Jonah 2 יונה
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kap. 2. V. 1 und 2. וַיְמַן: da bestellte, nicht מָנָה Plusquamperfectum: hatte bestellt, sondern erst, als er in äußerster Lebensgefahr war. Aus V. 3—7 erfahren wir, was dieser „Bestellung“ vorangegangen war. — וַיְהִי יוֹנָה וגו'. Daß er, der doppelt Begrabene, zuerst vom Meere und sodann von dem Fischungetüm Verschlungene, nicht dem Erstickungstode erlag, vielmehr drei Tage „im Innern des Fisches“ am Leben blieb, das gab ihm die feste Überzeugung, daß sein Leben, und nicht sein Tod, Gottes Wille, und daß das Tier, das ihn verschlungen, vielmehr das von Gott bestimmte Werkzeug seiner Rettung sei. Deshalb findet sich auch in seinem Gebete kein Wort einer Bitte um Rettung, vielmehr enthält es den huldigenden Dank für die nach seiner Überzeugung bereits erfolgte Rettung. In der Thatsache seines Lebens und seines klaren Bewußtseins unter diesen Umständen, die ohne Gottes unmittelbares Eingreifen längst unabwendbar den Tod gebracht hätten, erblickte er den lebendigsten Beweis der rettenden Gottesnähe, sie verbürgte ihm, daß Gott seiner Thorheit verziehen habe und ihn einem ferneren Wirken erhalten wolle. Die Enge, die Licht- und Luftlosigkeit seines Kerkers hatte nichts Schreckendes mehr für ihn, je enger, je licht- und luftloser er war, um so überzeugungsmächtiger das Bewußtsein der Gottesnähe und um so beseligender diese Überzeugung. Je dunkler die ihn umfangende Nacht, um so heller ward es vor seinem geistigen Auge, und aus der ihn umfangenden Enge schwang sein Geist sich zu erhabenem weitem Ausblick empor auf der Menschen Thun und Treiben (V. 9). Da war das Geschöpf, das ihn in seinem Inneren durch die Fluten trug, ihm nicht mehr wie V. 1, דָּג, mascul., das ihn verschlingende, tötende Ungetüm: es war ihm דָּגָה, femin., geworden, das gefügige, willige, im Dienste der rettenden Vorsehung stehende gehorsame Geschöpf. — So dürfte sich auch der Wechsel der Geschlechtsbezeichnung, im V. 1 und ebenso V. 11 männlich: דָּג, und hier weiblich: דָּגָה, aufs natürlichste erklären, und was den Commentatoren zu z. T. recht seltsamen Erklärungen Anlaß gegeben, nichts als fein nüancierter Ausdruck eines Gedankens sein, der allerdings in solcher Kürze in keiner anderen Sprache wiederzugeben sein dürfte.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 3. מִצָּרָה לִי וגו': als die Not mir so recht nahe war, habe ich zu Gott gerufen, und er erhörte mich, aus dem wörtlich: „Bauche des Grabes“, der tiefsten Meerestiefe habe ich gefleht, und du hast meine Stimme gehört. Diese Erhörung zeigte sich in Folgendem. Die Grabestiefe wird nämlich im folgenden Verse מְצוּלָה genannt. צָלַל: den äußeren Eindrücken entzogen sein, so dem Schalle, dem Lichte. Hier: die schattige, dunkle Meerestiefe, wohin das Licht nicht dringt, wohin auch die Wellenbewegungen der oberen Meeresschichten nicht dringen. In diese dunkle stille Meerestiefe war ich gesunken, und von hier aus flehte ich mit entschwindendem Bewußtsein, מִצָּרָה. Da erhörtest du mich, denn:
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 4. וַתַּשְׁלִיכֵנִי מְצוּלָה וגו', die tiefe Meeresflut schleuderte mich wieder empor in die Mitte der Meereswellen — יַמִּים, Plural, die bewegten, sich abhebenden Teile des Meeres — der erste Akt zur Rettung. Dort umkreiste mich, gleichfalls rettend, eine Meeresströmung, die mich aufrecht hielt. Die nähere Schilderung der Rettung wird V. 6 weiter ausgeführt, hier nur kurz erwähnt, daß alle „sich brechenden und dahinrollenden Wogen über ihn dahinglitten“ — ihn nicht fortrissen und nicht wieder in die Tiefe versinken ließen. Denn zunächst giebt der Prophet
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 5. dem überquillenden Frohgefühl über seine Rettung Ausdruck. Ich hatte schon geglaubt: נִגְרַשְׁתִּי וגו', ewig geschieden zu sein, daß ich nie wieder vor dein Angesicht käme: jetzt aber weiß ich's, daß ich „noch oft hinschauen werde auf deinen heiligen Tempel“ — aus dem ich in Verblendung geflohen. Denn:
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 6. das Wasser war's, das mir den Tod drohte, das Wasser war's, das mich rettend umkreiste, und Schilf — jetzt erfahren wir die nähere Modalität der Rettung — war wie ein Lager „um mein Haupt gewunden“, hielt mich empor.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 7. Dankerfüllt über die Rettung, versetzt er sich im Geiste rückwärtsschreitend nochmals in den Moment der großen Not: Bergestief war ich hinabgesunken, die Erde schien mir ewig verschlossen zu sein — da hobst du aus der Grabestiefe mein Leben, ה' mein Gott!
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 8. בְּהִתְעַטֵּף עָלַי נַפְשִׁי וגו': so oft sich in diesem Zustande meine Seele „mir verhüllen“, d. i. entfliehen wollte, so oft ich mein Bewußtsein schwinden fühlte, war mein einziger Gedanke: ה', Gott, und mein Gebet kam zu dir, zu deinem heiligen Tempel. Die heilige Stätte, von der ich geflohen, aus des Meeres Tiefe suchte ich sie auf mit meiner Seele Sehnen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 9. Im Anblick der Ewigkeit, dem Kreise der Menschen entrückt und allem, was sie hoffen und fürchten, was sie erraffen und was sie preisgeben, spricht er es aus: מְשַׁמְּרִים וגו'. O wie sorgfältig bewahren und hüten Menschen Nichtigkeiten, die ihnen nur Täuschung bereiten! Das aber, dem sie in Wahrheit ihre Hingebung weihen sollten, חַסְדָּם, das — geben sie preis, das verkennen und verlassen sie!
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 10. וַאֲנִי וגו'. Ich aber, was ich in der Not gelobt habe, das werde ich in meinem geretteten Sein wahr machen. — יְשׁוּעָתָה לה': die Hülfe aber — wir haben schon oben darauf hingewiesen, daß er nicht um sie bittet — die ist לה', die überlasse ich Gott.