Jeschajahu 7 ישעיהו

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1
וַיְהִ֡י בִּימֵ֣י אָ֠חָ֠ז בֶּן־יוֹתָ֨ם בֶּן־עֻזִּיָּ֜הוּ מֶ֣לֶךְ יְהוּדָ֗ה עָלָ֣ה רְצִ֣ין מֶֽלֶךְ־אֲ֠רָ֠ם וּפֶ֨קַח בֶּן־רְמַלְיָ֤הוּ מֶֽלֶךְ־יִשְׂרָאֵל֙ יְר֣וּשָׁלַ֔͏ִם לַמִּלְחָמָ֖ה עָלֶ֑יהָ וְלֹ֥א יָכֹ֖ל לְהִלָּחֵ֥ם עָלֶֽיהָ׃
BernfeldIn den Tagen des Achaz, Sohnes Jotam, Sohnes Usija, Königs von Jehuda, zog Rezin, König von Aram, und Pekah, Sohn des Remalja, König von Israel, gegen Jerusalem, es zu bekämpfen, aber sie konnten es nicht erobern.
ZunzUnd es geschah in den Tagen Achas, Sohnes Jotam, Sohnes Usijahu, Königs von Jehudah, zog herauf Rezin, König von Aram und Pekach, Sohn des Remaljahu, König von Jisraël, nach Jeruschalajim, zum Kampfe gegen dasselbe, und sie konnten es nicht bekämpfen.
J. J. HirschEs war in den Tagen Achas', Sohnes Jothams, Sohnes Usijahus, des Königs von Juda, da zog Rezin, der König von Aram, und Pekach, Sohn Remaljahus, König von Israel, gegen Jerusalem zum Kampfe wider es; aber er vermochte nicht, es mit Krieg zu überziehen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 7. V. 1. Vielleicht um uns den Gegensatz vor die Seele zu führen, lenkt dieses Kapitel unser Auge von dem trotz aller drohenden Stürme hoffnungsfreudigen Ausblick auf die gedeihliche Entwicklung des „זרע קדש מצבתה“, den unsäglich trüben Zuständen der Regierungszeit des Königs Achas zu. Während einer Periode von 122 Jahren hatten auf dem Throne Davids vier Könige gesessen, welche, abgesehen von einzelnen Fehlern, Gott die Treue und seinem Gesetze den Gehorsam bewahrten. Auf diese folgte Achas, und mit ihm bemächtigte sich der prinzipielle Gegensatz, der Trotz gegen Gottes Gebote, des Szepters. Er suchte das Judentum zu „reformieren“ nach dem Vorbilde der israelitischen Könige, ja er ging noch weiter als diese und seinem Volke mit bösem Beispiele voran. Allen „Greueln der Völker“ suchte er Eingang in seinen Staat zu verschaffen, „er führte sogar seinen Sohn durchs Feuer“ und sandte das Modell des Altars in Damaskus und aller dessen Einrichtungen nach Jerusalem. Nach diesem ließ er durch seinen gefügigen Priester Uria im Tempel Gottes einen großen Altar bauen, der zum ständigen und allgemeinen Darbringen der Opfer diente, während er zugleich dekretierte, daß der beiseite geschobene „Gottesaltar“ seiner speziellen Fürsorge zu überlassen sei — יהיה לי לבקר — „er mag mir zu gelegentlichem Besuche dienen“, wie 2. Könige 16 berichtet wird. Beabsichtigte Kränkung Gottes war es, „ויכעס את ד'“, die ihn in jeder Stadt Judas heidnische Altäre errichten ließ, und „selbst in der Zeit der Bedrängnis nur zu fortgesetztem Treubruch gegen Gott antrieb — „das war der König Achas“, so zeichnet ihn mit kurzen Worten 2. Chron. 29, 22.

Trotzig gegen Gott, verlor er im Augenblicke der Gefahr allen Halt und erzitterte gleich seinem ganzen Hause in feigem Entsetzen beim Herannahen der Feinde.

Wie 2. Chron. 28, 5, 6 erzählt, hatte der israelitische König Pekach, der Blutsverwandtschaft mit Juda nicht achtend, ein Bündnis mit Rezin, dem Könige von Aram, zur Vernichtung Judas geschlossen — mit Aram, Israels bisherigem Todfeinde. Den Städten Judas gegenüber hatte bereits vorher jeder von ihnen bedeutenden Erfolg erzielt (2. Chron. 28, 5, 6), der aber ausblieb, als sie sich nun vereinigt Jerusalem selbst näherten, wie dieses 2. Kön. 16, 5 fast mit denselben Worten unseres Verses mitgeteilt wird. Der Moment, in welchem sie Jerusalem in den Kreis ihrer Operationen hineinziehen wollten, ist es, in den uns der Prophet versetzt.

אחז בן וגו'. Beresch. Rab. 63. Abschn. wird bemerkt, die ungewöhnliche Mitteilung genealogischer Abstammung des Achas, wie sie hier vorliegt, wolle andeuten, daß er nicht eigenem Werte, sondern lediglich dem Verdienste seiner wackeren Väter die Rettung aus der ihn bedrohenden Gefahr verdankte.

ולא יכל וגו'. Der spätere Mißerfolg wird hier vorweg berichtet, und was sich inzwischen zutrug, besonders aber die Ursache desselben (V. 7—9) im einzelnen nachher. Diese Erzählungsweise wird durch den Schlüssel, welchen ר' א' בן ר' יוסי הגלילי in seinen 32 מדות gibt, dem Verständnis erschlossen. Derselbe, es ist der 13., heißt: כלל ואחריו מעשה ואינו אלא פרטו של ראשון, erst die Mitteilung des Endresultats und dann die Erzählung, welche aber nichts anderes ist als eine detaillierte Schilderung, wie sich das Vorerwähnte zugetragen hat. Als Beispiel wird u. a. angeführt: ויברא אלק' את האדם וגו' זכר ונקבה ברא אותם „Gott schuf den Menschen“ — „männlich und weiblich hat er sie erschaffen“, und später erst wird berichtet: וייצר ד' אלק' את האדם וגו' ויפל ד' אלק' תרדמה וגו' ויבן ד' אלק' את הצלע אשר לקח מן האדם לאשה וגו' „Gott bildete den Menschen“ — „ließ eine Betäubung auf ihn fallen“ — „sodann gestaltete Gott die Seite, die er von dem Menschen genommen hatte, zum Weibe.“

ולא יכל, in der Einzahl, dürfte sich auf den israelitischen König beziehen, von welchem die Anregung zum Kampfe ausging, und der trotz der Hilfe von Aram nicht zum Ziele gelangte.

2
וַיֻּגַּ֗ד לְבֵ֤ית דָּוִד֙ לֵאמֹ֔ר נָ֥חָה אֲרָ֖ם עַל־אֶפְרָ֑יִם וַיָּ֤נַע לְבָבוֹ֙ וּלְבַ֣ב עַמּ֔וֹ כְּנ֥וֹעַ עֲצֵי־יַ֖עַר מִפְּנֵי־רֽוּחַ׃ {ס}
BernfeldDem Hause David war zuvor also gemeldet worden: Aram lagert in Efrajim, [und beide bereiten sich vor, Jehuda anzugreifen]. Da bebte das Herz [des Achaz] und das Herz seines Volkes wie die Waldbäume vor dem Sturm.
ZunzUnd es ward dem Hause Dawid's gemeldet also: Aram lagert in Efrajim. Da bebte sein Herz und das Herz seines Volkes, wie Waldbäume beben vor dem Sturm.
J. J. HirschEs ward nämlich dem Hause Davids gemeldet: „Aram lagert neben Efrajim!“ Da erbebte sein Herz und das Herz seines Volkes wie Waldbäume vor dem Winde erbeben.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 2. 3. על אפרים. Das Reich Israel wird häufig Efrajim genannt, war doch sein Gründer und erster König Jerobeam aus dem Stamme Efrajim. על אפרים, mit Efrajim zusammen, wie ויבאו האנשים על הנשים (2. B. M. 35, 22).

ושאר ישוב בנך. Sein Sohn, der den Namen trug „Ein Rest wird zurückkehren“ sollte ihn begleiten. War er doch eine lebendige Mahnung an den bisher so trotzigen König und sein Haus, daß der Abfall von Gott zum Verfall des Staates und zur Exilierung des Volkes führen und nur „ein Rest“ die Katastrophe überdauernd „zurückkehren werde“. Sollte auch Jesaia dem vor Angst zitternden Könige die Beruhigung bringen, daß die augenblickliche Gefahr an ihm vorbeigehen werde, so sprach doch wiederum der Name des Sohnes deutlich aus, das Verhängnis schwebe noch weiter über des Volkes Haupte, von dem nur ungeheuchelte „Rückkehr“ zur Gesetzestreue es abzuwenden vermöge.

אל קצה תעלת וגו'. Es ist dies dieselbe Örtlichkeit, von welcher aus später Sanherib durch seinen Feldherrn eine Ansprache an Jerusalems Bewohner halten ließ (weiter 36, 3), ein strategisch sehr wichtiger Punkt wegen der Wasserversorgung sowohl der Stadt als einer dieselbe belagernden Heeresmacht. Unzweifelhaft wollte Achas dort Maßregeln zum Schutze der Stadt ergreifen.

3
וַיֹּ֣אמֶר יְהֹוָה֮ אֶֽל־יְשַֽׁעְיָ֒הוּ֒ צֵא־נָא֙ לִקְרַ֣את אָחָ֔ז אַתָּ֕ה וּשְׁאָ֖ר יָשׁ֣וּב בְּנֶ֑ךָ אֶל־קְצֵ֗ה תְּעָלַת֙ הַבְּרֵכָ֣ה הָעֶלְיוֹנָ֔ה אֶל־מְסִלַּ֖ת שְׂדֵ֥ה כוֹבֵֽס׃
BernfeldDer Herr sprach aber zu Jesaja: Gehe doch dem Achaz entgegen, du und dein Sohn Sear-Jasub, an das Ende der Wasserleitung des oberen Teiches nach der Straße zum Walkerfelde.
ZunzUnd der Ewige sprach zu Jeschajahu: Gehe doch hinaus dem Achas entgegen, du und Schear Jaschub, dein Sohn, an das Ende der Wasserleitung des oberen Teiches, nach der Straße zum Walkerfelde.
J. J. HirschDa sprach Gott zu Jeschajahu: „Gehe doch Achas entgegen, du und dein Sohn Schear-Jaschub, an das Ende des Grabens der oberen Wasserleitung, nach dem zum Wäscherfelde hinaufführenden Wege;
4
וְאָמַרְתָּ֣ אֵ֠לָ֠יו הִשָּׁמֵ֨ר וְהַשְׁקֵ֜ט אַל־תִּירָ֗א וּלְבָֽבְךָ֙ אַל־יֵרַ֔ךְ מִשְּׁנֵ֨י זַנְב֧וֹת הָאוּדִ֛ים הָעֲשֵׁנִ֖ים הָאֵ֑לֶּה בׇּחֳרִי־אַ֛ף רְצִ֥ין וַאֲרָ֖ם וּבֶן־רְמַלְיָֽהוּ׃
BernfeldUnd sprich zu ihm: Sei ruhig und halte dich still; fürchte nicht und dein Herz möge nicht verzagen vor diesen beiden Stümpfen rauchender Feuerbrände, vor dem hassschnaubenden Rezin aus Aram und dem Sohne Remaljas.
ZunzUnd sprich zu ihm: Sei behutsam und halte dich still, fürchte nicht und dein Herz werde nicht weich vor diesen beiden Stümpfen rauchender Feuerbrände, bei der Zornbrunst des Rezin und Aram's und des Sohnes Remaljahu's.
J. J. Hirschund sprich zu ihm: „Hüte dich und bleibe ruhig! fürchte dich nicht und dein Herz verzage nicht wegen dieser beiden Stümpfe rauchender Feuerschürer — trotz der Zornesglut Rezins und Arams und des Remaljahu-Sohnes!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. השמר והשקט. Stehe von jedem Angriff ab, aber nicht aus Furcht, sondern im Vertrauen auf Gott, der dich vor deinen Feinden schützen wird. השמר ist hier ausnahmsweise מלרע, vielleicht um es mit והשקט zu einem Begriffe zu vereinigen; wenn dem so ist, so wäre es richtiger „Bewahre dir die Ruhe“ zu übersetzen. אוד ist ein Stück Holz, mit welchem man das Feuer schürt; im Gebrauche wird es selbst angesengt und immer kleiner, um schließlich selbst dem Feuer übergeben zu werden. Solche Feuerschürer sind die beiden dir so furchtbar erscheinenden Mächte in der Hand Gottes — du siehst es nicht, aber sie sind bereits vom Feuer angegriffen, rauchen schon, und gar bald verzehrt sie selbst die Glut. בחרי אף wie ברכבו ובפרשיו (2. B. M. 14, 18), das „trotz seiner Wagen und Reiterei“ heißt.

5
יַ֗עַן כִּֽי־יָעַ֥ץ עָלֶ֛יךָ אֲרָ֖ם רָעָ֑ה אֶפְרַ֥יִם וּבֶן־רְמַלְיָ֖הוּ לֵאמֹֽר׃
BernfeldDarum, weil Aram gegen dich Böses gesonnen, Efrajim und der Sohn Remaljas — also:
ZunzDarum, daß Aram gegen dich Böses gesonnen, Efrajim und der Sohn Remaljahu's, — also:
J. J. HirschDarum, weil Aram wider dich Böses beschlossen hat, Efrajim und der Sohn Remaljahus, indem sie sagen:
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 5—7. Die Verse 5 und 6 bilden einen Vordersatz, der mit יען כי eingeleitet wird und zu welchem V. 7 als Nachsatz kommt. Es scheint hier ein Unterschied zwischen den Beweggründen, die Aram und denen, welche Efrajim und seinen König zum Kriege veranlaßten, angedeutet zu sein. Bei Aram war es Politik „יעץ“, welche es zum Eroberungskriege, zu רעה „Bösem“ gegen Juda antrieb. Die Motive der beiden anderen werden durch לאמר eingeleitet und wird zuerst das Motiv אפרים's, das ja auch zuerst genannt war, bezeichnet: ונקיצנה. Es spricht sich darin der ganze Haß des Apostaten gegen den noch am ererbten Glauben festhaltenden Bruder aus, dessen Leben er als einen steten Vorwurf gegen sich betrachtet. So minderwertig auch die fast nur noch äußerlich sich zeigende Gesetzeserfüllung in Juda den Augen Gottes erscheinen mußte — nach der Anschauung der gänzlich heidnischem Unwesen verfallenen Söhne Efrajims lag Juda im Banne „übertriebener Frömmigkeit“, aus welchem „wir es aufwecken wollen“. Bei dem Könige von Israel wirkten die beiden genannten Motive zusammen; ונבקענה „wir wollen es unter uns teilen“ ist derselbe Grund, der auch Aram bewog; und in der ausgesprochenen Absicht, den ersten besten „Nichtswürdigen“ mit der Königswürde Judas zu bekleiden, liegt der Groll und die Verachtung gegen die „Frommen in Juda“, für welche ein solcher gut genug ist.

ונקיצנה ist Hifil von קוץ aufwachen. Sonst auch im Hifil intransitiv, heißt es hier, wo es mit dem Akkusativ der Person steht, aufwecken. Auch רש"י nimmt es so. ונבקענה Hifil von בקע spalten, etwas Zusammenhängendes auseinander teilen. בן טבאל ähnlich in Form und Bedeutung mit בן בליעל, aus טוב gut und dem verneinenden אל gebildet. Es scheint eine blasphemierende Nachbildung der jüdischen auf den Gottesnamen א' endigenden Personennamen zu sein, um so mehr als Esra 4, 7 טבאל als Name vorkommt, allerdings eines Persers, der aber vielleicht jüdischer Abstammung war.

6
נַעֲלֶ֤ה בִֽיהוּדָה֙ וּנְקִיצֶ֔נָּה וְנַבְקִעֶ֖נָּה אֵלֵ֑ינוּ וְנַמְלִ֥יךְ מֶ֙לֶךְ֙ בְּתוֹכָ֔הּ אֵ֖ת בֶּן־טָֽבְאַֽל׃ {פ}
BernfeldWir wollen gegen Jehuda ziehen und es bedrängen und es mit Gewalt uns öffnen, dann wollen wir zum Könige darin setzen den Sohn Tabeals; —
ZunzWir wollen ziehen gegen Jehudah und es ängstigen und es mit Gewalt uns öffnen, und zum Könige darin setzen den Sohn Tabeal's; —
J. J. Hirsch„Laßt uns gegen Juda hinaufziehen und es aufwecken, wir wollen es uns teilen und zum Könige ihm den Sohn eines Nichtswürdigen einsetzen —“
Haftarah Jitro Aschkenasim, Italiener, Algier und Syrakus (erloschen) enden hier.
Haftarah Jitro Aschkenasim und Italiener fügen Jeschajahu 9,5–6 hinzu.
7
כֹּ֥ה אָמַ֖ר אֲדֹנָ֣י יֱהֹוִ֑ה לֹ֥א תָק֖וּם וְלֹ֥א תִֽהְיֶֽה׃
BernfeldAlso spricht Gott, der Herr: Das kommt nicht zu Stande und wird nicht sein.
ZunzAlso spricht der Herr, Gott: Es kommt nicht zu Stande und wird nicht seyn.
J. J. Hirschhat mein Herr, der auch richtend seine Liebe offenbarende Gott also gesprochen: „Das wird nicht zustande kommen und nicht geschehen!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 7. כה אמר אד' וגו'. Der als אלקים auszusprechende שם הוי"ה ist die auch „im Richten“ sich offenbarende „Liebe“. Hier dürfte er die Liebe, die Milde Gottes bezeichnen, der mit den Verbrechen des Sohnes ins Gericht gehend, der Väter Tugenden gedenkt und um ihretwillen das verdiente Unglück von ihm abwendet, wie bereits zum V. 1 bemerkt.

Der mit ונקיצנה beabsichtigte Angriff auf die Thora wird nicht zustande kommen, und die in ונבקענה ausgesprochene Teilung Judas לא תהיה wird nicht geschehen. Nicht ohne besonderen Grund dürfte dem ersteren mit dem Ausdruck לא תקום entgegengetreten sein, ein Anfang dazu war bereits da, denn in der Tat gab es selbst in Jerusalem eine Partei, welcher die Reformbestrebungen Achas' nicht rasch genug vorgingen, wie solches Kapitel 8, 6 angedeutet wird.

8
כִּ֣י רֹ֤אשׁ אֲרָם֙ דַּמֶּ֔שֶׂק וְרֹ֥אשׁ דַּמֶּ֖שֶׂק רְצִ֑ין וּבְע֗וֹד שִׁשִּׁ֤ים וְחָמֵשׁ֙ שָׁנָ֔ה יֵחַ֥ת אֶפְרַ֖יִם מֵעָֽם׃
BernfeldDie Residenz Arams bleibt Damaskus und das Haupt von Damaskus Rezin. Binnen fünfundsechzig Jahren ist Efraim gebrochen und kein Volk mehr — [wurde längst geweissagt].
ZunzDenn das Haupt Aram's ist Dammesek, und das Haupt Dammesek's Rezin; und binnen fünf und sechzig Jahren ist Efrajim gebrochen, kein Volk mehr.
J. J. HirschDenn [nur] Haupt von Aram ist Damaskus und Haupt von Damaskus Rezin; aber nur während der fünfundsechzig Jahre, da gebrochen wird Efrajim, daß es kein Volk mehr ist,
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 8. 9. In der Machtstellung eurer Feinde wird sich vorläufig nichts ändern. Denn noch ist die Zeit, für welche Amos 7, 11, 17 angekündigt hat, „und Israel wird von seinem Boden hinweg in die Gefangenschaft geführt werden“, nicht gekommen. Diese Zeit wird hier auf fünfundsechzig Jahre, mit der Verkündigung Amos' beginnend, bestimmt. Diese Prophezeiung ward „zwei Jahre vor dem Erdbeben“ ausgesprochen, also 27 Jahre vor dem Tode Usijahus; 16 Jahre regierte Jotham selbständig, 16 Jahre Achas, und im sechsten Jahre der Regierung Chiskijahus ging der israelitische Staat durch Aschur zugrunde und ward auch Aram unterjocht. — ובעוד wörtlich: und während andauern die usw. — Da Jesaias Offenbarung an Achas etwa im zweiten Jahre seiner Regierung stattfand, so fehlten bis zum Ende der 65 Jahre noch etwa 20 Jahre.

יחת Nifal von חתת, wie יחתו מריבו (1. Samuel 2, 10) gebrochen werden. Davon übertragen ist die häufig vorkommende Bedeutung dieses Wortes als erschrecken, mutlos werden, überhaupt seelisch gebrochen sein. — בער אנכי מאיש wie מעם (Prov. 30, 2): ich bin vernunftlos geworden, so daß ich kein Mann mehr bin; ebenso weiter Kap. 17, 1 מוסר מעיר. — אם לא תאמינו. So wird der Plan der Mächte an Gottes Beschluß scheitern — aber daß sich Achas und sein Haus nicht zu dem Vertrauen auf Gott erheben würden, durfte der Prophet voraussetzen; ging doch in der Tat Achas den König von Aschur um Hilfe an, weil er dem Versprechen Gottes nicht Glauben schenkte. כי לא תאמנו, wörtlich: „denn ihr wollet nicht von der Wahrheit durchdrungen werden“. Ähnlich 2. Chron. 20, 20; auch ויאמנו דבריכם (1. B. M. 42, 20) „werden sich als von Wahrheit erfüllt erweisen“.

9
וְרֹ֤אשׁ אֶפְרַ֙יִם֙ שֹׁמְר֔וֹן וְרֹ֥אשׁ שֹׁמְר֖וֹן בֶּן־רְמַלְיָ֑הוּ אִ֚ם לֹ֣א תַאֲמִ֔ינוּ כִּ֖י לֹ֥א תֵאָמֵֽנוּ׃ {פ}
BernfeldDie Residenz Efraims bleibt solange Schomron — in Schomron bleibt der Sohn Remaljas als Oberhaupt. Wenn ihr es nicht glaubt, so ist in euch kein Glauben.
ZunzUnd das Haupt Efrajim's ist Schomron, und das Haupt Schomron's der Sohn Remaljahu's. So ihr nicht trauet, ihr nicht dauert.
J. J. Hirschist auch nur Haupt von Efrajim Schomron, und Haupt Schomrons der Sohn des Remaljahu! Wenn ihr es auch nicht glauben wollet, denn ihr wollet ja nicht überzeugt werden!
10
וַיּ֣וֹסֶף יְהֹוָ֔ה דַּבֵּ֥ר אֶל־אָחָ֖ז לֵאמֹֽר׃
BernfeldGott ließ Achaz noch folgendes sagen:
ZunzUnd Gott fuhr fort zu Achas zu reden also:
J. J. HirschUnd Gott ließ weiter zu Achas sprechen:
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 10—13. Dies zeigte sich auch sofort, indem Achas das ihm angebotene „Zeichen“, welches „לך“ ihn von der Wahrheit des Vernommenen überzeugen sollte, heuchlerisch ablehnte. Er und sein Haus wollten kein sie überzeugendes „Wunder“ haben, ja ein solches paßte nicht in ihr System, denn jedes offenbare Eingreifen Gottes würde wieder das Bewußtsein der unmittelbaren Hörigkeit Judas an Gott nach Geschick und Aufgabe wecken, und damit wäre über die von ihnen im Inneren und Äußeren verfolgte Politik der Stab gebrochen.

Das ihnen angebotene אות charakterisiert sich durch העמק שאלה או וגו' als ein den regelmäßigen Gang der „natürlichen“ Verhältnisse auf Erden oder im Himmel umwandelndes Eingreifen Gottes, ein „Wunder“.

שמעו נא בית דוד: An jeden Einzelnen des königlichen Hauses ist das Wort gerichtet. הלאות und תלאו Hifil von לאה, das, wie bereits bemerkt, im Kal vergeblich bemühen heißt, der Hifilbedeutung gemäß: Machen, daß das Bemühen eines anderen vergebens ist. אנשים: der Menschen, wie ich und die anderen Propheten.

11
שְׁאַל־לְךָ֣ א֔וֹת מֵעִ֖ם יְהֹוָ֣ה אֱלֹהֶ֑יךָ הַעְמֵ֣ק שְׁאָ֔לָה א֖וֹ הַגְבֵּ֥הַּ לְמָֽעְלָה׃
BernfeldFordere dir ein Zeichen von dem Herrn deinem Gotte, [dass alles so eintreffen wird]; fordere es in der Tiefe oder in der Höhe oben.
ZunzFordere dir ein Zeichen von dem Ewigen, deinem Gott: fordre es in der Tiefe, oder in der Höhe oben.
J. J. Hirsch„Verlange für dich ein Zeichen von Gott, deinem Gotte, fordere etwas aus der Tiefe oder hoch von oben.“
12
וַיֹּ֖אמֶר אָחָ֑ז לֹא־אֶשְׁאַ֥ל וְלֹֽא־אֲנַסֶּ֖ה אֶת־יְהֹוָֽה׃
BernfeldAchaz erwiderte jedoch: Ich fordere nicht und versuche nicht den Herrn [Achaz war Götzendiener und hatte kein Vertrauen weder zu Gott noch zu den Propheten; seine Antwort war kühl ablehnend oder höhnend.].
ZunzUnd Achas sprach: Ich fordere nicht, und versuche nicht den Ewigen.
J. J. HirschDa sprach Achas: „Ich werde nichts verlangen und will Gott nicht auf die Probe stellen.“
Haftarah Jitro Italiener (Liste Ginzburg) enden hier.
13
וַיֹּ֕אמֶר שִׁמְעוּ־נָ֖א בֵּ֣ית דָּוִ֑ד הַמְעַ֤ט מִכֶּם֙ הַלְא֣וֹת אֲנָשִׁ֔ים כִּ֥י תַלְא֖וּ גַּ֥ם אֶת־אֱלֹהָֽי׃
Bernfeld[Jesaja] sprach darauf: Höret doch, Haus David! Ist es euch zu wenig, Menschen zu ermüden, dass ihr auch ungeduldig machen wollt meinen Gott?
ZunzUnd er sprach: Höret doch, Haus Dawid's! Ist es euch zu wenig, Menschen zu ermüden, daß ihr auch ermüden wollet meinen Gott?
J. J. HirschEr aber sprach: „Höret doch, Haus Davids! Ist es euch wohl zu wenig, der Menschen Bemühen zu vereiteln, daß ihr auch meines Gottes Bemühen vereiteln wollet?
14
לָ֠כֵ֠ן יִתֵּ֨ן אֲדֹנָ֥י ה֛וּא לָכֶ֖ם א֑וֹת הִנֵּ֣ה הָעַלְמָ֗ה הָרָה֙ וְיֹלֶ֣דֶת בֵּ֔ן וְקָרָ֥את שְׁמ֖וֹ עִמָּ֥נוּ אֵֽל׃
BernfeldDarum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Das junge Weib wird schwanger und gebärt einen Sohn, und du sollst seinen Namen nennen Immanuel [Gott mit uns]!
ZunzDarum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, das junge Weib wird schwanger und gebiert einen Sohn, und du sollst seinen Namen nennen Immanuel (Gott mit uns).
J. J. HirschDeshalb gibt mein Herr, er selbst, euch ein Zeichen: Siehe, die junge Frau wird Mutter werden und einen Sohn gebären, und sie wird seinen Namen „Immanuel“ nennen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 14. Gerade weil ihr das „Wunder“ heuchlerisch zurückweiset, gibt euch Gott אות ein Zeichen, welches eure Augen auf ihn hinlenken soll. Denn אות bedeutet eine sinnlich wahrnehmbare Erscheinung, die bestimmte Gedanken vermitteln oder erwecken soll. So sind die Gestirne אותות, indem sie in der Brust des Menschen die Wahrheit wachrufen, daß es einen Gott gibt, der sie geschaffen hat. So sind die Großtaten Gottes in der Geschichte אותות, weil sie sein Wirken und Walten auch in ihr zur Anschauung bringen. So bezeichnet im folgenden Kapitel V. 18 Jesaia sich und seine Kinder als אותות, weil er durch Beispiel und Wort, und seine Kinder durch deren Namen, dem Volke und seinen Fürsten die Wahrheit und die Beschlüsse Gottes vor die Seele zu rufen bestimmt sind.

Wie schon Raschi bemerkt, kann der hier עמנואל zu nennende Sohn unmöglich identisch mit Chiskijahu sein, der, fünfundzwanzig Jahre alt, seinem Vater Achas nach dessen Regierungsdauer von sechzehn Jahren auf den Thron nachfolgte, also bei der Thronbesteigung seines Vaters bereits neun Jahre alt war. — עלמה: Bezeichnung für eine weibliche Person jugendlichen Alters, wie עלם für einen jungen Mann. Für Jungfrau haben wir nur die Bezeichnung בתולה. Alle anderen Ausdrücke: נערה, ילדה, עלמה sprechen sich nicht über die Jungfräulichkeit des jugendlichen weiblichen Wesens aus, wie dies aus 1. B. M. 34, 3, 4, 12 für die ersten hervorgeht und für עלמה aus Proverb. 30, 19 im Zusammenhange mit V. 20, sowie auch aus Cant. Cantic. 6, 8. Hier bezeichnet es nach unserer Annahme die Gattin des Königs. — וקראת, dritte Person weiblich, eine Form, bei der statt des ה ein ת steht, wie וקראת אתכם הרעה (5. B. M. 31, 29) und וחטאת עמך (2. B. M. 5, 16).

Daß in der Gattin eines Achas, der den Namen Gottes nur mit Hohn und Trotz aussprach, aus sich selbst heraus der Entschluß reifen konnte, ihren Sohn Immanuel „mit uns ist Gott“ zu nennen — das ist ein אות ein Merkzeichen, ein Hinweis auf die Allmacht Gottes, ja ein Beweis für die Allmacht des Gottesgedankens, der durch frevelhaften Abfall und absichtliche Verdunkelung hindurch sich Bahn bricht und auch in dem Hause des größten Gottesverächters wieder zum Leben erstehen kann. Denn daß Achas, um das Eintreffen des von Jesaia angekündigten אות zu verhindern, alle nur möglichen Vorsichtsmaßregeln traf, um seiner Gattin diese Voraussage des Propheten zu verheimlichen, ist mehr als gewiß.

15
חֶמְאָ֥ה וּדְבַ֖שׁ יֹאכֵ֑ל לְדַעְתּ֛וֹ מָא֥וֹס בָּרָ֖ע וּבָח֥וֹר בַּטּֽוֹב׃
BernfeldRahm und Honig wird er essen, wie er erkennt, das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen, [wenn er heranwächst, ist Judäa befreit].
ZunzRahm und Honig wird er essen, wie er erkennet das Böse zu verwerfen, und das Gute zu wählen.
J. J. HirschRahm und Honig wird er genießen, bis er Verständnis haben wird, das Böse zu verachten und das Gute zu erwählen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 15. חמאה ודבש יאכל, der Knabe und seine Volksgenossen, wie ja auch sein Name „Mit uns ist Gott“ diese mit umfaßt. דבש ist Fruchtsüße, hauptsächlich der den überreifen Datteln entquillende Saft. — לדעתו bis er weiß, so übersetzt auch der Targum: עד לא ידע solange er noch nicht weiß. — Nur kurze Zeit noch hat das Land unter den Folgen der Invasion Arams und Efraims zu leiden und unbebaut zu liegen, so daß man nur von dem Ertrage der Viehzucht und von dem leben muß, was der Boden freiwillig darbietet, wie Baumfrüchte, die ungleich der Brotfrucht nicht alljährlich neuer Saat bedürfen.

16
כִּ֠י בְּטֶ֨רֶם יֵדַ֥ע הַנַּ֛עַר מָאֹ֥ס בָּרָ֖ע וּבָחֹ֣ר בַּטּ֑וֹב תֵּעָזֵ֤ב הָאֲדָמָה֙ אֲשֶׁ֣ר אַתָּ֣ה קָ֔ץ מִפְּנֵ֖י שְׁנֵ֥י מְלָכֶֽיהָ׃
BernfeldAber bevor der Knabe erkennen wird, das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen, wird entvölkert sein das Land, vor dessen zwei Königen dir graut.
ZunzDenn bevor der Knabe erkennt das Böse zu verwerfen, und das Gute zu wählen, wird entvölkert seyn das Land, vor dessen zwei Königen dir graut.
J. J. HirschDenn nur bevor der Knabe verstehen wird, das Böse zu verachten und das Gute zu erwählen, wird der Boden verlassen liegen, an dem du Unlust hast wegen der Gegenwart „seiner“ beiden Könige.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 16. תעזב: wie הלמענך תעזב ארץ (Job 18, 4). — אשר אתה קץ: wie ויקץ מואב (4. B. M. 22, 3); ויקצו מפני בני ישראל (2. B. M. 1, 12, s. Komm. daselbst). — מפני שני מלכיה: Dir ist jetzt dein Land zuwider, weil diese beiden sich bereits als seine Könige gebärden. S. oben V. 6 ונבקענה.

17
יָבִ֨יא יְהֹוָ֜ה עָלֶ֗יךָ וְעַֽל־עַמְּךָ֮ וְעַל־בֵּ֣ית אָבִ֒יךָ֒ יָמִים֙ אֲשֶׁ֣ר לֹא־בָ֔אוּ לְמִיּ֥וֹם סוּר־אֶפְרַ֖יִם מֵעַ֣ל יְהוּדָ֑ה אֵ֖ת מֶ֥לֶךְ אַשּֽׁוּר׃ {פ}
BernfeldDer Herr wird über dich, über dein Volk und über dein Vaterhaus Tage bringen, wie sie nicht waren seit dem Tage, da Efraim von Jehuda abgefallen ist: den König von Assyrien.
ZunzBringen wird der Ewige über dich und über dein Volk und über dein Vaterhaus Tage, wie sie nicht eingetreten seit dem Tage, da Efrajim von Jehudah gewichen —, den König von Aschur.
J. J. HirschBringen aber wird Gott über dich, über dein Volk und über dein Vaterhaus Tage, wie sie nicht gekommen sind seit dem Tage, da Efrajim sich von Juda trennte — den König von Aschur.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 17. יביא וגו'. Das, wovor du zitterst, wird also nicht eintreten, wohl aber führt Gott über euch böse Zeiten heran — gerade durch die Macht, welche du, im Unglauben an meine Worte, zur Hilfe herbeirufst, durch Aschur, das nach Vernichtung des Reiches Israel Juda mit Krieg überziehen wird.

18
וְהָיָ֣ה ׀ בַּיּ֣וֹם הַה֗וּא יִשְׁרֹ֤ק יְהֹוָה֙ לַזְּב֔וּב אֲשֶׁ֥ר בִּקְצֵ֖ה יְאֹרֵ֣י מִצְרָ֑יִם וְלַ֨דְּבוֹרָ֔ה אֲשֶׁ֖ר בְּאֶ֥רֶץ אַשּֽׁוּר׃
BernfeldAn jenem Tage wird der Herr locken die Bremse, die am Ende der Ströme Ägyptens, und die Biene, die im Lande Assyrien [die bösen Feinde].
ZunzUnd es wird geschehen an jenem Tage, der Ewige wird locken die Bremse, die am Ende der Ströme Mizrajims, und die Biene, die im Lande Aschur;
J. J. HirschAn jenem Tage nämlich wird Gott die Fliege heranwinken, welche am Ende der Ströme Ägyptens ist, und die Biene, die im Lande Aschur ist.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 18. 19. ישרק s. zu 5, 26. Während die „Fliege“, die ägyptische Hilfstruppe, euch mehr belästigt als wirklich schädigt, wird die assyrische „Biene“ sich ihres Stachels aufs empfindlichste für euch bedienen. — יארי מצרים dürfte die verschiedenen Nilmündungen bezeichnen. — Beide Heere werden vereinigt Judäa derart durch ihre Kriegermassen überschwemmen, daß sie gezwungen sein werden, überall, auch in den unwirtlichsten Gegenden zu lagern. — הבתות, wie oben 5, 6 ואשיתהו בתה. — הנעצוצים, Plural von נעצוץ, weiter 55, 13, Dorn. נעץ heißt im Talmudischen: stechen, einbohren. — נהללים kommt nur hier vor; wir neigen der Ansicht derjenigen Grammatiker zu, die es von der Wurzel נהל führen ableiten, es würde dann den Ort bezeichnen, wohin man die Tiere, um sie weiden zu lassen, führt.

19
וּבָ֨אוּ וְנָח֤וּ כֻלָּם֙ בְּנַחֲלֵ֣י הַבַּתּ֔וֹת וּבִנְקִיקֵ֖י הַסְּלָעִ֑ים וּבְכֹל֙ הַנַּ֣עֲצוּצִ֔ים וּבְכֹ֖ל הַנַּהֲלֹלִֽים׃
BernfeldSie werden kommen und lagern allesamt in den öden Tälern, in den Felsenspalten, in allen Dornhecken und auf allen Triften.
ZunzUnd sie kommen und lagern allsammt in den öden Thälern, und in den Felsenspalten, und in allen Dornhecken, und auf allen Triften.
J. J. HirschUnd sie werden kommen und allesamt in den Tälern der Verödung lagern, in Felsenklüften, in allen Dorngestrüppen und auf allen Triften.
20
בַּיּ֣וֹם הַה֡וּא יְגַלַּ֣ח אֲדֹנָי֩ בְּתַ֨עַר הַשְּׂכִירָ֜ה בְּעֶבְרֵ֤י נָהָר֙ בְּמֶ֣לֶךְ אַשּׁ֔וּר אֶת־הָרֹ֖אשׁ וְשַׂ֣עַר הָרַגְלָ֑יִם וְגַ֥ם אֶת־הַזָּקָ֖ן תִּסְפֶּֽה׃ {פ}
BernfeldAn jenem Tage wird der Herr abnehmen mit dem, jenseits des Stromes gedungenen Schermesser, mit dem König von Assyrien, das Haupthaar und das der Füße, und auch den Bart nimmt er weg.
ZunzAn jenem Tage wird der Herr abnehmen mit dem Scheermesser, gedungen jenseits des Stromes, mit dem Könige von Aschur, das Haupt und das Haar der Füße, und auch den Bart nimmt er weg.
J. J. HirschAn jenem Tage schert mein Herr mit dem in seinem Solde stehenden Schermesser an den Übergängen des Stromes, mit dem Könige von Aschur, das Haupt und das Haar der Füße, und auch den Bart nimmt es ab.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 20. בעברי, status constr. von עברים Übergänge, 5. B. M. 32, 49 הר העברים. נהר ist hier der Euphrat. את הראש ושער הרגלים begreift alles Haar am ganzen Körper in sich mit Ausnahme des besonders genannten Bartes.

Das Haar ist derjenige Stoff, der die Haut gegen die direkte Einwirkung der Außenwelt schützt oder diese Einwirkung wenigstens abschwächt. Einen Körper völlig von Haaren entblößen, heißt, ihn den Einflüssen von außen „bloßstellen“. Vgl. Komm. zu 3. B. M. 14, 8. Hier: Der assyrische König, dieses im Dienste Gottes stehende Schermesser, wird den jüdischen Nationalkörper aller Elemente berauben, welche bis dahin zu seinem Schutze vorhanden waren. Bei seinem Abzuge läßt er Juda völlig schutz- und mittellos „von Kopf bis zu Fuß“, allen etwaigen Angriffen wehrlos preisgegeben, zurück. Wenn nun als letzte Wirksamkeit dieses „Schermessers“ das Wegraffen auch des Bartes gezeichnet wird, so dürfte damit gesagt sein, daß zuletzt die absolute Schutzlosigkeit auch nach außen allen umgebenden Völkern sichtbar zutage treten wird, was bei dem bis dahin skizzierten Bilde ja nicht in solchem Maße der Fall war. — תספה bezieht sich auf das in einen Begriff zusammengefaßte תער השכירה und ist, obgleich תער Maskul., deshalb Femin., während im ersten Teile des Verses das Subjekt „mein Herr“ ist.

Die Stellen, in welchen ספה, תספה in ähnlicher Beziehung vorkommt, vergleichend, erkennt man als seine Bedeutung, daß etwas, was für sich allein von einem Unglücke verschont geblieben wäre, im Zusammenhange mit anderen von einem Verderben Betroffenen mit ins Unglück hineingerissen wird. (1. B. M. 18, 24; 4. B. M. 16, 26.) Für hier ergibt sich daraus folgendes: Der König von Aschur wird in der Verheerung weiter gehen als sein Mandat lautete, und es werden auch die besseren Elemente des Volkes, die sittlich Guten, welche nach außen bisher seiner Physiognomie zur Zierde gereicht hatten, von der allgemeinen Kalamität in Mitleidenschaft gezogen werden.

21
וְהָיָ֖ה בַּיּ֣וֹם הַה֑וּא יְחַיֶּה־אִ֛ישׁ עֶגְלַ֥ת בָּקָ֖ר וּשְׁתֵּי־צֹֽאן׃
BernfeldNachher aber wird jeder Mann eine Färse und zwei Schafe füttern.
ZunzUnd es geschieht an jenem Tage, füttert ein Mann eine Färse und zwei Schafe.
J. J. HirschAn jenem Tage wird es so sein, daß jeder sich eine junge Kuh und zwei Schafe halten wird;
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 21. 22. Steht so der jüdische Staat aller Hilfsquellen beraubt da, so ist der in Überfluß und Üppigkeit wuchernden Entartung der Boden entzogen und die zwingende Notwendigkeit einfachster Lebensweise gegeben. Der kleine Rest an Viehstand, den der Feind nicht weggetrieben hat, wird vollkommen zur Ernährung der im Lande übriggebliebenen Bewohner ausreichen, denn Gottes Segen wird sichtbar auf ihm ruhen. — עשות חלב bezeichnet das Hervorbringen der Milch durch das Muttertier, wie עשות פרי (Jerem. 17, 8) das Hervorbringen der Frucht durch den Baum ausdrückt.

22
וְהָיָ֗ה מֵרֹ֛ב עֲשׂ֥וֹת חָלָ֖ב יֹאכַ֣ל חֶמְאָ֑ה כִּֽי־חֶמְאָ֤ה וּדְבַשׁ֙ יֹאכֵ֔ל כׇּל־הַנּוֹתָ֖ר בְּקֶ֥רֶב הָאָֽרֶץ׃ {ס}
BernfeldUnd wegen der Fülle des Milchertrages Rahm essen, denn Rahm und Honig wird jeder Übriggebliebene im Lande essen.
ZunzUnd wegen der Fülle des Milchertrages ißt er Rahm, denn Rahm und Honig ißt jeglicher Uebriggebliebene im Lande.
J. J. Hirschda wird es geschehen, daß er wegen der Menge des Milchertrags Rahm genießt, denn Rahm und Honig wird die Speise eines jeden sein, der in der Mitte des Landes übrig bleibt.
23
וְהָיָה֙ בַּיּ֣וֹם הַה֔וּא יִהְיֶ֣ה כׇל־מָק֗וֹם אֲשֶׁ֧ר יִֽהְיֶה־שָּׁ֛ם אֶ֥לֶף גֶּ֖פֶן בְּאֶ֣לֶף כָּ֑סֶף לַשָּׁמִ֥יר וְלַשַּׁ֖יִת יִהְיֶֽה׃
BernfeldUm jene Zeit wird jeder Ort, wo tausend Weinstöcke im Wert von tausend Silberstücken sind, den Dornen und Disteln zu Teil.
ZunzUnd es geschieht an jenem Tage, jeder Ort, wo tausend Weinstöcke sind, für tausend Silberstücke, wird den Dornen und Disteln zu Theil.
J. J. HirschAn jenem Tage wird jeder Platz, auf welchem tausend Weinstöcke im Werte von tausend Silberstücken zu sein pflegen, dem Dorne und der Distel verfallen sein.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 23. 24. אשר יהיה שם וגו'. Die großen, wertvollen Güter jedoch, die, wie oben 5, 8 tadelnd berichtet wird, in einer Hand sich vereinigt befinden, die werden verödet zur Wildnis werden, ja unheimlich, so daß man der wilden Tiere wegen sie nur bewaffnet betreten wird. Dem „Großgrundbesitzer“ fehlen die Arbeitskräfte für seinen Güterkomplex, da jeder, sich zufrieden bescheidend, seine Arbeit dem eigenen kleinen Besitzstande widmet. Denn es soll das jüdische Volk wieder zur Einfachheit und dadurch zur Übung aller der Tugenden und geistigen Bestrebungen erzogen werden, für welche es des Überflusses nicht bedarf, und mit der Einfachheit und Arbeitsfreude wird der Segen Gottes wieder errungen. Wird uns doch in der Tat von der Zeit, auf welche Jesaia hier hinblickt, von der Regierungszeit des Königs Chiskijahu, Sanhedr. 94, b berichtet, daß die Thorakenntnis das ganze jüdische Volk von groß bis klein, Männer und Frauen, erfüllt habe, und man das Land nach allen Richtungen durchqueren konnte, ohne auf einen der jüdischen Wissenschaft Unkundigen zu stoßen.

24
בַּחִצִּ֥ים וּבַקֶּ֖שֶׁת יָ֣בוֹא שָׁ֑מָּה כִּֽי־שָׁמִ֥יר וָשַׁ֖יִת תִּֽהְיֶ֥ה כׇל־הָאָֽרֶץ׃
BernfeldMit Pfeil und Bogen wird man dahin kommen; denn zu Dornen und Disteln wird das ganze Land werden.
ZunzMit Pfeil und mit Bogen kommt man dahin; denn Dornen und Disteln wird das ganze Land werden.
J. J. HirschMit Pfeilen und Bogen nur wird man dorthin kommen, denn Dorn und Distel wird das ganze Land werden.
25
וְכֹ֣ל הֶהָרִ֗ים אֲשֶׁ֤ר בַּמַּעְדֵּר֙ יֵעָ֣דֵר֔וּן לֹא־תָב֣וֹא שָׁ֔מָּה יִרְאַ֖ת שָׁמִ֣יר וָשָׁ֑יִת וְהָיָה֙ לְמִשְׁלַ֣ח שׁ֔וֹר וּלְמִרְמַ֖ס שֶֽׂה׃ {פ}
BernfeldAlle die Berge aber, welche mit der Hacke behackt werden, dahin kommt nicht die Frucht vor Dornen und Disteln; es dient zur Trift der Ochsen und zum Tummelplatz der Schafe.
ZunzUnd all die Berge, welche mit der Hacke behackt werden, dahin kommt man nicht aus Furcht vor Dornen und Disteln, und es dient zur Trift der Ochsen und zum Tummelplatz der Schafe.
J. J. HirschAlle die Berge aber, welche mit der Hacke umgearbeitet werden, dorthin wird nicht die Furcht vor Dorn und Distel kommen; sie werden dem Rinde zur Weide und dem Lamme zum Tummelplatze sein.“
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 25. Die kleinen hoch auf den Bergen gelegenen Parzellen, welche die „Reichen“ als nicht „lohnend“ den „Armen“ überlassen hatten, die werden fröhlich gedeihen. Die Pflugschar kann freilich nicht hinauf, aber auch nicht die Furcht vor Dorn und Distel. Denn mühsam mit der Hacke umgearbeitet, werden sie sich bald zu üppig grünenden Wiesen entwickeln, auf denen Rind und Schaf ihre lachende Weide finden.