam bis nach Kadesch.
ZunzSondern als sie aus Mizrajim heraufzogen, da wanderte Jisraël in der Wüste bis zum Schilfmeer und kam bis nach Kadesch.
R. BreuerSondern als es aus Ägypten zog, da wanderte Israel in der Wüste bis zum Schilfmeer und kam bis nach Kadesch.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 16—18. Ohne jede kriegerische Absicht hatte das aus Egypten erlöste Israel seinen Zug durch die Wüste begonnen. In Kadesch war's, da wollte sich Israel die Erlaubnis friedlichen Durchzugs durch Edom und Moab erwirken. Sie wurde ihm verweigert, es mußte in Kadesch bleiben. Um weiter zu kommen, mußten sie das edomitische und moabitische Land umgehen, bis sie im Osten Moabs jenseits des Arnon ihr Lager aufschlugen. Mit keinem Schritt betraten sie moabitisches Gebiet, die Grenze Moabs, der Arnon, war ihnen heilig.
17
וַיִּשְׁלַ֣ח יִשְׂרָאֵ֣ל מַלְאָכִ֣ים ׀ אֶל־מֶ֩לֶךְ֩ אֱד֨וֹם ׀ לֵאמֹ֜ר אֶעְבְּרָה־נָּ֣א בְאַרְצֶ֗ךָ וְלֹ֤א שָׁמַע֙ מֶ֣לֶךְ אֱד֔וֹם וְגַ֨ם אֶל־מֶ֧לֶךְ מוֹאָ֛ב שָׁלַ֖ח וְלֹ֣א אָבָ֑ה וַיֵּ֥שֶׁב יִשְׂרָאֵ֖ל בְּקָדֵֽשׁ׃
BernfeldIsrael sandte Boten an den König von Edom und ließ sagen: Lasse mich doch durch dein Land ziehen, aber der König von Edom gab kein Gehör; und auch an den König von Moab schickte es, und er wollte nicht solches erlauben. Israel blieb also in Kadesch.
ZunzUnd Jisraël sandte Boten an den König von Edom und ließ sagen: Laß mich doch durch dein Land ziehen; aber der König von Edom gab kein Gehör; und auch an den König von Moab schickte es, und er wollte nicht. Und Jisraël blieb in Kadesch.
R. BreuerIsrael sandte Boten an den König von Edom und ließ ihm sagen: Laß mich durch dein Land ziehen! Jedoch der König von Edom wollte nicht davon hören; und auch an den König von Moab schickte es, jedoch er willigte nicht ein. So blieb Israel in Kadesch.
Haftarah Chukat Karäer enden hier.
18
וַיֵּ֣לֶךְ בַּמִּדְבָּ֗ר וַיָּ֜סׇב אֶת־אֶ֤רֶץ אֱדוֹם֙ וְאֶת־אֶ֣רֶץ מוֹאָ֔ב וַיָּבֹ֤א מִמִּזְרַח־שֶׁ֙מֶשׁ֙ לְאֶ֣רֶץ מוֹאָ֔ב וַֽיַּחֲנ֖וּן בְּעֵ֣בֶר אַרְנ֑וֹן וְלֹֽא־בָ֙אוּ֙ בִּגְב֣וּל מוֹאָ֔ב כִּ֥י אַרְנ֖וֹן גְּב֥וּל מוֹאָֽב׃
BernfeldEs wanderte in der Wüste und umging das Land Edom und das Land Moab, und kam gen Osten vor das Land Moab; sie lagerten jenseits des Arnon, und kamen nicht in das Gebiet Moabs, denn der Arnon ist die Grenze Moabs.
ZunzUnd es wanderte in der Wüste und umging das Land Edom und das Land Moab, und kam von Sonnenaufgang in das Land Moab, und sie lagerten jenseit des Arnon, und kamen nicht in das Gebiet Moabs, denn der Arnon ist die Grenze Moabs.
R. BreuerDann zog es in die Wüste und umging das Land Edom und das Land Moab, und da es an die Morgenseite des Landes Moab gekommen war, lagerten sie jenseits des Arnon, in das Gebiet Moabs jedoch kamen sie nicht, denn der Arnon war Moabs Grenze.
19
וַיִּשְׁלַ֤ח יִשְׂרָאֵל֙ מַלְאָכִ֔ים אֶל־סִיח֥וֹן מֶלֶךְ־הָאֱמֹרִ֖י מֶ֣לֶךְ חֶשְׁבּ֑וֹן וַיֹּ֤אמֶר לוֹ֙ יִשְׂרָאֵ֔ל נַעְבְּרָה־נָּ֥א בְאַרְצְךָ֖ עַד־מְקוֹמִֽי׃
BernfeldUnd Israel schickte Boten an Sichon, König des Emori, König von Cheschbon, und Israel ließ ihm sagen: Laß uns doch durch dein Land ziehen bis an meinen Ort.
ZunzUnd Jisraël schickte Boten an Sichon, König des Emori, König von Cheschbon, und Jisraël ließ ihm sagen: Laß uns doch durch dein Land ziehen bis an meinen Ort.
R. BreuerDa sandte Israel Boten an den Emoriterkönig Sichon, den König von Cheschbon und Israel sprach zu ihm: Laß uns doch durch dein Land ziehen bis an meinen Ort.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 19—22. Während Edom und Moab gegen eine Umgehung ihres Landes nichts einzuwenden und nur den Durchzug durch ihr Land verweigert hatten, begegnete der Emoriterkönig Sichon dem Gesuche Israels mit solchem Mißtrauen, daß er sofort sein Heer mobilisierte und zum Angriff schritt. „Die Worte Jephtachs V. 20: ולא האמין סיחון את ישראל, während sonst האמין, vertrauen, mit ב construiert wird, sind wohl dahin zu verstehen, daß Sichon nicht glaubte, daß Israel bloß durch sein Land hindurchziehen wolle, vielmehr einen Versuch fürchtete, sich darin festzusetzen“. (Komm. Haftoroth S. 271).
20
וְלֹא־הֶאֱמִ֨ין סִיח֤וֹן אֶת־יִשְׂרָאֵל֙ עֲבֹ֣ר בִּגְבֻל֔וֹ וַיֶּאֱסֹ֤ף סִיחוֹן֙ אֶת־כׇּל־עַמּ֔וֹ וַֽיַּחֲנ֖וּ בְּיָ֑הְצָה וַיִּלָּ֖חֶם עִם־יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldAber Sichon traute Israel nicht, es durch sein Gebiet ziehen zu lassen; Sichon versammelte vielmehr all sein Volk, und sie lagerten zu Jahza. Und er griff Israel an.
ZunzAber Sichon traute Jisraël nicht, es durch sein Gebiet ziehen zu lassen, und Sichon versammelte all sein Volk, und sie lagerten zu Jahzah. Und er stritt mit Jisraël.
R. BreuerAber Sichon traute Israel nicht, es durch sein Gebiet ziehen zu lassen, da versammelte Sichon all sein Volk, und sie lagerten zu Jahza, und er griff Israel an.
21
וַ֠יִּתֵּ֠ן יְהֹוָ֨ה אֱלֹהֵֽי־יִשְׂרָאֵ֜ל אֶת־סִיח֧וֹן וְאֶת־כׇּל־עַמּ֛וֹ בְּיַ֥ד יִשְׂרָאֵ֖ל וַיַּכּ֑וּם וַיִּירַשׁ֙ יִשְׂרָאֵ֔ל אֵ֚ת כׇּל־אֶ֣רֶץ הָאֱמֹרִ֔י יוֹשֵׁ֖ב הָאָ֥רֶץ הַהִֽיא׃
BernfeldDer Herr, der Gott Israels, gab Sichon und all sein Volk in die Hand Israels und sie schlugen sie, und Israel nahm ein das ganze Land des Emori, des Bewohners dieses Landes.
ZunzUnd der Ewige, der Gott Jisraël's, gab Sichon und all sein Volk in die Hand Jisraël's, und sie schlugen sie, und Jisraël nahm ein das ganze Land des Emori, des Bewohners dieses Landes.
R. BreuerDa gab Gott, der Gott Israels, den Sichon und sein ganzes Volk in Israels Hand, und sie schlugen sie, und Israel nahm ein das ganze Land des Emori, des Bewohners dieses Landes.
Haftarah Chukat Romanioten enden hier.
22
וַיִּ֣ירְשׁ֔וּ אֵ֖ת כׇּל־גְּב֣וּל הָאֱמֹרִ֑י מֵֽאַרְנוֹן֙ וְעַד־הַיַּבֹּ֔ק וּמִן־הַמִּדְבָּ֖ר וְעַד־הַיַּרְדֵּֽן׃
BernfeldSie nahmen das ganze Gebiet des Emori ein, vom Arnon bis zum Jabbok und von der Wüste bis zum Jordan.
ZunzUnd sie nahmen ein das ganze Gebiet des Emori vom Arnon bis zum Jabbok und von der Wüste bis zum Jarden.
R. BreuerSie nahmen das ganze Gebiet des Emori ein, vom Arnon bis zum Jabbok und von der Wüste bis zum Jarden.
23
וְעַתָּ֞ה יְהֹוָ֣ה ׀ אֱלֹהֵ֣י יִשְׂרָאֵ֗ל הוֹרִישׁ֙ אֶת־הָ֣אֱמֹרִ֔י מִפְּנֵ֖י עַמּ֣וֹ יִשְׂרָאֵ֑ל וְאַתָּ֖ה תִּירָשֶֽׁנּוּ׃
BernfeldAlso hat nun der Herr, der Gott Israels, den Emori ausgetrieben vor seinem Volke Israel, und du willst es in Besitz nehmen?
ZunzUnd so hat denn der Ewige, der Gott Jisraël's, den Emori ausgetrieben vor seinem Volke Jisraël, und du willst es einnehmen?
R. BreuerUnd nun: Gott, Israels Gott, hat den Emoriter vor seinem Volke Israel vertrieben, und du, du wolltest ihm im Besitze folgen?
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 23—29. In Jifthachs Tagen war eine Berufung auf Gott in politischen Streitsachen nicht, wie dies heute wohl der Fall wäre, von vornherein mit dem Fluche der Lächerlichkeit behaftet. Gott war’s, der den Emoriter vor Israel vertrieben hatte und was Gott gefügt hat, muß von den Menschen als von Gott gewollt betrachtet und geachtet werden. Israels Gott wird doch nicht weniger sein als der Gott Kemosch, der ja auch den kriegerischen Eroberungen seiner Gläubigen die Weihe des göttlichen Rechtes verleiht. Was wollen denn die Ammoniter jetzt auf einmal? Weshalb finden sie sich mit den Tatsachen nicht ebenso ab, wie seinerzeit der Moabiterkönig Balak? Seit dreihundert Jahren sitzt Israel in den strittigen Gebieten. Niemals ist es den Ammonitern während dieser langen Zeit eingefallen, die „unerlösten“ Gebiete zu „befreien“. (Wem fallen bei dem Worte הצלתם nicht die ähnlichen Schlagwörter des Weltkrieges ein!) Und nun brechen sie ohne jeden triftigen Grund einen Krieg vom Zaun. Ein schnöder Angriffs- und Eroberungskrieg ist’s — Gott wird ihn entscheiden.
ויעבור. „Es scheint, daß Jephtach die Stellung der Ammoniter umgangen und einen Einfall in ihr Land unternommen habe, um sie im Rücken zu fassen und von ihrem natürlichen Stützpunkt abzuschneiden. Darauf dürfte das wiederholte ויעבור hinweisen.“ (a. a. O. S. 273).
24
הֲלֹ֞א אֵ֣ת אֲשֶׁ֧ר יוֹרִֽישְׁךָ֛ כְּמ֥וֹשׁ אֱלֹהֶ֖יךָ אוֹת֣וֹ תִירָ֑שׁ וְאֵת֩ כׇּל־אֲשֶׁ֨ר הוֹרִ֜ישׁ יְהֹוָ֧ה אֱלֹהֵ֛ינוּ מִפָּנֵ֖ינוּ אוֹת֥וֹ נִירָֽשׁ׃
BernfeldWas dir dein Gott Kemosch zum Besitze gibt, das behältst du; aber was der Herr, unser Gott, vor uns austreibt, das nehmen wir in Besitz.
ZunzWie? Was dir zum Besitze giebt Kemosch dein Gott, nimmst du es nicht ein? so alles, was der Ewige unser Gott vor uns austreibt, das nehmen wir ein.
R. BreuerNimmst du denn nicht dasjenige in Besitz, was dein Gott Kemosch dich in Besitz nehmen läßt? Ebenso jeden, den Gott, unser Gott, vor uns vertreibt, dem folgen wir im Besitz.
Haftarah Chukat Posen (erloschen) enden hier.
25
וְעַתָּ֗ה הֲט֥וֹב טוֹב֙ אַתָּ֔ה מִבָּלָ֥ק בֶּן־צִפּ֖וֹר מֶ֣לֶךְ מוֹאָ֑ב הֲר֥וֹב רָב֙ עִם־יִשְׂרָאֵ֔ל אִם־נִלְחֹ֥ם נִלְחַ֖ם בָּֽם׃
BernfeldBist du denn besser als Balak Sohn Zippors, König von Moab? Hat er gehadert mit Israel, oder hat er sie angegriffen?
ZunzUnd nun, bist du denn besser als Balak Sohn Zippor, König von Moab? Hat er wohl gehadert mit Jisraël, oder hat er gestritten mit ihnen?
R. BreuerUnd nun: Bist du etwa wirklich besser als der Moabiterkönig Balak, der Sohn Zippors? Hat der wohl Streit angefangen mit Israel oder Krieg mit ihnen geführt?
26
בְּשֶׁ֣בֶת יִ֠שְׂרָאֵ֠ל בְּחֶשְׁבּ֨וֹן וּבִבְנוֹתֶ֜יהָ וּבְעַרְע֣וֹר וּבִבְנוֹתֶ֗יהָ וּבְכׇל־הֶֽעָרִים֙ אֲשֶׁר֙ עַל־יְדֵ֣י אַרְנ֔וֹן שְׁלֹ֥שׁ מֵא֖וֹת שָׁנָ֑ה וּמַדּ֥וּעַ לֹֽא־הִצַּלְתֶּ֖ם בָּעֵ֥ת הַהִֽיא׃
BernfeldDa Israel wohnte in Cheschbon und in seinen Tochterstädten und in Aroër und in seinen Tochterstädten und in allen Städten am Ufer des Arnon, dreihundert Jahre. Warum habt ihr [diese Orte ihm] nicht entrissen in dieser Zeit?
ZunzDa Jisraël wohnte in Cheschbon und in seinen Tochterstädten und in Aroër und in seinen Tochterstädten, und in allen Städten am Ufer des Arnon, dreihundert Jahre: Warum habt ihr (sie) nicht entrissen in dieser Zeit?
R. BreuerDa Israel doch in Cheschbon und in den dazu gehörigen Ortschaften und in Aroër und den dazu gehörigen Ortschaften und in allen den Städten, die an den Ufern des Arnon liegen, dreihundert Jahre wohnt —: Warum habt ihr denn in dieser Zeit nichts „befreit“?
27
וְאָֽנֹכִי֙ לֹא־חָטָ֣אתִי לָ֔ךְ וְאַתָּ֞ה עֹשֶׂ֥ה אִתִּ֛י רָעָ֖ה לְהִלָּ֣חֶם בִּ֑י יִשְׁפֹּ֨ט יְהֹוָ֤ה הַשֹּׁפֵט֙ הַיּ֔וֹם בֵּ֚ין בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל וּבֵ֖ין בְּנֵ֥י עַמּֽוֹן׃
BernfeldIch aber habe nichts verschuldet gegen dich, und du tust mir Böses mich anzugreifen. Es richte der Herr, der Richter, heute zwischen den Kindern Israel und den Ammonitern.
ZunzIch aber habe nichts verschuldet gegen dich, und du thust mir Böses gegen mich zu streiten. Es richte der Ewige, der Richter, heute zwischen den Kindern Jisraël und den Söhnen Ammon.
R. BreuerIch, ich habe gegen dich doch in nichts gefehlt, du aber fügst mir Uebles zu, indem du mit mir Krieg anfängst. Möge der richtende Gott heute zwischen den Söhnen Israels und den Söhnen Ammons richten!
28
וְלֹ֣א שָׁמַ֔ע מֶ֖לֶךְ בְּנֵ֣י עַמּ֑וֹן אֶל־דִּבְרֵ֣י יִפְתָּ֔ח אֲשֶׁ֥ר שָׁלַ֖ח אֵלָֽיו׃ {פ}
BernfeldAber der König der Ammoniter hörte nicht auf die Worte Jeftahs, die er ihm entboten.
ZunzAber der König der Söhne Ammon hörte nicht auf die Worte Jiftachs, die er ihm entboten.
R. BreuerAber der König der Ammoniter hörte nicht auf die Worte Jifthachs, die er ihm entboten.
29
וַתְּהִ֤י עַל־יִפְתָּח֙ ר֣וּחַ יְהֹוָ֔ה וַיַּעֲבֹ֥ר אֶת־הַגִּלְעָ֖ד וְאֶת־מְנַשֶּׁ֑ה וַֽיַּעֲבֹר֙ אֶת־מִצְפֵּ֣ה גִלְעָ֔ד וּמִמִּצְפֵּ֣ה גִלְעָ֔ד עָבַ֖ר בְּנֵ֥י עַמּֽוֹן׃
BernfeldDa kam über Jeftah der Geist des Herrn [großer Mut]; er zog durch Gilead und Manasse und Mizpa in Gilead, und von Mizpa in Gilead zog er zu den Ammonitern.
ZunzDa kam über Jiftach der Geist des Ewigen und er zog durch Gilead und Menascheh, und zog nach Mizpeh in Gilead, und von Mizpeh in Gilead zog er zu den Söhnen Ammon.
R. BreuerDa kam über Jifthach der Geist Gottes, und er zog durch Gilead und Manasseh, durchzog auch Mizpeh Gilead und von Mizpeh Gilead zog er hinüber zu den Ammonitern.
30
וַיִּדַּ֨ר יִפְתָּ֥ח נֶ֛דֶר לַיהֹוָ֖ה וַיֹּאמַ֑ר אִם־נָת֥וֹן תִּתֵּ֛ן אֶת־בְּנֵ֥י עַמּ֖וֹן בְּיָדִֽי׃
BernfeldJeftah tat ein Gelübde dem Herrn und sprach: Wenn du die Ammoniter in meine Hand gibst:
ZunzUnd Jiftach that ein Gelübde dem Ewigen und sprach: Wenn du die Söhne Ammon in meine Hand giebst:
R. BreuerDa tat Jifthach Gott ein Gelübde und sprach: Wenn du die Ammoniter völlig in meine Hand geben wirst,
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 30—40. Aus den maßgebenden Quellen (Thaanith 4 a, מ"ר חיי שרה und בחקותי usw.) ist klar, daß unsere Weisen der wörtlichen Auffassung des Gelübdes Jifthachs gehuldigt haben und wir es hier mit einer entsetzlichen Verirrung und Verblendung zu tun haben, die nach heidnischem Vorbild in der Darbringung eines Menschenopfers eine Gott wohlgefällige Weihehandlung sah. לפי שלא היה בן תורה אבד את בתו, sagen die Weisen (s. ילקוט שופטים z. St.) weil Jifthach unwissend in der Thora war, glaubte er an eine buchstäbliche Erfüllung seines Gelübdes gebunden zu sein, obwohl es gleich dem Vorsatze Eliesers und Sauls שלא כהוגן in unvorsichtiger Form ausgesprochen worden war (s. Talmud und Midrasch a. a. O.). Daß es nicht zu einer Lösung des Gelübdes kam, ist eine Schuld, welche die Überlieferung neben Jifthach auch Pinchas, der damals noch lebte, aufbürdet, und für die sie beide büßen mußten. (Vgl. auch Raschi zu V. 39). Allerdings schließt der Text an sich die nicht wörtliche Auffassung des Gelübdes nicht von vornherein aus. „Vielmehr läßt V. 39, der berichtet, daß nach zwei Monaten ihr Vater sein Gelübde an ihr vollzogen, welches er gelobt und daß kein Mensch ihr genaht sei und daß es zur Regel in Israel wurde, daß von Jahr zu Jahr vier Tage im Jahr die Töchter Israels hinzogen, um mit Jephtachs Tochter zu klagen — namentlich durch die Worte איש לא ידעה (soll heißen: והיא לא ידעה איש) es als die natürlichste Erklärung erscheinen, daß ein eheloses Leben in der Einsamkeit unter der Erfüllung dieser „Weihe an Gott“, diesem Opfer verstanden sei. Die Grundvorstellung des Gelübdes bleibt dabei immer noch eine heidnische, ebenso der Gedanke, daß ein solches Leben der Ausdruck einer ausschließlichen Gotthörigkeit sei“ (Komm. Haftoroth S. 275). Andererseits kann der Satz והיא לא ידעה איש auch der wörtlichen Auffassung zwanglos eingefügt werden, wenn man ihn als den Grund der Sitte begreift, die sich bei den Töchtern Israels einbürgerte, alljährlich vier Tage lang um die als Jungfrau hingeopferte Tochter Jifthachs zu klagen. Auch dürften die Worte im Komm. a. a. O. „um mit Jephtachs Tochter zu klagen“ wohl kaum eine sinngemäße Übersetzung des לתנות לבת יפתח sein.
Im einzelnen bemerken wir:
31
וְהָיָ֣ה הַיּוֹצֵ֗א אֲשֶׁ֨ר יֵצֵ֜א מִדַּלְתֵ֤י בֵיתִי֙ לִקְרָאתִ֔י בְּשׁוּבִ֥י בְשָׁל֖וֹם מִבְּנֵ֣י עַמּ֑וֹן וְהָיָה֙ לַיהֹוָ֔ה וְהַעֲלִיתִ֖יהוּ עֹלָֽה׃ {פ}
BernfeldSo soll dasjenige, was [zuerst] herauskommt aus den Türen meines Hauses mir entgegen, wenn ich zurückkehre in Frieden von den Ammonitern, dem Herrn gehören; ich will es darbringen als Ganzopfer.
ZunzSo soll dasjenige, was herauskommt aus den Thüren meines Hauses mir entgegen, wenn ich zurückkehre in Frieden von den Söhnen Ammon, dem Ewigen gehören, und ich will es darbringen als Ganzopfer.
R. Breuerso soll, was immer herauskommt aus der Türe meines Hauses mir entgegen, wenn ich zurückkehre in Frieden von den Ammonitern, Gott gehören, ich will es als Emporopfer darbringen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 31. Sicherlich hat Jifthach bei seinem Gelübde nur an die Möglichkeit gedacht, daß ihm nach glücklicher Heimkehr vom Kriege gegen die Ammoniter ein opferfähiges Tier entgegenkommen werde. (Die Worte מדלתי ביתי sind indessen nicht wörtlich zu nehmen, als ob Jifthach mit seinen Tieren unter einem Dache gehaust hätte). Immerhin war die allgemeine Form des Gelübdes eine sträfliche Sorglosigkeit vom Standpunkte eines Mannes aus, der in einer Zeit der geistigen Verwirrung und sittlichen Verwilderung Menschenopfer als nicht unvereinbar mit dem Geiste des Gotteswortes und Gottesvolkes empfand. „Nach einer Erklärung“, die aber nicht der Auffassung der maßgebenden Quellenschriften entspricht, „wäre das ו des והעליתיהו עולה, wie nicht selten, ein distributives, soviel wie או, oder; vgl. מכה אביו ואמו. Das Gelübde wäre also von vornherein bedingungsweise ausgesprochen worden. Das aus dem Hause Heraustretende soll Gottes sein, d. h. soll seinem Werte nach, wofern es sich zum Opfer eignet, den Heiligtumszwecken dienen, im anderen Falle aber: werde ich es als Emporopfer darbringen.“ (Komm. das.)
32
וַיַּעֲבֹ֥ר יִפְתָּ֛ח אֶל־בְּנֵ֥י עַמּ֖וֹן לְהִלָּ֣חֶם בָּ֑ם וַיִּתְּנֵ֥ם יְהֹוָ֖ה בְּיָדֽוֹ׃
BernfeldJeftah ging hinüber zu den Ammonitern, gegen sie zu streiten. Und der Herr gab sie in seine Hand.
ZunzUnd Jiftach ging hinüber zu den Söhnen Ammon gegen sie zu streiten. Und der Ewige gab sie in seine Hand.
R. BreuerSo zog Jifthach zu den Ammonitern hinüber sie anzugreifen, und Gott gab sie in seine Hand.
33
וַיַּכֵּ֡ם מֵעֲרוֹעֵר֩ וְעַד־בֹּאֲךָ֨ מִנִּ֜ית עֶשְׂרִ֣ים עִ֗יר וְעַד֙ אָבֵ֣ל כְּרָמִ֔ים מַכָּ֖ה גְּדוֹלָ֣ה מְאֹ֑ד וַיִּכָּֽנְעוּ֙ בְּנֵ֣י עַמּ֔וֹן מִפְּנֵ֖י בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃ {פ}
BernfeldEr schlug sie nachdrücklich von Aroër bis gen Minnit, [er eroberte] zwanzig Städte, bis Abel Keramim. — Und die Ammoniter wurden gedemütigt von den Kindern Israel.
ZunzUnd er schlug sie von Aroër bis gen Minnit, zwanzig Städte, und bis Abel Keramim, einen überaus großen Schlag. Und die Söhne Ammon wurden gedemüthigt vor den Kindern Jisraël.
R. BreuerEr brachte ihnen eine große Niederlage bei und schlug sie von Aroer bis zum Eingange nach Minnith, zwanzig Städte und bis zu Abel Keramim. So wurden die Ammoniter gedemütigt von den Kindern Israels.
Haftarah Chukat Aschkenasim, Sefardim, Italiener und Romanioten enden hier.Romanioten: abweichend: Schoftim 11,1–21
34
וַיָּבֹ֨א יִפְתָּ֣ח הַמִּצְפָּה֮ אֶל־בֵּיתוֹ֒ וְהִנֵּ֤ה בִתּוֹ֙ יֹצֵ֣את לִקְרָאת֔וֹ בְּתֻפִּ֖ים וּבִמְחֹל֑וֹת וְרַק֙ הִ֣יא יְחִידָ֔ה אֵֽין־ל֥וֹ מִמֶּ֛נּוּ בֵּ֖ן אוֹ־בַֽת׃
BernfeldJeftah kehrte nach Mizpa in sein Haus, da kam seine Tochter ihm entgegen mit Pauken und Reigen; sie war nur die Einzige, er hatte außer ihr weder Sohn noch Tochter.
ZunzUnd Jiftach kam nach Mizpah in sein Haus, und siehe, seine Tochter kommt heraus ihm entgegen mit Pauken und in Reigen, und sie war nur die Einzige, er hatte außer ihr keinen Sohn noch Tochter.
R. BreuerJifthach kehrte nach Mizpah in sein Haus zurück, da kam seine Tochter ihm entgegen mit Pauken und Reigen; sie war nur die Einzige, er hatte außer ihr weder Sohn noch Tochter.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 34. ממנו. Offenbar hatte Jifthachs Gattin ihm als Wittwe Kinder von ihrem ersten Gatten in die Ehe gebracht. Diesen Kindern gegenüber war Jifthachs Tochter das einzige, das Jifthach ממנו, von ihm selbst besaß. So wird im מצודת דוד das schwierige ממנו erklärt, während Malbim zur Erklärung dieses ממנו an בני פלגשים, an Kinder von Nebenfrauen Jifthachs denkt.
35
וַיְהִי֩ כִרְאוֹת֨וֹ אוֹתָ֜הּ וַיִּקְרַ֣ע אֶת־בְּגָדָ֗יו וַיֹּ֙אמֶר֙ אֲהָ֤הּ בִּתִּי֙ הַכְרֵ֣עַ הִכְרַעְתִּ֔נִי וְאַ֖תְּ הָיִ֣ית בְּעֹֽכְרָ֑י וְאָנֹכִ֗י פָּצִ֤יתִי פִי֙ אֶל־יְהֹוָ֔ה וְלֹ֥א אוּכַ֖ל לָשֽׁוּב׃
BernfeldWie er sie nun sah, zerriss er seine Kleider und sprach: Ach meine Tochter, du beugst mich nieder! und du bist unter meinen Verderbern. Doch ich habe meinen Mund aufgetan dem Herrn und kann nicht zurücktreten.
ZunzUnd es geschah, wie er sie sah, zerriß er seine Kleider und sprach: Ach meine Tochter, wie beugst du mich! und du bist unter meinen Verderbern. Doch ich habe meinen Mund aufgethan dem Ewigen, und kann nicht zurücktreten.
R. BreuerWie er sie nun sah, zerriß er seine Kleider und sprach: Ach, meine Tochter, du beugst mich nieder, du bist unter meinen Verderbern! Ich aber habe meinen Mund aufgetan gegenüber Gott und kann nicht zurücktreten.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 35. Der Anblick der Tochter übt auf Jifthachs Gemüt eine doppelte Wirkung aus: er schmettert ihn nieder durch das schmerzliche Bewußtsein, an ihr sein Gelübde vollziehen zu müssen (הכרע הכרעתני), zugleich ruft er in ihm die Erinnerung an frühere Kränkungen und Demütigungen wach, die er im Schoße der eigenen Familie erdulden mußte (s. oben V. 2 f.) und deren furchtbarste ihm jetzt widerfährt (ואת היית בעכרי).
36
וַתֹּ֣אמֶר אֵלָ֗יו אָבִי֙ פָּצִ֤יתָה אֶת־פִּ֙יךָ֙ אֶל־יְהֹוָ֔ה עֲשֵׂ֣ה לִ֔י כַּאֲשֶׁ֖ר יָצָ֣א מִפִּ֑יךָ אַחֲרֵ֡י אֲשֶׁ֣ר עָשָׂה֩ לְךָ֨ יְהֹוָ֧ה נְקָמ֛וֹת מֵאֹיְבֶ֖יךָ מִבְּנֵ֥י עַמּֽוֹן׃
BernfeldSie erwiderte: Mein Vater, du hast aufgetan deinen Mund dem Herrn, tue an mir, wie du ausgesprochen hast, nachdem der Herr dir Rache geschafft an deinen Feinden, an den Ammonitern.
ZunzUnd sie sprach: Mein Vater, du hast aufgethan deinen Mund dem Ewigen, thue an mir, wie aus deinem Munde gegangen, nachdem der Ewige dir Rache geschafft an deinen Feinden an den Söhnen Ammon.
R. BreuerSie erwiderte: Mein Vater, du hast aufgetan deinen Mund gegenüber Gott, tue an mir, wie du ausgesprochen hast, nachdem Gott dir Vergeltung geschafft hat an deinen Feinden, den Ammonitern.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 36. Auffallend ist, daß die Tochter aus Jifthachs Worten (V. 35) sofort entnahm, was der Grund der Betrübnis ihres Vaters war. In V. 35 ist nicht deutlich herausgesagt, daß die Tochter geopfert werden soll. Das von den Weisen hier eingefügte Zwiegespräch zwischen Vater und Tochter (s. Jalkut z. St.) ist darum nur eine zum Verständnis erforderliche Ergänzung des schweigsamen Bibeltextes.
37
וַתֹּ֙אמֶר֙ אֶל־אָבִ֔יהָ יֵעָ֥שֶׂה לִּ֖י הַדָּבָ֣ר הַזֶּ֑ה הַרְפֵּ֨ה מִמֶּ֜נִּי שְׁנַ֣יִם חֳדָשִׁ֗ים וְאֵֽלְכָה֙ וְיָרַדְתִּ֣י עַל־הֶהָרִ֔ים וְאֶבְכֶּה֙ עַל־בְּתוּלַ֔י אָנֹכִ֖י (ורעיתי) [וְרֵֽעוֹתָֽי]׃
BernfeldUnd sie sprach [weiter] zu ihrem Vater: Dieses Eine werde mir gestattet, lasse ab von mir zwei Monate, dass ich gehe und umhersteige in die Berge, und weine um meine Jungfräulichkeit, ich und meine Genossinnen.
ZunzUnd sie sprach (weiter) zu ihrem Vater: Diese Sache werde mir gestattet, lasse ab von mir zwei Monate, daß ich gehe und niedersteige in die Berge, und weine um meine Jungfräulichkeit, ich und meine Genossinnen.
R. BreuerSie sprach weiter zu ihrem Vater: Dieses Eine werde mir gestattet, lasse ab von mir zwei Monate, daß ich gehe und hinabsteige auf die Berge und meine Jungfräulichkeit beweine, ich und meine Genossinnen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 37. וירדתי על ההרים. Raschi: ובמ"א דורש רבי תנחומא על ההרים לפני סנהדרין שמא ימצאו פתח לנדרך. Nach dieser Bemerkung hat Jifthachs Tochter sich die Erlaubnis zu dem Versuche erbeten, beim Sanhedrin eine Lösung der Zwangslage ihres Vaters zu erwirken. Die auffallende Wendung „ich möchte zu den Bergen hinabsteigen“, während man doch sonst zu den Bergen hinaufsteigt, ist das textkritische Motiv dieser vom Midrasch Tanchuma überlieferten Identifizirung der Berge mit dem Sanhedrin. Ihr psychologisches Motiv dürfte in dem Gedanken liegen, daß ein passives Schwelgen in Gefühlen, wie es ein tatloses Weinen auf den Bergen wäre, dem Charakterbilde nicht entspricht, in welchem (s. Jalkut z. St.) die Tochter Jifthachs unseren Weisen vorschwebte.
38
וַיֹּ֣אמֶר לֵ֔כִי וַיִּשְׁלַ֥ח אוֹתָ֖הּ שְׁנֵ֣י חֳדָשִׁ֑ים וַתֵּ֤לֶךְ הִיא֙ וְרֵ֣עוֹתֶ֔יהָ וַתֵּ֥בְךְּ עַל־בְּתוּלֶ֖יהָ עַל־הֶהָרִֽים׃
BernfeldUnd er sprach: Gehe; und er entließ sie auf zwei Monate, und sie ging samt ihren Genossinnen und weinte um ihre Jungfräulichkeit auf den Bergen.
ZunzUnd er sprach: Gehe; und er entließ sie auf zwei Monate, und sie ging sammt ihren Genossinnen und weinte um ihre Jungfraulichkeit auf den Bergen.
R. BreuerEr antwortete: Gehe; und er entließ sie auf zwei Monate, und sie ging samt ihren Genossinnen und weinte um ihre Jungfräulichkeit auf den Bergen.
39
וַיְהִ֞י מִקֵּ֣ץ ׀ שְׁנַ֣יִם חֳדָשִׁ֗ים וַתָּ֙שׇׁב֙ אֶל־אָבִ֔יהָ וַיַּ֣עַשׂ לָ֔הּ אֶת־נִדְר֖וֹ אֲשֶׁ֣ר נָדָ֑ר וְהִיא֙ לֹא־יָדְעָ֣ה אִ֔ישׁ וַתְּהִי־חֹ֖ק בְּיִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldNach Verlauf zweier Monate, da kehrte sie zu ihrem Vater heim, und er tat an ihr sein Gelübde, das er gelobt. Sie aber hatte keinen Mann erkannt. Seitdem war es Sitte in Israel, [dass]
ZunzUnd es geschah nach Verlauf zweier Monate, da kehrte sie zu ihrem Vater heim, und er that an ihr sein Gelübde, das er gelobet. Sie aber hatte keinen Mann erkannt, und es war Sitte in Jisraël, (daß)
R. BreuerNach Verlauf zweier Monate kehrte sie zu ihrem Vater zurück, und er vollzog an ihr sein Gelübde, das er gelobt. Sie aber hatte keinen Mann erkannt. Und es ward Gesetz in Israel:
40
מִיָּמִ֣ים ׀ יָמִ֗ימָה תֵּלַ֙כְנָה֙ בְּנ֣וֹת יִשְׂרָאֵ֔ל לְתַנּ֕וֹת לְבַת־יִפְתָּ֖ח הַגִּלְעָדִ֑י אַרְבַּ֥עַת יָמִ֖ים בַּשָּׁנָֽה׃ {פ}
BernfeldVon Jahr zu Jahr die Töchter Israel zu klagen gingen über die Tochter des Gileaditen Jeftah, vier Tage im Jahr.
ZunzVon Jahr zu Jahr gehen die Töchter Jisraël's zu singen von der Tochter Jiftachs des Gileadi, vier Tage im Jahr.
R. BreuerVon Jahr zu Jahr gehen die Töchter Israels hin, um die Tochter des Gileaditen Jifthach zu beklagen, vier Tage im Jahr.
Haftarah Chukat Jemeniten enden hier.