Jeschajahu 41 ישעיהו
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kap. 41. Dieses Kapitel wie auch die folgenden bilden die Fortsetzung des vorangehenden. Dort war die endliche Durchführung des göttlichen Weltenplans, der Sieg der Gottesidee über alles Entgegenstehende ausgesprochen und darauf hingewiesen worden, wie das jüdische Volk schon aus seiner eigenen bisherigen Geschichte das Walten Gottes in den Geschicken der Menschheit ersehen könne, noch mehr aber einst auf seinem Exilesgange. Dort werde es, wie leidvoll sich auch sein Galuthgeschick gestaltet, in seiner eigenen Erhaltung die stützende und stärkende Kraft Gottes erkennen, der einen Splitter seiner Allmacht denen gewährt, die sich dem Mitwirken für seine Ziele mit ganzer Treue widmen.
Nach den einleitenden, die Allmenschheit zu schweigendem Anhören des Folgenden auffordernden Worten des V. 1 werden V. 2—4 Gottes Ziele in den Begriff צדק, des göttlichen Ideals des Rechts, zusammengefaßt, das sich ohne Schwert und Bogen die Welt erobern wird. V. 5—7: Gegen die Anforderungen dieses Rechts sträubt sich die Menschheit und versucht vergebens, es durch selbstgeschaffene Ideen zu ersetzen. Zu Israel gewandt, sprechen die Verse 8—16: Behufs Anbahnung der Herrschaft des צדק hat Gott Israel zu seinem Dienst berufen, daß es die Aufgabe fortsetze, der sich Vater Abraham in hingebender Liebe zu Gott unterzogen habe. Die Lösung dieser Aufgabe werde Israel gelingen. Trotz der bisherigen eigenen Unzulänglichkeit für solch hehre Mission habe Gott seine Dienste nicht verschmäht und werde ihm weiter beistehen, alle Schwierigkeiten zu überwinden und seine Gegner zu überdauern, damit es endlich durch Gott und in Gott zu frohem, rühmlichem Siege gelange.
V. 1. החרישו אלי: Zu etwas Gehörtem schweigen, wie 4. B. M. 30, 15: ואם החרש יחריש לה אישה, oder schweigen, um etwas anzuhören, wie hier. — אי, איים bezeichnet eine von anderen gesonderte Örtlichkeit, insbesondere eine Insel. In den Verkündigungen der einstigen Rückkehr der Menschheit zur Anerkennung Gottes wird häufig hervorgehoben, daß diese Erkenntnis und Huldigung der Wahrheit selbst איים erreichen werde. Damit dürften diejenigen Gegenden gemeint sein, die dem bisherigen Kulturleben ferne geblieben, die somit auch weniger dessen bisherigen verderblichen Begleiterscheinungen ausgesetzt waren, bei denen also die Erkenntnis des Wahren nicht sowohl eine Rückkehr zur Wahrheit als einen Fortschritt zur Wahrheit bezeichnet. So dürfte auch hier die Aufforderung an die איים aufzufassen sein; ähnlich auch weiter V. 5; Kap. 42, 4. 10; 49, 1; 51, 5; 60, 9; 66, 19; vgl. auch Komm. zu Ps. 97, 1. — יגשו אז ידברו verweist auf die V. 21 erfolgende Aufforderung קרבו ריבכם וגו'. — Zuerst schweigend anhören, wenn sie dann gegen das Vernommene einen Einwand zu erheben haben, mögen sie reden.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 2. Unsere Auffassung, die צדק als Objekt von מי העיר nimmt, verstößt nicht gegen die Akzentuierung, da die adverbiale Ortsbestimmung ממזרח zwischen Subjekt und Prädikat einerseits und Objekt andererseits steht. — Das Suffix von יקראהו bezieht sich auf den unter מי Gedachten, Gott. — לרגלו, wie לרגל המלאכה אשר לפני ולרגל הילדים (1. B. M. 33, 14). — ירד von רדה herrschen, reguläre Hifilform wie יפת אלק' ליפת von פתה (1. B. M. 9, 27). — ממזרח: Der Weg der Völkerkultur nahm von jeher die Richtung von Osten nach Westen, und auch Vater Abrahams Heimat lag östlich von Palästina.
Zu Anbeginn der Weltgeschichte, als die Menschheit in dem Turmbau der eigenen Ruhmessucht oder vielmehr der des einen sie beherrschenden Gewaltigen ihren Zweck und ihr Idol suchte, war der Begriff der Menschenrechte zum leeren Schemen geworden. Gott ließ die Menschheit in einzelne Völker und Staaten auseinandergehen, aber den Zug, der sie den Turmbau zu Babel hatte unternehmen lassen, den nahm sie überall hin mit. Wohl war in den einzelnen das Gefühl der Subjektivität, der Eigenwille, rege geworden, der sich gegen die Knechtung durch die kleinen „Nimrode“ aufbäumt, aber damit begann auch der Egoismus des Individuums, das für sich alles und jedes als sein Recht fordert, während es dem anderen nichts zugesteht, sein unheilbringendes Wirken unter den Menschen. Der Begriff des Zedek, der Rechtspflicht, die die einzelnen wie die Gesamtheiten zur Übung und Gewährung der gleichen Rechte verpflichtet, welche sie für sich beanspruchen, der Gedanke an dieses Recht, wie es Gott von dem Menschen verwirklicht wissen will, er war in der Brust der Menschheit erstorben oder wenigstens in todähnlichen Schlaf gesunken. Das ist der Moment, in dem unser Vers einsetzt: מי העיר וגו'. Aus dieser Lethargie erweckte Gott das „Zedek“, ihm einen Träger erwählend, der es durch sein eigenes Leben und das seiner Nachkommen künftig vor dem Ersterben in der Menschheit bewahren sollte.
Vater-Abraham war es, der, während alle Welt nur dem eigenen Glücke, dem eigenen Gedeihen zustrebte und darin ihre ברכה, ihren Segen fand, als Aufgabe seines Wirkens und Lebens von Gott die Devise empfing: היה ברכה „werde du ein Segen“ für andere, ונברכו בך כל משפחות האדמה daß „durch dich alle Familien des Erdbodens gesegnet werden“. Das ist aber nichts anderes als die Verwirklichung des Zedek-Ideals in seiner höchsten Entfaltung. Diese Gesinnung sollte er auf seine Nachkommen vererben, indem „er sie verpflichte, daß sie den Weg Gottes hüten, Pflicht, Milde und Recht zu üben“ (1. B. M. 18, 19). Daß er dieser Verpflichtung in vollem Maße nachkam, bezeugen die Worte Gottes an seinen Enkel Jakob (1. B. M. 28, 14): Und es werden durch dich alle Familien der Erde gesegnet werden und durch deinen Samen.
יקראהו לרגלו. Und jede Etappe des Fortschreitens dieser Rechtsidee ist ein Hinweis auf Gott, eine Verkündigung Gottes in der Menschheit und an sie. Einmal erweckt, wird sie der Menschheit nie ganz verloren gehen, vielmehr wird sie über alles ihr Entgegenstehende den endlichen Sieg erringen.
יתן לפניו גוים. Ist es doch das Ideal der göttlichen Waltung in der Geschichte, daß „dieses Recht“ nicht allein das Einzelleben beherrsche, sondern sich ihm auch der internationale Verkehr, das Leben der Staaten miteinander, unterwerfe, darum ומלכים ירד wird Gott es die Herrschaft gewinnen lassen über die Leiter und Führer der Völker, die Könige. Vgl. oben Kap. 32, 1 das dort bezüglich des jüdischen Königs ausgeführte הן לצדק ימלך מלך.
יתן כעפר חרבו. Nicht mit Waffengewalt erringt es siegreich dieses Ziel; nicht gewappnet und gepanzert tritt es auf, nicht gebieterisch Achtung fordernd ist seine Erscheinung, und doch dringt es vor, dringt in alle Verhältnisse ein, unscheinbar, ja unsichtbar, — wie der Staub, gegen den man sich nicht wehren kann, der, einmal aufgewirbelt, allmählich alle Gegenstände bedeckt, in jeden Spalt, in jede Fuge eindringt, — so erzwingt sich das Recht allmählich Eingang in alle Gestaltungen der Menschheit.
כקש נדף קשתו. Auch fernwirkend wie der Bogen fördert es seine Zwecke — wie die als wertlos dem Winde überlassene Stoppel doch nicht nutzlos zugrunde geht, sondern überall, wohin der Wind sie führt, dazu beiträgt, den Boden für künftige Saat aufnahmsfähiger zu machen, so bereitet es, wenn auch im Augenblicke der Wind der Zeitströmung ihm entgegen ist, räumlich wie zeitlich in die Ferne wirkend, dennoch überall den Acker für die Zukunft vor.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 3. ירדפם. Das Suffix bezieht sich auf גוים und מלכים. — יעבור שלום wie Ps. 120, 7 אני שלום „ich bin der Friede.“ So kommt das Recht, dessen Sendung ja der Friede ist, der einstige dauernde Weltfriede, unaufhaltsam denen immer näher und näher, über die es die Herrschaft zu gewinnen berufen ist, — wenn auch die Menschheit die Spuren seines Fortschreitens nicht bemerkt, es verfolgt ohne den Boden zu berühren seinen Weg!
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 4. פעל ועשה, beides Präter., beides ohne bestimmtes Objekt, also: Alles. דורות Geschlechter, Folgezeiten und Reihe der geschichtlichen Ereignisse, hier wohl hauptsächlich in letzterem Sinne. Es gibt nur Einen, bei dem die Initiative des Wollens bereits mit der vollendeten Tatsache identisch ist, das ist der Schöpfer der Welt! Als er sie ins Dasein rief, standen vor seinem Auge schon alle Folgezeiten fertig in ihren Gestaltungen fest, und so vollziehen sie sich. Das vermag nur der Wille des ewig in seinem Wesen und seiner Macht sich gleichbleibenden Einen!
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 5. ראו ist Präter. וייראו ist Futur., das ו ein kopulatives, und bezeichnet die Futurumform den andauernden Zustand des Fürchtens, ebenso wie in יחרדו. — Gegen dieses unsichtbar sie verfolgende Etwas, gegen diesen Rechtsbegriff sträubten sich die Menschen, sie ahnten, daß sie eigentlich seiner bedürften, bekämpfen ihn aber seiner Ansprüche wegen; sie sahen, daß sie so nicht weiter kommen, nicht Ruhe, nicht Frieden finden — und fürchten sich. Und diese Furcht verläßt sie fortan nimmer, verbreitet sich über die weite Erde und hält sie dauernd in zitternder Unruhe. קרבו ויאתיון Da suchen sie in der Annäherung aneinander, in der Assoziation, ihr Heil; die Gemeinsamkeit der Interessen soll dem einzelnen Hilfe bringen, ihn stärken.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 6. Jedoch die Hilfsaktion ist nicht ausreichend, da nur איש את רעהו יעזרו: רע, von רעה weiden, bezeichnet das Verhältnis eines Menschen zu dem anderen von dem Gesichtspunkte aus, daß ein jeder die Weide des anderen zu sein berufen ist, jeder in dem anderen das finde, was ihm selbst mangelt und in gleicher Weise sich seinem Weide-Genossen darzubieten habe. אח Bruder von אחה miteinander verbinden, nähen, läßt die Menschen durch Verwandtschaft miteinander verbunden sich betrachten als Kinder des himmlischen Vaters. Nun heißt es hier: die Hilfe, die das Prinzip der Assoziation die Menschen einander zu leisten lehrt, will nur das eigene Interesse sichern, darum bleibt sie aus, wo dieses nicht gefährdet ist. Dem „רע“, von dessen Erhaltung die eigene Existenz wesentlich abhängig ist, dem springt man hilfreich bei — hat aber der um Unterstützung Flehende keinen anderen Titel als den des „Bruders“, so speist man ihn mit dem Rate ab: „sei stark, hilf dir selbst“ und fügt mit gleisnerischem Trost hinzu: „so hilft dir Gott“.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 7. Der Schmied unterstützt den Schmelzer, er bedarf seiner, weil der ihm das Rohmaterial zu seiner Arbeit und zu seinen Werkzeugen liefert. חרש übersetzten wir oben 40, 19 mit Meister oder Künstler, es ist die allgemeine Bezeichnung für den, der kunstgemäß Metall, Stein oder Holz bearbeitet. — צורף s. dort. Der den Hammer glättet, der Hammerpolierer, steht dem, der auf dem Amboß das Eisen mit dem Hammer schmiedet, bei, denn wenn dieser Industrielle zugrunde geht, braucht er keinen Hammer mehr. So hilft man nur dem, dessen man selbst bedarf, und berechnendes Interesse ist der Kitt, der die Menschen-Gesellschaft zusammenhalten soll — aber in Wirklichkeit nicht zusammenhält. Denn ein jeder ist ja selbst seines eigenen Interesses Rechenmeister und wirkt nur so lange und so weit für das allgemeine Interesse erhaltend mit, als es ihm gutdünkt. Deshalb ist es ein Irrtum, אומר לדבק טוב, wenn man דבק (von דבק sich anschließen, aneinander schließen) diesen Kitt, dieses Bindemittel, dieses Prinzip der „Vereinigung“ als „gut“ preist und vortrefflich. In der Praxis bewährt es sich nicht! Man ist genötigt, zu Zwangsmaßregeln zu greifen, zu מסמרים, zu Nägeln, die den Zusammenhalt des Ganzen sichern sollen, לא ימוט damit nicht der allgemeine Zusammenbruch erfolge. Zu solchen, immer wieder zu erneuenden Mitteln sieht sich die Menschheit mit eiserner Notwendigkeit gezwungen, weil sie sich gegen die Anerkennung des צדק sträubt, das ja die Übung der Menschenliebe dem Menschen zur Rechtspflicht macht. Die Menschheit sucht nach Surrogaten für dieses צדק und findet sie nicht, denn für das „von Osten her erweckte“ und von Israel durch die Zeiten zu tragende „Recht“ gibt es absolut keinen Ersatz!
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 8. Das darf dich, Israel, nicht beirren. Du trägst als „Jisrael“ die hohe Bestimmung, עבדי mein Diener zu sein, und deine Jakobsstellung in der Diaspora darf dich an dem Erfolge deiner Sendung, für die ich dich erwählte, nicht zweifeln lassen, du bist und bleibst ja auch in der Zerstreuung: die Saat Abrahams, des Mannes, den ich zu אב המון גוים, zum geistigen Vater des Völker-Gewoges bestimmt und אבר הם (אבר heißt der Fittich)! zur Schwungkraft der Menschheit ernannt habe, auf daß er sie zur geistigen und sittlichen Höhe emporhebe (s. Komm. zu 1. B. M. 17, 5); aber wie er אהבי mich in jedem Augenblicke seines Lebens liebte, so muß auch du mich und damit die dir als עבדי gewordene Aufgabe lieben. אהבי ist partic. präs. (Freund heißt מְאַהֵב: אחרי מְאַהֲבַי Hosea 2, 7, מְאַהֲבֶיהָ das. V. 9 u. s.) und das Suffixum der Akkusativ: der mich Liebende. Der von mir Geliebte würde אהובי heißen oder אהוב לי, wie Nehem. 13, 26: ואהוב לאלקיו היה.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 9. Wo du dich auch befindest, wie weit ab du auch gekommen wärest von dem Kreis deiner Bestimmung und Aufgabe, ich ließ dich nicht fahren, ergriff dich, und überall traf dich aufs neue mein Ruf, mein Diener zu sein. ומאציליה wie ואל אצילי בני ישראל (2. B. M. 24, 11) „zu den Entfernteren der Söhne Israels“. Auch als ich dich wegen der Unzulänglichkeit deiner Leistungen aus meinem Lande hinaus in die weite Ferne wies, entließ ich dich nicht aus meinem Dienste, ich habe dich zu meinem Diener erkoren auch für die Zeit der Diaspora und habe dich nie verworfen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 10. Weder jetzt noch in Zukunft hast du dich zu fürchten, ich bleibe dir nahe — אל תשתע, Hispael von שעה wenden —, brauchst dich nicht nach anderem Rat oder anderer Hilfe umzuschauen, ich bleibe dein Gott, wenn ich mich dir auch eben als אלקיך in erzieherischer Strenge zeigen muß. Blicke zurück auf den Weg, den ich dich bisher geführt habe, da wirst du inne werden, daß ich אמצתיך — (אמץ im Kal: stark sein, um das vorgesetzte Ziel zu erreichen, אמץ im Piel: jemand mit der dazu nötigen inneren Festigkeit ausrüsten) — dir stets die Energie, den Mut verliehen habe, der zur Lösung deiner Aufgabe gehört, אף עזרתיך und dir auch beigestanden habe, die äußeren Schwierigkeiten zu überwinden — hatte ich dich doch von vornherein aufgerichtet, Säule und Träger meines Rechts צדקי zu sein, für welches meine „Rechte“, das ist meine Waltung, die Menschheit gewinnen will. תמך bedeutet, wenn man die meisten Stellen, in denen es vorkommt, betrachtet, etwas unterstützen, daß es nicht aus seiner hervorragenden Stellung herabsinke.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 11. 12. In dem ersten Satze sind die Subjekte כל הנחרים und אנשי ריבך den Prädikaten יבושו, ויכלמו, יהיו ויאבדו nachgesetzt und ist damit angedeutet, sie im Gegensatz zu anderen. Ebenso im zweiten Satze das Subjekt אנשי מלחמתך nach dem Prädikat יהיו. In gleichem Sinne heben die Suffixe in תבקשם und תמצאם das Objekt אנשי מצתך hervor. Damit ist gesagt: Nicht du wirst dich in deiner Hoffnung auf Gott und deinen Erwartungen einer lichteren Zukunft getäuscht sehen und dich ihrer zu schämen haben, wie es dir deine mannigfachen Gegner und Feinde prophezeien, sondern sie. Die dich jetzt bis zur Vernichtung bekämpfen, sie werden sich noch ihres Judenhasses schämen und ihn verleugnen, und in ihrer völligen Nichtigkeit erkannt werden. — הנחרים, von חרה erglühen, zeichnet das erste Stadium des Judenhasses, er glüht noch im Innern des Judenfeindes; in אנשי ריבך — ריב Streit, Prozeß — macht er sich bereits nach außen hin Luft in falschen Anschuldigungen, sucht Gelegenheit, um Zwist und Streit herbeizuführen, der in אנשי מצתך in Tätlichkeiten ausarten, zu Judenhetzen werden wird, und אנשי מלחמתך sind die Anführer der grauenhaften Judenverfolgung im großen, die Helden der entsetzlichen „Judenschlachten“. (מצתך ist von der Wurzel נצה, die in den meisten Stellen, wo sie vorkommt, ein in Tätlichkeiten ausartendes Streiten bedeutet, z. B. 2. B. M. 2, 13. 21, 22; 5. B. M. 25, 11; 2. Sam. 14, 6, während es im Hifil 4. B. M. 26, 9 zum Streit aufhetzen und Ps. 60, 2 den Kampf unternehmen bezeichnet.) „Alle diese wirst du suchen, aber nicht finden“ — du überdauerst sie alle,
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 13. 14. denn ich, Gott, stärke deine Rechte, d. h. ich verleihe dir die Kraft, deine Aufgabe voll und ganz durchzuführen. Darum hast du nichts zu fürchten, rufe ich dir stets von neuem zu. Habe ich dir doch immer geholfen, auch die schwersten Zeiten zu bewältigen, in denen man dich תולעת יעקב wie ein lästiges Gewürm zu zertreten suchte und dir, dem mit der hohen Israels-Sendung betrauten Menschenstamme, mit dem persönlichen Wert auch alle Menschenrechte aberkannte. — Mit der tropischen Bezeichnung תולעת, das Fem. ist, wird die Anrede in weibl. Form weiter geführt bis in den nächsten Vers hinein. — מתי s. oben das zu מתיך (Kap. 3, 2) Bemerkte.
וגאלך קדוש ישראל. Indem Israel sich der Erfüllung der göttlichen Gesetzgebung treu hingibt, wird Gott sein „Heiliger“ und führt es seiner endlichen Erlösung entgegen. Tief bedeutsam heißt es dem כי אני אלקיך des V. 10 gegenüber hier V. 13 כי אני ד' אלקיך und V. 14 נאם ד': Je mehr du dich der Lösung deiner Aufgabe widmest, um so mehr kann die erziehende Strenge Gottes מדת הדין zurücktreten und seiner allbarmherzigen liebenden Waltung מדת הרחמים allein die glücklichere Gestaltung deines Geschickes überlassen, das mit deiner Erlösung seinen Glanzpunkt für immer bleibend erreicht.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 15. 16. מורג nur hier und im Plural 2. Sam. 24, 22: מרגים, 1. Chron. 21, 23: מורינים Dreschwalze oder Dreschwagen. חרוץ scharf, geschärft ist hier Eigenschaftswort, oben 28, 27 ist es Hauptwort und scheint eine andere Bezeichnung für Dreschwalze zu sein.
Diese beiden Verse bringen den schneidenden Kontrast zum Ausdruck, in dem das Zedek-Ideal zu den, den größten Teil der Menschheit beherrschenden, Maximen steht, und welch epochale Umwälzungen und die Welt erschütternde Stürme Israel, der Träger dieses Zedek-Prinzips, als klassischer Zeuge mit erleben werde, bis der Boden empfänglich geworden ist für die der Allmenschheit zu Glück und Heil aufsprießende Saat des Zedek. Vgl. oben V. 2: יתן כעפר חרבו כקש נדף קשתו. Dann aber findet sich Israel hochbeglückt in Gott und durch Gott, der ihm zur ruhmvollen Erfüllung seiner weltgeschichtlichen Mission verholfen hat.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 17—20: Aber auch bis zu diesem Zeitpunkte werde Gott das jüdische Volk, selbst in Dürftigkeit und in seiner abhängigen Lage, während des Ganges durch die Völkerwüste nicht verlassen und ihm helfen, deren sterilen Boden für die Aufnahme der Gottessaat vorzubereiten und ihre Wildnis zu kultivieren.
Zu den Völkern, die in ihrem Unglauben eine solche Umgestaltung der zukünftigen Verhältnisse und deren Vorausbestimmung als unmöglich bestreiten, spricht Gott V. 21 bis 29: Freilich, die von euch als Gottheiten verehrten Mächte, auf die ihr euch stützet, die vermögen solches nicht, die verstehen nicht einmal die Vergangenheit richtig zu deuten, geschweige denn die Zukunft zu verkünden. Ich aber habe in der Zukunft durch mich zu gestaltende Phasen der Weltgeschichte lange zuvor angekündigt, und sie sind ins Leben getreten. Längst bevor ich mein Volk in das Exil nach Babel sandte, habe ich bereits den bestimmt und angekündigt, der seine Befreiung aus ihm anzubahnen haben werde.
Aus dem Norden kommend, mußte Cyrus Babylon, diese gewaltige Macht, zertrümmern, damit er in meinem Namen Israel zur Heimkehr aus seinem östlichen Verbannungsorte berufe. So ist, was ich lange zuvor durch meinen Propheten verkünden ließ, eingetroffen und hat den Fortbestand von Zion, der Stätte meines Gesetzes, gesichert. „Zions Erster“, Ich bin noch da, und sie, die Träger meines Willens, sind noch da — so werde ich auch mit der Vorausankündigung der Wiederherstellung des jüdischen Staates einen meiner Propheten betrauen und die Verheißung verwirklichen. Das freilich vermögen die Gottheiten, die ihr verehret, nicht!
V. 17. Unter den bis dahin durch das Fehlen der Zedek-Idee herrschenden Mißständen leiden naturgemäß „die Armen und Abhängigen“ am meisten; am fühlbarsten von ihnen betroffen sind die Glieder des jüdischen Volkes, des Armen und Abhängigen kat' exochen, die, jedes Annehmers auf Erden entbehrend, nach Erquickung lechzen. Hört kein Mensch auf ihren Hilferuf — אענם Gott hört ihn und erhört sie, — als Antwort auf ihr Flehen empfinden sie die Kraft der Ausdauer, fühlen, ולא אעזבם daß sie auch bis zur endlichen Erlösung von Gott nicht verlassen sind. — נשתה von נשת s. o. 19, 5.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 18. 19. Ich verhelfe der von ihnen durch die Zeiten getragenen Saat zur Ausbreitung; so steril auch der Boden, ich mache ihn urbar, ich lenke den Strom der Ereignisse so, daß er die Dürre beseitigt.
אפתח על שפיים. שפי: וילך שפי (4. B. M. 23, 3) die Höhe. Ich lasse die „Höhen“, die „höheren Regionen“ der Menschengesellschaft selbst Veranlassung geben, daß in בקעות, den niederen Schichten, die Quellen der Rechtserkenntnis zum Durchbruch kommen, und so lasse ich Hoch und Niedrig zusammenwirken, um das Erdreich empfänglich zu machen für die Heilessaat, und andererseits Raum zu schaffen, wo es daran fehlt, für die Anpflanzung der wahren Kultur. Über מדבר und ערבה siehe das oben zu 40, 3 Erläuterte.
Die Namen der hier angeführten Bäume sind nicht sämtlich mit Sicherheit wiederzugeben, besonders gehen die Meinungen der Erklärer betreffs תדהר ותאשור auseinander. עץ שמן ist wahrscheinlich nicht identisch mit זית dem Olivenbaum, da Nehemia 8, 15: עלי זית ועלי עץ שמן Blätter vom Olivenbaume und Blätter vom Ölbaume gesondert aufgezählt werden. Nach רד"ק wäre עץ שמן die Pinie, zu welcher Gattung ja die Kiefer gehört, von der hauptsächlich das Pech und Terpentinöl gewonnen wird, daher der Name עץ שמן. Sicherlich ist die Spezifizierung der verschiedenen Baumarten hier von tiefer Bedeutsamkeit. Leider vermögen wir nicht die besonderen Eigentümlichkeiten einer jeden von ihnen zu würdigen. Es sind sämtlich bis auf die Myrte, so scheint es, Nutz- und Bauhölzer, nach ihrer Kostbarkeit jedoch verschieden und wohl auch in ihrer Dauerhaftigkeit. Ob damit angedeutet werden soll, daß, wenn auch dereinst der Unterschied des Standes und Besitzes nicht schwinden wird, doch in der aus bescheidenem Tannenholz gezimmerten Hütte dasselbe Recht und dasselbe Glück herrschen werde wie in dem aus kostbarem Zedernholz errichteten und mit feinstem Hausrat ausgestatteten Palaste und beide sich einträchtig יחדו nebeneinander aufbauen werden — das wagen wir kaum als Vermutung auszusprechen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 20. למען יראו וגו'. Damit „sie“ sehen u. s. w. dürfte wohl Israel und die Allmenschheit umfassen und darauf sich das יחדו beziehen. Und zwar scheint יד ד' die für das Heil der Menschheit waltende Hand Gottes zu bezeichnen, der als קדוש ישראל Israel mit dieser heiligen Sendung betraut hatte.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 21. קרבו, Imperat. des Piel wie ברכו (בעל מנחת שי fand in der Tat in manchen Ausgaben das ק ohne מתג). „ריבכם was ihr bestreitet“, was ihr gegen das Vernommene einzuwenden habet, kürzer: euren Einwand. — עצמותיכם von der Wurzel עצם mächtig sein, wovon עצם Knochen, das Knochengerüst, die Stütze der Muskulatur des Körpers; ebenso עצם und עצמה Stärke, Halt, תעצומות (Ps. 68, 36) bewältigende Kräfte, Ps. 10, 10: ונפל בעצומיו kommt עצומים als starke, unanfechtbare Beweise im Klageverfahren vor. Ähnlich Prov. 18, 18: ובין עצומים יפריד. In beiden Stellen heißt es allerdings עצומים und nicht wie hier עצומות mit einem Dageš im צ. Auch im Munde unserer Weisen kommt es Sanhedrin 31b vor: שנים שנתעצמו בדין אחד אומר נדון כאן ואחד אומר נלך למקום הוועד כופין אותו ודן בעירו wo jeder sich darauf stützt, das gleiche Recht wie der andere zu haben, um den Prozeß vor das ihm besser zusagende Forum zu bringen. Da nun hier durch das Dageš der Begriff noch verstärkt zu sein scheint, so dürfte es „eure machtvollsten Stützen“ bedeuten, und damit wohl dürften die Götter gemeint sein, auf deren „vermeintliche“ Macht sie sich stützen. Dieses „Vermeintliche“ der in Wirklichkeit nicht existierenden Stützen glauben wir in der weiblichen Formation von עצמותיכם statt עצמיכם angedeutet zu finden: die ihr für mächtige Stützen haltet, die aber in Wahrheit recht schwach sind und ohnmächtig.
Nachdem V. 1 Gott die Völker aufgefordert hatte, החרישו schweigend seinen Worten zu lauschen, — יגשו אז ידברו die Zeit zu reden werde für sie noch kommen, — erteilt er ihnen nun hier das Wort. Wenn sie Gott die Möglichkeit, die Zukunft derartig zu gestalten, bestreiten, so mögen sie die herantreten lassen, auf deren Stärke und Fähigkeiten sich ihre Behauptung stützt — ihre Götter. Das spricht מלך יעקב, der auch während der Exilsperiode nicht aufhört der König und Herr dieses gedrückten Jakobvolkes zu sein, מלך יעקב, an dessen Allmacht sie gerade der Ohnmachtszustand seines Volkes zweifeln macht.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 22. 23. Die Völker halten die Macht Gottes für ebenso begrenzt wie die ihrer Götter, und darum sprechen sie Gott die Möglichkeit ab, die Weltgeschichte nach seinem Willen zu lenken. Nun seht den Unterschied zwischen mir und ihnen!
Lasset sie uns ein Bild der künftigen Weltbegebenheiten entwerfen, oder — und nun zu den Göttern direkt gewandt und sie mit beißender Ironie anredend — erkläret uns auch nur das bereits Vollzogene, daß wir es begreifen und seine Folgen erkennen können, oder aber הבאות (Präsens) saget an, was in der allernächsten Zeit geschehen wird, also seine Vorboten sicherlich bereits gesandt hat. Deutet uns das bereits Eingetretene rückwärts, das heißt, lasset uns die Ursachen der schon stattgehabten Ereignisse erkennen, aus welchen Ursprüngen sich das Gewordene entwickelt hat — so wenig dieses, wenn ihr es auch vermöchtet, eure schöpferische Fähigkeit beweisen würde, so wollen wir es dennoch, wenn ihr irgend etwas derartiges zu leisten imstande seid, als vollen Beweis eurer Göttlichkeit akzeptieren und — hier spitzt sich die Ironie auf das schärfste zu, wenn unsere Auffassung nicht irrig ist — wollen uns fortan aneinander um Rat wenden und gemeinsam die Vorsehung der Erde bilden!! —
ונשתעה ist Hispael von שעה wenden; da שעה im Kal schon sich wenden heißt, so dürfte der Hispael im Plural: sich einer an den anderen wenden bedeuten. Regulär müßte es ונשתעֶה heißen.
Zu unserer Auffassung haben wir noch zu bemerken: האתיות, von אתה kommen, eintreten, die eingetretenen Ereignisse. לאחור: Vergleicht man sämtliche Stellen, in denen אחור oder לאחור vorkommt, so ergibt sich, daß es zurück, rückwärts, das räumlich oder zeitlich Zurückliegende, bezeichnet. Im Komm. zu Ps. 139, 5: אחור וקדם צרתני wird אחור ebenfalls als die Vergangenheit und קדם als Zukunft aufgefaßt, aber zugleich die Möglichkeit offen gelassen, daß dort קדם, wie sonst häufig, die Vergangenheit und das ihm gegenüberstehende אחור das „Nach“-folgende, die Zukunft bedeute. Viele Kommentatoren, ältere wie neuere, wollen hier לאחור als späteste Zukunft auffassen, entweder wie אחרית oder als Gegenteil von לפנים, das die frühere Zeit bezeichnet. Jedoch findet man in allen Stellen, wo לפנים in diesem Sinne vorkommt, לאחור nicht, und hier steht nicht לפנים. Wo פנים und אחור einander gegenübergestellt vorkommen, z. B. 2. Sam. 10, 9; 1. Chron. 19, 10; 2. Chron. 13, 14; Jechesk. 2, 10, ist die Bedeutung: vor- und rückwärts, Vorderseite und Rückseite.
Abgesehen davon ist es schwer anzunehmen und logisch nicht zu verstehen, daß, nachdem man jemand eine leichtere Aufgabe gestellt hatte, die er nicht lösen konnte, man ihm nun eine schwerere stellen sollte. Nach unserer Auffassung jedoch folgt auf die nicht gelöste schwerere eine leichtere.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 24. מאפע. אפע kommt nicht wieder vor; es wird von manchen wie אפס nichts oder als mit פעה schreien verwandt erläutert. — Ihr seid nichts und vermöget nichts, und wer sich euch zuwendet, geht seiner Menschenwürde verlustig! Nun seht dagegen mich und meine Waltung:
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 25. 26. העירותי מצפון. Das Gotteswort versetzt sich in eine zukünftige Zeit, in der das hier Verkündete bereits längst zur Tatsache geworden, der Geschichte angehört. Es bedarf daher auch der Namensnennung desjenigen nicht, „den Gott erweckt hat“. Diese erfolgt erst in dem V. 28 des Kap. 44 im Zusammenhange mit dem ihm besonders gewidmeten Kapitel 45, und wird dort V. 13 Cyrus als der „um des Rechts willen Erweckte“ bezeichnet.
מצפון. Persien lag nördlich von Babylon und Babylonien östlich von Palästina: Aus dem Norden ließ ich Cyrus kommen, auf daß er in meinem Namen Israel aus seinem ostwärts liegenden Verbannungsorte heimrufe. Dazu ließ ich ihn über Fürsten dahinschreiten und machte sie zu gefügigem Stoff für seine Absichten. Zum Vergleichen dieser Prophezeiung mit ihrer Erfüllung mögen die Verse Esra Kap. 1, 2 u. f. hier folgen: „So hat Cyrus, König von Persien, gesprochen: Alle Königreiche der Erde hat mir Gott, der Gott des Himmels, gegeben und Er hat mich beauftragt, ihm ein Haus in Jerusalem, das in Juda liegt, zu erbauen. Wer unter euch (der Erlaß war an alle seine Untertanen gerichtet) ist von seinem ganzen Volke, mit dem möge sein Gott sein, er ziehe hinauf nach dem in Juda gelegenen Jerusalem und erbaue das Haus Gottes, des Gottes Israels, das ist der Gott, der in Jerusalem ist u. s. w.“ — Demnach dürfte mit יקרא בשמי hier vielleicht ein Zwiefaches gesagt sein: Er verkündet in meinem Namen und beruft Israel heim in meinem Namen.
Das ließ ich lange zuvor durch meinen Propheten verkündigen — die Prophezeiung hier geschah etwa 180 Jahre vor ihrer Verwirklichung — und alles ist eingetroffen. Derartiges vermögen freilich weder eure Götter — מגיד — noch deren Wahrsager — משמיע —, und versuchten sie sich in Verheißungen — es würde niemand auf sie hören, niemand ihnen auch nur den geringsten Wert beimessen. אמריכם von אמר, das vorzugsweise ein verheißender, zusagender Ausspruch ist. Vgl. Ps. 68, 12, Job 22, 28 und sonst.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 27. ראשון entsprechend dem אני ד' ראשון des V. 4. Ich habe einst Zion zur Stätte auserkoren, von der aus meine Lehre unter die Menschheit gelangen soll, diesem Ziele galt meine Verkündigung, diesem Ziele meine Waltung. Was ich voraus verkündigen ließ, ist eingetroffen. Ich bin noch derselbe und הנם sie, die Träger dieser Bestimmung sind auch noch da — gerade so werde ich auch für ירושלם, d. i. die Wiederherstellung des jüdischen Staates, meinen verkündenden Sendboten bestimmen und das Verheißene ins Dasein rufen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 28. 29. Zum Schlusse nimmt das Kapitel bezug auf die V. 21 an die Völker ergangene Aufforderung, ihrem etwaigen Proteste gegen das von Gott Ausgesprochene Worte zu verleihen und die von ihnen verehrten Götter als Anwälte herantreten zu lassen: וארא ואין איש Es zeigt sich kein Mensch, und ומאלה von jenen, die Gott V. 22 direkt haranguierte, ist ebenfalls niemand da, der ihnen Rat erteilen und Gott Rede und Antwort stehen könnte. Da ergibt sich als Fazit des Ganzen von selbst: הן כלם so sind sie alle, d. h. die Menschen, die Gott entfremdet sind und die von ihnen verehrten Gottheiten — der ersteren Taten sind און unrecht, streben das Gegenteil des צדק an, dem der endliche Sieg zuteil wird, und der Götter Taten sind überhaupt Null, und darum ist's eitel Wind und unklares Tun und Verirrung, wenn die Menschen sich deren Zuneigung und Mitwirkung für ihre Unternehmungen durch Opfer selbst geringfügigster Art, selbst einfacher „Libationen“ zu erringen suchen. — In der Bedeutung von Gußbild kommt נסך und נסכים nirgends vor.