Michah 5 מיכה

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Haftarot in diesem Kapitel: Balak
1
וְאַתָּ֞ה בֵּֽית־לֶ֣חֶם אֶפְרָ֗תָה צָעִיר֙ לִֽהְיוֹת֙ בְּאַלְפֵ֣י יְהוּדָ֔ה מִמְּךָ֙ לִ֣י יֵצֵ֔א לִֽהְי֥וֹת מוֹשֵׁ֖ל בְּיִשְׂרָאֵ֑ל וּמוֹצָאֹתָ֥יו מִקֶּ֖דֶם מִימֵ֥י עוֹלָֽם׃
BernfeldDu aber, Bet-Lehem-Efrata — ob wohl du die winzigste [Macht] bist unter den Geschlechtern Jehudas, gerade aus dir wird jener hervorgehen, der von mir zum Herrscher bestimmt ist in Israel, dessen Ursprung aus der Urzeit ist, aus alten Tagen.
ZunzDu aber, Bet Lechem Efrata — solltest das Geringste seyn unter den Tausenden Jehudah’s — aus dir wird mir hervorgehen, der Herrscher seyn soll in Jisraél, dessen Urprung ist aus der Urzeit, seit alten Tagen.
J. J. HirschUnd du, Bethlehem-Ephratha, das zu klein ist, um unter den Tausenden Judas zu sein, aus dir wird hervorgehen der bestimmt ist Herrscher zu sein über Israel, seine Ursprünge sind aus der Urzeit, aus den Tagen der Ewigkeit.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 5. V. 1. Wie im vorigen Kap. V. 8 mit dem Worte וְאַתָּה die Fortdauer der Bestimmung Zions und die Wiederaufrichtung des Staates und der Herrschaft verkündet war, so wird hier in derselben Weise mit וְאַתָּה einleitend die Ewigkeit der Bestimmung des Davidshauses verheißen, dem Israels und der Menschheit Herrscher entsprossen werde. Vergl. Jes. 11, 1. 2 Sam. 23,5. Gen 49, 10. אֶפְרָתָה: nach Gen. 48, 7 war schon in den frühesten Zeiten אֶפְרָת und nach Ruth 4, 11 אֶפְרָתָה ein Beiname von Bethlehem. Hier dürfte die volltönende Nennung beider Namen wohl den im Worte אֶפְרָת liegenden verbalen Sinn, פרת lautverw. mit פרד, anklingen lassen: ausgesondert, hervorragend, geadelt. Vergl. zu Gen. 49, 22. Die an Größe so unbedeutende Stadt, die „sonst gar nicht mitgezählt wird“, wird mit den Worten וְאַתָּה צָעִיר und מִמְּךָ männlich angeredet, weniger weil an die Einwohner gedacht wird, als aus dem Gefühle der Bedeutung heraus, die sie durch das Geschlecht gewonnen hat, das aus ihr hervorgegangen und dessen edelster Sprößling am Ziele der Zeiten erscheinen wird. Das Werk, das er zur Vollendung bringen soll, ist nichts anderes als die Verwirklichung des Gottesplanes bei der Erschaffung des Menschen, wie er in den Worten: נַעֲשֶׂה אָדָם בְּצַלְמֵנוּ כִּדְמוּתֵנוּ Gen. 1, 26 ausgesprochen ist. (S. den Comm. z. St.) Sein Ahn David fühlte sich und sein Haus als Träger und Werkzeug dieser Bestimmung (2 Sam. 23, 5). Die Aufgabe, deren Inhalt bei der Erwählung Abrahams in den Worten הֱיֵה בְרָכָה: „Werde du ein Segen!“ zusammengefaßt wurde, die Aufgabe, zu deren Lösung das gesamte Gottesgesetz die Wege vorzeichnet — deren volle Verwirklichung wird hier auf Ein Haupt gelegt, das edelste und erhabenste des Abrahamshauses und des Davidstammes. Diese die ganze Ewigkeit umfassende Bedeutung des durch die Jahrtausende, die die fernste Vergangenheit mit der fernen Zukunft verbinden, bewahrten Sprößlings wird mit den Worten bezeichnet: seine Ursprünge reichen bis in die ferne Vergangenheit, sie zählen von den Tagen der Ewigkeit. Der Plural weist eben auf alle einzelnen Phasen hin, in denen der Gottesplan in die Erscheinung getreten ist und durch welche er sich Werkzeuge zu seiner Verwirklichung geschaffen hat.

2
לָכֵ֣ן יִתְּנֵ֔ם עַד־עֵ֥ת יוֹלֵדָ֖ה יָלָ֑דָה וְיֶ֣תֶר אֶחָ֔יו יְשׁוּב֖וּן עַל־בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldWahrlich, der sie bis zur Stunde des Gebärens gebracht, wird [ihr auch beistehen], dass sie gebäre: dass der Rest seiner Brüder sich vereinige mit den Kindern Israel.
ZunzDarum wird er sie dahingeben bis zur Zeit, da die Gebärerin geboren hat, dann kehrt der Rest seiner Brüder nebst den Kindern Jisraél zurück.
J. J. HirschDarum giebt er sie hin bis zur Zeit, da die Gebärende geboren, und der Rest seiner Brüder wird zurückkehren samt den Söhnen Israels.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 2. Subject von יִתְּנֵם ist der zum Herrscher Bestimmte. Hier wird er als der bereits Lebende geschaut, der sein Volk preisgiebt, bis es für die Erlösung reif geworden, oder wie dies hier, das Bild von der Gebärerin von oben 4, 9 und 10 fortsetzend, ausgesprochen wird: bis zur Zeit, da die Gebärerin geboren haben wird. Die Leiden des Exiles sind die Geburtswehen Zions. Das מלכות בית דוד, das Davidische Königshaus ist und bleibt unerkannt und seine Herrschaft bleibt verschwunden während der ganzen Dauer des Exiles, bis zu jener Zeit, wo Zion für das geläuterte Israel zum „Heerdenturm“ und das um Zion sich erbauende „Jeruschalajim-Zion“ ein vom Geiste des Gottesgesetzes beseelter und beherrschter Staat in Wahrheit werden kann. Dann wird auch die alte Spaltung des dann in Zion geeinten Israel ein Ende haben, Juda und Benjamin, die hier in engerem Sinne die Brüder des Sprossen aus dem Davidshause genannt werden, kehren zurück samt den Söhnen Israels, den so lange unseren Blicken entschwundenen Brüdern aus den anderen zehn Stämmen. Die Söhne Judas werden seine Brüder genannt. Damit ist auf dem Boden des Alten Testamentes jeder Verirrung vorgebeugt, die wegen der Größe des von ihm zu vollbringenden Werkes, das im folgenden Verse ausgesprochen ist, sich versucht sehen könnte, ihm einen anderen als reinmenschlichen Ursprung zuzuerkennen. Die Juden sind „seine Brüder“.

3
וְעָמַ֗ד וְרָעָה֙ בְּעֹ֣ז יְהֹוָ֔ה בִּגְא֕וֹן שֵׁ֖ם יְהֹוָ֣ה אֱלֹהָ֑יו וְיָשָׁ֕בוּ כִּֽי־עַתָּ֥ה יִגְדַּ֖ל עַד־אַפְסֵי־אָֽרֶץ׃
BernfeldDer [Herrscher] wird auftreten und durch die Kraft des Herrn regieren, durch die Hoheit des Namens des Herrn seines Gottes; sie werden Bestand haben, denn nun wird er groß sein bis an die Enden der Erde.
ZunzUnd er tritt auf und weidet durch die Kraft des Ewigen, durch die Hoheit des Namens des Ewigen seines Gottes; und sie bleiben wohnen, denn nun wird er groß seyn bis an die Enden der Erde.
J. J. HirschUnd stehen wird er und als Hirte walten durch die Kraft Gottes, durch die Erhabenheit des Namens Gottes, seines Gottes, und sie werden wohnen, denn nun wird er groß sein bis zu den Enden der Erde.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3. Er wird sich als Hirt der Gottesherde bewähren. Er ist ein jüdischer Mensch, Gott ist „sein Gott“, er steht in seinem Dienste wie alle Menschen zu diesem Dienste berufen sind, er ist nur der erste in diesem Dienerkreise. Seine Kraft kommt von Gott, sie wird ihm, weil Gottes Werk es ist, das er vollbringt. Nicht in seinem Namen, in Gottes Namen, mit der Erhabenheit des Gottesnamens, waltet er als „Hirte“. Der „Name“ Gottes bedeutet stets die Erkenntnis, die die Menschen von Gott und damit von ihrem Verhältnisse zu Ihm gewonnen haben. Diese Erkenntnis und Anerkennung durch seine Persönlichkeit und sein Wirken zu einer so tiefen und allgemeinen gemacht zu haben, daß Israel und die sich ihm anschließenden weiten Menschenkreise ihren höchsten Stolz und ihr Lebensglück in seinem Dienste, in der Vollbringung seines Willens finden, darin besteht die „Erhabenheit des Namens Gottes“, durch deren Begründung in der Menschen Herzen er seine Heilessendung vollbringt. Dann erst: וְיָשָׁבוּ, wird die Zeit des ruhigen, sicheren und friedlichen Wohnens auf Erden für die Menschen gekommen sein, denn dann wird — Subject von יִגְדַּל ist שֵׁם ה' — der „Name“ d. i. die Anerkennung Gottes „groß und weitreichend sein, bis an die fernen Enden der Erde“.

Haftarah Balak Italiener beginnen hier.
4
וְהָיָ֥ה זֶ֖ה שָׁל֑וֹם אַשּׁ֣וּר ׀ כִּֽי־יָב֣וֹא בְאַרְצֵ֗נוּ וְכִ֤י יִדְרֹךְ֙ בְּאַרְמְנוֹתֵ֔ינוּ וַהֲקֵמֹ֤נוּ עָלָיו֙ שִׁבְעָ֣ה רֹעִ֔ים וּשְׁמֹנָ֖ה נְסִיכֵ֥י אָדָֽם׃
BernfeldEs wird dann Friede sein; sollte Assyrien in unser Land dringen und unsere Paläste betreten, so stellen wir ihm entgegen sieben Hirten [Herrscher] und acht gesalbte Männer.
ZunzUnd es wird sodann Friede seyn; Aschur, so er kommt in unser Land und so er tritt in unsere Paläste, so stellen wir ihm entgegen sieben Hirten und acht gesalbte Männer.
J. J. HirschUnd dies wird der Friede sein: Wenn Aschur in unser Land kommen, in unsere Paläste eindringen will, so stellen wir wider ihn auf sieben Hirten und acht Geweihte der Menschen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. 5. Und diese Macht und dieser Geist wird der Friede sein, mit ihm ist das Reich des ewigen Friedens auf Erden gegründet. Beginnen aber wird die Gründung dieses Reiches im jüdischen Lande, auf dem Boden des Gottesgesetzes. Wenn dann noch Feinde der Gottesherrschaft, als deren Repräsentanten hier Aschur und im V. 5, auf die ersten Anfänge der Gewaltherrschaft auf Erden zurückgreifend, das „Nimrodsland“ Babel genannt werden, also Erben des Aschur- und Nimrodgeistes in unser Land werden einfallen und in unsere Paläste, wie früher, werden eindringen, also den Kampf auf Gottes Boden wieder beginnen wollen: so werden wir gegen dieses „Aschur“ nicht das Schwert zu ziehen haben. Vielmehr werden wir, d. i. das vom Geiste des Isaïsprößlings beseelte Israel, ihm die seine Macht brechenden Gegner in seinem eigenen Lande erstehen lassen. Der von Zion ausströmende Geist wird in „Aschur und Babel“ selbst Männer erstehen und erstarken lassen, die sich in Vertretung der auf Zion gelehrten Wahrheit als „Hirten“ und „geweihte Menschen“ durch Geltendmachung dieser Prinzipien in ihren Volkskreisen auf dem Boden der bisherigen Gewaltherrschaft bewähren werden. Die Verkündung der Lehre von der Bedeutung jeder Menschenpersönlichkeit, von der Majestät des Rechtes und der Liebe, bereitet der Herrschaft des Unrechtes und der Gewalt den Untergang. Die Zahlen Sieben und Acht bezeichnen einerseits allgemein die Vielheit der vom Geiste der Thora erweckten Männer, anderseits bezeichnen sie diesen Sieg des Guten als ein Werk des unsichtbar in der Welt waltenden, durch den Sabbath, die Schöpfung des siebten Tages verkündeten Schöpfers, und des als Träger und Vertreter seines Wortes ausgesandten Israel, des achten Schöpfungswerkes. Siehe über die Bedeutung dieser Zahlen: „Grundlinien einer jüdischen Symbolik“ Jeschurun Jahrg. 5, S. 13 ff. נְסִיכֵי, von נסך verw. mit סיך, wird allerdings Jos. 13, 21 von den נסיכי סיחון in dem Sinne von Machthabern, Eingesetzten gebraucht, ebenso Ps. 83, 12, hier jedoch offenbar in dem Sinne wie Ps. 2, 6: weihen, salben. וְרָעוּ nach dem Acc. von רעה, nicht רָעַע: mit dem Schwerte weiden s. v. a. beherrschen. Was sich ihnen als „Aschur“ entgegengestellt, werden sie besiegen. Vielleicht ist auch בַּחֶרֶב mit Aschur verbunden gedacht: das schwertgerüstete Aschurland werden sie beherrschen. בִּפְתָחֶיהָ: in seinen Pforten, nicht בִּשְׁעָרֶיהָ in seinen Thoren, sondern in den Hausthüren, den Eingängen ins häusliche Leben, den Familienkreis: in den Häusern wird durch sie jener Sinn geweckt, durch den alle äußeren und inneren Bande gesprengt werden. וְהִצִּיל bezieht sich wieder zurück auf das Subject von יֵצֵא V. 1 und von יִתְּנֵם und וְעָמַד וְרָעָה V. 2 und 3 und faßt den Inhalt von V. 4 und 5 zusammen: so rettet er, denn die sieben Hirten und acht Geweihten sind ja von seinem Geiste beseelt. Die Weisen nennen bestimmte Menschengrößen als diese Hirten und Geweihten aus den verschiedensten Phasen der Entwickelung der Menschheit, von Seth bis Elijahu und מָשִׁיחַ, und bezeichnen damit ihn als den Vollender des Werkes, an dem alle jene Vorangegangenen grundlegend und weiterführend im Dienste Gottes gearbeitet haben — die herrlichste Conception der Einheit des Gottesplanes in der Geschichte.

5
וְרָע֞וּ אֶת־אֶ֤רֶץ אַשּׁוּר֙ בַּחֶ֔רֶב וְאֶת־אֶ֥רֶץ נִמְרֹ֖ד בִּפְתָחֶ֑יהָ וְהִצִּיל֙ מֵֽאַשּׁ֔וּר כִּֽי־יָב֣וֹא בְאַרְצֵ֔נוּ וְכִ֥י יִדְרֹ֖ךְ בִּגְבוּלֵֽנוּ׃ {פ}
BernfeldSie werden Assyrien mit dem Schwert regieren und das Land Nimrods mit der Lanze. [Der Herrscher] wird [Israel] befreien von Assyrien, wenn es in unser Land dringen und unser Gebiet betreten sollte.
ZunzUnd sie weiden das Land Aschur mit dem Schwert und das Land Nimrod’s an dessen Pforten, und er schützet (es) vor Aschur, so er kommt in unser Land und so er tritt in unsere Gränze.
J. J. HirschUnd sie „weiden“ das Land Aschur mit dem Schwerte und das Land Nimrods in seinen Thüren. So rettet er vor Aschur, wenn es in unser Land kommt und wenn es in unser Gebiet tritt.
Haftarah Balak Aschkenasim, Sefardim, Jemeniten, Romanioten und Karäer beginnen hier.
6
וְהָיָ֣ה ׀ שְׁאֵרִ֣ית יַעֲקֹ֗ב בְּקֶ֙רֶב֙ עַמִּ֣ים רַבִּ֔ים כְּטַל֙ מֵאֵ֣ת יְהֹוָ֔ה כִּרְבִיבִ֖ים עֲלֵי־עֵ֑שֶׂב אֲשֶׁ֤ר לֹֽא־יְקַוֶּה֙ לְאִ֔ישׁ וְלֹ֥א יְיַחֵ֖ל לִבְנֵ֥י אָדָֽם׃ {פ}
BernfeldDer Rest Jakob wird unter den vielen Völkern wie der Tau vom Herrn, wie der Regenguss auf dem Gras sein; er wird auf niemand hoffen und von keinem Menschen etwas erwarten, [wohl aber die Andern von ihm].
ZunzUnd der Ueberrest Jaakob’s wird seyn in der Mitte vieler Völker gleich dem Thau vom Ewigen, gleich Regenguß auf das Gras, der nicht wartet auf einen Sterblichen, und nicht harret auf Menschenkinder.
J. J. HirschDer Überrest Jakobs aber wird in der Mitte vieler Volksgesellschaften sein wie der Tau, von Gott gesandt, wie Regengüsse auf das Kraut — der auf keinen Mann hofft und nicht harret auf die Menschensöhne.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 6. So wird sich's vollziehen, wenn unter der Herrschaft des Davidsprößlings „Gottes Name groß sein wird bis an die Enden der Erde“ und Israel wieder in das Land seiner Bestimmung zurückgesammelt sein wird. Die folgenden Verse lenken nun den Blick wieder zurück. Sie schauen Israel, wie es noch unter die Völker zerstreut ist und zeichnen die menschheitspriesterliche Bedeutung seines Weilens in ihrer Mitte, die allerdings erst dann voll zur Geltung kommen wird, wenn der Priester selbst durch die Leiden des Exiles priesterlich geweiht sein wird. Es ist das שְׁאֵרִית, der überdauernde Rest, der Kern der Nation, der diese Vollendung erreichen und jene Bestimmung erfüllen wird. Der Sohn des Davidhauses aus Bethlehem hat ja nur zur Vollendung zu bringen, was durch Israels Sendung inmitten der Völker angebahnt werden soll.

וְהָיָה שְׁאֵרִית יַעֲקֹב וגו'. Jakob, im Gegensatz zu Israel: das schwache, gesunkene, abhängige und unscheinbare. עַמִּים: die Volksgesellschaften nach ihren inneren Verhältnissen, גּוֹיִם: die je einen Nationalkörper bildenden, sich gegen einander mehr oder minder feindlich abschließenden Volkseinheiten. Nun heißt es hier: der nach so vielen Massenmorden aus seinen nationalen Katastrophen übrigbleibende Rest des schwachen, abhängigen, unter die Mitte der Völker zerstreuten Jakobsvolkes wird mit seiner Lehre von der Gotteskindschaft aller Menschen, von dem wahren, an keinerlei Racen- oder Standesbesonderheit geknüpften Menschenwerte, von der gegen ausnahmslos alle Menschen zu übenden Pflicht der Gerechtigkeit und Menschenliebe, von dem auf allem Unrecht ruhenden Unsegen und von der Vergänglichkeit aller nur auf Gewalt gegründeten Größe — er wird inmitten der sich diesen Wahrheiten erschließenden Völkergesellschaften wie Tau und wie befruchtender Regen sein, der die Menschenwüste in eine Stätte des Aufblühens und Gedeihens umwandelt. Unscheinbar und von Gott gesandt wie Tau, אֲשֶׁר לֹא יְקַוֶּה לְאִישׁ, wird er seine Heilessendung vollbringen, ohne Menschenbeistand zu Hülfe zu rufen, וְלֹא יְיַחֵל לִבְנֵי אָדָם: und ohne zu warten, daß er gerufen werde.

7
וְהָיָה֩ שְׁאֵרִ֨ית יַעֲקֹ֜ב בַּגּוֹיִ֗ם בְּקֶ֙רֶב֙ עַמִּ֣ים רַבִּ֔ים כְּאַרְיֵה֙ בְּבַהֲמ֣וֹת יַ֔עַר כִּכְפִ֖יר בְּעֶדְרֵי־צֹ֑אן אֲשֶׁ֧ר אִם־עָבַ֛ר וְרָמַ֥ס וְטָרַ֖ף וְאֵ֥ין מַצִּֽיל׃
BernfeldDer Rest Jakobs wird sein unter den Nationen, in der Mitte vieler Völker, wie der Löwe unter den Waldtieren, wie der junge Leu unter den Schafherden, der, wenn er einbricht, niedertritt und zerreißt, ohne dass jemand retten kann.
ZunzUnd der Ueberrest Jaakob’s wird seyn unter Nationen in der Mitte vieler Völker, gleich dem Löwen unter den Thieren des Waldes, gleich dem jungen Leuen unter den Schafheerden, der, wenn er einbricht, niedertritt und zerreißt, und Niemand rettet.
J. J. HirschUnter den Nationen aber wird der inmitten vieler Volksgesellschaften [zerstreute] Überrest Jakobs wie ein Löwe sein unter den Tieren des Waldes, wie ein junger Löwe unter Schafherden, vor dem, wenn er dahinschreitet, niedertritt und zerreißt, niemand etwas rettet.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 7. וְהָיָה שְׁאֵרִית יַעֲקֹב בַּגּוֹיִם: als Träger dieser selbigen Wahrheiten aber, die es schon durch sein bloßes Dasein verkündet, wird dieses unscheinbare, unter alle Völker zerstreute, trotz des Mangels an jedem äußeren Zusammenhalte dennoch als Volk unvergängliche Jakob unter den machtvergötternden, sich gegeneinander und gegen diese ewigen Wahrheiten feindlich abschließenden Nationen — siegesgewaltig stark sein, wie der Löwe unter den Tieren des Waldes. Die göttliche Lehre von dem gleichen Rechte und der alle Menschen umfassenden Liebe ist der Granitfelsen, an dem die Wogen aller gewaltvergötternden Völker machtlos sich brechen. Es kommt die Zeit, wo:

8
תָּרֹ֥ם יָדְךָ֖ עַל־צָרֶ֑יךָ וְכׇל־אֹיְבֶ֖יךָ יִכָּרֵֽתוּ׃
BernfeldHochgeschwungen wird deine Hand sein über deine Dränger, und alle deine Feinde werden vertilgt.
ZunzHochgeschwungen wird deine Hand seyn über deine Dränger, daß all deine Feinde vertilgt werden.
J. J. HirschHoch wird deine Hand über deine Dränger erhoben sein, und alle deine Feinde werden vernichtet werden.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 8. תָּרֹם יָדְךָ וגו', wo dieser Sieg des „Überrestes Jakobs“ aller Augen sichtbar sich verwirklichen wird, und wo seine Gegner schwinden.

9
וְהָיָ֤ה בַיּוֹם־הַהוּא֙ נְאֻם־יְהֹוָ֔ה וְהִכְרַתִּ֥י סוּסֶ֖יךָ מִקִּרְבֶּ֑ךָ וְהַאֲבַדְתִּ֖י מַרְכְּבֹתֶֽיךָ׃
BernfeldAn jenem Tage, spricht der Herr, werde ich ausrotten deine Rosse aus deiner Mitte und vernichten deine Wagen.
ZunzUnd es wird geschehen an selbigem Tage, ist der Spruch des Ewigen, daß ich ausrotte deine Rosse aus deiner Mitte und deine Wagen vernichte;
J. J. HirschAn jenem Tage, spricht Gott, werde ich deine Rosse aus deiner Mitte vernichtet haben und zerstöret deine Wagen;
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 9—13. Doch nicht durch äußere Machtmittel wird Israel dieser Sieg. Solange es eine selbständige staatliche Größe war, hat auch es freilich in der Zahl und Größe seiner Städte und Festungen, in seiner Kriegsmacht und in den naturbändigenden Geheimkünsten, כְּשָׁפִים, seine Macht und seine Größe erblickt. Alles das, spricht Gott, wird es aber zu jener Zeit längst durch Gottes Fügung eingebüßt haben —: „Ich werde vernichtet haben“ — lautet der sich stets wiederholende Refrain.

10
וְהִכְרַתִּ֖י עָרֵ֣י אַרְצֶ֑ךָ וְהָרַסְתִּ֖י כׇּל־מִבְצָרֶֽיךָ׃
BernfeldIch zerstöre die Städte deines Landes und reiße alle deine Festen nieder.
ZunzUnd ausrotte die Städte deines Landes und niederreiße all deine Vesten;
J. J. Hirschwerde vernichtet haben die Städte deines Landes und niedergerissen alle deine Festungen;
11
וְהִכְרַתִּ֥י כְשָׁפִ֖ים מִיָּדֶ֑ךָ וּֽמְעוֹנְנִ֖ים לֹ֥א יִֽהְיוּ־לָֽךְ׃
BernfeldIch will ausrotten die Zaubereien aus deiner Hand, und Wolkendeuter sollst du nicht mehr haben.
ZunzUnd ausrotte die Zaubereien aus deiner Hand, und Wolkendeuter wirst du nicht haben;
J. J. Hirschwerde die Zaubermittel aus deiner Hand vernichtet haben, und Zeitenwähler wirst du ferner nicht haben;
12
וְהִכְרַתִּ֧י פְסִילֶ֛יךָ וּמַצֵּבוֹתֶ֖יךָ מִקִּרְבֶּ֑ךָ וְלֹא־תִשְׁתַּחֲוֶ֥ה ע֖וֹד לְמַעֲשֵׂ֥ה יָדֶֽיךָ׃
BernfeldIch zerstöre deine gehauenen Bilder und deine Standsäulen in deiner Mitte, dass du dich ferner nicht niederwerfest vor dem Werke deiner Hände.
ZunzUnd ausrotte deine gehauenen Bilder und deine Standsäulen aus deiner Mitte, und nicht wirst du dich ferner niederwerfen vor dem Werke deiner Hände.
J. J. Hirschwerde deine Götzenbilder und deine Standsäulen aus deiner Mitte vernichtet haben, und du wirst dich nicht ferner beugen vor dem Werke deiner Hände;
13
וְנָתַשְׁתִּ֥י אֲשֵׁירֶ֖יךָ מִקִּרְבֶּ֑ךָ וְהִשְׁמַדְתִּ֖י עָרֶֽיךָ׃
BernfeldIch will deine Haine in deiner Mitte niederreißen und deine Städte vertilgen.
ZunzUnd ausreißen werd’ ich deine Haine aus deiner Mitte, und deine Städte veraus deiner Mitte, und tilgen.
J. J. Hirschund werde deine Götzenhaine aus deiner Mitte entwurzelt und deine Städte zerstört haben:
14
וְעָשִׂ֜יתִי בְּאַ֧ף וּבְחֵמָ֛ה נָקָ֖ם אֶת־הַגּוֹיִ֑ם אֲשֶׁ֖ר לֹ֥א שָׁמֵֽעוּ׃ {פ}
BernfeldMit Zorn und Grimm werde ich Rache üben an den Völkern, [die mir] nicht gehorcht haben.
ZunzUnd werde mit Zorn und Grimm Rache üben an den Völkern, die nicht gehört haben.
J. J. Hirschdeshalb werde ich mit Zorn und loderndem Unwillen Vergeltung an den Nationen üben, die [daraus] nichts vernommen haben.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 14. Dieses Scherbengeschick der jüdischen Machtherrlichkeit hätte aber für die Völker eine Warnung sein, aus dem Zusammenbruch des jüdischen Staates hätten sie den Posaunenruf des auch ihnen drohenden Gottesgerichtes vernehmen und verstehen sollen: deshalb וְעָשִׂיתִי בְּאַף וּבְחֵמָה וגו', trifft sie der volle Unwille Gottes, weil sie diese Stimme nicht beherzigt haben.