Jeschajahu 65 ישעיהו

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Haftarot in diesem Kapitel: Bereschit · Toldot
1
נִדְרַ֙שְׁתִּי֙ לְל֣וֹא שָׁאָ֔לוּ נִמְצֵ֖אתִי לְלֹ֣א בִקְשֻׁ֑נִי אָמַ֙רְתִּי֙ הִנֵּ֣נִי הִנֵּ֔נִי אֶל־גּ֖וֹי לֹא־קֹרָ֥א בִשְׁמִֽי׃
Bernfeld[Der Herr erwidert darauf:] Ich war bereit solchen zu erscheinen, die nach mir nicht fragten, mich finden zu lassen von denen, die mich nicht suchten; ich sprach: Hier bin ich, hier bin ich, zu einem Volke, das nicht nach meinem Namen genannt sein wollte.
ZunzIch habe gewährt denen, die nicht fragten, ich habe mich finden lassen von denen, die mich nicht suchten, ich sprach: Hier bin ich, hier bin ich, zu einem Volke, das nicht genannt ist nach meinem Namen.
J. J. HirschIch war zu erfragen für die, welche kein Verlangen hatten, ich war sogar zu finden für die, welche mich nicht wollten. Sprach ich doch: „Hier bin ich, hier bin ich“ zu einer Nation, die sich nicht nach meinem Namen nennen ließ.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 65. V. 1. נדרשתי וגו'. Nicht ich habe euch verlassen, so lautet Gottes Antwort, ihr wandtet euch von mir ab, und den wiederholten Mahnungen der Propheten: דרשו ד' (oben Kap. 55, 6; Amos 5, 4, 6: דרשו את ד' וחיו, דרשוני וחיו u. s.) verschlosset ihr euer Ohr — ihr wolltet nichts von mir wissen. Ich war immer bereit und sprach es wiederholt aus, damals als ihr noch eine Nation גוי waret, einen Staat bildetet; aber dieser Staat verschmähte es, „meinen Namen“ zu tragen.

2
פֵּרַ֧שְׂתִּי יָדַ֛י כׇּל־הַיּ֖וֹם אֶל־עַ֣ם סוֹרֵ֑ר הַהֹֽלְכִים֙ הַדֶּ֣רֶךְ לֹא־ט֔וֹב אַחַ֖ר מַחְשְׁבֹתֵיהֶֽם׃
BernfeldIch breitete immer meine Hände aus nach einem widerspenstigen Volke, nach solchen, die auf einem bösen Wege wandeln, ihrem Willen nach.
ZunzIch breitete meine Hände aus immerdar nach dem widerspenstigen Volke, die auf dem Wege wandeln, der nicht gut ist, ihrem Willen nach;
J. J. HirschIch breitete sogar meine Hände den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volke aus — aber sie gehen den nicht guten Weg, ihren eigenen Gedanken nach!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 2. פרשתי וגו'. Und auch als ihr bereits aufgehört hattet, eine unabhängige Nation zu sein und nur noch עם eine Volksgesellschaft waret, blieben meine Arme stets geöffnet, euch aufzunehmen, aber ihr verharrtet in Ungehorsam gegen mich, und ההלכים gar viele unter euch wählten mit vollem Bewußtsein — nicht דרך לא טוב, sondern הדרך — den von mir als „nicht gut“ verbotenen Weg, der nach ihrer Meinung sie besser und rascher zum Ziele führen sollte als der von mir vorgezeichnete.

3
הָעָ֗ם הַמַּכְעִסִ֥ים אֹתִ֛י עַל־פָּנַ֖י תָּמִ֑יד זֹֽבְחִים֙ בַּגַּנּ֔וֹת וּֽמְקַטְּרִ֖ים עַל־הַלְּבֵנִֽים׃
BernfeldDem Volk, das mich immer kränkt in das Angesicht, solchen, die opfern in den Gärten und räuchern auf den Ziegeln,
ZunzDem Volk, das mich kränkt in das Angesicht beständig, die opfern in den Gärten und räuchern auf den Ziegeln;
J. J. HirschO Volk! Die mich kränken, mir ins Angesicht beständig, indem sie in den Gärten opfern oder auf den Ziegelsteinen räuchern; —
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3—5. העם ist Vokativ, ganz so Jerem. 2, 31: הדור und auch mit demselben Akzent. Diese drei Verse bis קדשתיך enthalten die nähere Präzisierung für den mit אלה וגו' (V. 5) beginnenden Hauptsatz. — בגנות s. weiter Kap. 66, 17. — מקטרים על הלבנים: Sanhedrin 107b wird von jemand berichtet, er habe seinen Abfall vom Judentum damit eingeleitet, daß er einen Ziegelstein aufgestellt und sich vor ihm niedergeworfen hätte. Vielleicht, wir sprechen dies selbstverständlich nur als Vermutung aus, bezeichnet nach diesem etwa siebenhundert Jahre späteren Vorgang der Prophet an dieser Stelle die Abtrünnigen unseres Volkes als מקטרים על הלבנים. — היושבים בקברים וגו'. Um mit den Geistern der Verstorbenen oder בנצורים mit Dämonen in Verkehr zu treten. — נצורים von נצר bewahren, vor den Blicken der Menschen geschützte Orte, oder in dem Sinne wie עיר נצורה „unzugängliche“ Orte. — ומרק ist das קרי. מרק ist die Flüssigkeit, welche mit Stoffen gemischt ist, die aus dem Fleische herausgekocht sind, Fleischbrühe; Richt. 6, 19, 20. Die Etym. s. Komm. 3. B. M. 6, 21 zu ומרק ושטף במים. Das ist ופרק כתיב. פרק auseinander nehmen, lostrennen, abschneiden, davon Gelenk, Abschnitt, Körperteil; hier letzteres. כליהם für בכליהם, wie לזנות בית אביה für בבית (5. B. M. 22, 21 u. sonst). — קדשתיך ist Kal, wie כל הנגע במזבח יקדש (2. B. M. 29, 37 u. s.) heilig sein, heilig werden. Das Suffix bezeichnet den Dativ, wie so häufig, z. B. עזרתיך (oben Kap. 41, 10, 13, 14) ich habe dir geholfen: Hier „ich bin dir heilig“, d. h. du hast in mir etwas dir Heiliges zu sehen. Den Inhalt dieser Verse glauben wir danach so verstehen zu dürfen:

O Volk der Diaspora! Gar viele unter dir fahren noch immer תמיד fort, mich zu kränken. Geschieht es auch nicht durch öffentlichen Götzendienst, wie von ihren Vätern in längst vergangener Zeit, s. weiter V. 7, so doch dadurch, daß sie die Natur vergöttern, deren Anmut und Harmonie ihnen zum Vorbild dient, nach welchem sie ihr eigenes irdisches Dasein zu גנות, zu Gärten, zu einer schönen, durch Kunst veredelten Sinnlichkeit umzuwandeln streben und diesem Streben ihre ganze Pflichtaufgabe, die Anforderungen meiner heiligen Thora zum Opfer bringen.

Andere aber haben sich gänzlich von mir losgesagt, verleugnen als Abtrünnige das Bekenntnis, in dem sie geboren sind und bringen einem anderen Glauben huldigend Weihrauch dar. Wiederum andere sind dem Aberglauben verfallen, suchen in Kontakt mit den abgeschiedenen Seelen zu kommen, möchten von den Toten vernehmen, wie sie ihr Leben zu gestalten haben, um glücklich zu sein, anstatt solches aus meiner heiligen Thora zu erlernen; oder sie streben danach, den Beistand und Schutz der vermeintlichen Geisterwelt für sich zu gewinnen, um dem eigenen Sinnesleben nach Herzenslust ungefährdet fröhnen zu können.

Wie viele haben sich von der Beobachtung meiner Gesetze losgesagt, übertreten offen meine Speiseverbote, indem sie das Fleisch des Schweines essen, während manche allerdings dessen Genuß aus angeborenem Widerwillen meiden, aber dafür andere von mir als für eure Nahrung „verworfene“ Tiergattungen mit großem Behagen verzehren. Unter den Übertretern meiner Speisegesetze gibt es auch solche, die ihren Brüdern gegenüber den Schein wahren wollen, die vorgeben, sie genössen nur die Brühe קרי, die nach ihrer freilich falschen Behauptung gar nicht oder nicht in dem Grade verboten sei, in Wirklichkeit aber כתיב verspeisen sie ganze „Stücke“ verbotenen Fleisches.

Jede der genannten Kategorien zählt auch solche zu den ihren, die den Vorwurf, sie handelten Unrecht, keck mit der Entgegnung zurückweisen, ihre Lebensweise sei tadellos, und sie überragten an Heiligkeit weit ihre gesetzestreuen Mahner, deren Zurückweisungen sie schroff von sich abwehren, sie behaupten, daß gerade sie dem Judentum zur Ehre gereichen. (Vgl. nächstes Kapitel Vers 5.)

אלה וגו'. Derartige Verächter meiner Gesetze erregen in hohem Grade meinen Unwillen, und ihre Versündigungen wollen kein Ende nehmen; stets von neuem habe ich Grund zum Zürnen —

4
הַיֹּֽשְׁבִים֙ בַּקְּבָרִ֔ים וּבַנְּצוּרִ֖ים יָלִ֑ינוּ הָאֹֽכְלִים֙ בְּשַׂ֣ר הַחֲזִ֔יר (ופרק) [וּמְרַ֥ק] פִּגֻּלִ֖ים כְּלֵיהֶֽם׃
BernfeldDie in Gräben sitzen und in Gruften übernachten, die das Fleisch des Schweines essen und die Brühe der Götzenopfer in ihren Geräten haben.
ZunzDie in Gräbern sitzen und in Grüften übernachten, die das Fleisch des Schweines essen und die Brühe der Gräuel (in) ihren Geräthen haben;
J. J. Hirschdie an den Gräbern sitzen und an schwer zugänglichen Orten übernachten, die Fleisch vom Schweine essen und Brühe von Verworfenen in ihren Gefäßen haben;
5
הָאֹֽמְרִים֙ קְרַ֣ב אֵלֶ֔יךָ אַל־תִּגַּשׁ־בִּ֖י כִּ֣י קְדַשְׁתִּ֑יךָ אֵ֚לֶּה עָשָׁ֣ן בְּאַפִּ֔י אֵ֥שׁ יֹקֶ֖דֶת כׇּל־הַיּֽוֹם׃
BernfeldDie noch dazu zu andern sprechen: Bleib für dich, nahe mir nicht, denn ich bin für dich heilig. Diese erregen meinen Zorn, wie ein Feuer brennt er immerwährend.
ZunzDie sprechen: Bleib' für dich, nahe mir nicht; denn ich würde dich heilig machen. Diese sind Rauch in meiner Nase, ein Feuer, brennend immerdar.
J. J. Hirschdie da sprechen: „Bleibe für dich, tritt mir nicht näher, ich bin dir zu heilig“ — Solche sind in meiner Nase Rauch eines den ganzen Tag lodernden Feuers!
6
הִנֵּ֥ה כְתוּבָ֖ה לְפָנָ֑י לֹ֤א אֶֽחֱשֶׁה֙ כִּ֣י אִם־שִׁלַּ֔מְתִּי וְשִׁלַּמְתִּ֖י עַל־חֵיקָֽם׃
BernfeldDies ist aufgeschrieben vor mir; ich werde nicht ruhen, ich habe denn vergolten, vergolten in ihren Busen:
ZunzSiehe, es ist aufgeschrieben vor mir, ich werde nicht schweigen, ich habe denn vergolten, und vergolten in ihren Busen.
J. J. HirschSeht, verzeichnet ist vor meinem Angesichte: Ich werde nicht schweigen, bis daß ich heimgezahlt habe, heimgezahlt habe in ihren Schoß
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 6. 7. aber ich bin fest entschlossen, nicht schweigend ihrem sündhaften Gebahren zuzuschauen, vielmehr an denen unter euch, die so mit vollem Bewußtsein mein Zürnen herausfordern, ihre Sünden zu ahnden. Vor meinem Forum kommen dabei nicht allein עונתיכם die Sünden der Gegenwart in Betracht, sondern mit ihnen zugleich עונת אבותיכם יחדו die Sünden eurer Väter. Diese kombinierte Beurteilung ist allerdings einerseits für euch erschwerend: Weil die Strafe, die eure Väter für ihre Sünden getroffen hat, euch nicht zur Warnung diente, und ihr im Ungehorsam gegen mich verharret — andererseits mildert sie mein Urteil: Ich sehe in den Sündern der Gegenwart noch die Vergehen der Väter fortwirkend, und verglichen mit deren absolutem Frevel, mit deren offenbarem Götzendienste erscheinen die Sünden der Gegenwart doch minder schwer. — Das Suffix in dem zweiten חיקם nimmt auf dieselben Bezug, auf welche das in dem ersten חיקם sich bezieht: auf אלה. —

ומדתי וגו'. Keinesfalls aber werde ich ihnen den Lohn dessen, was sie wirklich Verdienstliches geleistet haben, vorenthalten — ich werde sie den damit verdienten Lohn genießen lassen, bevor ich ihre Sünden an ihnen ahnde. Dieser Lohn tritt in der äußeren Gestaltung ihres Lebens zutage אל חיקם קרי, ob er sie aber in Wirklichkeit nicht belastet על חיקם כתיב, wenn sie einst zum Bewußtsein ihres sündhaften Lebenswandels kommen — wer vermöchte das zu sagen?! (Vgl. das zu V. 19 des folgenden Kapitels Bemerkte.)

7
עֲ֠וֺנֹֽתֵיכֶ֠ם וַעֲוֺנֹ֨ת אֲבוֹתֵיכֶ֤ם יַחְדָּו֙ אָמַ֣ר יְהֹוָ֔ה אֲשֶׁ֤ר קִטְּרוּ֙ עַל־הֶ֣הָרִ֔ים וְעַל־הַגְּבָע֖וֹת חֵרְפ֑וּנִי וּמַדֹּתִ֧י פְעֻלָּתָ֛ם רִאשֹׁנָ֖ה (על) [אֶל־]חֵיקָֽם׃ {ס}
BernfeldEure Missetaten samt eurer Väter Missetaten, spricht der Herr, die geräuchert auf den Bergen und auf den Hügeln mich gelästert, — so will ich zuvörderst ihren Lohn ihnen zumessen in ihren Busen —
ZunzEure Missethaten und eurer Väter Missethaten zusammen, spricht der Ewige, die geräuchert auf den Bergen und auf den Hügeln mich gelästert, — so will ich zuvörderst ihr Thun ihnen zumessen in ihren Busen.
J. J. Hirscheure Sünden zusammengenommen mit den Sünden eurer Väter — hat Gott gesprochen —, die auf den Bergen geräuchert und auf den Hügeln mich gelästert haben; und ich werde ihren Lohn zuvor ihrem Schoße zumessen.
8
כֹּ֣ה ׀ אָמַ֣ר יְהֹוָ֗ה כַּאֲשֶׁ֨ר יִמָּצֵ֤א הַתִּירוֹשׁ֙ בָּֽאֶשְׁכּ֔וֹל וְאָמַר֙ אַל־תַּשְׁחִיתֵ֔הוּ כִּ֥י בְרָכָ֖ה בּ֑וֹ כֵּ֤ן אֶֽעֱשֶׂה֙ לְמַ֣עַן עֲבָדַ֔י לְבִלְתִּ֖י הַֽשְׁחִ֥ית הַכֹּֽל׃
BernfeldAlso spricht der Herr: Wie der Most gefunden wird in der Traube und man spricht: Verdirb sie nicht, denn ein Segen ist darin, also werde ich tun um meiner Knechte willen, dass ich nicht das Ganze verderbe.
ZunzAlso spricht der Ewige: Wie der Most gefunden wird in der Traube, und man spricht: Verdirb sie nicht, denn ein Segen ist darin; also werde ich thun um meiner Knechte willen, daß ich nicht das Ganze verderbe.
J. J. HirschDoch also hat Gott gesprochen: Gleich wie, wenn noch Most in der Traube gefunden wird, man spricht: „verdirb sie nicht, es ist noch Segen darin,“ also werde ich handeln um meiner Diener willen, nicht alles zu verderben.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 8—10. Dennoch habet ihr nicht an eurer endlichen Erlösung zu verzweifeln, denn also hat Gott gesprochen: Auch in den trübsten Zeiten werde ich diejenigen unter euch zu schützen wissen, in denen noch „ברכה“ Segen ist, die in einer unwürdigen Umgebung sich so bewährt haben, daß ich sie „meine Diener“ nennen kann. In prächtigem Gleichnis wird dies gesagt: An einer Traube trifft man viele Beeren, die faul oder vertrocknet sind, man läßt aber die Traube dennoch nicht als verdorben umkommen, sobald noch gute, mit Saft gefüllte Beeren daran sind, man liest diese sorgfältig heraus — so liest Gott die nicht von der Krankheit der Zeit Befallenen, nicht von Fäulnis Angesteckten heraus, wahrt und erhält die, in denen noch nicht der heiter frische Lebenstrieb zur Erfüllung der jüdischen Aufgabe eingetrocknet ist. Sie bilden die gesunde Aussaat „מיעקב“ des Galuth-Volkes, aus welchem der „מיהודה“ dem Stamme Juda entsprossene Messias das Erbe „meiner Berge“ dereinst antreten wird. Der Plural הרי: Gottesheiligtum und Gottesstaat. וירשוה בחירי (nach Malbim וצ"ל) Besitzen werden es die Stämme, ועבדי ישכנו שמה „meine Diener“, die Priester und Leviten, die keinen Anteil am Lande haben, werden in den ihnen angewiesenen Städten wohnen.

והיה השרון, s. oben Kap. 33, 9 und 35, 2, dürfte eine sehr fruchtbare Ebene gewesen sein, kommt auch 1. Chron. 27, 29 als Weideplatz für Rinder vor und sonst als blumenreiche Gegend (Hohelied 2, 1). — עמק עכור. Wohl unzweifelhaft das Tal in der Gegend von Jericho, welches diesen Namen infolge des betrübenden Ereignisses, wovon Josua 7 berichtet wird, erhalten hat, wie dieses der Schlußvers des Kapitels erzählt. Hosea 2, 17, wo verkündet wird, daß עמק עכור לפתח תקוה „das Tal der Betrübnis zur Pforte der Hoffnung einst werden soll,“ dürfte es figürlich gebraucht sein als Bild des trüben Galuth-Geschickes. —

לעמי אשר דרשוני. Als „mein Volk“ werden sich dann ihres Güterbesitzes die freuen, deren Hauptsorge in der Zeit ihrer Besitzlosigkeit darin bestand, „mich zu suchen“, in Verbindung mit mir und meiner heiligen Thora zu bleiben. —

9
וְהוֹצֵאתִ֤י מִֽיַּעֲקֹב֙ זֶ֔רַע וּמִֽיהוּדָ֖ה יוֹרֵ֣שׁ הָרָ֑י וִירֵשׁ֣וּהָ בְחִירַ֔י וַעֲבָדַ֖י יִשְׁכְּנוּ־שָֽׁמָּה׃
BernfeldIch lasse von Jakob Samen hervorgehen und von Jehuda einen Erben meines Gebirges, dass es in Besitz nehmen soll meine Erkorenen, und dass meine Knechte daselbst wohnen.
ZunzUnd ausgehen lasse ich von Jaakob Samen, und von Jehudah einen Erben meines Gebirges, und in Besitz nehmen sollen es meine Erkorenen, und meine Knechte daselbst wohnen.
J. J. HirschIch werde aus Jakob eine Aussaat hervorgehen lassen und aus Juda einen Erben meiner Berge, auf daß meine Erwählten ihre Erbschaft antreten, und meine Diener dort wohnen.
10
וְהָיָ֤ה הַשָּׁרוֹן֙ לִנְוֵה־צֹ֔אן וְעֵ֥מֶק עָכ֖וֹר לְרֵ֣בֶץ בָּקָ֑ר לְעַמִּ֖י אֲשֶׁ֥ר דְּרָשֽׁוּנִי׃
BernfeldSaron soll werden zur Trift der Schafe und das Tal Achor zum Lagerort der Rinder, für mein Volk, das mich aufgesucht.
ZunzUnd es soll Scharon werden zur Trift der Schafe, und das Thal Achor zum Lagerort der Rinder, für mein Volk, das mich aufgesucht.
J. J. HirschDann wird der Saron zur Herdenweide und das Tal der Betrübnis zur Rinder-Ruhe: für die meines Volkes, die mich gesucht hatten.
11
וְאַתֶּם֙ עֹזְבֵ֣י יְהֹוָ֔ה הַשְּׁכֵחִ֖ים אֶת־הַ֣ר קׇדְשִׁ֑י הַעֹרְכִ֤ים לַגַּד֙ שֻׁלְחָ֔ן וְהַֽמְמַלְאִ֖ים לַמְנִ֥י מִמְסָֽךְ׃
BernfeldIhr aber, die ihr den Herrn verlasset, meinen heiligen Berg vergesset, die ihr anrichtet dem Götzen Gad einen Tisch und füllet der Meni Mischtrank —
ZunzIhr aber, die ihr verlasset den Ewigen, vergesset meinen heiligen Berg, die ihr anrichtet dem Glück einen Tisch, und füllet dem Verhängniß Mischtrank —
J. J. HirschIhr aber, die ihr Gott verlasset, meines heiligen Berges vergesset, die ihr dem Glücke den Tisch decket und dem Schicksal die Opfermischung füllet —
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 11—15. ואתם וגו'. Ihr aber, die ihr gerade diese Sorge nie kanntet, vielmehr mit vollem Bewußtsein euch von mir abwandtet und von der heiligen Stätte, an der ich mein Gesetz deponiert habe, ihr, die ihr dem Aberglauben in jeder Gestalt huldiget und durch Opfer das „Schicksal“ für euch günstig zu stimmen sucht, euch sende ich einem trüben Geschick entgegen, ihr werdet unter den Folgen eures Ungehorsams schwer zu leiden haben. Während „meine Diener“ die Früchte ihres an Entbehrungen reichen, Gott treuen Lebens ernten und sich eines glücklichen, heiteren Daseins erfreuen werden, wird man euer in der Folgezeit nur als abschreckenden Beispiels, als Warnung vor dem Abfall gedenken. גד Glück, Zufall. Die Etym. s. Komm. zu 1. B. M. 30, 11. — מני Schicksal, als etwas Selbständiges, nicht von dem Willen Gottes Abhängiges gedacht. Man nennt es „unerbittlich“, versucht aber trotzdem durch Opfer und Verzichtleistung auf Interessen, die man schätzt, es milder für sich zu stimmen. Es ist dies eine der verderblichsten Wahnideen, da sie den sittlichen Wert der Handlungen des Menschen völlig negiert. Sie hat sich aus den Zeiten des alten Heidentums in viel spätere gerettet und beherrscht weite Kreise. Diesem Gott und Sittlichkeit leugnenden Gedanken tritt Gott hier mit seinem ומניתי entgegen. מני und ומניתי haben die gleiche Radix מנה: Zuzählen, Bestimmen. Nicht dem מני, nicht dem „Schicksal“ untersteht ihr; ich bestimme euer Geschick, ich zähle, ich messe euch die Strafe zu, die ihr durch euren Abfall verwirkt habet.

הנה עבדי יאכלו, ישתו. Physisches Wohlergehen, ישמחו, das innere Gefühl des Wachsens und Gedeihens, die Freude, die ירנו מטוב לב sich draußen im Verkehr durch Herzensgüte bemerkbar macht: man möchte gerne alle Menschen glücklich machen — so lohne ich einst „meinen Dienern“.

והנחתם שמכם לשבועה. Wenn künftighin jemand sich frevelnd gegen Gottes Gesetz auflehnt, so werden wackere Pflichtgetreue versuchen, ihn wieder für den Gehorsam gegen die göttliche Lehre zu gewinnen. Beschwörend werden sie den in der Sünde Verharrenden ermahnen: „bessere dich, והמיתך וגו' sonst trifft dich Gottes Strafgericht wie es jene getroffen“ — und dabei werden sie auf „euch“ hinweisen. „Hast du auch bereits dein Dasein verwirkt, bessere dich, und Er gewährt es dir in seinem Erbarmen aufs neue.“ Das besagt hier der אלקים gelesene aber als מדת הרחמים geschriebene Gottesname. — ולעבדיו: Die Gott Dienenden aber wird die Menschheit alsdann mit einem anderen Namen kennzeichnen — und dieser Name ist

12
וּמָנִ֨יתִי אֶתְכֶ֜ם לַחֶ֗רֶב וְכֻלְּכֶם֙ לַטֶּ֣בַח תִּכְרָ֔עוּ יַ֤עַן קָרָ֙אתִי֙ וְלֹ֣א עֲנִיתֶ֔ם דִּבַּ֖רְתִּי וְלֹ֣א שְׁמַעְתֶּ֑ם וַתַּעֲשׂ֤וּ הָרַע֙ בְּעֵינַ֔י וּבַאֲשֶׁ֥ר לֹֽא־חָפַ֖צְתִּי בְּחַרְתֶּֽם׃ {פ}
BernfeldÜber euch will ich das Schwert verhängen, auf die Schlachtbank sollt ihr alle niedersinken, darum, weil ich gerufen und ihr nicht geantwortet habt, gesprochen und ihr nicht hörtet, dass ihr das Böse tatet in meinen Augen; woran ich keinen Gefallen habe, das habt ihr gewollt.
ZunzVerhängen will ich über euch das Schwert, und ihr alle, auf die Schlachtbank sollt ihr niedersinken, darum daß ich gerufen und ihr antwortetet nicht, gesprochen und ihr nicht hörtet, und das Böse thatet in meinen Augen, und woran ich kein Gefallen habe, begehrtet.
J. J. Hirscheuch bestimme ich für das Schwert, und ihr alle werdet an der Schlachtbank niederknien müssen, weil, da ich rief, ihr nicht antwortetet, da ich redete, ihr nicht hören wolltet, vielmehr was in meinen Augen das Böse war, tatet, und was ich nicht wollte, erwählt habet!
13
לָכֵ֞ן כֹּה־אָמַ֣ר ׀ אֲדֹנָ֣י יֱהֹוִ֗ה הִנֵּ֨ה עֲבָדַ֤י ׀ יֹאכֵ֙לוּ֙ וְאַתֶּ֣ם תִּרְעָ֔בוּ הִנֵּ֧ה עֲבָדַ֛י יִשְׁתּ֖וּ וְאַתֶּ֣ם תִּצְמָ֑אוּ הִנֵּ֧ה עֲבָדַ֛י יִשְׂמָ֖חוּ וְאַתֶּ֥ם תֵּבֹֽשׁוּ׃
BernfeldDarum spricht Gott, der Herr: Meine Knechte werden essen und ihr hungern, meine Knechte werden trinken und ihr dursten, meine Knechte werden sich freuen und ihr beschämt sein.
ZunzDarum spricht also der Herr, Gott: Siehe, meine Knechte werden essen und ihr hungern, siehe, meine Knechte werden trinken und ihr dursten, siehe, meine Knechte werden sich freuen und ihr beschämt seyn.
J. J. HirschDeshalb hat also mein Herr gesprochen, der auch richtend seine Liebe offenbarende Gott: Seht, meine Diener werden essen, ihr aber werdet hungern! Seht, meine Diener werden trinken, ihr aber werdet dürsten! Seht, meine Diener werden sich freuen, ihr aber werdet euch zu schämen haben!
14
הִנֵּ֧ה עֲבָדַ֛י יָרֹ֖נּוּ מִטּ֣וּב לֵ֑ב וְאַתֶּ֤ם תִּצְעֲקוּ֙ מִכְּאֵ֣ב לֵ֔ב וּמִשֵּׁ֥בֶר ר֖וּחַ תְּיֵלִֽילוּ׃
BernfeldMeine Knechte werden jubeln vor Lust des Herzens und ihr jammern vor Herzleid, und aus gebrochenem Gemüte werdet ihr heulen.
ZunzSiehe, meine Knechte werden jubeln vor Lust des Herzens, und ihr jammern vor Herzeleid, und aus gebrochenem Gemüthe werdet ihr heulen.
J. J. HirschSeht, meine Diener werden vor Herzenslust jubeln, ihr aber werdet aufschreien vor Herzweh und vor Zerschlagenheit des Geistes jammern!
15
וְהִנַּחְתֶּ֨ם שִׁמְכֶ֤ם לִשְׁבוּעָה֙ לִבְחִירַ֔י וֶהֱמִֽיתְךָ֖ אֲדֹנָ֣י יֱהֹוִ֑ה וְלַעֲבָדָ֥יו יִקְרָ֖א שֵׁ֥ם אַחֵֽר׃
BernfeldUnd ihr werdet hinterlassen euren Namen zum Fluch für meine Erkorenen; [der Fluch wird lauten:] Dass dich töte Gott, der Herr, [gleich jenen]. Aber seinen Knechten wird er einen anderen Namen geben.
ZunzUnd ihr werdet hinterlassen euren Namen zum Schwur für meine Erkorenen: . . . . daß dich tödte Gott der Herr! aber seinen Knechten wird er einen andern Namen geben,
J. J. HirschUnd ihr hinterlasset euren Namen zum Schwur für meine Erwählten: „Töten wird dich der Herr, der auch richtend noch sein Erbarmen betätigende Gott!“ Seine Diener aber wird man mit einem anderen Namen benennen;
16
אֲשֶׁ֨ר הַמִּתְבָּרֵ֜ךְ בָּאָ֗רֶץ יִתְבָּרֵךְ֙ בֵּאלֹהֵ֣י אָמֵ֔ן וְהַנִּשְׁבָּ֣ע בָּאָ֔רֶץ יִשָּׁבַ֖ע בֵּאלֹהֵ֣י אָמֵ֑ן כִּ֣י נִשְׁכְּח֗וּ הַצָּרוֹת֙ הָרִ֣אשֹׁנ֔וֹת וְכִ֥י נִסְתְּר֖וּ מֵעֵינָֽי׃
BernfeldDass wer sich segnet im Lande, sich segne mit dem wahrhaftigen Gotte, und wer schwört im Lande, schwöre bei dem wahrhaftigen Gotte, weil vergessen sind die früheren Leiden und weil sie verborgen sind vor meinen Augen.
ZunzDaß wer sich segnet im Lande, sich segne mit dem wahrhaftigen Gotte, und wer schwöret im Lande, schwöre bei dem wahrhaftigen Gotte, weil vergessen sind die früheren Leiden, und weil sie verborgen sind vor meinen Augen.
J. J. Hirschso daß, wer sich segnen will auf Erden, sich Segen erwirkt bei dem Gotte des „treu Gehorchenden“, und wer auf Erden schwören will, schwört bei dem Gotte des „treu Gehorchenden“; denn vergessen sind die früheren Notzustände und sie bleiben meinen Augen entrückt.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 16. אָמֵן. Band 2 der „Gesammelten Schriften“ heißt es S. 332 zur Erläuterung dieses Verses: „אמן aber, so spricht sich der Grundcharakter der dann aufblühenden Menschen aus, אמן, der sich fest der Leitung Gottes Hingebende, der nicht nur glaubt das Gotteswort, sondern sich fest an dasselbe hält, es in sich aufnimmt, und sich von ihm erziehen und bilden und führen und leiten läßt, der in Gott seinen אומן, seinen Erzieher erkennt und ihm als אמן, als treu folgender und gehorchender Zögling angehört.“

Wir gestatten uns ergänzend hinzuzufügen: Vergleicht man die Stellen, in denen אָמֵן sonst in der heiligen Schrift vorkommt, insbesondere die im Pentateuch 4. B. M. 5, 22 und 5. B. M. 27, 15—26 — und diese sind ja maßgebend für die Anwendung dieses Wortes in den späteren Stellen und sogar für dessen Gebrauch im forensischen Verfahren der Eidabnahme und in unserer Liturgie — so macht der אמן Sprechende damit den Ausspruch eines anderen zu seinem eigenen. S. Kommentar zu 4. B. M. 5, 22. Er dokumentiert damit, daß das eben Gehörte mit allen seinen Konsequenzen für ihn bestimmend und maßgebend sein soll. Davon übertragen dürfte hier אמן das Epitheton ornans dessen sein, der einzig und allein das Wort Gottes Norm und Richtschnur für sein Denken, Empfinden und Handeln während seines ganzen Lebens ausnahmslos sein läßt: „er sagt Ja und Amen“ zu jedem Worte Gottes und handelt danach. Das macht ihn zum Diener Gottes.

Indem die Menschheit auf Erden dann יתברך באלקי אמן, Segen und Gedeihen nur bei dem Gotte des „Amen“ sagenden jüdischen Volkes sucht und nur bei Ihm schwört, macht sie Sein Rechts-, Humanitäts- und Sitten-Gesetz, soweit es für sie bestimmt ist (s. das oben zu Kap. 2, 3 Bemerkte) zum Leiter ihres Menschenberufs und unterstellt Ihm ihr Leben und Geschick. Vgl. Komm. zu 1. B. M. 15, 6. Dann wird ihr der gesuchte Segen zuteil — כי נשכחו וגו' denn vergessen sind alle früheren Enttäuschungen und Leiden, die das Resultat des vergeblichen Ringens und Kämpfens der Menschheit, ohne Gott Segen und Glück zu erlangen, bildeten. Gottes Vorsehung מעיני bedarf ihrer fortan nicht mehr als Mittel zur Erziehung der Menschheit.

Haftarah Bereschit Romanioten und Karäer beginnen hier.Romanioten: abweichend: Jeschajahu 65,16 – 66,11
17
כִּֽי־הִנְנִ֥י בוֹרֵ֛א שָׁמַ֥יִם חֲדָשִׁ֖ים וָאָ֣רֶץ חֲדָשָׁ֑ה וְלֹ֤א תִזָּכַ֙רְנָה֙ הָרִ֣אשֹׁנ֔וֹת וְלֹ֥א תַעֲלֶ֖ינָה עַל־לֵֽב׃
BernfeldDenn ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde; es soll nicht gedacht werden des früheren, und es soll nicht in den Sinn kommen.
ZunzDenn siehe, ich erschaffe neue Himmel und eine neue Erde, und nicht soll gedacht werden des Früheren, und nicht soll es in den Sinn kommen.
J. J. HirschDenn siehe, ich schaffe neue Himmel und eine neue Erde, so daß der Gedanke an die früheren schwindet und nicht einmal im Herzen aufkommt.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 17. Mit der sittlichen Umwandlung des Menschen geht die Umwandlung der physischen Welt Hand in Hand, und der zur Gottestreue zurückkehrenden Menschheit erblüht das Paradies auf Erden von neuem in seiner ursprünglichen Harmonie. Und wie die Menschheit in der Heileszukunft sich nicht mehr gerne an ihre getrübte sittliche Vergangenheit erinnern wird, so wird auch aus ihrer Vorstellung das Bild der bis dahin in der Entwicklung und Betätigung ihrer Vollkraft gehemmten Natur seine Konturen verlieren und verblassen: den dann sie anlachenden Paradieses-Zustand der physischen Welt wird sie als den „natürlichen“ betrachten und als solchen bezeichnen.

18
כִּֽי־אִם־שִׂ֤ישֽׂוּ וְגִ֙ילוּ֙ עֲדֵי־עַ֔ד אֲשֶׁ֖ר אֲנִ֣י בוֹרֵ֑א כִּי֩ הִנְנִ֨י בוֹרֵ֧א אֶת־יְרוּשָׁלַ֛͏ִם גִּילָ֖הֿ וְעַמָּ֥הּ מָשֽׂוֹשׂ׃
BernfeldSondern freuet euch und frohlocket fort und fort, [du Israel], das ich jetzt schaffe! Denn ich erschaffe Jerusalem zum Frohlocken und sein Volk zur Wonne.
ZunzSondern freuet euch und frohlocket fort und fort (dessen), was ich schaffe; denn siehe. ich erschaffe Jeruschalajim zum Frohlocken und sein Volk zur Wonne.
J. J. Hirsch„„Nichts als freuet euch und frohlocket auf immer““ ist das, was ich schaffe; denn ich schaffe Jerusalem zum Frohsinn und sein Volk zur Wonne.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 18. 19. „Ewige Freude und Heiterkeit“ mache ich zur Devise meiner Schöpfung; von Jerusalem ausgehend und von seinem Volke, wird sie ihren Segensgang unter die Allmenschheit antreten.

וגלתי וגו'. Weil Jerusalem dann das Ziel seiner Bestimmung: ירו-שלם zu sein, erreicht hat und „sein“ Volk עמי „mein“ Volk geworden ist, so daß ich mich ihrer freuen kann, ולא ישמע וגו' so ist alles beseitigt, was zum Weinen und Jammern Veranlassung geben könnte; —

V. 20 denn nicht allein ist mit der Rückkehr des Menschen zu Gott das so bittere Tränen expressende soziale Unrecht geschwunden, auch die Sittenverderbnis, welche mit ihm zusammen Gott einst bewog, die Lebensdauer des Menschen zu kürzen, hat aufgehört, und Gott ימלא את ימיו läßt ihn seine Tage wieder voll ausleben, wie dies ursprünglich von ihm beabsichtigt gewesen. Vgl. oben das zu Kap. 25, 8 Bemerkte. Als in jugendlichem Alter gestorben, gilt der nicht älter als hundert Jahre Gewordene, und man betrachtet einen solch „vorzeitigen“ Tod als eine Strafe Gottes —

19
וְגַלְתִּ֥י בִירוּשָׁלַ֖͏ִם וְשַׂשְׂתִּ֣י בְעַמִּ֑י וְלֹא־יִשָּׁמַ֥ע בָּהּ֙ ע֔וֹד ק֥וֹל בְּכִ֖י וְק֥וֹל זְעָקָֽה׃
BernfeldIch werde frohlocken über Jerusalem und mich erfreuen an meinem Volke. Fortan soll nicht gehört werden darin Stimme des Weinens und Stimme der Wehklage.
ZunzUnd ich frohlocke über Jeruschalajim und freue mich an meinem Volke, und nicht soll fortan gehört werden darin Stimme des Weinens und Stimme der Wehklage.
J. J. HirschIch werde Jerusalem's froh sein und mich mit meinem Volke freuen, und so wird dort nicht wieder die Stimme des Weinens noch ein Laut der Klage gehört werden.
20
לֹא־יִהְיֶ֨ה מִשָּׁ֜ם ע֗וֹד ע֤וּל יָמִים֙ וְזָקֵ֔ן אֲשֶׁ֥ר לֹֽא־יְמַלֵּ֖א אֶת־יָמָ֑יו כִּ֣י הַנַּ֗עַר בֶּן־מֵאָ֤ה שָׁנָה֙ יָמ֔וּת וְהַ֣חוֹטֶ֔א בֶּן־מֵאָ֥ה שָׁנָ֖ה יְקֻלָּֽל׃
BernfeldDort soll keiner sein ein Kind an Tagen und ein Greis an Aussehen der nicht ausgelebt seine Tage; denn Knabe wird sein, wer hundertjährig stirbt, und der Sünder wird verflucht, dass er als Hundertjähriger sterbe.
ZunzNicht soll von daher fortan (kommen) ein Kind an Tagen und ein Greis (und) wer nicht auslebt seine Tage; denn Knabe ist, (wer) hundertjährig stirbt, und Sünder, (wer) hundertjährig verflucht wird.
J. J. HirschKein Kind an Tagen scheidet mehr von dort und kein Gealterter, der nicht seine Tage voll auslebt. Denn als Jüngling stirbt der Hundertjährige und als Sünder der Hundertjährige vom Fluche getroffen.
21
וּבָנ֥וּ בָתִּ֖ים וְיָשָׁ֑בוּ וְנָטְע֣וּ כְרָמִ֔ים וְאָכְל֖וּ פִּרְיָֽם׃
BernfeldSie werden Häuser bauen und bewohnen und Weinberge pflanzen und ihre Frucht essen.
ZunzUnd bauen werden sie Häuser und bewohnen, und Weinberge pflanzen, und ihre Frucht essen.
J. J. HirschSie werden Häuser erbauen und bewohnen, Weinberge pflanzen und deren Frucht genießen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 21—23. Denn ein solcher wird nur die Ausnahme bilden und die Regel bestätigen, daß es die Bestimmung des Menschen ist, die Früchte seines Wirkens selbst zu genießen. Und wie der Baum immer wieder von neuem seine Kräfte und Säfte regeneriert, indem er durch seine Wurzeln frisches Leben und Wachstum aus der mütterlichen Erde aufsaugt, so wird „mein Volk“ stets erneutes Dasein aus dem „Quell des Lebens“, meiner Thora trinken. So werden meine „Erwählten“ das Werk ihrer Tätigkeit überdauern, um alsdann im höchsten Alter des unaussprechlich beseligenden Glückes teilhaftig zu werden, daß die ihnen Entsprossenen in gleichem Sinne wie sie, mit gleicher Begeisterung wie sie und desselben göttlichen Segens sich erfreuend wie sie, אתם in ihrem Beisein und mit ihnen auf das innigste verbunden — (את) bezeichnet eine weit innigere Verbindung als עם, s. Komm. zu 2. B. M. 1, 1) — weiter arbeiten, um das Werk noch dauerhafter zu gestalten, als es ihnen möglich gewesen war. —

לבלות שאול wie יבלו בחירי (Ps. 49, 15). — לא ינעו לריק. Wie oft wird sonst die Lebensarbeit der Eltern nach ihrem Heimgang durch ihre Kinder illusorisch gemacht, ולא ילדו לבהלה, wie oft aber auch müssen Eltern zu ihrer unsäglichen Bestürzung, mit Schrecken und Schmerz es erleben, daß ihre Kinder niederreißen, was sie gebaut, entweihen, was ihnen das Heiligste gewesen und noch ist. Solche trübe Erfahrungen ersparen ihnen ihre Kinder. כי זרע ברוכי ד' המה: Sie selbst, die Eltern, sind die Saat Gott Gesegneter, das heißt: der Segen, den Gott ihren eigenen Eltern spendete, besteht darin, in ihnen solche wackere Kinder zu erziehen, daß וצאצאיהם auch ihre Kinder, also die Enkel, אתם in gleicher Gesinnung mit ihnen weiter wirken, und sie selbst das Glück haben, sich ihrer noch erfreuen zu dürfen. Es entspricht dieses dem Gipfel des Glückes, das der Psalmist Kap. 128, 6 mit den Worten ausmalt וראה בנים לבניך שלום על ישראל: in den Kindern seiner Kinder seine Kinder erblicken zu dürfen u. s. w. (s. Komm. daselbst). Wir glauben nämlich, daß das אתם nicht allein auf המה, die Eltern, sondern auch auf ברוכי ד', die Großeltern sich beziehen kann.

22
לֹ֤א יִבְנוּ֙ וְאַחֵ֣ר יֵשֵׁ֔ב לֹ֥א יִטְּע֖וּ וְאַחֵ֣ר יֹאכֵ֑ל כִּֽי־כִימֵ֤י הָעֵץ֙ יְמֵ֣י עַמִּ֔י וּמַעֲשֵׂ֥ה יְדֵיהֶ֖ם יְבַלּ֥וּ בְחִירָֽי׃
BernfeldSie werden nicht bauen und ein anderer bewohnen, nicht pflanzen und ein anderer essen, sondern wie die Tage eines Baumes währen die Tage meines Volkes, und das Werk ihrer Hände sollen meine Erkorenen verbrauchen.
ZunzNicht werden sie bauen und ein Anderer bewohnen, nicht pflanzen und ein Anderer essen; sondern wie die Tage eines Baumes, (so) die Tage meines Volkes, und das Werk ihrer Hände sollen meine Erkorenen verbrauchen.
J. J. HirschNicht werden sie bauen, und ein anderer bewohnt, nicht werden sie pflanzen, was ein anderer genießt; denn wie des Baumes Tage sind die Tage meines Volkes, und das Werk ihrer Hände überdauern meine Erwählten.
Haftarah Toldot Romanioten und Karäer beginnen hier.
23
לֹ֤א יִֽיגְעוּ֙ לָרִ֔יק וְלֹ֥א יֵלְד֖וּ לַבֶּהָלָ֑ה כִּ֣י זֶ֜רַע בְּרוּכֵ֤י יְהֹוָה֙ הֵ֔מָּה וְצֶאֱצָאֵיהֶ֖ם אִתָּֽם׃
BernfeldSie werden sich nicht vergebens mühen und nicht zeugen zu jähem Tode, denn ein Same, den der Herr gesegnet, sind sie, und ihre Sprösslinge bleiben ihnen.
ZunzNicht vergebens werden sie sich mühen und nicht zeugen zu jähem Tod; denn ein Same Gesegneter des Ewigen sind sie, und ihre Sprößlinge bleiben ihnen.
J. J. HirschNicht vergebens werden sie sich abmühen und nicht zum Schrecken gebären, denn die Saat von Gott Gesegneter sind sie selbst, und die ihnen Entsprossenen bleiben vereint mit ihnen.
24
וְהָיָ֥ה טֶרֶם־יִקְרָ֖אוּ וַאֲנִ֣י אֶעֱנֶ֑ה ע֛וֹד הֵ֥ם מְדַבְּרִ֖ים וַאֲנִ֥י אֶשְׁמָֽע׃
BernfeldBevor sie rufen werden, antworte ich — noch sprechen sie und ich erhöre.
ZunzUnd es geschieht, bevor sie rufen antworte ich, — noch sprechen sie und ich erhöre.
J. J. HirschUnd es wird sein: bevor sie rufen, antworte ich ihnen, noch reden sie, und ich erhöre,
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 24. והיה וגו'. Geht so ihr ganzes Streben darin auf, „אמן“ zu werden, mein Wort zu dem ihrigen zu machen, so mache ich ihre Wünsche zu den meinen und komme ihnen entgegen, — ehe sie sich deren selbst bewußt werden, erfülle ich sie.

25
זְאֵ֨ב וְטָלֶ֜ה יִרְע֣וּ כְאֶחָ֗ד וְאַרְיֵה֙ כַּבָּקָ֣ר יֹאכַל־תֶּ֔בֶן וְנָחָ֖שׁ עָפָ֣ר לַחְמ֑וֹ לֹֽא־יָרֵ֧עוּ וְלֹֽא־יַשְׁחִ֛יתוּ בְּכׇל־הַ֥ר קׇדְשִׁ֖י אָמַ֥ר יְהֹוָֽה׃ {ס}
BernfeldWolf und Lamm werden zusammen weiden und der Löwe wie ein Rind Stroh fressen; der Schlange Speise wird Staub sein. Sie werden nicht schaden und nicht verderben auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der Herr.
ZunzWolf und Lamm weiden zusammen, und der Leu wie ein Rind frisset Stroh, und die Schlange — Staub ist ihre Speise. Sie schaden nicht und verderben nicht auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der Ewige.
J. J. HirschWolf und Lamm weiden vereint, und der Löwe frißt Stroh wie das Rind, und die Schlange — Staub ist ihre Speise. Man wird nicht Böses üben und nicht verderbt handeln auf meinem ganzen heiligen Berge, hat Gott gesprochen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 25. זאב וטלה וגו'. Siehe das oben zu Kap. 11, 6—9 Erläuterte. Friede zieht ein in das Reich der gesamten atmenden Schöpfung, Friede herrscht im sozialen Verkehr der Menschheit לא ירעו, Friede wohnt in den Herzen und Gemütern der Menschen, die ihre Neigungen, Empfindungen und Triebe meinem Sittengesetze unterstellen לא בכל הר קדשי — ישחיתו, auf der weiten, weiten Gotteserde, auf welcher der Mensch dann die sittliche Höhe seiner Bestimmung endlich erklommen hat: אמר ד' für das Eintreffen dieser so herrlichen Segens- und Heileszeit bürgt das Wort ד' Gottes, der מהוה jeden Zeitmoment mit seinem יהי, mit seinem „Werde“ ins Dasein ruft.