Jeschajahu 45 ישעיהו

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1
כֹּה־אָמַ֣ר יְהֹוָה֮ לִמְשִׁיחוֹ֮ לְכ֣וֹרֶשׁ אֲשֶׁר־הֶחֱזַ֣קְתִּי בִימִינ֗וֹ לְרַד־לְפָנָיו֙ גּוֹיִ֔ם וּמׇתְנֵ֥י מְלָכִ֖ים אֲפַתֵּ֑חַ לִפְתֹּ֤חַ לְפָנָיו֙ דְּלָתַ֔יִם וּשְׁעָרִ֖ים לֹ֥א יִסָּגֵֽרוּ׃
BernfeldSo spricht der Herr zu seinem Gesalbten Cyrus, den ich bei seiner Rechten halte, Völker vor ihm niederzuwerfen, und ich entgürte die Lenden der Könige [ich entwaffne sie]; Türen vor ihm zu öffnen und Tore, dass sie nicht geschlossen seien:
ZunzSo spricht der Ewige von seinem Gesalbten, von Koresch, den ich bei seiner Rechten halte, Völker vor ihm niederzuwerfen, und ich entgürte die Lenden der Könige; Thüren vor ihm zu öffnen und Thore, daß sie nicht geschlossen seien.
J. J. HirschSo [nämlich] hat Gott zu seinem Gesalbten, zu Cyrus gesprochen, den ich bei seiner Rechten erfaßt habe, um Nationen ihm unterwürfig zu machen, und vor dem ich der Könige Lenden entgürte, um Pforten vor ihm zu öffnen und Tore unverschließbar zu machen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 45. Dieses Kapitel und die ihm sich anschließenden drei bringen nun die Vorausverkündigung von Cyrus' Berufung und der Erlösung aus dem babylonischen Exil, auf welche die vorhergehenden als bereits vor Jahrtausenden vollzogene Tatsache Bezug nehmen. Gleich der erste Vers bezeichnet den im Schlußverse des vorigen Kapitels „mein Hirt" benannten Cyrus als den „Gesalbten Gottes", als den von vornherein zur Förderung der göttlichen Ziele auf den Thron Berufenen. Ihm werde Gott die Wege dazu ebnen und ihn mit allen dafür erforderlichen Mitteln ausrüsten. V. 1—3. — Auf daß das jüdische Volk wiederum auf eigenem Boden seiner Gott dienenden Aufgabe sich widmen könne, erfolgt Cyrus' Berufung, und da es Israels Mission ist, durch Verbreitung der göttlichen Rechtsidee für das Heil der Menschheit tätig zu sein, so geschieht sie in erster und letzter Reihe im Interesse des „Zedek", des göttlichen Rechts. Die Waltungsgänge des Allmächtigen zu diesem Ziele entziehen sich dem blöden Auge des Menschen, und gar oft erscheint ihm als „Unglück", als „Böses", was in Wirklichkeit zum Heile führt, den Frieden fördert. V. 4—8. — Absurd ist es daher, wenn Menschen, weil sie keinen Fortschritt zum Heile zu erkennen vermögen, an der Waltung Gottes zu mäkeln sich erkühnen. V. 9—11. — Wie Gott alleiniger Schöpfer und Gesetzgeber der Natur ist, so ist er auch alleiniger Leiter und Lenker der Weltgeschichte. Das wird auch in Cyrus' Wirksamkeit zutage treten. V. 12, 13. —

Die völlig gegen alle natürlichen Verhältnisse sich vollziehende Heimkehr Israels aus dem Exile wird nicht verfehlen, einen mächtigen Eindruck auf viele unter den es umgebenden Bevölkerungen zu machen. Sie erkennen sie als unmittelbare Waltung Gottes für sein Volk, das auch für alle Zukunft in seinem Vertrauen auf Gott nie sich getäuscht sehen werde. Dem gegenüber sprechen sie ihre Überzeugung von der gänzlichen Impotenz alles sonst als Gottheit Verehrten aus. V. 14—17. —

Daß zu dieser Erkenntnis einst alles auf Erden gelange und mit ihr das soziale Chaos sich zu einem friedlichen, gedeihlichen Beisammenwohnen der Menschen wandle, dafür hat Gott „Jakobs Nachkommen" mit der Offenbarung am Sinai zu Trägern und Überbringern seines Rechtsideals an die Menschheit erwählt. V. 18, 19. — Sie die „Geretteten unter den Völkern", die zuerst unter ihnen für die Huldigung des Einzig-Einen Gewonnenen, sollen nun mit ihrer Heimkehr, welche Gott samt dem Zwecke, den er damit verbindet, so lange zuvor verkündet hatte, einmütig sich dieser Aufgabe widmen. V. 20, 21. — Die Allmenschheit wird sodann V. 22 aufgefordert, sich zu Gott zu wenden, als dem Einzigen, durch den ihr Rettung erstehen werde. Für die Huldigung Gottes die Gesamtheit der Menschen zu gewinnen und ihr damit zum Genuß der „Fülle der Wohltaten" zu verhelfen, das ist das Ziel der Waltung, Gottes, und seine unwiderstehliche Macht bürgt für dessen Erreichung. Wenn erst alle Versuche der Menschen, ohne Gott oder gar in direkter Widersetzlichkeit gegen ihn und sein Rechts- und Sittengesetz den Hafen des Glücks zu erreichen, kläglich gescheitert sind und nichts als Enttäuschungen gebracht haben, dann werden sie alle zu Gott huldigend kommen. Israel aber, als der Träger und Herold der Gottesidee im Kreise der Menschheit, das so lange verkannte Israel, steht dann gerechtfertigt da auf Erden und findet seinen Ruhm in der ihm von Gott gewordenen Aufgabe. V. 23—25.

V. 1. 2. למשיחו. משח, lautverw. mit משה aus dem Wasser ziehen, heißt: mit dem sich nicht mit Wasser vermischenden Stoffe, mit Öl, bestreichen, salben. Dieses Salben ist ein allgemeines Symbol des Ausscheidens aus Gemeinem. Der gesalbte Gegenstand oder die gesalbte Person ist ferner nicht mit Gemeinem zu mischen. Der „Gesalbte Gottes", wie hier, wird emporgehoben über das Gemeine, trägt seine besondere, hohe Bestimmung und hat sein Leben und seine ganze Tätigkeit der Erfüllung der ihm von Gott übertragenen Aufgabe zu weihen. Dazu rüstet ihn Gott mit Macht und Stärke aus, alle sich ihm entgegenstellenden Schwierigkeiten zu überwinden, und ebnet ihm die Wege.

לרד von der Wurzel רדד, die eigentlich Dünnschlagen und Dehnen von Metallen bedeutet: 1. Kön. 6, 32: וירד על הכרובים ועל התמרות את הזהב. Übertragen davon bezeichnet es das Gefügig- und Unterwürfigmachen von Völkern unter die Herrschaft eines Herrn. So הרודד עמי תחתי (Ps. 144, 2, s. das. im Komm.)

ומתני מלכים אפתח: den Lendengurt, welcher das Schwert hält, löse ich, mache sie also waffenlos. — לפתוח לפניו דלתים: Viele Pforten werden sich ihm willig öffnen, wo ihm aber der Einzug verwehrt werden soll, da sorge ich dafür, daß dies unmöglich ist, sei es dadurch, daß ich die ehernen Pforten selbst sprenge oder deren Eisenriegel zerschmettere. והדורים אישר: הדר kommt als Zeitwort in תנ"ך sonst nur in der Bedeutung Ehre antun, ehrerbietig behandeln und הדור בלבושו (weiter Kap. 63, 1) mit Würde, mit Majestät bekleidet vor. Da הדורים so aufgefaßt hier keinen rechten Sinn ergeben würde, ist es wohl nicht zu gewagt, es in der Bedeutung zu nehmen, die dieser Wurzel in der Sprache unserer Weisen innewohnt. Da heißt הדר umwenden, zurückkehren u. s. w. Chulin 113a werden die Gedärme, in denen die Speisereste auf windungsreichem Wege ihren Austritt aus dem Körper suchen, הדרא genannt. הדורים hier dürfte labyrinthartig angelegte Wege bezeichnen, die dem einer Festung sich nahendem Feinde den Zutritt erschweren sollten. So wird es auch von manchen älteren und neueren Kommentatoren genommen. Das כתיב von אישר ist אושר, sonst nicht wieder vorkommende Hifilform von אשר, und heißt: „werde ich glücklich durchschreiten lassen".

2
אֲנִי֙ לְפָנֶ֣יךָ אֵלֵ֔ךְ וַהֲדוּרִ֖ים (אושר) [אֲיַשֵּׁ֑ר] דַּלְת֤וֹת נְחוּשָׁה֙ אֲשַׁבֵּ֔ר וּבְרִיחֵ֥י בַרְזֶ֖ל אֲגַדֵּֽעַ׃
BernfeldIch ziehe vor dir einher, Krümmungen ebne ich, eherne Türen zerbreche ich und sprenge eiserne Riegel;
ZunzIch ziehe vor dir einher, und stolze Höhen ebne ich, eherne Thüren zerbreche ich, und sprenge eiserne Riegel.
J. J. HirschIch werde vor dir her ziehen und Wegwindungen gerade richten; eherne Pforten werde ich sprengen und eiserne Riegel zerschlagen.
3
וְנָתַתִּ֤י לְךָ֙ אוֹצְר֣וֹת חֹ֔שֶׁךְ וּמַטְמֻנֵ֖י מִסְתָּרִ֑ים לְמַ֣עַן תֵּדַ֗ע כִּֽי־אֲנִ֧י יְהֹוָ֛ה הַקּוֹרֵ֥א בְשִׁמְךָ֖ אֱלֹהֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldUnd gebe dir verborgene Schätze und verborgene Reichtümer, auf dass du erkennest, dass ich, der Herr, es bin, der dich beim Namen ruft [erwählt], der Gott Israels.
ZunzUnd gebe dir Schätze der Finsterniß und die verborgenen Reichthümer, auf daß du erkennest, daß ich, der Ewige, es bin, der dich beim Namen beruft, der Gott Jisraël's.
J. J. HirschIch werde dir die Schatzkammern der Dunkelheit preisgeben und die im geheimen verborgenen Schätze, damit du erkennest, daß Ich, Gott, es bin, der dich mit deinem Namen beruft, der Gott Israels.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3—5. אוצרות חשך ומטמני מסתרים. מטמני Plural von מטמון (1. B. M. 43, 23) verborgener Schatz. Nicht nur die reichen Schätze Babylons sollten von Cyrus erbeutet werden, sondern bereits vorher die unermeßlichen aufgespeicherten Reichtümer Krösus', des Königs von Lydien, und die gefüllten Schatzkammern von dessen Hauptstadt Sardes in seine Hand fallen. Das dürfte mit der doppelten Bezeichnung אוצרות und מטמני hier prophezeit sein. — הקורא בשמך wie 2. B. M. 31, 2: קראתי בשם בצלאל וגו' jemanden mit Namen, das heißt speziell und ausdrücklich zu etwas berufen. אכנך s. oben Kap. 44, 5. Zu einer Zeit, die weit über hundert Jahre vor deiner Geburt lag, bezeichnete ich dich bereits als den, der mein Volk aus der babylonischen Gefangenschaft befreien werde. Vielleicht sogar ist der Name כרש selbst ein solcher שם כנוי: כרש lautverw. mit ירש und גרש und bezeichnet Cyrus als den „Eroberer", vielleicht? אכנך ebenso wie אאזרך des nächsten Verses, Formen des עתיד, um die Dauer auszudrücken. Letzteres ist Ausdruck für das Ausstatten mit allen Attributen der Stärke und Macht.

למען עבדי יעקב וישראל בחירי kennzeichnet die durch Cyrus einzuleitende Periode des zweiten Tempels als einen doppelten Zweck verfolgend: Das jüdische Volk sollte auf eigenem Boden, aber abhängig, in Jakobsgestalt Gott dienen und sich dort vorbereiten, um dereinst am Ziele der Zeiten geläutert seine Israelsaufgabe, für welche Gott es erwählt hatte, voll und ganz zu lösen. Vgl. das oben zu Kap. 14, 1: כי ירחם ד' את יעקב ובחר עוד בישראל Bemerkte.

4
לְמַ֙עַן֙ עַבְדִּ֣י יַעֲקֹ֔ב וְיִשְׂרָאֵ֖ל בְּחִירִ֑י וָאֶקְרָ֤א לְךָ֙ בִּשְׁמֶ֔ךָ אֲכַנְּךָ֖ וְלֹ֥א יְדַעְתָּֽנִי׃
BernfeldUm meines Knechtes Jakob willen und Israels, meines Erkorenen, rief ich dich bei deinem Namen [erkor ich dich], ich ernannte dich, ohne dass du mich kanntest.
ZunzUm meines Knechtes Jaakob willen und Jisraël's, meines Erkornen, berief ich dich bei deinem Namen, liebkoste dir, ohne daß du mich kanntest.
J. J. HirschUm meines Dieners Jakob, um Israels, meines Erwählten willen rief ich dir zu mit deinem Namen, bezeichnete dich, als du noch nichts von mir wußtest.
5
אֲנִ֤י יְהֹוָה֙ וְאֵ֣ין ע֔וֹד זוּלָתִ֖י אֵ֣ין אֱלֹהִ֑ים אֲאַזֶּרְךָ֖ וְלֹ֥א יְדַעְתָּֽנִי׃
BernfeldIch bin der Herr und keiner sonst, außer mir ist kein Gott, ich rüste dich aus, ohne dass du mich kanntest.
ZunzIch bin der Ewige und keiner sonst, außer mir ist kein Gott, ich rüstete dich aus, ohne daß du mich kanntest.
J. J. HirschIch Gott und nichts sonst, außer mir kein Gott, ich gürtete dich, als du noch nichts von mir wußtest,
6
לְמַ֣עַן יֵדְע֗וּ מִמִּזְרַח־שֶׁ֙מֶשׁ֙ וּמִמַּ֣עֲרָבָ֔הֿ כִּי־אֶ֖פֶס בִּלְעָדָ֑י אֲנִ֥י יְהֹוָ֖ה וְאֵ֥ין עֽוֹד׃
BernfeldAuf dass sie alle erkennen, vom Aufgang der Sonne und von ihrem Niedergang, dass nichts ist außer mir, ich bin der Herr und keiner sonst;
ZunzAuf daß man erkenne vom Aufgang der Sonne und von ihrem Niedergange, daß nichts ist außer mir; ich bin der Ewige und keiner sonst,
J. J. Hirschdamit man vom Aufgange der Sonne und vom Untergange wisse, daß ohne mich nichts geschieht, Ich Gott bin und keiner sonst.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 6. למען ידעו וגו'. Cyrus' Berufung ist somit ein Mittel in Gottes Hand, um die Zeit herbeizuführen, in der die Erkenntnis das ganze Weltall durchdringt, daß es nur einen Gott gibt und absolut nichts sich ohne Gott vollzieht. Die Konsequenz dieser Erkenntnis ist die Huldigung Gottes.

7
יוֹצֵ֥ר אוֹר֙ וּבוֹרֵ֣א חֹ֔שֶׁךְ עֹשֶׂ֥ה שָׁל֖וֹם וּב֣וֹרֵא רָ֑ע אֲנִ֥י יְהֹוָ֖ה עֹשֶׂ֥ה כׇל־אֵֽלֶּה׃ {פ}
BernfeldDer das Licht bildet und Finsternis schafft, Frieden stiftet und Unheil schafft, ich, der Herr, tue dies alles.
ZunzDer das Licht bildet und Finsterniß schafft, Frieden stiftet und Unheil schafft, ich, der Ewige, thue dies alles.
J. J. HirschDer das Licht bildet und die Finsternis schafft, den Frieden gestaltet und das Übel schafft, Ich, Gott bin es, der alle diese gestaltet.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 7. יוצר אור וגו'. Wie derselbe Gott Schöpfer des Lichtes und seines Gegensatzes, der Finsternis, ist, so ist sein Werk der Friede und das Heil der Menschheit, sein Werk aber auch das, was uns Menschen als das Böse, als Unglück, als Übel erscheint. Wie es in der Schöpfungsgeschichte heißt: Es ward Abend, es ward Morgen, Ein Tag! Der mit dem Morgen beginnende, unter Einwirkung des Lichtes sich vollendende Tag ist das vom Schöpfer beabsichtigte Ziel, zu welchem die mit dem Abend eintretende, unter Einfluß der Finsternis sich vollendende Nacht nur die Vorbereitung, — und erst wenn dem Abend ein Morgen gefolgt ist, legt die Welt einen Tag ihres vollen Daseins zurück — so bildet שלום, der Friede, das Heil, das Ziel der göttlichen Weltwaltung, und alles Gegensätzliche, welches die Weltgeschichte aufweist, ihre Nachtseite, führt in der Hand Gottes zum Morgenanbruch der Menschheit, ist Mittel, dieses Ziel zu erreichen.

Unser Satz tritt der ältesten Verirrung des Menschengedankens entgegen, der aus den Gegensätzen der Natur- und Welterscheinungen auf eine Vielheit, namentlich auf eine Zweiheit von Göttern schloß, auf eine Gottheit des Tages, des Lebens und des Heils und eine Gottheit der Nacht, des Todes und der Übel. (S. Israels Gebete Seite 107.) Dem gegenüber heißt es hier אני ד' עשה כל אלה: Alle diese, אור und חשך, שלום und רע, ein und derselbe einzig-eine Gott schafft und bildet sie!

Hier, wo Gott sich zum Werkzeug seiner Pläne einen persischen Herrscher erwählt, dürfte dieser Satz insbesondere ein Protest gegen den Parsismus sein, der auf dem Wahn des Dualismus mit seinen guten und bösen Prinzipien, dem Ormuzd und Ahriman, seinen Kultus aufbaute. Darauf macht bereits Rabbenu Saadia Gaon aufmerksam.

8
הַרְעִ֤יפוּ שָׁמַ֙יִם֙ מִמַּ֔עַל וּשְׁחָקִ֖ים יִזְּלוּ־צֶ֑דֶק תִּפְתַּח־אֶ֣רֶץ וְיִפְרוּ־יֶ֗שַׁע וּצְדָקָ֤ה תַצְמִ֙יחַ֙ יַ֔חַד אֲנִ֥י יְהֹוָ֖ה בְּרָאתִֽיו׃ {ס}
BernfeldTräufle, Himmel, von oben, und es rieseln die Wolken Segen; die Erde öffne sich und trage Heil, und Gedeihen lasse sie emporwachsen zugleich. Ich, der Herr, habe es geschaffen.
ZunzTräufelt, ihr Himmel, von oben, und es rieseln die Wolken Segen; die Erde öffne sich und trage Heil, und Gedeihen lasse sie emporwachsen zugleich. Ich, der Ewige, hab' es geschaffen.
J. J. HirschLasset herabströmen ihr Himmel aus der Höhe und Wolken mögen niederträufeln lassen das Recht, die Erde öffne sich, auf daß sie das Heil befruchten, und Pflichttreue zugleich Wachstum bringe — Ich, Gott, ich habe es geschaffen!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 8. Endziel der göttlichen Weltführung ist שלום der Friede oder, wie es sofort genannt wird, ישע das Heil der Allmenschheit, seine Vorbedingung ist צדק das Recht, aber das Recht, wie es Gott zur Herrschaft bringen will. Allein dieses Recht vermögen die Menschen mit all ihrer Klugheit nicht zu schaffen, es ist kein Produkt von Opportunitäts-Rücksichten, wechselt nicht mit den Anschauungen des Moments, ist überhaupt kein Erzeugnis der Erde — הרעיפו שמים ממעל, dieses „Zedek“ stammt von Gott, es ist der befruchtende Keim, den die Himmel in den Schoß der Erde streuen! תפתח ארץ. Die Erde nimmt ihn auf, ויפרו — Plural — beide, der die Saat spendende Himmel und die sie empfangende Erde, sollen damit das allgemeine Heil als Frucht zeitigen, aber צדקה die Pflichttreue der Menschen muß zugleich oder gleichzeitig (יחד wie oben Kap. 42, 14: אשם ואשאף יחד) mitwirken, um Entwicklung und Wachstum תצמיח zu bringen. Dieses צדק: אני ד' בראתיו ward mit dem ersten Schöpfer-Werde von Gott erschaffen und seiner Schöpfung als zu erreichendes Ziel gesetzt. Daß dies erreicht wird, dafür bürgt ד', der Schöpfer und Gestalter eines jeden neuen Zeitmoments.

9
ה֗וֹי רָ֚ב אֶת־יֹ֣צְר֔וֹ חֶ֖רֶשׂ אֶת־חַרְשֵׂ֣י אֲדָמָ֑ה הֲיֹאמַ֨ר חֹ֤מֶר לְיֹֽצְרוֹ֙ מַֽה־תַּעֲשֶׂ֔ה וּפׇעׇלְךָ֖ אֵין־יָדַ֥יִם לֽוֹ׃ {ס}
BernfeldO über den, der mit seinem Bildner hadert, ein Scherben [hadert] mit dem Tonkneter! Spricht denn der Ton zu seinem Bildner: Was machst du? oder: Dein Werk ist nicht handlich!
ZunzWehe dem, der mit seinem Bildner hadert, ein Scherben unter den Scherben des Erdbodens. Spricht denn der Thon zu seinem Bildner: Was machst du? und dein Werk: — es hat keine Hände!
J. J. HirschWehe [darum] dem, der mit seinem Schöpfer habert — eine Scherbe unter irdenen Scherben! Spricht wohl der Ton zu seinem Töpfer: „was machst du? Aber dein Werk hat ja keine Handhaben!“?
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 9. הוי רב את יצרו וגו'. Lächerliche Überhebung ist's darum und Anmaßung eines Intellekts, den der Mensch nicht besitzen kann, wenn irgend eine Zeit wähnt, an der göttlichen Weltwaltung mäkeln, sie korrigieren zu dürfen.

הוי. Über sich selbst ruft sie durch solches Unterfangen das Weh' herab! „Ton in der Hand des Töpfers,“ Materie in den gestaltenden Fingern des Bildners ist ja jeder Mensch und jede Zeit in Gottes Waltung — und weil sie das Werk Gottes nicht fortschreiten sehen, weil sie seine Vollendung noch nicht schauen, meinen sie, es werde überhaupt nimmer fertig werden! Ja, sie glauben gar nicht daran, daß es eine „Handhabe“ für die Bessergestaltung der Zustände auf Erden bieten werde. — יד in übertragenem Sinne kommt in 2. B. M. 26, 17: שתי ידות לקרש האחד u. sonst als die eingreifenden Zapfen vor, im Munde unserer Weisen heißen ידים Handhaben, כל שהוא יד (Ukzin Abschn. 1) und sonst. —

10
ה֛וֹי אֹמֵ֥ר לְאָ֖ב מַה־תּוֹלִ֑יד וּלְאִשָּׁ֖ה מַה־תְּחִילִֽין׃ {ס}
BernfeldO über den, der zum Vater spricht: Wozu hast du gezeugt? und zum Weibe: Wozu kreisest du [und gebärst]?
ZunzWehe dem, der zum Vater spricht: Was zeugest du? und zum Weibe: Was kreisest du?
J. J. HirschWehe dem, der zum Vater spricht: „was zeugst du“, und zum Weibe: „was willst du kreißend gebären?“!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 10. הוי אומר לאב וגו'. Die Absurdität eines solchen Vermessens wird noch krasser durch dieses Bild veranschaulicht: Vernichtete nicht der Menschenkeim jede Berechtigung, ins Dasein zu treten, wollte er, der Unfertige, Ungeborene, seinen Erzeugern Vorschriften machen über das מה, das „Was“, als welches er zur Welt kommen will? Gebricht es ihm doch völlig an Einsicht, geht ihm doch jede Erfahrung ab! —

11
כֹּה־אָמַ֧ר יְהֹוָ֛ה קְד֥וֹשׁ יִשְׂרָאֵ֖ל וְיֹצְר֑וֹ הָאֹתִיּ֣וֹת שְׁאָל֔וּנִי עַל־בָּנַ֛י וְעַל־פֹּ֥עַל יָדַ֖י תְּצַוֻּֽנִי׃
BernfeldAlso spricht der Herr, der Heilige Israels und sein Bildner: Um die Zukunft mögen sie mich befragen, aber wegen meiner Kinder und des Werkes meiner Hände lasst mich walten.
ZunzAlso spricht der Ewige, der Heilige Jisraël's und sein Bildner: Um die Zukunft befragen sie mich, wegen meiner Kinder und des Werkes meiner Hände entbietet ihr mich —
J. J. HirschSo hat Gott gesprochen, der Heilige Israels und sein Bildner: „Über die kommenden Ereignisse fraget mich nur! In bezug auf meine Kinder und das Werk meiner Hände wollet ihr mir Vorschriften machen!“
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 11. Und da wollet ihr mir, der euch heiligen will, ויוצרו der immerwährend und auch jetzt an eurer Bildung arbeitet, darüber Vorschriften machen, wie ich euch zu meinen Kindern heranzuerziehen habe! שאלוני ist nach Ibn Esra Imperativ wie שמעוני (1. B. M. 23, 8) und, wie wir glauben, ganz in dem Sinne zu nehmen wie עוצו עצה וגו' (oben Kap. 8, 10, s. das.): Fraget mich nur immer zu; was ihr zu wissen habet, das sage ich euch allein, ohne daß es eurer Frage bedürfte. Unserer unmaßgeblichen Ansicht nach wenden sich die Worte Gottes an diejenigen unter dem jüdischen Volke, die sich gegen seinen Beschluß, es ins babylonische Exil zu senden, auflehnen und auch dort sich nicht seinem Willen beugen wollen, und ungeduldig an der Erlösung aus ihm, wie sie Gott verheißen, verzweifeln, ja sogar von ihr, weil sie nicht zu einer politisch völlig unabhängigen Stellung Judäas führte, nicht ganz befriedigt sind. — על בני entspricht dem הוי אומר לאב וגו' und ועל פעל ידי תצוני dem היאמר חמר וגו' sowie dem ופעלך אין ידים לו der zuvor gezeichneten Bilder.

12
אָֽנֹכִי֙ עָשִׂ֣יתִי אֶ֔רֶץ וְאָדָ֖ם עָלֶ֣יהָ בָרָ֑אתִי אֲנִ֗י יָדַי֙ נָט֣וּ שָׁמַ֔יִם וְכׇל־צְבָאָ֖ם צִוֵּֽיתִי׃
BernfeldIch habe die Erde gefertigt und die Menschen auf ihr geschaffen; meine Hände haben den Himmel ausgespannt und all sein Heer habe ich entboten.
ZunzIch habe die Erde gemacht und die Menschen auf ihr geschaffen; meine Hände haben die Himmel ausgespannt und all ihr Heer hab' ich entboten.
J. J. Hirsch„Ich habe die Erde gestaltet und die Menschen darauf geschaffen, Ich, meine Hände haben die Himmel geneigt, und ihrem gesamten Heere habe ich das Gesetz gegeben —
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 12. 13. אנכי עשיתי וגו' und אנכי העירתהו וגו'. Wie das Universum und was es füllt einzig meine Schöpfung ist, und was sich in ihm vollzieht allein meiner Weisung (צויתי entsprechend dem תצוני des vorigen Verses) folgt, so wird eure Befreiung aus Babylon sich klar und deutlich als meine Veranstaltung zeigen: Ich erwecke um des „Rechts“ willen in Cyrus den Entschluß, eurem Exile ein Ende zu machen und Jerusalem wieder erstehen zu lassen; nicht äußere politische Vorteile sucht er als Äquivalent (מחיר) dafür einzutauschen, noch geschieht von eurer Seite irgend etwas, ihn dazu zu veranlassen (שחד Etym. s. Komm. zu 2. B. M. 23, 8), er folgt einzig dem von Gott ihm eingegebenen Impulse.

13
אָֽנֹכִי֙ הַעִירֹתִ֣הֽוּ בְצֶ֔דֶק וְכׇל־דְּרָכָ֖יו אֲיַשֵּׁ֑ר הֽוּא־יִבְנֶ֤ה עִירִי֙ וְגָלוּתִ֣י יְשַׁלֵּ֔חַ לֹ֤א בִמְחִיר֙ וְלֹ֣א בְשֹׁ֔חַד אָמַ֖ר יְהֹוָ֥ה צְבָאֽוֹת׃ {ס}
BernfeldIch habe [Cyrus) geweckt zum Heil, und all seine Wege ebne ich. Er soll meine Stadt bauen und meine Weggeführten entlassen, nicht um Kaufpreis und nicht um Geschenk, spricht der Herr Zebaot.
ZunzIch habe ihn geweckt zum Heil, und all seine Wege ebne ich. Er soll meine Stadt bauen und meine Weggeführten entlassen, nicht um Kaufpreis und nicht um Geschenk, spricht der Ewige der Heerschaaren.
J. J. Hirsch„Ich habe ihn um des Rechtes willen erweckt und werde alle seine Wege ebnen, er wird meine Stadt erbauen und meine Verbannten heimschicken nicht gegen Wertersatz und nicht durch Bestechung“ — hat Gott Zebaoth gesprochen.
14
כֹּ֣ה ׀ אָמַ֣ר יְהֹוָ֗ה יְגִ֨יעַ מִצְרַ֥יִם וּֽסְחַר־כּוּשׁ֮ וּסְבָאִים֮ אַנְשֵׁ֣י מִדָּה֒ עָלַ֤יִךְ יַעֲבֹ֙רוּ֙ וְלָ֣ךְ יִֽהְי֔וּ אַחֲרַ֣יִךְ יֵלֵ֔כוּ בַּזִּקִּ֖ים יַעֲבֹ֑רוּ וְאֵלַ֤יִךְ יִֽשְׁתַּחֲווּ֙ אֵלַ֣יִךְ יִתְפַּלָּ֔לוּ אַ֣ךְ בָּ֥ךְ אֵ֛ל וְאֵ֥ין ע֖וֹד אֶ֥פֶס אֱלֹהִֽים׃
BernfeldAlso spricht der Herr: Ägyptens Erwerb und der Verdienst von Äthiopien und der Abessinier, der Männer von hohem Wuchse, wird auf dich [Israel] übergehen und dir gehören, dir nachfolgen; in Fesseln ziehen sie einher und vor dir bücken sie sich, zu dir beten sie: Ja, nur in dir ist Gott, und keiner sonst ein Gott!
ZunzAlso spricht der Ewige: Mizrajim's Erwerb und der Verdienst von Kusch, und den Sebaim, Männern von hohem Wuchse, werden übergehen auf dich und dir gehören; nachfolgen sie dir, in Fesseln ziehen sie einher und vor dir bücken sie sich, zu dir beten sie: Ja, nur in dir ist Gott, und Keiner sonst ein Gott!
J. J. HirschSo hat Gott gesprochen: Ägyptens mühsam Erworbenes und der Handelsgewinn Kuschs und der Sewaim, der Männer hohen Wuchses, werden an dich übergehen und dir gehören. Dir nach werden sie wie durch Bande hinübergezogen folgen und dir sich beugend, zu dir gewandt werden sie beten: „Nur in dir ist Gott und es gibt sonst nichts, was Gott ist“.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 14—17. Eure gegen alle politischen Voraussetzungen und ohne euer Zutun erfolgende Heimkehr wird auch den mit euch in Berührung kommenden Nichtjuden als Gottestat erscheinen. In der Auffassung der Vers 14 ausgesprochenen Prophezeiung gehen die Meinungen der Kommentatoren stark auseinander. Am wenigsten Wahrscheinlichkeit für die Richtigkeit scheint uns die Auffassung zu bieten, die hier die oben Kap. 43, 3 mit den Worten: נתתי וגו' כוש וסבא תחתיך gedachte Ablenkung des assyrischen Königs Sanherib von der Belagerung der Städte Judäas durch den Feldzug gegen Kusch wiederholt erwähnt zu finden glaubt. Zweifellos ist aber hier die Rede von Erscheinungen, die sich bei oder nach der Heimkehr aus Babylon zeigen. Daher hat die Erklärung Ibn Esras, daß diese Prophezeiung sich auf die siegreichen Unternehmungen der Perser gegen Ägypten, Abessinien und Sewa, die nach der Rückkehr Judas aus der Verbannung erfolgten, vieles für sich. Er meint, daß, als die Perser auf dem Heimweg die Bewohner dieser eroberten Länder als Gefangene mit sich führten, sie Palästina, das ja auf dem Wege nach Persien lag, passierten, und daß bei dieser Gelegenheit die Gefangenen, als sie den wiedererstandenen jüdischen Staat in seinem Glücke erblickten, in den hier zitierten Äußerungen sich ergingen und zur Anerkennung und Huldigung Gottes sich veranlaßt sahen. Auch manche neueren Forscher schließen sich wenigstens teilweise dieser Ansicht an.

Unserer unmaßgeblichen Meinung nach spricht unser Vers von dem mächtigen Eindruck, welchen Israels Erlösung auf die mit ihm in Berührung kommenden Völker machen werde. In diesem Sinne faßt ihn auch ר' אלעזר מבלנצי ז"ל auf. Daß dieser Eindruck auf die eben erst der persischen Oberhoheit unterworfenen Völkerschaften noch überwältigender wirkt, ist ganz natürlich. In der günstigen Wendung, die Judas Geschick durch Gottes Fügung genommen hat, dämmert ihnen ein Hoffnungsschimmer auf für ihr eigenes. Sie fühlen sich zu dem wieder aufblühenden jüdischen Volke hingezogen, und aus dem Handel und Verkehr mit diesen reichen Ländern (כוש besonders wird im Altertum als ungemein reich geschildert) erwächst auch Juda eine Quelle des Wohlstandes. Sie erkennen die waltende Hand Gottes in Israels Leben und Geschick und wenden sich mit ihren Hoffnungen im Gebete der Richtung zu, wohin Israel seine Gebete sendet, Gott zu. Betend sprechen sie es aus, daß nur in Israel Gott zu suchen sei, und selbst da scheinbar Gott es verlassen hatte, in der Verbannung, auch dort sich ihm seine Hand rettend und helfend erwiesen habe. Welche Enttäuschung, besonders damit verglichen, habe ihnen selbst ihr Götterkultus gebracht. Israel dagegen, das aufs neue errettete, werde sich nie in seinen Hoffnungen auf Gottes Hilfe und Beistand getäuscht sehen. Das sprechen sie, zu Israel gewandt, als ihre innerste Überzeugung aus.

Im einzelnen ist noch zu bemerken: יגיע heißt nicht bloß Mühe, sondern auch das durch sie Erworbene, ihr Ertrag. יגיע כפיך כי תאכל (Ps. 128, 2). — אנשי מדה „Männer von Maß“, d. h. von ungewöhnlichem Größenmaß. אנשי מדות (4. B. M. 13, 32), איש מדה (1. Chron. 20, 6). — בזקים יעברו bildlich wie ואם אסורים בזקים und בחבלי עני (Job 36, 8), משכי העון בחבלי השוא (oben Kap. 5, 18), בעבותות אהבה (Hosea 11, 4) und sonst.

אליך יתפללו wie אשר יתפללו אל המקום הזה (1. Kön. 8, 30) und והתפלל אל הבית הזה (das. V. 42), wo gerade auf Erscheinungen, wie die hier geschilderte, in der Geschichte der Menschheit hingewiesen und der Fall angenommen wird, daß Nichtjuden, angeregt durch das Walten Gottes in dem Geschicke des jüdischen Volkes, sich Gott im Gebete zuwenden und ihn da suchen, wo sich seine Gegenwart auf Erden kundgibt: in seinem Tempel zu Jerusalem. Unser Vers weist auf eine Zeit hin, in welcher der Tempel noch nicht wieder aufgerichtet war — da suchen die Menschen Gott in der Mitte des jüdischen Volkes und statt אל הבית הזה: אליך יתפללו!

מסתתר Hispael, wörtlich „dich verbergend“, so daß dein Walten nicht sichtbar ist. — צירים: Bezeichnung für Götzenbilder, entweder in der Bedeutung von צורה Gestalt, ויצר אתו בחרט heißt es bei der Anfertigung des goldenen Kalbes (2. B. M. 32, 4), in diesem Sinne nimmt Raschi צירים, oder wie צירים וחבלים יאחזון (oben Kap. 13, 8) als Schmerzen, Wehen, wie die Götter ja auch עצבים Schmerzbringer, Weherzeuger genannt werden. So erklärt es רד"ק.

15
אָכֵ֕ן אַתָּ֖ה אֵ֣ל מִסְתַּתֵּ֑ר אֱלֹהֵ֥י יִשְׂרָאֵ֖ל מוֹשִֽׁיעַ׃
BernfeldAber du bist ein Gott, der zuweilen seine Macht verborgen hält, doch immer Israels Gott und Retter.
ZunzAber du bist ein Gott, der sich verhüllt, Gott Jisraëls, Retter!
J. J. Hirsch„Wahrlich, du bist der Allmächtige, auch wenn du dich verbirgst, Gott Israels bist du, der Helfer!“
16
בּ֥וֹשׁוּ וְגַֽם־נִכְלְמ֖וּ כֻּלָּ֑ם יַחְדָּו֙ הָלְכ֣וּ בַכְּלִמָּ֔ה חָרָשֵׁ֖י צִירִֽים׃
BernfeldBeschämt und zu Schanden sind sie alle, sämtlich gehen sie einher voll Schmach, die Bilderschnitzer.
ZunzBeschämt sind und zu Schanden sie alle, allzumal gehen sie voll Schmach, die Bilderschnitzer.
J. J. Hirsch„Getäuscht und zuschanden geworden sind noch alle, insgesamt zuschanden gegangen sind die Verfertiger von Götzenbildern.“
17
יִשְׂרָאֵל֙ נוֹשַׁ֣ע בַּֽיהֹוָ֔ה תְּשׁוּעַ֖ת עוֹלָמִ֑ים לֹא־תֵבֹ֥שׁוּ וְלֹא־תִכָּלְמ֖וּ עַד־ע֥וֹלְמֵי עַֽד׃ {פ}
BernfeldIsrael wird gerettet durch den Herrn mit ewiger Rettung; ihr werdet nicht beschämt und nicht zu Schanden bis in alle Ewigkeit.
ZunzJisraël wird gerettet durch den Ewigen mit ewiger Rettung; ihr werdet nicht beschämt und nicht zu Schanden bis in alle Ewigkeit.
J. J. Hirsch„Israel ward durch Gott errettet, eine Hilfe ist's auf ewig, ihr werdet nicht getäuscht, ihr werdet nicht zuschanden werden bis in alle Ewigkeit.“
18
כִּ֣י כֹ֣ה אָֽמַר־יְ֠הֹוָ֠ה בּוֹרֵ֨א הַשָּׁמַ֜יִם ה֣וּא הָאֱלֹהִ֗ים יֹצֵ֨ר הָאָ֤רֶץ וְעֹשָׂהּ֙ ה֣וּא כֽוֹנְנָ֔הּ לֹא־תֹ֥הוּ בְרָאָ֖הּ לָשֶׁ֣בֶת יְצָרָ֑הּ אֲנִ֥י יְהֹוָ֖ה וְאֵ֥ין עֽוֹד׃
BernfeldDenn also spricht der Herr, Schöpfer des Himmels, er ist Gott, der gebildet die Erde und sie gemacht, er hat sie eingerichtet, nicht zur Einöde hat er sie geschaffen, zum Bewohnen hat er sie gebildet: Ich bin der Herr und keiner sonst.
ZunzDenn also spricht der Ewige, Schöpfer des Himmels, er ist Gott, der gebildet die Erde und sie gemacht, er hat sie eingerichtet, nicht umsonst hat er sie geschaffen, zur Bewohnung hat er sie gebildet: Ich bin der Ewige und Keiner sonst.
J. J. HirschDenn so hat Gott gesprochen: Der die Himmel schaffet, er ist der waltende Richter, der die Erde bildet und sie gestaltet, er gibt ihr die Richtung, der sie nicht zur Öde geschaffen, sondern für ruhiges Wohnen gebildet hat, Ich, Gott, bin es und keiner sonst.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 18. 19. Mit Bezug auf den eben verkündeten Eindruck, den Israels Heimkehr auf einen Teil der nichtjüdischen Menschheit machen und die Worte, zu denen sie sich veranlaßt fühlen werde, heißt es nun כי כה אמר וגו' denn also spricht Gott, der nicht nur den Himmel geschaffen, sondern auch der waltende Richter אלקים seiner Gesamtschöpfung ist. Er arbeitet immerwährend an der Bildung und Gestaltung der Verhältnisse auf Erden, er lenkt sie den Zielen zu כוננה, für die er sie geschaffen. Nicht unklare, chaotische Zustände (תהו) sollen auf Erden herrschen, לשבת יצרה (s. oben Kap. 44, 13 das zu לשבת בית Bemerkte) friedliches, ruhiges Beisammenwohnen der Menschen, dafür hat Gott seine Erde geschaffen. Dafür hat Gott „זרע יעקב“ das jüdische Volk erkoren und ihm sein Gesetz gegeben. לא בסתר nicht im geheimen, — Millionen Menschen waren Zeugen der Offenbarung am Sinai, als — דברתי (וידבר אלקים וגו' פנים בפנים דבר ד' עמכם וגו') ich euch meine Thora gab, die keine Geheimlehre sein, sondern Eigentum des ganzen Volkes werden sollte; darum waren nicht in mystisches Dunkel gehüllt die Worte, die ich sprach. Nicht aus düsterer Erdennacht vernahmet ihr orakelhaft, worin eure Aufgabe bestehe, wo das Ziel eurer Bestimmung liege. Nicht im Unklaren, Vagen und Öden solltet ihr mich zu suchen haben, ihr findet mich, indem ihr צדק fördert, das „Recht“, welches ich euch klar und deutlich als solches ausgesprochen habe, indem ihr den Weg der Geradheit wandelt, den ich euch vorgezeichnet habe. מגיד von der Wurzel נגד, die ja in נגד den Begriff der Gegenwart (נגד כל עמך וגו', 2. B. M. 34, 10, in Gegenwart deines ganzen Volkes u. s. w.) ausdrückt, heißt hier wohl nichts anderes als vergegenwärtigen, so klar vor die Seele führen, daß der Hörende sich davon eine Vorstellung machen kann, das Gehörte förmlich zu sehen glaubt. Im Grunde genommen ist übrigens „verkünden“ auch eigentlich nichts anderes als ein Vergegenwärtigen und Veranschaulichen. Am deutlichsten zeigt sich dieser Begriff von הגד in Jecheskl. 43, 10: הגד את בית ישראל את הבית וגו', wo der Prophet aufgefordert wird, seinem Volke den Tempel, wie er dereinst erstehen soll, in allen Einzelheiten und in seiner Totalität bis zur völligen Anschaulichkeit so zu vergegenwärtigen, daß es sich mit der Wahrheit durchdringe, die dieser Gottesbau zu ihm redet.

19
לֹ֧א בַסֵּ֣תֶר דִּבַּ֗רְתִּי בִּמְקוֹם֙ אֶ֣רֶץ חֹ֔שֶׁךְ לֹ֥א אָמַ֛רְתִּי לְזֶ֥רַע יַעֲקֹ֖ב תֹּ֣הוּ בַקְּשׁ֑וּנִי אֲנִ֤י יְהֹוָה֙ דֹּבֵ֣ר צֶ֔דֶק מַגִּ֖יד מֵישָׁרִֽים׃
BernfeldNicht im Verborgenen habe ich geredet, an einem Orte finstern Landes; ich habe nicht gesprochen zu den Nachkommen Jakobs: Suchet mich im Geheimnisvollen; ich, der Herr, spreche Gerechtigkeit, verkünde Wahrheit.
ZunzNicht im Verborgenen hab ich geredet, an einem Orte finstern Landes, ich habe nicht gesprochen zu dem Samen Jaakob's: Umsonst suchet mich. Ich, der Ewige, spreche Gerechtigkeit, verkünde Wahrheit.
J. J. HirschNicht im Verborgenen habe ich gesprochen, an einer Stätte, wo die Erde finster ist; ich sagte nicht zu den Nachkommen Jakobs: „im Öden suchet mich“ — Ich, Gott, bin es, der das Recht ausspricht, die Geradheit vergegenwärtigt.
20
הִקָּבְצ֥וּ וָבֹ֛אוּ הִֽתְנַגְּשׁ֥וּ יַחְדָּ֖ו פְּלִיטֵ֣י הַגּוֹיִ֑ם לֹ֣א יָדְע֗וּ הַנֹּֽשְׂאִים֙ אֶת־עֵ֣ץ פִּסְלָ֔ם וּמִֽתְפַּלְלִ֔ים אֶל־אֵ֖ל לֹ֥א יוֹשִֽׁיעַ׃
BernfeldVersammelt euch und kommt, tretet her zusammen, ihr flüchtenden Völker, — ihr, die ihr nichts wisset, die das Holz ihres Götzen tragen und beten zu einem Gotte, der nicht hilft.
ZunzVersammelt euch und kommt, tretet her zusammen, ihr Entronnenen der Völker, — unverständig sind, die tragen das Holz ihres Götzen, und beten zu einem Gotte, der nicht hilft.
J. J. HirschSammelt euch und kommet heim, tretet insgesamt zu einander heran, ihr Geretteten unter den Völkern, die nichts wissen, die das Holz ihres Götzenbildes tragen und zu einem Gotte beten, der nicht helfen kann!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 20. 21. הקבצו ובאו, התנגשו: קבץ ist das räumliche Zusammenfinden mehrerer; בוא heißt vorzugsweise dahin kommen, wohin man gehört, התנגש יחדו sich zu einer gemeinschaftlichen Annäherung aneinander entschließen, sich vornehmen, einander entgegen zu kommen. Also: Darum findet euch zusammen, vereinigt euch und kehret heim, lasset euch durch keinerlei vielleicht euch lieb gewordene Beziehungen in Babylon zurückhalten; eure Heimat, der Boden eurer Bestimmung ist Palästina. Tretet einander näher, vereinigt eure Bestrebungen durch gegenseitiges Entgegenkommen und lasset euch nicht durch Sonderinteressen in Parteien spalten, es gilt einer großen Aufgabe, und die läßt sich nur gemeinsam lösen.

Wie notwendig die Aufforderung הקבצו ובאו war, zeigte sich in der Folge. Wissen wir doch aus Esra 2, 64, 65, daß von der Erlaubnis zur Rückkehr nach Palästina, wenigstens in der ersten Zeit, nur 42360 Personen und mit ihnen 7337 Knechte und Mägde Gebrauch machten. Und daß der Ermahnung התנגשו יחדו leider vielfach nicht Folge geleistet wurde, sehen wir aus den Worten unserer Weisen יומא ט' א': אבל מקדש שני שהיו עוסקין בתורה ובמצות ובגמילות חסדים מפני מה חרב מפני שהיתה בו שנאת חנם ...., „aber zur Zeit des zweiten Tempels beschäftigte man sich wohl mit der Thora und der Erfüllung ihrer Gebote und der Übung werktätiger Menschenliebe, warum ging dieser zugrunde? Weil unbegründete Gehässigkeit sich bemerkbar machte“. Und wenn בבא מציעא ל' ב' als Ursache des Unterganges שהעמידו דיניהם על דין תורה ולא עבדו לפנים משורת הדין genannt wird, das heißt: daß jeder bei seinen Ansprüchen fest auf dem ihm nach dem strengen gesetzlichen Recht Zukommenden bestand und sich nicht durch Gründe der Billigkeit zum Nachgeben bewegen ließ, — so bemerken bereits תוספות z. St. וי"ל דהא והא גרמא, daß wohl beide gerügten Untugenden die Ursache des Unterganges bildeten. Uns will es scheinen, als ob התנגשו יחדו in der Tat vor beiden warnt.

Ihr seid ja פליטי הגוים: Dereinst sollen alle Völker aus der Verdunklung, in welche sie dadurch, daß sie sich von mir entfernten, geraten sind, gerettet werden — aber ihr, ihr seid die Ersten, die sich zu mir gerettet haben, eurem Beispiele wird und soll einst die Gesamtheit der Nationen folgen. (S. Komm. zu בני בכרי ישראל, 2. B. M. 4, 22.) Euch habe ich errettet, euch „auf Adlers Fittichen getragen und mir nahe gebracht“ — sie, sie werden nicht von ihren Göttern getragen, sie haben nicht nur sich selbst, sondern ihre Götter dazu zu tragen und flehen die um Hilfe an, die sich und ihnen nicht helfen können.

הגידו והגישו. Verkündet darum laut, was ich für euch getan, und veranlasset damit, daß immer mehr aus der Menschheit ihren Weg zu mir finden, nachdem ihnen durch euer Beispiel klar geworden, wo Rettung, wo Heil für sie zu finden ist. Dieses alles habe ich euch lange, lange zuvor verkündet, und nicht euch allein gilt es, es gilt der Gesamtmenschheit.

21
הַגִּ֣ידוּ וְהַגִּ֔ישׁוּ אַ֥ף יִֽוָּעֲצ֖וּ יַחְדָּ֑ו מִ֣י הִשְׁמִ֩יעַ֩ זֹ֨את מִקֶּ֜דֶם מֵאָ֣ז הִגִּידָ֗הּ הֲל֨וֹא אֲנִ֤י יְהֹוָה֙ וְאֵֽין־ע֤וֹד אֱלֹהִים֙ מִבַּלְעָדַ֔י אֵל־צַדִּ֣יק וּמוֹשִׁ֔יעַ אַ֖יִן זוּלָתִֽי׃
BernfeldSaget an und führet [sie] her, auch beraten sollen sie mit einander: Wer hat solches verkündet in der Urzeit, es angesagt von jeher? doch nur ich, der Herr, und kein Gott sonst außer mir. Außer mir ist kein gerechter Gott und kein Retter.
ZunzSaget an und führet (sie) her, auch berathen sollen sie mit einander: Wer hat Solches verkündet in der Urzeit, es angesagt von jeher? Nicht ich, der Ewige? und kein Gott sonst außer mir. Ein gerechter Gott und Retter ist nicht da außer mir.
J. J. HirschMachet kund und lasset sie herantreten, auch sie mögen gemeinsam beraten — Wer hat dies von Anfang an hören lassen, von jeher verkündet? Bin nicht Ich es, Gott, und es gibt weiter keinen Gott außer mir, dem gerechten und helfenden Gott, es gibt nichts außer mir!
22
פְּנוּ־אֵלַ֥י וְהִוָּשְׁע֖וּ כׇּל־אַפְסֵי־אָ֑רֶץ כִּ֥י אֲנִי־אֵ֖ל וְאֵ֥ין עֽוֹד׃
BernfeldWendet euch zu mir, dass euch Heil werde, all ihr Enden der Erde, denn ich bin Gott und sonst keiner.
ZunzWendet euch zu mir, daß euch Heil werde, all ihr Enden der Erde; denn ich bin Gott und sonst Keiner.
J. J. HirschWendet euch mir zu, so seid ihr gerettet, ihr Enden der Erde alle, denn ich bin Gott und keiner sonst!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 22. פנו אלי, redet darum das Wort Gottes alle Enden der Erde an: „wendet euch mir zu, so seid ihr gerettet, ich allein vermag es, denn ich allein bin Gott, der Allmächtige.“

23
בִּ֣י נִשְׁבַּ֔עְתִּי יָצָ֨א מִפִּ֧י צְדָקָ֛ה דָּבָ֖ר וְלֹ֣א יָשׁ֑וּב כִּי־לִי֙ תִּכְרַ֣ע כׇּל־בֶּ֔רֶךְ תִּשָּׁבַ֖ע כׇּל־לָשֽׁוֹן׃
BernfeldBei mir habe ich geschworen, Heil ist aus meinem Munde gegangen, ein Wort, das nicht zurückgeht, dass mir sich beugen wird jedes Knie, bei mir schwören jede Zunge.
ZunzBei mir hab' ich geschworen, Heil ist aus meinem Munde gegangen, ein Wort, das nicht zurückgeht, daß mir sich beugen wird jedes Knie, schwören jede Zunge.
J. J. HirschBei mir habe ich geschworen, als Wohltat ging aus meinem Munde hervor, — ein Ausspruch der nicht rückgängig wird — daß mir sich beugen wird jedes Knie, schwören wird jede Zunge.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 23. Nur indem sie sich und ihr Geschick der Herrschaft und Leitung Gottes unterwirft תכרע כל ברך und seinem Willen den Eid der Treue schwört תשבע, gelangt die Allmenschheit zu Rettung und Heil. Darum ist die Erziehung der Menschheit für diese Erkenntnis und Huldigung Gottes die größte צדקה, der stärkste Beweis der göttlichen Milde, die höchste Wohltat, welche Er seiner Menschheit spenden kann. Dieses Heilesziel wird erreicht, dafür bürgt sein Eideswort! Wohl ist es denkbar, daß der Allbarmherzige ein bereits verhängtes Strafurteil rückgängig macht, wenn die Menschheit in sich geht und sich bessert — das Wort aber, welches eine Wohltat verheißt, ist unabänderlich und kann durch nichts erschüttert werden.

Von Gott geübt, bedeutet צדקה immer Milde und Wohltat (siehe darüber Komm. zu 1. B. M. 15, 6), so צדקת ד' עשה (5. B. M. 33, 21) die Wohltat Gottes hat er vollbracht. Daß צדקה hier, eben um ihre Stärke zu bezeichnen, männlich konstruiert ist, haben wir bereits oben zu Kap. 10, 22 bemerkt. — דבר ולא ישוב ist Parenthese.

24
אַ֧ךְ בַּיהֹוָ֛ה לִ֥י אָמַ֖ר צְדָק֣וֹת וָעֹ֑ז עָדָיו֙ יָב֣וֹא וְיֵבֹ֔שׁוּ כֹּ֖ל הַנֶּחֱרִ֥ים בּֽוֹ׃
BernfeldNur bei dem Herrn, — werden sie sagen — ist Heil und Macht; zu ihm werden kommen und beschämt sein alle, die gegen ihn entbrennen.
ZunzNur beim Ewigen, hat er mir gesagt, ist Heil und Macht; zu ihm werden kommen und beschämt seyn alle, die gegen ihn entbrennen.
J. J. HirschNur bei Gott, das hat Er mir ausgesprochen, ist Fülle der Wohltat und unüberwindliche Stärke, zu ihm wird kommen, nachdem sie in ihren Hoffnungen getäuscht sein werden, die Gesamtheit derer, die gegen ihn sich ereifert hatten.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 24. Das eben von Gott Ausgesprochene führt der Prophet nun näher aus. לי אמר haben wir als Parenthese übersetzt (ähnlich wie לי דבר צור ישראל, 2. Sam. 23, 3), es kann aber auch sehr wohl heißen „der zu mir sprach“. Jedenfalls scheint aber unter לי der Prophet zu verstehen zu sein.

צדקת, Plural, die Fülle des Wohltuns, der Inbegriff aller Milde. Nur weil Gott עז die alle Schwierigkeiten überwindende Macht besitzt, vermag er die Welt für die Heilesgestaltung heranzubilden und zu erziehen. Seine Waltung besiegt alle sich ihr darbietenden Hindernisse und bringt die Menschheit endlich zur Einsicht.

יבוא Singular, ויבשו Plural. Alle die Versuche der Menschheit, zum Heile oder wenigstens zu einigermaßen erträglichen Zuständen in der Gesamtheit oder im Einzelleben zu gelangen, ohne sich dem gegebenen Kodex des Rechts- und Sittengesetzes zu unterwerfen, beruhen, so verschiedenen Ursprungs sie auch zu sein scheinen und so buntscheckig sie sich auch ausnehmen, doch in tiefstem Grunde auf Atheismus: sie verneinen gänzlich das Sein Gottes oder lehnen sich gegen die Zumutung auf, daß der Gedanke an Gott unser Denken und Handeln regeln und beherrschen solle. Eine solche Vorstellung facht in ihnen förmlich das glühende Verlangen an, die Gottesidee zu bekämpfen. — הנחרים eigentlich: die Zornerglüht waren, wie wir es auch oben Kap. 41, 11 übersetzten. — Der Zusammenbruch aller derartigen Bestrebungen, die Enttäuschung, welche ihnen diese immer wieder erneuten, vergeblichen Versuche gebracht haben werden, führt sie endlich zu der Erkenntnis der Fruchtlosigkeit, ja Schädlichkeit ihrer atheistischen Heilmethoden und läßt die Menschheit einmütig zu Gott zurückkehren. Der Atheismus hat die Menschheit gespalten, die Gottesidee vereinigt sie.

25
בַּיהֹוָ֛ה יִצְדְּק֥וּ וְיִֽתְהַלְל֖וּ כׇּל־זֶ֥רַע יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldIn dem Herrn werden sie gerecht werden und sich glücklich preisen alle Nachkommen Israels.
ZunzIn dem Ewigen werden sie gerecht werden, und sich glücklich preisen all der Same Jisraël's.
J. J. HirschDurch Gott werden gerechtfertigt dastehen und ihren Ruhm finden alle Nachkommen Israels!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 25. בד' יצדקו וגו'. צדק im Kal: Recht haben, als gerechtfertigt dastehen, zu seinem Rechte gelangen. — Und dann wird auch Israel, das so lange Geschmähte und Verunglimpfte, zu seinem Rechte kommen und als der Überbringer und Herold der Gottesidee der Anerkennung und des Ruhmes teilhaftig werden, deren es mit seinem tausendjährigen Martyrium um die Sache des göttlichen Rechts- und Sittengesetzes sich würdig gemacht haben wird.