Jonah 2 יונה

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1
וַיְמַ֤ן יְהֹוָה֙ דָּ֣ג גָּד֔וֹל לִבְלֹ֖עַ אֶת־יוֹנָ֑ה וַיְהִ֤י יוֹנָה֙ בִּמְעֵ֣י הַדָּ֔ג שְׁלֹשָׁ֥ה יָמִ֖ים וּשְׁלֹשָׁ֥ה לֵילֽוֹת׃
BernfeldDer Herr entbot unterdessen einen großen Fisch, Jona zu verschlingen. Jona blieb in dem Bauche des Fisches drei Tage und drei Nächte.
ZunzDa entbot der Ewige einen großen Fisch, Jonah zu verschlingen; und Jonah war in dem Bauche des Fisches drei Tage und drei Nächte.
J. J. HirschDa bestellte Gott einen großen Fisch, daß er Jona verschlinge, und Jona war drei Tage und drei Nächte im Innern des Fisches.
Transliterationwajᵉman Adonaj dag gadol liwloa‘ ’et-Jonah wajᵉhi Jonah bim‘ei haddag schᵉloscha jamim uschᵉloscha leilot
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 2. V. 1 und 2. וַיְמַן: da bestellte, nicht מָנָה Plusquamperfectum: hatte bestellt, sondern erst, als er in äußerster Lebensgefahr war. Aus V. 3—7 erfahren wir, was dieser „Bestellung“ vorangegangen war. — וַיְהִי יוֹנָה וגו'. Daß er, der doppelt Begrabene, zuerst vom Meere und sodann von dem Fischungetüm Verschlungene, nicht dem Erstickungstode erlag, vielmehr drei Tage „im Innern des Fisches“ am Leben blieb, das gab ihm die feste Überzeugung, daß sein Leben, und nicht sein Tod, Gottes Wille, und daß das Tier, das ihn verschlungen, vielmehr das von Gott bestimmte Werkzeug seiner Rettung sei. Deshalb findet sich auch in seinem Gebete kein Wort einer Bitte um Rettung, vielmehr enthält es den huldigenden Dank für die nach seiner Überzeugung bereits erfolgte Rettung. In der Thatsache seines Lebens und seines klaren Bewußtseins unter diesen Umständen, die ohne Gottes unmittelbares Eingreifen längst unabwendbar den Tod gebracht hätten, erblickte er den lebendigsten Beweis der rettenden Gottesnähe, sie verbürgte ihm, daß Gott seiner Thorheit verziehen habe und ihn einem ferneren Wirken erhalten wolle. Die Enge, die Licht- und Luftlosigkeit seines Kerkers hatte nichts Schreckendes mehr für ihn, je enger, je licht- und luftloser er war, um so überzeugungsmächtiger das Bewußtsein der Gottesnähe und um so beseligender diese Überzeugung. Je dunkler die ihn umfangende Nacht, um so heller ward es vor seinem geistigen Auge, und aus der ihn umfangenden Enge schwang sein Geist sich zu erhabenem weitem Ausblick empor auf der Menschen Thun und Treiben (V. 9). Da war das Geschöpf, das ihn in seinem Inneren durch die Fluten trug, ihm nicht mehr wie V. 1, דָּג, mascul., das ihn verschlingende, tötende Ungetüm: es war ihm דָּגָה, femin., geworden, das gefügige, willige, im Dienste der rettenden Vorsehung stehende gehorsame Geschöpf. — So dürfte sich auch der Wechsel der Geschlechtsbezeichnung, im V. 1 und ebenso V. 11 männlich: דָּג, und hier weiblich: דָּגָה, aufs natürlichste erklären, und was den Commentatoren zu z. T. recht seltsamen Erklärungen Anlaß gegeben, nichts als fein nüancierter Ausdruck eines Gedankens sein, der allerdings in solcher Kürze in keiner anderen Sprache wiederzugeben sein dürfte.

2
וַיִּתְפַּלֵּ֣ל יוֹנָ֔ה אֶל־יְהֹוָ֖ה אֱלֹהָ֑יו מִמְּעֵ֖י הַדָּגָֽה׃
BernfeldJona betete zum Herrn, seinem Gott, aus dem Bauche des Fisches
ZunzUnd Jonah betete zum Ewigen seinem Gott aus dem Bauche des Fisches,
J. J. HirschDa betete Jona zu Gott, seinem Gotte, aus dem Innern des Fisches.
Transliterationwajjitpallel Jonah ’el-Adonaj ’elohaw mimmᵉ‘ei haddaga
3
וַיֹּ֗אמֶר קָ֠רָ֠אתִי מִצָּ֥רָה לִ֛י אֶל־יְהֹוָ֖ה וַֽיַּעֲנֵ֑נִי מִבֶּ֧טֶן שְׁא֛וֹל שִׁוַּ֖עְתִּי שָׁמַ֥עְתָּ קוֹלִֽי׃
BernfeldUnd sprach: Aus meiner Bedrängnis habe ich zum Herrn gerufen, und er hat mich erhört; aus dem Schoß der Hölle habe ich geschrien, du hast meine Stimme vernommen.
ZunzUnd sprach: Ich habe gerufen aus meinem Drangsal zum Ewigen, und er hat mir geantwortet; aus dem Schooß der Hölle hab’ ich geschrieen, du hast meine Stimme gehört.
J. J. HirschUnd er sprach: „Aus der Not, die mich getroffen, hatte ich zu Gott aufgerufen, und er erhörte mich, aus dem Bauche des Grabes habe ich gefleht, und Du hast meine Stimme gehört.
Transliterationwajjo’mer kara’ti mitztzara li ’el-Adonaj wajja‘aneni mibbeten schᵉ’ol schiwwa‘ti schama‘ta koli
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3. מִצָּרָה לִי וגו': als die Not mir so recht nahe war, habe ich zu Gott gerufen, und er erhörte mich, aus dem wörtlich: „Bauche des Grabes“, der tiefsten Meerestiefe habe ich gefleht, und du hast meine Stimme gehört. Diese Erhörung zeigte sich in Folgendem. Die Grabestiefe wird nämlich im folgenden Verse מְצוּלָה genannt. צָלַל: den äußeren Eindrücken entzogen sein, so dem Schalle, dem Lichte. Hier: die schattige, dunkle Meerestiefe, wohin das Licht nicht dringt, wohin auch die Wellenbewegungen der oberen Meeresschichten nicht dringen. In diese dunkle stille Meerestiefe war ich gesunken, und von hier aus flehte ich mit entschwindendem Bewußtsein, מִצָּרָה. Da erhörtest du mich, denn:

4
וַתַּשְׁלִיכֵ֤נִי מְצוּלָה֙ בִּלְבַ֣ב יַמִּ֔ים וְנָהָ֖ר יְסֹבְבֵ֑נִי כׇּל־מִשְׁבָּרֶ֥יךָ וְגַלֶּ֖יךָ עָלַ֥י עָבָֽרוּ׃
BernfeldDenn Du hast mich geworfen in die Tiefe, mitten in das Meer, und Ströme umgeben mich; all deine Brandungen und deine Wogen fahren über mich her.
ZunzDenn du hast mich geworfen in die Tiefe, in das Herz der Meere, und Ströme umgeben mich; all deine Brandungen und deine Wogen, sie fahren über mich her,
J. J. HirschDa schleuderte die schattige Tiefe mich hinauf in die Mitte der Meereswogen, und eine Strömung umkreiste mich da, sodaß alle deine Brandungen und Wogen über mich hinglitten.
Transliterationwattaschlicheni mᵉtzula bilwaw jammim wᵉnahar jᵉsowᵉweni kol-mischbarecha wᵉgallecha ‘alaj ‘awaru
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. וַתַּשְׁלִיכֵנִי מְצוּלָה וגו', die tiefe Meeresflut schleuderte mich wieder empor in die Mitte der Meereswellen — יַמִּים, Plural, die bewegten, sich abhebenden Teile des Meeres — der erste Akt zur Rettung. Dort umkreiste mich, gleichfalls rettend, eine Meeresströmung, die mich aufrecht hielt. Die nähere Schilderung der Rettung wird V. 6 weiter ausgeführt, hier nur kurz erwähnt, daß alle „sich brechenden und dahinrollenden Wogen über ihn dahinglitten“ — ihn nicht fortrissen und nicht wieder in die Tiefe versinken ließen. Denn zunächst giebt der Prophet

5
וַאֲנִ֣י אָמַ֔רְתִּי נִגְרַ֖שְׁתִּי מִנֶּ֣גֶד עֵינֶ֑יךָ אַ֚ךְ אוֹסִ֣יף לְהַבִּ֔יט אֶל־הֵיכַ֖ל קׇדְשֶֽׁךָ׃
BernfeldErst dachte ich, ich sei vor dir verstoßen, doch werde ich noch schauen deinen heiligen Tempel!
ZunzDaß ich gedachte: Ich bin verstoßen fernab aus deinen Augen; doch werde ich wiederum schauen nach deinem heiligen Tempel.
J. J. HirschIch hatte schon gesprochen: ‚Ich bin ganz verstoßen, aus deinen Augen hinweg!‘ — jedoch ich werde noch oft hinschauen auf deinen heiligen Tempel!
Transliterationwa’ani ’amarti nigraschti minneged ‘einecha ’ach ’osif lᵉhabbit ’el-heichal kodschecha
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 5. dem überquillenden Frohgefühl über seine Rettung Ausdruck. Ich hatte schon geglaubt: נִגְרַשְׁתִּי וגו', ewig geschieden zu sein, daß ich nie wieder vor dein Angesicht käme: jetzt aber weiß ich's, daß ich „noch oft hinschauen werde auf deinen heiligen Tempel“ — aus dem ich in Verblendung geflohen. Denn:

6
אֲפָפ֤וּנִי מַ֙יִם֙ עַד־נֶ֔פֶשׁ תְּה֖וֹם יְסֹבְבֵ֑נִי ס֖וּף חָב֥וּשׁ לְרֹאשִֽׁי׃
BernfeldEs umringt mich das Wasser [und bedroht] mein Leben; die Tiefe umringt mich; das Meergras ist um mein Haupt umschlungen.
ZunzEs überhäuften mich die Gewässer bis an die Seele, die Tiefe umringte mich; das Schilf war ein Bund um mein Haupt.
J. J. HirschEs hatten mich die Wasser umfangen, bis ans Leben, — da umgab mich [rettend] das Gewoge, Schilf war um mein Haupt gewunden!
Transliteration’afafuni majim ‘ad-nefesch tᵉhom jᵉsowᵉweni suf chawusch lᵉro’schi
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 6. das Wasser war's, das mir den Tod drohte, das Wasser war's, das mich rettend umkreiste, und Schilf — jetzt erfahren wir die nähere Modalität der Rettung — war wie ein Lager „um mein Haupt gewunden“, hielt mich empor.

7
לְקִצְבֵ֤י הָרִים֙ יָרַ֔דְתִּי הָאָ֛רֶץ בְּרִחֶ֥יהָ בַעֲדִ֖י לְעוֹלָ֑ם וַתַּ֧עַל מִשַּׁ֛חַת חַיַּ֖י יְהֹוָ֥ה אֱלֹהָֽי׃
BernfeldIn die tiefsten Grunde der Berge fuhr ich hinab, die Erde umschloss mich mit ihren Riegeln für immer; da brachtest du herauf aus der Grube mein Leben, Herr, mein Gott!
ZunzAn das Aeußerste der Berge fuhr ich hinab, die Erde — ihre Riegel waren vor mir für ewig; da brachtest du herauf aus der Grube mein Leben, Ewiger, mein Gott!
J. J. HirschBis an die Wurzeln der Berge war ich hinabgesunken, die Erde, die hatte bereits ihre Riegel für immer mir vorgeschoben — da hobst Du aus der Tiefe mein Leben, Gott, mein Gott!
Transliterationlᵉkitzwei harim jaradti ha’aretz bᵉricheha wa‘adi lᵉ‘olam watta‘al mischschachat chajjaj Adonaj ’elohaj
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 7. Dankerfüllt über die Rettung, versetzt er sich im Geiste rückwärtsschreitend nochmals in den Moment der großen Not: Bergestief war ich hinabgesunken, die Erde schien mir ewig verschlossen zu sein — da hobst du aus der Grabestiefe mein Leben, ה' mein Gott!

8
בְּהִתְעַטֵּ֤ף עָלַי֙ נַפְשִׁ֔י אֶת־יְהֹוָ֖ה זָכָ֑רְתִּי וַתָּב֤וֹא אֵלֶ֙יךָ֙ תְּפִלָּתִ֔י אֶל־הֵיכַ֖ל קׇדְשֶֽׁךָ׃
BernfeldWenn meine Seele in mir verschmachtete, gedachte ich des Herrn, und es kam zu dir mein Gebet in deinen heiligen Tempel.
ZunzWenn sich meine Seele verdunkelte in mir, gedachte ich des Ewigen, und es kam zu dir mein Gebet in deinen heiligen Tempel.
J. J. HirschSo oft sich meine Seele für mich verhüllte, dachte ich an Gott, und es kam mein Gebet zu Dir, zu deinem heiligen Tempel. —
Transliterationbᵉhit‘attef ‘alaj nafschi ’et-Adonaj zacharᵉti wattawo’ ’elecha tᵉfillati ’el-heichal kodschecha
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 8. בְּהִתְעַטֵּף עָלַי נַפְשִׁי וגו': so oft sich in diesem Zustande meine Seele „mir verhüllen“, d. i. entfliehen wollte, so oft ich mein Bewußtsein schwinden fühlte, war mein einziger Gedanke: ה', Gott, und mein Gebet kam zu dir, zu deinem heiligen Tempel. Die heilige Stätte, von der ich geflohen, aus des Meeres Tiefe suchte ich sie auf mit meiner Seele Sehnen.

9
מְשַׁמְּרִ֖ים הַבְלֵי־שָׁ֑וְא חַסְדָּ֖ם יַעֲזֹֽבוּ׃
BernfeldDie auf nichtigen Tand vertrauen, verzichten auf ihr Heil.
ZunzDie auf nichtigen Tand warten, die versichten auf ihre Gnade.
J. J. HirschDa bewahren sie so sorgfältig — Nichtigkeiten der Täuschung! — das aber, dem sie sich in Liebe hingeben sollten, das — verlassen sie!
Transliterationmᵉschammᵉrim hawlei-schaw’ chasdam ja‘azowu
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 9. Im Anblick der Ewigkeit, dem Kreise der Menschen entrückt und allem, was sie hoffen und fürchten, was sie erraffen und was sie preisgeben, spricht er es aus: מְשַׁמְּרִים וגו'. O wie sorgfältig bewahren und hüten Menschen Nichtigkeiten, die ihnen nur Täuschung bereiten! Das aber, dem sie in Wahrheit ihre Hingebung weihen sollten, חַסְדָּם, das — geben sie preis, das verkennen und verlassen sie!

10
וַאֲנִ֗י בְּק֤וֹל תּוֹדָה֙ אֶזְבְּחָה־לָּ֔ךְ אֲשֶׁ֥ר נָדַ֖רְתִּי אֲשַׁלֵּ֑מָה יְשׁוּעָ֖תָה לַיהֹוָֽה׃ {פ}
BernfeldIch aber — mit der Stimme des Dankes werde ich dir opfern; was ich gelobt, werde ich bezahlen. Hilfe ist nur beim Herrn!
ZunzIch aber — mit der Stimme des Dankes werd’ ich dir opfern; was ich gelobt, werd’ ich bezahlen. Hülfe ist beim Ewigen!
J. J. HirschIch aber werde Dir noch mit lautem Danke Opfer bringen, — was ich gelobt, das werde ich erfüllen! Die Hülfe aber — steht bei Gott.“ —
Transliterationwa’ani bᵉkol toda ’ezbᵉcha-llach ’ascher nadarti ’aschallema jᵉschu‘ata ladonaj.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 10. וַאֲנִי וגו'. Ich aber, was ich in der Not gelobt habe, das werde ich in meinem geretteten Sein wahr machen. — יְשׁוּעָתָה לה': die Hülfe aber — wir haben schon oben darauf hingewiesen, daß er nicht um sie bittet — die ist לה', die überlasse ich Gott.

11
וַיֹּ֥אמֶר יְהֹוָ֖ה לַדָּ֑ג וַיָּקֵ֥א אֶת־יוֹנָ֖ה אֶל־הַיַּבָּשָֽׁה׃ {ס}
BernfeldDer Herr befahl dem Fisch, dass er den Jona auf das Trockene ausspie.
ZunzUnd der Ewige sprach zum Fische, und er spie den Jonah auf das Trockene.
J. J. HirschDa gebot Gott dem Fische, und er warf Jona ans Land.
Transliterationwajjo’mer Adonaj laddag wajjake’ ’et-Jonah ’el-hajabascha