Jonah 1 יונה

Buch: Kapitel: Vers:
Übersetzung:
Haftarot in diesem Kapitel: Jom Kippur, Minchah
Einleitung von Julius Jehuda Hirsch

Jona

Über Person und Zeit des Propheten siehe zu V. 1.

Kaum einen anderen Propheten dürfte es geben, dessen Worte einen so unmittelbaren, so tiefen Eindruck auf jedes Menschengemüt zu machen geeignet sind, wie die Jonas. Betreffen sie doch die höchsten und heiligsten Anliegen eines jeden Menschenherzens. Die Möglichkeit der Erhebung aus der Sünde, der Aufkehr aus der Gesunkenheit, der Wiedergewinnung der Gottesgnade, wo sie durch Thorheit, Leichtsinn und Verblendung verscherzt war, die Vergegenwärtigung der Thatsache der sittlichen Freiheit, der Macht und des Wesens der Theschuba, der Rückkehr des aus tiefster Gesunkenheit zu seinem Gotte sich emporringenden Menschen — sie bilden ja den Kerngedanken des herrlichen Prophetenwortes.

Er hatte der gewaltigen Ninive, der glänzenden Hauptstadt des weltherrschenden Assyrerreiches, wegen ihrer Missethaten den Untergang verkündet. Die Worte des fremden Propheten, der im Namen des unsichtbaren Gottes gesprochen, hatten in den Herzen des götzendienenden Volkes tiefe Erregung erzeugt. Sie waren in sich gegangen, hatten Fasten verkündet, und der von dem Volke ausgehenden Bewegung hatte der König, hatten die Großen sich angeschlossen. Der König war von seinem Throne gestiegen, hatte sich seiner Königsgewänder entkleidet und gleichfalls ein härenes Trauergewand angelegt, und der Befehl war im Namen des Königs und der Großen ergangen, daß ein jeglicher fasten und Gott inständig anrufen und „zurückkehren solle von seinem schlechten Wandel und von dem Unrecht, das in seinen Händen.“ — Da heißt es nun nicht, bemerken unsre Weisen: Gott sah, wie sie sich durch Fasten kasteieten und mit ihren härenen Gewändern sich peinigten, auch nicht: wie andächtig sie beteten, sondern: „Gott sah ihre Thaten, daß sie von ihrem schlechten Wandel zurückgekehrt waren, da änderte Gott seinen Entschluß hinsichtlich des ihnen angekündigten Unglückes und führte es nicht aus.“ So ist Besserung das alleinige Wesen der Theschuba, und nur sie erwirkt das Wunder der göttlichen Gnade. Wir haben an einem anderen Orte eingehend darauf hingewiesen^*), wie charakteristisch es ist für die jeder confessionellen Engherzigkeit abholde, wahrhaft freie Universalität des Judentums, daß es götzendienende Heiden sind, deren Besserung uns an unserem יוֹם הַכִּפּוּרִים, dem „Tage der Sühnen“, als Vorbild für die eigene Besserung vor die Seele geführt wird. Nur mit dem Unterschiede, daß die Verzeihung, die ihnen durch die Rückkehr zu den allgemein menschlichen Pflichten zu teil wurde, für uns an die Rückkehr zu dem gesamten Gottesgesetze geknüpft ist.

Doch noch zwei andere Momente sind es, die uns dieses Prophetenwort in einer ergreifenden Eindringlichkeit wie kaum ein anderes vor die Seele führt.

Einmal die Allgegenwart und die alle Wesen und Kräfte als Vollstrecker seines Willens verwendende Vorsehung Gottes. Was dem gedankenlosen Menschen als Spiel der Elemente, als Walten des Zufalls erscheint: so es in den Dienst der Ausführung des Gottesgedankens gestellt ist, ist es planvolle Gottesfügung. Der Sturm auf dem Meere, der dem sich der Gottessendung entziehenden Flüchtling schon vorausgesandt ist (Kap. 1, 4), das wildbrandende wütende Meer, die Gottesfügung, die ihn im Leben erhält in einer Lage, die sonst unrettbar den Tod bringt, die dunkle stille Meerestiefe, die ihn wieder emporschleudert in den Bereich der Meereswogen, der Meeresstrudel, der ihn umkreiset und emporhält, das Seetier, das ihn verschlingt und später ans Land wirft, das Kikajon, das in einer Nacht aufsprosst, ihn im Sonnenbrand zu beschatten, das Insekt, dessen Stich dasselbe Kikajon verdorren macht, der Glutwind aus dem Osten, der Jona verschmachten läßt, — von einigen dieser Fügungen erfahren wir es aus den Worten des Propheten, bei den anderen, so bei dem Sturme auf dem Meere, dem gewaltigen Fische, dem aufsprossenden Kikajon, dem es tötenden Wurme, dem glühenden Ostwind heißt es ausdrücklich: וַה' הֵטִיל, וַיְמַן ה', in viermaliger Wiederholung: Gott bestellte, Gott bestimmte sie.

Und sodann jenes Allerbarmens, jene Liebe, die ein jedes Wesen und sein Gedeihen als ein Werk der Fürsorge des Schöpfers anschaut und diesem wert und teuer sein läßt! „Dich dauert des Kikajons, mit dem du dich nicht abgemüht und das du nicht großgezogen hast — und mich sollte nicht der großen Stadt dauern und all der Kinderseelen in ihr und all des Viehes?“ — Also ist jeder Kreis von Menschen eine „Pflanze“, von der Gott spricht: אֲשֶׁר עָמַלְתִּי בוֹ וַאֲשֶׁר גִּדַּלְתִּי! Das ist die Vaterliebe des Schöpfers, die unverlierbare, die jedem seiner Kinder zugewandte, wie das „Alte Testament“ sie lehrt, jene Liebe, die der Rückkehr der verirrten Kinder harret, die ihnen aus freier sittlicher Energie stets offen steht, weil sie nicht „sündig“, sondern rein und für das Höchste befähigt geboren werden, jene Liebe, die, wenn das ältere Geschlecht gesunken ist, auf die reinen Keime des Guten in der Brust derer hinschaut, die noch nicht „die Rechte und die Linke unterscheiden können“, und schon um der unschuldigen Kinderseelen willen den drohenden Untergang gerne abwendet.

Fußnote: *) Das reine Menschentum im Lichte des Judentums. Frankf. a. M. Kauffmann. 1893. S. 35.

Kap. 1. V. 1. וַיְהִי וגו'. Die Fassung des Verses ohne jegliche Einleitung bezeichnet die Plötzlichkeit der Beauftragung. Nach einer Überlieferung war es während der שמחת בית השואבה, der Zeit der höchsten Nationalfreude im Tempel in Jerusalem. Wir haben von Jona nichts als diese vier Kapitel von seiner Sendung nach Ninive. Sein befremdlicher Versuch, sich dem göttlichen Auftrage zu entziehen, noch mehr seine Haltung gegenüber der Begnadigung Ninives würden uns eine irrige Vorstellung von der Persönlichkeit und Bedeutung dieses Propheten gewinnen lassen, wenn nicht 2 Könige 14, 25 von ihm die Rede wäre. Dort heißt es: הוּא הֵשִׁיב אֶת־גְּבוּל יִשְׂרָאֵל וגו' כִּדְבַר ה' אֱלֹהֵי יִשְׂרָאֵל אֲשֶׁר דִּבֶּר בְּיַד עַבְדּוֹ יוֹנָה בֶן־אֲמִתַּי. „Er, Jerobeam II., stellte das Gebiet Israels wieder her von Chamath bis zum Meer der Wüste, entsprechend dem Worte Gottes, des Gottes Israels, das er durch seinen Diener Jona, den Sohn Amittais, hatte verkünden lassen.“ Daraus ergiebt sich, daß Jona auch anderweitig als Organ des Gotteswortes an Israel gedient hat, wenngleich von seinen Worten uns nichts aufbewahrt worden ist. Sodann aber wird von ihm mit den Worten „durch seinen Diener“ das Höchste ausgesprochen, das nur von einem Menschen gesagt werden kann. Wir sind daher berechtigt, in dieser Sendung nach Ninive das erste an Jona gerichtete Gotteswort zu erblicken. Bedenken wir ferner, daß nach jüdischer Lehre der Geist Gottes nicht auf dem Einfältigen, dem geistig und sittlich Unentwickelten ruht, daß vielmehr die höchsten geistigen und sittlichen Errungenschaften den Mann erst würdig machen, um zum Gottespropheten erwählt zu werden, so kann es uns nicht Wunder nehmen, wenn uns hier gezeigt wird, wie sich Gott einen geistig schon hochstehenden Mann zum Propheten erzieht. Diese ganze Erzählung bildet den Anfang seiner Sendung und stellt sich in Bezug auf Jona als seine Erziehung zum Propheten dar.

Jona wollte sich der Sendung entziehen. Aus Kap. 4, 2 erfahren wir den Grund. Er fürchtete, sein Auftrag werde, wie es auch nachher der Fall war, auf eine unbedingte Ankündigung des bevorstehenden Unterganges lauten. Nicht mit einer Drohung für den Fall des Verharrens in der Sünde, sondern mit einer positiven Ankündigung des Unterganges, als eines unabwendbaren, bereits gefällten Gottesurteils wurde er hingesandt. Jona, auf dem Boden der göttlichen Offenbarung stehend, war ja keinen Augenblick darüber im Zweifel, daß durch Rückkehr der verirrten Menschen auch das unbedingt angekündigte Unglück von ihnen abgewendet werden würde. Er kannte aber auch die Menschen hinlänglich, um auch darüber nicht im Zweifel zu sein, daß, sobald die Sorge geschwunden, er in ihren Augen als Lügner dastehen und ein Gegenstand ihrer Verfolgung sein würde. Der wahre Gottesprophet darf allerdings keinen Augenblick anstehen, zum Heile der Menschenbrüder im Auftrage Gottes jedes Martyrium auf sich zu nehmen, er darf auch vor dem Opfer seiner Ehre nicht zurückschrecken. Die Höhe hatte Jona noch nicht erreicht. Deshalb eilte er, den heiligen Boden des Gottesgesetzes zu verlassen, noch bevor ihm der Inhalt seiner Sendung als unmittelbarer Gottesauftrag ausdrücklich mitgeteilt war. Nicht als ob er den wahnwitzigen Gedanken gehabt hätte, Gott entfliehen, sich irgendwie Gottes Macht entziehen zu können. Dann wäre er wahrlich überhaupt nicht einer göttlichen Sendung gewürdigt worden. Es heißt ja auch nicht: מִפְּנֵי ה', was causal wäre, sondern hier zweimal und ebenso V. 10: מִלִּפְנֵי ה', nämlich: weg davon, daß er vor Gott stehe. Es liegt dem der Gedanke zu Grunde, daß die Stufe der Prophetie nur auf dem Boden des heiligen Landes gewonnen wird, das hier לִפְנֵי ה' im engeren Sinne genannt wird, indem man sich mit seinem ganzen Leben in allen seinen Beziehungen im weiteren Umkreise des Heiligtums zur steten Verfügung desselben befinde. Wer einmal der göttlichen Sendung gewürdigt, an den ergeht das Gotteswort überall. Allein erreicht wird die Prophetie nur auf diesem Boden. Deshalb glaubte Jona, durch Verlassen des jüdischen Landes der Entgegennahme der göttlichen Botschaft sich entziehen zu können. Es zeigt sich auch hierin, daß dies der Anfang seiner Sendung war, sonst hätte er gewußt, daß es ebenso unmöglich ist, מִלִּפְנֵי ה' wie מִפְּנֵי ה' zu fliehen.

Haftarah Jom Kippur, Minchah Italiener stellen Owadjah 1,21 voran.
Haftarah Jom Kippur, Minchah Aschkenasim, Sefardim, Jemeniten, Italiener, Romanioten, Karäer und Frankfurt a. M. beginnen hier.
1
וַֽיְהִי֙ דְּבַר־יְהֹוָ֔ה אֶל־יוֹנָ֥ה בֶן־אֲמִתַּ֖י לֵאמֹֽר׃
BernfeldEs erging das Wort des Herrn an Jona, Sohn Amittai, also:
ZunzUnd es erging das Wort des Ewigen an Jonah, Sohn Amittai, also:
J. J. HirschDas Wort Gottes erging an Jona, den Sohn Amittais:
Transliterationwajᵉhi dᵉwar-Adonaj ’el-Jonah wen-’amittaj le’mor
2
ק֠וּם לֵ֧ךְ אֶל־נִֽינְוֵ֛ה הָעִ֥יר הַגְּדוֹלָ֖ה וּקְרָ֣א עָלֶ֑יהָ כִּֽי־עָלְתָ֥ה רָעָתָ֖ם לְפָנָֽי׃
BernfeldAuf, gehe nach Ninive, der großen Stadt, und verkünde ihr, dass ihre Bosheit vor mich gekommen ist.
ZunzAuf, gehe nach Ninweh, der großen Stadt, und rufe (Wehe) über sie, denn ihre Bosheit ist heraufgestiegen vor mich.
J. J. Hirsch„Mache dich auf, gehe nach Ninive, der großen Stadt, und verkünde über sie, daß ihr Frevel emporgestiegen ist vor mein Angesicht.“
Transliterationkum lech ’el-ninᵉwe ha‘ir haggᵉdola ukᵉra’ ‘aleha ki-‘alᵉta ra‘atam lᵉfanaj
3
וַיָּ֤קׇם יוֹנָה֙ לִבְרֹ֣חַ תַּרְשִׁ֔ישָׁה מִלִּפְנֵ֖י יְהֹוָ֑ה וַיֵּ֨רֶד יָפ֜וֹ וַיִּמְצָ֥א אֳנִיָּ֣ה ׀ בָּאָ֣ה תַרְשִׁ֗ישׁ וַיִּתֵּ֨ן שְׂכָרָ֜הּ וַיֵּ֤רֶד בָּהּ֙ לָב֤וֹא עִמָּהֶם֙ תַּרְשִׁ֔ישָׁה מִלִּפְנֵ֖י יְהֹוָֽה׃
BernfeldAber Jonas machte sich auf, vor dem Herrn nach Tarschisch zu fliehen. Er ging nach Jafo, wo er ein Schiff fand, das nach Tarschisch gehen sollte; da gab er den Fährlohn und bestieg es, um mit ihnen nach Tarschisch zu gehen, fort vor dem Herrn.
ZunzAber Jonah machte sich auf, nach Tarschisch zu fliehen, hinweg von dem Angesicht des Ewigen. Und er ging hinab nach Jafo und fand ein Schiff, das nach Tarschisch ging, und gab den Fährlohn und stieg hinein, um mit ihnen nach Tarschisch zu gehen, hinweg von dem Angesicht des Ewigen.
J. J. HirschDa machte Jona sich auf, gen Tharschisch zu fliehen, hinweg aus dem Angesichte Gottes; er ging nach Japho hinab und fand ein Schiff, das nach Tharschisch heimfuhr, da zahlte er den Fahrpreis und stieg hinein, um mit ihnen nach Tharschisch zu fahren, hinweg aus dem Angesichte Gottes.
Transliterationwajjakom Jonah liwroach tarschischa millifnei Adonaj wajjered jafo wajjimtza’ ’onija ba’a tarschisch wajjitten sᵉcharah wajjered bah lawo’ ‘immahem tarschischa millifnei Adonaj
4
וַֽיהֹוָ֗ה הֵטִ֤יל רֽוּחַ־גְּדוֹלָה֙ אֶל־הַיָּ֔ם וַיְהִ֥י סַֽעַר־גָּד֖וֹל בַּיָּ֑ם וְהָ֣אֳנִיָּ֔ה חִשְּׁבָ֖ה לְהִשָּׁבֵֽר׃
BernfeldAber der Herr erhob einen großen Wind gegen das Meer, es war ein großer Sturm im Meere, so dass das Schiff zu scheitern drohte.
ZunzAber der Ewige erhob einen großen Wind gegen das Meer, und es war ein grosser Sturm im Meere, so daß das Schiff zu zerbrechen drohete.
J. J. HirschGott aber hatte einen gewaltigen Wind auf's Meer hinausgesandt, der ward auf dem Meere zu einem gewaltigen Sturme, und das Schiff drohte zu scheitern.
Transliterationwa-Adonaj hetil ruach-ggᵉdola ’el-hajjam wajᵉhi sa‘ar-gadol bajjam wᵉho’onijja chischschᵉwa lᵉhischschawer
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. וה' הֵטִיל. Die Unterbrechung der Anwendung des historischen Tempus durch das Präteritum giebt diesem stets die Bedeutung des Plusquamperfectum. Also: Gott hatte bereits den Wind ins Meer gesandt, וַיְהִי: der wurde nun, als sie auf offener See waren, zu einem großen Sturme.

5
וַיִּֽירְא֣וּ הַמַּלָּחִ֗ים וַֽיִּזְעֲקוּ֮ אִ֣ישׁ אֶל־אֱלֹהָיו֒ וַיָּטִ֨לוּ אֶת־הַכֵּלִ֜ים אֲשֶׁ֤ר בָּֽאֳנִיָּה֙ אֶל־הַיָּ֔ם לְהָקֵ֖ל מֵֽעֲלֵיהֶ֑ם וְיוֹנָ֗ה יָרַד֙ אֶל־יַרְכְּתֵ֣י הַסְּפִינָ֔ה וַיִּשְׁכַּ֖ב וַיֵּרָדַֽם׃
BernfeldDa fürchteten sich die Seeleute und flehten jeder zu seinen Göttern; dann warfen sie die Geräte, die im Schiffe waren, in das Meer, um es sich leichter zu machen. Jona aber war hinuntergestiegen in den inneren Schiffsraum, wo er sich hinlegte und entschlief.
ZunzDa fürchteten sich die Seeleute, und schrien, Jeglicher zu seinen Göttern, und warfen die Geräthe, die im Schiffe waren, in das Meer, um es sich leichter zu machen. Jonah aber war hinuntergestiegen in den innern Schiffraum, und legte sich hin und entschlief.
J. J. HirschDa fürchteten sich die Seeleute und sie flehten ein jeder zu seinem Gotte, und warfen die Geräte, die im Schiffe waren, ins Meer, um sich Erleichterung zu schaffen. Jona aber war in den untersten Schiffsraum hinabgestiegen, hatte sich niedergelegt und war in tiefsten Schlaf gesunken.
Transliterationwajjirᵉ’u hammallachim wajjiz‘aku ’isch ’el-’elohaw wajjatilu ’et-hakkelim ’ascher bo’onijja ’el-hajjam lᵉhakel me‘aleihem wᵉJonah jarad ’el-jarkᵉtei hassᵉfina wajjischkaw wajjeradam
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 5. וְיוֹנָה יָרַד: ebenso wie oben הֵטִיל Plusquamperfectum, Jona war gleich anfangs hinabgestiegen, hatte sich niedergelegt und war eingeschlafen. Sonst wäre dieser Schlaf, während die anderen zu ihren Göttern flehten, ja eine Höhnung gewesen. וַיֵּרָדַם: er war tief eingeschlafen, sodaß selbst der Sturm ihn nicht weckte.

6
וַיִּקְרַ֤ב אֵלָיו֙ רַ֣ב הַחֹבֵ֔ל וַיֹּ֥אמֶר ל֖וֹ מַה־לְּךָ֣ נִרְדָּ֑ם ק֚וּם קְרָ֣א אֶל־אֱלֹהֶ֔יךָ אוּלַ֞י יִתְעַשֵּׁ֧ת הָאֱלֹהִ֛ים לָ֖נוּ וְלֹ֥א נֹאבֵֽד׃
BernfeldDa trat zu ihm der Steuermeister und sprach ihn an: Was hast du zu schlafen? Auf, rufe zu deinem Gott, vielleicht besinnt sich Gott unsertwegen, dass wir nicht umkommen.
ZunzUnd es trat zu ihm der Steuermeister, und sprach zu ihm: Was hast du zu schlafen? Auf, rufe zu deinem Gott, vielleicht besinnet sich der Gott unsertwegen, daß wir nicht umkommen.
J. J. HirschDa trat der Schiffsmeister zu ihm heran und sprach zu ihm: „Was hast du jetzt tief zu schlafen! Auf, rufe zu deinem Gotte, vielleicht wird der Gott sich für uns erbitten lassen, so daß wir nicht zu Grunde gehen!“
Transliterationwajjikraw ’elaw raw hachowel wajjo’mer lo mah-llᵉcha nirdam kum kᵉra’ ’el-’elohecha ’ulaj jit‘aschschet ha’elohim lanu wᵉlo’ no’wed
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 6. „Rufe zu deinem Gotte, vielleicht wird der Gott יִתְעַשֵּׁת לָנוּ, sich für uns, zu unseren Gunsten bedenken, so daß wir nicht umkommen.“ עשת kommt als Verbum nur hier und Jerem. 5, 28 vor; sodann substantivisch Ezech. 27, 19 und Hohel. 5, 14. Sonst begegnen wir ihm nur als Wurzel in עֶשְׁתֹּנֹתָיו Ps. 146, 4 und עֶשְׁתּוֹת Job 12, 5, wo es Pläne, Gedankenverbindungen bedeutet, außerdem in der Verbindung עַשְׁתֵּי עָשָׂר. Im Hinblick auf die Stelle in Jerem., wo es erstarken bedeutet, könnte es auch heißen: vielleicht wird dein Gott „sich als der Starke für uns erweisen, so daß wir nicht untergehen.“

7
וַיֹּאמְר֞וּ אִ֣ישׁ אֶל־רֵעֵ֗הוּ לְכוּ֙ וְנַפִּ֣ילָה גֽוֹרָל֔וֹת וְנֵ֣דְעָ֔ה בְּשֶׁלְּמִ֛י הָרָעָ֥ה הַזֹּ֖את לָ֑נוּ וַיַּפִּ֙לוּ֙ גּֽוֹרָל֔וֹת וַיִּפֹּ֥ל הַגּוֹרָ֖ל עַל־יוֹנָֽה׃
BernfeldAuch sprachen sie einer zum andern. Kommt und lasst uns Loose werfen, dass wir erfahren, um deswillen uns dieses Unglück heimsucht. Sie warfen das Loos das nun auf Jona fiel.
ZunzUnd sie sprachen Einer zum Andern: Kommt und laßt uns Loose werfen, daß wir erfahren, um weswillen uns dieses Uebel trifft. Als sie Loose warfen, fiel das Loos auf Jonah.
J. J. HirschDann sagten sie einer zum andern: „Kommt, lasset uns Lose werfen, damit wir erfahren, um wessentwillen uns dieses Unglück trifft!“ — Da warfen sie Lose, und das Los fiel auf Jona.
Transliterationwajjo’mᵉru ’isch ’el-re‘ehu lᵉchu wᵉnappila goralot wᵉnedᵉ‘a bᵉschellᵉmi hara‘a hazzo’t lanu wajjappilu goralot wajjippol haggoral ‘al-Jona
8
וַיֹּאמְר֣וּ אֵלָ֔יו הַגִּידָה־נָּ֣א לָ֔נוּ בַּאֲשֶׁ֛ר לְמִי־הָרָעָ֥ה הַזֹּ֖את לָ֑נוּ מַה־מְּלַאכְתְּךָ֙ וּמֵאַ֣יִן תָּב֔וֹא מָ֣ה אַרְצֶ֔ךָ וְאֵֽי־מִזֶּ֥ה עַ֖ם אָֽתָּה׃
BernfeldDa fragten sie ihn: Sag‘ uns doch, du, um deswillen uns dieses Unglück heimsucht, was ist dein Geschäft, und woher kommst du? Welche ist deine Heimat, und von welchem Volke bist du?
ZunzUnd sie sprachen zu ihm: Sag' uns doch, du, um deswillen uns dieses Uebel trifft: Was ist dein Geschäft? Und woher kommst du? Welches ist dein Land? Und von welchem Volke bist du?
J. J. HirschDa sprachen sie zu ihm: „Sage uns doch, als derjenige, wegen dessen dieses Unglück uns kommt, was ist dein Geschäft? Und woher kommst du? Was ist deine Heimat, und von welchem Volke bist du?“ —
Transliterationwajjo’mᵉru ’elaw haggida-nna’ lanu ba’ascher lᵉmi-hara‘a hazzo’t lanu mah-mmᵉla’chttᵉcha ume’ajin tawo’ ma ’artzecha wᵉ’ei-mizze ‘am ’atta
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 8. בַּאֲשֶׁר לְמִי וגו': da doch von irgend jemandem dieses Unglück uns kommen muß, so hat das Los auf dich gewiesen.

9
וַיֹּ֥אמֶר אֲלֵיהֶ֖ם עִבְרִ֣י אָנֹ֑כִי וְאֶת־יְהֹוָ֞ה אֱלֹהֵ֤י הַשָּׁמַ֙יִם֙ אֲנִ֣י יָרֵ֔א אֲשֶׁר־עָשָׂ֥ה אֶת־הַיָּ֖ם וְאֶת־הַיַּבָּשָֽׁה׃
BernfeldEr erwiderte ihnen: Ein Hebräer bin ich, und den Herrn, den Gott des Himmels, bete ich an, der das Meer und das Trockene geschaffen hat.
ZunzUnd er sprach zu ihnen: Ein Ibri bin ich, und den Ewigen, den Gott des Himmels fürchte ich, der das Meer und das Trockene gemacht hat.
J. J. HirschDa sprach er zu ihnen: „Ein Ebräer bin ich und Gott, den Gott des Himmels, fürchte ich, der das Meer geschaffen hat und das Festland!“ —
Transliterationwajjo’mer ’aleihem ‘iwri ’anochi wᵉ’et-Adonaj ’elohei haschschamajim ’ani jare’ ’ascher-‘asa ’et-hajjam wᵉ’et-hajjabbascha
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 9. עִבְרִי אָנֹכִי: Hier vernehmen wir den Mann Jona in seinem Hochgefühl, wie V. 12 in seiner Seelenruhe. Die Antwort auf die Frage nach Geschäft, Herkunft, Heimat und Nationalität faßt er in die Worte zusammen: Ich bin ein Jude, das ist mein Beruf, und ich verehre nur den einen einzigen Gott, den Gott des Himmels, der auch die Erde oder, wie es auf der tosenden See entsprechend heißt: „das Meer und das Festland“ geschaffen.

10
וַיִּֽירְא֤וּ הָֽאֲנָשִׁים֙ יִרְאָ֣ה גְדוֹלָ֔ה וַיֹּאמְר֥וּ אֵלָ֖יו מַה־זֹּ֣את עָשִׂ֑יתָ כִּֽי־יָדְע֣וּ הָאֲנָשִׁ֗ים כִּֽי־מִלִּפְנֵ֤י יְהֹוָה֙ ה֣וּא בֹרֵ֔חַ כִּ֥י הִגִּ֖יד לָהֶֽם׃
BernfeldDa gerieten die Leute in große Angst und sprachen zu ihm: Was hast du getan? — denn die Leute wussten nun, dass er vor dem Herrn floh, er hatte es ihnen unterdessen gesagt.
ZunzDa fürchteten sich die Leute in großer Furcht und sprachen zu ihm: Was hast du gethan! — denn die Leute wußten, daß er hinweg von dem Angesicht des Ewigen fliehe, denn er hatte es ihnen gesagt. —
J. J. HirschDa wurden die Männer von großer Furcht ergriffen und sie sagten zu ihm: „Was hast du da gethan!“ Denn die Männer wußten, daß er aus dem Angesichte Gottes fliehe, denn er hatte es ihnen gesagt.
Transliterationwajjirᵉ’u ha’anaschim jir’a gᵉdola wajjo’mᵉru ’elaw mah-zzo’t ‘asita ki-jadᵉ‘u ha’anaschim ki-millifnei Adonaj hu’ woreach ki higgid lahem
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 10. מַה־זֹּאת עָשִׂית: Wenn dein Gott der Gott des Weltalls ist, der sowohl auf dem Meere wie auf dem Lande Gott ist, um Gotteswillen was hast du da gethan! כִּי יָדְעוּ: denn sie wußten es, er hatte es ihnen gesagt, hatte ihnen als Grund seiner Eile angegeben, daß er sich dem Auftrage eines Gottes entziehe, aber erst jetzt erfuhren sie, daß dies der Gott des Weltalls sei. Daher jetzt der Ausruf des Entsetzens.

11
וַיֹּאמְר֤וּ אֵלָיו֙ מַה־נַּ֣עֲשֶׂה לָּ֔ךְ וְיִשְׁתֹּ֥ק הַיָּ֖ם מֵֽעָלֵ֑ינוּ כִּ֥י הַיָּ֖ם הוֹלֵ֥ךְ וְסֹעֵֽר׃
BernfeldSie fragten ihn weiter: Was sollen wir mit dir machen, dass das Meer wieder ruhig werde? Denn das Meer stürmt fort und fort.
ZunzUnd sie sprachen (weiter) zu ihm: Was sollen wir mit dir machen, daß das Meer ruhig werde um uns, denn das Meer stürmt fort und fort?
J. J. HirschUnd sie sprachen zu ihm: „Was sollen wir mit dir thun, damit das Meer sich beruhige, uns nicht mehr zu bedrohen? Denn das Meer stürmt immer wilder!“
Transliterationwajjo’mᵉru ’elaw mah-nna‘ase lach wᵉjischtok hajjam me‘aleinu ki hajjam holech wᵉso‘er
12
וַיֹּ֣אמֶר אֲלֵיהֶ֗ם שָׂא֙וּנִי֙ וַהֲטִילֻ֣נִי אֶל־הַיָּ֔ם וְיִשְׁתֹּ֥ק הַיָּ֖ם מֵֽעֲלֵיכֶ֑ם כִּ֚י יוֹדֵ֣עַ אָ֔נִי כִּ֣י בְשֶׁלִּ֔י הַסַּ֧עַר הַגָּד֛וֹל הַזֶּ֖ה עֲלֵיכֶֽם׃
BernfeldEr erwiderte ihnen: Nehmet mich und werfet mich in das Meer, so wird das Meer auch ruhig werden; denn ich weiß, dass nur um meinetwillen dieser gewaltige Sturm euch bedroht.
ZunzUnd er sprach zu ihnen: Nehmet mich und werfet mich in das Meer, so wird das Meer ruhig werden um euch. Denn ich weiß, daß um meinetwillen dieser große Sturm über euch (gekommen).
J. J. HirschDa sprach er zu ihnen: „Hebt mich auf und werft mich ins Meer, so wird das Meer ruhig werden und euch nicht mehr bedrohen. Denn ich weiß es, daß meinetwegen dieser große Sturm über euch gekommen ist.“
Transliterationwajjo’mer ’aleihem sa’uni wahatiluni ’el-hajjam wᵉjischtok hajjam me‘aleichem ki jodea‘ ’ani ki wᵉschelli hassa‘ar haggadol hazze ‘aleichem
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 12. מֵעֲלֵיכֶם: „von über euch“, daß seine Wogen nicht mehr über euch zusammenbrechen.

13
וַיַּחְתְּר֣וּ הָאֲנָשִׁ֗ים לְהָשִׁ֛יב אֶל־הַיַּבָּשָׁ֖ה וְלֹ֣א יָכֹ֑לוּ כִּ֣י הַיָּ֔ם הוֹלֵ֥ךְ וְסֹעֵ֖ר עֲלֵיהֶֽם׃
BernfeldDie Leute mühten sich noch ab, [das Schiff] an das Land zu führen, aber sie vermochten es nicht; denn das Meer stürmte fort und fort um sie.
ZunzUnd die Leute ruderten, um es an das Land zurückzuführen, aber sie vermochten es nicht; denn das Meer stürmte fort und fort um sie.
J. J. HirschDa mühten sich die Männer ab, zum Lande zurückzulenken, sie vermochten es jedoch nicht, denn das Meer stürmte immer heftiger über sie.
Transliterationwajjachtᵉru ha’anaschim lᵉhaschiw ’el-hajjabbascha wᵉlo’ jacholu ki hajjam holech wᵉso‘er ‘aleihem
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 13. וַיַּחְתְּרוּ. חָתַר bohren, mit Gewalt eine Mauer durchbrechen, hier von dem Bestreben, die Wogen zu durchbrechen, um das Schiff zum Lande zurückzubringen. Die Wellen wurden aber vom Winde ihnen entgegengepeitscht, der Wind kam vom Lande, war ihrer Fahrt eigentlich günstig gewesen, daher konnten sie nicht zurück.

V. 14 und 16 zeugen von der tiefen Gotteshuldigung, zu der diese sichtbaren Waltungen der Gotteshand, — die sich augenblicklich glättenden Wogen waren ja die sichtbarste Bekundung der Gottesnähe, — die heidnischen Männer erhoben hatten. Die Worte: „sie thaten Gelübde“ weisen auf Vorsätze für die Zukunft hin.

14
וַיִּקְרְא֨וּ אֶל־יְהֹוָ֜ה וַיֹּאמְר֗וּ אָנָּ֤ה יְהֹוָה֙ אַל־נָ֣א נֹאבְדָ֗ה בְּנֶ֙פֶשׁ֙ הָאִ֣ישׁ הַזֶּ֔ה וְאַל־תִּתֵּ֥ן עָלֵ֖ינוּ דָּ֣ם נָקִ֑יא כִּֽי־אַתָּ֣ה יְהֹוָ֔ה כַּאֲשֶׁ֥ר חָפַ֖צְתָּ עָשִֽׂיתָ׃
BernfeldDa riefen sie zum Herrn und sprachen: O Herr, lass uns doch nicht umkommen um das Leben dieses Mannes; leg’ uns nicht zur Last unschuldiges Blut! Denn du bist der Herr, so wie dir gefällt, tust du.
ZunzDa riefen sie zum Ewigen und sprachen: O Ewiger, laß uns doch nicht umkommen um die Seele dieses Mannes, und leg uns nicht zur Last unschuldiges Blut! Denn du bist der Ewige, so wie dir gefällt, thust du.
J. J. HirschDa riefen sie zu Gott auf und sprachen: „O Gott, mögen wir doch nicht zu Grunde gehen wegen der Person dieses Mannes, und rechne es uns nicht als unschuldig vergossenes Blut an! Denn Du, Gott, wie Du gewollt, also hast Du vollbracht.“
Transliterationwajjikrᵉ’u ’el-Adonaj wajjo’mᵉru ’anna Adonaj ’al-na’ no’wᵉda bᵉnefesch ha’isch hazze wᵉ’al-titten ‘aleinu dam naki’ ki-’atta Adonaj ka’ascher chafatzta ‘asita
15
וַיִּשְׂאוּ֙ אֶת־יוֹנָ֔ה וַיְטִלֻ֖הוּ אֶל־הַיָּ֑ם וַיַּעֲמֹ֥ד הַיָּ֖ם מִזַּעְפּֽוֹ׃
BernfeldSie nahmen darauf Jona und warfen ihn in das Meer. Da hörte das Meer auf zu wüten.
ZunzUnd sie nahmen Jonah und warfen ihn in das Meer. Da hielt das Meer ein in seinem Wüthen.
J. J. HirschDa hoben sie Jona auf und warfen ihn in das Meer — da hielt inne das Meer mit seinem Wüten.
Transliterationwajjis’u ’et-Jonah wajᵉtiluhu ’el-hajjam wajja‘amod hajjam mizza‘po
16
וַיִּֽירְא֧וּ הָאֲנָשִׁ֛ים יִרְאָ֥ה גְדוֹלָ֖ה אֶת־יְהֹוָ֑ה וַיִּֽזְבְּחוּ־זֶ֙בַח֙ לַֽיהֹוָ֔ה וַֽיִּדְּר֖וּ נְדָרִֽים׃
BernfeldDie Leute gerieten nun in große Angst vor dem Herrn, sie opferten Mahlopfer dem Herrn und gelobten Gelübde.
ZunzDa fürchteten sich die Leute in großer Furcht vor dem Ewigen, und opferten Mahlopfer dem Ewigen, und gelobten Gelübde.
J. J. HirschDa wurden die Männer mit tiefer Furcht vor Gott erfüllt, und sie opferten Gott und thaten Gelübde.
Transliterationwajjirᵉ’u ha’anaschim jir’a gᵉdola ’et-Adonaj wajjizᵉbᵉchu-zewach la-Adonaj wajjiddᵉru nᵉdarim